K-abc II

Fragen, Antworten und Erfahrungen zu IQ-Tests

K-abc II

Beitragvon SophiaLoren » Mi 16. Jan 2019, 16:27

Hallo zusammen,
ich habe mich noch nicht vorgestellt, weil die Testung meines Sohnes noch nicht abgeschlossen ist und er vielleicht gar nicht "so klug" ist, im Sinne einer Hochbegabung.

Trotzdem habe ich einige Fragen, die Ihr mir vielleicht trotzdem beantworten könntet.

Mein Sohn ist 8 Jahre alt und Asperger Autist (mit ADHS). Er besucht die 3. Klasse einer Regelgrundschule.
Er wurde schon seit seinem 4. LJ immer wieder getestet. Auch der IQ immer wieder.
Ergebnisse waren 2-mal durchschnittlich, beim Wechsler mit Verbalteil 106, Handlungsteil 103 und Verarbeitungsgeschwindigkeit 88.
Der erste war ein Son-R, da lag er mit 4 auch etwas über 100. Aussage damals war, dass er ein pfiffiges Kerlchen sei.

Dann wurde er mit dem BUEVA (?) getestet. Ergebnis: Lernbehinderung
Da hatte er sich allerdings fast komplett verweigert, im Sinne von herumalbern und nicht zuhören.

Jetzt in der Schule fällt ihm das Schreiben schwer. Hausaufgaben empfindet er als völlig überzogen, da er schließlich schon stundenlang in der Schule hockt. Lernen? Fehlanzeige.
Die Lehrerin war erst der Meinung, er hätte immense Lücken im Lernstoff der 1./2. Klasse. Das hat sich nicht bestätigt. Er zeigt sein Wissen nicht.


Da er autismustypische Probleme hat, konnten wir vor Kurzem eine Therapie beginnen.
Seinem Therapeuten erzählte ich von der Meinung der Lehrerin und ihrem Verdacht, dass mein Sohn nicht aufmerksam ist. Er macht nur was er muss. Schwierigen ufgaben geht er aus dem Weg.

Daraufhin hat der Therapeut mit ihm den K-abcII angefangen, um seine Stärken und Schwächen abzubilden.
Er rief mich nun gestern an, weil er ziemlich überrascht von den bisherigen Ergebnissen ist.

Im Untertest Atlantis (heißt der so?) hat er einen Rohwert von 95 (von 108?) und beim Wortschatz und Sachwissen waren alle Antworten seiner Altersklasse (bis 10) richtig und darüber hinaus konnte er viele richtige Antworten geben, die die Altersklasse 14-18 betrifft. Ich bin mir nicht sicher, aber es waren wohl 60+ richtige Antworten.
Der Therapeut meinte, das wäre deutlich über dem Durchschnitt.

Kann mir jemand sagen, wie das zu werten ist?

Ich vermute, dass mein Sohn sich bei seinem Therapeuten angenommen fühlt und ich deshalb mehr öffnet.


Ist es möglich, dass die Ergebnisse eines solchen Tests auch von der Chemie zwischen Tester und Kind abhängen?

Hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht?

Liebe Grüße
SophiaLoren
 
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Re: K-abc II

Beitragvon Rabaukenmama » Mi 16. Jan 2019, 19:03

Hallo SophiaLoren!

Mein Sohn ist ebenfalls 8 Jahre alt, ebenfalls Asperger-Autist (mit zusätzlicher ADHS) und ebenfalls Minimalist was schulische Anforderungen betrifft. Wir haben also einiges gemeinsam!

Was deine Frage betrifft: NATÜRLICH ist es vom Tester abhängig und wenn IQ-Tests falsch sind, dann sind sie fast im "nach unten" falsch. Kein Kind schafft "zufällig" ein deutlich besseres Ergebnis als es sein tatsächlicher Wissens- und Kenntnisstand zulässt. Aber wenn ein Kind verweigert oder nur halbherzig mitmacht ist das Ergebnis ganz schnell deutlich schlechter als "tatsächlich".

Das zeigt bei deinem Sohn auch die Tatsachen, dass er 2x durchschnittliche Ergebnisse hatte. Ein Ergebnis im Bereich einer Lernbehinderung würde einen IQ von 70-84 bedeuten, also eine ganze Standardabweichung (=15 IQ-Punkte) UNTER den bisherigen Ergebnissen. Das kann so nicht stimmen.

