Auswertung K-ABC II - eine Skala sticht heraus

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Auswertung K-ABC II - eine Skala sticht heraus

Beitragvon Lou » Fr 19. Okt 2018, 15:53

Hallo zusammen,

ich habe schon häufiger hier mitgelesen und wende mich nun mit einer eigenen Frage an euch:

Bei meinem Sohn (5 Jahre, 5 Monate) wurde vor einigen Wochen der K-ABC II in einem Frühförderzentrum durchgeführt. Wir hatten auch ein Auswertungsgespräch dazu, bei dem allerdings die eigentliche Testerin nicht anwesend war und wir so die Erläuterungen nur "aus zweiter Hand" - und für meine Begriffe nicht immer ganz schlüssig - erhalten haben.
Vermutlich werde ich wohl noch einmal nach einem Gesprächstermin fragen, mich würde aber auch eure Einschätzung sehr interessieren!

Ich habe leider nur einen schriftlichen Bericht erhalten und nicht die genauen Testergebnisse, hier ein Auszug:
"Die Ergebnisse liegen in den Bereichen sequentielle und simultane Verarbeitung sowie Lernen im Durchschnitt seiner Altersnorm. Die Ergebnisse im Bereich des Wissens/der kristallinen Fähigkeit liegen weit über dem durchschnittlichen Bereich seiner Altersnorm. Es fällt hier eine signifikante Abweichung von den anderen Skalen auf." (Ich meine mich aus dem Gespräch zu erinnern, dass es sich bei dem "Ausreisser" um den Wert 141 handelt)
"Deutlich wird hier somit eine sehr gute Förderung des Kindes besonders im sprachlichen Bereich."

Ist ein solch uneinheitliches Bild häufig?
Ist der "Ausreisser" mit der "guten Förderung" des Kindes hinreichend erklärt?

Wie sind ehrlich gesagt etwas ratlos, was genau wir gemacht haben, dass es zu diesem Testergebnis gekommen ist - zumal das Frühförderzentrum, in dessen Rahmen der Test gemacht wurde, diese starke Abweichung als Erklärung für Verhaltensauffälligkeiten sieht (siehe unten).

Zur Vorgeschichte:
Der (Waldorf)Kindergarten weist seit circa einem Jahr auf Verhaltensauffälligkeiten unseres Sohnes in der Gruppe hin. Dabei handelt es sich vor allem um, im weitesten Sinne, Albernheiten. Er spricht Texte lauter oder leiser, schneller oder langsamer als der Rest der Gruppe. Auch führt er Bewegungen zum Teil übertrieben aus. Er habe Probleme in der Verhaltensregulation, eine Wahrnehmungsstörung stand im Raum.
Daraufhin waren wir in einem SPZ (30-minütiger Termin) mit dem Ergebnis "eine Entwicklungsstörung kann ausgeschlossen werden". Eine Ergotherapeuten sah nach 10 Terminen keinen weiteren Handlungsbedarf und der Kinderarzt ist ebenfalls entspannt und sieht keinen Handlungsbedarf.
Zuletzt sind wir nun bei einem Frühförderzentrum gelandet, das auch vorschulische Kleingruppenangebote macht, an dem unser Sohn nun teilnehmen soll. Vorab wurde aber der oben beschriebene K-ABC II gemacht und die Ansprechpartnerin des Frühförderzentrums sieht die oben beschriebene signifikante Abweichung als Erklärung für die aufgefallenen "Verhaltensunsicherheiten".

Ich hoffe, ich habe an alle relevanten Infos gedacht.
Was habt ihr für einen Eindruck von den Ergebnissen des Tests?

