"Halber" Hawik IV

Fragen, Antworten und Erfahrungen zu IQ-Tests

"Halber" Hawik IV

Beitragvon Rabaukenmama » Mo 9. Sep 2019, 17:26

Heute hat mein Sohn die Begabungsdiagnostik bei der Psychologin abgeschlossen. Er hat den HAWIK IV gemacht, aber einige Bereiche verweigert, weil sie ihm "zu langweilig" waren :roll: , darunter auch Themen, wo er sicher gut abgeschnitten hätte (z.B. Allgemeinwissen). Rechnerischer Gesamt-IQ ist demnach 118 (PR 89) , mit einer extremen Spitze im sprachlichen Bereich, nämlich IQ150 (PR 99,9). Sein schwächster Bereich war - wie nicht anders zu erwarten, die Verarbeitungsgeschwindigkeit mit einem PR von 26, was in dem Bereich einem IQ von 90 entspricht. Dieser Wert hat das Gesamtergebnis (wo er sonst überall im durchschnittlichen oder überdurchschnittlichen Bereich war) natürlich runtergezogen.

Ich habe den Test nachher noch mit der Psychologin durchbesprochen. Dabei habe ich kurz die Fragen zum Allgemeinwissentest gesehen, wo mein Sohn Wörter hätte erklären sollen. Ganz ehrlich - ich hätte auch nicht gewusst, wie man "warm" oder "Dienstag" erklärt. Das ist doch selbsterklärend! Wäre da eine korrekte Antwort dass der Dienstag der Tag zwischen Montag und Mittwoch ist? Und warm einen Zustand zwischen "kalt" und heiß" bezeichnet? Da ich den teilweisen Perfektionismus meines Sohnes kenne kann ich sogar verstehen, dass er da nicht mitmachen wollte. Bei den Zahlen-rückwärts-wiederholen-Aufgaben, die er auch verweigert hat, vermute ich aber eher, er hatte Angst, sich zu verhaspeln, auch wenn seine Erklärung für die Verweigerung war, dass das (die Aufgabenstellung) doch keinen Sinn ergäbe.

Naja, recht viel klüger bin ich durch die Testung nicht geworden. Dass mein Sohn sprachlich sehr gut ist habe ich schon vorher gewusst. Neulich habe ich für den jüngeren Sohn ein englisch untertiteltes Video in Gebärdensprache übersetzt. Bei allen englischen Vokabeln, die ich selbst nicht gekannt habe, habe ich meinen älteren Sohn gefragt - und immer einer korrekte Antwort bekommen! Nur als Hintergrundinfo: er ist 9 und hat pro Woche eine Stunde Englisch in der Grundschule. Er hat noch nie ein einziges Vokabel wirklich "gelernt" (also in einem Vokabelheft aufgeschrieben und gelesen, um es sich zu merken), chattet aber im Internet in grammatikalisch korrektem englisch und kann sich problemlos mit Muttersprachlern unterhalten.
Der liebe Gott schenkt uns die Nüsse, aber er knackt sie nicht (Johann Wolfgang von Goethe)
Rabaukenmama
Dauergast
 
Beiträge: 2382
Registriert: So 8. Dez 2013, 21:24

Re: "Halber" Hawik IV

Beitragvon Meine3 » Mo 9. Sep 2019, 23:11

Da sind unsere Söhne aber doch sehr ähnlich gestrickt (kognitiv)... 8-)

Zum einen die Begründung „langweilig“, bei vielen Aufgaben und teilweise Arbeitsverweigerung (bei meinem würde es halt fehlende Motivation und Unlust genannt), zum anderen aber auch die Verteilung!

Sohn hat

SV 148
MLD 115
VG 95

Er hat das mosaikpuzzle boykottiert (das gehört wohl zu MLD), VG ganz schnell an Konzentration verloren, sich sehr mit der Feinmotorik abgemüht (da merkte man deutlich, dass er noch nicht in der Schule ist) und hat irgendwann einfach abgeschaltet 8-) und bei AG sehr schwankend mitgearbeitet (zu stupide Aufgaben wie zb das zahlenbuchstaben nachsagen, das fand er todlangweilig).



