Auswertung K-ABC II - eine Skala sticht heraus

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Re: Auswertung K-ABC II - eine Skala sticht heraus

Beitragvon Lou » Di 23. Okt 2018, 22:02

Lassen sich den Skalen beim K-ABC denn konkrete Aufgaben zuordnen? Wenn ja, welche machen die „Ausreißer“-Skala aus?
Das würde mich doch noch interessieren - denn ich war bei dem Test auch anwesend und hatte insgesamt das Gefühl, dass mein Sohn viele Aufgaben sehr schnell, aber auch beliebig bearbeitet hat. Zum Beispiel bei dem Wiedererkennen von Gesichtern: Er hat (gefühlt) ohne Zögern auf irgendein Gesicht der Gruppe gezeigt - vermutlich um möglichst schnell der Testsituation zu entkommen und endlich auf das versprochene Trampolin zu können.
Über das Testergebnis war ich dann fast beruhigt, ich hatte angesichts der Bearbeitung eher mit dem Ergebnis von Enzwicklungsrückständen gerechnet - mir ist also nicht aufgefallen, welche Aufgaben er dann anscheinend sehr gut bearbeitet hat.
Und dass so ein Test nicht für bare Münze genommen werden kann - in welche Richtung auch immer - habe ich verstanden. Ich hoffe jetzt einfach mal, dass wir in späteren Jahren nicht mehr in die Situation kommen, einen aussagekräftigeren Test machen lassen zu müssen - auch wenn der Vergleich vielleicht interessant wäre.

Und je älter die Kinder werden, umso weniger hast Du Einfluss auf sie. Mein Teenager macht das, worauf er Lust hat, nicht das was er vielleicht könnte, wenn er wollte.

Sehr treffend! :D

schaut euch als ersten eine ganz normale Grundschule vor Ort. Manchmal ist die einfachste Lösung auch die Beste. Sollte eine Möglichkeit bestehen, sucht einen Lehrer, der mit den lebendigen Jungs umgehen kann.

Wir hatten auf unsere Nachfrage hin letzten Monat einen kurzen Termin mit dem Schulleiter der nächstgelegenen Grundschule, der uns die Schule gezeigt und einige Fragen beantwortet hat. Es gibt zwei Klassen pro Jahrgang, ob man auf die Zuteilung Einfluss nehmen kann - wahrscheinlich eher nicht. Insofern bleibt die Hoffnung, dass der Lehrer passend ist bzw sich auf die Kinder entsprechend einstellt.
Ganz unabhängig von pädagogischer Ausrichtung und inhaltlichem Arbeiten überzeugt mich auch die räumliche Nähe. Wir haben dann drei Jahre mit viel Pendelei zum Kiga hinter uns und die Nähe sowie die hoffentlich entstehenden Kontakte vor Ort werden der Selbstständigkeit und dem Selbstbewusstsein meines Sohnes sicherlich entgegen kommen. Denn er braucht sehr lange, um sich zu öffnen, ist zunächst sehr unsicher und bleibt zum Beispiel auf Kindergeburtstagen bisher nicht alleine!
Umso eigensinniger und zielstrebiger zeigt er sich dann in vertrauten Umgebungen :roll:
Wegen dieser Schüchternheit fühlten wir uns im Waldorfkindergarten eigentlich sehr gut aufgehoben. Aber ich denke, wir haben jetzt klar, dass die Pädagogik für unseren weiteren Weg nicht passend ist. Ich fühle mich ein bisschen befreit! :)
Danke auch an charlotte12: Ich habe mich und meine Erfahrungen darin sehr wiedergefunden! Und das Frühförderzentrum ist zumindest im weiteren Sinne mit der Pädagogik verbunden - der Gründer (und Leiter?) gehörte auch zu den Gründungseltern der Schule. Es ist aber keine offiziell anthroposophische Einrichtung.

Der erste Kleingruppen-Termin war übrigens sehr positiv. Mein Sohn wollte morgens auf keinen Fall dorthin, allein weil er wusste, dass ich nicht mit in den Raum darf. Dann durfte er sich zu Hause ein „Mut“-Shirt aussuchen (natürlich eins mit wildem Aufdruck, das er eigentlich nur für den Garten anziehen darf, das er aber wahrscheinlich genau deshalb besonders toll findet) und damit ist er tatsächlich ohne Theater mit in den Raum gegangen! Ich war ehrlich überrascht und gleichzeitig begeistert! Danach zeigte er sich ganz zufrieden mit der Stunde, will das gleiche Shirt nächste Woche dann wieder anziehen ;)
Seltsamerweise ist das eine Sprachfördergruppe, obwohl mein Sohn genau dort ja sehr stark ist. Die Begründung kann ich ehrlich gesagt hier nicht wiedergeben. Aber allein dafür, dass er erlebt an dieser Gruppe ohne Elternteil teilzunehmen, lohnt es sich! Ich sehe es als einen Kurs fürs Selbstbewusstsein und dafür ist es ja vielleicht gar nicht schlecht, wenn er ja sprachlich fit ist.

Herzlichen Dank nochmal für die vielen Rückmeldungen und den Zuspruch!
Ich glaube, dass wir unserem „Bauchgefühl“ wieder ein sehr großes Stück näher sind als noch vor einer Woche!
Lou
 
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Re: Auswertung K-ABC II - eine Skala sticht heraus

Beitragvon charlotte12 » Mi 24. Okt 2018, 08:40

Das Frühförderzentrum sah in den Testergebnissen eher ein Argument für diesen Kiga, da die kognitive (Wissens)Ansprache in der Waldorfpädagogik ja bewusst nicht im Vordergrund steht. Somit könne einem weiteren „Enteilen“ dieses Bereiches vorgebeugt werden?!

Und das Frühförderzentrum ist zumindest im weiteren Sinne mit der Pädagogik verbunden - der Gründer (und Leiter?) gehörte auch zu den Gründungseltern der Schule. Es ist aber keine offiziell anthroposophische Einrichtung.

Damit hast Du die Erklärung. Das ist original Waldorf - das Ungleichgewicht soll behoben werden, indem die kognitive Seite nicht weiter gefördert wird sondern die sozialen Kompetenzen gefördert werden. Was am besten durch Verbleib im Waldorfkindergarten geschieht. Und dass die sozialen Kompetenzen mangelhaft sieht, kann man ja klar an den Auffälligkeiten erkennen - die bei uns allerdings seltsamerweise nach der Einschulung schlagartig komplett verschwunden waren. Wobei man fairerweise sagen muss, dass auch im "normalen" Schulsystem bei uns vieles nicht perfekt ist und unsere Tochter streckenweise massivst unterfordert war. Entscheidender Vorteil ist aber, dass wir Dinge auf Augenhöhe ansprechen können, wir gehört werden und die Schule sich wirklich um Abhilfe bemüht. Bei Waldorfs hatte ich immer das Gefühl, gegen eine unsichtbare Gummiwand zu rennen und abzuprallen. Man kam raus aus dem Gespräch mit der Gewissheit, dass die Pädagogen dort alles wissen, alles gut und richtig ist, so wie es ist, und wir glücklich sein können, dass unser Kind so gut aufgehoben ist. Bis sich der Nebel lichtete und einem mit etwas Abstand zum Gespräch klar wurde, dass nichts gut war, sich nicht die kleinste Kleinigkeit ändern würde und wir unterm Strich mit dem Gespräch rein gar nichts erreicht hatten.
Die gleiche Argumentation wie bei Euch und damals auch bei uns erlebe ich gerade bei einer befreundeten Familie, die aber überzeugt mitzieht. Das (längst lesende und rechnende) Kind klagt in der Schule in der ersten Klasse über Langeweile? Das ist die Reizüberflutung durch die komplexen sozialen Situationen, die in der großen Schulgruppe entstehen. Das Kind kann das nur selbst nicht richtig einordnen. Zum Glück hat man nicht früher eingeschult! Geduld, es wird besser werden, die Waldorfschule bietet die besten Voraussetzungen dafür. Laut Waldorf werden hochbegabte Kinder im Waldorf-System im Gegensatz zur "normalen" Schule nicht unterfordert, da so viel anderes für alle Sinne geboten wird, dass der Vorsprung im Kognitiven gar nicht so ins Gewicht fällt. Ich bin sehr skeptisch, ob das stimmt, abschließend beurteilen kann ich das Vorgehen aber noch nicht - und da ich sowieso keinerlei Einfluss habe, beobachte ich interessiert, wie es mit diesem Kind weitergeht.

Lassen sich den Skalen beim K-ABC denn konkrete Aufgaben zuordnen? Wenn ja, welche machen die „Ausreißer“-Skala aus?

Beim K-ABC II gehört "Wortschatz", "Rätsel" , und "Wort- und Sachwissen" zu den "kristallinen Fähigkeiten". Gesichter-Erkennung gehört zur "visuellen Verarbeitung". Wir haben eine Tabelle mitbekommen, in der konkret das Ergebnis von jedem Untertest mit Zuordnung zum Bereich aufgeführt ist.
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Re: Auswertung K-ABC II - eine Skala sticht heraus

Beitragvon Lou » Sa 27. Okt 2018, 10:29

Laut Waldorf werden hochbegabte Kinder im Waldorf-System im Gegensatz zur "normalen" Schule nicht unterfordert, da so viel anderes für alle Sinne geboten wird, dass der Vorsprung im Kognitiven gar nicht so ins Gewicht fällt.

Die Argumentation ist mir so auch begegnet! Auf das ganze System betrachtet mag das vielleicht sogar stimmen - der einzelne Unterricht, vor allem der Hauptunterricht, bleibt dennoch in seiner Struktur (gleiche Inhalte zur gleichen Zeit für alle Kinder - und das aus pädagogischer Überzeugung) so, dass für schnellere Kinder immer wieder Zeiten des Leerlaufs und des Wartens entstehen. Nicht alle Kinder füllen diese Zeiten mit stillem Abwarten bis es weitergeht ;)
Meine eigene Erfahrung ist, dass manche (vor allem Jungs) über Tische und Bänke gingen. Deswegen habe ich selbst nach der dritten Klasse ins reguläre Schulsystem gewechselt.
Verrückt, wie sehr mich dieser Weg dennoch geprägt hat, sodass es für meinen Sohn jetzt so viel abzuwägen galt! Er wird nun direkt diesen Weg gehen - aber klar, reibungslos wird es dort sicher auch nicht laufen, aber man hat eine andere Gesprächsbasis!

Gestern Abend noch mussten wir das Zähneputzen unterbrechen, weil mein Sohn mir mit leuchtenden Augen von Pottwalen, der Größe von Pottwalzähnen sowie deren Nahrung berichtete - es kann doch nicht falsch sein diese Begeisterung aufzugreifen!

Die gleiche Argumentation wie bei Euch und damals auch bei uns erlebe ich gerade bei einer befreundeten Familie

Wie es für dieses Kind weitergeht interessiert mich auch sehr! Vielleicht kannst du bei Gelegenheit noch einmal davon berichten, wie sich die Situation (und Argumentation) dort entwickelt?!
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Re: Auswertung K-ABC II - eine Skala sticht heraus

Beitragvon Rabaukenmama » Sa 27. Okt 2018, 11:52

Ich denke es gibt verschiedenste kindliche Persönlichkeiten, die unterschiedlich gut bzw. schlecht mit Waldorfpädagogik zurechtkommen. Die Kinder mit Stärken im kognitiven UND im sozialen Bereich fühlen sich meiner Beobachtung nach durchaus wohl in Waldorfschulen. Sie fokosieren halt ihr Interesse auf das soziale Miteinander, sind oft tonangebend in einer Kinderklique und holen sich ihr kognitives Futter im besten Fall im (fördernden) Elternhaus. Durch die gute Sozialkompetenz sind sie im Normalfall auch nicht auffällig sondern können sich gut an bestehende Konzepte anpassen, ohne dabei ihre Natürlichkeit zu verlieren. Kinder mit sozialer Stärke mit durchschnittlichen bzw. schwächerer kognitiver Begabung passen ebenfalls gut ins Waldorf-Konzept. Denn hier wird nicht auf den kognitiven Schwächen "herumgeritten" sondern der soziale Aspekt steht im Vordergrund.

Probleme haben in erster Linie kognitiv fitte Kinder, welche sozial-emotional durschnittlich oder sogar "hintennach" sind. Denn das, was sie selbst von sich als Stärke bzw. Vorsprung wahrnehmen, findet kaum Anerkennung,während der Fokus auf den sozialen Auffällligkeiten liegt. Und Auffälligkeiten sind dann zwangsläufig, wenn das Kind permanent unterfordert ist und ihm einfach langweilig wird. Durch Kritik und bewusstes lenken durch die Pädagogen in die "richtige" (soziale) Richtung wird das oft noch verstärkt. Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht. Und während die Waldorfpädagogik durchaus gut damit umgehen kann, dass ein 8jähriges Kind noch Probleme damit hat, die Buchstaben zu unterscheiden, ist ein 8jähiges Kind, welches z.B. Wutanfälle hat wie ein 4jähriges, dort schlichtweg falsch am Platz. Während die normalen Grundschulen ihr eigenen Fähigkeiten daran messen, wie gut die Kinder lesen, schreiben, rechnen und still sitzen können, messen die Waldorfschulen ihre Fähigkeiten an der sozialen Kompetenz der Kinder. Und wer ist schon gern permanent in einer Umgebung, welche die eigenen Stärken stoisch ignoriert, aber dafür ständig an den Schwächen rummäkelt? Und bei Waldorf wir ja die kognitive Fitness, also allein das INTERESSE an Dingen, die eigentlich für ältere Kinder bzw. Erwachsene "gedacht" wären, gerne als URSACHE für Verhaltensauffälligkeiten hergenommen. Überspitzt ausgedrückt heißt die Devise: wenn Kinder nicht schon früh lesen, schreiben oder rechnen lernen, sondern sich nur für "altergemäße Themen" (welche genaudafiniert sind) interessieren, dann sind sie automatisch auch sozialer - und DAS ist schlichtweg Quatsch!

Dasselbe kognitiv fitte Kind, welches im Waldorfkindergarten oder der Waldorfschule auffällig ist, kann in der normalen Grundschule aufblühen und den Großteil der "schlechten" Eigenschaften binnen kurzer Zeit ablegen.

Mein älterer Sohn ist sehr klug, aber er hat auch ADHS und eine Autismus-Spektrums-Störung. Kognitiv ist er 2-3 Jahre voraus, sozial-emotional 2-3 Jahren "hintennach". In einer Waldorfschule läge der Fokus voll auf seinen Schwächen, die Stärken würden NULL gefördert werden, weil sie ja als Ursache für die Schwächen gelten. Damit dreht sich die Spirale immer weiter nach unten. Das ohnenhin schon stark angeschlagene Selbstbewusstsein leidet noch mehr, der kognitive Vorsprung wird mangels Förderung kleiner und die soziale Kompetenz nimmt trotzdem nicht zu...

In der Regelschule ist mein Sohn zwar auch kein problemloses Kind, aber er schafft es, halbwegs in der Klassengemeinschaft zu bestehen und wird von den Lehrerinnen so angenommen, wie er ist. Das Mehrstufenkonzept kommt dem entgegen, weil er durch die größere Altersvielfalt nicht das einzige Kind ist, welches soziale manchmal auffällt. Im Moment wüßte ich keinen besseren Platz für ihn. Ich überlege sogar, ihn noch ein Jahr länger in dieser Grundschulklasse zu belassen, weil mir bewusst ist, dass diese "Schonfrist" mit dem Wechsel aufs Gymnasium vorbei sein wird. Sein Sozialverhalten wird ja trotz allem besser, aber eben nur langsam. Ein Jahr länger Vorbereitung auf die komplett anderen Anforderungen wird ihm vermutlich mehr nützen als schaden.
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Re: Auswertung K-ABC II - eine Skala sticht heraus

Beitragvon charlotte12 » Sa 27. Okt 2018, 22:20

der einzelne Unterricht, vor allem der Hauptunterricht, bleibt dennoch in seiner Struktur (gleiche Inhalte zur gleichen Zeit für alle Kinder - und das aus pädagogischer Überzeugung) so, dass für schnellere Kinder immer wieder Zeiten des Leerlaufs und des Wartens entstehen. Nicht alle Kinder füllen diese Zeiten mit stillem Abwarten bis es weitergeht ;)
Meine eigene Erfahrung ist, dass manche (vor allem Jungs) über Tische und Bänke gingen. Deswegen habe ich selbst nach der dritten Klasse ins reguläre Schulsystem gewechselt.
Verrückt, wie sehr mich dieser Weg dennoch geprägt hat,

@Lou: Das ist spannend. Wie hast du selbst den Unterschied zwischen den Systemen erlebt? Wo hast du dich wohler gefühlt und warum? Ich habe immer mal wieder ein latent schlechtes Gewissen, wenn mir befreundete Waldorfler von der schönen Welt im Waldorfsystem vorschwärmen, wie glücklich, frei und gesund ihre Kinder seien, v.a. wenn bei meiner Tochter gerade nicht alles glatt läuft. Das Waldorfschul-Leben klingt paradiesisch - fast zu perfekt, um wahr zu sein. Wenn ich mit Eltern reden, deren Kinder in "normalen" Schulen sind, gibt es Licht und Schatten, aber kein Paradies. Auch beobachte ich an mir selbst, dass mich die Waldorf-Kindergarten-Zeit geprägt hat und nachwirkt, dass sogar jetzt noch gelegentlich eine leise Stimme im Hinterkopf ertönt, die mir einreden möchte, dieses und jenes sei schädlich. Gleiche Inhalte zur gleichen Zeit für alle Kinder gibt es hier in der normalen Grundschule leider auch nur zu oft. Allerdings nur bis Klasse 4 und nicht ausschließlich.
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Re: Auswertung K-ABC II - eine Skala sticht heraus

Beitragvon Butterbrot » Di 30. Okt 2018, 00:52

Guten Abend

Ich würde gerne ( gewissermaßen aus einer anderen Perspektive) meine aussenstehenden Erfahrungen zu Waldorf-Schülern erzählen.
Vorab eines: Das sind Erfahrungen aus meinem eigenen Schüler-Dasein, die möchte ich nicht auf die Allgemeinheit übertragen.. aber dennoch lenken mich diese als Mutter bei der Schulwahl unserer Söhne.
Vielleicht mag sich das in der Erzählung betreffender Eltern sich paradiesisch anhöhren, aber die jungen Menschen, die ich "draussen" (also Schulwechsel, nach Abschluß der Schulbildung usw ) kennen lernen durfte, hatten "draussen" ALLE ihre Probleme. Keiner von ihnen kam mit Druck zurecht, mit dem Klassenleben (zum Beispiel bei einem Schulwechsel), mit der Art und Weise wie unterrichtet wurde oder wo auch immer Leistungen, Gemeinschaft, Lernpensum (was auch dem strukturiertem Lernen von ungliebten Fächern betrifft) zu Tage kamen.
Auch in meiner Ausbildung hatte ich ehemals eine Azubi-Kollegin; sie kam mit der disziplinierten Hirachie nicht klar.
Und jetzt in der Klasse unseres Sohnes (Abschlußjahr zum Abi), wechselte eine Schülerin von Waldorf zum staatlichen Gymnasium. Leider mit dem Ergebnis, dass sie zum Halbjahr wieder ging.

Natürlich kann jeder Weggang unterschiedliche Ursachen haben: Ich selbst empfand meine Mitschüler/-innen, kommend aus diesem Zweig, eher Gegenwartsfremd. Versteht Ihr was ich meine?

Mag sein, dass das jetzt super toll ist.. Und hier schreibt eine Mutter, die einiges an unserem staatlichen System auszusetzen hat, aber für das weitere Leben ist es ein Gefühl von "zu weich".
Bei unserem großen (Handicap) Sohn, war eine sehr mitfühlende Lehrerin.. die eben sehr anthroprosophisch unterrichtete. Das wirkte sich nicht immer positiv auf die Klasse und auch nicht auf unseren Sohn aus. Und im Ergebnis jetzt kann ich klar schreiben, diese Art und Weise hat uns mehr Schlechtes als Gutes eingebracht.

Für mich selbst schien es, als ob jene Jungen und Mädchen so ihre heile Welt hatte, die aber mit dem Kontakt nach aussen nur Probleme beschert haben.

Jetzt erleben wir als Eltern (bei unserem behinderten Sohn) gerade einen ähnlichen Vergleich.
Bis zum letzten Sommer besuchter er eine Privatschule ( Schule für körperbehinderte und gesunde Kinder) mit staatlichem Abschluss. Bei Behinderten wurden die Kosten vom Amt übernommen (nach jeweiligem Gutachten), bei gesunden Schülern trugen ausschliesslich die Eltern das Schulgeld. Die Klassen waren klein, meist 2 oder 3 Lehrer gleichzeitig, individuelle Förderung. Die Plätze waren von allen HEISS BEGEHRT. Ein wichtiger Grundstein war das Sozialverhalten, die Gemeinschaft. Da hörte man weder Schimpfwörtern auf den Fluren, noch gab es Prügeleien in den Pausen, die Lehrer extremst motiviert.. Das schenkte uns als Eltern Sicherheit, gerade auf Körper und Geist.
Und nun kommt der freie Fall ins BvB :roll: :| : Da gibt es alles: Schüler wie im Film "Fuck you Goethe", Diebstahl ist an der Tagesordnung, gutes Benehmen muss man im Keller suchen, teilweise ebenso die Motivation von manchen Pädagogen, guter Informationsfluß zu den Eltern? Fehlanzeige :?
Und jetzt fallen wir in ein Loch, sind entsetzt über diese Zustände.. über die Art und Weise wie man miteinander spricht..
Nun muss sich im Schnellverfahren unser Sohn entwickeln: Er muss sich durchsetzen, wir auch :roll:,
Selbstverständlich haben mein Mann und ich uns hinterfragt. Erwarten wir zuviel? Sind wir Über-Eltern?
Wir haben uns lange darüber unterhalten, auch mit Freunden. Nein wir erwarten nicht zuviel. Und nein, wir sind auch keine Über-Eltern.
Jedoch wir waren die paradisischen Gepflogenheiten gewohnt. Die Realität ist aber weit entfernt vom Himmel auf der Schulbank.

Wir haben nun ja noch unseren Kleinsten, da habe ich mir natürlich schon so meine Gedanken gemacht, was zu ihm passen würde. Diese Gedanken betreffen nun ja auch schon die Wahl des Kindergartens (es gibt ja auch Waldorfkindergärten). In nächster Nähe gibt es diesen Zweig nicht.. was mir wichtig ist: christliche Werte. Oder vielleicht sollte ich sie lieber Zivilcourage, die Blick auf den Gegenüber, Toleranz ohne dabei das Jesus-Kreuz abhängen zu müssen, nennen. Und eben all das was noch so dazwischen liegt. Ich möchte nicht, dass unser Sohn gebrochen wird.. doch gegen Mathearbeiten und Co habe ich auch nichts. Unsere Gesellschaft schreit doch förmlich nach Leistungen, Bewertungen. .. das ist unsere Berufswelt; unsere Wirtschaft tickt danach.
Ich sag nicht, dass ich zu 100% dahinter stehe. Doch auch unser berufliche Alltag (Arbeit die wir von ganzem Herzen gerne machen) bringt Streß mit sich, manche Aufgaben die wir nicht so lieben und trotzdem bewältigt werden müssen; und das meist auch unter Zeitdruck.

Wenn ich so darüber nachdenke, dann ist eine völlig überfüllte Schule mit den vielen Ausfallstunden das eine Extrem.. das andere ist für mich die Waldorfschule.
Und eigentlich ist doch die Lehrerin/ Lehrer der die Klasse führt der "Kopf der Bande" :gruebel: Wieso entscheidet dann das System, ob unsere Kinder glücklich werden können :gruebel:
Ich sehe mich schon jetzt mit dem alten Rektor anecken.. und wenn man unseren Nachnamen im Schulpc eingibt, kommt: "Danger! Danger! Danger!" :schwitz:
Mit der weiteren Schule im Hochbegabtenzug (mittlerer Sohn) hatten wir richtig Glück. Kleine Klassen, es gab Leistungsdruck doch es wurde auch der Mensch betrachtet..Und das ohne Waldorfpädagogik, Montessori ect.

Aber es ist schon so, irgendwie graut es mir vor unserer Grundschule.. ich stelle mich schon jetzt auf Herausforderungen ein. ICh meine, so lange ein Kind einfach funktioniert, gibt es keine Stolpersteine.
Unser Jüngster scheint ebenso in Richtung Hochbegabung zu laufen, doch schon jetzt vermute ich regelrechte Stolpersteine auf seinem Grundschulweg. Wie muss das erst für die Kinder sein, die auch noch den Felsen Autismus, Gehörlosigkeit usw mitsich tragen :shock:
Da ziehe ich meinen Hut!!

Irgendwie scheint es doch so zu sein, dass einfach "anders zu sein" (egal in welche Richtung) für viele Unterrichtskräfte eine Herausforderung zu sein scheint. Dazu kommt Erschöpfung, grenzenlose elterliche Erziehungsstile, Überfürsorglichkeit von Mama und Papa oder auch genau das Gegenteil, Schwierigkeiten innerhalb einer Familie (und die nehmen stetig zu)... das alles kommt in einer Klassengemeinschaft auch zum Tragen.
Was mich interessieren würde, wer geht denn alles in einer Waldorfschule? Also ich meine jetzt so statische Zahlen. :roll:
Und das ganz bestimmt nicht auf Ausländer/ Flüchtling.. ja oder nein? Sondern eher bzgl. Problemfamilien, versteht Ihr was ich meine? Als unser Sohn (mit dem Handicap noch auf eine normale weiterführende Schule ging), lag es nicht an dem Schulsystem, weshalb unser Sohn dort nicht zurecht kam. Vielmehr war es Mobbing Jugendlichen aus schwierigem Hause. Dort wo eben Gewalt ein Thema ist, Drogen, Alkohol, die Mutter weggelaufen ist, Eltern die sich nicht um ihre Kinder kümmern und und und.
80% hatte mit diesen Besonderheiten zu kämpfen; gibt es sowas vermehrt auch in Waldorfschulen?
Da die Lehrer nicht mehr Herr von Gewalt und Unrecht wurden, haben wir es geschafft unseren Sohn aus dieser Schule zu nehmen. Ist es nun das Schulsystem was versagt hat?
Oder hat nicht eher das Auffangnetz jener Gemeinde große Löcher?

Und dann wäre da ja noch, wie schon sehr oft beschrieben, dass jedes Kind anders ist.
Ich glaube, dass jede Richtung ihre Berechtigung hat.. aber auch ihre Nachteile.


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Re: Auswertung K-ABC II - eine Skala sticht heraus

Beitragvon Lou » Mi 31. Okt 2018, 20:57

Rabaukenmama hat geschrieben:Probleme haben in erster Linie kognitiv fitte Kinder, welche sozial-emotional durschnittlich oder sogar "hintennach" sind. Denn das, was sie selbst von sich als Stärke bzw. Vorsprung wahrnehmen, findet kaum Anerkennung,während der Fokus auf den sozialen Auffällligkeiten liegt.

Rabaukenmama hat geschrieben:Während die normalen Grundschulen ihr eigenen Fähigkeiten daran messen, wie gut die Kinder lesen, schreiben, rechnen und still sitzen können, messen die Waldorfschulen ihre Fähigkeiten an der sozialen Kompetenz der Kinder. Und wer ist schon gern permanent in einer Umgebung, welche die eigenen Stärken stoisch ignoriert, aber dafür ständig an den Schwächen rummäkelt?

Das leuchtet mir komplett ein! Ich habe im Kindergarten während eines Gesprächs mal erwidert, ob sich die kognitive Stärke meines Sohnes (und deren positives Erleben, deren positive Bestätigung durch sein Umfeld) nicht auch positiv auf sein Selbstbewusstsein und seine soziale Entwicklung auswirken könnte (zu wissen, dass er „etwas“ kann bzw. weiß, anderen Dinge erklären können). Das wurde verneint bzw eine kognitive Ansprache gar als schädlich dargestellt!
Ich bin da aber ganz anderer Meinung und habe selbst während meiner Schulzeit viel Selbstvertrauen aus guten schulischen Leistungen gezogen. Insofern kann die Stärke im einen Bereich - sofern sie Anerkennung und Wertschätzung findet - ja auch zu Fortschritten und Entwicklung im anderen Bereich führen.

charlotte12 hat geschrieben: Wie hast du selbst den Unterschied zwischen den Systemen erlebt? Wo hast du dich wohler gefühlt und warum?

Ich weiß noch, dass ich den Besuch der Grundschulklasse als befreiend empfand: ruhige Arbeitsatmosphäre, klare Aufträge, strukturiertes Arbeiten und „Vorwärtskommen“. Ich muss aber sagen, dass die Waldorfschulklasse sehr schlecht geführt war, die Klassenlehrerin lange aus gesundheitlichen Gründen ausgefallen war und aus meinem Empfinden chaotische Zustände herrschten. Das lässt sich sicherlich nicht verallgemeinern. Aber auch bei einer geregelteren Klassenführung hätte ich das „Futter“ wohl vermisst, das ich in der Grundschule dann bekommen habe. Es gibt einfach unterschiedliche Typen und ich war immer dankbar für Unterricht mit klaren Strukturen, Aufträgen und der Möglichkeit zügig arbeiten zu können - das passt eindeutig besser ins staatliche System.
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Re: Auswertung K-ABC II - eine Skala sticht heraus

Beitragvon Lou » Mi 31. Okt 2018, 21:12

charlotte12 hat geschrieben:Ich habe immer mal wieder ein latent schlechtes Gewissen, wenn mir befreundete Waldorfler von der schönen Welt im Waldorfsystem vorschwärmen, wie glücklich, frei und gesund ihre Kinder seien, v.a. wenn bei meiner Tochter gerade nicht alles glatt läuft.

Ich verstehe absolut, was du meinst und ich vermute, dass auch ich diese Momente haben werde. Zum Beispiel, wenn an der Grundschule ab dem zweiten Schultag direkt der reguläre Stundenplan durchgezogen wird! Ein sanfter Start ist anders, da fehlt mir das anthroposophische „Umhüllen“ dann schon irgendwie. Ich habe während der Entscheidungsfindung auch oft gedacht, ich würde es meinem Sohn „gönnen“ an der Waldorfschule glücklich zu werden - es ist sicher toll, wenn man den „Typ-Kind“ hat, der in das Konzept passt. Bei uns ist das nicht der Fall - aber da kann das Kind ja nichts für, das Waldorfkonzept ist einfach zu eng/zu pauschal/zu starr.
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Re: Auswertung K-ABC II - eine Skala sticht heraus

Beitragvon Lou » Fr 2. Nov 2018, 22:08

Koschka hat geschrieben:ich gehe davon aus, dass das dein erstes Kind ist, das du zur Schule schicken wirst.


Ja, das ist richtig! Danke für deine entspannten Worte und Beispiele, wie „sanft“ es auch in der normalen Grundschule zugehen kann ;)
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Re: Auswertung K-ABC II - eine Skala sticht heraus

Beitragvon Rabaukenmama » Sa 3. Nov 2018, 13:51

Lou hat geschrieben:
Koschka hat geschrieben:ich gehe davon aus, dass das dein erstes Kind ist, das du zur Schule schicken wirst.


Ja, das ist richtig! Danke für deine entspannten Worte und Beispiele, wie „sanft“ es auch in der normalen Grundschule zugehen kann ;)


Die Schulen meiner Jungs sind vermutlich nicht gerade Paradebeispiele, aber auch dort ging bzw. geht es in den ersten Klassen seeeehr entspannt zu.

Mein älterer Sohn besucht als Regelschulkind eine städtische Schule mit lauter Mehrstufen-I-Klassen. Wie Koschka das beschreibt ist die meiste Zeit fächerübergreifend GU (=Gesamtunterricht). Extra im Stundenplan stehen nur Turnstunden, Werken und Religion. Es geht in dieser Schule sehr entspannt und drucklos zu, obwohl der Lehrplan eingehalten wird. Für mein Emfinden fast ZU drucklos, denn mein Sohn ist ein Typ, der manchmal einen (leichten) Tritt in den Hinterteil braucht, um in die Gänge zu kommen ;) .

Mein jüngerer Sohn besucht auf Grund seiner Behinderungen eine Sonderklasse: 4 Kinder, 2 Lehrer. Es ist eine Mehrstufenklasse, die bilingulen Unterricht (österreichische Gebärdensprache und deutsche Lautsprache) anbietet. Alle Kinder sowohl gehörlos als auch autistisch. Die Lehrer orientieren sich an den echten Fähigkeiten, Stärken und Schwächen der Kind und können auf Grund des guten Betreuungsschlüssels individuell auf alle eingehen. Die Gruppe ist sehr heterogen. Die Kinder sind 6-11 Jahre alt und da das Niveau so unterschiedlich ist braucht ohnehin jedes eigene Lernmaterialien und Aufgaben. Auch hier geht es drucklos zu, aber da ist der Lehrplan auch Nebensache und es gibt praktisch keine Mindestanforderungen.

In beiden Schule gibt es immer wieder mal Ausflüge, Spielplatzbesuche oder sonstige Aktivitäten (Museumsbesuch, Konzerte, Theater, Filme,...) welche den Unterricht auflockern.

Generell kenne ich (zumindest in Wien) keine erste Klasse, wo ab dem 2. Schultag stur nach Stundenplan gearbeitet wird. Die Kinder in meinem Bekanntenkreis besuchen unterschiedliche Schulen, aber din der ersten Klasse geht es überall sehr locker zu. Wie es in Deutschland aussieht weiß ich aber nicht.
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