Herzliche Grüße,
Lou
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Re: Auswertung K-ABC II - eine Skala sticht heraus

Beitragvon Koschka » Fr 19. Okt 2018, 20:15

Dein Sohn gehört in eine andere Umgebung. Wenn sie fordernd genug ist, hören die Albernheiten zumindest vorübergehend auf.
Koschka
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Re: Auswertung K-ABC II - eine Skala sticht heraus

Beitragvon Lou » Sa 20. Okt 2018, 08:51

Danke, Koschka, für deine Antwort.
Wir haben tatsächlich länger über einen Kiga-Wechsel nachgedacht, uns dann - für das letzte Jahr - aber dagegen entschieden, weil unser Sohn sehr gerne dorthin geht, viele Freunde hat und die Erzieherinnen grundsätzlich sehr engagiert sind. Wir haben also kein grundsätzliches Problem mit der Einrichtung, auch wenn uns die Frage der Passung des dortigen Angebots für unseren Sohn durchaus beschäftigt.
Das Frühförderzentrum sah in den Testergebnissen eher ein Argument für diesen Kiga, da die kognitive (Wissens)Ansprache in der Waldorfpädagogik ja bewusst nicht im Vordergrund steht. Somit könne einem weiteren „Enteilen“ dieses Bereiches vorgebeugt werden?!

Deshalb meine Frage eher hinsichtlich der Testergebnisse:
Was würdet ihr damit machen? Sollen wir den Wissensdurst bewusst „bremsen“, die kognitive Ansprache vermeiden, um diesem Ungleichgewicht der Skalen entgegenzuwirken?
Oder sollten wir dem, was unser Sohn einfordert, nachgehen, ihn fordern - und ist dieses Ungleichgewicht gar nicht so ungünstig, wie vom Frühförderzentrum dargestellt?
Wir sind echt etwas ratlos!
Lou
 
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Re: Auswertung K-ABC II - eine Skala sticht heraus

Beitragvon Koschka » Sa 20. Okt 2018, 09:28

Bremsen der Kinder ist vollkommener Unsinn. Das macht alle beteiligten nur unglücklicher. Ich habe ein Kind mit einem ähnlich zackingem Ergebnis in dem Alter. Mir hat man damals, vor 8 Jahren, die Ergebnisse auch ähnlich interpretiert. "LIebe Frau, sie haben ihr Kind toll gefördert, aber es ist alles das Ergebis der Bildung und nicht der Veranlagung". Im Laufe der Jahre hat sich herausgestellt, dass mein Kind über eine mathematische Begabung verfügt, die die Grenzen eines "normalen" Hochbegabung überschreitet. Seine besondere Stärke liegt im blitzschnellen Kombinieren, was ihm im K-ABC damas ein Ergebnis auf der gleichen Skala wie bei deinem Sohn in sehr hohem Bereich beschert hat.

Wenn dein Sohn gerne in den KG geht, würde ihn dort lassen. Mein Sohn wollte nicht mehr gehen, daher haben wir ihn sehr früh eingeschult. Noch ein Thema bei zackigen Testergebnissen ist Konzentration. Wie gut kann sich dein Kind konzentrieren bei den Sachen, die ihn nicht wirklich von sich aus interessieren? Ansonsten würde ich dir empfehlen dieses Kind so zu erziehen, wie du es mit jedem anderen Kind getan hättest: begleiten, behüten, auf die Wünsche eingehen, und nicht zu viel Kopf einsetzen. Lass dich von deinen Gefühlen und deinem Herz leiten.

LG
Koschka
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Re: Auswertung K-ABC II - eine Skala sticht heraus

Beitragvon Lou » Sa 20. Okt 2018, 20:18

Danke für deinen Erfahrungsbericht!
Was du schreibst trifft eine grundlegende Frage: Ist das Ergebnis lediglich Ausdruck unseres Umgangs mit ihm/ des bereitgestellten Wissens (laut Therapeutin) und kann/sollte zukünftig anders gehandhabt werden oder ist es Ausdruck seiner Veranlagung, der man doch ohne schlechtes Gewissen nachgehen kann?!
Du gibst darauf ja eine Antwort!

