"Hochbegabung" kann verschwinden!

Eltern
haben Kluge Kinder auch Kluge Eltern? Alles zu Hochbegabung bei Erwachsenen

"Hochbegabung" kann verschwinden!

Beitragvon Claudia2 » Mi 18. Jun 2003, 15:48

Wenn ich mir "hochbegabt" so anschaue, dann treffen alle Merkmale auf mich zu. Mit
6 Monaten habe ich angefangen zu sprechen, viele einzelne Wörter, auch schwierige. Mit 9
Monaten konnte ich laufen. Buchstaben konnte ich mit 3, mit 4 konnte ich lesen. Mit 5 bin
ich in die Schule gekommen und hatte in der Grundschlue nur sehr gute Noten. Und dann? Habe
ohne überhaupt irgendwas zu lernen ein gutes Abitur gebaut (nur von dem, was im Unterricht
hängen geblieben ist), eine sehr gute Ausbildung und ein gutes Studium.
ABER: ich habe einen ganz normalen Job und fühle und fühlte mich überhaupt nie hochbegabt.
Aus mir ist kein Genie geworden, was ich auch nicht bedauere. Vielleicht fehlte immer der
Ehrgeiz oder ich war nie hochbegabt, sondern nur ein Frühstarter?
Möchte alle Mütter warnen, zuviel von ihren "hochbegabten Kindern" zu erwarten,
wenn die Kinder groß werden, kann sich alles relativieren!!!
Claudia2
 

Was wäre wenn - und nicht alle Hochbegabten sind Genies

Beitragvon KArin » Mi 18. Jun 2003, 15:49

Hallo Claudia,
zu deiner Geschichte fallen mir spontan 2 Dinge ein: es gibt eine Studie aus Amerika, nach
der bei 3-6jährigen ein deutlich höherer Anteil an Hochbegabten/Entwicklungsbeschleunigten
zu finden ist als später, mit 10 - 15 Jahren. Und noch später, bei Erwachsenen, schauts noch
trister aus. Daraus würde ich aber nicht schließen, daß Vorsprünge in der Entwicklung sich
unbedingt relativieren müssen (obwohl das natürlich auch möglich ist), sondern daß es sehr
auf Förderung, Motivation, Umfeld etc. ankommt. Hb, die nicht gefördert wird, wird sich auch
nicht weiterentwickeln, sie besteht zu 50% aus Vererbung und zu 50% aus Umfeld.
Auf deine Situation bezogen: vielleicht wäre aus dir etwas anderes geworden, hätte deine
Umgebung anders (positiver) auf dich reagiert?
zweitens: Verwechsle bitte nicht Hochbegabt mit Wunderkind. Hochbegabt ist per Definition
jeder, der einen IQ über 130 aufweist. Bist du jemals getestet worden? Auch 130 ist
hochbegabt, aber doch nicht sooo weit vom Durchschnitt entfernt, vom akademischen schon gar
nicht - ich denke, wer nicht zusätzlich als Kind Probleme mit seiner Umgebung hatte, geht
vielleicht wirklich so unerkannt durchs Leben, daß er sich seiner Hochbegabung nicht einmal
selbst bewußt ist.
Gerade die "normalen" Hochbegabten fallen nicht unbedingt so sehr auf, die typischen
Probleme
kommen ja hauptsächlich von einer großen Diskrepanz zwischen den einzelnen Bereichen (sehr
hoher intellektueller IQ bei geringer bzw. altersgemäßer emotionaler Reife z.B. ist so eine
typische Konstellation). Bei einer Hochbegabung im nicht Extrembereich sind nicht
zwangsläufig Verhaltensauffälligkeiten oder Probleme mit der Umgebung (Mitschüler,
Lehrer...) zu erwarten.
Und die "universelle Hochbegabung", das "Wunderkind", der "Überflieger", die die meisten
Leute gemeinhin mit Hochbegabung assoziieren, sind die ganz wenigen, deren Begabung in allen
Bereichen (intellektuell, emotional, sozial etc) weit über dem Durchschnitt liegt.
Liebe Grüße
Karin
KArin
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keine zu hohen Erwartungen!

Beitragvon Gast_(anonym) » Mi 18. Jun 2003, 15:49

Wenn ich deinen Schul-Lebenslauf lese finde ich
ihn schon sehr angenehm und wäre hochzufrieden. Mehr
erwarte ich von meinem Kind gar nicht. Wenn es so problem
los läuft wie bei dir, kann ich mehr als froh sein.
Gast_(anonym)
 

das kenn ich!

Beitragvon Gast_(A.) » Mi 18. Jun 2003, 15:50

Hallo,

dieser Werdegang kommt mir sehr, sehr bekannt vor!
(vor allem, wie Du das ABI geschafft hast...).
Auch ich habe danach ein relativ normales Weiterleben gehabt
nicht studiert, Ausbildung gemacht, Job gefunden, Spass am Leben
gehabt und bin dann so zu sagen "zufällig" mit 29 zum
IQ-Test mit sehr zufriedenstellendem Ergebnis (140 Schnitt aus sechs Tests).
Wenn man mich manchmal so sieht, glaubt man´s kaum...

Du siehst es bleibt einem erhalten, kann aber erfolgreich unterdrückt werden.

Liebe Gruesse

A.
Gast_(A.)
 

Hochbegabung kann verschwinden

Beitragvon Gast_(Andreas) » Mi 18. Jun 2003, 15:50

Bin auch der Meinung, dass Hochbegabung verschwinden kann. Nicht aus jedem Wunderkind, das
mit sechs Jahren Konzerte gibt, wird ein großer Musiker. Ich bin mir jedoch noch nicht so
sicher, ob Sie tatsächlich so zufrieden sind, wie Sie es vorgeben zu sein. Würde gerne mit
Ihnen persönlich sprechen. Herzliche Grüße aus Innsbruck Andreas Maislinger
Gast_(Andreas)
 

verschwundene Hochbegabung

Beitragvon Gast_(Anonymus) » Mi 18. Jun 2003, 15:51

Liebe Claudia,
Ihre Hochbegabung ist nicht verschwunden. Sie sind ein äußerst intelligenter Mensch, wie
Ihre schulische Laufbahn zeigt, und außerdem scheinen Sie ein rundum zufriedener, in sich
selbst ruhender Mensche zu sein. Sie haben eine sehr gute Ausbildung und einen Job, der
Ihnen offenbar Spaß macht. Ich könnte mir vorstellen, daß das nicht so wäre, wenn Ihre
Hochbegabung schon im Kindesalter "erkannt" worden wäre. Ich denke mir, daß die
Verhaltensauffälligkeiten vieler dieser Kinder einfach aus der Tatsache entstehen, daß man
zu viel in sie reininterpretiert und zu viel von ihnen erwartet. Eine Hochbegabung muß ja
nicht unbedingt bedeuten, daß man auf irgendeinem Gebiet geniale Leistungen vollbringt. Ich
denke, daß wirkliche Genies meist sehr unglückliche Menschen sind (Beispiele in der
Literatur oder Musik gibt es genug). Zu viel "Kopflastigkeit" ist nicht gut, besonders bei
Kindern. Hochbegabung sollte m.E. bedeuten, daß man sein Leben gut meistert, weil man besser
als die meisten Menschen dazu ausgerüstet ist. Genau das haben Sie offenbar getan.
Weiterhin viel Glück!
Gast_(Anonymus)
 

mehr Gelassenheit

Beitragvon Gast_(anonym) » Mi 18. Jun 2003, 15:51

Hallo Claudia, Deine Karriere kommt mir bekannt vor - meinen Geschwistern sicher auch. Auch
wir wurden nie auf Hochbegabung getestet, unsere Eltern waren heilfroh, sich um unsere
schulische Entwicklung keine Sorgen machen zu müssen. Wir waren alle ausgesprochen faule
SchülerInnen, hatten dafür aber mehr Zeit für andere Dinge, die das Leben so anbietet. Die
einen sind klug und legen die Füße hoch und die anderen sind fleißig.
Gast_(anonym)
 

