Du bist doch auch hochbegabt oder nicht?!

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haben Kluge Kinder auch Kluge Eltern? Alles zu Hochbegabung bei Erwachsenen

Du bist doch auch hochbegabt oder nicht?!

Beitragvon Winnie » Mi 3. Feb 2010, 12:34

Ich habe gestern mit meiner besten Freundin telefoniert. Sie wohnt leider 500 km weit weg, deswegen sehen wir uns auch nicht so häufig. Ich habe mir nun ein Herz gefasst und ihr von den Untersuchungen von meiner Tochter erzählt und dann auch angedeutet, dass sich nun der Verdacht auf Autismus nicht bestätigt hat, aber ich die Sache mit der Hochbegabung noch wahrscheinlicher geworden ist.

Ich hatte ja gesagt, ich bringe das Wort nicht über die Lippen, aber ich habe so rumgedruckst und sie wusste nicht, was ich sagen wollte. Da musste ich es präzise ausdrücken.

Und sie hat ganz trocken geantwortet: "Wieso wundert dich das so? Du bist doch auch hochbegabt oder nicht?" Ich war ganz platt und fragte sie: "Wie kommst du denn darauf?" Und sie sagte: "Na, ich war ja schon gut in der Schule, aber du... Doch, da bin mich mir eigentlich ziemlich sicher." Ich habe dann gesagt, dass ich ja auch nicht viel bessere Noten hatte als sie und sie meinte: "Ja, weil du nicht wolltest, aber wenn du gewollt hättest, wärst du total die Überfliegerin geworden."

:oops: Das kam unerwartet und ich dann irgendwie ganz verlegen.

Dann habe ich sie gefragt, warum ich dann kein Einser-Abi habe und dann meinte sie nur so: "Rebellion!"

Ich bin jetzt seit über 20 Jahren mit ihr befeundet. Sie hätte ja auch mal früher was sagen können...
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Re: Du bist doch auch hochbegabt oder nicht?!

Beitragvon alibaba » Mi 3. Feb 2010, 12:58

Hallo Winnie,

ein gutes Zeugniss hat nicht immer etwas mit Hochbegabung zu tun bzw. es kann, kann aber auch nicht damit in Zusammenhang stehen. Es gibt Studien, die belegen sogar, das die Toplenker/Topverdiener unserer Gesellschaft nicht automatisch hochbegabt seien. Also Herr Ackermann muss nicht automatisch hochbegabt sein, ein schrulliger, unbeliebter, weil alles zu kompliziert erklärender,Proffessor aber vielleicht schon.

Gute Noten stehen also nicht automatisch in einem Zusammenhang mit einem IQ. Tendenziell viele Hochbegabte (vor allem Jungen) landen auf der Haupt -oder Sonderschule. Nicht weil sie es nicht können, sondern weil sie nicht fähig sind es umzusetzen. Der gymnasiale Durchschnitt liegt glaube ich bei 109. Da tummeln sicherlich und mit hoher Wahrscheinlichkeit Hochbegabte rum, aber genauso viele Normale. Es gibt darüber hinaus Statistiken, die besagen bei einem IQ zwischen 110-120, seien die besten Umsetzungspotentiale vorhanden.

Ich denke daher, das ein gutes Zeugnis, einen Menschen darstellt, der es verstanden hat, sein Potential richtig um und einzusetzen. Ob der damit auch automatisch hb ist, sicherlich in ein paar Prozentfällen. ;)

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Re: Du bist doch auch hochbegabt oder nicht?!

Beitragvon Eichhörnchen » Mi 3. Feb 2010, 14:33

Hallo Winnie,

das kann ich auch so bestätigen.
Meine leistungen waren im guten 2er bereich. Mehr wollte ich aber auch nicht. Und das hab ich alles mit 0 aufwand bekommen.
Mein jüngster ist im bereich der genialität. und da haben sie mir gleich dazu gesagt, das ich nicht mit 1en rechnen brauche. Kinder mit diesem iq würden keine 1 schreiben. (wenn der lehrer fragt, was aus einem Apfelkern wird, ist es bei unserem z.b. eben nicht der baum, den der lehrer gerne gehabt hätte, sondern es wird apfelsaft. logische sache: kern - baum - blüte - apfel - apfelsaft. Aber der lehrer schlägt stöhnend die hände zusammen, weil das kind scheinbar wieder völlig wo anders war mit den gedanken.)

