Bitte hilfe bei Begriffserklärung

Fragen, Antworten und Erfahrungen zu IQ-Tests

Re: Bitte hilfe bei Begriffserklärung

Beitragvon unwissende-neu » So 14. Mai 2017, 00:28

Mal ein kleines amüsantes Update:

Sie ist nun mit der Ergo begonnen. Die Therapeutin scheint echt klasse zu sein. Sie ist Ergotherapeutin und Begabten Pädagogin.
Das Hauptaugenmerk liegt jetzt erstmal darin, dass meine Tochter etwas mehr aus sich rauskommt, Lernblockaden abzubauen und sich traut, ihre Fähigkeiten zu zeigen und dazu zu stehen.

Ggf. wiederholt sie dann noch mal den Test mit ihr, aber diesmal den neuen Kaufmann Test. Da sie meinte, dass selbst im Handbuch des Hawik steht, dass er für die Begabtendiagnostik gar nicht vorgesehen ist. Außerdem war es wohl ein veralteter Test.

Am Freitag hatte die Schule eine Laufabzeichenveranstaltung. Sie hatten vorher schon fürs Laufabzeichen geübt und Töchterlein fand es total "ätzend". Sie sagte dann auch gleich, sie wolle nur das Bronze Abzeichen machen ( 15 min.) laufen, denn Silber (30 min.) wäre ja schon wahnsinnig und Gold (60min) - naja, dann kann man ja besser mit dem Auto fahren.....
Also 15 min. war ihr Ziel. Gelaufen wurde immer im Kreis und es war eine art Schulfest drum zu. Töchterlein in der 1. Klasse fingen an, nach 30 min. kamen die 2. Klassen dazu u.s.w.
Nach 15 min. ( sie lief ohne Anstrengung und machte faxen, jedesmal, wenn sie an uns vorbei lief) ertönte das Signal, dass Bronze geschafft war und die Lehrer fingen an, Kinder rauszuholen, die aus gesundheitlichen Gründen ( Inklusionsschule) nicht länger laufen sollten. - Töchterlein lief weiter. Ich ließ sie dann auch laufen ;)
Nach 25 min. sah sie schon sehr angestrengt aus, aber es ging noch. Am anderen Ende der Strecke stand eine ganze Gruppe von 3 und 4. Klasslern, die meine Tochter anfeuerten. Nach 30 min. ( 2. Signal) stoppte sie dann und wir gratulierten ihr alle zu Silber. Sie guckte uns total verwirrt an, denn sie hatte versehentlich Silber gemacht, da sie durch ihre Paddeligkeit nicht mitbekommen hatte, das Bronze schon geschafft war. - Sie fand es selbst auch sehr witzig und freute sich natürlich sehr über silber.

Sie stand mitten in einer Gruppe von 3. und 4. Klassen und ließ sich feiern. Scheinbar ist sie bekannt wie ein bunter Hund an der Schule. Das erstaunliche ist, dass es den Anschein hatte, als ob die Kinder hinter ihr her liefen. Als wäre sie quasi die Älteste. Sie machte überall so ein bisschen Small Talk und suchte sich aber immer eine stille Ecke, da sie meinte, sie wäre nun zu müde zum quatschen ( kann ich verstehen).

Außerdem kam ihre Klassenleherin zu mir und lobte sie, wie toll sie sein ein paar Tagen mitmachen würde. Töchterlein guckte ihre Lehrerin an und meinte: Ich gehe ja auch zu ( sie nannte den Vornamen der Therapeutin), dachten sie etwa, sie beherrscht ihren Job nicht? - Die Lehrerin war ersteinmal baff, dann mussten wir so lachen.... ( Zumal sie bislang ja nur 1x Kennenlernen und 1x Therapie hatte) :D

Ich habe den Verdacht, dass deine Tocher sehr viel intelligenter ist, als der Testwert es gezeigt hat. Wenn sie zwischendurch vom Stuhl gefallen ist, kann sie nicht voll bei der Sache gewesen sein. Wichtig wäre es vielleicht zu klären, ob ihre Konzentrationsprobleme an der Unterforderung, Unwillen oder einem ADS ohne H liegen.


