Testmöglichkeiten bei eventuellem erneutem IQ-Test

Fragen, Antworten und Erfahrungen zu IQ-Tests

Re: Testmöglichkeiten bei eventuellem erneutem IQ-Test

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Mo 24. Mai 2021, 12:19

Wenn von mehreren unabhängigen Stellen Hinweise kommen, das Kind habe AD(H)S, dann sollte dieser Störung auch im Vordergrund der Diagnostik stehen. Dazu wird auch ein IQ-Test gemacht und der wird als Teil der ADHS-Diagnostik auch von der Kasse übernommen. au

Hast du die einzelne Werte des alten Tests? Sind die Spitzen sehr hoch? Was ist der höchste Wert?
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Re: Testmöglichkeiten bei eventuellem erneutem IQ-Test

Beitragvon Möhrchen » Mo 24. Mai 2021, 22:22

Unser Sohn hat schon einige Tests hinter sich. Er war z.B. mit ca. 1,75 Jahren bei einer Klinik für Kommunikationsstörungen, da er in dem Alter noch kaum sprach. Zumindest eine „relevante Hörstörung“ wurde ausgeschlossen und er hat seinen Rückstand sehr gut aufgeholt.

Während der Ergotherapie-Diagnostik wurden Motorik- und Wahrnehmungstests gemacht. Bei der visuellen Wahrnehmung hatte er ein schlechtes Ergebnis im Unterpunkt „visuo-motorische Integration“, insgesamt war er im Normbereich. In Sachen Motorik (Grob- und Feingeschicklichkeit, Koordination) galt er als überall förderbedürftig.

Der höchste Wert im IQ-Test war 133 im Verbalteil. Ansonsten war alles im 120er-Bereich und die Verarbeitungsgeschwindigkeit lag bei 88.

Wir schauen mal, welche Diagnostik noch gut machbar und angebracht wäre und durch wen. Vielleicht kann das ein Therapeut machen, der ihn und uns dann auch unterstützt. Wir gehen alle auf dem Zahnfleisch. Die Wutausbrüche werden momentan immer häufiger und heftiger.
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Re: Testmöglichkeiten bei eventuellem erneutem IQ-Test

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Di 25. Mai 2021, 10:47

Ich bin kein Hellseher, aber es ist kein typischer Profil von einem ADHS Kind. Eigentlich ist das Ergebnis sehr rund, wenn man die zwei Tests, wo Motorik besonders gefragt ist, herausrechnet. Bei der visuellen-motorischen Wahrnehmung muss man Würfel zusammenlegen. Die Geschwindikeit wird dabei auch gewertet. Bei der VG muss man mit einem Stift Zeichen eintragen.

Dein Kind hat mit diesem Profil für die Grundschulzeit sehr viel Puffer. Wenn er was für die Schule nicht macht, ist es vermuttlich den Kampf nicht wert.
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Re: Testmöglichkeiten bei eventuellem erneutem IQ-Test

Beitragvon Meine3 » Di 25. Mai 2021, 20:27

Möhrchen hat geschrieben:Unser Sohn hat schon einige Tests hinter sich. Er war z.B. mit ca. 1,75 Jahren bei einer Klinik für Kommunikationsstörungen, da er in dem Alter noch kaum sprach. Zumindest eine „relevante Hörstörung“ wurde ausgeschlossen und er hat seinen Rückstand sehr gut aufgeholt.

Während der Ergotherapie-Diagnostik wurden Motorik- und Wahrnehmungstests gemacht. Bei der visuellen Wahrnehmung hatte er ein schlechtes Ergebnis im Unterpunkt „visuo-motorische Integration“, insgesamt war er im Normbereich. In Sachen Motorik (Grob- und Feingeschicklichkeit, Koordination) galt er als überall förderbedürftig.

Der höchste Wert im IQ-Test war 133 im Verbalteil. Ansonsten war alles im 120er-Bereich und die Verarbeitungsgeschwindigkeit lag bei 88.

Wir schauen mal, welche Diagnostik noch gut machbar und angebracht wäre und durch wen. Vielleicht kann das ein Therapeut machen, der ihn und uns dann auch unterstützt. Wir gehen alle auf dem Zahnfleisch. Die Wutausbrüche werden momentan immer häufiger und heftiger.