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Re: Du bist doch auch hochbegabt oder nicht?!

Beitragvon Winnie » Sa 6. Feb 2010, 00:49

Ich habe keine Ahnung, ob das wirklich so stimmt. Testen lassen habe ich mich ja nie, aber ich behaupte einfach mal ganz stumpf, dass ich überdurchschnittlich intelligent bin. Ich glaube, diese Arroganz ist bei uns angeboren. Ich glaube auch, dass meine Mutter die klügste Frau ist, die ich kenne. Aber sie findet sich selber auch nicht besonders klug. Sie hat einen Doktor der Philosophie und sagt dazu immer "Doktor-Tüdel". Tüdel ist norddeutsch für ein überflüssiges Anhängsel. Ich habe sie mal gefragt, warum sie sich den Stress dann angetan hat und sie meinte nur, dass sie dann später in den Gehaltsverhandlungen mehr Geld verlangen kann. Und sie hat sich immer unter Wert verkauft, bis ihr jemand mal geflüstert hat, dass sie locker das Doppelte verlangen könnte bei ihrer Qualifikation. Da kann man mal sehen, wie es nach hinten losgehen kann, wenn man seine Intelligenz nicht zu nutzen weiß.

Mein Mann ist sehr pragmatisch und sagt immer, dass er sich extra eine Frau ausgesucht hat, die für ihn mitdenkt. Wenn wir irgendein Problem haben, dann lese ich das halbe Internet durch und fasse ihm dann die Ergebnisse zusammen. Und er geht damit bei der Arbeit seinen Kollegen auf die Nerven. Er kennt jetzt mittlerweile bestimmt 30 verschiedene Gewürze und versalzt das Essen, wenn er mal selber kocht. Aber gleichzeitig liebt er es, die Leute in Verlegenheit zu bringen, wenn er sie fragt, welche Sorte Pfeffer sie am liebsten benutzen. :mrgreen:

Und ich habe zwei Mal mein Studium abgebrochen, um dann letzten Endes eine Ausbildung zur Rechtsanwalts- und Notarfachangestellten zu absolvieren und dann gleich nach der Ausbildung schwanger zu werden. Mein Lehrer hat zur Verabschiedung noch gesagt: "Nie da, faul wie die Nacht und dann noch als eine der Besten abzuschneiden - das Geheimnis müssen Sie mir mal bei Gelegenheit verraten." Ich habe von der Rechtsanwaltskammer einen Buchpreis bekommen - Juhu! Einstiegsgehalt bei 40 Std./Woche sind ca. 1000 - 1200 EUR brutto. :roll:

Wenn ich also hochbegabt sein sollte, bin ich auf jeden Fall eine Minderleisterin. :lol:
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Re: Du bist doch auch hochbegabt oder nicht?!

Beitragvon Eichhörnchen » Sa 6. Feb 2010, 10:27

Hallo Winnie,

Minderleisterin gefällt mir ja super.

He, das bin ich auch. :lol:

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Re: Du bist doch auch hochbegabt oder nicht?!

Beitragvon Mimmi » Sa 4. Sep 2010, 20:05

Hallo Winnie!

Auch wenn es nicht klar ist, ob meine Tochter HB ist, habe ich darüber sehr viel gelesen. Und bei dem Thema "Schullaufbahn von Underarchiever" habe ich mich selbst immer mehr wieder gefunden. Eigentlich habe ich meine komplette Schulzeit komplett passiv erlebt. Nie gelernt, auf der Grundschule eine Top-Schülerin, dann aufs Gymmi, Privatschule mit Franz als erste Fremdsprache... und das hat mir das Genick gebrochen. Da ging's nämlich nicht mehr ohne lernen. Und das konnte ich nicht. Ich hab zwar vier Jahre da ausgehalten, hab mich aber sehr schwer getan und bin dann auf die Real, wo ich gar nix mehr getan habe. Ich hab nicht mal Hausaufgaben gemacht und hatte einen 1,7ner Abschluss. Mathe und Physik hatte ich immer den Durchblick und konnte nicht verstehen, was man da lernen muss. Das ist doch nur logisches Denken. Nuja, aber bei allen Lernfächern hab ich mich ohne Lernen "durchgemogelt". Mein damaliger Klassenlehrer sagte vor ein paar Jahren auch zu mir, "ja die Überfliegerin, die ihre Chance damals nicht genutzt hat.

