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Falsches Testergebnis bei Erwachsenen?

BeitragVerfasst: So 23. Apr 2006, 13:00
von Gast_(ratlos)
Guten Tag,

ich hoffe ihr könnt mir weiterhelfen. Ich habe vor einigen Wochen einen IQ Test gemacht und nun vor wenigen Tagen die ausführliche Auswertung erhalten. Ich verstehe die Welt nicht mehr. Laut diesem Test bin ich gerade noch hochbegabt, was an sich schon unglaublich genug ist. Meine schulische Karriere endete mit der Mitteren Reife, ich habe eine Hauptschule besucht, demnach auch nie studiert, habe in der Schule immer nur mittelmäßige Leistungen erbracht, mir wurde durchweg ein miserables Sozialverhalten bescheinigt, ich hatte nie gute Freunde, musste mir immer anhören das ich zu kompliziert denke und zu dumm bin, egal was ich angepackte. Ich habe ein ausführliches Begabungsprofil erhalten das eigentlich allem widerspricht was ich von mir zu wissen glaubte. Laut diesem Test liegen meine Stärken in genau den Bereichen in denen ich mich für eine absolute Niete halte, während meine persönlichen Schwerpunkte, womit ich andere dann doch durchaus mal beeindrucken kann, im unteren Bereich meiner Fähigkeiten angesiedelt sind. Am Tag des Testes war ich sehr gut drauf und vermute deshalb über mich selbst hinausgewachsen zu sein. Nachdem was ich nun gelesen habe sind Schwankungen je nach Tagesform durchaus normal und da mein Ergebnis sich an der unteren Grenze bewegt könnte das Ergebnis auch durchaus zu hoch sein oder? Ich weiß nicht ob mich jemand verstehen kann, aber es würde mich mit meinen 38 Jahren beruhigen zu hören daß diese eben von mir aufgestellte These stimmen könnte. Denn ich würde es irgendwie als Lob empfinden trotz normaler Intelligenz mal eine herausragende Leistung erbracht zu haben als mir einzugestehen eine verkrachte Existenz zu haben und mein Potential (insofern es denn vorhanden wäre) niemals wirklich genutzt zu haben. Wäre es möglich, daß dieses Testergebnis falsch also zu hoch ist? Hat jemand eine Erklärung dafür warum dieses Begabungsprofil völlig anders ist als meine tatsächlichen Stärken? Kann es passieren das solche Tests bei privaten Psychologen vertauscht werden?


Danke, Gabi

Re: Falsches Testergebnis bei Erwachsenen?

BeitragVerfasst: So 23. Apr 2006, 17:12
von auch gast
ja wennst eh immer schon " zu kompliziert" gedach hast, darfst dich jetzt nicht ueber ein hohes IQ ergebnis wundern.
ob du jetzt grad hochbegabt bist oder wg 2 punkten doch nicht ist doch voellig irrelevant.
du bist halt gscheiter als der grosse rest der bevoelkerung und hast trotzdem nicht die unbedingte lust an einem studium gehabt. muss ja nicht sein.
ich denke, hilft nix. es liegt nicht daran, dass du nicht die faehigkeiten hast, es liegt daran, dass du nicht alles umsetzen kannst, was du in dir hast. wenn du trotzdem zufrieden mit deinem leben bist, ist ja alles ok. wenn nein (wieso hast du ueberhaupt den test gemacht?), dann wuerd ich mich schon damit auseinander setzen.
lg
liz

Re: Falsches Testergebnis bei Erwachsenen?

BeitragVerfasst: Do 27. Apr 2006, 19:01
von Mary
Man schraubt seine Leistungen in den Bereichen am meisten herunter, in denen man besonders begabt ist und häufig im gleichen Zug auch am meisten "gedrosselt" wird - dadurch verliert man halt die Lust daran und glaubt irgendwann selbst nicht mehr, dass man es gut kann.
Ich war damals bei meinem Test auch völlig überrascht, als mir gesagt wurde, dass meine Stärke die Geschwindigkeit wäre - ich hielt mich selbst für den wohl langsamsten Menschen, den es auf der Welt gibt...

Re: Falsches Testergebnis bei Erwachsenen?

BeitragVerfasst: Do 25. Mai 2006, 16:30
von sylvia
Gabi, Dein Ergebnis ist NICHT zu hoch. Ein IQ-Ergebnis ist immer eine untere Grenze der Faehigkeit, es gehoert eine Menge Glueck dazu, zu hoch zu testen - das ist extrem unwahrscheinlich. Nimm Dein Ergebnis als richtig an.
Warum Dir das schwerfaellt: Zum einen, wie Mary ja schon schrieb, wurde wahrscheinlich immer an Deinen Schwaechen gearbeitet, solange bis D frustriert Deine Staerken aufgegeben hast. Dann "denkst Du kompliziert", was auch heisst, dass Du erstmal alles hinterfragst (Hmmm. Ist das nicht auch auf den Standard-Checklisten fuer H.B. zu finden???)
Und dann wird in der Gesamtbevoelkerung und auch bei einer Reihe HB-Forschern (leider) H.B. mit Hochleistung gleichgesetzt. HB ist aber nur das Potential, hoch zu leisten, ob Du das tatsaechlich tust, haengt con Motovation, Umgebung und Persoenlichkeit ab.

Dein Testergebnis heisst aber auch nicht, dass Du eine "verkrachte Existenz" bist,
Es heisst nur, dass DU keinerlei Foerderung erfahren hast.
Nur mal als Beispiel: 25% der amerikanischen Highschool-Abbrecher sind H.B. (Gesamtbevoelkerung 2%) - das sind die Leute, die nicht ins System passen - nicht mit dem System arbeiten koennen/wollen.

Was Du gerade erfaehrst ist ein typisches Phaenomen bei Eltern von HB Kindern: die Trauer um die verpassten Chancen. Da musst Du leider durch. Fuer mich hat das bedeutet, dass ich wieder an die Uni gegangen bin und etwas studiert habe, woran mein Herz hing. Ich habe mit 37 damit angefangen und bin inzwischen fertig. Fuer mich hat das auch bedeutet, dass ich mich gruendlich belesen habe und eine Reihe "Aha"-Erlebnisse hatte (also deshalb wollte in der Schule keiner was mit mir zu tun haben - also deshalb breche ich immer wieder gerne in Traenen aus - also deshalb fand ich mich nie passend ...) Die Erklaerung loest so einiges an Problemen auf - fand ich jedenfalls.

Geh doch bitte mal in einen Buchladen oder stoebere bei Amazon (ueber den Link unten - Karin wird sich freuen) und suche nach guten Buechern ueber HB. Fang an zuu lesen. Finde raus, wo Deine Staerken wirklich sind. Schau, wie Du jetzt (!) damit umgehen kannst und nimm das Geschehene zur Kenntnis. Das braucht Dich aber nicht herabzuziehen. Du bist keine verkrachte Existenz, DU hast nur nicht so viel Glueck gehabt wie andere.

Was fuer ein Test war das, den Du gemacht hat? Und wie kamst Du darauf, einen solchen Test zu machen?

Liebe Gruesse von Sylvia