K-ABC II

Fragen, Antworten und Erfahrungen zu IQ-Tests

K-ABC II

Beitragvon Penumbra » Sa 26. Okt 2019, 22:26

Hallo zusammen

Ich melde mich nach langer Zeit wieder einmal, ich lese sonst oft still mit.

Unsere Tochter fiel als Kleinkind etwas auf, vor allem durch ihre Sprachentwicklung (mit 14.5 Mt sprach sie 2-Wort-Sätze, mit 15Mt 3-Wort-Sätze und den eigenen Namen, mit 19Mt benutzte sie ich und du; sang mit 18Mt mehrere Lieder korrekt in Melodie und Text). Wir hatten immer den Eindruck, dass sie in einigen Bereichen etwas schneller ist als andere Gleichaltrige, in anderen Bereichen jedoch auch langsamer, so fiel sie grobmotorisch immer als etwas ungelenk/ungeschickt und übervorsichtig auf.

Im Kindergarten kam es dann zuhause zunehmend zu Problemen. Unsere Tochter interessierte sich für gar nichts mehr, wäre zeitweise am liebsten den ganzen Tag nur im Zimmer gelegen um sich ihre schon 1000x angehörten Hörspiele erneut anzuhören, sie musste zu allem mit viel Aufwand (und zum Teil Streit) motiviert werden (obwohl es ihr dann meist doch Spass gemacht hat). Sie war sehr oft frustriert, mit einer übellaunigen Grundstimmung, oft grundlos wütend und sehr oft auch traurig und weinerlich. Im Kindergarten war alles bestens, sie fiel dort eher als „Vorzeigekind“ auf.
Da sich die Situation auch mit Beginn der Sommerferien und dem Versuch viel Unterhaltung zu schaffen nicht besserte, stellten wir uns bei der Kinderärztin vor, welche eine Entwicklungsdiagnostik veranlasst hat.

Diese ist nun abgeschlossen und wir haben viele Diagnosen erhalten, ein ADHS, eine visuomotorische Störung, eine umschriebene motorische Entwicklungsstörung und sozial-emotionale Anpassungsschwierigkeiten. Es wurde Ergotherapie verschrieben, die Wartezeiten sind lang, die Therapie wird voraussichtlich im Dezember beginnen.

Im Rahmen der Abklärungen wurde auch der K-ABC II durchgeführt, mit dem Ergebnis „Gut durchschnittlicher kognitiver Entwicklungsstand“.
Was mich etwas erstaunt ist, dass die Werte der Untertest zum Teil sehr weit divergieren.
So war unsere Tochter weit überdurchschnittlich bei den Tests Atlantis und Symbole (v.a. beim Abruf nach Intervall), Rover, Wortreihe, Muster ergänzen und Rätsel (zum Teil bis Prozentrang 98%).
Dafür verhältnismässig schlecht (15. Prozentrang) bei Geschichten ergänzen, Zahlen nachsprechen, Gestaltschliessen, Dreiecke und Handbewegung.

Vielleicht kann jemand von euch uns weiterhelfen mit den Fragen die uns gerade so durch den Kopf schwirren:
- Ist es üblich, dass die Werte so stark divergieren (von %-Rang 15 bis 98)?
- Wie kann man sich erklären, dass jemand eine Wortreihe super gut nachsprechen kann, jedoch nicht eine Zahlenreihe? Ist das eine andere Intelligenz? Oder liegt das am ADHS?
- Hat das Geschichten ergänzen, Gestaltschliessen, Dreiecke und die Handbewegungen wirklich mehr mit der Visuomotorik zu tun als die Subtests Atlantis, Rover oder Muster ergänzen? Das ist ja auch alles visuell…

Ich habe gelesen, dass grosse Divergenzen zwischen Geschichten ergänzen und Muster ergänzen sowie ein schlechter Wert bei Gestaltschliessen auf einen (Asperger-)Autismus hindeuten können.
Der Kinderarzt / die Psychologin sind nicht näher darauf eingegangen, wir haben auch nicht danach gefragt, das Gespräch war nicht sehr lange.
Unsere Tochter hatte jedoch auch ziemlich grosse Mühe Emotionen von Personen auf Fotos zu beschreiben.
Ich glaube seit einiger Zeit, dass sie (und ich) hochsensibel sind, ich bin im Forum hier darauf gestossen, habe es vorher nicht gekannt. Die andernorts diskutierte These, dass der Übergang von Hochsensibilität zum Asperger-Autismus fliessend ist kann ich sehr gut verstehen, ich fühle mich selbst mal mehr mal weniger zum einen sowie zum anderen passend…

Wir waren beim Gespräch mit der Psychologin und dem Arzt etwas überrumpelt von den ganzen Ergebnissen. Jetzt sind wir etwas unsicher ob wir wirklich (wie beim Gespräch empfohlen) einfach mal den Beginn der Ergotherapie abwarten und dann auf Besserung hoffen? Oder nochmals das Gespräch mit den Fachpersonen suchen bezüglich Asperger-Autismus?
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Re: K-ABC II

Beitragvon unwissende-neu » So 27. Okt 2019, 03:20

Wir hatten damals den alten K-ABC Test gemacht und meine Tochter war nicht ganz 4 Jahre.
Das waren die Ergebnisse
SED 103 Konfidenz: 94-112
SGD 128 Konfidenz 119-137
SIF 118 Konfidenz 110-126
NV -
FS Wortschatz 113 Konfidenz 102-124
Rechnen 115 Konfidenz 104-126
Rätselfragen 121 Konfidenz 110-132

Sie ist Asperger Autist. Der Test galt im Bericht als nicht valide, da die Untertests zu hetrogen waren. Wenn er ( ich glaube es waren 23 IQ Punkte ) abweicht, darf er nicht als valide ausgewertet werden, sondern ergibt einen Richtwert um ( wie bei uns ) Diagnosen abzugrenzen. Also früh Kindlich mit intelligenz Minderung und Asperger.

Verweigert hat sie den Test Handbewegungen. Daher kam es im SGD zu signifikanten Punktabzügen und führte maßgeblich dazu, dass es nicht ausgewertet wurde. Kind beantwortete "Handbewegungen" mündlich. Kannst du das nachmachen: Ja. Kannst du mir das zeigen: nein. u.s.w. :D

Im SED waren damals z.B. noch Märchen enthalten. Das konnte sie ebenfalls nicht, da es auch nicht in ihrem Interessensgebiet liegt.
Töchterchen ist Gesichtsblind, kann aber gemalte Bilder ergänzen und hat dort auch keine Probleme. Es betrifft eher Filme ( vorallem wenn die Personen sich zwischendurch umziehen) und halt das wahre Leben. Ebenso merkt sie sich keine Namen. Aber eher aus desinteresse.