Ja, mein Vorteil ist ja, dass die Schule und die Ergotherapeutin es auch so sehen, daher ist sie zum Glück noch nicht "abgeschrieben". Das SPZ hier ist echt unfähig. Die wollten ja auch noch eine Psychologin in den Aussendienst zur Schule schicken, und ich sollte schonmal in vorraus mit der Schule sprechen, welcher Wochentag gut wäre und nun melden die sich einfach nicht mehr. Das wäre dann das 3. Mal, das die Termine bei uns versäumen. - Da frage ich mich, wer ihr ein Aufmerksamkeitsproblem hat. Dann die Lehrerin sagte auch, dass eine Hospitation nach den Zeugniskonfrenzen fast nix bringt, da dann ja kaum noch Schulalltag zum begucken da ist, dann laufen Projekte, Bundesjugendspiele, Ausflüge etc.
Wenn das SPZ nun nicht mal so langsam etwas kompetenz erweist, werde ich es über die Landesschulbehörde versuchen, die haben ja auch Schulpsychologen etc. die etwas machen können/müssen. Aber die Ergo schein momentan erstmal echt gut zu sein.

Am 8.6. hat unser Knirps ihre Einschulungsuntersuchung. Da bin ich ja auch mal gespannt, wie sich dort der Schulstart gestalten wird. Ich war schon am Überlegen, ob ich bei der Amtsärztin und Amtspsychologin eventuell was rausbekomme, was man noch machen kann. Die Amtspsychologin hatte letztes Jahr bei meiner Großen schon angezweifelt, ob die 1. Klasse richtig für sie ist ( im Gegensatz zum IQ Test hat sie bei der Einschulungsuntersuchung ja richtig Eindruck gemacht), vielleicht wissen die ja etwas über Förderungen in den Schulen hier in der Region.

Mich nervt es auch, dass das Schulsystem so unterschiedlich läuft und jede Schule ja quasi ihr eigenes Süppchen braut. Und ich glaube, dass das auch dazu führt, dass keiner Bescheid weiss, welches der richtig weg ist, bzw. welche Wege möglich sind.
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Re: Bitte hilfe bei Begriffserklärung

Beitragvon alibaba » Mo 15. Mai 2017, 09:14

Rabaukenmama hat geschrieben: Zur unterschiedliche ausgeprägten Fähigkeit, eine Störung zu kompensieren, kommt noch das mehr oder weniger tolerante Umfeld. So kann ein autistisches Kind in einem Umfeld sein, wo es als "normal" angesehen wird und ein- und dasselbe Kind kann in anderer Umgebung total auffällig sein.

Es gibt bei den verschiedenen Wahrnehmungsstörungen ja auch Kinder, welche ín KIGA, Schule oder Hort perfekt kompensieren und dann zu Haus sprichwörtlich "die Sau rauslassen".


Aber nix anderes habe ich doch geschrieben. ;) Was ich gerne vermeiden möchte ist, dass ein Kind katalogisiert wird. Es kann auch ein ganz normales Kind sein, was zuhause anders ist, als im Kiga. Ich habe da so eins zuhause sitzen. Zwei Kinder in einem. Aber nicht immer ist es eine Störung oder nicht notwendig eine Störung zu suchen, wenn man mal akzeptieren würde, das Mensch nicht gleich Mensch ist und manche Parameter eben nicht immer zutreffen ohne das sie aber gleich als Störung gelten.

Ich hab mal einen interessanten Beitrag über Bluthochdruck gesehen. Aufgrund der immer höher gesetzten Parameter (von der Industrie) gab es immer mehr Pateinten. Vor 10 Jahren war aber der aktuelle "Warn"wert noch ein ganz normaler. und so habe ich auch den Eindruck bei den Kindern. Kinder werden immer seltener in ihren unterschiedlichen Entwicklungen akzeptiert. Es wird katalogisiert, wie man zu sein hat.

Ich wurde mit 7 eingeschult, das war damals normal. Jetzt kommen schon 5-jährige in die Schule, die Einschulungsuntersuchung liegt hier bei 4 1/2 Jahren. Ich bekam die mit Ende 6. Alles wird verschoben und dann muss man sich nicht wundern, wenn manche Kinder eben einfach, ganz normal, anders sind. Gerade in jungen Jahren ist alles im Fluss und so schnell der Veränderung unterlegen.

VG
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Re: Bitte hilfe bei Begriffserklärung

Beitragvon Rabaukenmama » Mo 15. Mai 2017, 15:47

alibaba hat geschrieben:Aber nix anderes habe ich doch geschrieben. ;) Was ich gerne vermeiden möchte ist, dass ein Kind katalogisiert wird. Es kann auch ein ganz normales Kind sein, was zuhause anders ist, als im Kiga. Ich habe da so eins zuhause sitzen. Zwei Kinder in einem. Aber nicht immer ist es eine Störung oder nicht notwendig eine Störung zu suchen, wenn man mal akzeptieren würde, das Mensch nicht gleich Mensch ist und manche Parameter eben nicht immer zutreffen ohne das sie aber gleich als Störung gelten.