Und: jo. Schlauer war ich dadurch auch nicht.

Ich hätte bei Dienstag und warm im Kindesalter wohl
auch gedacht:“ wollen die mich jetzt vergackeiern?“ :P Aber ich hätte wohl gesagt 2. Tag in der Woche oder Tag nach Montag oder so und bei warm hätte ich auch so ähnlich geantwortet wie Du: Adjektiv, dass den Temperaturzustand zwischen kalt und heiss beschreibt, o.ä... aber schon „blöde“
Fragen manchmal... :gruebel:

Hast du ihn doch testen lassen wegen der höheren Schule?
Meine3
Dauergast
 
Beiträge: 315
Registriert: Mo 11. Mär 2019, 10:55

Re: "Halber" Hawik IV

Beitragvon Rabaukenmama » Di 10. Sep 2019, 13:42

Hallo, danke für die Rückmeldungen.

Ja, der Test war schon ETWAS mit Gedanken an den bevorstehenden Wechsel ins Gymnasium. Wobei schon klar ist, dass es ein Gymnasium wird, und die Empfehlung dafür von Seiten der Lehrerinnen auch außer Frage steht.

Und da die Kinderpsychologin, bei der mein Sohn ohnehin regelmäßige Termine hatte, auch eine Begabungsdiagnostik angeboten hat, habe ich dieses Angebot angenommen.

Wobei mich ehrlich gesagt schon etwas ärgert, dass sie nicht die fehlenden Teile auch "eingefordert" hat. Generell habe ich die Psychologenstunden jetzt mal "auf Eis" gelegt, weil die Dame zwar nett und durchaus kompetent ist, aber mein Sohn sich bei ihr aufführt wie ein wilder Affe. Ständig brüllt er rum, rennt raus, knallt Türen,... und zwar noch deutlich mehr, als er das ohnehin (auf Grund seiner geringen Frustrationsschwelle) tut. Er hätte bei der Testung aber jemanden gebraucht, der bei der Verweigerungshaltung gesagt hätte "Schluss mit dem Theater, du machst das jetzt und fertig!". In der Schule klappt das ja auch, wenn es um was geht.
Der liebe Gott schenkt uns die Nüsse, aber er knackt sie nicht (Johann Wolfgang von Goethe)
Rabaukenmama
Dauergast
 
Beiträge: 2382
Registriert: So 8. Dez 2013, 21:24

Re: "Halber" Hawik IV

Beitragvon Maca » Di 10. Sep 2019, 18:44

Hallo rabaukenmama,

Begabungsdiagnostik bei wahrnehmungsgestörten und “renitenten“ Kindern ist ziemlich sinnlos, oder?
Das deckt sich auch mit meiner Erfahrung, gut, Begabungsspitzen werden bestätigt, aber das wußte man eh schon vorher.

Ich habe eben meinen Sohn gefragt, was er sagen würde, müsste er “warm“ beschreiben (er hat im HAWIK im SV immer komplett gedeckelt)
“warm ist ein, über eine verhältnismäßig hohe Temperatur verfügender, Zustand“ antwortet er dann reflexartig, meine Tochter hätte sich dem Begriff seinerzeit (ohne nachzudenken) emotional genähert mit sowas wie “Wohlfühltemperatur“
oder so ähnlich. :mrgreen:
Sie hätte auch abstrakter und allgemeingültiger antworten können, hätte aber bestimmt keine Lust dazu gehabt.
Im realen Leben, in Diskussionen, ist sie wahnsinnig präzise, konkret und argumentativ einfach soviel besser, kreativer und schneller als ihr Bruder, obwohl das laut HAWIK anders sein müsste.