zu den Verhaltensauffälligkeiten

Beitragvon Gast_(Alf) » Mi 18. Jun 2003, 15:52

Lieber "Anonymus",
Die angesprochenen Verhaltensauffälligkeiten entstehen nicht, weil man in diese Kinder zu viel reininterpretiert oder zu viel von ihnen erwartet, sondern weil viele von ihnen in ihrer Denkstruktur einen anderen, völlig eigenen Weg gehen, der in ihrer Umgebung (bei Erwachsenen und Gleichaltrigen) auf Unverständnis, manchmal sogar auf Ablehnung stößt.
Ich habe einen 9jährigen Sohn, von dem ich inzwischen weiß, dass er hochbegabt ist - und warum? Weil er vor allem durch seine altersmäßig "nicht ausreichend entwickelten" sozialen Kompetenzen aufgefallen ist. Dass er enorm schnell wahrnimmt (was ihn interessiert), kombiniert und die Mathematik sein Hobby zu sein scheint, war für Erzieher und Lehrer erst einmal nebensächlich - bis eine Lehrerin, die ihn anfangs wegen seiner Kaspereien nur als Störenfried betrachtete, das Kind genauer beobachtete (allerdings erst auf meinen Hinweis, dass er zu Hause weint, weil es in der Schule so langweilig ist und er nicht mehr hingehen will). Sie schlug uns den Weg zur Schulpsychologin vor und wollte ihn die dritte Klasse überspringen lassen. Daraufhin ließen wir ihn bei der Schulpsychologin testen; wir wollten Klarheit gewinnen, ob ein Sprung wirklich eine Lösung wäre. Aber auch sie war sich trotz der von ihr eindeutig festgestellten Hochbegabung nicht sicher, ob das Kind psychisch einen Sprung verkraften würde.
Augenblicklicher Stand ist: Er geht in die dritte Klasse einer anderen Grundschule, die Lehrerin fordert ihn wohl etwas mehr, bringt aber seinem Verhalten im Unterricht (er verweigert sich, wenn er den Sinn einer Arbeit nicht einsehen kann) wenig Verständnis entgegen. Die Mathematikaufgaben hält er für reine nervige Schreibarbeit. - Vielleicht hätten wir ihn den Sprung doch wagen sollen? Vielleicht wären dadurch seine Verhaltensauffälligkeiten verschwunden wie bei anderen hb.Kindern, die eine Klasse übersprungen haben!

Wir glauben, dass unser Sohn glücklicher und weniger verhaltensauffällig wäre, wenn seine Hochbegabung früher erkannt worden wäre. Den JEDES Kind möchte seinen Interessen entsprechend gefördert werden. Statt seine Interessen aber ausleben zu dürfen, wurde unser Sohn eher gebremst.
Hierzu möchte ich noch bemerken, dass ich mich in den letzten Monaten intensiv mit dem Thema Hochbegabung auseinandergesetzt habe (u. a. liegt gerade eine Umschulung zur Erzieherin hinter mir); ich weiß deshalb, dass unser Sohn kein Einzelfall ist, dass er im Gegenteil die typischen Verhaltensauffälligkeiten vieler hochbegabter Jungen zeigt. - Einerseits beruhigend, andererseits bleibt uns als den Eltern immer die Unsicherheit bei folgenschweren Fragen: Welche Entscheidung ist besser für seine Entwicklung? Welche macht ihn glücklicher und selbstsicherer?
Keinesfalls erwarten wir von ihm geniale Leistungen. Dass er den Sprung ins Gymnasium schafft, ist unserer Meinung nach für ihn wichtig, weil dort sowohl im mathematischen als auch im naturwissenschaftlichen Bereich endlich die Anforderungen an ihn gestellt werden, die ihn reizen von sich aus mitzumachen.
Dies war zwar eine lange Antwort, aber ich wehre mich dagegen, dass Du alle Eltern von hochbegabten Kindern in eine gemeinsame Schublade steckst und die Verhaltensauffälligkeiten solcher Kinder als Folge von zu hohen Erwartungen und zu viel Förderung siehst.
Liebe Grüße, Alf
Gast_(Alf)
 

Gelassenheit? wie kann man gelassen bleiben, wenn...