Ich habe auch solche Macken, dass ich meine Gedanken in Steno im Kopf schreibe, beim Autofahren gedanklich über Leitpfosten springe oder aber mit der Zunge irgendwelche Wörter an den Gaumen schreibe. Und genau so habe ich meine Schulzeit verbracht. Total abwesend.

Es gibt noch einige andere Dinge, die bei mir gut zu dem Thema HB passen würden. Somit wäre das mögliche HB-Potenzial in dem Sinne ungenutzt geblieben. :( Wobei ich beruflich momentan auf einem ziemlich guten Weg bin. Das hat komischerweise immer ganz gut geklappt. :)

LG Mimmi
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Re: Du bist doch auch hochbegabt oder nicht?!

Beitragvon Winnie » So 2. Jan 2011, 02:18

Ich habe jetzt an Weihnachten meine Schulfreundinnen wiedergesehen, mit denen ich mich noch regelmäßig treffe. Eine ist nun aktuell schwanger und wird in die Babypause gehen und bis auf eine haben nun alle ein oder mehrere Kinder. Es ist sehr interessant, wie sich die Laufbahnen so entwickelt haben, denn es ist doch eher so, dass diejenigen jetzt am meisten verdienen, die in der Schule wirklich eher mittelmäßig waren.
Ich habe übrigens nochmal in meinen Zeugnissen geschaut und habe festgestellt, dass ich in der 5. und 6. Klasse doch eher einen 1, nochwas-Schnitt hatte. Davor, und das ist mir erst nachträglich bewusst geworden, war ich still und unauffällig und hatte vor allem nur eine Note 3 in Schrift und Form. Als ich mir dann die alten Klassenfotos wieder angesehen habe, wurde mir auch klar, warum. In der 4. Klasse habe ich eine Brille bekommen, dass heißt, ich war vorher blind wie ein Maulwurf in die Schule gegangen. Danach, ab 4. Klasse zweites Halbjahr gingen meine Noten steil bergauf.
Einen richtigen Einbruch der Noten gab es dann in der 8. Klasse. Pubertät! Und ab da waren meine Noten so durchwachsen wie nur irgendwas. Von 1 bis 6 war alles dabei. Meine Theorie ist u. a. auch, dass meine Verunsicherung einfach mit dem Wechsel aufs Gymnasium angefangen hat.

Ich hatte Mädels bei mir in der Klasse, die sind mit Realschulempfehlung trotzdem aufs Gymnasium gegangen. Und sie haben sich dann gerade so gehalten und dann mit dem Kurssystem in der Oberstufe eine Möglichkeit gefunden, die Kurse so geschickt zu wählen, dass sie ihre speziellen Begabungen besonders nutzen und den Rest einfach abwählen konnten. (Sport, Englisch und Religion als Leistungskurse). Ich hatte da irgendwie ein Brett vor dem Kopf. Ich habe mein bestes Fach Latein aufgegeben, weil ich das Gefühl hatte, dass ich mich dort nicht mehr weiterentwickeln kann. Außerdem mochte ich die Lehrerin nicht.
Ich habe dann Kunst genommen, obwohl es nie mein bestes Fach war, aber ich fand es einfach interessant. Wenn es gegangen wäre, hätte ich gerne noch Philosopie als Kurs genommen, aber das ging nicht, also habe ich das als Nachmittagskurs gemacht, ohne dass es mir für das Abi irgendwas gebracht hat. Ich war auch mit Leib und Seele im Chor und wollte auch unbedingt noch Musik als Kurs extra machen. (Strategisch gesehen völlig blöd.)
Und dann muss man ja noch diese ganzen Pflichtsachen machen, eine Naturwissenschaft z. B. da habe ich Biologie genommen. Meine Güte war das langweilig. Ich kann mich auch an fast nichts mehr erinnern, außer an den Zitronensäure-Zyklus, denn in dieser Klausur hatte ich alles richtig. Der Rest war nur Grütze, so dass ich am Ende mit einer glatten Vier rausgegangen bin. Mein mündliches Prüfungsfach war Geschichte. Dieses Fach wurde am Samstag morgen um 8 Uhr in einer Doppelstunde unterrichtet und dass ich zwei Jahre lang entweder sehr müde oder komplett abwesend war. Meine Güte, ich war gerade volljährig geworden und mein Freund hatte ein Auto, also sind wir jeden Freitag und Samstag abend ausgegangen.
Natürlich bin ich dann am Ende mit meinem Notendurchschnitt weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Ich habe eine Freundin, die Ärztin ist, und eine die Tiermedizin sogar mit Auszeichnung abgeschlossen hat. Sie waren beiden in der Schule nie so gut wie ich, aber sie hatten den entscheidenden Vorteil, dass schon relativ frühzeitig feststand, was die nach dem Abitur studieren würden. Die Eltern haben da schon für gesorgt, während ich ja frei wählen durfte (musste?). Sie verdienen heute gut, allerdings leiden sie darunter, dass sie sich bis heute noch nicht richtig vom Einfluss ihrer Eltern freimachen konnten. Bei denen wird immer noch jede berufliche Entscheidung im Familienrat entschieden.
Und ich habe aber auch zwei Freundinnen dabei, die gar nicht studieren wollten, eine ist im kaufmännischen Bereich gelandet und hat eine stinknormale Berufsausbildung gemacht und sich so nach und nach weiter qualifiziert. Sie verdient viel, allerdings hat sie jetzt auch 15 Jahre konsequent an ihrer Karriere herumgefeilt. Sie ist natürlich auch mehrmals wegen der Karriere umgezogen und hat daher die Hälfte der Zeit Beziehungen nur als Fernbeziehung erlebt.