Den Informationsgehalt heterogener Profile empfinde ich als ziemlich dünn und das fachmännische Auswertungsgeschwurbel erst recht. ;)
Maca
Dauergast
 
Beiträge: 361
Registriert: Do 21. Mai 2015, 16:30

Re: "Halber" Hawik IV

Beitragvon sinus » Di 10. Sep 2019, 20:12

Meine große Tochter (10) antwortet auf "Was ist Dienstag?": "Schuuuule, bäh!" :lol:
Und zu warm: "Wenn was heißes schon etwas abgekühlt ist."
Und die Kleine (5): "Dienstag ist der zweite Tag der Woche" und "warm" ist für sie "so mittelkalt".

@Rabaukenmama: Was macht ihr jetzt mit dem Testergebnis? Denkt ihr an ein bestimmtes Profil für die weiterführende Schule?

Unmittelbar nach dem Tester Großen hab ich damals auch erstmal gedacht: "Tja, und nu? Was nützt mir das eigentlich?"
Mit mehr Abstand hat es uns dann aber schon viel genützt.
Ohne den deutlichen "Ausreißer" nach oben im logischen Bereich wäre es vermutlich nicht die MINT-Schule geworden, da Tochter ja ausgerechnet das Fach Mathe am allermeisten verabscheute und an der neuen Schule ja verstärkt Mathematik unterrichtet wird.
Ohne den Test + Beratung hätte ich nicht so gezielt bzw nicht so überzeugt ihr Interesse für Computer/Programmieren gefördert und das wohl eher als "unnütze Zeitverschwendung/Daddelei" abgetan und die Tochter hätte keinen eigenen Computer.
Und jetzt für die letzten Ferien hätte ich wohl auch eher nach anderen Kursen gesucht, als nach "was mit Computern" (sie hat mit großer Freude einen Kurs für 3dimensionale Gestaltung im CAD-Programm belegt)...
Ihre künstlerische Begabung hat sich früh und deutlich gezeigt und ich hätte mich vermutlich eher darauf "eingeschossen".
Ich hätte auch gar nicht gedacht, dass sie ausgerechnet im Bereich Logik so gut abschneiden würde - ich hätte hohe Werte bei ihr eher im Bereich Sprache erwartet. (Da hatte sie dann "nur" 127.)

Kurz gesagt: nicht nur das Wissen um ihren Gesamt-IQ, der für sie wohl vor allem fürs Selbstbewusstsein und Selbstbild wichtig ist, sondern insbesondere das Profil aus dem Test hat durchaus wertvolle Erkenntnisse gebracht, die Folgen auf spätere Entscheidungen hatten, allein weil sie einen neuen Blickwinkel eröffnet haben. (Eben sowas wie dass Mathe wohl nur deshalb das Hassfach gewesen ist, weil sie da am meisten unterfordert war)

Tochter fällt Englisch übrigens auch leicht, sie behält dank ihres guten Gedächtnisses die Vokabeln einfach sehr gut.
Ich wollte ihr kürzlich Untertitel übersetzen, da hat sie mich ständig verbessert und es stellte sich aus, dass sie die UT mindestens genauso gut und schnell wie ich verstand. Zwar fehlt ihr Praxis im Sprechen, aber verstehen und Vokabeln kann sie inzwischen etwa genauso so gut wie ich.
Auch nach nur 2 Jahren für sie sehr öden Grundschulenglischs und - und ich denke, daher hat sie das vor allem - etwas Duolingo, was sie letztes Jahr mal einige Wochen lang ganz gern gemacht hat.
Ich bin da bisschen neidisch, denn ich hab mir immer gewünscht, Sprachen leichter lernen zu können und besser zu sprechen bzw auch früher angefangen zu haben damit. (In der DDR kam Russisch in der 5. und Englisch in der 7. Klasse und mangels praktischen Nutzens fand ich es damals völlig sinnlos, Sprachen zu lernen)
Ich habe als Erwachsene diverse Sprachen angefangen (Spanisch und sogar Arabisch + Nepalesisch in Wort und Schrift), bin aber (vor allem mangels Fleiß und Praxis) jeweils im Anfängerniveau stecken geblieben.
Ich kenne (vor allem aus der "Esperanto-Szene", Esperanto kann ich recht gut, das ist aber auch leicht zu lernen...) mehrere Leute, die sehr viele verschiedene Sprachen sprechen und bewundere das immer sehr!