Genaus DAS (katalogisieren) wirst du nicht vermeiden können, solange das Bild von Wahnehmungsstörung in der Gesellschaft noch ich "Die ADHSler sind soundso, die Autisten sind soundso...." - so, als hätten alle, deren Störung denselben Namen hat, auch einen ähnlichen Charakter :twisted: !

Was ich aber (leider) immer wieder mitbekomme ist, dass Eltern von Kindern, die offensichtlich "anders" (im Sinne einer Wahrnehmungsstörung) sind, das einfach nicht wahr haben wollen. Und ich zähle mich selbst dazu! Momentan mache ich den Prozess durch, anzuerkennen, dass die Schwierigkeiten, die mein brillianter, wunderbarer außergewöhnlicher älterer Sohn hat und macht, vermutlich nicht mehr unter das übliche "Na, der ist halt EIN BISSERL anders" fällt.

Als die unfähige Psychologin, bei der er vor 3 Jahren zur Entwicklungsdiagnostik war, ADHS kategorisch ausgeschlossen hat, war ich heilfroh. Da aber von ihrem ganzen Befund so rein gar nichts gestimmt hat (sogar das, was ich ihr im Erstgespräch erzählt habe, hat sie durcheindander gebracht, verwechselt und verdreht) hätte ich auch dieser Aussage kritisch gegenüber stehen sollen.

alibaba hat geschrieben:Ich hab mal einen interessanten Beitrag über Bluthochdruck gesehen. Aufgrund der immer höher gesetzten Parameter (von der Industrie) gab es immer mehr Pateinten. Vor 10 Jahren war aber der aktuelle "Warn"wert noch ein ganz normaler. und so habe ich auch den Eindruck bei den Kindern. Kinder werden immer seltener in ihren unterschiedlichen Entwicklungen akzeptiert. Es wird katalogisiert, wie man zu sein hat.


Ich gebe Dir insofern recht dass sich die Parameter verschieben. Aber es ist unsere Gesellschaft, die das nicht nur zulässt, sondern auch WILL. "Früher" war aber längst nicht alles besser. In meiner Kindheit gab es noch keinen Namen für ADHS, Autismus und Co, die Erscheinungsbilder gab es aber trotzdem. In meiner Volksschulklasse saß ein Mädchen, das hat wirklich NIE von sich aus mit anderen gesprochen. Entsprechend dem damaligen Zeitgeist, nach welchem man Kinder maximal sehen, aber nicht hören sollte, galt dieses Mädchen sogar als "brav" (im krassen Gegensatz zu mir :mrgreen: ). Heute würde man sie vermutlich von einem Psychologen zum nächsten schicken um die Art ihrer Störung herauszufinden und zu analysieren, wie man sie möglichst gut "anpassen" kann. Ich frage mich, welche Einstellung für das Kind, sein Umfeld und die Gesellschaft langfristig besser ist - die von damals oder die von heute...


alibaba hat geschrieben:Ich wurde mit 7 eingeschult, das war damals normal. Jetzt kommen schon 5-jährige in die Schule, die Einschulungsuntersuchung liegt hier bei 4 1/2 Jahren. Ich bekam die mit Ende 6. Alles wird verschoben und dann muss man sich nicht wundern, wenn manche Kinder eben einfach, ganz normal, anders sind. Gerade in jungen Jahren ist alles im Fluss und so schnell der Veränderung unterlegen.

VG


Ich habe vor einigen Tagen in einer anerkannten österreichischen Zeitung ein Interview mit einem ehemaligen AHS-Direktor über den "Wertekompass in Schulen" gelesen. Der berichtete stolz vom Schulausschluss eines Schülers, der seiner Meinung nach "nicht mehr tragbar" gewesen war. Befragt, was der Schüler getan habe, meinte der Direktor "Es ging von verbalen Entgleisungen so weit, dass eine Lehrerin mit einem Stift beworfen wurde. Dazu die Androhung, der Vater werde kommen und gewalttätig werden gegen die Lehrerin" (der Vater hat dementiert, das je vor gehabt zu haben).

Sicher keine einfache Situation, aber sehr schwere Verletzungen wird die Lehrerin von einem geworfenen Stift nicht davongetragen haben :twisted: und wenn sie eine halbwegs gefestigte Persönlichkeit ist (in dem Beruf einfach notwendig!) dann wird sie auch keine schlaflosen Nächte aus Angst vor dem Vater des Schülers haben.

