Verarbeitungsgeschwindigkeit und Konzentrationsstörungen

Fragen, Antworten und Erfahrungen zu IQ-Tests

Verarbeitungsgeschwindigkeit und Konzentrationsstörungen

Beitragvon yuki0 » Do 16. Nov 2017, 15:50

Guten Tag, ich brauche eure Hilfe. Letztes Jahr wurde bei meinem Sohn (damals 8) ein IQ Test durchgeführt (HAWIK-IV). Nun war Disckrepanz zwischen der Skala VG und den übrigen Skalen sehr groß: Sprachverständnis 142; Logisches Denken 137; Arbeitsgedächtnis 135; Verarbeitungsgeschwindigkeit 109. Hier im Forum, habe ich gelesen, das es ein Anzeichen für ADS, bzw. ADHS sein kann. Mein Sohn kann sich auch oft(nicht immer) schlecht konzentrieren, macht viele Flüchtigkeitsfehler, hat Probleme mit der Rechtschreibung. Es macht sich jetzt in der 5.Klasse Gymnasium besonders bemerkbar. Damals, parallel mit IQ Test, wurde er auch auf Konzentrationsstörungen getestet(TEA-Ch), da es auch schon extreme Probleme gab,und hatte unauffällige Werte. Wo kann der Hacken sein? Kann man aus diesen Ergebnissen was herauslesen? Danke!
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Re: Verarbeitungsgeschwindigkeit und Konzentrationsstörungen

Beitragvon Rabaukenmama » Do 16. Nov 2017, 16:26

Hmmm, ehrlich gesagt ist der WErt 109 für die Verarbeitungsgeschwindigkeit zwar im Vergleich zu den anderen Werten niedrig, aber trotzdem besser als altersgemäß. Ich selbst bin HB (Gesamt IQ 143) und vermute bei mir schon lange (bisher nicht diagnostizierte) ADHS. Meine Verarbeitungsgeschwindigkeit war und ist trotz des hohen Gesamt-IQ deutlich unter dem Durchschnitt.

So rein auf die Entfernung (also ohne deinen Sohn zu kennen) würde ich aus den Werten nichts bedenkliches herauslesen. Man kann eben nicht in allen Bereichen der "Überflieger" sein. Und so Sachen wie Motivation, Arbeitshaltung, Anpassungsvermögen, Durchhaltevermögen und Resilienz sind ja für die schulischen Leistungen auch sehr wesentlich, aber vom IQ ziemlich unabhängige Größen.

Dein Sohn geht jetzt ja erst seit kurzer Zeit aufs Gymnasium. Es ist auch möglich, dass er sich erst an das flottere Arbeitstempo und die höheren Erwartungen gewöhnen muss. Sehr kluge Kinder haben sich in der Grundschule meistens kaum anstrengen zu brauchen, und wissen daher oft noch gar nicht, wie sie überhaupt effizient lernen können. Sie glauben erst mal, alles geht so weiter, wie bisher. Eine sehr kluge Mitschülerin aus meiner Grundschule ist nach dem Wechsel ins Gymnasium auch erst mal leistungsmäßig stark abgesackt, hat dann aber Strategien zum lernen gefunden und schließlich mit Notendurchschnitt 1,3 maturiert.
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Re: Verarbeitungsgeschwindigkeit und Konzentrationsstörungen

Beitragvon yuki0 » Do 16. Nov 2017, 16:50

Liebe Rabaukenmama, danke erstmal für deine Antwort und Erklärung. Intuitiv denke ich auch, das er noch Zeit braucht um sich umzustellen. Aber die Probleme, die wir uns früher mit Unterforderung erklärt haben, kommen immer wieder und man macht sich langsam Gedanken :gruebel:
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Re: Verarbeitungsgeschwindigkeit und Konzentrationsstörungen

Beitragvon Rabaukenmama » Do 16. Nov 2017, 17:33

yuki0 hat geschrieben:Liebe Rabaukenmama, danke erstmal für deine Antwort und Erklärung. Intuitiv denke ich auch, das er noch Zeit braucht um sich umzustellen. Aber die Probleme, die wir uns früher mit Unterforderung erklärt haben, kommen immer wieder und man macht sich langsam Gedanken :gruebel:


Geht dein Sohn gern in die Schule? Hat er dort Freunde? Ist er in der Klassengemeinschaft anerkannt? Hat sich sein Verhalten seit dem Wechsel ins Gymnasium auch zu Hause verändert? Spontan würde ich mal vermuten, er fühlt sich nicht wohl.