Bei euch würde ich nun in der Tat vielleicht nach einem sprachlichen Profil schauen, ihn vielleicht Latein lernen lassen und zusehen, dass seine Stärken zum Tragen kommen.
Vielleicht mag er auch zusätzliche Sprachen lernen. Was exotisches vielleicht sogar.
Meist macht man das, was man gut kann, ja auch gern. (Bei Tochter bin ich sehr gespannt, ob sie Mathe noch lieben lernt... aktuell findet sie es gut, am besten in der neuen Schule findet sie aber das Fach Biologie und da sehe ich sie auch beruflich so ein wenig. Da hat sich ihr Interesse auch schon sehr früh und sehr deutlich gezeigt. Und Kunst mag sie natürlich auch)
Gibt es eine internationale Schule bei euch?

Bei der Kleinen fand ich den Test letzten Endes dann auch durchaus aufschlussreich.
Also warte mal ab, bis sich das Ganze etwas "gesetzt" hat. Ich denke schon, dass der Test euch noch weiterhelfen kann und wird.
Zuletzt geändert von sinus am Di 10. Sep 2019, 23:33, insgesamt 6-mal geändert.
sinus
Dauergast
 
Beiträge: 634
Registriert: Fr 26. Nov 2010, 10:52

Re: "Halber" Hawik IV

Beitragvon Karen » Di 10. Sep 2019, 21:48

Liebe Rabaukenmama, ich finde die ergebnisse schon speziell. Was du sonst so über dein Sohn schreibst, hätte ich eher die Werte von 149+ vermutet, mit nur VG in normalem bereich... Aber ich verstehe etwas nicht so richtig - hat er nur halben test gemacht? Und keine Untertests? Warum denn? Meine Tochter hat HAWIK auf zwei tage verteilt gemacht. Der erste Tag hatte sie die werte zwischen 115-135 gehabt in allen subtest, an der zweiten tag waren alle subtests zwischen 135-149+. Ihre 149+ hat sie mit matrizentest und anderen logik test. VG ist um 105-110 geblieben. Die Psychologin hat gemeint dass der werten am ersten tag sicher mit ihrer Erkältung und Kopfweh zu tun hatten. Ich denke aber auch dass ihr der Test am ersten Tag spass gemacht die war aber unsicher und nicht so getraut hat. Auf der zweite Tag hat sie richtig gefreuet und hatte schon eine sehr gute Beziehung zu psychologin was eher ungewöhnlich für sie ist. Ich denke schon dass die Resultate nicht wirklich euch weiter bringen weil sie nicht die realität entsprechen. Weiss du warum dein Sohn verweigert hat? Hat er überhaupt gewusst warum er ein test macht? Was denkt er selber über die ergebnisse? Es scheint auch dass er die Psychologin nicht so ernst nimmt. Geht er gerne zu ihr? Ich find schon ob es ein kind mitmacht oder nicht hängt davon ab ob das Kind wirklich versteht warum der Test gemacht wird und was es bringt und ob die Beziehung zu Testperson ok ist. Was vielleicht noch spannend zu wissen wäre wo dein Sohn wirklich verweigert hat, wann es ein problem der perfektionismus war und was er gut gemacht hat und der Wert der Realität entspricht. Ein halber Test dauert ja um 1.5 Stunden - schon recht lange für ein Kind mit Adhs der sich für test nicht interessiert.
Karen
Dauergast
 
Beiträge: 184
Registriert: Mo 27. Jul 2015, 22:46

Re: "Halber" Hawik IV

Beitragvon Rabaukenmama » Mi 11. Sep 2019, 16:12

@Karen: Bei meinem Sohn wurde der Test auch auf mehrere Male gemacht, auf einmal wäre gar nicht möglich gewesen. Er hat gewusst, dass es eine Begabungsdiagnostik ist, wo getestet wird, wo seine Stärken und Schwächen liegen. Wir haben vorher auch besprochen, dass er sich einfach bemühen soll, alles bestmöglich mitzumachen, auch wenn es ihm zu leicht oder zu schwer vorkommt.

