IQ-Test mit 5: nein oder wenn ja, wozu und wo?

Fragen, Antworten und Erfahrungen zu IQ-Tests

IQ-Test mit 5: nein oder wenn ja, wozu und wo?

Beitragvon Tilia » Mi 23. Okt 2019, 12:34

Hallo!

Ich schreibe nun zum zweiten Mal hier, nach einem Jahr... die Situation hat sich entspannt und unser Kind ist nun überall gut angepasst. Uns wurde vor Kurzem von pädagogischen Fachpersonal geraten, das Kind testen zu lassen. Kann mir jemand sagen, was das bringt? Wir haben momentan keine Probleme. Für das Alter "besondere" Tätigkeiten werden zuhause ausgelebt, außerhalb von zuhause herrscht "normales" Verhalten.

Und wenn man sich doch zum Test entschließt, an wen wendet man sich dafür? Schulpsychologe wohl noch nicht... Wir leben in Deutschland. Danke!

Liebe Grüße
Tilia
Tilia
 
Beiträge: 7
Registriert: Di 9. Okt 2018, 11:01

Re: IQ-Test mit 5: nein oder wenn ja, wozu und wo?

Beitragvon alibaba » Mi 23. Okt 2019, 12:54

-
Zuletzt geändert von alibaba am Do 31. Okt 2019, 15:43, insgesamt 1-mal geändert.
alibaba
Dauergast
 
Beiträge: 3436
Registriert: Mo 6. Okt 2008, 10:06

Re: IQ-Test mit 5: nein oder wenn ja, wozu und wo?

Beitragvon Auguste » Mi 23. Okt 2019, 22:32

Da schließe ich mich an mit der Frage, weshalb man Euch zum Test geraten hat.
Eine weitere Frage von mir: Was soll getestet werden? Nur der IQ oder gibt es noch andere Probleme, die die Pädagogen (im Kindergarten?) sehen?

Steht möglicherweise eine Früheinschulung (nächstes Jahr?) im Raum und deswegen wird der Test empfohlen?

Wenn es keine Probleme gibt und eine Früheinschulung nicht zur Diskussion steht, dann würde ich das Kind mit 5 Jahren nicht testen lassen. Dass Euer Kind schlau ist, wisst ihr auch so. Wie schlau das Kind wirklich ist, lässt sich meist noch gar nicht sagen, wenn die Kinder noch so jung sind. Da gibt es allenfalls eine Tendenz und eine Richtung, wo die besonderen Begabungen liegen. Aber das habt ihr inzwischen offenbar schon selbst herausgefunden, wenn das Kind glücklich ist und keine Probleme hat.

Wir haben den Sohn mit 9 Jahren bei einem KJP testen lassen, der Erfahrung mit HB und Wahrnehmungsstörungen hat. Bei uns stand allerdings aufgrund von Schulproblemen ADHS im Raum und die Begabung war eher ein "Nebenbefund" ;) Ohne die Schulprobleme hätten wir keinen Test machen lassen.
Auguste
 
Beiträge: 45
Registriert: Do 4. Jul 2019, 22:34

Re: IQ-Test mit 5: nein oder wenn ja, wozu und wo?

Beitragvon Tilia » Do 24. Okt 2019, 09:08

Danke! Es ging um vorzeitige Einschulung aber wir lassen das ganze... Es ist momentan alles gut, wie es ist. Viele Grüße!
PS: bitte entschuldigt meine knappen Stil, ich finde das Forum sympathisch und bin deswegen hier, habe aber große Scheu, im frei zugänglichen Internet Details zu schreiben aus Angst, man könnte irgendwann das Kind erkennen. Ich weiß, leicht paranoid... sorry.
Tilia
 
Beiträge: 7
Registriert: Di 9. Okt 2018, 11:01

Re: IQ-Test mit 5: nein oder wenn ja, wozu und wo?

Beitragvon Meine3 » Do 24. Okt 2019, 09:19

Hallo Tilia,

wir haben unseren Sohn im Vorschuljahr testen lassen, da es massive Probleme im Kindergarten gab und die Erzieher auf Quereinschulung drängten und wegen der Schulform Bedenken hatten. Ohne Anlass hätten wir das nicht getan.

Gebracht hat es nicht allzu viel, da ein Test in diesem Alter oft nicht aussagekräftig ist (wie alibaba auch schon angesprochen hat) und es doch sehr abhängig vom Charakter des Kindes ist, ob es dann auch alles "zeigt".