Hallo Möhrchen,

zunächst einmal herzlichen Willkommen hier in dieser eher intimen Forumsgruppe :)

Dein Sohn hat mit einem IQ von 126 IQ-Punkten in Punkto kognitiven Fähigkeiten rund 95% der Kinder in seinem Alter was voraus, von daher passt du hier allemal hin.

Zu deinem Beitrag: mir ist nicht ganz klar, warum du auf der einen Seite eigentlich deinem Sohn weitere Diagnostik ersparen willst und in andererseits erneut testen lassen möchtest. Soweit ich das verstanden habe, wurde der Test von einer offiziell dafür zugelassenen Stelle absolviert und es gibt keinen Grund diesen anzuzweifeln. Dein Sohn war erst 5 als er den Test machte, das heißt, er war wohl auch noch ziemlich lustgebunden und vermutlich liegt sein eigentlicher IQ sogar höher. Die Frage ist aber warum du denkst, dass das zum jetzigen Zeitpunkt relevant wäre?

(Hoch)Begabung ist keine Diagnose, sondern einfach ein hohes kognitives Potenzial, das für sich allein erst einmal nicht pathologisch ist und kein Krankheitsbild ist. Vielmehr ist es eigentlich eine besondere Fähigkeit. Die Fähigkeit besonders schnell zu verstehen und das aufgenommene Wissen umzusetzen, bzw. anwenden und auf andere Wissensbereiche transferieren zu können. Natürlich kann Hochbegabung unter bestimmten Voraussetzungen zu auffälligem Verhalten führen, besonders wenn zusätzlich noch eine körperliche Beeinträchtigung vorliegt und das Kind schulisch auf längere Zeit frustriert ist. Aber das kann ebenso gut bei einem IQ mit 126 passieren. Diese Grenze 130 ist ja ein rein willkürlich festgelegter Wert. Ein Kind mit 126 IQ-Punkten ist ebenfalls schon sehr weit vom Durchschnitts-Altersgenossen entfernt.

Den "Beweis" der Hochbegabung, bzw. Begabung zu haben, bringt einen meist leider schulisch auch nicht weiter. So zumindest meine Erfahrung. Entweder die Pädagogen haben von sich aus ein Interesse daran Kinder individuell zu fördern und dann tun sie dies meist auch ohne einen Wisch, oder eben nicht. Relevant wird der Nachweis einer HB dann beim Übertritt auf die weiterführende Schule, da es die Eintrittskarte zu Schulen mit Begabtenförderung sein kann. Aber auch hier ist es meist so, dass diese Schulen einen eigenen Eignungs- oder Aufnahmetest machen lassen.

Was ich jetzt heraus gelesen habe ist, dass ihr schulische Probleme habt in Bezug auf das Durchhaltevermögen und die Konzentration. Dass viel Frust im Spiel ist, dass dein Sohn oft Wutausbrüche hat. Wie genau darf ich mir das vorstellen? Sind die Ursachen für die Wut erkennbar oder ist die Wut unverhältnismäßig und oft "out of the blue"? Gab es mobbing oder andere größere Probleme sozialer Art? Auch eine Art Trauma kann Verhaltensauffälligkeiten verursachen...

Ich könnte mir gut vorstellen, dass die Kombination aus kognitiver Begabung und körperlicher Beeinträchtigung sehr schwierig und ermüdend ist in schulischer Hinsicht. Zum einen wird der Geist nicht genügend gefordert, der Körper hingegen arbeitet stets am Limit. Das allein könnte durchaus schon Verhaltensprobleme eklären wie geringe Frustrationsschwelle, Konzentrationsschwäche, etcpp. Von daher ist für mich die Frage, warum ihr MEHR dahinter vermutet? Oder ist es nicht eure Vermutung, sondern die von Außenstehenden? In welche Richtung gehen die Vermutungen, in Richtung ADHS/ oder ADS? Zeigt er die Konzentrationsprobleme NUR im schulischen Bereich oder auch im Alltag?

