Verarbeitungsgeschwindigkeit relativ gering

Fragen, Antworten und Erfahrungen zu IQ-Tests

Re: Verarbeitungsgeschwindigkeit relativ gering

Beitragvon Auguste » Di 26. Mai 2020, 11:01

alibaba hat geschrieben:@jennifer

Ich glaube, dass Dir wenig geholfen ist, wenn Du versuchst den höchsten Wert den Du nun so finden kannst im IQ-Test mit dem niedrigsten Wert zu vergleichen. Ach, wartet mal, da war ja noch ein höherer Wert …… das bringt Dich nicht nach vorne und auch nicht weiter. Dein Kind ist doch ein Komplex und nicht ein Teil, ein 16tel von 16 Untertests. Nehme ich die beiden Tests und deine Beschreibungen deines Kindes ergibt sich bei mir, augenscheinlich, ein rundes Gesamtbild. Und, was ich zu bedenken gebe, dein Kind ist vielleicht langsam, aber es kommt immerhin noch mit und scheinbar ohne Probleme. Deine Sorgen sind ja Zukunftsängste, die eintreten können oder eben auch nicht.

Ja, dass es jetzt in der Tat doof mit der Ergotherapie ist, glaube ich Dir. Jetzt sieht der KA, der deinen Sohn ja mit dem BUEVA getestet hat, natürlich keinen Sinn darin. Kann ich verstehen. Du könntest aber alternativ vorschlagen, dass die Schule Dich darauf angesprochen hat, wenn du den WISC nicht "verraten" möchtest. Du könntest Dir von der KL ein Schreiben geben lassen - mit der Empfehlung. So stehst du nicht ganz so doof da. Eigentlich bist du in einer etwas doofen Lage. Ein bisschen selbst ausmanövriert.

Abschließend möchte ich Dir mitgeben, dass du dich eventuell damit arrangieren solltest, dass dein Kind einfach eben "langsam" ist. Menschen sind verschieden. Ich kenne genug Menschen die langsam sind - in all ihren Facetten. Das an sich ist nicht behandlungsbedürftig und vollkommen normal.

VG


Es kann natürlich sein, dass der Junge einfach nur langsam ist. Es kann aber genauso gut sein, dass doch noch mehr da ist.

Mein Sohn hatte in der 1. und 2. Klasse auch keine Probleme. Der kam im Unterricht gut mit, hat mitgemacht, war am Schuljahresende Klassenbester mit nur einer 2 auf dem Zeugnis. Die Lehrerin wies trotzdem immer drauf hin, dass unser Sohn viel träumt und in Allem langsamer wäre als die anderen (Schreiben, Lesen, Umziehen für Sport, Ranzen einpacken usw...). Sternchenaufgaben hat er nie geschafft.

Im 2. Halbjahr der3. Klasse kippte das Ganze dann. Mein Sohn träumte noch mehr noch im Unterricht und beteiligte sich zunehmend weniger am Unterrichtsgeschehen. In den Klassenarbeiten und Tests schrieb er aber weiter gute und sehr gute Noten. Da gab es nur wenige Tests, wo er eine 2 oder 3 bekam, weil er nicht fertig wurde. Das Zeugnis der 3. Klasse war aber deutlich schlechter als das der 2. - nämlich überwiegend 2er und nur noch vereinzelte 1er - wegen der schlechteren mündlichen Noten und der schlechteren Mitarbeit. War für uns kein Beinbruch, das Zeugnis war ja trotzdem noch gut. Wir dachten auch bis dahin "Ach, er ist halt langsam, ein bisschen verträumt und eben kein fleißigen Bienchen (was 200 "A"s ohne Murren schreibt und 50 Mal dieselbe Aufgabe rechnet, nur mit anderen Zahlen). So war er schon immer. Das wird schon.". Wurde es aber leider nicht.

In der 4. Klasse eskalierte das Ganze dann nach ein paar Schulwochen so weit, dass mein Sohn gar nicht mehr in die Schule wollte und fast alles verweigerte. Es hagelte 5er und 6er für fehlende Hausaufgaben, nicht vorbereiteter Vorträge, Mitarbeit usw. Die schriftlichen Noten blieben aber weiter bei 1 und 2.

Das war der Punkt, wo wir die Diagnostik angefangen haben. Aus heutigem Blickwinkel zu spät, denn zu dem Zeitpunkt ging es unserem Sohn psychisch bereits richtig schlecht, aber er wollte sich das nicht anmerken lassen, hat nur wenig aus der Schule erzählt und sich zu Hause mit anderen Sachen abgelenkt, die ihm Spaß gemacht haben.

Aus meiner Sicht könnte es also durchaus sinnvoll sein, beim Kind von Jennifer schon jetzt mal genauer hinzuschauen (oder schauen zu lassen), ob da nicht doch "was ist", was ihn ausbremst. Bei meinem Sohn hätte z.B. niemand AVWS vermutet, selbst die "Lehrerin-Tante" in der Familie nicht, die schon AVWS-Kinder unterrichtet hat. Mein Sohn hat das schon immer mit seiner Intelligenz kompensiert. Aber das hat ihn in der Schule viel (geistige) Kraft gekostet.

Was bei Jennifers Sohn (für mich) eher gegen AVWS spricht, ist der relativ hohe Wert im Sprachverständnis. Bei meinem Sohn ist das Sprachverständnis nur im durchschnittlichen Bereich, während alle anderen Werte (außer VG) knapp unter oder über 130 liegen. Erscheint mir auch logisch, dass bei einer auditiven Wahrnehmungsstörung das Sprachverständnis "leidet" und deshalb nicht so hoch ausgeprägt ist, wie der Rest.

Aus heutiger Sicht wäre eine frühere Diagnostik bei meinem Sohn sinnvoll gewesen. Ob das bei Jennifers Sohn auch so ist oder ob der Junge wirklich einfach nur langsam ist, weiß ich natürlich auch nicht. Aber aus meiner Erfahrung mit meinem Sohn tendiere ich im Moment zu "lieber nochmal wen draufschauen lassen". Wenn dann nichts ist, ist es ja gut ;)

Gruß
Auguste
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Re: Verarbeitungsgeschwindigkeit relativ gering

Beitragvon alibaba » Di 26. Mai 2020, 12:46

@Auguste

Auguste hat geschrieben: Aber aus meiner Erfahrung mit meinem Sohn tendiere ich im Moment zu "lieber nochmal wen draufschauen lassen". Wenn dann nichts ist, ist es ja gut ;)


Da bin ich bei Dir. Schrieb ich ja schon. ;)

Dumm ist allerdings aktuell, dass der Kinderarzt ja nichts fand. Der KA testete mit dem BUEVA und findet, dass alles gut ist. Jetzt kann Jennifer nicht kommen und den WISC hinlegen und erklären, schauen Sie mal lieber KA, meinem Kind wurde Ergotherapie empfohlen. Da fühlt sich ja der KA verarscht. @Jennifer hat also ein Problem! Wie kommt sie an einen heran, der "lieber nochmal drauf schaut?"

Kassenärztlich bleiben ihr da nicht so viele Optionen. Sie könnte privat einen neuen Kinder- und Jugendpsychologen bezahlen und eine dritte Diagnostik angehen. Allerdings muss sie dann hoffen, dass ihr 8-Jähriger sich nicht verplappert, denn wie will sie den BUEVA und den WISC erklären im Zusammenhang einer dritten Testung?
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Re: Verarbeitungsgeschwindigkeit relativ gering

Beitragvon Rabaukenmama » Di 26. Mai 2020, 15:43

Zumindest hier in Österreich ist es so, dass man mal EINE Einheit Ergotherapie (bei einem Therapeuten freier Wahl) in Anspruch nehmen kann und der Ergotherapeut dann im Zuge dieser Einheit feststellt, ob eine Therapie sinnvoll wäre oder nicht. Für diese Einheit kriegt man von der KK dann einen Teil (oder bei einem Kassentherapeuten den ganzen Betrag) ersetzt und wenn dann weiterhin Bedarf besteht begründet das der Therapeut vor dem Kinderarzt, der dann auf dessen Empfehlung hin die Verschreibung ausstellt. Diese wird in 10er-Blöcken beantragt und muss dann noch chefärztlich bewilligt werden. Dann bekommt dann zumindest den Kassensatz zurück und bei einem Kassen-Ergotherapeuten wird alles finanziert.

Ich kenne die Situation in Deutschland nicht, aber zumindest hier in Österreich sind Kassen-Ergotherapeuten rar und haben ellenlange Wartezeiten (6 Monate aufwärts). Viele gute Ergotherapeuten arbeiten nur privat und man bekommt von der KK bestenfalls einen Anteil retour. Da bekommt man deutlich schneller einen Termin.

Bei meinem jüngeren Sohn war der retournierte Kassen-Anteil 29,30 Euro für eine 80-Euro-Einheit. Wenn Jennifer nicht ewig mit Anträgen, erklären, begründen und nachlaufen beschäftigt sein will, wäre rein für´s "draufschauen lassen" vermutlich sinnvoll, eine Beobachtungsstunde (mit Elterngespräch) selbst (vor-) zu finanzieren. Dafür muss man mit 75-120 Euro rechnen und für die laufenden Therapieeinheiten 70-100 Euro (für 60min inkl. Gesprächs- und Vorbereitungszeit).

@jennifer: Über Finanzierung von Ergotherapie kannst du dich im rehakids-Forum schlau machen. Dort bekommst du vielleicht gleich auch Tipps für einen guten Ergotherapeuten in einer Wohnnähe ;) .

@alibaba: Eine Testung kurz nach einer anderen, abgeschlossenen Testung wird normalerweise auf Grund des Gewöhnungseffekt (weil das Kind die Fragestellungen ja schon kennt) abgelehnt. Bein meinem jüngeren Sohn wurde im Rahmen der letzten Entwicklungsdiagnostik kein neuer IQ-Test gemacht, weil 5 Monate zuvor die Schulpsychologin einen Test mit ihm gemacht hat (zwar keinen "ganzen", aber Teile daraus). Mir war es egal, ich weiß ohnehin dass die Ergebnisse bei meinem jüngeren Sohn für die Tonne sind, weil er bei Testungen nie das zeigt, was er wirklich kann. Das nur so am Rande...
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Re: Verarbeitungsgeschwindigkeit relativ gering

Beitragvon jennifer » Di 26. Mai 2020, 22:40

Auguste hat geschrieben:Was bei Jennifers Sohn (für mich) eher gegen AVWS spricht, ist der relativ hohe Wert im Sprachverständnis. Bei meinem Sohn ist das Sprachverständnis nur im durchschnittlichen Bereich, während alle anderen Werte (außer VG) knapp unter oder über 130 liegen. Erscheint mir auch logisch, dass bei einer auditiven Wahrnehmungsstörung das Sprachverständnis "leidet" und deshalb nicht so hoch ausgeprägt ist, wie der Rest.


Ich bin da ganz deiner Meinung. Nach AVWS klingt es nicht. Ich glaube auch, dass er Arbeitsanweisungen gut versteht.

Auguste hat geschrieben:Wenn du den allgemeinen Fähigkeitsindex (AFI) hast, dann sollte in der Auswertung des WISC V auch der Kognitive Leistungsindex (KLI) stehen. Wenn du zwischen AFI und KLI eine "signifikante Differenz" hast, ist das wohl ein Hinweis darauf, dass da was sein könnte, was das Kind daran hindert, sein eigentliches Potential zu nutzen. In dem KFI ist u.a. die Verarbeitungsgeschwindigkeit mit erfasst.


Zwischen AFI (knapp unter 130) und KLI (zwischen 100 und 110) sind 22 Punkte Unterschied. Ob das nun signifikant ist, weiß ich nicht.