Das Ergebnis war sehr heterogen und die Tendenz ist klar, aber der Test war im Gesamtwert nicht aussagekräftig und wurde im Gesamtwert auch nicht besprochen (zu hohe Diskrepanzen zwischen den einzelnen Teilbereichen).

Nichts desto tortz kann ein Test auch in diesem Alter schon "helfen". Grade wenn es um die Frage einer frühzeitigen Einschulung geht! Wenn das Kind grade glücklich ist und mit der Rolle als Vorschulkind gut klar kommt, so gibt es meiner Meinung nach wirklich keinen Handlungsbedarf. Sollte sich dies jedoch über einen längeren Zeitraum heraus kristallisieren, dass es für das Kind eventuell doch sinnig wäre, früher eingeschult zu werden, würde ich den Test machen.

Ähnlich wie Alibaba würde ich aber auch dazu raten, einen "Experten" in Sachen Intelligenztestung bei Verdacht auf Hochbegabung aufsuchen und lieber ein wenig "investieren", als zu einem KJP oder Schulpsychologen zu gehen, der dann den Test oder das Verhalten des Kindes während des Tests (das war bei uns so das Problem!) falsch interpretiert.

Gruß,

Meine3
Meine3
Dauergast
 
Beiträge: 315
Registriert: Mo 11. Mär 2019, 10:55

Re: IQ-Test mit 5: nein oder wenn ja, wozu und wo?

Beitragvon sinus » Sa 26. Okt 2019, 21:59

Ich wünschte, ich hätte Kind 1 eher testen lassen. Es hätte uns sicher einiges an Leid erspart.
(Sie wurde mit 9 Jahren/Ende der 3.Klasse dann gestestet)
Sie war im letzten Kindergartenjahr wirklich sehr unglücklich, ich dachte allerdings damals, es läge an der Entthronung durch Nummer 2.
Inzwischen denke ich das nicht mehr. An Silvester sagte sie damals: "Das Beste an diesem Jahr war, dass ich eine Schwester bekommen habe!"
Ansonsten fielen in dem Jahr Sätze wie "ich wär am liebsten gar nicht da", "niemand braucht mich", "ich bin nutzlos" und "ich würde gern irgendwo ganz allein Wald wohnen".
Im Sorgentagebuch, was wir damals führten, berichtete sie sehr viele kleinere soziale Situationen im Kindergarten, in meinen Augen völlig normale Begebenheiten, die ihr aber offensichtlich sehr zusetzen.
Darum denke ich, dass sie sich sehr fremd und anders unter den anderen Kindern fühlte. Einfach irgendwie fehl am Platze.
Hätten wir damals gewusst, dass sie hochbegabt ist und ich schon mehr Wissen rund und das Thema gehabt, hätte ich ihr glaube ich in der Situation viel besser helfen können.
Sie erinnert sich bis heute (sie ist jetzt 5.Klasse) noch an viele Begebenheiten im Kindergarten und sogar noch bis in die Krippenzeit hinein. So konnte sie auch noch viel im Rückblick berichten, was uns jetzt mit dem Wissen um die HB völlig einleuchtend ist.
Sie sagt bspw, dass sie oft die anderen Kinder nur beobachtet hat und nicht verstanden hat, was sie mit ihren Spielen bezwecken wollten. Für sie waren die Spiele oft völlig sinnlos oder unverständlich, mitunter hätten die Kinder Sachen ausprobiert (einen Ball vom Baum runter holen z.B.), wo für sie völlig klar war, dass das nicht auf diese Weise klappen kann und sie konnte einfach nicht verstehen, warum die Kinder einer auch dem anderen und immer wieder es trotzdem probiert haben.
Sie hat sich bei sowas immer irgendwie "falsch" gefühlt, denn sie war ja offensichtlich die einzige, die anders dachte.
Ebenso Ausflüge. Sie hasste Ausflüge, weil die anderen Kinder sich nie so benahmen, wie sie sollten. An der Straße rumhampelten, nicht in Zweierreihen blieben usw.
Sie hatte darum immer Angst, dass etwas passieren könnte.
Alle andere waren aber begeistert, wenn es Ausflüge gab, sie mochte sowas nicht. Also wieder: "Mit mir muss was falsch sein, wenn ich mich als einzige nicht freuen kann"... usw. usf
Jetzt kann sie das neu einordnen und weiß, dass es an ihrer Weitsicht lag, die den Gleichaltrigen fehlte und daran, dass sie manche Dinge einfach besser/schneller durchschaute, und nicht daran, dass sie irgendwie falsch ist.
Ich glaube, das war wirklich eine Erleichterung, zu wissen, warum sie so empfand.
(Wie haben viele solche Erlebnisse nochmal unter "anderem Licht" besprochen in der Zeit nach dem Test)