Ich würde im Moment eher in die Richtung schauen, als aus den Testwerten eine Ursache für die momentanen Schwierigkeiten rauszulesen versuchen.
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Re: Verarbeitungsgeschwindigkeit und Konzentrationsstörungen

Beitragvon yuki0 » Do 16. Nov 2017, 19:03

In der Schule fühlt er sich wohl und hat auch Freunde, was.in der Grundschule nicht der Fall war. Ich weiß nicht wie ich das beschreiben soll...Zum Beispiel Hausaufgaben. Manchmal macht er die noch im Bus(zwar unordentlich, aber immerhin). Und manchmal dauert es (wie z.B. letzten Sonntag) den ganzen Tag..Erst unendliche Diskussionen, dann am Tisch sitzen und sich ständig ablenken, zwischendurch heulen und Streit suchen, provozieren (demonstrativ Fernseher anschalten usw.). Anschließend in 5 min alles erledigen. Manchmal sitzt er wirklich stundenlang an Aufgaben, die er eigentlich ganz schnell machen könnte.Und in der Schule schaltet er manchmal ab, während die Lehrerin was erzählt. Er merkt
es selber nachher, sagt, dass er sehr tief und weit in seinen Gedanken war.
Nun merken das die Lehrer auch und sind nicht sehr begeistert....Oder er muss immer etwas parallel machen: malen, aus Papier etwas falten. Das wird auch ein Thema beim Elternsprechtag sein.
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Re: Verarbeitungsgeschwindigkeit und Konzentrationsstörungen

Beitragvon BiHa » Do 16. Nov 2017, 21:38

Hallo Yuki,
Warum sollte das nicht trotzdem ein Zeichen von Unterforderung sein? Wenn etwas für mich langweilig ist, schalte ich auch ab. Das geht mir heute als Erwachsene noch so und war als Kind nicht anders. Und wenn die Aufgaben sinnlos erscheinen, dann kann man auch mal auf die Barrikaden gehen. Du sagst ja selbst, dass die Aufgaben dann irgendwann binnen weniger Minuten erledigt sind. Liegt der Unterschied zwischen den im Bus gemachten und den verweigerten vielleicht am Thema?
Vielleicht solltest Du es einfach mal drauf ankommen lassen und nicht diskutieren? Wenn er sie nicht macht, muss er mit den Konsequenzen leben. Was sagt er denn selbst, warum er sie nicht machen möchte?
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Re: Verarbeitungsgeschwindigkeit und Konzentrationsstörungen

Beitragvon yuki0 » Do 16. Nov 2017, 22:07

Hallo BiHa,
Manchmal sagt er, das es langweilig ist, manchmal einfach das er das nicht will, ohne Erklärung. Ich denke es hat mit Schreiben zu tun, er schreibt ungerne, vor allem die Sachen, die er vom Prinzip verstanden hat. Die Wiederholung macht ihn fertig. Aber üben ohne wiederholen geht ja nicht....Als Konsequenzen hat er neulich eine 5 in Englisch geschrieben, war traurig, aber lässt sich weiterhin schlecht motivieren...
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Re: Verarbeitungsgeschwindigkeit und Konzentrationsstörungen

Beitragvon yuki0 » Do 16. Nov 2017, 22:15

Obwohl gestern hat er sehr motiviert Hausaufgaben in Erdkunde gemacht. Man sollte Diagramm zeichnen und er hat sich für Kreisdiagramm entschieden.Dafür sollte er sich selbst mit 2 neuen Themen auseinander setzen. Das hat gut geklappt :idea:
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Re: Verarbeitungsgeschwindigkeit und Konzentrationsstörungen

Beitragvon Koschka » Do 16. Nov 2017, 23:14

Das kenne ich von einem meiner Kinder und ich weiß in meinem Fall, dass es nichts mit der Unterforderung zu tun hat. Konzentration Routine zu erledigen ist einfach zu niedrieg. Nicht zuletzt weil der Willen mitzumachen auch oft nicht da ist. Bei interessanten Aufgaben ist es besser, aber da ist halt der Wille wieder zurück. Ich glaube nicht, dass ihr großartig was ändern könnt. Solange es keine sozialen Probleme auftreten, wird auch kein vernünftiger Arzt unter solchen Voraussetzungen über ADHS Verdacht oder Behandlung reden.
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Re: Verarbeitungsgeschwindigkeit und Konzentrationsstörungen

Beitragvon yuki0 » Do 16. Nov 2017, 23:24

Hallo Koschka, danke für deine Antwort. Vermutest du bei deinem Kind ADHS? Du sagst, es gibt bei euch ähnliche Situationen, wie gehst du damit um? Ich versuche rauszufinden ob es bei uns an "nicht können" oder "nicht wollen"liegt. Oder vielleicht dazwischen...Aber es ist ja wirklich sehr individuell.
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