Meiner Meinung nach ist ADS und Asperger ein fließender Übergang. Ich habe auch noch ein ADS Kind. Da steht ASS immer zur Debatte, da ihr Problem aber die Motorik und die Konzentration in erster Linie ist und alles andere eher kleine Schwierigkeiten nebenbei, würde meine Große nicht von einer ASS Therapie profitieren. Sondern braucht eher ADS Typische Therapie. Daher habe ich bislang die Diagnostik abgelehnt bzw. auch "später vielleicht mal" verschoben. Mein ASS Kind hat überhaupt keine Konzentrationsprobleme ( wenn sie sich mit dem Thema befassen möchte und nicht gerade kurz vor einem Overload steht), sondern hat Probleme mit der Komunikation, Verständnis von Methaphern, Lautstärke, Meschenmengen, Taktile Wahrnehmung etc. dafür aber keine motorischen Einschränkungen, was aber mein ADS Kind massiv hat.

Beim ADS Kind waren die Ergebnissen noch viel weiter hetrogen als beim ASS Kind. Das gab dann chronologisch einfach die Konzentration wieder. Der erste Test war der Beste mit voller Punktzahl und der letzte war fast im Bereich Lernbehinderung. Ich denke man kann an einem IQ Test nicht keinesfalls ablesen ob es ASS oder ADS ist.
Zahlenreihen etc. beherrschen ADS Kinder oft sehr schlecht. Ich hatte gestern zufällig eine Studie gelesen, dass Sprachverständnis / und alles Wortbezogene bei ADS tatsächlich häufig höher ist, als
bei neurotypischen. Mein ADS Kind bekommt Zahlenreihen auch nicht hin, die verdreht sie aus Konzentrationsmangel.

Aber wenn du dir unsicher bist, frage doch, ob ihr in die ASS Diagnostik könnt. Bei uns gehörte zum Aspgerger Test nicht dazu, Gefühle oder Gesichter zu erkennen. Gesichtsblindheit ist isoliert und hat nur bedingt etwas mit Autismus zu tun. Und Gefühle auf Fotos erkennen hat sich als Diagnostiktest nicht bewährt ( so unsere Ärztin). Da es nichts damit zu tun hat, ob man es in realen Situationen beherrscht oder nicht, da es ja auch auf Mikroexpressionen und die Situation ankommt. ASS Kind kann die Emotion korrekt benennen, hat aber überhaupt keine Ahnung warum die Emotion entstanden ist. Sie reimt sich dann einfach etwas zusammen, was aber häufig hinten und vorne nicht stimmt. :D

Bei uns wurde der MBAS Test gemacht und zig Fragebögen. Zudem dann die vorliegenden Berichte und Unterlagen. Wenn du unsicher bist lass es testen, würde ich sagen. Falsche Diagnosen kommen ja häufiger vor.
LG
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Re: K-ABC II

Beitragvon Rabaukenmama » So 27. Okt 2019, 11:42

petunia hat geschrieben:Hallo zusammen

Ich melde mich nach langer Zeit wieder einmal, ich lese sonst oft still mit.


Hallo, schön dass du wieder schreibst :) .
petunia hat geschrieben:Im Kindergarten kam es dann zuhause zunehmend zu Problemen. Unsere Tochter interessierte sich für gar nichts mehr, wäre zeitweise am liebsten den ganzen Tag nur im Zimmer gelegen um sich ihre schon 1000x angehörten Hörspiele erneut anzuhören, sie musste zu allem mit viel Aufwand (und zum Teil Streit) motiviert werden (obwohl es ihr dann meist doch Spass gemacht hat). Sie war sehr oft frustriert, mit einer übellaunigen Grundstimmung, oft grundlos wütend und sehr oft auch traurig und weinerlich. Im Kindergarten war alles bestens, sie fiel dort eher als „Vorzeigekind“ auf.


Es ist häufig, dass Kinder ein mißfit in einem Bereich, wo sie sich nicht sicher fühlen, in einem sicheren Rahmen "verarbeiten". Das kann in beide Richtungen gehen: ein Kind, welches sich im Kindergarten sicherer fühlt als zu Hause, kann dort schwierig sein und zu Hause komplett angepasst. Bei deiner Tochter dürfte es umgekehrt der Fall sein. Im Kindergarten passt sie sich an, tut, was von ihr erwartet wird, und leidet innerlich vor sich hin. Dieser Frust kommt dann im sicheren Rahmen zu Hause zum Ausbruch (denn irgenwie und irgendwo muss er ja raus). Laut deiner Beschreibung erscheint mir so die Situation bei euch.


petunia hat geschrieben:Da sich die Situation auch mit Beginn der Sommerferien und dem Versuch viel Unterhaltung zu schaffen nicht besserte, stellten wir uns bei der Kinderärztin vor, welche eine Entwicklungsdiagnostik veranlasst hat.

Diese ist nun abgeschlossen und wir haben viele Diagnosen erhalten, ein ADHS, eine visuomotorische Störung, eine umschriebene motorische Entwicklungsstörung und sozial-emotionale Anpassungsschwierigkeiten. Es wurde Ergotherapie verschrieben, die Wartezeiten sind lang, die Therapie wird voraussichtlich im Dezember beginnen.


Gut, dass ihr dem nachgegangen seid! Mit Ergotherapie ist sicher nichts falsch, noch dazu, wo deine Tochter ja auch motorische Auffälligkeiten hat. Mein jüngerer Sohn (als Kleinkind motorisch entwicklungsverzögert und durch den Autismus auch in der sensorischen Integration gestört) hat sehr von Ergotherapie profitiert. Außerdem macht Ergotherapie den meisten Kindern auch noch Spaß - so habe ich es nicht nur bei meinem Sohn beobachtet :) .

petunia hat geschrieben:Im Rahmen der Abklärungen wurde auch der K-ABC II durchgeführt, mit dem Ergebnis „Gut durchschnittlicher kognitiver Entwicklungsstand“.
Was mich etwas erstaunt ist, dass die Werte der Untertest zum Teil sehr weit divergieren.
So war unsere Tochter weit überdurchschnittlich bei den Tests Atlantis und Symbole (v.a. beim Abruf nach Intervall), Rover, Wortreihe, Muster ergänzen und Rätsel (zum Teil bis Prozentrang 98%).
Dafür verhältnismässig schlecht (15. Prozentrang) bei Geschichten ergänzen, Zahlen nachsprechen, Gestaltschliessen, Dreiecke und Handbewegung.

Vielleicht kann jemand von euch uns weiterhelfen mit den Fragen die uns gerade so durch den Kopf schwirren:
- Ist es üblich, dass die Werte so stark divergieren (von %-Rang 15 bis 98)?
- Wie kann man sich erklären, dass jemand eine Wortreihe super gut nachsprechen kann, jedoch nicht eine Zahlenreihe? Ist das eine andere Intelligenz? Oder liegt das am ADHS?
- Hat das Geschichten ergänzen, Gestaltschliessen, Dreiecke und die Handbewegungen wirklich mehr mit der Visuomotorik zu tun als die Subtests Atlantis, Rover oder Muster ergänzen? Das ist ja auch alles visuell…


Mittlerweile haben meine Kinder beide Intelligenztests hinter sich (mein älterer Sohn 1x WISC IV und mein jüngerer, gehörloser Sohn 3x SON-R 2,5-7). Als mein älterer Sohn 4 Jahre alt war hatte er auch eine Entwicklungsdiagnostiv mit verschiedenen Tests (K-ABC war auch dabei), aber ohne IQ-Ermittlung. So gesehen kann ich speziell zum K-ABC II keine eigenen Erfahrungen teilen. Beide Jungs haben aktuell ein extrem heterogenes Entwicklungsprofil, aber beide habe auch diagnostizierte Wahrnehmungsstörungen.