Und die andere hat ihre Lehre gemacht, ein paar Jahre anstandshalber gearbeitet und dann aber mit Pauken und Trompeten den Beruf hinter sich gelassen und sich auf das Abenteuer Familie eingelassen, inkl. der bewussten Entscheidung, ganz zuhause zu bleiben, bis die Kinder zur Schule kommen.
Eine Freundin war mittelgut, hat sich alle schönen "Laberfächer" rausgesucht und ist heute: Na? - Erraten, Lehrerin! Sie hat noch eben schnell das Refenrendariat durchgezogen und schwuppdiwupp - wurde sie schwanger. Ich denke, es werden noch so 1 - 3 Kinder folgen.

Naja, und da bin dann ich, bei der sozusagen alles drin war, aber nichts nach Plan verlief. Ich kann es auch nicht so genau erklären, warum. Vielleicht fehlte mir ein Ziel oder eine Perspektive. :gruebel:
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Re: Du bist doch auch hochbegabt oder nicht?!

Beitragvon Melpa » So 2. Jan 2011, 12:24

Hallo Winnie,

ich finde es interessant von Deinem Wertegang zu lesen. Wobei er ja in Deinen Augen wenig berauschend ist. Aber ist er nicht stellvertretend für viele so schlaue Köpfe?
Meiner hört sich recht ähnlich an. Nur ich war gut in der Schule, von Anfang an. Ich kann mich nicht erinnern viel gemacht zu haben. Schlecht wurde ich als ich aufs Gymnasium gekommen bin (6.-8.Klasse). Heute denke ich mir, ich hätte das nur durchziehen müssen, auch wenn es 4er Noten waren. Dort war ich anerkannt und alle hatten in etwa das gleiche Niveau. Nur hatte ich damals wenig Mitspracherecht und meine Eltern haben mich zurück auf die Realschule geschickt, wo dann die schlimmste Zeit meiner Schullaufbahn begann. Ich war halt auch leider ein beliebtes Opfer. Still, zurückhaltend, mit wenig Selbstvertrauen. Bis heute frage ich mich, warum ich, obwohl ich so viel kann und weiss, ich immer das Gefühl habe, dümmer zu sein als andere. Daher kommt auch mein schlechtes Selbstvertrauen, was ich erst jetzt mit 31 Jahren so ein wenig in den Griff bekomme.
Gut, ich hab dann meinen Realschulabschluss gemacht, mit links natürlich. Mit meiner Ausbildung hatte ich großes Pech, habe kaum etwas gelernt. 3 Jahre Langeweile. Diese habe ich dann auch mit gut abgeschlossen. Weiss bis heut nicht wie, weil ich mich erst 3 Tage vorher hingesetzt habe und ein wenig gelernt habe bzw. irgendwie versucht habe mir das einzutrichtern und weil mich das alles so angeödet hat, hat das mehr oder weniger nicht so geklappt.
Danach habe ich, trotz dass ich in der Ausbildung kaum was gelernt habe, einen sehr guten Werdegang hingelegt. Klein als Bürokauffrau angefangen in einer großen Firma, und nach wenigen Wochen schon in eine andere Abteilung befördert worden. Bla bla, alles ganz schön, aber nicht erquickend. Dann bin ich zu meinem jetzigen Mann gezogen und hab da ne neue Stelle angenommen, wo ich auch wieder wahnsinnig viel Glück hatte, da war ich dann 1,5 Jahre und bin schwanger geworden (geplant). Die letzen Wochen waren Horror. Das ödete mich so an, so dass ic beschlossen habe, in meiner Elternzeit einen anderen beruflichen Weg zu finden. Erst mit der Geburt meines 2. Kindes habe ich diesen Weg gefunden. Auf einmal war der da. Ich bin nun selbständig als Fotografin (meine große Leidenschaft), ohne Studio. Alles dazu habe ich mir in langer und mühsamer Kleinarbeit selbst beigebracht. Jetzt nach 2 Jahren habe ich einen gewissen Bekanntheitsgrad in dieser Region und ich bin mir sicher 2011 wird mein Jahr. Am Talent mangelt es mir nicht, aber noch ein wenig an Geschick. Aber das ist lernbar.