Das (Erziehungs-)Gefühl hat man uns innerhalb des letzten Jahres leider ein Stück weit ausgetrieben. Wir sind doch sehr verunsichert, wie wir grundsätzlich mit der Thematik umgehen sollen bzw. welche Schlüsse wir daraus ziehen sollten.
Umso dankbarer bin ich hier über Erfahrungsberichte!

Du fragst noch nach der Konzentrationsfähigkeit: Er kann sich sehr gut konzentrieren, baut zum Beispiel ausdauernd sehr komplexe Lego-Bausätze, kann endlose Gespräche über für ihn interessante Themen führen (Fische, Angeln, Schiffe) - eben auch mit viel Detailwissen, baut und werkelt über Tage kontinuierlich an einem einzelnen Projekt (zB einen Hubschrauber bauen) - auch sehr detailverliebt.
Wenn ihn etwas nicht interessiert, wird es schwieriger. Es wurde auch beim Test deutlich und in der Auswertung angemerkt, dass er sich nach einer ersten interessierten Phase (etwa 20 Minuten) nur schwer motivieren ließ und lieber frei spielen wollte. Er hat in der Regel eine klare Position zu Dingen und wenn er etwas nicht möchte/ langweilig findet, ist es auch schwierig ihn noch umzustimmen oder zu motivieren. Er hat dann auch keinerlei Ehrgeiz oder Bereitschaft sich anzustrengen!
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Re: Auswertung K-ABC II - eine Skala sticht heraus

Beitragvon Koschka » So 21. Okt 2018, 11:44

mit so einer Einstellung des Kindes zu fremd gestellten Aufgaben kann man den Test in die Tonne schmeißen. Aber das ist ja eher egal. Das Kind bleibt nach dem Test genauso wie vor dem Test. Warum wurde das Kind überhaupt zum Testen geschickt? Stört er so derart?

Der hilfreichste Rat, den ich je zu störenden Kindern bekommen habe, war sie so zu beschäftigen, dass sie sich entspannt und glücklich fühlen. Dabei geht es ja gar nicht so sehr um das was sie machen sollen, sondern um WIE sie es machen sollen. Wenn dein Kind sich bei Legobauen entspannt, dann soll er Lego bauen. Wenn er dafür ein Matheheft braucht, dann soll er das bekommen, egal welche Klasse drauf steht. Hauptsache das macht ihn glücklich und zufrieden. Ich persönlich finde Waldorfkonzept ungeignet für kopflastige Kinder. Sie versuchen sie zu harmonisieren und die kognitive Seite zu hemmen. Das münden in Protestverhalten. Die Kinder fangen an DInge zu machen, nur um die anderen zu ärgern.

Es ist jetzt zu spät um den Kindergarten zu wechseln und quer einschulen mit so einem Test würde wahrscheinlich auch nicht gehen. Versucht am Nachmittag seinen Interessen so weit wie möglich nachzugehen und einfach als Familie zusammen seine Kindheit zu genießen.
Koschka
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Re: Auswertung K-ABC II - eine Skala sticht heraus

Beitragvon Rabaukenmama » So 21. Okt 2018, 12:43

Koschka hat geschrieben:mit so einer Einstellung des Kindes zu fremd gestellten Aufgaben kann man den Test in die Tonne schmeißen.


Das kann ich aus Erfahrung so bestätigen. Mein Sohn war mit 4 Jahren in ALLEN getestenten Bereichen einer Entwicklungsdiagnostik entweder "überdurchschnittlich" oder "außergewöhnlich überdurchschnittlich". Vom Wesen her war (und ist) er mir sehr ähnlich: breite gestreute Interessen, sehr motoviert und extrem schnell im Kopf, was die momentan interessanten Themen betrifft, dafür kaum bis gar nicht für "uninteressante" Dinge zu begeistern und zu motivieren.