Nur sind bei meinem Sohn die "Hauptbaustellen" eben die geringe Frustrationsschwelle und die Impulskontrolle, und zwar nicht nur zur Hause oder in der Schule, sondern überall. Allein durch das WISSEN, worum es geht kann er diese Schwächen nicht einfach ablegen, nur weil es um "was geht" (was gar nicht so stimmt, da ich mich rein auch persönlichen, informativen Gründen für die Testung entschieden habe).

Die Psychologin ist eine extrem ruhige Frau, die, wenn mein Sohn wütend wird (und das wird er bei ihr oft) immer leise sagt, dass das nicht in Ordnung ist und dass er sich wieder beruhigen soll. Am Anfang habe ich gedacht, das wäre eine besonders Strategie, dass er sich bei ihr bewusst gehen lässt, um (in ihrer Funktion als Psychologin) mehr über ihn herauszufinden, um in der Therapie besser auf ihn eingehen zu können. Dürfte es aber nicht sein, die Frau ist eben so, wie sie ist. Daher haben wir die Psychotherapie jetzt auch abgebrochen, weil es einfach nichts bringen dürfte. Mein Sohn "braucht" eben hin und wieder mal ein Kontra, um wieder "auf Kurs" zu kommen, nur streichelweich bei ihm nichts.

Die Matritzentests hat mein Sohn übrigens gut mitgemacht, nur hatte er da einige Fehler und war "nur" im oberen Durchschnittsbereich. Das deckt sich auch mit meiner Beobachtung, weil mein Sohn ist nicht so der visuelle Typ, dem Details auffallen. Das ist die Stärke seines Bruders, der bei Matritzentests regelmäßig die Testskalen nach oben sprengt, während er in anderen Bereichen im Bereich der geistigen Behinderung herumkrebst.

Ich denke schon, dass die Testbereiche, die mein Sohn mitgemacht haben, durchaus eine gute Einschätzung seiner Fähigkeiten sind. Mich ärgert nur etwas, dass es keinen Bereich gegeben hat, wo er wirklich ALLE Untertests mitgemacht hat - nicht einmal beim Sprachverständnis, wo sein Ergebnis so herausragend war. Dabei geht es mir überhaupt nicht um den Gesamt-IQ (mit 118 kann ich super leben ;) ), sondern eher um das Gesamtprofil, welches durch die teilweise Verweigerung einfach lückenhaft ist.

@Koschka: Danke für den Buchtipp, das Buch kenne ich noch nicht, werde es mir aber demnächst besorgen :) .

Heute kam übrigens ein Anruf von der Lehrerin meines Sohnes, ob es für mich okay sei, dass er am Deutsch-Förderkurs teilnimmt. Da außer ihm alle Kinder der Klasse diesen Förderkurs besuchen, weil es ab diesem Schuljahr ja Schularbeiten gibt, wäre mein Sohn ohne diesen Kurs, wo es hauptsächlich um Erklärungen zum Ablauf von Schularbeiten und Aufsätzen geht, gegenüber seinen Mitschülern sonst im Nachteil :P . Naja, mir soll es recht sein!

@sinus: Ich habe keine Ahnung wie es bei anderen Fremdsprachen ist. Im Kindergarten war eine Teilzeit-Kindergärtnerin Native Speaker und die hat mit den Kindern nur englisch gesprochen. Mein Sohn war der einzige, der sich mit ihr wirklich unterhalten konnte, und mehr als nur ein paar Vokabel (Farben, Tiere, kurze Sätze) wusste. Auch deutsch war immer eine Stärke von ihm. Ich erinnere mich, wie erstaunt ich war, als er in der ersten Klasse das Wort "analysieren" spontan richtig geschrieben hat. Und ich erinnere mich auch an viele Kämpfe und Tränen, wenn er eine Hausübung hatte, wo er schreiben musste "der Schwan - die Schwäne, das Haus - die Häuser,..." weil das für ihn einfach so langweilig war und es ihm komplett sinnlos erschien. Auch wenn dann aus HÜ auf war, mit bestimmten Wörter Sätze zu bilden hat mein Sohn immer geschaut, dass er nur ja kein Wort mehr schreibt, als ausdrücklich verlangt wurde.

Von der Warte gesehen bin ich gar nicht sicher, ob ihm eine andere Sprache wie Latein oder Französisch wirklich positiv herausfordern wird. Englisch nutzt mein Sohn ja täglich, weil er sich englischsprachige Wissens-Videos anschaut und mir dann denn Inhalt auf deutsch erzählt. Und er kann englische Lieder korrekt übersetzen (rockige Musik hört er gern). Da hat er einen unmittelbaren Nutzen von seinem Können. Bei Latein oder einer anderen Fremdsprache ist das nicht so. Wobei Latein ja nur für ein Medizin- oder Jus-Studium wirklich notwendig ist. Von der Warte, dass beides keine Berufswünsche von ihm sind, würde ich schon eher eine andere Fremdsprache aussuchen. Muss ich (bzw. er) aber bald ohnehin, weil er ja am Gymnasium eine zweite Fremdsprache dabei hat.

Ich selbst hatte immer das Problem, dass ein Vokabel in einer Sprache bei mir gelöscht wurde, sobald ich es in einer anderen Sprache gelernt hatte. Ich erinnere mich da an eine Englisch-Schularbeit, wo mir "a cup of tea" partout nicht einfallen wollte, weil in meinem Kopf nur noch "une tasse de thé" abrufbar war. Und so ging es mir mit etlichen Vokabalen. Auch in Gebärdensprache, die ich ja für die Kommunikation mit meinem jüngeren Sohn brauche, habe ich kein besonderes Talent. Nach insgesamt 8 Kursen innerhalb von 6 Jahren, einigen Einzelstunden und etlichen Gehörlosen-Treffen bin ich gerade mal auf Level B1 :roll: . Mein sprachbegabter älterer Sohn tut sich aber mit Gebärdensprache auch schwer, weil er kein visueller, sonder eindeutig ein akkustischer Lern-Typ ist.
Der liebe Gott schenkt uns die Nüsse, aber er knackt sie nicht (Johann Wolfgang von Goethe)
Rabaukenmama
Dauergast
 
Beiträge: 2382
Registriert: So 8. Dez 2013, 21:24

Re: "Halber" Hawik IV

Beitragvon unwissende-neu » Fr 18. Okt 2019, 01:04

Wurde der Test denn gewertet? Bei uns steht auf den Auswertungen, dass ein Gesamt IQ nicht berechnet werden kann, da es zu hetrogen sei. Ich glaube ein Unterschied von 25 IQ Punkte oder so darf ( durfte bei uns damals) nicht überschritten werden.

Meine Große hat ja mit 5 Jahren und mit 8 Jahren jeweils einen Test gemacht, die beide nicht gewertet werden durften. Für einen Nachteilsausgleich wird nächste Woche nochmal ein aktueller gemacht. Ich finde diese Testerei total sinnlos. Ich bin mir sicher, dass dieser eh nicht gewertet werden darf. Aber für den Bericht benötigen sie wohl einen aktuellen.


Verweigerungen hatte ich im Test ja nur bei der Jüngeren.