Mein jüngerer Sohn (gehörlos und Autist) hatte einmal zwischen bestem und schlechtestem Untertest schon zweimal 70! IQ-Punkte Differnez. Sein Spektrum reicht von leichter geistiger Behinderung bis zu Höchstbegabung. Rein rechnerisch käme ein IQ von 86 heraus, das ist aber auf Grund der extremen Schwankungen nicht wertbar.

Bei meinem älteren Sohn (ADHS in Kombi mit Asperger Autismus) ist es ähnlich. Sein schlechtester WISC-Wert war die Verarbeitungsgeschwindigkeit mit PR (Prozentrang) 25, was in dem Bereich einem IQ von 90 entspricht. Im sprachlichen Bereich hat er den Test gedeckelt und sein PR liegt über 99,96, was in dem Bereich einem IQ von über 150 entspricht (weiter rauf misst der Test nicht). Leider hat mein Sohn auch einige Untertests verweigert, so dass ein Gesamttest ziemlich "löchrig" ist - aber auch bi ihm sind mindestens 60 Punkte zwischen bestem und schlechtestem Unterwert.

Was deine Frage zum nachsprechen von Wortreihen und Zahlenreihen betrifft habe ich eine klare Antwort: ja, es ist offensichtlich eine andere Intelligenz dafür "verantwortlich". Meine Jungs haben ja verschiedene Begabungsspitzen, einmal im sprachlichen und einmal im mathematischen Bereich. Mein älterer Sohn ist in Mathe auch überdurchschnittlich begabt, hatte aber ziemliche Schwierigkeiten damit, lange Zahlenreihen vor- und rückwärts nachzusagen. Für meinen jüngeren Sohn wäre dieselbe Aufgabe kein Problem. Dafür können meinem älteren Sohn die Wortreihen gar nicht lang genug sein ;) . Warum ein- und dasselbe Hirn bei scheinbar so ähnlichen Aufgaben so unterschiedlich arbeitet, kann ich auch nur vermuten. Ich denke mal, dass das Hirn bei meinem älteren Sohn beim hören von Wörtern freudiger erregt ist als beim hören von Zahlen und beim jüngeren Sohn ist es umgekehrt.


petunia hat geschrieben:
Ich habe gelesen, dass grosse Divergenzen zwischen Geschichten ergänzen und Muster ergänzen sowie ein schlechter Wert bei Gestaltschliessen auf einen (Asperger-)Autismus hindeuten können.
Der Kinderarzt / die Psychologin sind nicht näher darauf eingegangen, wir haben auch nicht danach gefragt, das Gespräch war nicht sehr lange.


Grundsätzlich stimmt die Aussage, aber allein auf Grund eines heterogenen Testergebnisses würde ich jetzt nicht gleich auf Asperger Autismus schließen, wenn bis zur Testung nichts anderes aufgefallen ist, was in die Richtung deuten könnte.

petunia hat geschrieben:Unsere Tochter hatte jedoch auch ziemlich grosse Mühe Emotionen von Personen auf Fotos zu beschreiben.
Ich glaube seit einiger Zeit, dass sie (und ich) hochsensibel sind, ich bin im Forum hier darauf gestossen, habe es vorher nicht gekannt. Die andernorts diskutierte These, dass der Übergang von Hochsensibilität zum Asperger-Autismus fliessend ist kann ich sehr gut verstehen, ich fühle mich selbst mal mehr mal weniger zum einen sowie zum anderen passend…


Die Autismus-Tests, wo man Emotionen auf Fotos beschreiben soll, sind heute längst überholt. Eigentlich waren sie nie aussagekräfig, denn gerade kluge Asperger-Autisten können das durchaus, wobei neurotypischen Menschen mit visuellen Schwierigkeiten damit große Probleme haben können. Meine Mutter ist so ein Beispiel: sie konnte NIE etwas, was ihr auf einem Bild gezeigt wurde, richtig erfassen. Auch Bilder-Witze hat sie nie verstanden, obwohl sie normal intelligent ist und von Autismus sicher meilenweit entfernt. Hingegen können meine Autisten-Jungs beide auf einen Blick erkennen, ob ein Kind auf einem Bild traurig, wütend oder überrascht ist. Mein älterer Sohn konnte das schon immer und mein jüngerer Sohn hat es, als er erkannt hat, worum es geht, binnen kürzester Zeit gelernt. Das ändert aber nichts an ihren Diagnosen.

Mein älterer Sohn erkennt z.B. sofort, wenn ein Kind weint, hat aber keinerlei Vorstellung, was der Hintergrund sein könnte. Dazu erfindet er oft abstruse Theorien. Aus Enttäuschung/Trauer weinen, vor Freude weinen, wegen Schmerzen weinen, vor Rührung weinen, aus Wut weinen, aus Scham weinen - das kann er alles nicht zuordnen. Daher sucht er sich irgenwie willkürlich aus all diesen Möglichkeiten eine heraus, die begründet, warum das Kind weint. Wird ihm hingegen ein Bild von einem weinenden Kind gezeigt und er konzentriert sich darauf, sich LOGISCH (nicht vom Gefühl her!) zu erschließen, warum das Kind weinen könnte, liegt er meistens richtig.

Mein jüngerer Sohn hingegen glaubt immer, wenn er ein weinendes Kind sieht, das Kind hätte sich weh getan. Da schließt er von sich selbst auf andere, denn er selbst weint nie, es sei denn, er hat sich wirlich SEHR weh getan (das brüllen bei autistischen Wutanfällen, wo auch manchmal vor Wut die Tränen runterlaufen, ist eine andere Sache).

Daher wären Defizite beim auf-Fotos-Gefühle-erkennen für mich genausowenig ein Indiz für Autismus wie das heterogene Testergebnis. Es kommt vielmehr darauf an, wie oft deine Tochter im echten Leben falsche Schlüsse zieht, was wo immer wieder falsch reininterpretiert, ganz normale, soziale Alltags-Situtionen nicht oder falsch versteht,...[/quote]

petunia hat geschrieben:Wir waren beim Gespräch mit der Psychologin und dem Arzt etwas überrumpelt von den ganzen Ergebnissen. Jetzt sind wir etwas unsicher ob wir wirklich (wie beim Gespräch empfohlen) einfach mal den Beginn der Ergotherapie abwarten und dann auf Besserung hoffen? Oder nochmals das Gespräch mit den Fachpersonen suchen bezüglich Asperger-Autismus?


Es kommt darauf an, wie sehr deine Tochter oder ihre Umgebung unter ihrem Verhalten leidet. Wenn das nicht der Fall ist, würde ich getrost abwarten. Zur Abklärung anmelden (am besten in einem Autismus-Kompetenzzentrum oder bei einem darauf spezialisierten KJP) kannst du ja trotzdem schon mal, da sind ohnehin meistens sehr lange Wartezeiten, und bis dahin hat die Ergo sicher schon längst begonnen. Einen Termin absagen ist meiner Erfahrung nach wesentlich leichter, als dann kurzfristig einen bekommen ;) .

Ich nehme an, dass du mit "auf Besserung hoffen" die Situation meinst, dass sie im Kindergarten unauffällig, zu Hause aber dauer-frustriert ist. Da ich - wie schon weiter oben beschrieben - unabhängig von Autismus oder nicht, ein mißfit im Kindergarten vermute, würde ich erst mal einen anderen Versuch wagen. Damit meine ich, deine Tochter mal für mindestens 4 Wochen aus dem Kindergarten rausnehmen bzw. (wenn das nicht möglich sein sollte) so kurz und wenig wie nur möglich hinbringen. In der Zeit würde ich auch zu Hause keine Erwartungen an sie stellen, hie und da mal was (z.B. einen Ausflug oder Museumsbesuch) anbieten, aber nicht drängen und einfach abwarten, ob nach einer Phase der Regeneration die alte Neugier und Lebenslust von selbst wiederkommt.

Was erzählt deine Tochter vom Kindergarten? Gefällt es ihr dort, hat sie Freunde, oder ist ihr eher unangenehm, wenn andere Kinder Kontakt zu ihr suchen? Gibt es im Kindergarten Dinge, die ihr Spaß machen (laut IHRER Aussage, nicht der, der KindergärtnerInnen) und was frustriert sie dort am meisten? Ich würde unabhängig von allem handeln immer wieder vorsichtige Gespräche in der Richtung suchen, und die Tochter ermutigen, auch Dinge vom Kindergarten zu erzählen, von denen sie weiß, dass du sie lieber nicht hören willst (denn welche Mutter will ihr Kind NICHT glücklich und zufrieden sehen). Dann würde ich "aktives zuhören" praktizieren, also nicht gleich Lösungen vorschlagen, sondern nur das Problem und die dazu gehörigen Gefühle benennen und das einfach mal so stehen lassen. Zum Beispiel "Dich ärgert sehr, dass du die 300teiligen Puzzles nicht machen darfst!" oder "Du würdest lieber Bücher anschauen statt schlafen zu müssen", oder "Der Kindergarten-Ausflug hat Dir viel Spaß gemacht, weil du nicht im Sesselkreis sitzen musstest!"...du weißt schon, was ich meine ;) . Oft hilft Kindern schon gewaltig, wenn sie sich von der Mama und/oder dem Papa einfach nur verstanden fühlen. Man muss nicht immer sofort handeln und alle Steine aus dem Weg räumen.

Alles Gute :) !
Der liebe Gott schenkt uns die Nüsse, aber er knackt sie nicht (Johann Wolfgang von Goethe)
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Re: K-ABC II

Beitragvon Penumbra » Di 29. Okt 2019, 21:36

Vielen Dank für deine Antworten und Erfahrungen!

Der Test galt im Bericht als nicht valide, da die Untertests zu hetrogen waren. Wenn er ( ich glaube es waren 23 IQ Punkte ) abweicht, darf er nicht als valide ausgewertet werden, sondern ergibt einen Richtwert um ( wie bei uns ) Diagnosen abzugrenzen. Also früh Kindlich mit intelligenz Minderung und Asperger.¨

Bei uns waren die Untertest zum Teil sehr heterogen, dort haben wir keine Zahlenwerte, nur Prozentränge. So liegen z.B. bei "Simultan/Gv" die Werte der Untertests von Rover und Dreiecke um 60 auseinander.

Verweigert hat sie den Test Handbewegungen. Daher kam es im SGD zu signifikanten Punktabzügen und führte maßgeblich dazu, dass es nicht ausgewertet wurde. Kind beantwortete "Handbewegungen" mündlich. Kannst du das nachmachen: Ja. Kannst du mir das zeigen: nein. u.s.w. :D

Unsere Tochter hat das zwar mitgemacht, aber mit weniger Spass als die anderen Aufgaben und sie war sehr schlecht darin. Generell macht sie Sachen die sie interessieren bzw. Sachen die sie sehr gerne macht auch sehr gut, sie kann sich dann auch gut und lange konzentrieren. Wenn sie etwas nicht interessiert sind Konzentration und Ausdauer schlichtweg nicht vorhanden

Meiner Meinung nach ist ADS und Asperger ein fließender Übergang. Ich habe auch noch ein ADS Kind. Da steht ASS immer zur Debatte, da ihr Problem aber die Motorik und die Konzentration in erster Linie ist und alles andere eher kleine Schwierigkeiten nebenbei, würde meine Große nicht von einer ASS Therapie profitieren. Sondern braucht eher ADS Typische Therapie.

Wie sieht denn eine ADS Therapie aus? Ich kann mir gar nichts darunter vorstellen.

Beim ADS Kind waren die Ergebnissen noch viel weiter hetrogen als beim ASS Kind. Das gab dann chronologisch einfach die Konzentration wieder. Der erste Test war der Beste mit voller Punktzahl und der letzte war fast im Bereich Lernbehinderung.

Bei uns sind gute und schlechte Ergebnisse wild durcheinander, es scheint nicht das Abfall der Konzentration über die Zeit zu sein. Eher vielleicht die Aufgabenstellung die sie nicht mag oder nicht kann.
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Re: K-ABC II

Beitragvon Penumbra » Di 29. Okt 2019, 23:21

Liebe Raubkenmama, zuerst einmal vielen Dank für deine Inputs und auch all die anderen Beiträge aus denen ich schon viel mitnehmen konnte.

Es ist häufig, dass Kinder ein mißfit in einem Bereich, wo sie sich nicht sicher fühlen, in einem sicheren Rahmen "verarbeiten". Das kann in beide Richtungen gehen: ein Kind, welches sich im Kindergarten sicherer fühlt als zu Hause, kann dort schwierig sein und zu Hause komplett angepasst. Bei deiner Tochter dürfte es umgekehrt der Fall sein. Im Kindergarten passt sie sich an, tut, was von ihr erwartet wird, und leidet innerlich vor sich hin. Dieser Frust kommt dann im sicheren Rahmen zu Hause zum Ausbruch (denn irgenwie und irgendwo muss er ja raus). Laut deiner Beschreibung erscheint mir so die Situation bei euch.

Eine zeitlang waren wir unsicher ob es wirklich «nur» das ist. Manchmal wurde ein grosser Teil der gemeinsamen Zeit mit Rumgezicke bis hin zum Streit oder Trauern/Schmollen im Zimmer zugebracht. Es war / ist für uns oft unmöglich herauszufinden was der Anlass für diese Übellaunigkeit ist. Es hat sich jedoch seit der Einschulung bereits etwas gebessert.