Beitragvon Gast_(anonym) » Mi 18. Jun 2003, 15:52

jemand hochbegabt ist.
Inzwischen bin ich 48 Jahre und habe immer noch erhebliche Probleme, vor allem mit meinen lieben Mitmenschen.
Zwar weiß ich bis heute nicht, ob und wie "hochgradig" ich hochbegabt war oder bin, aber dass ich schon immer "anders" war und bin, weiß ich schon von dem Moment an, seit ich denken kann.
Schulischer Werdegang: aufgrund widriger familierer Umstände, Volksschule, dann Ausbildung, dann Heirat und Kinderchen.
Dass ich nie für irgendetwas lernen musste, erkannte ich schnell und freute mich eigentlich darüber.
Wenn da nur nicht die Mitschüler, deren Eltern oder auch nur Nachbarn gewesen wären.
Ich galt als "Streberin", vorlaut und widerspenstig. Das brachte mir einiges an "Bestrafungen" zu Hause ein.
Nächtelang habe ich geweint, habe inbrünstig dafür gebetet, endlich so zu sein wie alle anderen. Natürlich hat sich nichts geändert. Nach der Schulzeit machte ich eine Ausbildung in einem kleineren Betrieb.
Auch hier das gleiche Spiel: waren die Berufschulzeugnisse bei mir tadellos, galt ich als Streberin. Die anderen beiden Auszubildenden hatten schwache Leistungen erbracht, konnten aber gut dafür das Geschäft nach Feierabend reinigen und wurden deshalb über alle Gebühr gelobt. Ich wurde als "zu dumm zum Putzen" betitelt; gute Zeugnisse interessierten nicht. Es stimmt allerdings, dass ich damals nicht gut mit einem Schrubber oder Aufnehmer umgehen konnte.
Als ich an einem besonders schlimmen Tag "ausrastete" folgte die Kündigung. Meine Prüfung habe ich während der Arbeitslosigkeit abgelegt und bestanden.
Schnell fand ich Arbeit in einem großen Konzern; auch hier galt ich schnell als Außenseiterin, da ich Arbeitsanweisungen sofort verstand und nie nachfragen musste. Von dem Moment an, als der Abteilungsleiter mich vor versammeltem Kollegium hochlobte und von seinem "großem Respekt" vor dieser jungen Kollegin sprach, war alles aus. Ich wurde von Kolleginnen und Kollegen gemieden, als ob ich die Pest gehabt hätte.
Meine Heirat und die schnelle Schwangerschaft retteten mich und ich kündigte ohne jemals an diese Firma zurückzudenken.
Leider wohnte ich dann in einem Mietshaus mit Nachbarn, die ausgesprochen "Kinderfeindlich" waren. Inzwischen hatte ich zwei kleine Kinderchen und nichts wie Ärger mit Nachbarn. Schreien durften Beide nicht und Laufen lernen auch nicht. Alles war zu laut und manchmal klopften sie dreimal am Tag an meine Tür um sich zu beschweren.
Trotzdem blieb ich dort 18 lange, furchtbare Jahre dort wohnen. Nie habe ich es verstanden, was eigentlich mit mir los war. Immer habe ich die Schuld einzig und allein bei mir gesucht. Schließlich war "ich" anders, die anderen verstanden sich doch untereinander. Wieso ich, ausgerechnet ich so anders war, ich wusste es nicht. Mit den Tränen, die ich bis heute geweint habe, könnte ich mindestens 10 Badewannen füllen.
Wenigstens in meinem jetzigen Beruf fühle ich mich einigermaßen wohl, werde akzeptiert und über alle Maßen gelobt. Allerdings habe ich auch keine Kolleginnen um mich, nur die Chefin selbst.
Warum ich diese lange Geschichte schreibe?
Tja, l e i d e r hat mein Sohn die Hochbegabung (?) geerbt, er leidet genauso entsetzlich wie ich gelítten habe.
Nur zum Verständnis, was ich meine: mit 2 Jahren kannte er sämtliche Automarken einschließlich der dazugehörigen PS (KW) Zahl, mit 4 Jahren fließendes Lesen und Rechnen bis in den 100er Raum. Glück? Mitnichten, er wurde genauso als "Streber" betitelt wie ich. Abi machte er ohne jegliches Lernen mit 1,7 und studiert jetzt. Dass auch er unsagbar unter Mitmenschen zu leiden hat, weiß ich, fühle ich, wenn ich ihn nur ansehe.
Aber wenigsten einen kleinen, klitzekleinen Vorteil hat er: I c h weiß, wie er sich fühlt, ich kann mit ihm über seine Probleme reden, verstehe ihn, bin ihm Mutter und Freundin in einer Person. Apropos Freundin: sie hat ihn als Nachhilfelehrer benutzt und als sie mit Ach und Krach ihr Abi hatte, sofort Schluss gemacht. Wie durch ein Wunder hat er das relativ gut weggesteckt. Nächtelange Gespräche haben geholfen.
Nur, dass er "anders" ist als andere, davon will er nichts wissen. Ich habe jetzt schon eine wahnsinnige Angst, wenn er den knallharten Arbeitsalltag kennenlernen wird. Er ist so furchtbar sensibel.
Zur Zeit lebe ich von der Hoffnung, dass er eine liebe Frau findet, die ihn nicht ausnutzt und erkennt, wie wertvoll er ist.
Manchmal wünschte ich wirklich, ich hätte ihn nie geboren.
Grausam klingt das? Ich liebe mein Kind über alles, aber er soll doch nicht das gleiche mitmachen, was ich erlebte.
Hochbegabung ist keine Gabe, für mich ist sie ein nicht endenwollender Albtraum.
Wenigstens mein zweites Kind ist "normal".
Eine verzweifelte Mutter
Gast_(anonym)
 

nicht verschwunden

Beitragvon Gast_(anonym) » Mi 18. Jun 2003, 15:53

Ich glaube nicht, dass Hochbegabung so einfach verchwindet. Man sollte den Kindern zu Hause das Gefühl geben, verstanden zu werden, als sicherer Hafen fungieren. Eventuelle Hb oder überdurchschnittlich intelligent - da in der Gesellschaft wenig Platz für diese Kinder ist und sie oft missverstanden werden, sollte man alle Möglichkeiten nutzen, ihnen zu Hause dis "Nahrung" zu geben, die sie brauchen
Gast_(anonym)
 

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