Wegen der Verarbeitungsgeschwindigkeit: Das Problem gibt es ja bei uns auch. Bei uns war aber das Problem, dass es nicht an der Verarbeitung sondern an der Wiedergabe scheitert. Es sieht dann nur so aus, als ob es die Verarbeitung wäre. So hatten wir auch einen Mathetest mit 0 Fehlern Note ungenügend ( einfach mit der Zeit nicht hingekommen).
Die Große ist Muskelhypoton. Das wusste ich quasi schon, aber man sagte mir, mit ein bisschen Sport würde es sich verwachsen, hätten viele Kleinkinder - alles gut. Nun kam aber raus, dass es sich nicht verwachsen hat ( trotz 3x Förderung in der Woche) und die Schere weiter auseinander gegangen ist. Wir haben das Abschlussgespräch erst nächsten Monat, haben aber schon eine Verordnung bekommen über einen Spio Anzug (ggf. googlen) und Orthesen. Ebenso wurde mir vorgeschlagen, ggf. auf einen Laptop umzusteigen.... ich warte mal das Abschluss gespräch ab.

Warum ich das erzähle?
Weil ich doch so schon weiß, dass alle Untertests, die auf Zeit gehen, nicht korrekt bemessen werden.
Wie ist es denn bei euch mit der Motorik bestellt?
Aber auch meine jüngere stolperte beim Hawik IV. Aufgrund ihres Perfektionismusses durch die ASS war beim Durchstreichtest wichtiger, dass die Striche schön gerade waren, statt es schnell zu machen. Solange die IQ Tests nicht auf Behinderungen angepasst werden, finde ich sie sehr fragwürdig.

Aber wie meine Ärztin sagte, die hohen Werte sind die relevanten. Man kann nur vrsehentlich schlecht abschneiden, nicht versehentlich gut.
unwissende-neu
Dauergast
 
Beiträge: 119
Registriert: Mi 4. Jan 2017, 02:49

Re: "Halber" Hawik IV

Beitragvon unwissende-neu » Fr 18. Okt 2019, 01:32

Zum Wortschatztest hatte meine jüngere (ASS) damals gesagt: also die Frau war total dumm... Ich: warum? sie: die wusste gar nichts. Ich sollte ihr erklären was eine Küche und eine Straße ist. - Danach hatte ich keine Lust mehr. Die ist doch eine Erwachsene....

Das hatte sie dann wohl falsch interpretiert :D

Seitdem heißt es auch immer, wenn ich sagte, dass wir dort einen Termin haben: Ist es das Krankenhaus, Wo die dumme Frau arbeitet? Asperger können ja so charmant sein :mrgreen:
unwissende-neu
Dauergast
 
Beiträge: 119
Registriert: Mi 4. Jan 2017, 02:49

Re: "Halber" Hawik IV

Beitragvon inessa73 » Mi 13. Nov 2019, 11:50

unwissende-neu hat geschrieben:Zum Wortschatztest hatte meine jüngere (ASS) damals gesagt: also die Frau war total dumm... Ich: warum? sie: die wusste gar nichts. Ich sollte ihr erklären was eine Küche und eine Straße ist. - Danach hatte ich keine Lust mehr. Die ist doch eine Erwachsene....



Ja, ja - der Wortschatztest. ;)

Mein Sohn sollte den Begriff "Sonne" erklären. Dazu hielt er der Testerin einen Vortrag zum Thema Sonnenstürme und Co. Sicher sehr interessant, nur in diesem Zusammenhang gab´s da natürlich keine Punkte :roll: .

In einem Mathebereich hatte er wohl auch nicht so die Lust, hat nur bis zu einem bestimmten Teil mitgemacht und am Ende darum gebeten, die letzte Aufgabe lösen zu dürfen. Die war dann wieder richtig.
inessa73
Dauergast
 
Beiträge: 102
Registriert: Do 21. Nov 2013, 14:02


Zurück zu IQ-Tests

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast