Verarbeitungsgeschwindigkeit relativ gering

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Re: Verarbeitungsgeschwindigkeit relativ gering

Beitragvon Karen » Do 4. Jun 2020, 11:11

Meine Tochter ist so ein Beispiel wie aus einem strak verhaltensauffäligem Kind eins ohne grösseren Probleme wurde. Innerhalb den 3 Monaten, aber eigentlich schon nach 1 Woche Schule war der Unterschied riesig. Alle Schreianfälle (früher täglich an Tagesordnung), waren weg. Ganz weg - es gibt höhestens eins in 2 Monate, und nur wenn sie offensichtlich überreizt ist. Sie kann viel besser mit anderen kindern spielen und sie hat gelernt zu reagieren und sich zu spüren und zurückziehen, wenn es ihr zu viel wird. Vor einem Jahr was es alles für mich unvorstellbar. Wir haben ja hier zusammen über Asperger, ADHS und alles mögliche diskutiert. Es ist alles weg! Sie hat aber immer noch Schwierigkeiten sich zu Konzentrieren bei Aufgaben die ihr kein Spass machen oder sie anstrengend findet (schreiben) - sie kann es aber trotzdem, in der Schule und zu Hause wenn jemand neben ihr steht. Sie merkt es selber dass bei ihr eine Diskrepanz zwischen Konzentration (die vermutlich altesgerecht ist, im test war ihr VG als einziges Wert unter 130 gewesen - war aber um 110 - also immer noch in grünem Bereich) und zwischen der Fähigkeiten riesig ist. Wenn sie sich anstrengt, wird sie sehr unruhig, und manchmal blockiert sie sich selbst. Sie kann zum Beispiel eine komplizierte Gleichung in Kopf lösen (also die alle Zahlen im Kopf so Ordenen damit die Lösung einfach ausgerechnet werden kann) - aber dann nicht mehr wissen was 7+8 ist oder 3*6, obwohl sie beides sonnst Auswändig ohne nachdenken kann. Also, wie es wenn bei Komputer kein Operative Speicherplatz mehr vorhanden ist, auch für ganz einfach Aufgaben. Kennt das jemand? Interessant, das wir es auch im Sport beobachten. Sobald sie viele Wiederholüngen machen müssen und alleine Trainieren, stellt bei ihr das Denken ab, und sie macht fehler nach fehler und lernt dabei gar nichts mehr. Für uns ist es Momentan eine Gradwanderung zwischen fördern aber nicht überfördern. SIe kann in Mathe in der Schule alles machen aus älteren Klassen - meistens Aufgaben aus 4-5 Klasse passen ihr gut. Aber es kann auch scheitern, weil andere Abläufe nicht verinnerlicht sind, und das sie die Sachen die sie schon konnte manchmal wieder vergisst (1x1 konnte sie auswendig im Lockdown, und seit der Schle wieder normal lauft - nicht mehr).
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Re: Verarbeitungsgeschwindigkeit relativ gering

Beitragvon Rabaukenmama » Do 4. Jun 2020, 12:36

Katze_keine_Ahnung hat geschrieben:
Rabaukenmama hat geschrieben: Es ist Aufgabe der Eltern zu schauen, was dem Kind die meisten Probleme bereitet, und dann Lösungswege anzubieten und (trial and error) auszuprobieren. Später kann das Kind selbst entscheiden ob es Hilfen braucht und wie die aussehen sollen.


Aus meiner Erfahrung ist der gesellschaftliche MIssfit der größte Faktor an dem man drehen kann. Das bestimmt wie viel Motivation das Kind aufbringt, wie viel Spaß ihm das Miteinander macht, wie viel Kraft für die übrige Probleme übrig bleibt. Kann sein, dass ich was durcheinander bringe, aber ich glaube auch bei euch war es so, dass dein dein Älterer in zwei unterschiedlichen Horten wie zwei unterschieldliche KInder war.


Das stimmt. Und ohne Diagnose hätte er gar keinen Platz in dem Hort gekommen, wo er sich in den letzten 2 1/2 Jahren wirklich SEHR gut entwickelt hat. Obwohl es die Psychologin des ersten, sehr unpassenden Hortes war, die (3 Jahre nach den falschen Negativ-Diagnosen) erst mal zur Diagnostik geraten hat, haben die HortBETREUERINNEN dort bis zuletzt geglaubt, mein Sohn wäre auf Grund falscher Erziehung so "schwierig" :x .

Vorgestern habe ich übrigens einen netten Brief an die Haupt-Hortbetreuerin meines Sohnes geschrieben, wo ich mich für ihren Einsatz (der oft über die Aufgaben einer Hortbetreuerin hinaus ging) ausdrücklich bedankt habe. Ich finde, es ist wichtig, nicht nur zu meckern wenn was nicht klappt, sondern auch anzuerkennen, wenn wer wirklich sehr gute Arbeit leistet :) .

Es ist oft das missfit, da gebe ich Dir recht. Aber mit dem Wissen um die individuellen Schwierigkeiten eines Kindes kann man zumindest einen Teil dieser missfits beenden. Ich erinnere mich an viele Situationen hier, wo Kinder in einer neuen Lern- oder Betreuungsumgebung plötzlich wie ausgewechselt waren - sowohl positiv als auch negativ. Karens Tochter ist ein Beispiel, wie es positiv laufen kann, ich erinnere mich aber an einen alten Thread, wo es genau umgekehrt war (im Kindergarten beliebtes, integriertes Kind wird nach der Einschulung zum auffälligen Außenseiter).

Es kommt IMMER darauf an, wie gut Situation und Kind zusammenpassen. Da kann man durchaus Glück haben und ein Kind kommt (mehr oder weniger zufällig) in eine passende Umgebung, wo keine Rolle spielt, ob jetzt eine Hochbegabung, eine Wahrnehmungsstörung oder beides vorhanden ist. Aber manche Wege (wie z.B. der jetzige Hort) bleiben Kindern ohne Diagnose schlichtweg verwehrt. Und allein DAFÜR hat sich ausgezahlt, die Diagnostik auch nach falscher Negativ-Diagnosen nochmals anzugehen. Ansonsten hatten wir - rein von den äußeren Umständen her - durch die Diagnosen keine besonderen Vorteile. Sowohl die Kinderpsychologin als auch das Neurofeedback war trotzdem privat zu bezahlen. In der Schule war mein Sohn von Haus aus in einer Integrationsklasse, wo er immer noch als Regelschulkind geführt wird. Ich erinnere mich noch gut, als ich der Klassenlehrerin gesagt habt, dass mein Sohn jetzt auch noch eine ADHS-Diagnose hat. Sie meinte mit einem Augenüberdreher dazu nur "Na so was!" - was nichts anderes bedeutet hat, als dass ihr das ohnehin schon längst klar gewesen war. Ich habe es ihr nicht übel genommen, weil sie eine der Personen ist, die meinen Sohn einfach mögen - so, wie er nun mal ist. Mein Sohn bekommt keinerlei Nachteilsausgleiche. Die einzige "Extrawurst" in der Schule ist, dass er vom Teamsport im Turnunterricht befreit ist, weil ihn das sehr stresst und er das Zusammenspiel einfach nicht kapiert. Das war aber auch schon vor den Diagnosen so vereinbart und dafür bekommt er auch immer eine 2 im Turnen.
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Re: Verarbeitungsgeschwindigkeit relativ gering

Beitragvon sinus » Do 4. Jun 2020, 16:04

Karen hat geschrieben: Sie kann zum Beispiel eine komplizierte Gleichung in Kopf lösen (also die alle Zahlen im Kopf so Ordenen damit die Lösung einfach ausgerechnet werden kann) - aber dann nicht mehr wissen was 7+8 ist oder 3*6, obwohl sie beides sonnst Auswändig ohne nachdenken kann. Also, wie es wenn bei Komputer kein Operative Speicherplatz mehr vorhanden ist, auch für ganz einfach Aufgaben.

Kennt das jemand?

Interessant, das wir es auch im Sport beobachten. Sobald sie viele Wiederholüngen machen müssen und alleine Trainieren, stellt bei ihr das Denken ab, und sie macht fehler nach fehler und lernt dabei gar nichts mehr. Für uns ist es Momentan eine Gradwanderung zwischen fördern aber nicht überfördern. SIe kann in Mathe in der Schule alles machen aus älteren Klassen - meistens Aufgaben aus 4-5 Klasse passen ihr gut. Aber es kann auch scheitern, weil andere Abläufe nicht verinnerlicht sind, und das sie die Sachen die sie schon konnte manchmal wieder vergisst (1x1 konnte sie auswendig im Lockdown, und seit der Schle wieder normal lauft - nicht mehr).


...das deckt sich gut mit meinen Beobachtungen beim meiner Großen! Die scheitert dann plötzlich auch oft an einfachen Kopfrechenaufgaben oder übersieht dann einfach mal, ob es sich nun um 10er oder 100er handelt.

Ich kenne ähnliches bei mir selbst beim Instrumentüben oder aktuell beim Trainieren des 10-Finger-Tippens.
Da gibt es immer eine Phase, in der es noch nicht fest "sitzt", aber schon nahe dran am Stadium, wo es automatisiert funktioniert.
Genau da klappt dann etwas plötzlich nochmal sehr viel schlechter als vorher, als man noch mit hoher Konzentration und vollem geistigem Einsatz dran gearbeitet hat.
Dann hatte man zunächst Erfolge, kann bspw eine schwierige Stelle, fängt aber an zu "schwimmen", sobald man nicht mehr voll bei der Sache ist - vermutlich, weil man sich gedanklich nicht mehr so auf die Stelle/Sache konzentriert und schon weiter denkt. Und plötzlich klappt etwas, was man vermeitlich schon konnte, wieder schlecht bis gar nicht.
Bis man es schließlich so weit automatisiert kann, dass es ohne geistigen Einsatz quasi von allein läuft.

Wenn ich aktuell meine 10-Finger-Tippen-Übungen mache, sind meine ersten Übungen am Tag immer erstmal ziemlich gut, da denke ich nämlich noch gut mit bzw bremse meine Gedanken so, dass sie mit der Motorik gleichauf sind.
Dann kommen 2, 3 schlechte Lektionen, ehe ich wieder besser werde. Oft sind das dann richtige deutliche Einbrüche in der Übestatistik!
Das ist dann immer so, dass die Finger schon alleine arbeiten, ohne dass meine Gedanken direkt am Finger sind. Oft bin ich dann nämlich mit dem Kopf schon beim nächsten und übernächsten Buchstaben und vertippe mich dann bei dem, der eigentlich dran ist. Drum passieren dann viele/wieder mehr Fehler.

Wie gesagt - beim Instrument ist das auch so.
Da hilft leider wirklich nur Übung, bis die nötigen Bewegungsabläufe WIRKLICH automatisiert funktionieren, also ohne bewusstes Denken/Konzentrieren.

Ich kann mir gut vorstellen, dass das gerade für Kinder sehr frustrierend ist, weil man ja zunächst schonmal ein (oft schnelles!) Erfolgserlebnis hatte und glaubt, nun hätte man es doch drauf.
Dann ist man gedanklich schon beim nächsten Schritt. Und dann bremst einen dieser doofe Bewegungsapparat, der einfach mit dem Kopf noch nicht Schritt hält bzw weil es noch nicht automatisiert ist!

Ich habe meiner Tochter (bzw beiden – vor allem im Zusammenhang mit dem Stücke Üben fürs Instrument) das direkt erklärt, was da im Kopf abläuft.
Und dass sich die Verknüpfungen im Gehirn dann auch bei ersten Erfolgen erstmal etablieren müssen, ehe man etwas zuverlässig kann.
Da muss man dann nicht nur weiter üben, sondern oft auch eine Nacht drüber schlafen. (Im Schlaf passiert ja bekanntermaßenviel im Gehirn.)
(Das passiert echt sooo oft, dass eine Stelle im Stück am nächsten Tag dann plötzlich "flutscht". Gerade bei den Kindern beobachtet ich, dass dieses Lernen bei denen wirklich sehr viel schneller geht, als bei mir...)
Diese Erklärung schützt zwar leider nicht vor dem Erleben von Frust über den Misserfolg, aber bietet immerhin eine Erklärung jenseits von "ich bin einfach zu dumm dafür!"

Es ist übrigens dann auch besser, immer wieder viele kurze Übungseinheiten zu machen, als etwas ganz intensiv lange zu üben.
Auch das fällt meiner Tochter schwer, sie verbeisst sich dann eher in eine Aufgabe/Übung.

Sie musste ja für die Schule Jonglieren lernen. Da war es ähnlich. Auch da gabs zwischendrin deutliche Verschlechterungen beim Werfen und Fangen der Bälle.
Statt ewig zu üben hab ich sie dann mehrmals am Tag erinnert, doch zwischendurch einfach mal 5- Minuten dran zu arbeiten.
Schließlich hatte sie es dann tatsächlich wie erhofft innerhalb eine Woche gelernt. (was sie vorher bezweifelte, dass das geht!)

Wenn dich das interessiert, dann google mal nach "Lernkurve".
Und auch Manfred Spitzer beschäftigt sich bspw in seinem Buch "Digitale Demenz" intensiv und detailliert mit den Vorgängen im Gehirn beim Lernen.
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Re: Verarbeitungsgeschwindigkeit relativ gering

Beitragvon Karen » Do 4. Jun 2020, 16:59

Rabaukenmama hat geschrieben: Karens Tochter ist ein Beispiel, wie es positiv laufen kann, ich erinnere mich aber an einen alten Thread, wo es genau umgekehrt war (im Kindergarten beliebtes, integriertes Kind wird nach der Einschulung zum auffälligen Außenseiter).

Rabaukenmama - damit es zu keinen Misverständnissen kommt - nach der Einschulung nach der Frühlingsferien lief es bei ihr super, und dann nach der Sommerferien hatte ihre Klasse 10 neue Kinder da es eine Mehrjahrgangklasse war. Zwei Kinder haben meine Tochter über 1 Monat ausgeschlossen und gemobbt - auf Grund von ihrem alter, kleiner grösse, überspringen und überdurchschnittlichen motorischen fähigkeiten die auch zu Neid geführt haben. Eins davon war ihre ehemalige beste Freundin in KIGA. Wir vermuten dass der Verhalten deren Eltern dazu geführt hat. Während dieser Zeit ging der Tochter wieder nicht gut, und teil der Sympthome sind wieder gekommen, die in Frühling und Sommer weg waren. Wir wussten die Hintergründe am Anfang nicht. Sobald wir die Situation richtig verstanden haben (zum Glück konnte ich zufällig auf der Schulweg so einiges beobachten) und es zurück an der Schule gemeldet haben, hat die Schule ssofort interveniert, und durch mehrere Gespräche mit der ganze Klasse die Situation verbessert. Nach der Herbstferien was der Welt wieder in Ordnung, und so bleibt es auch jetzt. Wir wurden eigentlich gewarnt von der Psychologin dass sowas passieren könnte und es ungefähr 3-6 Monaten Zeit braucht damit alle (auch andere Kinder) ihre Position gefunden haben. So war es auch. Was ich sicher bin dass die Unsicherheit meiner Tochter auch dazu beigetragen hat, dass sie sich nicht wehren konnte. Diese Unsicherheit und niedriges Selbstgefühl kommt bei ihr durch Jahren von Misfit in Kita und Kiga, und vermutlich unsere unbewusstes kleinreden ihren Fähigkeiten, die sie ja auch wieder versteckt hat (rückwertige enwiklung war bei ihr sehr deutlich). Ich bin mir sicher dass wir vieles ihr ersparrt hatten können, wenn wir sie früheingeschult hatten. Es war und ist aber ohne Abklärung und Einsatz der Psychologin hier unmöglich. Und durch den Anpssungstrategie der Tochter die in der 1 Kiga Jahr gut funkzionert hat, war es auch für uns nicht möglich der Ausmass der Leiden wirklich zu verstehen. Wir hatten lieber alles unter auffäliges Verhalten, High Needs Kind, ADHS verdacht usw. abgetan, gefreut dass sie in der Kiga nicht auffällig war (nur zu Hause), statt HB abzuklären und die änderungen zu bezwingen, da wir geglaubt haben dass wir ja sowieso nichts machen oder ändern können. Ich hatte zu viel Angst ein Eislaufmutter zu sein, da ich perfekt ins Profil passe (Herkunft, Doktortitel, erfolgreiche Arbeit, immer mal wieder Medienpräsenz, usw.). Jetzt ist es mir egal. Ich habe immer noch sehr sensibles und nicht einfaches Kind, die aber glücklich ist, und die Unterstützung bekommt die sie braucht um weiter zu kommen. Es kann sein dass sie nächstes Jahr wieder in Misfit ist, da die Klasse wieder neue zusammengewürflet wird, die Klasselehrerin wechselt, die Anforderungen steigen und Konzentration sich nicht verbessert. Ich würde da aber viel schneller reagieren und sicher nicht warten bis ihr wieder schlecht geht, da ich weiss immer besser was das Kind braucht, und mein eigenes Image mir mittlerweile völlig egal ist.
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Re: Verarbeitungsgeschwindigkeit relativ gering

Beitragvon Karen » Do 4. Jun 2020, 17:09

Sinus - danke für deine Ideen! Ich muss mir die Lernkurven anschauen. Ich selber lerhne anderes, deshalb war es mir nicht so bewusst. Bei meiner Tochter ist es offensichtlich, dass die Fähigkeiten die sie hat oder neue gelernt hat, sie wieder nach 2-3 Monaten nicht gebrauch wieder vergessen werden. So ist es bei meiner Muttersprache (die sie nicht spricht aber versteht) nach Ferienbesuchen meiner Familie, mit Velofahren (sie konnte es mit 3, mit 5 aber nicht mehr, und jetzt wieder kann sie es), Lesen (mit 3 konnte sie lesen, mit 4 dann nicht mehr, mit 5/6 hat sie es wieder gelernt), Turnübungen und Abläufen, 1x1. Bei anderen Sachen, lernt sie es und sie kann es und die Fähigketein bleiben (skifahren, schwimmen, klettern, rechnen). Ich kann kein Zusammenhang finden ausser das Spass faktor. Und eben die Verarbeitungsgeschwindigkeit bei lernen. Alles was sie sehr schnell gelernt hat bleibt eher.
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Re: Verarbeitungsgeschwindigkeit relativ gering

Beitragvon sinus » Do 4. Jun 2020, 17:20

Karen hat geschrieben:Sinus - danke für deine Ideen! Ich muss mir die Lernkurven anschauen. Ich selber lerhne anderes, deshalb war es mir nicht so bewusst. Bei meiner Tochter ist es offensichtlich, dass die Fähigkeiten die sie hat oder neue gelernt hat, sie wieder nach 2-3 Monaten nicht gebrauch wieder vergessen werden. So ist es bei meiner Muttersprache (die sie nicht spricht aber versteht) nach Ferienbesuchen meiner Familie, mit Velofahren (sie konnte es mit 3, mit 5 aber nicht mehr, und jetzt wieder kann sie es), Lesen (mit 3 konnte sie lesen, mit 4 dann nicht mehr, mit 5/6 hat sie es wieder gelernt), Turnübungen und Abläufen, 1x1. Bei anderen Sachen, lernt sie es und sie kann es und die Fähigketein bleiben (skifahren, schwimmen, klettern, rechnen). Ich kann kein Zusammenhang finden ausser das Spass faktor. Und eben die Verarbeitungsgeschwindigkeit bei lernen. Alles was sie sehr schnell gelernt hat bleibt eher.


Solche Schwankungen habe ich bei meiner Großen in den ersten Lebensjahren sehr oft beobachtet. Beim gezielten Greifen, beim Laufen, beim Sprechen, beim Malen, beim Puzzeln, beim Lesen...
Sie konnte was und das meist ungewöhnlich früh, dann verschwand es erstmal wieder und dann kam es plötzlich wieder.
Eine richtige Erklärung konnte ich damals nicht dafür finden.
Evtl hat es mit der Hirnentwicklung zu tun. Das Potential, das Neues zu lernen/machen ist dann da, ein Lernfenster ist offen, man kann etwas theoretisch nun lernen/können, weil gewisse Vorarbeiteten geleistet wurde/Entwicklungsprünge gemacht wurden.
Aber es ist eben damit noch lange nicht "etabliert" und muss erst noch zur "Relevanz-Prüfung", ehe sich da im Hirn zuverlässige, dauerhaftere Bahnen bilden.
Vielleicht "probiert" das Gehirn ja dann auch erstmal noch verschiedenes Weiteres aus und legt etwas zeitweise erstmal wieder beiseite.
Aber ich bin kein Neurologe. Ich kann da nur wild spekulieren.

Ganz wichtig fürs Lernen ist natürlich emotionale Beteiligung, alles, was mit Gefühlen verbunden ist, wird sehr viel besser gelernt. (Ebenso lernt man etwas besser, wenn mehrere Sinne/Gehirnbereiche dafür zum Einsatz kommen, aber das weiß du sicherlich alles selbst auch schon)
Du selbst lernst evtl auch deswegen anders, weil du kein Kind mehr bist. Lernen im kindlichen Gehirn funktioniert etwas anders, als bei uns Erwachsenen.
(Verkürzt gesagt: wir nutzen eher die schon vorhandenen Strukturen neu, Kinder bauen dagegen ganz neue auf bzw haben noch sehr viel mehr Möglichkeiten der Vernetzung und Verknüpfung zur Verfügung. Später wird dann viel davon "entsorgt", was nie/nicht genutzt wird. Darum ist es so wichtig, möglichst viele Bereiche schon im kindlichen Gehirn zu "stimulieren", denn dann können wir später darauf zurückgreifen und lebenslang besser Neues lernen. Und sind weniger anfällig für Demenz bzw macht sich der geistige Abbau später bemerkbar, wenn wir eine höhere "Ausgangsbasis" haben. "Digitales Lernen" übrigens eignet sich eher wenig zur Stimulation des kindlichen Gehirns, weil eben weniger Sinne angesprochen werden, als beim "analogen" Lernen bspw Naturerlebnis, Handwerk etc.)
Auch dazu empfehle ich noch mal Manfred Spitzers Buch siehe oben. Da erklärt er das sehr ausführlich und wissenschaftlich.
Zuletzt geändert von sinus am Do 4. Jun 2020, 18:00, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Verarbeitungsgeschwindigkeit relativ gering

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Do 4. Jun 2020, 17:47

Ich habe als Hypothese, dass es mit nicht linearem Lernen zu tun hat. Solche Kinder behalten nur Themen im Langzeitgedächtnis, die sich im Rahmen der Lösung eines konkreten Problem sich erarbeitet haben. Sie weigern sich das Lehrbuch von der Seite 1 bis Seite 99 zu bearbeiten. Angefangen wird eher bei der Seite 95 bei einer komplizierten Aufgabe, die nach aktuellem Stand des Wissens nicht annähend löslich ist. Sie arbeiten so gut es geht weiter nach hinten, aber eben nicht linear, sondern sprunghaft. Nur das was hier und jetzt gerbaucht wird, wird durchgelesen. Ich gehöre zu diesem Lerntyp, mein älterer Sohn auch. Lernt ein Kind zufällig das was es nicht interessiert, so zu sagen aus Versehen, verschwindet die Fähigkeit. Weil das Kind sich diese Aufgabe nie gestellt hat, wird die Fähigkeit nicht gebraucht, das gelernte nicht gefestigt.
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Re: Verarbeitungsgeschwindigkeit relativ gering

Beitragvon sinus » Do 4. Jun 2020, 18:01

Katze_keine_Ahnung hat geschrieben:Ich habe als Hypothese, dass es mit nicht linearem Lernen zu tun hat. Solche Kinder behalten nur Themen im Langzeitgedächtnis, die sich im Rahmen der Lösung eines konkreten Problem sich erarbeitet haben. Sie weigern sich das Lehrbuch von der Seite 1 bis Seite 99 zu bearbeiten. Angefangen wird eher bei der Seite 95 bei einer komplizierten Aufgabe, die nach aktuellem Stand des Wissens nicht annähend löslich ist. Sie arbeiten so gut es geht weiter nach hinten, aber eben nicht linear, sondern sprunghaft. Nur das was hier und jetzt gerbaucht wird, wird durchgelesen. Ich gehöre zu diesem Lerntyp, mein älterer Sohn auch. Lernt ein Kind zufällig das was es nicht interessiert, so zu sagen aus Versehen, verschwindet die Fähigkeit. Weil das Kind sich diese Aufgabe nie gestellt hat, wird die Fähigkeit nicht gebraucht, das gelernte nicht gefestigt.


Ja, das klingt plausibel!
(Und passt zum Verhalten meiner Tochter. Vor allem der Großen. Sie weigert sich ja oft sogar, Dinge zu lernen, die für sie gerade keine Relevanz haben. Evtl auch deshalb findet sie Schule so doof, denn da ist diese Art des Lernens ja der Normalzustand.)
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Re: Verarbeitungsgeschwindigkeit relativ gering

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Do 4. Jun 2020, 21:54

@sinus

adaptives Lernen ist eine extreme Stärke, die einen sehr effizient und umsetzungsstark macht. Wenn deine Große über diese Gabe verfügt, wird sie bis zum Ende der Mittelstufe wissen, was, wann und wo sie lernen muss, um gut durch die Schule zu kommen. Die Sache hat wie alles eine Rückseite. Ich schätze, dass Minimalismus dabei fast eine zwingende Konsequenz ist. Man weiß nicht nur was man braucht. Man weiß auch was man, zumindest im Moment, nicht braucht.
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Re: Verarbeitungsgeschwindigkeit relativ gering

Beitragvon Meine3 » Do 4. Jun 2020, 23:25

Mein Sohn und ich sind auch definitiv keine linearen Lerner.

Deswegen lerne ich am liebsten autodidaktisch. Ich hätte bspw. nie in einen Nähkurs für Anfänger oder Ähnliches belegen können. Das hätte mich völlig mürbe gemacht und dazu geführt, dass ich schnell das Interesse daran verliere.

10-Finger System habe ich mir als Kind (3.-4. klasse etwa) auf ner elektrischen Schreibmaschine mit einem Buch beigebracht. Was soll ich sagen? Die ersten Seiten mit asdf und jklö habe ich übersprungen und nur angelesen, um dann in Kapitel 2 einzusteigen.:lol:...Das ging das ganze Übungsbuch hindurch so.

Ich lerne, indem ich einfach da ansetze, wo mein Interesse liegt. Und dann arbeite ich mich nach oben, dann wieder zurück (weil doch noch was fehlt) um dann wieder 3 Kapitel zu überspringen. Ich lese auch Sachbücher auf diese Art und Weise :schwitz:. Das resultiert dann manchmal im Nachhinein In lückenhaften (Basis-)Wissen, andererseits ist es aber schnell erworben und in den Bereichen, die für mich von Belang sind, sehr in die Tiefe gehend und detailliert.

Mein Sohn lernt (leider?!) ebenso. Mathe und Physik sind für ihn spannend, oft aber Bereiche, die weit ab von dem
erwarteten Niveau liegen, wie Bruchrechnen mit 5 oder Quasratzahlen und Wurzeln Anfang des 1. Schuljahres, sowie mittelschwere Erwachsenen-Sudokus. ABER beim Grundwissen (rechnen im 20er Raum oder 2- und 3 stellige Zahlen LESEN, zum Beispiel), da setzt es dann völlig aus. Was er mit 4 konnte (eben im 10-20er Raum addieren und subtrahieren) ist jetzt oft seeeeehr mühselig. Da haperts dann schlicht an der Konzentration und es wird ein Flüchtigkeitsfehler nach dem anderen rein gehauen.

Oft versteht er auch die Eingangsübungen bei einem neuen Thema dahingehend falsch, dass er 1-2 Grundschritte überspringt und die Aufgabenstellung so versteht, wie sie erst 1-3 Tage später dann als Aufgabe von der Lehrerin gestellt werden. Er hat oft Probleme mit den Zwisxhenschritten, die sie machen sollen, da dies für ihn ein zusätzliches nachdenken bedeutet und es auf ihn wie ein künstliches einbauen von Stolpersteinen wirkt. Was für die meisten Kindern eine Hilfe beim begreifen darstellt, ist für ihn nutzloses und verwirrendes „um die Ecke denken“. In Sachen Biologie wollte auch als 1. die Anatomie des menschlichen Herzens und des Atmungssystems erkunden, um dann danach zu erfragen wie überhaupt der menschliche Körper aufgebaut ist (Knochen, Muskelgewebe, Nervensystem etc.). Mir ist schon sehr früh aufgefallen dass er nicht linear lernt und begreift und erst dann ist mir aufgefallen, dass ich das auch nie getan habe.

Ich muss sagen, dass mir das schon öfter im
Leben Schwierigkeiten bereitet hat (Schule, etc.) und dass ich eigentlich gern anders ticken würde. Aber wenn ich versuche „hierarchisch“ zu lernen, ertappe ich mich immer dabei, dass ich früher oder später doch wieder anfange ganze Kapitel oder Themenbereiche zu überspringen, da mir fürs stupide gradeaus lernen einfach die Geduld und daraus resultierend die Konzentration fehlt :mrgreen:.

Ich verstehe meinen Sohn diesbezüglich also sehr gut, Ihm zu „helfen“ strukturierter oder flächendeckender und basusorientierter vorzugehen, fällt mir jedoch oft schwer. Auch wenn ich nachvollziehen kann, dass dies in machen Bereichen (Mathe, Grundstein der Rechenregeln im 1. Und 2. Schuljahr als Beispiel) viel mehr Sin ergibt und ne Menge Ärger ersparen kann.
Es kann sein, dass nicht alles wahr ist, was ein Mensch dafür hält, denn er kann irren, aber in allem, was er sagt, muss er wahrhaftig sein.
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