Kurz zu uns: Wir haben auch schon einen ziemlichen Weg hinter uns, mein Sohn ist 8 und (jetzt wieder) in der 2. Klasse. Er hat einen ganz ähnlichen IQ wie du ( der meines Sohnes liegt ein wenig höher), aber ein wirklich heterogenes Profil. Mein Sohn hat seine Begabungsspitze bei 155 IQ Punkten, hat aber eben auch in VG und AGD "nur" durchschnittliche Werte ( um die 100, evtl. ein wenig drunter, genau weiß ich das nicht, da diese Werte leider nicht rechnerisch ermittelt wurden). Mein Sohn war schon immer "anders" in vielen Bereichen, aber Probleme haben wir erst im Vorschulalter bekommen und mit der Schule ging es dann erst richtig los. Wir haben jetzt 3 Experten (bitte stelle dir hier einen sehr ironischen Unterton vor) und 3 halbgare Diagnosen hinter uns und geholfen hat uns all das gleich NULL.

Im Moment bin ich in einer Phase, in der ich einfach mal Pause brauche vom Diagnose-Wahnsinn. Aber wir brauchen dringend Hilfe im schulischen Bereich (er zeigt stark störendes Verhalten (nicht absichtlich!!) und er hat Probleme in der Interaktion mit anderen Kindern, so wie eine große Ablenkbarkeit und Hyperaktivität. Natürlich dachten wir schnell an ADHS, das wurde von den ersten beiden Experten aber verneint (VG wäre dafür zu gut! Diskrepanzen von über 50 IQ Punkten zwischen VG und der Begabungsspitze hielten beide für "normal") und die letzte Expertin wiederum war sich nach "5 Minuten" mit dem Kind (vorher allerdings gründliche Anamnese) sicher er hat ADHS, wollte diese Diagnose aber unerklärlicher Weise offiziell stellen. Wir haben von ihr keinerlei HIlfen bekommen und sie wollte uns die ganze Zeit nur Medikamente verschreiben, ohne der Sache wirklich auf den Grund zu gehen und gründlich zu testen (sie hat weder einen IQ-Test gemacht, noch einen Konzentrationstest, noch körperliche Untersuchungen. Ihr reichte die Anamnese, der Eindruck vom Kind in 3 SItzungen und die Fragebögen, die wir Eltern und die Pädagogin ausgefüllt hatten). Wir haben uns von der letzten "Expertin" nun auch getrennt und stehen quasi wieder am Anfang.

Was ich denke ? Ich weiß es nicht mehr. Am besten passt für mich bei meinem Sohn mittlerweile Asperger-Syndrom mit einer Komorbidität zu ADHS und dazu eben eine hohe intellektuelle Begabung, die die Diagnose so erschwert. Aber in den 3 Jahren Diagnosewahn haben wir noch niemanden gefunden, der da mal ganzheitlich draufschaut und sich wirklich Zeit nimmt zu diagnostizieren.

Ich möchte dir einfach sagen: in der Regel können Kinder bei einem IQ-Test schlecht "schummeln". ein IQ-Test zeigt das, was die Person an diesem Tag bereit oder im Stande war zu leisten. Das kann das grundsätzliche Potenzial gut widergeben oder niedriger liegen, sehr selten aber höher. Wie soll das auch gehen?

Wenn ihr also erneut testen lassen solltet und ein niedrigeres Ergebnis herauskommen sollte, verunsichert euch das nur noch mehr und hilft euch nicht. Wenn es höher liegen sollte, wisst ihr, was ihr eh schon wusstet... Die VG ist bei ganz vielen jungen Kindern schlecht, bzw. weicht ab. Es sind bei euch auch knapp 50 IQ-Punkte das ist schon recht viel, aber bei euch ist der Rest recht homogen, nur die VG fällt nach unten ab. Ich stimme Katze da nicht überein, dass kann schon ein Profil eines AD(H)S-Kindes sein, schließlich hat mein Sohn ja auch ein für ein ADHS-Kind zu hohes VG-Ergebnis ;). Aber ich verstehe was sie meint: in der Regel ist bei Kindern mit einer pathologischen Ursache der Test insgesamt heterogener (so wie bei uns 8-) )....





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Re: Testmöglichkeiten bei eventuellem erneutem IQ-Test

Beitragvon Rabaukenmama » Do 27. Mai 2021, 22:35

Katze_keine_Ahnung hat geschrieben:Ich bin kein Hellseher, aber es ist kein typischer Profil von einem ADHS Kind. Eigentlich ist das Ergebnis sehr rund, wenn man die zwei Tests, wo Motorik besonders gefragt ist, herausrechnet.