Wenn von 10-18jährigen Schülern erwartet wird, mit allem, was ihnen so widerfährt (wie bevormundend, ungerecht oder verständnislos es auch sein mag), nur vernünftig, verbal einwandfrei und natürlich komplett gewaltlos umzugehen, da sie anderenfalls von der Schule fliegen, dann stehen die Eltern unter gewaltigem Druck. Da fällt es vielen schwer, locker-lässig zu sagen "Mein Kind ist halt ein bißchen anders" und es drauf ankommen zu lassen, ob dieses anders-sein nicht noch mehr zum Ausschluß aus der Gesellschaft führt als eine mögliche Stigmatisierung auf Grund einer Wahrnehmungsstörung.
Der liebe Gott schenkt uns die Nüsse, aber er knackt sie nicht (Johann Wolfgang von Goethe)
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Re: Bitte hilfe bei Begriffserklärung

Beitragvon Maca » Mo 15. Mai 2017, 17:52

Ich finde eure Diskussion gerade sehr spannend.


Meine Kinder sind beide einfach anders, da kann ich mich drehen und wenden und mich tausendmal fragen "was ist schon normal?", ICH bin es ja nicht, die noch in der Entwicklung steht und auch langfristig in unseren Leistungssystemen klar kommen muß (zum Glück nicht mehr :) )

Meiner Tochter hat es unglaublich geholfen, es hat sie massiv entlastet als wir die ADS - Diagnose erhielten.
Weil sie einfach endlich nicht mehr an sich selbst zweifeln musste, sie hatte sozusagen eine offizielle Erklärung, warum sie die Welt anders wahrnimmt, als die Mehrheit der Menschen.

Ich habe es auch.
Sehe es aber nicht als Krankheit, sondern einfach als Überbleibsel einer "fehlenden evolutionären Anpassung".
Vor 1000000 Jahren hätten meine Tochter und ich bessere Überlebenschancen gehabt, als der moderene Mensch.
Wir hätten den Löwen vor allen anderen bemerkt und die Gruppe warnen können. :mrgreen:

Heute in einer Zeit der dauerhaften Reizüberflutung ist das bloße Sein schon anstrengend, wenn man nicht weiß woran es liegt, zweifelt man irgendwann an seinem Verstand.

Mein Sohn hat einen leichten ASperger und ich glaube, dass das alles verschiedene Seiten einer Medaille sind.
Neuronal bedingte Reizfilterschwäche,
sie zeigt sich äußerst vielfältig.

Ich bin froh im 21. Jahrhundert leben zu dürfen,
gerade WEIL man anders sein kann und darf,
da habe ich auch keine Probleme, wenn dieses Anderssein Namen erhält.

Außerdem gibt es immer einen sehr, sehr wichtigen Aspekt, der für mich über allem anderen steht,
Hat das Kind Leidensdruck?
Wenn ja, muß man auf die Suche gehen, dann noch darauf zu beharren, kein Kind außerhalb der Norm haben zu wollen, fände ich dem Kind gegenüber unfair.
Denn wie schon erwähnt, es ist das Kind, welches mit seiner anderen Wahrnehmung in einer auf Schnelllebigkeit und Effizienz ausgerichteten Welt klarkommen muß.Nicht die Eltern!

Der Trend jeden Zappelphilipp oder Träumer gleich mit einer ADHS Diagnose zu belegen ist meiner Beobachtung nach schon länger rückläufig. Viele Ärzte sind eher zurückhaltend und überweisen lieber an den Spezialisten.
Ich kenne ca. noch 5 andere Kinder, bei denen eine Verdachtsdiagnose bestand,
alle 5 sind nach gründlicher Diagnostik "negativ" getestet worden, keine ADS.
DAS war wichtig für diese Kinder.
Weil diese Kinder nun einfach wild und verträumt sein dürfen, ohne dass Lehrer eine Wahrnehmungsstörung vermuten, diese wurde ausgeschlossen. Die Kinder sind einfach "eigen", haben aber keinen Leidensdruck, kommen mit den Anforderungen der Schule zurecht und wirken zufrieden. Sie sind nur etwas zu laut oder zu still.
Das ist es wahrscheinlich, was viele so stört, die Toleranz für "Heterogenität im Normbereich" scheint zu schwinden

Im Zuge des fortschreitenden Wissenserwerb ist aber heute eine viel differenzierte Diagnose möglich.
Ich bin davon überzeugt, dass das vor einigen Jahren noch anders gewesen wäre und man obigen Eltern am besten gleich Ritalin mitgegeben hätte.
Also auch hier findet ein Umdenken, eine Anpassung an die Befürfnisse statt und ich habe tatsächlich kein Verständnis mehr für Eltern, die aus Angst vor "Schubladen" ihren Kindern, die offensichtlich leiden, nicht fachärztlich helfen lasssen wollen.