Grundsätzlich stimmt die Aussage, aber allein auf Grund eines heterogenen Testergebnisses würde ich jetzt nicht gleich auf Asperger Autismus schließen, wenn bis zur Testung nichts anderes aufgefallen ist, was in die Richtung deuten könnte.

Na ja, einige Sachen sind uns schon aufgefallen, so hat unsere Tochter eher ungern Körperkontakt, viel weniger als ihre Schwester. Sei schaut uns und andere Personen oft nicht an wenn sie spricht, sie schaut oft an die Decke oder im Raum herum. Sie hat gerne ihre Routine, so kann z.B. die Aufforderung sich bereits vor dem Frühstück die Kleider anzuziehen da wir nachher möglichst rasch los möchten zu einem riesigen Wutanfall führen. Es kann ein riesiges Theater geben weil die Socken eine Naht haben die drückt, oder der Ärmel des Pullover zu eng ist etc. Sie hat manchmal grosse Mühe sich für etwas zu entscheiden, Schokolade oder Gummibärchen, roter oder blauer Pulli usw. In gewissen Situationen kann sie sehr gut mitfühlen (z.B. Trickfilme, Theater, Hörspiele – da mag sie auch alles extrem gerne), in anderen Situationen gar nicht. So hat sie einmal als ihre neugeborene Schwester geweint hat, als ich geduscht habe, einfach einen Gehörschutz angezogen, das Geschrei sei ihr auf die Nerven gegangen, sie hat sie nicht versucht sie zu trösten oder mich zu rufen. Sie hat zu einigen Kindern Kontakt und spielt auch öfters mit ihnen, hat jedoch keine richtige Freudin/Freund. Sie fühlt sich oft sehr ungerecht behandelt.
Beim Arzt wurde ihr ein Bild von einem kleinen Jungen gezeigt, der mit Teenagern spielen wollte. Ein Teenager hat ihn mit dem Ellbogen weggestossen. Auf dem gleichen Bild waren auch jüngere Kinder zu sehen die in etwas Entfernung miteinander gespielt haben. Der Arzt hat gefragt was hier passiert, die Tochter sagte «die grossen Jungs lassen den Kleinen nicht mitspielen», der Arzt frage «was könnte der Junge den nun tun», Tochter meinte «nochmals lieb fragen ob er mitspielen darf», der Arzt hat daraufhin gesagt «er könnte auch zu den jüngeren Kindern gehen» worauf unsere Tochter mit den Schultern gezuckt hat.
Auf einem 2. Bild war ein Junge vom Fahrrad gefallen und hatte das Knie aufgeschürft. Tochter hat die Situation beschrieben, der Arzt hat gefragt woran sie erkennt dass es kein schlimmer Unfall sei. Sie wusste keine Antwort (man hat auf dem Bild gesehen dass sowohl die Mama als auch der Bub nicht sehr erschrocken sind, die Passanten gingen ohne gross hinzusehen vorbei).
Manchmal ist das Verhalten unserer Tochter schon etwas speziell oft aber auch ganz normal. Vielleicht geht es aber auch recht gut weil wir als Familie einen fast immer gleich strukturierten Tagesablauf mit wiederkehrenden gleichen Ritualen haben (auch mir ist es so wohler).

Es kommt darauf an, wie sehr deine Tochter oder ihre Umgebung unter ihrem Verhalten leidet. Wenn das nicht der Fall ist, würde ich getrost abwarten. Zur Abklärung anmelden (am besten in einem Autismus-Kompetenzzentrum oder bei einem darauf spezialisierten KJP) kannst du ja trotzdem schon mal, da sind ohnehin meistens sehr lange Wartezeiten, und bis dahin hat die Ergo sicher schon längst begonnen. Einen Termin absagen ist meiner Erfahrung nach wesentlich leichter, als dann kurzfristig einen bekommen ;) .

Einerseits sehe ich das auch so, andererseits frage ich mich manchmal ob ich sie mit den Abklärungen und Therapien nicht «kränker» mache als sie ist, bzw. ob das nicht «schädlich» ist für das Selbstwertgefühl. Schon jetzt möchte sie nicht in die Therapie, weil dies die anderen Kinder auch nicht müssen.

Damit meine ich, deine Tochter mal für mindestens 4 Wochen aus dem Kindergarten rausnehmen bzw. (wenn das nicht möglich sein sollte) so kurz und wenig wie nur möglich hinbringen

Das Problem hat im Kindergarten angefangen. Mittlerweile wurde unsere Tochter im Sommer in die 1. Klasse eingeschult. Es geht zumindest schon etwas besser, auch wenn sie über die Schule zum Teil klagt (sie mag keine Hausaufgaben machen, sie könne sich nicht konzentrieren wenn die anderen Kinder immer miteinander sprechen oder sie ärgern, die Lehrerin ermahne sie immer sich zu konzentrieren, sie verstehe manchmal gar nicht was sie bei den Aufgaben überhaupt machen müsse, die anderen Kinder wollen in der Pause nicht mit ihr spielen,…) Sie mag den Kunst- und Musikunterricht sehr gerne und auch den Deutschunterricht. Dort lernen sie jede Woche einen «neuen» Buchstaben (sie kennt alle seit sie 2.5J alt ist und kann aktuell Bücher für 1./2.Klasse lesen, zwar nicht schön fliessend, aber so dass sie die ganzen Sätze versteht). Insgesamt geht sie aber doch gerne zur Schule.
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Re: K-ABC II

Beitragvon unwissende-neu » Mi 30. Okt 2019, 10:18

Wie sieht denn eine ADS Therapie aus? Ich kann mir gar nichts darunter vorstellen.


Also ich kann irgendwie nur einen Unterschied zwischen ASS und ADS Therapie bei uns berichten.

Die ASS Therpie ist im Autismustherapiezentrum dort hat sie 2 feste Therapeuten, die mit ihr an lebenspraktischen Dingen arbeiten. Sie üben einkaufen zu gehen, durch die Stadt zu laufen, Hilfsmittel zu nutzen und vorallem an der Selbsterkenntnis, wann man sich mal zurückziehen muss um nicht einen Overload zu riskieren. Zudem gibt es halbjährliche Hilfeplangespräche mit der Schule, der Schulbegleitung, den Therapeuten und dem Landkreis. Wie sind so gut wie nie beim Arzt oder so, da die Diagnose steht, die Therapie vom Landkreis bis zum 18. Lebensjahr bewilligt ist. Es geht nur um die Anzahl Stunden, die pro Monat gemacht werden. Derzeit 22+2 Std. Schulbegleitung / Woche und 10 Std. Therapie im ATZ pro Monat. Bei ASS gibt es einen Schwerbehinderten Ausweis und dann geht es hauptsächlich darum mit der Behinderung zu leben und Kompensationen zu schaffen. An der eigentlichen Sache lässt sich kaum etwas ändern. Sie hat ja auch keine Konzentrationsprobleme oder motorische Defizite oder so ( daher braucht sie ja nicht zur Ergo oder Physio ).

In der ADS Therapie pendeln wie ständig zwischen SPZ und verschiedenen Therapeuten oder Therapieansätzen hin und her. Da gibt es dann vorwiegend ( jedenfalls bei uns) Ergo und Physiotherapie. In der Ergo geht es um Konzentrationssteigerung und phasenweise um Körperwahrnehmung. Da gibt es zum Beispiel das Marburger Konzentrationstraining ( wobei sich das bei intelligenten Kindern nur bedingt eignet), Konzentrationsförderende Spiele u.s.w.
Zudem haben wir mehrere Verordnungen über Neurofeedback ( EEG unterstütztes Konzentrationstraining) erhalten. Nach jeder Verordnung gehts zum Arzt, der macht ggf. neue Konzentrationstests etc. um zu überprüfen, wie es läuft u.s.w. Es wird besprochen, an welchen Defiziten gearbeitet werden sollen und dann neue Verordnungen.
Zudem gibt es hier ja auch noch die Möglichkeit die Therapien medikamentös zu unterstützen.
unwissende-neu
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Re: K-ABC II

Beitragvon unwissende-neu » Mi 30. Okt 2019, 10:36

Im Kindergarten kam es dann zuhause zunehmend zu Problemen. Unsere Tochter interessierte sich für gar nichts mehr, wäre zeitweise am liebsten den ganzen Tag nur im Zimmer gelegen um sich ihre schon 1000x angehörten Hörspiele erneut anzuhören, sie musste zu allem mit viel Aufwand (und zum Teil Streit) motiviert werden (obwohl es ihr dann meist doch Spass gemacht hat). Sie war sehr oft frustriert, mit einer übellaunigen Grundstimmung, oft grundlos wütend und sehr oft auch traurig und weinerlich. Im Kindergarten war alles bestens, sie fiel dort eher als „Vorzeigekind“ auf.
Da sich die Situation auch mit Beginn der Sommerferien und dem Versuch viel Unterhaltung zu schaffen nicht besserte, stellten wir uns bei der Kinderärztin vor, welche eine Entwicklungsdiagnostik veranlasst hat.


Dieses Verhalten kenne ich auch von unserem ADS Kind. Das ASS Kind läuft immer auf 200%. Alles läuft ziemlich extrem ab. Extrem gute Laune, die dann in einem extremen Overload endet, da sie sich übernommen hat. So ein lustloses dahindämmern kenne ich von unserem ASS Kind nicht ( sie kann gar nicht nur rumgammeln ) aber von unserem ADS Kind sehr gut. Streiten kann mein ASS Kind auch nicht. Wenn sie etwas nicht will, schreit sie, kommuniziert aber nicht. Sagt nicht was sie will. Schreit nur "nein" oder ähnliches, kann aber nicht sagen, warum oder wieso oder was besser wäre. Dafür sind die Standartsätze meines ADS Kindes: Warum? Wieso? Ich habe keine Lust. Das ist langweilig / doof.

Aber auch bei ASS gibt es ja unterschiedliche Charaktäre. Wenn ihr aber noch nie Ergo hattet, würde ich das auch erst ausprobieren, dann kann die Ergotherapeutin vielleicht auch mit einschätzen, ob es zu ASS tendieren könnte.

Einerseits sehe ich das auch so, andererseits frage ich mich manchmal ob ich sie mit den Abklärungen und Therapien nicht «kränker» mache als sie ist, bzw. ob das nicht «schädlich» ist für das Selbstwertgefühl. Schon jetzt möchte sie nicht in die Therapie, weil dies die anderen Kinder auch nicht müssen.

Auch das ist eher unser ADS Kind. Sie will auch nicht auffallen und lieber normal sein.
Unser ASS Kind hat sich noch nie Gedanken gemacht darüber, was andere denken könnten ( oder vermutlich auch nicht, dass sie überhaupt denken :lol: ). In ihrem Kopf ist sie immer richtig und der Mittelpunkt und alle anderen sind komisch der passen sich nicht an. Sie bezeichnet andere häufig als dumm ( im Sinne von "weniger intelligent") an andere sich ja total unlogisch benehmen. - Inklusive Therpeuten und Lehrerin :roll: Es ist einfach die typische Asperger Arroganz.
Zuletzt geändert von unwissende-neu am Mi 30. Okt 2019, 10:48, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: K-ABC II

Beitragvon Rabaukenmama » Mi 30. Okt 2019, 10:43

Penumbra hat geschrieben:Na ja, einige Sachen sind uns schon aufgefallen, so hat unsere Tochter eher ungern Körperkontakt, viel weniger als ihre Schwester. Sei schaut uns und andere Personen oft nicht an wenn sie spricht, sie schaut oft an die Decke oder im Raum herum. Sie hat gerne ihre Routine, so kann z.B. die Aufforderung sich bereits vor dem Frühstück die Kleider anzuziehen da wir nachher möglichst rasch los möchten zu einem riesigen Wutanfall führen. Es kann ein riesiges Theater geben weil die Socken eine Naht haben die drückt, oder der Ärmel des Pullover zu eng ist etc. Sie hat manchmal grosse Mühe sich für etwas zu entscheiden, Schokolade oder Gummibärchen, roter oder blauer Pulli usw. In gewissen Situationen kann sie sehr gut mitfühlen (z.B. Trickfilme, Theater, Hörspiele – da mag sie auch alles extrem gerne), in anderen Situationen gar nicht. So hat sie einmal als ihre neugeborene Schwester geweint hat, als ich geduscht habe, einfach einen Gehörschutz angezogen, das Geschrei sei ihr auf die Nerven gegangen, sie hat sie nicht versucht sie zu trösten oder mich zu rufen. Sie hat zu einigen Kindern Kontakt und spielt auch öfters mit ihnen, hat jedoch keine richtige Freudin/Freund. Sie fühlt sich oft sehr ungerecht behandelt.
Beim Arzt wurde ihr ein Bild von einem kleinen Jungen gezeigt, der mit Teenagern spielen wollte. Ein Teenager hat ihn mit dem Ellbogen weggestossen. Auf dem gleichen Bild waren auch jüngere Kinder zu sehen die in etwas Entfernung miteinander gespielt haben. Der Arzt hat gefragt was hier passiert, die Tochter sagte «die grossen Jungs lassen den Kleinen nicht mitspielen», der Arzt frage «was könnte der Junge den nun tun», Tochter meinte «nochmals lieb fragen ob er mitspielen darf», der Arzt hat daraufhin gesagt «er könnte auch zu den jüngeren Kindern gehen» worauf unsere Tochter mit den Schultern gezuckt hat.
Auf einem 2. Bild war ein Junge vom Fahrrad gefallen und hatte das Knie aufgeschürft. Tochter hat die Situation beschrieben, der Arzt hat gefragt woran sie erkennt dass es kein schlimmer Unfall sei. Sie wusste keine Antwort (man hat auf dem Bild gesehen dass sowohl die Mama als auch der Bub nicht sehr erschrocken sind, die Passanten gingen ohne gross hinzusehen vorbei).
Manchmal ist das Verhalten unserer Tochter schon etwas speziell oft aber auch ganz normal. Vielleicht geht es aber auch recht gut weil wir als Familie einen fast immer gleich strukturierten Tagesablauf mit wiederkehrenden gleichen Ritualen haben (auch mir ist es so wohler).


Hallo Penumbra!

Die "künstlichen" Situationen, wo ein Arzt Bilder zeigt, und dazu was fragt, würde ich nicht überbewerten. Wie schon geschrieben hat z.B. meine Mutter schon immer Probleme, was auf Bildern zu deuten. Die Ursache ist sehr wahrscheinlich eine visuelle Wahrnehmungsstörung, nicht Autismus ;) .

Bei den anderen Situationen, die du beschrieben hast, musste ich schmunzeln, weil meine beiden diagnostizierten Autisten viele der beschriebenen Auffälligkeiten gar nicht haben (dafür aber andere :P ). Ich beschreibe mal die Situation bei uns:

Körperkontakt: Wollen beide Jungs gerne! Kuscheln ist extrem wichtig für sie. Auch Massagen genießen beide sehr. Wobei mein jüngerer Sohn auch Kitzelspiele liebt, die mein älterer Sohn hingegen absolut ablehnt.

Drückende/kratzende Kleidung: Ist meinem jüngeren Sohn egal (außer es ist extrem, was aber jedes Kind stören würde!). Er trägt gerne modische Kleidung (coole Jeans oder Cargohosen, Jeansjacke) und will auch bei der Farbe der Kleidung mitreden (verlangt z.B. blaue Socken zur blauen Hose). Meinem älteren Sohn hingegen kann nichts bequem genug sein. Aussehen/Farbe der Kleidung ist egal, Schmutz/Löcher auch, Hauptsache groß, weich und schlabberig. Normale Jeans lösen manchmal schon beim Anblick einen Schreikrampf aus, ebenso Socken, die ein bisschen schwieriger anzuziehen sind oder eben enge Pulloverärmel.

Wutanfälle: Mein jüngerer Sohn hat autistische Wutanfälle (Meltdowns), die durchschnittlich 20-45 Minuten dauern und wo es kein "zurück" mehr gibt. Der Auslöser ist - aus unserer Sicht - oft eine Kleinigkeit. Zum Beispiel, dass nicht ER das Minutenlicht im Stiegenhaus aufdrehen durfte, sondern die Nachbarin das getan hat und er hat geglaubt, ICH wäre es gewesen (wenn er mitbekommen hätte, dass es die Nachbarin war, wäre gar nichts passiert)! Da kann das Licht 10x wieder ausgegangen sein, er ist dann so in seiner Wut-Spirale drin, dass ihn nichts und niemand mehr rausholen kann. Wenn man ihm z.B. in der Situation Schokolade anbietet (die er sonst immer mag) fliegt diese im hohen Bogen durch die Luft. Man kann nur daneben stehen, aufpassen, dass er sich nicht selbst verletzt oder gefährdet, und warten, bis es vorbei ist.

Wutanfälle dieser Art hatte mein älterer Sohn nie. Aber der kann von jetzt auf gleich zu kreischen beginnen, wenn ihm was nicht passt, dass einem fast die Ohren abfallen. Es dauert bei ihm aber nie lange (max. 1 Minute) und ein Machtwort von mir oder meinem Mann kann es sofort beenden, im krassen Unterschied zu den Wutanfällen seines Bruders.

Mitfühlen: Kann mein älterer Sohn sehr gut in "künstlichen" Situationen, z.B. bei Hörspielen oder Filmen. Er konnte viele Jahre keinen normalen Kinderfilm ansehen (Dokus hingegen schon), weil es ihm gleich bei der ersten irgendwie gefährlichen oder traurigen Situation "zu viel" wurde. Schon ein in ein Loch fallendes Strichmännchen konnte ihn aus der Fassung bringen. Im echten Leben hingegen hat er meistens gar nicht mitbekommen, wenn es jemandem nicht gut gegangen ist, jemand geweint hat oder traurig wo abseits gegessen ist. Und wenn, dann hat er (ähnlich deiner Tochter mit den Kopfhöhrern beim schreienden Baby) eher gespürt, was BEI IHM ausgelöst wurde: er hat sich gestört gefühlt. Auf die Idee, jemanden zu trösten, würde er im echten Leben nie kommen. Wenn ihm hingegen ein Bild mit einem weinenden Kind gezeigt wird bin ich mir ziemlich sicher, dass, befragt, was er tun würde "das Kind trösten" seine Antwort wäre. Die Frage ist für ihn ähnlich mit "Wieviel ist 5x5?" - es gibt eine korrekte Antwort - Hintergrund egal!

Mein jüngerer Sohn hingegen hat ein sehr feines Gespür für Gefühle. Über ein in ein Loch fallendes Strichmännchen kann er herzlich lachen, weil er weiß, dass die Situation nicht echt ist (sein Bruder weiß das auch, aber der tickt da irgendwie anders). Wenn ich mir hingegen z.B. den Kopf angeschlagen habe schaut er betroffen, dann bläst er auf die Stelle, streichelt mich, drückt sich an mich und fragt nach einiger Zeit, ob es schon "wieder gut" sei. Er spürt auch deutlich, wenn ich wütend bin, auch wenn ich das nach außen hin gar nicht zeige. Dann fordert er mich auf, wieder ruhig zu werden.

Rituale: Einen durchstrukturierten Tagesablauf brauchen meine Jungs beide nicht. Wobei eine gewisse (grobe) Kontinuität vor allem meinem älteren Sohn gut tut. Auch Rituale generell sind eher für meinen älteren Sohn wichtig, mein jüngerer Sohn ist da wesentlich flexibler. Während mein älterer Sohn bei der Ankündigung eines spontanen Ausfluges erst mal seinen Kurz-Schreikrampf bekommt und dann noch einige Zeit rumjammert und protestiert (auch, wenn es ihm dann doch gefällt!) ist sein Bruder da sofort dabei. Der fragt dann noch um die Details (Wohin fahren wir? Wie lange bleiben wir dort? Übernachten wir dort auch?) weil ihm wichtig ist, sich auszukennen.


Penumbra hat geschrieben:
Es kommt darauf an, wie sehr deine Tochter oder ihre Umgebung unter ihrem Verhalten leidet. Wenn das nicht der Fall ist, würde ich getrost abwarten. Zur Abklärung anmelden (am besten in einem Autismus-Kompetenzzentrum oder bei einem darauf spezialisierten KJP) kannst du ja trotzdem schon mal, da sind ohnehin meistens sehr lange Wartezeiten, und bis dahin hat die Ergo sicher schon längst begonnen. Einen Termin absagen ist meiner Erfahrung nach wesentlich leichter, als dann kurzfristig einen bekommen ;) .

Einerseits sehe ich das auch so, andererseits frage ich mich manchmal ob ich sie mit den Abklärungen und Therapien nicht «kränker» mache als sie ist, bzw. ob das nicht «schädlich» ist für das Selbstwertgefühl. Schon jetzt möchte sie nicht in die Therapie, weil dies die anderen Kinder auch nicht müssen.


Gut, dass du das mal so direkt ansprichst, denn ich habe das Gefühl, dass es auch anderen Eltern so geht.

Ich habe das hier schon öfter mit Sehproblemen verglichen. Wenn ein Kind hie und da mal was nicht richtig sieht und z.B. die Kindergärtnerin oder der Lehrer rät, mal das Sehvermögen testen zu lassen, haben keine Eltern ein Problem damit. Wenn den Eltern hingegen geraten wird, abzuklären, ob das Kind vielleicht Autist ist oder ADHS hat ist gleich mal Feuer am Dach, derjenige, der den Rat gegeben hat ist Feindbild Nummer 1 (weil er das Kind ja bösartigerweise in eine "falsche" Schublade steckt) und dann geht das Hirnkino los, wie viel schlechter die Voraussetzungen sind, wenn das Kind eine Autismus-Diagnose bekommen sollte, als wenn es keine hat.

Aber das Kind ist und bleibt dasselbe und auch die Störung wird nicht besser oder schlechter, wenn man genauer hinschaut. So, wie das fehlsichtige Kind nicht besser sieht, nur weil man mit ihm NICHT zum Augenarzt geht. Und dem normalsichtigen Kind haftet kein Stigma an und es hat keine Nachteile, nur weil es einmal "umsonst" beim Augenarzt war ;) .

Das soll jetzt kein generelles Plädoyer für eine Diagnostik sein. Nur halte ich Angst für keinen guten Ratgeber wenn es um Entscheidungen fürs eigene Kind geht. Wenn der Hintergrund dafür, keine Diagnostik machen zu lassen, ist "Dem Kind geht es gut, uns geht es gut, wir kommen mit seinen Besonderheiten zurecht und wir würden auch mit Diagnose nichts anders machen als wir es jetzt tun!" dann ist das ok. Wenn der Hintergrund ist "Oje, wenn sich die Befürchtungen bestätigen und das Kind ist wirklich Autist, was für Schwierigkeiten kommen dann auf uns alle zu? Wie wird das in der Schule und im Beruf sein? Wird das Kind auf Grund der Diagnose vielleicht gar gemobbt werden? Schaden wir ihm nicht mehr, wenn wir da hingehen, als wenn wir es gut sein lassen?" dann ist das mMn ein falscher Grund, auf die Diagnostik zu verzichten. So eine Entscheidung erfordert viel Ehrlichkeit sich selbst gegenüber und auch, dass sich die Eltern mit Fokus auf das Wohl des Kindes ihren eigenen Ängsten stellen.

Für mich sind Abklärung und Therapie zwei verschiedene Paar Schuhe. Die Abklärung hilft vor allem MIR als Mutter, meine Kinder besser zu verstehen und besser auf ihre Besonderheiten eingehen zu können. In der Welt da draußen werden viele Eigenheiten negativ gesehen und entweder dem Kind als Charakterfehler oder den Eltern als Erziehungsfehler angelastet. Vor der Diagnose meines älteren Sohnes bin ich gefühlsmäßig selbst zwischen diesen zwei Möglichkeiten hin- und her gependelt. Dann, als es klar war, konnte ich viel entspannter mit den Eigenheiten umgehen, ohne sie als unveränderbar und immerwährend sehen zu müssen ;) .

Therapie und Medikation sind wieder andere Dinge. Beides sind Möglichkeiten, wenn man eine Diagnose hat, aber keine Verpflichtungen. Man kann sich als Eltern auch mit gesicherter Autismus-Diagnose dagegen entscheiden, das ist nicht nur dann "erlaubt", wenn man von der Störung nichts weiß :mrgreen: .

Aus eigener Sicht (nie diagnostizierte AHDS) kann ich sagen, dass das eigene, ständige Gefühl "anders" als die anderen zu sein, meinem Selbstwertgefühl sicher mehr geschadet hat, als es eine Diagnose getan hätte. Dabei haben sich meine Eltern damals ehrlich bemüht, waren mit mir bei mehreren Therapeuten, aber damals (in den 1980er Jahren) hat es niemand erkannt bzw. wurde es auch von den Therapeuten als Erziehungssache gesehen :evil: .


Penumbra hat geschrieben:Das Problem hat im Kindergarten angefangen. Mittlerweile wurde unsere Tochter im Sommer in die 1. Klasse eingeschult. Es geht zumindest schon etwas besser, auch wenn sie über die Schule zum Teil klagt (sie mag keine Hausaufgaben machen, sie könne sich nicht konzentrieren wenn die anderen Kinder immer miteinander sprechen oder sie ärgern, die Lehrerin ermahne sie immer sich zu konzentrieren, sie verstehe manchmal gar nicht was sie bei den Aufgaben überhaupt machen müsse, die anderen Kinder wollen in der Pause nicht mit ihr spielen,…) Sie mag den Kunst- und Musikunterricht sehr gerne und auch den Deutschunterricht. Dort lernen sie jede Woche einen «neuen» Buchstaben (sie kennt alle seit sie 2.5J alt ist und kann aktuell Bücher für 1./2.Klasse lesen, zwar nicht schön fliessend, aber so dass sie die ganzen Sätze versteht). Insgesamt geht sie aber doch gerne zur Schule.


Das ist ja eine positive Entwicklung! Ich drücke euch die Daumen, dass es so bleibt :) .
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Re: K-ABC II

Beitragvon Penumbra » Mi 30. Okt 2019, 23:06

Vielen Dank für eure Antworten!

Ich habe mittlerweile, auch hier im Forum, einiges über AD(h)S gelesen. Ich habe einen Cousin der sehr auffiel und im Alter von 7 Jahren ein ADHS diagnostiziert bekommen hat. Er war schon als Baby und Kleinkind unglaublich hyperaktiv und aus meiner Sicht unglaublich anstrengend für seine Umwelt, mittlerweile ist er 30 Jahre alt und hat irgendwie immer noch viel zu viel Energie, Ideen, Rededrang usw. um ein "ruhig-durchschnittliches" Leben zu führen.
Unsere Tochter war und ist total anders, immer eher ruhig, bis vor ca. 1.5 Jahren eher auffallend pflegeleicht, weshalb mir nie in den Sinn gekommen wäre dass sie ADS haben könnte und die Diagnose vom Arzt auch irgendwie abstrus fand.
Erst jetzt habe ich realisiert dass es ADS auch mit Hypoaktivität gibt... Das passt wirklich ziemlich gut zu ihr.

Mal schauen was die Ergotherapie dazu meint...
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