Die Psychologin aus dem WISC-Test meinte übrigens Ähnliches wie hier im Forum gesagt wurde. Mein Sohn hat in der VG immer noch einen durchschnittlichen Wert und das sollte für die Schule kein Problem sein. Jedoch wird er irgendwann das Gefühl bekommen, dass er seine Leistungsfähigkeit nicht voll ausschöpfen kann. Deswegen hat sie Ergotherapie empfohlen. Damals habe wir jedoch nicht nachgefragt, ob sie jemanden in unserer Stadt kennt, der Ergotherapie in solchen Fällen anbieten.

Mit dem Kinderarzt sieht es etwas besser aus als geschildert. Der KA hat bemerkt, dass mein Sohn sehr langsam ist, aber keine festgestelltes Problem hat. Ich hab ihn dann auch wegen Ergotherapie angesprochen (da ich das noch im Hinterkopf hatte). Er meinte, er kennt keine Ergotherapie wegen der Langsamkeit, aber er schien durchaus bereit, wenn ich etwas finde, dem nicht entgegen zu stehen.
Ich muss jetzt nur einen Ergotherapeuten finden, der so etwas behandelt. Möglicherweise könnte er/sie sich den Fall einmal anschauen. Jedoch bin ich wie gesagt noch nicht ganz sicher, ob wir etwas tun sollten. Schaden würde es nicht, nur das mein Sohn keine Lust auf sowas hat.

@Auguste Bekommt dein Sohn nun Ergotherapie auf Grund von AVWS? Oder wird sogar die Verarbeitungsgeschwindigkeit angegangen? Hat sich die Situation nun gebessert? Bei euch ist es ja ähnlich, dass die VG im Durchschnitt liegt und damit eigentlich ausreichen sollte. Hat dein Sohn unter der Diskrepanz gelitten?

Mein Sohn ist übrigens ein Kind, dass IQ-Tests nicht wirklich mag. Er gibt sich Mühe und verweigert nicht, jedoch hat er keinen Ehrgeiz dabei und muss nicht unbedingt zeigen was er kann. Ich weiß aber nicht, ob das etwas ausmacht. Er macht lieber die Dinge für die er sich interessiert und diese dann intensiv.

Im Moment stört es ihn auch überhaupt nicht langsam zu sein.

Spannend finde ich übrigens, dass man die Verarbeitungsgeschwindigkeit verbessern kann. Heißt das, diese gehört nicht zur Intelligenz und kann sich dadurch ändern?

Meine3 hat geschrieben:
jennifer hat geschrieben:Hallo zusammen,
Mein Fazit nach viel lesen, recherchieren und austauschen über dieses Thema: Bei einer Diskrepanz von 50 IQ-Punkten zwischen VG und dem Rest stimmt was mit der Wahrnehmung des Kindes nicht. Punkt. Leider waren die beiden Experten nicht dieser Meinung, obwohl in den offiziellen Empfehlungen des Wisc auch steht, bei zu hoher Diskrepanz zwischen den Teilbereichen müsse man nachtesten oder nach einer Ursache dafür schauen und der Gesamt-IQ sollte nicht ausgerechnet werden. Der AIF (allgemeiner Fähigkeitsindex), der in solchen Fällen eher zu Rate gezogen werden sollte, liegt bei meinem Sohn übrigens über der HB-Grenze.Somit haben wir weiterhin Probleme mit dem Sohn und kommen hier nicht so wirklich weiter. Wir haben ebenfalls Ergo empfohlen bekommen und wir machen das auf jeden Fall, eine 3. Meinung kann auf keinen Fall schaden.
Meine3

Habt ihr die Ergotherapie empfohlen bekommen für die geringe VG oder wegen der Diskrepanz?
Habt ihr eine weitere Diagnose bekommen? Habt ihr mit der Ergotherapie begonnen?
Wonach muss ich bei Ergotherapeuten suchen (welcher Themenbereich?)
Hattet ihr den WISC-Test vom Kinderarzt verordnet bekommen?
Hat dein Sohn Auffälligkeiten in der Schule?
jennifer
 
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Re: Verarbeitungsgeschwindigkeit relativ gering

Beitragvon Twochild » Mi 27. Mai 2020, 08:46

Hallo Jennifer,
mein Sohn hatte aufgrund einer unterdurchschnittlichen Verarbeitungsgeschindigkeit Ergotherapie verschrieben bekommen. Die Ergo fand mein Sohn toll. Eine Spielstunde nur für ihn. Im Anschluss hatte er noch eine eine Gruppentherapie zur Konzentrationssteigerung. Dort fiel er im Vergleich zu den anderen nicht weiter auf. Allerdings waren die zu erledigenden Aufgaben auch keine "Herausforderung" für ihn.
Es könnte also sinnvoll sein, eine Ergotherapeutin zu finden, die sich mit hoher Begabung auskennt. Vielleicht kannst du nach einem Tipp für eine gute Ergo dort nachfragen, wo ihr euren Sohn testen lassen habt.

VG
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Re: Verarbeitungsgeschwindigkeit relativ gering

Beitragvon alibaba » Mi 27. Mai 2020, 08:48

Rabaukenmama hat geschrieben:
@alibaba: Eine Testung kurz nach einer anderen, abgeschlossenen Testung wird normalerweise auf Grund des Gewöhnungseffekt (weil das Kind die Fragestellungen ja schon kennt) abgelehnt. Bein meinem jüngeren Sohn wurde im Rahmen der letzten Entwicklungsdiagnostik kein neuer IQ-Test gemacht, weil 5 Monate zuvor die Schulpsychologin einen Test mit ihm gemacht hat (zwar keinen "ganzen", aber Teile daraus). Mir war es egal, ich weiß ohnehin dass die Ergebnisse bei meinem jüngeren Sohn für die Tonne sind, weil er bei Testungen nie das zeigt, was er wirklich kann. Das nur so am Rande...


Alles gut, hab ich ja geschrieben, dass die den BUEVA und den WISC erklären müsste (übrigens egal wo sie ist), oder eben den Schnabel hält, in der Hoffnung dass auch der Sohn sich nicht verplappert. Den BUEVA hat sie ja auch nur bekommen, weil sie den WISC nicht erwähnte, sonst wäre wohl hier der Kinderarzt auch anders vorgegangen. Ich hätte den WSIC vorgelegt und die Ergotherapie genommen und dort abgewartet was die Damen sagen.
Zuletzt geändert von alibaba am Mi 27. Mai 2020, 08:56, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Verarbeitungsgeschwindigkeit relativ gering

Beitragvon alibaba » Mi 27. Mai 2020, 08:55

jennifer hat geschrieben:
Mit dem Kinderarzt sieht es etwas besser aus als geschildert. Der KA hat bemerkt, dass mein Sohn sehr langsam ist, aber keine festgestelltes Problem hat. Ich hab ihn dann auch wegen Ergotherapie angesprochen (da ich das noch im Hinterkopf hatte). Er meinte, er kennt keine Ergotherapie wegen der Langsamkeit, aber er schien durchaus bereit, wenn ich etwas finde, dem nicht entgegen zu stehen.


Hä? Gerade wegen der Langsamkeit und der Ursachenforschung geht man doch zur Ergotherapie. Die Aussage des KA ist nicht schlüssig.

Um es kurz zu machen; nimm den KA beim Wort und lass Dir jetzt ein Rezept ausstellen. Argumentiere mit den Lehrern/Schule, dass diese Dir das empfohlen haben. Fertig.

Ergotherapien sind eh in aller Regel voll. Da muss man warten bis man einen Termin bekommt. Du wirst froh sein, überhaupt eine Praxis zu finden, die nicht mühsam angefahren muss. Du gibst dich da glaube ich einer Illusion hin, eine zu finden, die sich auf Langsamkeit spezialisiert hat. :schwitz: Aber schau einfach. Rabaukenmama gab Dir ja auch einen Hinweis, wo man eventuell noch Näheres erfahren könnte.
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Re: Verarbeitungsgeschwindigkeit relativ gering

Beitragvon Auguste » Mi 27. Mai 2020, 10:51

jennifer hat geschrieben:
Auguste hat geschrieben:Wenn du den allgemeinen Fähigkeitsindex (AFI) hast, dann sollte in der Auswertung des WISC V auch der Kognitive Leistungsindex (KLI) stehen. Wenn du zwischen AFI und KLI eine "signifikante Differenz" hast, ist das wohl ein Hinweis darauf, dass da was sein könnte, was das Kind daran hindert, sein eigentliches Potential zu nutzen. In dem KFI ist u.a. die Verarbeitungsgeschwindigkeit mit erfasst.


Zwischen AFI (knapp unter 130) und KLI (zwischen 100 und 110) sind 22 Punkte Unterschied. Ob das nun signifikant ist, weiß ich nicht.

Die Psychologin aus dem WISC-Test meinte übrigens Ähnliches wie hier im Forum gesagt wurde. Mein Sohn hat in der VG immer noch einen durchschnittlichen Wert und das sollte für die Schule kein Problem sein. Jedoch wird er irgendwann das Gefühl bekommen, dass er seine Leistungsfähigkeit nicht voll ausschöpfen kann. Deswegen hat sie Ergotherapie empfohlen. Damals habe wir jedoch nicht nachgefragt, ob sie jemanden in unserer Stadt kennt, der Ergotherapie in solchen Fällen anbieten.

Mit dem Kinderarzt sieht es etwas besser aus als geschildert. Der KA hat bemerkt, dass mein Sohn sehr langsam ist, aber keine festgestelltes Problem hat. Ich hab ihn dann auch wegen Ergotherapie angesprochen (da ich das noch im Hinterkopf hatte). Er meinte, er kennt keine Ergotherapie wegen der Langsamkeit, aber er schien durchaus bereit, wenn ich etwas finde, dem nicht entgegen zu stehen.
Ich muss jetzt nur einen Ergotherapeuten finden, der so etwas behandelt. Möglicherweise könnte er/sie sich den Fall einmal anschauen. Jedoch bin ich wie gesagt noch nicht ganz sicher, ob wir etwas tun sollten. Schaden würde es nicht, nur das mein Sohn keine Lust auf sowas hat.

@Auguste Bekommt dein Sohn nun Ergotherapie auf Grund von AVWS? Oder wird sogar die Verarbeitungsgeschwindigkeit angegangen? Hat sich die Situation nun gebessert? Bei euch ist es ja ähnlich, dass die VG im Durchschnitt liegt und damit eigentlich ausreichen sollte. Hat dein Sohn unter der Diskrepanz gelitten?

Mein Sohn ist übrigens ein Kind, dass IQ-Tests nicht wirklich mag. Er gibt sich Mühe und verweigert nicht, jedoch hat er keinen Ehrgeiz dabei und muss nicht unbedingt zeigen was er kann. Ich weiß aber nicht, ob das etwas ausmacht. Er macht lieber die Dinge für die er sich interessiert und diese dann intensiv.

Im Moment stört es ihn auch überhaupt nicht langsam zu sein.



Bei meinem Sohn ist die Verarbeitungsgeschwindigkeit unterdurchschnittlich (83). Dass er (bei fast Allem) langsam ist, stört ihn selbst überhaupt nicht. Was meinen Sohn geärgert hat, waren die schlechteren Noten bei Tests und Klassenarbeiten, wenn er nicht alle Aufgaben geschafft hat. Die Aufgaben, die er geschafft hat, waren nämlich meist alle richtig.

Die Differenz zwischen AFI und KLI würde ich bei Euch als signifikant ansehen. Bei unserem Test gibt es extra eine Tabelle wo die Differenzen aufgelistet sind und es steht in der Spalte direkt daneben (Überschrift "signifikante Differenz", neben jeder Zahl: Ja oder Nein). Bei meinem Sohn ist die Differenz nur 12 Punkte und bei "Signifikante Differenz" steht "Ja".

Vom KJP hatten wir auch eine Empfehlung für Ergotherapie - aber eher so mach dem Motto "schadet nichts, kann man machen, muss man aber nicht.". Vorher sollten wir aber noch AVWS abklären. Die Pädaudiologin hat uns dann ganz klar gesagt, dass Ergotherapie für unseren Sohn reine Zeitverschwendung wäre. AVWS (zumindest die Teil-Störung, die mein Sohn hat) ist weder therapierbar noch heilbar. Bei Kindern mit schlechter Konzentration und AVWS könnte Ergotherapie was bringen, aber ein Konzentrationsproblem hat sie bei meinem Sohn nicht gesehen. Im Gegenteil, sie fand seine Konzentration und Aufmerksamkeit während der Tests sehr gut.

Die niedrige VG liegt bei meinem Sohn daran, dass er länger braucht, um mündliche Arbeitsanweisungen in die Tat umzusetzen und dass er sich von jedem kleinen Nebengeräusch ablenken lässt. Die Ablenkung liegt aber nicht an mangelndem Konzentrationsvermögen, sondern an AVWS. Ohne Umgebungsgeräusche wird mein Sohn auch nicht abgelenkt. Nur leider herrscht in einem Klassenraum mit fast 30 Schülern eher selten Totenstille.

Wir haben die Maßnahmen umgesetzt (bzw. nach einem Klassenwechsel in der Schule umsetzen lassen), die von der Pädaudiologin angeraten wurden. Mein Sohn hat jetzt ein Attest, dass er nah beim Lehrer sitzen muss. Er trägt bei Stillarbeiten Kopfhörer, die die Umgebungsgeräusche dämpfen und wenn er eine "Lärmpause" braucht, darf er den Klassenraum für ein paar Minuten verlassen und sich ausruhen. Außerdem hat mein Sohn Anspruch auf Nachteilsausgleich, den er aber derzeit gar nicht braucht. In letzter Zeit berichtete er sogar öfter, dass er mit einem Test vor Zeitablauf fertig war ;)

Eine Ergotherapie gegen Langsamkeit gibt es nicht. Wenn das Kind langsam ist, dann hat das eine Ursache. Diese Ursache gilt es herauszufinden. Wenn man die Ursache kennt, macht man dann Ergotherapie um die Ursache zu beseitigen/zu verbessern, was schlussendlich dazu führt, dass das Kind schneller wird. Ihr wisst aber gar nicht, warum das Kind langsam ist. Das lässt sich mittels IQ-Tests auch nicht herausfinden. Mit den IQ-Tests kann man nur herausfinden, dass eine Schwäche vorliegt - die Ursache verraten diese Tests aber nicht.

Wo habt ihr eigentlich der WISC V gemacht? Könntet ihr da nochmal nachfragen was für Euch jetzt sinnvoll wäre oder ob die Euch einen Ergotherapeuten empfehlen können?

Gruß
Auguste
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Re: Verarbeitungsgeschwindigkeit relativ gering

Beitragvon Rabaukenmama » Mi 27. Mai 2020, 11:52

Ein erfahrener Ergotherapeut kann die Ursache für langsames Arbeiten durchaus herausfinden und dann gezielt daran arbeiten. Das gehört ja zu seinem Beruf. Leider verbinden viele Menschen mit Ergotherapie nur die Besserung von grob- oder feinmotorischen Problemen. Dabei beinhaltet das weit mehr.
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Re: Verarbeitungsgeschwindigkeit relativ gering

Beitragvon jennifer » Mi 27. Mai 2020, 22:04

Rabaukenmama hat geschrieben:Ein erfahrener Ergotherapeut kann die Ursache für langsames Arbeiten durchaus herausfinden und dann gezielt daran arbeiten. Das gehört ja zu seinem Beruf. Leider verbinden viele Menschen mit Ergotherapie nur die Besserung von grob- oder feinmotorischen Problemen. Dabei beinhaltet das weit mehr.


Danke, dass war mir nicht bewusst. So kann ich natürlich gezielter nachfragen.

Auguste hat geschrieben:Wo habt ihr eigentlich deb WISC V gemacht? Könntet ihr da nochmal nachfragen was für Euch jetzt sinnvoll wäre oder ob die Euch einen Ergotherapeuten empfehlen können?


Der WISC war bei einer privat bezahlten Psychotherapeutin, die spezialisiert ist auf Hochbegabung. Da kann ich wahrscheinlich nachfragen und hoffe, dass sie uns einfach ohne gebuchte Beratung einen Tipp gibt.
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