Mitterweile ist er Drittklässler in der Grundschule und macht alles nach dem Minimalprinzip. Wenn es ihn interessiert, kann er z.B. "nebenbei" im Hort ein Buch über die Mount-Everest-Erstbesteigung lesen und weiß noch Monate später alle wichtigen Inhalte (Namen, Jahreszahlen, Höhenmeter,...). Schule läuft NOCH nebenher, weil der Stoff so einfach für ihn ist, dass er mit dem, was er ohnehin weiß, durchkommt, ohne irgendwas lernen oder wo "aufpassen" zu müssen. Das wird aber nicht ewig so weitergehen.

Sozial-emotional ist mein Sohn wirklich DEUTLICH hintennach, was mit 4 oder 5 Jahren noch kaum merkbar war. Damals haben wir die Auffälligkeiten auf Trotzphase und Geschwistereifersucht (kleiner Bruder ist gehörlos und bekommt viel Aufmerksamkeit) geschoben. Mittlerweile sind sowohl ASS als auch ADHS diagnostiziert, was einiges erklärt. Koginitiv ist mein älterer Sohn immer noch deutlich voraus, kann aber sein Potential in den richtigen Situationen nicht abrufen.

Ich selbst bin ja getestet HB mit Gesamt-IQ 143 und Ausreißern jenseits der 150. Und bei mir war es schulisch genau dasselbe.

Neulich hat mich die Lehrerin meines Sohnes angesprochen und mir von der Möglichkeit erzählt, noch ein zusätzliches Jahr in der Grundschule zu bleiben, wegen der "sozialen Entwicklung". Und das, obwohl jetzt schon klar ist, dass im nächsten Zeugnis (dem ersten mit Noten) lauter Einser stehen werden! So gesehen bin ich froh, nicht vorzeitig eingeschult zu haben :P .

Mein Sohn war im Kindergarten zwei Jahre lang das koginitiv fitteste Kind. Als er schließlich mit 6 1/2 Jahren regulär eingeschult wurde konnte er bereits über 2 Jahre sinnerfassend lesen und hatte bereits weit über 100 Bücher selbst gelesen. Trotzdem war er bis zum letzten Tag gern im Kindergarten, weil er dort einfach so angenommen wurde, wie er war. Die Betreuerinnen hatten ein Gefühl dafür, wie er "zu nehmen" ist. So wurde er z.B. eingeteilt, den jüngeren Kindern vorzulesen, war ihn stolz gemacht hat und eine WIN-WIN-Situation war. Er brauchte immer viel Aufmerksamkeit, um nicht irgendweilchen Blödsinn zu machen, und hat diese im Kindergarten auch weitgehend bekommen.

Bei Kindern wie meinem Sohn war und ist es wichtig, nicht viel Trara um seine Intelligenz zu machen. Zahlenwert (Gesamt-IQ) kenne ich immer noch keinen, weil es mir nie wichtig war. Ich merke aber, dass mein Sohn schneller "im Kopf" ist, als viele andere Kinder seines Alters und habe daraus auch vor ihm nie ein Geheimnis gemacht - ohne es groß hervorzustreichen. Bei meinem Sohn war der kognitive Unterschied zu Gleichaltrigen übrigens für Außenstehende nie wieder so offensichtlich wie mit 2-4 Jahren! Jetzt, mit 8, merkt den keiner mehr...

Wegen Beschäftigung und glücklich-sein bin ich ganz bei Koschka. Wenn das Kind mit Lego-bauen glücklich ist, dann soll es das tun dürfen, wenn es Bewegung braucht soll es die bekommen,... Seit zwei Jahren entspannt sich mein Sohn am besten, wenn er Donald Duck Comics liest - Bücher oder Spiele sind wieder mal total "out". Tja, und dann hat er mal wieder eine Woche, wo er 20 Bücher liest (er liest schneller als die meisten Erwachsenen) und sich alles merkt, um dann wieder zu den Comics zurückzukehren :mrgreen: .

Auch bei Museumsbesuchen saugt er alles Wissen auf wie ein Schwamm. Er hat eine für sein Alter extrem gute Allgemeinbildung, aber wenn man ihn unbeschränkt lassen würde, dann wäre seine Hauptbschäftigung Minecraft-Videos von seinen Lieblings-Youtubern anzuschauen. Sein Berufswunsch ist im Moment Youtuber - ohne jegliche Vorstellung davon, dass man nicht so locker-lässig über eine Million follower bekommt, von deren klicks man leben kann...

Lego hat meinen Sohn früher sehr interessiert. Mit 4 Jahren baute er mit Eselsgeduld Modelle "von 7-12 Jahre". Jetzt hat er schon mindestens ein Jahr lang gar nichts mehr gebaut - weder nach Plan, noch frei!

Was ihm sehr viel Spaß macht ist schwimmen und planschen - zumindest EIN gemeinsames Interesse mit dem jüngeren Bruder! Daher sind wir mit den Kindern häufig am See, im Schwimmbad oder in der Therme. Ansonsten teilen mein Mann und ich uns die Jungs - ich gehe dann mit dem älteren Sohn ins Museum (wo der Bruder nur Quatsch machen würde), in den Kletterpark oder zum Bowling. Mit meinem jüngeren Sohn mache ich Radtouren oder ausgiebige Spaziergänge - was sein Bruder hasst! - oder wir sind stundenlang auf dem Spielplatz. Zu Hause lassen wir den Buben (bis auf fixe medienfreie Zeiten) freie Hand über ihre Freizeitgestaltung.

So macht jeder hauptsächlich, was ihm Spaß macht. Das wirkt sich dann positiv auf die Gesamtstimmung innerhalb der Familie aus. Speziellen intellektuellen Input "von außen" gibt es nicht. Wenn Interesse bestünde dürfte mein älterer Sohn auch gerne ein Instrument lernen oder einem Sportverein beitreten. Das war aber bisher nicht der Fall. Aber aktuell besucht er einen Programmierkurs für Kinder, der ihm sehr viel Freude macht.

Bei euch ist das Testergebnis noch sehr "frisch". Es sieht auf den ersten Blick so aus, als müsse man alles mögliche tun, um diesem "Rohdiamanten" den richtigen Schliff zu geben. Tatsächlich wird nie so heiß gegessen, wie gekocht. Das, was das Kind interessiert, merkt man als Eltern unabhängig vom IQ ohnehin. Und hier heißt es nur NICHT BREMSEN! Auch sehr kluge Kinder brauchen keine maßgeschneiderten Förderprogramme! Es reicht, die aktuellen Interessen aufzugreifen und da zu ermöglichen, was das Kind selbst kann und will. Alles Gute!
Der liebe Gott schenkt uns die Nüsse, aber er knackt sie nicht (Johann Wolfgang von Goethe)
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Re: Auswertung K-ABC II - eine Skala sticht heraus

Beitragvon alibaba » So 21. Okt 2018, 18:14

Moin Lou,

Um konkret auf deine Frage einzugehen: Ja, es ist oder wird als Förderung interpretiert. Wobei das ja nichts Negatives ist. Es bedeutet, Du gibst deinem Kind den Input den es auch aufnehmen kann, aber es kommt aus seiner Ungebung.

Was interessant wäre, wie denn der Rest der Zahlen dazu passt. Ähnlich hohe Werte oder normal oder was?


Ich halte den K-ABC für nicht soooooo aussagekräftig. Außerdem sind in dem Alter die Kinder doch noch sehr „elterngesteuert“, machen was Du sagst. Nicht für umsonst sagt man, ein aussagekräftiger Test geht erst mit 10 Jahren, da ab da die Intelligenz stabil bleibt und immer weniger von den Eltern abhängt.

Ich kann es jetzt gar nicht so richtig begründen, sehe aber Probleme im Kindergarten auf Euch zukommen. Wolltet Ihr auch diese Schulform dann wählen? Waldorf (man kann es mögen oder nicht) ist nichts für schnelle kluge Köpfe. Man ist für meinen Begriff zu gruppenfixiert, was selten passend mit Schnelldenkern ist. Ich sehe da eher langsame Kinder mit kreativen Begabungen. Meine Tochter könnte ich mir dort gut vorstellen, meinen Sohn überhaupt nicht. Meine Tochter ist musisch wie künstlerisch begabt und nimmt auf jeden Krabbelkäfer Rücksicht. Der hat es noch nicht über den Waldweg geschafft, dann warte ich auch .... um das mal bildlich zu formulieren. Mein Sohn dagegen läuft grundsätzlich vor uns. :mrgreen:

Wenn der Kiga jetzt schon Probleme sieht, obwohl ja gar nichts ist ..... ich komme da nicht umhin Bedenken zu äußern.

Ich persönlich würde die vom Kiga gesehen Probleme in externen Forderungen „testen“. Kurse in Volkshochschulen bieten sich da an oder die Musikschule. Ich orakle mal ein wenig und behaupte, dass es dort nicht zu solchen „Problemen“ kommt. In dem Sinne schließe ich mich meinen Vorschreiberinnen an, sucht Euch passende nachmittägliche fördernde Angebote, die dem Interesse des Kindes entsprechen. Wir waren in dem Alter Dauergäste der VHS oder der Bibliotheken mit ihren verschiedenen Angeboten. Was auch immer toll war, waren Kurse in den Museen.

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Re: Auswertung K-ABC II - eine Skala sticht heraus

Beitragvon Lou » So 21. Okt 2018, 20:49

Herzlichen Dank für eure Antworten!

@ Koschka:
Das Frühförderzentrum hat den Test angeregt, um zu schauen, ob es für sie überhaupt einen „Auftrag“ gibt. Da vorherige Stellen zum Teil keinen Handlungsbedarf sahen, wollten sie dort vermutlich etwas Handfestes. In diesem uneinheitlichen Testergebnis sahen sie für sich nun tatsächlich Ansatzpunkte und haben ein Kleingruppenangebot gemacht, das erstmal bis Ende des Jahres laufen soll. Der erste Termin ist morgen.

Ich persönlich finde Waldorfkonzept ungeignet für kopflastige Kinder. Sie versuchen sie zu harmonisieren und die kognitive Seite zu hemmen.


Das finde ich sehr treffend beschrieben. Das Kind zu „harmonisieren“ ist tatsächlich das Anliegen des Kiga und irgendwie auch das, was uns vom Frühförderzentrum empfohlen wurde: Kognitive Ansprache vermeiden, auf „das lernst du in der Schule“ verweisen, ect.
Dadurch entstand bei uns das Gefühl etwas falsch gemacht zu haben und jetzt durch verändertes Verhalten einer „Fehlentwicklung“ entgegen wirken zu müssen. Richtig fühlte sich das aber nicht an.
Ich habe jetzt neuen Mut bekommen, mein Kind so zu nehmen wie es ist und auf seine Bedürfnisse einzugehen - und nicht kontinuierlich künstlich Einfluss nehmen zu müssen!
Das letzte Jahr hat uns da wirklich aus der Bahn geworfen.


@ Rabaukenmama:
Danke für die ausführliche Antwort und die Bestätigung, dass das Eingehen auf die Befürfnisse des Kindes - und nicht bewusst gegenzusteuern und zu bremsen - der richtige Weg ist!

@ alibaba:
Die anderen Skalenwerte lagen im Durchschnitt seiner Altersklasse. Wobei Koschka ja angemerkt hat, dass die Werte angesichts der äußerst geringen Motivation nicht wirklich aussagekräftig sind?!

Wolltet Ihr auch diese Schulform dann wählen?