Auch in der Grundschule ging es ihr nicht so gut und um ihr Selbstwertgefühl war es nicht gut bestellt.
Dann kam ich irgendwann auf Hochsensibilität, das brachte ihr schonmal Erleichterung, als wir darüber sprachen und dass viele ihrer Besonderheiten für Hochsensible "normal" sind.
Und dann nach dem Test habe ich auch mit ihr siehe oben über Hochbegabung gesprochen und sie hat auch in manche meiner Bücher dazu reinlesen und immer wieder kamen dann von ihr so Sätze dazu wie: "Das ist verrückt - die scheinen mich zu kennen, woher wissen die all das???"

Ich habe den Eindruck, das ihr das sehr geholfen hat, ihr Gefühl der "Andersartigkeit" zu akzeptieren und besser einzuordnen. Vor allem zu wissen, dass sie im Rahmen dieser ihrer Besonderheiten dann doch ganz normal ist.
Und dass anders zu denken nicht ein Makel ist, wie sie es immer empfand, sondern eine Gabe.
Sie mag das Thema an sich nicht so gern und möchte nicht, das irgendjemand davon weiß, mit mir redet sie aber immer mal wieder darüber. Ich erkläre ihr immer mal wieder was dazu, wenn sie bspw mal wieder unglücklich mit/über sich selbst ist. (woher es bspw kommt, dass sie so anders empfindet, warum andere oft weniger rücksichtsvoll sind, als sie erhofft und selbst handelt, dass es anderen manchmal einfach an Weitsicht fehlt, warum andere Kinder Freundschaft anders definieren, als sie - das war vor allem in der Grundschule ein Problem - , warum sie so ungeduldig mit sich selbst ist, warum sie so heftig reagiert, wenn ihr was nicht gelingt, warum sie so schnell an sich zweifelt und sich als "zu dumm" empfindet, dass sie durch ihre intensive Selbstreflexion viel kritischer ist mit sich, als andere etc pp.)
Seit dem Test (u.a. wegen für mich nicht ganz erklärbarer stetig wachsender Schulunlust gemacht) sind nun eineinhalb Jahre vergangen und ich finde, es hat sich seitdem vieles zum Besseren verändert.
Ich selbst habe auch mehr Sicherheit im Umgang mit ihr gefunden, weil ich jetzt auch besser einordnen kann, welche Probleme sie warum hat. Ich bin auch toleranter und geduldiger, seit ich eine Erklärung habe für so einige der problematischen Seiten ihrer Besonderheit.

Die kleine Schwester habe ich in diesem Frühjahr mit gerade mal 5 Jahren testen lassen, weil ich für sie über eine Früheinschulung nachgedacht habe. (Übrigens kostenfrei an einer Stelle der Uni, inklusive einer sehr hilfreichen ausführlichen Beratung! Wenn du magst, schreib ich dir eine PN, wo sowas bspw möglich ist)
Die Teststelle meinte damals, an sich sie sie noch zu jung, aber eine Tendenz wäre zu erkennen und man könnte anhand des Tests gut einschätzen, wo sie im Vergleich zur Altersgruppe steht und wo im Vergleich zu den Kindern, mit denen sie eingeschult werden würde, wenn sie mit 5 in die Schule käme.

Das Gesamtergebnis war nicht ganz so hoch wie bei der Großen, die Kleine liegt gut 10 IQ Punkte unter ihr und damit nicht mehr im HB Bereich.
Allerdings ist sie im Sprachverständnis und in logischen Bereich sehr nah/genau auf der Grenze.
Das lässt erwarten, dass sie in der Grundschule in Deutsch und Mathe ähnlich unterfordert sein könnte, wie die Große. Aber diesmal haben wir einen Vorteil - wir wissen schon bescheid und können das direkt unter dem Gesichtspunkt im Auge behalten.