Was die Verarbeitungsgeschwindigkeit (beim Wechsler-Test) betrifft, weist der im Vergleich niedriger Wert mMn deutlich auf eine Wahrnehmungsstung hin. Das kann natürlich der bekannte Autismus sein, aber auch eine noch unerkannte ADS oder ADHS.

Was die letzte Testung beim Autismus-Therapeuten betrifft, so wäre interessant, wie weit die einzelnen Werte auseinanderklaffen. Was ich weiß (bitte Rückmeldung, wenn ich falsch liegen sollte) wird beim K-ABC 2 keine Verarbeitungsgeschwindigkeit ermittelt, was Kindern (und auch Erwachsenen), die damit Probleme haben, auch beim Gesamtergebnis zugute kommt. Gerade Kinder mit Wahrnehmungsstörungen sind bei Tests ohne Zeitdruck meistens deutlich besser als bei solchen mit zeitlichem Rahmen. Und in entspannter Atmosphäre bei einer Vertrauensperson ist so ein Test meistens noch deutlich stressfreier als wenn z.B. ein Kind ohne Vorwarnung aus dem Unterricht herausgeholt und dann irgendwo in einem Nebenraum von der Schulpsychologin getestet wird.

Vielen Autisten ist auch Planbarkeit sehr wichtig. Mein älterer Sohn würde allein vom aus-der-Klasse-geholt-und-wo-hingebracht-werden schon ziemlich gestresst sein und das ganze mit möglichst viel blödeln und zappeln "kompensieren" müssen.

So viel mal zu meinen Erfahrungen. Mehr gern per PN (oder auch hier), wenn du noch was wissen willst! Und natürlich herzlich willkommen hier ;) !
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Re: K-abc II

Beitragvon alibaba » Do 17. Jan 2019, 08:07

Moin,

ich habe keine Erfahrung bezüglich Autismus. Aber rein vom Kopf her, würde ich hinterfragen, ob überhaupt in solchen Fällen ein IQ zuverlässig getestet werden kann. Es ist ja schon bei normalen jungen Kindern sehr schwer. Selbst da sind die Werte erst ab 10 Jahren stabil, da hier die tatsächliche Machbarkeit besser gemesssen werden kann und das Ergebnis nicht mehr so förderabhängig ist. Das liegt an der Verknüpfung der Synapsen, die sich bis dahin komplett neu gebildet haben.

Grundsätzlich gilt, jeder IQ-Test wird andere Werte erbringen. Das kenne ich. Was kann man damit anfangen - nichts. Zumal ja solche Werte oft nicht mit den schulisch gezeigten Leistungen übereinstimmen. Damit Schule klappt ist viel mehr nötig als ein hoher IQ und das stelle ich mir mit Autisten sehr schwer vor.

Mach Dir also dahingehend nicht so einen Kopf.

Zum Rest hat Rabaukenmama schon viel geschrieben.

VG
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Re: K-abc II

Beitragvon Koschka » Do 17. Jan 2019, 12:01

Hallo,

der Unterschied beim Wechsler zwischen dem Handlungsteil und der Verarbeitungsgeschwindigkeit kann als Hinweis für ADHS dienen. Lernbehnderung in allegemeinen Sinne, aufgefasst als Intelligenzminderung kann man vermutlich aufgrund der vorherigen Testergebnisse eher ausschließen.

Ich glaube das ist auch für autistische Kinder typisch, dass sie den Sinn der Hausaufgaben nicht einstehen. Genauso wenig können sie mit der Aufforderung der Lehrer anfangen, hin an Ort und Stelle ihr Wissen zu zeigen. Der Lehrer hat nicht den Autorität, den er bei den neurotypischen Personen normalerweise hat. Wenn der Lehrer unlogisch handelt, werden die Anweisungen hinterfragt. Die Anpassung an die Gesellschaft kann mit dem Alter besser werden. Wenn das Kind selber versteht, dass die Leistung in der Schule zu seinen Zielen gehört, das man sich dadurch Türe öffnet und/oder Schwierigkeiten spart. Jedoch würde ich dieses Wissen nicht unter der Mittelstufe vom Kind erwarten.

Ich habe mir die Untertests angeschaut. Atlantis prüft visuelle Wahrnehmung. Das können viele Autisten sehr gut. Mit der an die Sicherheit grenzende Wahrscheinlichkeit ist dein Sohn ein visuelle Lerntyp. Erworbenes Wissen ist von vielen Faktoren abhängig. Jedoch ist es schon ein Hinweis darauf, dass das Kind gut mit den Informationen umgehen kann.