Bei der Aussage frage ich mich, wie denn das IQ-Profil von einem "typischen" ADHS-Kind aussieht und im Gegensatz dazu zu einem atypischen...

Nicht mißverstehen, es liegt mir fern, ADHS bei einem mir nicht bekannten und kaum beschriebenen Kind zu vermuten. Aber diese Aussage befremdet mich einfach.

Hab ja erst vor einigen Monaten nach einer Erwachsendiagnostik die Diagnose "ausgepägte ADHS" bekommen und überlege gerade, in wie weit ich "typisch" bin.

Bei IQ-Tests sind bei mir eigentlich immer ALLE Werte außer VG mindestens überdurchschnittich gewesen und das Profil war und ist eher homogen (im Bereich 120-150+) auf hohem Level. VG ist als einziger Wert nur unterer Durchschnitt.

Bei meinem älteren Sohn mit ADHS und Asperger Autismus ist der noch ein Wert "nur" durchschnittlich und zwar das Arbeitsgedächtnis (AG).

Meiner Erfahruvng nach ist genau die VG der Wert, bei dem ADHSler ihren "Absturz" im Gegensatz zu den anderen Werten haben. Die anderen Bereiche sind je nach individuellen Stärken und Schwächen unterschiedlich.
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Re: Testmöglichkeiten bei eventuellem erneutem IQ-Test

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Fr 28. Mai 2021, 08:58

@Rabaukenmama

genauso wie du es beschreibst, stelle ich mir den Test vor. 120-150+ ist nicht homogen, sondern eine ordentliche Zacke. Alles im 120er bereich mit einem Wert von 133 für Sprachteil (hat nichts mit Motorik zu tun) und VG von 88 (hat sehr viel mit Motorik zu tun) ist ein anderer Profil. Natürlich kann man die Konzentration separat testen, aber m.E. ist die Fragestellung in dem Fall eine ganz andere. Wenn es dem Kind und der Familie so schlecht geht, brauchen sie sofortige Hilfe und keine langwierigen Tests. Alleine aus diesem Ergebnis schon könnte (!) man schon rausinterpretieren, was den Jungen überfordert und entsprechend agieren. Zum Beispiel den schulischen Druck komplett rausnehmen, die Benotung aufheben und schauen, ob die Situation in der Schule und zuhause sich enspannt.
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Re: Testmöglichkeiten bei eventuellem erneutem IQ-Test

Beitragvon koala27 » Fr 28. Mai 2021, 17:38

Hallo

wir haben damals auch nach einer Testmöglichkeit gesucht, die auf HB spezialisiert ist und uns an die DGHK gewandt und dort nachgefragt.
Dort wurde uns das BEGA- Institut in Bad Salzuflen ( 350 km entfernt) empfohlen und dort waren wir dann auch. Hinterher haben wir dann erfahren, dass sehr viele Eltern aus unserer Ecke hier oben schon dort waren, weil es eben sonst hier nichts gibt aus der KJP bzw. dem SPZ und da wird- zumindest wurde uns das so gesagt- ja eher danach geschaut, was ein Kind nicht kann, als das was ein Kind kann.
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Re: Testmöglichkeiten bei eventuellem erneutem IQ-Test

Beitragvon Möhrchen » Sa 29. Mai 2021, 00:41

Hallo Meine3,

vielen Dank für Deine Nachricht. Du hast Recht, es ist für unseren Sohn extrem frustrierend, dass er das, was in seinem Kopf vor sich geht, nicht seinen Vorstellungen entsprechend umsetzen kann und diese körperlichen Ein¬schränkungen hat. Wir denken eigentlich nicht, dass er AD(H)S hat und er konnte sich schon immer vorzüglich in Beschäftigungen vertiefen, die ihm Freude bereiten ;). Wir werden nun noch mal alles abwägen und eventuell einen Kinderpsychotherapeuten aufsuchen. Vielleicht finden wir einen mit ein bis zwei guten Ratschlägen, wie wir mit der etwas vertrackten Situation besser umgehen können.

Was Du beschreibst klingt wirklich nach einem Abenteuerlauf durch den Diagnose-Dschungel. Ich habe auch schon bemerkt, dass zu viel Diagnose nicht unbedingt hilft. Denn wenn man sich unter den oft diversen Meinungen der Experten die am besten passende raussuchen muss, macht das die Dinge nicht einfacher. Aber man macht das ja alles in der Hoffnung, am Ende eine gute Hilfe zu finden. Ich hoffe, Ihr findet nach Eurer Pause einen guten Experten, der Euch wirklich helfen kann.

Hallo koala27,

herzlichen Dank für den Tipp mit dem BEGA-Institut. Es ist von uns ungefähr gleich weit entfernt, aber wahrscheinlich aus einer anderen Richtung :lol:. Falls uns ein erneuter IQ-Test sinnvoll erscheint, werden wir uns dort erkundigen.

Viele Grüße
Möhrchen
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Re: Testmöglichkeiten bei eventuellem erneutem IQ-Test

Beitragvon Rabaukenmama » Sa 29. Mai 2021, 07:55

Möhrchen hat geschrieben: Wir denken eigentlich nicht, dass er AD(H)S hat und er konnte sich schon immer vorzüglich in Beschäftigungen vertiefen, die ihm Freude bereiten ;)


Das ist kein Ausschlussgrund, das kann ich mit "ausgeprägter ADHS" auch, und zwar seit frühester Kindheit. Auch mein Asperger-ADHS-Sohn kann das.

Bitte richtig verstehen, ich sehe aus der Beschreibung (außer in deinem Erstbeitrag) auch nicht viele Kriterien für ADHS erfüllt. Mich stört nur, wenn EINE Sache als Ausschließungsgrund angeführt wird, unabhängig davon, ob es das Intelligenzprofil oder die Konzentrationsfähigkeit bei interessanten Tätigkeiten ist :fahne: .

Sowohl mein älterer Sohn als auch ich sind sehr perfektionistisch. Mein Sohn ist z.B. feinmotorisch mindestens durchschnittlich und zeichnet sehr gern und viel. Und da ist er oft verzweifelt, weil seine Zeichnungen nicht so gelingen, wue er sich das vorstellt. Er vergleicht sie mit professionellen Zeichnungen von Erwachsenen.

Schulisch bereitet ihm vor allem längeres Schreibschrift-Schreiben Frust. Er hat es erst spät gelernt, in der 4. Klasse, und schreibt eher langsam. Es ist für ihn gar kein Problem, einen seitenlangen Aufsatz am PC im Adlersystem zu tippen, aber eine Seite ins Heft schreiben zu müssen bedeutet Frust pur.

Die Erfahrung, dass auch Experten oft daneben liegen, bzw. ihr Augenmerk auf seltsame Kleinugkeiren legen, habe ich auch gemacht. Wir waren mit unseren älteren Sohn bei insgesamt 3 Experten (zwei KJP, eine Kinderpsychologin mit Spezialgebiet Autismus), die allesamt nicht MEIN Kind beschrieben haben.

Da standen - trotz sorgfältigem Anamnesegespräch bei allen dreien - Dinge in den Befunden, die irgenwelchen Klischees entsprachen oder mit der Sache selbst nichts zu tun hatten. Die Ausgangsfrage damals war: Warum ist unser Kind anders als die anderen, warum kommt es mit Gleichaltrigen so schwer zurecht, ist es "nur" unterfordert, weil es so klug ist oder steckt da mehr dahinter nd vor allem WIE KÖNNEN WIR IHM HELFEN?

In einem Befund war ein ganzer Absatz den dellwarzen gewidmet, die sich mein Sohn damals wo eingefangen hatte. Die Psycholigin fand ganz schlimm, dass mein Sohn deswegen während der Behandlungszeit (2 Wochen :roll: ) im Kindergartn nicht in den Pool durfte. Diese Frau war die Unfähugste von allen. Leider hat sie ohne Begründunf nach 5min schon Autismus und ADHS ausgeschlossen, beides mittlerweile gesicherte Duagnosen. Damals habe ich ihr das geglaubt, weil ich es glauben wollte. Das hat den Diagnosemarathon deutlich erschwert und verlängert.

Bei der anderen Psychologin war eine halbe Seite des Befundes damit ausgefällt, aus welchem Winkel und bei welcher Schussstärke mein Sohn keinrn Ball fangen konnte. Sie empfand meinrn Sohn wegen seinem Desinteresse an Ballspielen (seit frühester Kindheit) körperlich extrem ungeschickt, und stellte Theorie auf, er würde von den anderen Kindern aufgrund des ekladanten Unterschiedes in der Grobmororik gemobbt. Dass er mit 2 Jahren Laufrad und mit 4 Jahren Fahrrad fahren konnte, gut kletterte, sowie schwimnen und Schi fahren konnte, hat sie schlichtweg negiert. Ja, mein Sohn ist sportlich kein Überflieger, aber Durchschnitt. Und weil er kognitiv Überflieger ist, kommen ihm seine sportlichen Leistungen selbst schlecht vor, denn von anderen Dingen ist er gewohnt, ohne viel Mühe "der Beste" zu sein.

Die Kinderpsychollogin sah die Kriterien für Autismus gegeben weil mein Sohn (damals 7 Jahre alt) zwei Sprichwörter nicht gekannt hat, die nicht einmal ich gekannt habe. Das war die, die such von einer ""stressigen Schwangerschaft, die einem Notkaiserschnitt endete" im Befund schrieb, nachdem ich von einer Traumschwangerschaft und einem medizinisch indizierten Kaiserschnitt berichtet hatte. Ihre Erklärungen zu meinem Sohn wirkten wie auswendig gelernte Klischees.

Dann kamen wir ENDLICH zu einer Kinderpsychologin, die meinen Sohn so sah, wie er war. Ihr treffender und wertschätzender Befund treibt mir noch heute beim lesen Tränen in die Augen. Das war echt der erste Prifi, der nur hingeschaut hat, was wirklich DA war, und nicht eigene Spekulationrn und Klischees als Tatsachen hingestellt hat.

Auch unser jetztiger KJP sieht meinen Sohn, wie er ist. Heute ist mir klar, ass das keine Selbstverständlichkeit ist.

Wir hatten im Grundschulbereich das Glück einer sehr engagierten Lehrerin, die auch ohne Befunde oder offiziellen IQ-Test, differenzieren konnte und wollte. Als beim IQ-Test vor dem Übertritt ins Gymnasium ein überdurchschnittlicher Wert rauskam, aber nicht HB (hauptsächlich wegen VG und AG), und ich sie daher mal korrigierte, als sie das Wort "hochbegabt" verwendete, schnaubte sie nur und meinte, sie sei jetzt über 25 Jahre Lehrerin und unterrichte meinen Sohn seit über 3 Jahren. Wenn mein Sohn NICHT hochbegabt sein sollte, dann habe sie noch nie ein hochbegabtes Kind gesehen.

Mittlerweile kapiert zumindest auch ein Teil der Lehrer am Gymnasium, dass mein Sohn kognitiv wirklich sehr fit ist. Das war am Anfang absolut nicht so. Langweiluge Aufgsben, die keinerlei Herausforderung darstellen, muss er natürlich trotzdem erledugen. Ohne seine sehr engagierte Schulbegleitung könnte ich mir gar nicht vorstellen, wie das klappen sollte. Durch die ADHS ist - ähnlich wie bei mir damals - die Frustrationsschwelle niedrig und die Emotionskontrolle schwierig.

Dass viele am Gymnasium das nicht mit den Störungen in Verbindung bringen können (oder wollen) hat mir das WENIG ZUFRIEDENSTELLEND im Betragen gezeigt. Dabei ist mein Sohn weder provokant noch "schlimm", er gerät durch die vielen sozial-emotionalen Anforderungen nur schnell in einrn Overload, wo er dann verzweifelt rumrüllt und dadurch natürlich den Unterricht stört.

Dafür diese Betragennote zu bekommen erscheint mir ähnlich grotesk wie die 2 im Lauter-Einser-Zeugnis meines komplett gehörlosen jüngeren Sohnes in Musikerziehung. Und das im ersten Halbjahr der ersten Klasse Grundschule nach Sonderschullehrplan!

Das ist, als würden die sportlichen und motorischen Leisungen deines Sohnes mit nicht-behinderten Kindern verglichen. Und das finde ich heutzutage, wo die Eltern schwächerer Schülers Nachteilsausgleiche für Legastenie oder Dyskalkulie geltend machen, ziemlich traurig...
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