Insgesamt erwarte ich bei der Kleinen aber weniger Probleme - vor allem in psychischer Hinsicht nicht - denn sie ist charakterlich anders, lässt sich nicht so schnell aus dem Gleichgewicht bringen und findet schneller wieder zurück in die innere Balance. Sie ist offener und geduldiger mit sich und zweifelt weniger schnell an sich selbst.
Allerdings ist sie auch recht sensibel und scheint sich im Kindergarten sehr anzupassen, um nicht aufzufallen.

Anpassung ist ein ziemlicher Selbstwertkiller, denn wie soll man sich selbst schätzen lernen, wenn man den Eindruck hat, anders sein zu müssen, als man ist?
Darum würde ich das bei deiner Tochter - Anpassung ist gerade bei hochbegabten Mädchen sehr verbreitet - unbedingt im Auge behalten.
"Gut angepasst", wie du schreibst, kann jedenfalls langfristig auch negativ fürs Kind sein. Da würde ich wirklich genau hinschauen!
Meine Große war auch gut angepasst im letzten Kigajahr - sie spielte da bspw endlich auch mal mit anderen Kindern mit, was sie vorher kaum/nicht getan hatte. Abends sagte sie dann aber die oben genannten Sätze und weinte oft, ohne mir dafür einen Grund nennen zu können...
In der ersten Kasse sagte mir die Lehrerin, sie sei so ein tolles, liebes und gut organsiertes Kind und sie wünschte, sie hätte mehr solche Kinder in der Klasse.
Die Lehrerin war dann auch völlig überrascht, als ich sie nach dem Test Anfang Klasse 4 zum Thema Langweile/Unterforderung ansprach und sie hörte, dass das Kind so große Schulunlust gehabt habe...
Also nach außen war alles chic gewesen. Auch die Zensuren stimmten. Nur im Kind sah es leider ganz, ganz anders aus! (Was ich als Mutter natürlich bemerkt hatte, wo ich aber lange an der falschen Stelle gesucht habe!)

Ich habe meiner Kleinen darum direkt nach dem Test erklärt, dass ihr Kopf eigentlich schon 6 ist und sie eigentlich schon in die Schule könnte. Und sie darum auch schon so gut rechnen und etwas lesen kann. Und es sein kann, dass manche Aufgaben in der Schule später mal zu leicht für sie sein können.
Und dass es sein kann, dass gleichaltrige Kinder sie manchmal nicht so gut verstehen bzw andere Interessen haben könnten.
Sie ist auch körperlich schon recht groß (wie eine durchschnittliche Erst bis Zweitklässlerin) und darum war das für sie auch völlig einleuchtend.
Ich habe ihr bspw gesagt, dass ihr ja auch die Schuhe der anderen 5jährigen nicht so gut passen und genauso passen eben dann auch die Spiele und Gedanken der anderen 5jährigen Kinder manchmal nicht gut.
Sie hat bspw nie Zugang zu den anderen Mädchen im Kindergarten gefunden, ähnlich wie es bei der Großen auch war und ist. Mit den typischen Mädchenspielen/-themen kann sie einfach nichts anfangen.
Zum Glück hat sie jetzt 2 Jungsfreundschaften im Kindergarten - beides eher ruhige und kognitiv sehr fitte Jungs -, die in letzter Zeit sehr eng geworden sind und außerdem versteht sie sich sehr gut mit den älteren Nachbarskindern und dem einen Sohn unserer Freunde. Und auch mit der großen Schwester und deren Freunden.
So bewegt sie sie sich oft und viel in Kreisen, wo sie sich offensichtlich sehr wohl fühlt und sich nicht anpasst/anpassen muss.
Bei der Großen gabs damals nur einen Freund, wo es so gut passte und der ging nicht in ihren Kindergarten.
(das ist bis heut - sie wird bald 11 - noch ihr liebster, engster Freund...)