(Sagt Maca, die mal wieder in einer Phase steckt, in der sie vor Stolz auf ihre wundervolle Tochter zu platzen droht :D ,
vor einem Jahr hätte ich die Verantwortung für sie gerne abgeben und sie verschenkt :mrgreen: )
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Re: Bitte hilfe bei Begriffserklärung

Beitragvon Bliss » Mo 15. Mai 2017, 19:24

Rabaukenmama hat geschrieben:Sicher keine einfache Situation, aber sehr schwere Verletzungen wird die Lehrerin von einem geworfenen Stift nicht davongetragen haben :twisted: und wenn sie eine halbwegs gefestigte Persönlichkeit ist (in dem Beruf einfach notwendig!) dann wird sie auch keine schlaflosen Nächte aus Angst vor dem Vater des Schülers haben.


Spätestens im Schulalter finde ich Kinder, die so etwas tun im Regelschulbetrieb tatsächlich nicht mehr tragbar ohne ergänzende Maßnahmen wie eine Schulbegleitung, die mit dem Kind bei drohender Überreizung den Raum verlassen kann. Sowohl Lehrer als auch Schüler sollten sich keine Sorgen machen müssen von irgendetwas getroffen zu werden, oder darüber rätseln, ob eine Drohung wirklich einfach so vom Tisch gewischt werden kann. Wäre ja nicht der erste Vater, der einen Lehrer bedroht. Wenn sowas zum Alltag gehört, ist an eine Wissenvermittlung doch nicht mehr zu denken, da kann man nicht einfach so zur Tagesordnung übergehen.

Wenn von 10-18jährigen Schülern erwartet wird, mit allem, was ihnen so widerfährt (wie bevormundend, ungerecht oder verständnislos es auch sein mag), nur vernünftig, verbal einwandfrei und natürlich komplett gewaltlos umzugehen, da sie anderenfalls von der Schule fliegen, dann stehen die Eltern unter gewaltigem Druck. Da fällt es vielen schwer, locker-lässig zu sagen "Mein Kind ist halt ein bißchen anders" und es drauf ankommen zu lassen, ob dieses anders-sein nicht noch mehr zum Ausschluß aus der Gesellschaft führt als eine mögliche Stigmatisierung auf Grund einer Wahrnehmungsstörung.


Na in welchem Alter sollten sie es denn gelernt haben?
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Re: Bitte hilfe bei Begriffserklärung

Beitragvon Rabaukenmama » Mo 15. Mai 2017, 20:09

Bliss hat geschrieben:
Rabaukenmama hat geschrieben:Sicher keine einfache Situation, aber sehr schwere Verletzungen wird die Lehrerin von einem geworfenen Stift nicht davongetragen haben :twisted: und wenn sie eine halbwegs gefestigte Persönlichkeit ist (in dem Beruf einfach notwendig!) dann wird sie auch keine schlaflosen Nächte aus Angst vor dem Vater des Schülers haben.


Spätestens im Schulalter finde ich Kinder, die so etwas tun im Regelschulbetrieb tatsächlich nicht mehr tragbar ohne ergänzende Maßnahmen wie eine Schulbegleitung, die mit dem Kind bei drohender Überreizung den Raum verlassen kann. Sowohl Lehrer als auch Schüler sollten sich keine Sorgen machen müssen von irgendetwas getroffen zu werden, oder darüber rätseln, ob eine Drohung wirklich einfach so vom Tisch gewischt werden kann. Wäre ja nicht der erste Vater, der einen Lehrer bedroht. Wenn sowas zum Alltag gehört, ist an eine Wissenvermittlung doch nicht mehr zu denken, da kann man nicht einfach so zur Tagesordnung übergehen.


Sorry, aber ich sehe das von der Warte des Kindes, welches mit 12 Jahren zum letzten Mal eine Mitschülerin im Streit gebissen hat. Ich hatte (vermutlich auch auf Grund der nie diagnostizierten ADHS) meine Gefühle einfach noch nicht im Griff. Und ich bin sehr froh, damals nicht auf Grund dessen "aussortiert" worden zu sein. Dass die Mitschüler, die mich TÄGLICH gemobbt, körperlich angegriffen und mir mit Mord gedroht haben, auch nicht aussortiert wurden, ist eine andere Geschichte :cry: .

Wenn ein Kind so was macht (einen Stift werfen, drohen) dann ist erst mal angesagt, genauer hinzuschauen. War es eine einmalige Aktion? Geht vom Vater, mit dem gedroht wird, wirklich eine Gefahr aus? Oder ist es einfach ein Teenager mit zu viel Testosteron im Blut, dem mal die Nerven durchgegangen sind?

Bliss hat geschrieben:
Rabaukenmama hat geschrieben:Wenn von 10-18jährigen Schülern erwartet wird, mit allem, was ihnen so widerfährt (wie bevormundend, ungerecht oder verständnislos es auch sein mag), nur vernünftig, verbal einwandfrei und natürlich komplett gewaltlos umzugehen, da sie anderenfalls von der Schule fliegen, dann stehen die Eltern unter gewaltigem Druck. Da fällt es vielen schwer, locker-lässig zu sagen "Mein Kind ist halt ein bißchen anders" und es drauf ankommen zu lassen, ob dieses anders-sein nicht noch mehr zum Ausschluß aus der Gesellschaft führt als eine mögliche Stigmatisierung auf Grund einer Wahrnehmungsstörung.


Na in welchem Alter sollten sie es denn gelernt haben?


Genau DAS ist ja das Problem. Jesper Juul schreibt so nett, dass die Kinder eine ganze Kindheit Zeit haben, zu lernen, ihre Emotionen zu kontrollieren und herauszufinden, was sie wollen und was nicht. Im echten Leben wird aber erwartet dass man es mit 6 oder allerspätestens 10 Jahre zu können hat. Da wird nicht näher hingeschaut, sondern gleich mal ausgeschlossen.

Wie gesagt, ich war ein Kind, welches mit 10 seine Emotionen noch nicht ständig im Griff hatte. Und ich komme nicht etwa aus einer assozialen oder dysfunktionalen Familie, ich war einfach noch nicht so weit, mich zu kontrollieren. Das habe ich erst als Erwachsene gelernt.

Gefühle sind in unserer Gesellschaft nur dann "erlaubt" wenn sie "gute" Gefühle sind. Wut über echte oder auch nur eingebildete Ungerechtigkeit (die viele Schüler empfinden) fällt da nicht rein. Wenn jemand nicht mal schimpfen darf, weil schon "verbale Entgleisungen" ein schlimmes Vergehen sind, wo sollen die Kinder mit ihren Gefühlen hin? Nach wie viel mal schimpfen-runterschlucken, und Bleistift-nicht-werfen greift ein Jugendlicher in Papas Waffenschrank und knallt alles nieder, die ihm zufällig über den Weg laufen? Und was ist dann die Reaktion drauf? Trauer, Betroffenheit, Unverständnis und die Aussagen "Aber der xxx war doch nie auffällig!". Und Gedanken, wie man jegliche noch so kleine "gewalttätige" Aktion oder Aussage saktionieren kann dass so was nie wieder vorkommt...

Jesper Juul schreibt bei der Gelegenheit auch wörtlich "Wenn ein 18jähiger einem Psychologen erzählt, er leide unter seiner Angst, wird ihm jede Menge Hilfe und Fürsorge zuteil. Doch wer auf der Straße steht und aggressiv wirkt, dem schlägt die entsprechende Aggression der Gesellschaft entgegen. Das ist grotesk und furchtbar traurig."

Finde ich auch...
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Re: Bitte hilfe bei Begriffserklärung

Beitragvon unwissende-neu » Mo 15. Mai 2017, 22:43

hm, also ich denke, früher wurde alles ein wenig anders geregelt. Und ist auch nicht mehr wirklich vergleichbar. Ob es damals besser war als heute, hebt sich denke ich auf.

Also mein Vater berichtete von regelmäßigen Schlägereien in der Schule, was für Jungen auch völlig ok war. Mein Vater hat sich dabei auch tatsächlich mal die Nasegebrochen, was dann wegen fehlender Behandlung auch heute noch zu sehen war. - Da er "selbst Schuld" war, war das halt so.

Mobbing wurde genauso betrieben, wenn nicht mehr, als heute. Nur, dass sich kein Erwachsener eingemischt hat. Und wenn, dann nur im Sinne von: Ich will nicht, dass du dich mit denen abgibst.

Mit Diagnosen und Behandlungen war man, vorallem hier in Deutschland, sicherlich sparsamer. Hier auf dem Land ging man nur zum Arzt, wenn es nicht anders ging.
In den Niederlanden, war das etwas anders, mein Vater ( 1947 geboren) z.B. hatte als Kind auch Logopädie. - Das gab es hier glaub ich noch gar nicht - zumindestens habe ich noch nie davon gehört.
Meine deutsche Familie tut sich mit Psychologischen Befunden heute noch immer sehr schwer. Selbt Demenz wird totgeschwiegen, nicht diagnostiziert und sich lieber darüber aufgeregt wie egoistisch und aggressiv die Person ist, statt ihr zu helfen.
Bei meiner Niederländischen Familie ist es "normaler", dort haben wir auch ein bereiteres Spektrum an Diagnosen aus den psychischen Bereichen, wobei ich nicht glaube, dass meine holländische Familie "gestörter" ist als meine Deutsche . *lach*

Bei Kinder sieht es da dann wieder etwas anders an, denn mit Diagnose ist man selbst ja aus dem Schneider und kann dann Fehlverhalten begründen, ohne das es auf eine schlechte Erziehung zurück zuführen ist.
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Re: Bitte hilfe bei Begriffserklärung

Beitragvon Bliss » Di 16. Mai 2017, 00:49

Rabaukenmama hat geschrieben:Sorry, aber ich sehe das von der Warte des Kindes, welches mit 12 Jahren zum letzten Mal eine Mitschülerin im Streit gebissen hat. Ich hatte (vermutlich auch auf Grund der nie diagnostizierten ADHS) meine Gefühle einfach noch nicht im Griff. Und ich bin sehr froh, damals nicht auf Grund dessen "aussortiert" worden zu sein. Dass die Mitschüler, die mich TÄGLICH gemobbt, körperlich angegriffen und mir mit Mord gedroht haben, auch nicht aussortiert wurden, ist eine andere Geschichte :cry: .


So was meine ich eben, da hatte doch niemand was davon. Weder du, noch die mobbenden Kinder, noch die Lehrer.

Wenn ein Kind so was macht (einen Stift werfen, drohen) dann ist erst mal angesagt, genauer hinzuschauen. War es eine einmalige Aktion? Geht vom Vater, mit dem gedroht wird, wirklich eine Gefahr aus? Oder ist es einfach ein Teenager mit zu viel Testosteron im Blut, dem mal die Nerven durchgegangen sind?

Aber sowas kann eine normale Schule nicht leisten. Da kommt dann so was bei raus, wie es dir passiert ist.
Nach wie viel mal schimpfen-runterschlucken, und Bleistift-nicht-werfen greift ein Jugendlicher in Papas Waffenschrank und knallt alles nieder, die ihm zufällig über den Weg laufen? Und was ist dann die Reaktion drauf? Trauer, Betroffenheit, Unverständnis und die Aussagen "Aber der xxx war doch nie auffällig!". Und Gedanken, wie man jegliche noch so kleine "gewalttätige" Aktion oder Aussage saktionieren kann dass so was nie wieder vorkommt...


Im Schulalter haben die meisten Kinder doch schon Strategien entwickelt, die etwa sozialverträglicher sind und nicht darin bestehen jemand anderem zu schaden. Außerdem sind glücklicherweise diese Fälle zahlenmäßig sehr gering und ob vorheriges herauslassen von aufgestauten Emotionen in Form von oben genannten Aktionen da was bewirkt hätten, wage ich mal zu bezweifeln.

Umgekehrt gibt es aber sehr viele, wo eine Gewaltkarriere zu Schulzeiten sich im Erwachsenenalter fortsetzt.
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Re: Bitte hilfe bei Begriffserklärung

Beitragvon Rabaukenmama » Di 16. Mai 2017, 13:51

Bliss hat geschrieben:
Rabaukenmama hat geschrieben:Sorry, aber ich sehe das von der Warte des Kindes, welches mit 12 Jahren zum letzten Mal eine Mitschülerin im Streit gebissen hat. Ich hatte (vermutlich auch auf Grund der nie diagnostizierten ADHS) meine Gefühle einfach noch nicht im Griff. Und ich bin sehr froh, damals nicht auf Grund dessen "aussortiert" worden zu sein. Dass die Mitschüler, die mich TÄGLICH gemobbt, körperlich angegriffen und mir mit Mord gedroht haben, auch nicht aussortiert wurden, ist eine andere Geschichte :cry: .


So was meine ich eben, da hatte doch niemand was davon. Weder du, noch die mobbenden Kinder, noch die Lehrer.



Himmel, ist das wirklich so schwer zu verstehen? Es geht um den UNTERSCHIED ob es von ein- und demselben Kind täglich Übergriffe gibt, welches Ausmaß die haben und wen sie betreffen. Und es IST ein Unterschied ob eine Lehrerin mal mit einem Stift beworfen wird oder ob es Kinder in einer Klasse gibt, die täglich Todesängste ausstehen!!!

Es gibt keinen Verhaltenskatalog ab welcher Verfehlung ein Schüler auszuschließen ist und es ist auch keiner notwendig. Es ist eine Sache von Hinsehen und Verantwortung und es wird NIE ohne Fehler funktionieren. Aber es sollte zumindest von Seiten der Schule alle mögliche getan werden, damit nicht einerseits Kinder wegen einmaliger Entgleisungen endgültig "aussortiert" (und somit auch gebrandmarkt) werden, und andererseits damit keine Kinder in normalen Schulklassen sitzen, die STÄNDIG andere schickanieren, bedrohen oder körperlich attakieren!

Die Lehrerin hat sich ihren Beruf ausgesucht. Deshalb muss sie sich nicht alles gefallen lassen, aber eine gewisse Resilienz ist vor allem bei höhreren Schulformen Voraussetzung. Die Schüler, die unter anderen Schülern leiden, können nicht kündigen oder Job wechseln. Das ist nicht dasselbe!

Bliss hat geschrieben:
Rabaukenmama hat geschrieben:Wenn ein Kind so was macht (einen Stift werfen, drohen) dann ist erst mal angesagt, genauer hinzuschauen. War es eine einmalige Aktion? Geht vom Vater, mit dem gedroht wird, wirklich eine Gefahr aus? Oder ist es einfach ein Teenager mit zu viel Testosteron im Blut, dem mal die Nerven durchgegangen sind?

Aber sowas kann eine normale Schule nicht leisten. Da kommt dann so was bei raus, wie es dir passiert ist.


Der Meinung bin ich nicht. Lehrer haben eine gewaltige Verantwortung, nicht was die Wissensvermittlung, sondern was ihre eigene Integrität betrifft. Lehrer dürfen, sollen, ja MÜSSEN genau hinschauen, was in den Klassen passiert. Nicht nur während des Unterrichts sondern auch in Pausen und Freistunden! Schüler brauchen Lehrer, die sie ansprechen können und von denen ihre Anliegen ernst genommen werden, auch wenn 99% davon nicht der Rede wert ist.

Bliss hat geschrieben:
Rabaukenmama hat geschrieben: Nach wie viel mal schimpfen-runterschlucken, und Bleistift-nicht-werfen greift ein Jugendlicher in Papas Waffenschrank und knallt alles nieder, die ihm zufällig über den Weg laufen? Und was ist dann die Reaktion drauf? Trauer, Betroffenheit, Unverständnis und die Aussagen "Aber der xxx war doch nie auffällig!". Und Gedanken, wie man jegliche noch so kleine "gewalttätige" Aktion oder Aussage saktionieren kann dass so was nie wieder vorkommt...


Im Schulalter haben die meisten Kinder doch schon Strategien entwickelt, die etwa sozialverträglicher sind und nicht darin bestehen jemand anderem zu schaden. Außerdem sind glücklicherweise diese Fälle zahlenmäßig sehr gering und ob vorheriges herauslassen von aufgestauten Emotionen in Form von oben genannten Aktionen da was bewirkt hätten, wage ich mal zu bezweifeln.

Umgekehrt gibt es aber sehr viele, wo eine Gewaltkarriere zu Schulzeiten sich im Erwachsenenalter fortsetzt.


Und was passiert mit den Kindern, deren Strategien in Sachen Sozialverträglichkeit noch nicht ausgereift sind? Nicht, weil sie grundsätzlich aggressiv oder bösartig sind, sondern weil die Entwicklung nicht bei allen gleich verläuft?

Wegen "Gewaltkarriere hat zu Schulzeiten begonnen" fällt mir noch der Vergleich im einer Drogenstatistik ein. Über 90% der Herionsüchtigen haben mit Haschisch begonnen. Aber weniger als 3% derjenigen, die mal Haschisch probiert haben, sind heroinsüchtig geworden. Daher ist ein Umkehrschluss schlichtweg falsch.

Dasselbe ist mit Gewalt. Ich kenne kaum jemanden, der wirklich NOCH NIE Gewalt angewendet hat (vor allem in Kindheit und Jugend), aber das sind trotzdem durchwegs gesunde, soziale, verantwortungsbewusste Menschen geworden.
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