Über die Schulform haben wir uns in den letzten Wochen gewaltig den Kopf zerbrochen!
Aktuell - auch aufgrund eurer Rückmeldung - tendiere ich stark zur regulären Grundschule. Kognitive Leistungsfähigkeit findet dort sicherlich einen besseren Rahmen (Individuelle Förderung, Binnendifferenzierung, ect - je nach Lehrkraft dann natürlich). An der Waldorfschule ist der Unterricht ja sehr gleichschrittig angelegt und ich glaube nicht, dass mein Sohn Lehrlaufzeiten ruhig abwartet... er sucht sich (störende) andere Beschäftigung!
Und wenn ich nun Abstand von dem Ziel der „Harmonisierung“ nehme, darf mein Sohn kognitiv ja auch gerne gefordert und beschäftigt werden!

Nachmittags gehen einmal die Woche zur Musikschule und alle 14 Tage zum Reiten. Die restlichen Nachmittage füllen wir zu Hause durch unterschiedliche Aktivitäten bzw mein Sohn kann sich auch sehr ausdauernd mit sich und seinen Ideen beschäftigen. Zu Weihnachten wird er wohl ein eigenes Aquarium bekommen (mit dem Thema beschäftigt er sich seit etwa einem Jahr).
Danke für die weiteren Ideen!
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Re: Auswertung K-ABC II - eine Skala sticht heraus

Beitragvon alibaba » Mo 22. Okt 2018, 08:19

Lou hat geschrieben: @ alibaba:
Die anderen Skalenwerte lagen im Durchschnitt seiner Altersklasse. Wobei Koschka ja angemerkt hat, dass die Werte angesichts der äußerst geringen Motivation nicht wirklich aussagekräftig sind?!


Ich bin mit solchen Interpretationen äußerst vorsichtig. Darf ich so argumentieren, weil die Werte nicht dem entsprechen wie man denkt? Wie argumentiere ich, wenn sie höher wären? Anders?

Das Problem bei so jungen Jahren ist, das man eben nicht erkennen kann, wo wurde gefördert oder wo ist es naturgegeben. Dabei möchte ich das gefördert nicht missverstanden haben. Das ist nichts Negatives. Du bekommst in dem Alter keine verlässlichen Werte. Die Spanne ist dort einfach noch zu groß und unsicher. Da kann eben das eine Kind schon Zahlen und hat ein Mengenverständnis, weil wir als Eltern es ihm gezeigt haben, ein anderes Kind kann das noch nicht, weil vielleicht die Eltern das Interesse des Kindes nicht aufgegriffen haben. Aber auch dieses Kind kann sehr intelligent sein, nur eben nicht gefördert. Daher sind Werte erst später stabil und auch, weil sich bis ins Alter 10 Jahre alle Synapsen gebildet haben. Der Abbau von "brauch ich nicht" zu "das muss jetzt noch verknüpft werden" verlangsamt sich auf ein normal "erwachsenes" Niveau. Ab etwa diesem Alter haben also alle Kinder die selben Voraussetzungen was zumindest die Gehirnentwicklung angeht.

Ich sage immer, dass ich meine Kinder immer fördern würde, indem ich ihre Interessen aufgreife. Das würde ich in jedem Bereich machen, unabhängig vom IQ. Wollte mein Kind Krabbelkäfer untersuchen, dann würde ich es da unterstützen, interessiert es sich für Buchstaben - eben da. Braucht es Sprachunterstützung dann eben dort.

Und je älter die Kinder werden, umso weniger hast Du Einfluss auf sie. Mein Teenager macht das, worauf er Lust hat, nicht das was er vielleicht könnte, wenn er wollte. :mrgreen: Ich kann meinem Großkind nichts mehr vorgeben. Er geht seinen eigenen Interessen nach. Wenn die frühkindliche Animation aber gepasst hat, ist das das, was man sich vielleicht fürs Kind gewünscht hat. Nämlich nicht kiffend auf der Parkbank mit den falschen Freunden zusammen sitzen. ;)

VG
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