Ich habe nun meinen Frieden mit meinem Beruf geschlossen. Ich denke viele Hochbegabte erreichen erst im 2. Anlauf ihr berufliches Ziel. Das Problem ist auch einfach, dass man nicht weiss was man machen möchte, weil man irgendwie alles machen möchte. Ich kann mich erinnern, dass viele Kinder schon im Kindergarten wussten was sie werden wollen (natürlich haben sie dann andere Wege eingeschlagen), ich dagegen hatte nie eine Vorstellung davon. Im Kindergarten nicht und nach meinem Realschulabschluss auch nicht. Da es leider sehr brenzlig wurde und die Zeit ablief, musste ich irgendetwas wählen. Was dann natürlich prompt das falsche Ziel war. Aber ich bin auch der Meinung, alles im Leben hat einen Sinn, und ich hab zwar viel Sch... hinter mir, aber ich habe auch viel gesehen und gelernt und sonst stände ich jetzt nicht hier wo ich bin. Ich würde alles nochmal so machen.

Winnie, vielleicht tut sich Dir auch nochmal ein anderes berufliches Ziel auf. Es ist natürlich hart mit den Kiddis, aber sie werden auch größer und es wird leichter. Eine Freundin von mir, auch HB, in etwa in derselben Situation wie ich, Erzieherin, nun Tagesmutter, macht grad nebenbei ein Abend/Fernstudium zur Psychotherapeutin und will sich noch dieses Jahr damit selbständig machen. Die Ausbildung grad ist hart mit ihren Kindern, aber sie will es durchziehen. Ich kann mich auch erinnern, dass ich monatelang abends noch am PC sass, nachdem die Kinder im bett waren, und gearbeitet habe. Das war eine harte Zeit und es ist viel liegengeblieben und vieles hat gelitten, aber es hat sich gelohnt. Ich habe einen Beruf, der meinen Begabungen entspricht und ich kann mich selbst einbringen, ich muss auf niemanden Rücksicht nehmen. Das ist das Beste daran.

Ich wünsche Dir viel Glück auf Deinem Weg und einen kleines Licht am Ende des Tunnels.
Melpa
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Re: Du bist doch auch hochbegabt oder nicht?!

Beitragvon Winnie » So 2. Jan 2011, 23:54

Erstmal, danke für Lesen und die aufmunternden Worte! :)
Ich sage es jetzt mal so: Es ist ja nicht so, dass mir alles misslungen ist, was ich angefangen habe. Aber das Gefühl, der Stolz, die Erfüllung war einfach nie da. Ich weiß nicht, wie man das erklären soll. Z. B. denken ja meistens alle, dass man sein Studium abbricht, weil man dort keinen Erfolg zu verzeichnen hat. Das war aber bei mir nicht so. Ich hatte in beiden Studiengängen bereits relativ zügig meine Scheine gemacht. Allerdings flachte meine Motivation in dem normalen Uni-Alltag ab. Ich habe die ganze Zeit gedacht, irgendwas habe ich übersehen oder nicht mitbekommen. Es schien wie ein großes Geheimnis, das alle kennen, nur ich komme nicht dahinter. Ich kann mich noch daran erinnern, dass ich dachte, dass ich diesen Statistik-Schein unmöglich bestehen kann, weil ich überhaupt nicht verstehe, was ich da rechne. Und trotzdem hatte ich bestanden und gar nicht mal so schlecht. Und ich habe mir dabei immer wieder die Frage gestellt: Warum ist denen das so egal, ob ich das verstanden habe? Warum geben die mir dafür einen Schein?

Und dann kam diese Mühle von Blockaden, von Hausarbeiten, die ich entweder nie zuende geschrieben oder nie abgegeben habe, weil sie mir nicht fertig schienen. Dann bin ich zu Seminaren nicht mehr hingegangen, weil ich dieses Schwadronieren der älteren Semster nicht mehr ertragen konnte. Ich verspürte einfach eine unerträgliche Langeweile, weil in den Seminaren aus den interessanten Themen so wenig gemacht wurde. Es wurde immer nur platt-diskutiert. Ich kann mich noch erinnern, dass ich mal in einem Seminar selbst ein Referat über Esstörungen gehalten habe. Ein Thema, was meiner Meinung nach von den Medien so ausgelutscht war, dass ich dachte, ich müsste das mal von einer anderen Seite beleuchten. Also bin ich ins Internet gegangen und habe mich in diversen Seiten und Foren darüber informiert, wie man sich so ein Leben mit Esstörungen wohl vorstellen muss. Ich bin das Ganze dann auch sehr technisch angegangen und habe beschrieben, mit welchen organisatorischen Problemen und welchen Wegwehchen sich die Essgestörten herumplagen. Ich habe dann beschreiben, in welcher Reihenfolge welche Lebensmittel beim Fressanfall verschlungen werden, immer mit dem Hintergedanken, wie sie sich am besten hinterher wieder herauswürgen lassen. Des weiteren habe ich mich noch mit der Frage von Schuld und Verantwortung beschäftigt und welche Auswirkungen das auf eine eventuelle Therapie haben kann, wie man damit umgeht.
Bei dem ganzen Referat war es totenstill im Raum. Ich dachte die ganze Zeit, dass ich mich gerade bis auf die Knochen blamiere, aber dann dachte ich, du musst das jetzt durchziehen. Als ich fertig war, habe ich dann gefragt, ob einer noch Fragen dazu hätte und keiner fragte irgendwas. Und ich dachte noch: Oh, nein, war ich so langweilig?! :?
Dann sagte die eine Dozentin, dass sie dieses Seminar jetzt schon seit 11 Jahren macht und das so noch nie gehört hätte. Sie wollte dann wissen, woher ich meine Quellen hätte. Es war sehr sonderbar, denn manches hatte ich dann aus irgendwelchen klinischen Fachbüchern, die eigentlich nur aus Statistiken bestanden. Angefangen hatte ich mit einem Dossier aus der Brigitte und bin dann über Querverweise immer tiefer in das Thema eingedrungen. (Man muss halt wissen, wonach man suchen muss, sonst findet man das auch nicht.)
Und dann fragte sie noch: In welchem Semester sind Sie nochmal? :oops: (Ich dachte, jetzt kommt die dicke Belehrung, von wegen: So macht man das aber nicht, das methodisch nicht ganz korrekt blabla). Aber sie meinte dann ernsthaft, ob ich ihr meine Notizen überlassen würde. Und dann gings los, dann meldetet sich auf einmal eine Studentin, die nochmal auf das Thema "Schuld" und die Rolle der Eltern zurückkommen wollte. Und dann musste ich noch 20 Minuten Rede und Antwort stehen, obwohl mein Referat selbst nur 15 Minuten gedauert hat. Ich kam mir vor wie bei einer mündlichen Prüfung.
Und der Hammer war dann noch, dass ich am Ende hingegangen bin und gefragt habe, ob ich denn den Schein jetzt bekomme oder nicht. :lol: Da hat die Dozentin mich dann wirklich ausgelacht. (Ich dachte wirklich bis zum Schluss, ich hätte alles falsch gemacht. Und sie hat dann auch gesagt, dass es nicht oft vorkommt, dass sie nochmal etwas Neues zu hören bekommt und hat sich sogar noch bei mir bedankt.)

In diesem Seminar hatten wir eine ganze Reihe von Referaten. Und weder vor mir noch danach war die Atmosphäre wieder so komisch wie bei mir. Es war so, als ob ich die Zuhörer total verstört hätte mit dem, was ich da vom Stapel gelassen habe. Und es liegt nicht nur am Thema, denn wir hatten auch noch sexuellen Missbrauch und andere heiße Eisen, die an die Substanz gehen können.

Ich hatte einfach die ganze Zeit das Gefühl, ich passe da nicht rein, ich gehöre nicht dahin. Und dann bin ich ja ganz mutig zur psychologischen Beratungsstelle gestapft und habe dort gefragt, was mit mir wohl nicht stimmt, dass ich schon beim Betreten des Gebäudes Krämpfe kriege. Ich hatte genügend Freunde und Kommilitionen, mit denen ich mich gut verstanden habe und mit denen ich auch gerne in der Cafete zusammengesessen habe. Ich war also nicht einsam oder so. Und dann habe ich einen Orientierungskurs für Studienabbrecher besucht, auf dem recht schnell klar wurde: Ich bin dort nur hingegangen, weil ich mich verpflichtet gefühlt habe, dass ich mit Abitur auch ein Studium absolvieren muss. Meine Ausbildung nach dem Studium war dann auch ein gewagtes Experiment. Mein Ausbilder hat dann auch über mich gesagt, ich wäre die schlimmste Azubine gewesen, die der Betrieb je hatte. Einmal bin ich mit meinem Chef total aneinander geraten, mir gings schlecht und ich bin dann drei Tage unentschuldigt vom Betrieb fern geblieben. Dann bin ich zu einem Psychotherapeuten gegangen und habe mich beraten lassen, ob ich es unter der psychischen Belastung noch riskieren soll, die Ausbildung durchzuziehen. Das Problem war, dass ich einfach mehr und schwierigere Sachen machen musste als die anderen Auszubildenden und auch ständig unangekündigte Überstunden machen musste. Es war ein ewiges Hin- und Herschwenken zwischen Ausnutzen meiner Begabung und einem In-die-Schranken-Weisen, damit ich mich nicht als was Besseres fühle. Ich sollte gleichzeitig selbstständig Aufgaben übernehmen, organisieren und lösen, aber dann wieder überhaupt keine eigenen Entscheidungen treffen und nur strikt nach Anweisung arbeiten. Meine Chef hatte so eine Art, mich nach einer Phase der Bevorzugung wieder zur Kaffeetante zu degradieren. Dann sagte mein Chef plötzlich, dass er für alle Kuchen ausgeben würde. Ich war dann meistens diejenige, die dann den Kuchen kaufen und den Kaffee kochen und servieren musste. Und dann durfte ich wieder Freitag abend um 20 Uhr mit ihm eine Beurkundung von mehreren Grundstückskaufverträgen vorbereiten. Ich hatte einen Textbaustein und ein paar Lägepläne und dann hieß es: Mach was draus!
Natürlich bin ich heftig ins Schwitzen gekommen, aber es ist dann am Ende immer gut gegangen. Heute weiß ich natürlich, dass meine Klassenkameraden aus der Berufschule solche Aufgaben nie bekommen haben. Das Risiko ist einfach zu hoch, dass was schief geht.

Vielleicht wäre es leichter gewesen, wenn ich eine klare Rückmeldung bekommen hätte, dass ich besondere Begabung habe. Ich hatte meistens das Gefühl, ich mach immer genau das Falsche. Da fällt es dann natürlich auch schwer, überhaupt von einer beruflichen Karriere zu träumen, weil man sich selbst auch gar nichts mehr zutraut.
Was ich auf jeden Fall als Erfolg verbuchen kann, ist meine Beziehung/Ehe. Ich bin seit bald 13 Jahren mit ein und demselben Mann zusammen und ich würde mal behaupten, wir lieben uns immer noch. Wir hatten so einige Krisen, die wir aber bis jetzt immer irgendwie überstanden haben. Ich habe schon gedacht, wenn mir gar nichts mehr einfällt, schreibe ich mal einen Beziehungsratgeber. :lol:
"Entschuldigung, ich habe nur kurz fantasiert." meine große Tochter, 4 Jahre alt (inzwischen 9 geworden)
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Re: Du bist doch auch hochbegabt oder nicht?!

Beitragvon katjaM » Di 18. Feb 2014, 15:53

Ich weiß auch nicht ob ich tatsächlich je als hochbegabt gegolten hätte - weil meine Eltern damals keinen Test machen lassen wollten. Aber ganz ehrlich - eigentlich ist es doch auch nicht wichtig. Es kommt darauf an, was man aus seinem Leben macht - und da schaffen durchschnittlich begabte Menschen oft mehr als hochbegabte.
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