Mein Rat wäre darum:
Wenn ihr sehr unsicher seid, lohnt testen. Einfach um Sicherheit zu gewinnen und gezielter an "Baustellen" zu arbeiten bzw rechtzeitig einzugreifen, wenn was schief läuft, ohne erst alle möglichen anderen Irrwege zu (ver-)suchen.
Ich hab mich zwar vor dem Test der Großen auch schon mit dem Thema beschäftigt, aber immer nur halbherzig, weil ich immer fast schon sowas wie "Schuldgefühle" hatte und dachte: Du steigerst dich womöglich in das Thema unnötig rein, vielleicht wünschst du dir einfach ein besonderes Kind und bildest dir das alles nur ein, wie peinlich, solche Bücher zu lesen, wenn alles nur deine Einbildung ist..."
Ich habe das eine Buch über Hochbegabung, was ich seit die Große 2-3 Jahre alt ist, schon da hatte, sogar richtig versteckt, dass es ja niemand sieht. (inzwischen haben ich weit mehr als 5 Bücher zum Thema und sie stehen ganz normal zwischen vielen anderen Sachbüchern, die ich habe.)
Ich war im Grunde darum innerlich immer ein Stück weit "verschlossen" für das Thema.
(Als wenn man eine Rede vorbereiten müsste für eine Preisverleihung, wo man noch gar nicht weiß, ob man den Preis wirklich bekommt --- das fiele mir auch äußerst schwer! :P )
Erst nach dem Test konnte ich mich richtig auf das Thema einlassen und habe mich intensiver damit beschäftigt, mehr Bücher gelesen etc, was mir /uns wirklich viel geholfen hat.
Auch im Umgang mit meinem Kind hat mir das sehr geholfen.

Wenn du nicht solche argen Zweifel an dir/deiner Einschätzung hast, kannst du all das aber auch ohne Test haben.
Du kannst einfach so tun, als sei dein Kind hochbegabt.
Im Grunde ist es am Ende ja auch egal, ob dein Kind 125 oder 135 erreicht. Die Probleme, die daraus entstehen könnten, können so oder so kommen oder auch ausbleiben.
Aber wie beischrieben - für uns hat sich der Blickwinkel deutlich gewandelt, als ich sicher bescheid wusste. Was wirklich ein Segen war.

Mein zweiter Rat wäre, deinem Kind möglichst viele Situationen zu bieten, in denen es sich "normal" fühlt. Wo sie unter möglichst ähnlichen /gleichartigen Kindern ist. Also sie mit Kindern und Gegebenheiten zusammenzubringen, die ihren Interessen und ihrem Denken entsprechen.
Bei der Großen war das im Kindergartenalter bspw ein Malkurs für Kinder zwischen 4 und 12, wo sie zu den jüngsten gehörte, aber gut reinpasste und sich für mich damals sehr überraschend völlig anders verhielt, als sonst.
Dort war sie plötzlich selbstbewusst und aufgeschlossen, wo sie sonst total zurückhaltend und angepasst war.
Im Spiel mit oben erwähntem Freund - da war sie auch plötzlich wild und albern und fröhlich, wo sie sonst mit anderen Kindern still und brav war.
Inzwischen erlebe ich sie GSD wieder öfters von dieser offeneren Seite und ich habe zumindest nach ihren eigenen Erzählungen auch den Eindruck, dass sie in der neuen Klasse (ein Gymnasium speziell für begabtere Schüler) auch eine andere ist, als in der alten Klasse.

Der Kleinen gehts übrigens aktuell sehr gut, obwohl sie nun auch nicht allzu gern in den Kiga geht.
Sie hat aber den Vorteil, dass sie eine große Schwester hat, die ihr ähnlich ist und dass sie im Umfeld viel mehr passende Kinder hat, als die Große. Jetzt lernt sie neuerdings noch Geige und macht einen Schwimmkurs, beides fordert sie und wirkt sich äußerst positiv auf ihr Selbstbewusstsein aus. Ebenso, wie das sich Behaupten gegenüber der 5 Jahre älteren Schwester und deren Freunden. Sie hat dadurch viel mehr Gelegenheit, sich unter passenden Kindern zu bewegen und zu bewähren.
(die Große hatte eben damals nur diesen einen Freund zum verabreden , der leider ebne auch nicht mit ihr in den Kiga ging und den sie darum fast nur am Wochenende sah)

Viel Glück und berichte bitte weiter!
sinus
Dauergast
 
Beiträge: 634
Registriert: Fr 26. Nov 2010, 10:52

Re: IQ-Test mit 5: nein oder wenn ja, wozu und wo?

Beitragvon Rabaukenmama » So 27. Okt 2019, 13:05

Hallo Tilia!

Ich habe es lange so ähnlich gemacht, wie sinus das so schön beschrieben hat: ich habe mein Kind einfach so behandelt, als wäre es hochbegabt. Dann, als der Autismus-Verdacht dazukam (wo ich anfangs der Meinung war, das wäre eine Mystifikation), habe ich mir angewöhnt, meinen Sohn wie einen Autisten zu behandeln - und siehe da, jahrelange Probleme (z.B. das morgendliche aufstehen und anziehen) haben sich binnen weniger Monate wesentlich gebessert :mrgreen: .