Lasst euch eine detalierte Auswertung geben.

LG
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Re: K-abc II

Beitragvon charlotte12 » Do 17. Jan 2019, 13:47

Ich hoffe, ich trete keinem auf die Füße, vielleicht stehe ich auch auf dem Schlauch. Wie auch immer, die letzte Info verwirrt mich: Mir hatte man damals erklärt, dass Atlantis zum Lernen im engeren Sinne gehört, also Gedächtnis und Wiedergabe-Fähigkeit von Erlerntem. Würde ja auch zu dem großen Wortschatz/Allgemeinwissen passen. In "Simultan" werde die visuelle Wahrnehmung getestet hieß es bei uns. Rohwerte finde ich wenig aussagekräftig - meine Tochter war in Atlantis gut, aber weit unter dem Wert von deinem Sohn. Allerdings war sie bei der Testdurchführung auch drei Jahre jünger, daher kann ich das überhaupt nicht interpretieren. Interessant wäre der Prozentrang, dort wird innerhalb einer Altersgruppe verglichen. Aber die Testergebnisse hören sich ja richtig gut an. Schön dass dein Sohn endlich jemanden gefunden hat, der einen guten Draht zu ihm hat und euch helfen kann :) Bin gespannt, wie es weitergeht.
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Re: K-abc II

Beitragvon Koschka » Do 17. Jan 2019, 14:34

Bei Atlantis werden dem Kind Abbildungen von unterschiedlichen Phatasiewesen gezeigt. Anschließend soll das Kind sie in der großen Menge anderer komischer Wesen wieder finden.
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Re: K-abc II

Beitragvon charlotte12 » Do 17. Jan 2019, 21:09

Ich habe den gleichen Auswertungsbogen, den wir erhalten haben, im Internet gefunden incl. Erläuterungen:

https://www.psychometrica.de/kabcII-Protokollbogen.pdf

In "Atlantis" war stark das Gedächtnis gefragt, da deckt sich die Erläuterung vom Auswertungsbogen komplett mit meiner Erinnerung. Für "visuelle Verarbeitung" gab es andere Tests, s. Link.
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Re: K-abc II

Beitragvon Koschka » Do 17. Jan 2019, 21:51

Ich habe intuitiv bei einem Beispiel zu den Aufgaben von Atlantis gedacht, dass dieser Untertest bei den Autisten besonders gut ausfallen kann. Weil das unsystematische nicht hinterfragende Art die Informationen zu speichern zu den wesentlichen Zügen des Autismus gehört. In der Tat hat man das schon untersucht und rausgefunden, dass es statistisch relevant ist.

Hier ist ein Link auf die Besonderheiten von K-ABC bei den Kindern mit autistischen Zügen.

https://books.google.de/books?id=EQ37jq ... st&f=false

Die Seite ist auf Englisch.
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Re: K-abc II

Beitragvon SophiaLoren » Mi 23. Jan 2019, 17:08

Rabaukenmama hat geschrieben:Hallo SophiaLoren!

Mein Sohn ist ebenfalls 8 Jahre alt, ebenfalls Asperger-Autist (mit zusätzlicher ADHS) und ebenfalls Minimalist was schulische Anforderungen betrifft. Wir haben also einiges gemeinsam!

Was deine Frage betrifft: NATÜRLICH ist es vom Tester abhängig und wenn IQ-Tests falsch sind, dann sind sie fast im "nach unten" falsch. Kein Kind schafft "zufällig" ein deutlich besseres Ergebnis als es sein tatsächlicher Wissens- und Kenntnisstand zulässt. Aber wenn ein Kind verweigert oder nur halbherzig mitmacht ist das Ergebnis ganz schnell deutlich schlechter als "tatsächlich".

Das zeigt bei deinem Sohn auch die Tatsachen, dass er 2x durchschnittliche Ergebnisse hatte. Ein Ergebnis im Bereich einer Lernbehinderung würde einen IQ von 70-84 bedeuten, also eine ganze Standardabweichung (=15 IQ-Punkte) UNTER den bisherigen Ergebnissen. Das kann so nicht stimmen.

Was die Verarbeitungsgeschwindigkeit (beim Wechsler-Test) betrifft, weist der im Vergleich niedriger Wert mMn deutlich auf eine Wahrnehmungsstung hin. Das kann natürlich der bekannte Autismus sein, aber auch eine noch unerkannte ADS oder ADHS.

Was die letzte Testung beim Autismus-Therapeuten betrifft, so wäre interessant, wie weit die einzelnen Werte auseinanderklaffen. Was ich weiß (bitte Rückmeldung, wenn ich falsch liegen sollte) wird beim K-ABC 2 keine Verarbeitungsgeschwindigkeit ermittelt, was Kindern (und auch Erwachsenen), die damit Probleme haben, auch beim Gesamtergebnis zugute kommt. Gerade Kinder mit Wahrnehmungsstörungen sind bei Tests ohne Zeitdruck meistens deutlich besser als bei solchen mit zeitlichem Rahmen. Und in entspannter Atmosphäre bei einer Vertrauensperson ist so ein Test meistens noch deutlich stressfreier als wenn z.B. ein Kind ohne Vorwarnung aus dem Unterricht herausgeholt und dann irgendwo in einem Nebenraum von der Schulpsychologin getestet wird.

Vielen Autisten ist auch Planbarkeit sehr wichtig. Mein älterer Sohn würde allein vom aus-der-Klasse-geholt-und-wo-hingebracht-werden schon ziemlich gestresst sein und das ganze mit möglichst viel blödeln und zappeln "kompensieren" müssen.

So viel mal zu meinen Erfahrungen. Mehr gern per PN (oder auch hier), wenn du noch was wissen willst! Und natürlich herzlich willkommen hier ;) !


Ach ist das schön zu hören, dass jemand ähnliche Probleme hat und besonders, einen Asperger mit ähnlich "untypischem" Verhalten.

Ich glaube, der Therapeut hat genau aus dem von dir genannten Grund diesen Test gewählt. Er lässt ihm auch länger Zeit erstmal seine eigenen Gedanken zu den Regeln der Testaufgaben mitzuteilen.
Vermutlich funktioniert es deshalb ohne die übliche Verweigerungshaltung bzw. das blödeln und kaspern.

Ich werde hier die Ergebnisse mitteilen, sobald ich sie habe.

Ich bin wirklich gespannt.
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Re: K-abc II

Beitragvon SophiaLoren » Mi 23. Jan 2019, 17:19

Koschka hat geschrieben:Hallo,

der Unterschied beim Wechsler zwischen dem Handlungsteil und der Verarbeitungsgeschwindigkeit kann als Hinweis für ADHS dienen. Lernbehnderung in allegemeinen Sinne, aufgefasst als Intelligenzminderung kann man vermutlich aufgrund der vorherigen Testergebnisse eher ausschließen.

Ich glaube das ist auch für autistische Kinder typisch, dass sie den Sinn der Hausaufgaben nicht einstehen. Genauso wenig können sie mit der Aufforderung der Lehrer anfangen, hin an Ort und Stelle ihr Wissen zu zeigen. Der Lehrer hat nicht den Autorität, den er bei den neurotypischen Personen normalerweise hat. Wenn der Lehrer unlogisch handelt, werden die Anweisungen hinterfragt. Die Anpassung an die Gesellschaft kann mit dem Alter besser werden. Wenn das Kind selber versteht, dass die Leistung in der Schule zu seinen Zielen gehört, das man sich dadurch Türe öffnet und/oder Schwierigkeiten spart. Jedoch würde ich dieses Wissen nicht unter der Mittelstufe vom Kind erwarten.

Ich habe mir die Untertests angeschaut. Atlantis prüft visuelle Wahrnehmung. Das können viele Autisten sehr gut. Mit der an die Sicherheit grenzende Wahrscheinlichkeit ist dein Sohn ein visuelle Lerntyp. Erworbenes Wissen ist von vielen Faktoren abhängig. Jedoch ist es schon ein Hinweis darauf, dass das Kind gut mit den Informationen umgehen kann.

Lasst euch eine detalierte Auswertung geben.

LG
Koschka


Anscheinend hast Du recht mit Deiner Einschätzung bezgl des visuellen Lerntyps. Dabei hätte ich ihn aufgrund der anderen Test da nicht eingeordnet.

Ich hätte es aber selbst bemerken können, weil er sich meist Dokus ansieht und das, was er dort gesehen hat auch abrufen kann.


Von daher kann das Egebnis nur hilfreich sein, wenn es darum geht seine Stärken und Schwächen abzubilden.

Danke für den Link!
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