Mittlerweile (mit 9 Jahren) haben wir einen IQ-Test gemacht (bei teilweiser Verweigerung) und es kam ein Gesamt-IQ 118 mit Spitzen bei 150+ im sprachlichen Bereich raus. Die Diagnosen von Asperger Autismus und ADHS waren mit 7 bzw. 8 Jahren. Nun habe ich also ein NICHT hochbegabtes Kind, das außerdem noch autistisch ist, ADHS hat und das sozial-emotional deutlich hinter Gleichaltrigen hinterherhinkt. Und TROTZDEM behandle ich dieses Kind immer noch, als wäre es HB, weil es einfach das ist, was sich jahrelang bewährt hat.

Ich wollte lange nicht testen, nicht so sehr, weil ich , geglaubt habe, was in mein Kind reinzuinterpretieren, sondern weil es keine Situation gegeben hat, wo mir oder meinem Sohn ein Test genutzt hätte. Im Gegensatz zu sinus´s angepasster Tochter war mein Sohn immer eher eine Rampensau. Das, was er gekonnt oder gewusst hat, hat er immer gerne mit allen Mitmenschen geteilt (ob die das nun wissen/hören wollten, oder nicht :P ), daher war seine kognitive Fitness sehr auffällig. Meiner Meinung nach ist sprachliche Hochbegabung auch die "auffälligste" während z.B. Kinder wie sein Bruder, mit einer Begabungsspitze beim räumlichen, dreidimensionalen Denken, oft gar nicht auffallen.

Dass ich meinen älteren Sohn doch testen habe lassen lag am bevorstehenden Schulwechsel (er kommt nächstes Jahr ins Gymnasium). Aber durch die teilweise Verweigerung, auch von Bereichen, von denen ich WEISS, dass er sehr gut ist, und durch das heterogene Ergebnis (zwischen bestem und schlechtestem Unterwert über 60 IQ-Punkte) ist der Test ohnehin "nicht auswertbar" und somit auch nicht aussagekräftig. Bei ihm hat die Testung eigentlich - nach momentanem Stand der Dinge - niemanden geholfen.

Beim jüngeren Sohn hingegen war ich beim ersten (nonverbalen) IQ-Test echt überrascht. Da erreichte er (gehörlos und autistisch) nämlich mit 4 Jahren einen Durchschnittwert, der einem IQ von 101 entsprechen würde. Der Test war - ähnlich wie beim Bruder - nicht auswertbar, da über 70 IQ-Punkte zwischen bestem und schlechtestem Wert lagen. Da war ich eigentlich von leichter geistiger Behinderung ausgegangen, weil mein jüngerer Sohn einfach gaaaanz viele Defizite hatte. Rückblickend lag meine falsche Einschätzung aber vermutlich auch daran, dass ich ihn hauptsächlich mit seinem kognitiv sehr fitten älteren Bruder verglichen hatte.

In seinem Fall hat der Test einiges gebracht, unter anderem auch, dass ich in der Schule darauf bestehe, dass er trotz Sonderschullehrplan (in allen Fächern ausser Mathe) Aufgaben aus dem normalen Gehörlosenlehrplan (der inhaltlich dem Grundschullehrplan entspricht) bekommt. Und ich versuche, seine mittlerweile immer häufigeren Fragen in Gebärdensprache und visuell bestmöglich zu beantworten, ohne mir vorher groß Gedanken zu machen, ob er das auch wirklich alles versteht, oder nicht. Auch dafür war die Testung gut.

Mein jüngerer Sohn ist die Sorte Kind, die ständig unterschätzt wird. Das liegt sicher daran, dass er nicht sprechen kann und einige Tics hat, die ihn für Außenstehende geistig behindert wirken lassen. Tatsächlich aber ist er sehr vielseitig interessiert (im Moment sind es die Mondphasen, mit denen er sich intensiv beschäftigt), und auch kreativ und witzig. Zum Beispiel hat er gestern erst einen neuen Namen für sich erfunden, den er als "Zweitnamen" zusätzlich verwenden will, weil er ihm besser gefällt, als sein Erstname :mrgreen: .
Der liebe Gott schenkt uns die Nüsse, aber er knackt sie nicht (Johann Wolfgang von Goethe)
Rabaukenmama
Dauergast
 
Beiträge: 2382
Registriert: So 8. Dez 2013, 21:24


Zurück zu IQ-Tests

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast