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Verarbeitungsgeschwindigkeit relativ gering

BeitragVerfasst: Fr 22. Mai 2020, 23:30
von jennifer
Hallo zusammen,

es geht um meinen großen Sohn 8 Jahre, der nun in die zweite Klasse geht. Wir haben mit 6 Jahren einen IQ-Test gemacht, da die Erzieherinnen darauf gedrängt haben. Er wurde jedoch ganz normal eingeschult und gehört als Winterkind eher zu den älteren in der Klasse.

Der IQ-Test war WISC-V (HAWIK-V). Als Gesamt-IQ kam ein deutlich überdurchschnittlicher Wert (120-130) heraus.
Sprachverständnis 120-130
Visuell Räumlich > 130
Fluides Schlussfolgern 110 - 120
Arbeitsgedächtnis 110 - 120
Verarbeitungsgeschwindigkeit 90-100

Nicht mit eingeflossen sind die Untertests Allgemeines Wissen und Allgemeines Verständnis, die weit über 130 lagen.

Bei der Verarbeitungsgeschwindigkeit kam nun einer Unterschied von 35 IQ-Punkten zum Gesamt-IQ heraus. Zu den Höchstwerten aus der Viseull-Räumlichen-Verarbeitung sind es dann sogar 49 Punkte Unterschied.

Damals bei dem Test wurde uns geraten, dass wir mit unserem Sohn Schnelligkeit trainieren sollten bzw. versuchen sollte an Ergotherapie zur Schnelligkeit heranzukommen, da die Diskrepanz zwischen den Werten zu Problemen führen kann, bzw. dafür sorgen, dass er sich unwohl fühlt, da er nicht das erreichen kann, was er vom Intellekt könnte. Wir haben darauf jedoch verzichtet.

Es kam tatsächlich so, und in der ersten Klasse, war alles super nur die Langsamkeit wurde im Elterngespräch angesprochen. In Klasse 2 besserte sich die Geschwindigkeit etwas (er kam in Tests und anderen Tätigkeiten nun ganz gut mit). Jetzt mit der Coronapandemie und der Schulaufgabenbetreuung daheim ist mir jedoch die Langsamkeit extrem aufgefallen. Er hat massive Probleme etwas schnell zu machen. Besonders in Deutsch geht es kaum voran. So bald ein paar Wörter geschrieben werden müssen, dauert es Stunden. Er ist jedoch eher ein guter Schüler in Deutsch. Er hat eine sehr gute Rechtschreibung und kann sehr gut lesen.

Ich dachte nun er hätte eine Aufmerksamkeitsproblem und habe dem Kinderarzt meine Beobachtung bei der Schulaufgabenbetreuung mitgeteilt. Da wir wegen der Langsamkeit bereits im Gespräch waren, wurde ein BUEVA-Test durchgeführt. Dort kam heraus, dass er definitv kein Aufmerksamkeitsproblem hat. Er hat den Aufmerksamkeitsteil fehlerfrei durchgeführt (das kommt wohl nicht oft vor). War jedoch sehr langsam dabei. Bei der Anzahl richtig gelöster Aufgaben in einer bestimmten Zeit war der T-Wert 30-40. Bei den Fehlerprozent war der T-Wert > 75.
Seltsamerweise war der Gesamt-IQ mit T-Wert von 40-50 (also IQ von 85 -100 ).
Im Verbalteil war der T-Wert sogar < 30 (IQ von 55 - 70).
Im Nonverbalen war der T-Wert > 60 (IQ 115 - 130).
Ich habe meinem Sohn zu dem IQ-Test gefragt, und er meinte, dass es teilweise Schnelligkeit ankam und er nicht genug Zeit hatte nachzudenken. Er hat sich bei dem Test angestrengt und so gut es ging alle Aufgaben bearbeitet.

Nun zu meinen Fragen.
  1. Was bedeutet es, wenn ein Kind eine relativ geringe Verarbeitungsgeschwindigkeit hat und kein Konzentrationsprobleme? Ist das womöglich doch ADS oder ein anderes Krankheitsbild? Ist der BUEVA-Test aussagekräftig?
  2. Wie können wir mit ihm üben, dass er schneller wird? Ich habe ein bisschen die Befürchtung, dass er durch seine gute Intelligenz die Langsamkeit ganz gut kompensieren kann, aber womöglich bekommt er in den nächsten Klassenstufen Probleme. Außerdem finde ich es schade, dass er oft durch die Langsamkeit nicht als guter Schüler wahrgenommen wird. Die Klassenarbeiten spreche eine andere Sprache, aber beispielsweise benötigt er für die einfachen Aufgaben viel Zeit, und kommt so nie zu den Sternchenaufgaben, obwohl er die viel besser/lieber bearbeiten würde.
  3. Ist der IQ-Wert aus dem BUEVA-Test aussagekräftig? Warum ist die Diskrepanz zwischen BUEVA-IQ und WISC-IQ so groß? Die Werte unterscheiden sich quasi um 30 IQ-Punkte im Gesamt-IQ. Im Verbalen Teil sogar um 60 IQ Punkte.

Re: Verarbeitungsgeschwindigkeit relativ gering

BeitragVerfasst: Sa 23. Mai 2020, 11:01
von Auguste
Hallo Jennifer und herzlich willkommen hier im Forum :)

Wenn die Verarbeitungsgeschwindigkeit derart von den anderen Werten abweicht, ist das durchaus ein Zeichen dafür, "dass da was ist". Das muss nicht ADS sein. Dagegen spricht, dass dein Sohn keine Aufmerksamkeitsprobleme hat.

Die Beschreibung Deines Sohnes klingt sehr nach meinem Sohn. Bei ihm liegen auch 49 Punkte zwischen höchstem und niedrigstem Wert und das Niedrigste ist die Verarbeitungsgeschwindigkeit (VG 83 beim WISC V mit 9 Jahren). Auffällig war bei meinem Sohn, dass er in den auditiven Teilen des Tests deutlich schlechter abgeschnitten hat. So härt sich das bei Deinem Sohn auch an - verbaler Teil schlecht, nonverbaler Teil super.

Bei meinem Sohn wurde dann AVWS festgestellt (auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung). Mein Sohn kann Störgeräusche aus der Umgebung nur schlecht herausfiltern. Dadurch versteht er oft einen Sprecher nicht - insbesondere dann, wenn er ihn nicht sieht oder weit weg sitzt (letzte Reihe im Klassenraum). Außerdem ist die Weiterleitung und Verarbeitung von Sprache gehemmt. Er braucht also länger, um mündlich gestellte Arbeitsanweisungen umzusetzen. Dadurch braucht er auch ewig, um fertig zu werden. Wenn alle anderen Kinder in der Klasse schon schreiben, sitzt er noch da und überlegt, was er machen muss. Und wenn er dann mal arbeitet, lässt er sich von jedem kleinen Geräusch ablenken - weil es nicht ausblenden kann. Da stört jedes Umblättern, Füße scharren, offenes Fenster...

Die Schulsituation von Deinem Sohn kommt mir sehr bekannt vor ;) Mein Sohn schafft auch nie die Sternchenaufgaben obwohl er die viel lieber machen würde als den langweiligen Kram. Schlau und langsam ist eine blöde Kombination. :roll:

Mit dem BUEVA-Test kenn ich mich nicht aus. Mein Sohn hat nur den WISC V gemacht. Ich würde empfehlen, auf jeden Fall weiter schauen, was die Ursache für die niedrige Verarbeitungsgeschwindigkeit ist. Mein Sohn hat den IQ-Test im Rahmen einer umfassenden Diagnostik beim Kinder- und Jugendpsychiater gemacht (ursprünglich stand AD(H)S im Raum). AVWS hat dann der KJP aufgrund der Ergebnisse vermutet und es bestätigte sich nach einem weiteren Test beim Pädaudiologen. Es muss natürlich nicht sein, dass es bei Euch das Gleiche ist, aber es gibt auch noch andere Dinge als ADS, die ein Kind langsam machen und unkonzentriert erscheinen lassen. Das gilt es nun herauszufinden. Ich würde mich da auch nicht mehr nur auf den Kinderarzt verlassen, sofern der nicht zufällig auch Kinder- und Jugendpsychiater ist.

Gruß
Auguste

Re: Verarbeitungsgeschwindigkeit relativ gering

BeitragVerfasst: Sa 23. Mai 2020, 12:35
von alibaba
Hallo,

Der BUEVA ist ja nur dazu gedacht, Entwicklungsstörungen zu erkennen. Es ist kein IQ-Test.

https://biss-sprachbildung.de/btools/ba ... -bueva-ii/

Nehme ich jetzt diese Ergebnisse ( IQ um 85-100) passt das ja wieder zum IQ-Test WISC wo ja ebenfalls die Verarbeitungsgeschwindigkeit bei 90-100 lag. Und ich finde 90-100 ist normal und nicht auffällig.

Ich würde den Vorschlag aufgreifen und Ergotherapie angehen. So habt Ihr auch noch mal eine kompetente Person die mit anderen Augen auf dein Kind schauen kann und eventuelle Auffälligkeiten erkennen oder anders einordnen kann. Außerdem schadet es nichts. Die Damen dort sind meistens sehr taff eben weil sie so viele Kinder sehen.

Ich würde das angehen und danach werdet Ihr sehen in welche Richtung Ihr weiter suchen müsstet. Ich würde das als weitere Möglichkeit nicht ausschlagen.

Re: Verarbeitungsgeschwindigkeit relativ gering

BeitragVerfasst: Sa 23. Mai 2020, 13:57
von Maca
Hallo,

Vielleicht geht es in Richtung Dyspraxie?

https://li.hamburg.de/contentblob/45072 ... praxie.pdf

Re: Verarbeitungsgeschwindigkeit relativ gering

BeitragVerfasst: Sa 23. Mai 2020, 17:22
von Auguste
Nachdem ich jetzt mal in den Link von alibaba reingeschaut habe, frage ich mich, wieso man bei einem 8-Jährigen einen Test macht, der für 4-6,5-Jährige gedacht ist? Wie will man den Test vernünftig auswerten? Da wundert es mich nicht, dass der Junge den Aufmerksamkeitsteil fehlerfrei absolviert hat. 8-Jährige haben schließlich eine ganz andere Aufmerksamkeitsspanne als 4 bis 6-jährige Kinder.

Außerdem zitiere ich mal:
" … Bei der Interpretation der Ergebnisse ist zu beachten, dass Diagnosen wie eine Lernbehinderung oder geistige Behinderung nicht allein auf der Grundlage der BUEVA-II gestellt werden sollten. Wenn ein Kind in dem Test sehr schwach abschneidet, so sollte eine ausführlichere Diagnostik mit einem umfangreicheren Intelligenztest erfolgen. Weiterhin ist der Test nicht geeignet, um überdurchschnittliche Begabungen zu diagnostizieren. ..."

Schwach abgeschnitten hat das Kind zwar nur in Teilbereichen, das Gesamtergebnis erscheint durchschnittlich also "normal", aber wenn in einem Teil ein IQ-Wert von 115-130 (überdurchschnittlich begabt) herauskommt und in einem anderen nur 55-70 (unterdurchschnittlich begabt bzw. 50-69 wäre sogar eine leichte Intelligenzminderung), dann stimmt da was nicht. Entweder liegts am Test oder Tester, oder das Kind hat ein Problem, was noch nicht erkannt wurde. Bei dem Ergebnis würde ich nachhaken und jetzt eine Diagnostik beim Fachmann/Fachfrau anstreben. Wo dann bei mir wieder die Frage aufkommt, welche Qualifikation der Kinderarzt zur Durchführung solcher Tests hat?

Gruß
Auguste

Re: Verarbeitungsgeschwindigkeit relativ gering

BeitragVerfasst: So 24. Mai 2020, 17:48
von sinus
Ich kenne mich mit speziellen Störungen nicht aus, aber das Ergebnis des WISC kann ich zumindest vergleichen mit den Ergebnissen meiner Töchter.
Bei beiden Mädchen gab es die größte Abweichung nach unten bei der Verarbeitungsgeschwindigkeit. Bei der Großen (getestet mit 9) waren es 20 Punkte zum Gesamt-IQ und 30 zum Wert des besten Untertests.
Nicht ganz so viel wie bei deinem Sohn, aber trotzdem deutlich.
Bei der Tochter erkläre ich es mir so, dass sie einfach große Angst vor Fehlern hatte und alles richtig machen wollte, außerdem lässt sie sich sehr schnell stressen und kann mit Zeitdruck so gar nicht umgehen.

Auch bei der Kleinen - damals mit gerade 5 getestet - war die VG mit 111 der schlechteste Wert. Die Psychologin meinte, sie habe den deutlichen Eindruck gehabt, das Kind hätte sehr viel schneller arbeiten können, hat sich aber von der Aufforderung, es ginge um Schnelligkeit schlicht nicht aus der Ruhe bringen lassen und weiterhin sehr gründlich und gleichmäßig und ordentlich die Aufgabe abgearbeitet.
Die Psychologin meinte dazu noch, diese Arbeitsweise könne auch Vorteile haben im Schulalltag, da es da immerhin auch oft auf Gründlichkeit ankäme und sie sah darum an der Stelle kein Problem.
(Wobei 111 ja auch immernoch leicht überdurchschnittlich ist)

Bist du denn sicher, dass die Langsamkeit, die du beobachtest, nicht statt mit der Wahrnehmung, eher mit Langeweile/Unlust bzw der motorischen Mühe zu tun hat, die ihm das Schreiben macht?
Schreiben ist eine dröge Arbeit, die den meisten klugen Kindern nicht gerade Freude macht. Der Kopf ist nunmal immer schneller, als die Hand ... zumal, wenn man noch nicht so geübt darin ist.

Also wenn er in der Schule nicht total abgehängt wird und ganze Aufgaben nicht schafft, die er an sich schaffen müsste, würde ich mir da wohl noch keine großen Sorgen machen und ihn, wie euch beim ersten Test geraten wurde, eher unterstützen, dass er einfach mehr Übung/Routine bekommt, bis es motorisch besser flutscht.
Ein Wert von 90-100 ist ja im Grunde normal bzw durchschnittlich und er ist nicht wirklich langsam, sondern eben nur wesentlich langsamer, als es seinen kognitiven Fähigkeiten entspricht.
Da hilft wohl nur üben...

Re: Verarbeitungsgeschwindigkeit relativ gering

BeitragVerfasst: So 24. Mai 2020, 17:59
von sinus
PS: Was meintest du unter deinem Punkt 2) mit: "die Klassenarbeiten sprechen eine andere Sprache"?
Heißt das, dass sie trotz Langsamkeit sehr gut ausfallen oder dass sie trotz Intelligenz eher schlecht ausfallen?

In Tochters Klasse war übrigens ein Junge, der extrem langsam war, so dass ihm im Kindergartenalter sogar geraten wurde, ihn später einzuschulen. Er ist der klassische "zerstreute Professor" und wirkte oft sehr verträumt.
(auch beim Umziehen bspw)
Tja, er hatte trotzdem immer sehr gute Zensuren und ist jetzt mit meiner Tochter in ein Gymnasium mit spezieller Begabtenförderung gewechselt und gehört dort zu den Klassenbesten.
Wenn ich zufällig mal seine Mitschriften aus der Schule sehe, bin ich übrigens immer sehr neidisch. Im Gegensatz zu denen meiner Tochter, die in der Schule immer eher schnell war/ist, sieht es bei ihm im Hefter picobello aus.
Zum Schriftbild und der Ordnung der Mitschriften meiner Tochter schweigen wir mal lieber.
Man könnte meinen, sie sei der chaotische, schlampige Junge und er das ordentliche Mädchen...

Also nochmal:
Wenn die Leistungen/Zensuren nicht unter seiner Langsamkeit leiden, weil er die Pflichtaufgaben in den Arbeiten regelmäßig nicht schafft (das kann ich aus deinem ersten Post nicht ganz herauslesen, ob dem so ist), dann würde ich nichts weiter machen, als evtl. das Schreiben etwas mehr zu trainieren. Und da würde ich die Lehrerin um Rat fragen, was ihr da genau tun könntet.

Und unterhalte dich mal mit anderen Eltern, wie das Homeschooling dort so ablief.
Ich höre wirklich von ALLEN, mit denen ich geredet habe, Klagen, dass die Kinder Probleme hatten, ihre Aufgaben zügig abzuarbeiten. Zu viel Ablenkung daheim (Spielzeug in Sichtweite u.ä.), allgemeine Unlust, keine Motivation, nicht das passende Lernumfeld, keine Lehrerin/ Mitschüler, die einen anspornen...
Womöglich hat deine Beobachtung ja auch gar nichts mit der Verarbeitungsgeschwindigkeit oder deinem Kind im Speziellen zu tun...?
Wie läuft es denn bspw, wenn ihr ihn ein bisschen extrinsich motiviert, indem ihr ihm attraktive Ziele für Schnelligkeit setzt?
Was weiß ich, ihm einen Wecker hinstellen und ein Zeitlimit nennen: Wenn du die Aufgabe in 10 Minuten fertig hast, darfst du eine Pause machen und xyz tun. Oder vielleicht eine halbe Stunde ansetzen für eine bestimmte Aufgabe, und wenn er schneller er fertig ist, darf er den ganzen Rest der Zeit eine Spielpause machen? Sonst eben nur 5 Minuten. Oder so.
Dann würde ich mal beobachten, ob er nicht doch schneller kann, wenn er wirklich will oder zwar gern schneller sein mag, es aber einfach nicht kann und darunter leidet.

Langsames Schreiben würde ich im Übrigen nicht mit mangelnder Verarbeitungsgeschwindkeit gleich setzen.
Beim Test müssen bei der VG ja bestimmte Symbole aus einer Masse gefunden/erkannt und angekreuzt werden. Das ist AUCH eine Wahrnehmungssache.
Wörter schreiben (was du als Beispiel nanntest, was dir beim Homeschooling so auffiel) ist für mein Verständnis eine rein motorische Angelegenheit. (Bzw auch eine Frage der Motivation)
Wie siehts denn bei Mathe aus, wo evtl ja nicht ganz so viel geschrieben werden muss?

Re: Verarbeitungsgeschwindigkeit relativ gering

BeitragVerfasst: So 24. Mai 2020, 21:43
von Twochild
Jetzt nochmal, nachdem ich mir vorhin versehentlich den kompletten Text gelöscht habe :evil:

Hallo Jennifer,

kann es sein, dass der Arzt sich einfach versprochen hat und der Buega Test für Schulkinder gemacht wurde?

Es handelt sich ja um einen Entwicklungstest und ein IQ Test ist damit sicherlich nicht 100% vergleichbar. Eigenartig finde ich es aber schon... Was hat den der Arzt zu der großen Differenzen des IQ- Wertes gesagt?

Ist dein Sohn auch im Alltag langsam oder nur in der Schule bzw beim Erledigen der Schulaufgaben? Bei letzterem würde ich eher einen Motivations- bzw Trainingsmangel vermuten. Ansonsten kann hinter einer hohen Differenz zur VG auch ADS stehen. Was sagen denn seine Leher?

Meine Tochter hat laut Test eine VG von 86 und kommt soweit mit (8. Klasse). Die Ärztin vermutete, dass ihre gute Intelligenz dies ausgleichen würde. Im Alltag kann sie allerdings seeehr langsam sein. Es scheint so, als würde sie die Anwesenheit in der Schule sehr viel Kraft kosten und zu Hause geht dann eben vieles nur noch langsam.

Falls dein Sohn leidet oder du dir Sorgen machst, würde ich dir empfehlen zu einem richtigen Kinder- und Jugendpsychiater zu gehen.

Re: Verarbeitungsgeschwindigkeit relativ gering

BeitragVerfasst: So 24. Mai 2020, 21:48
von Twochild
sinus hat geschrieben:Und unterhalte dich mal mit anderen Eltern, wie das Homeschooling dort so ablief.
Ich höre wirklich von ALLEN, mit denen ich geredet habe, Klagen, dass die Kinder Probleme hatten, ihre Aufgaben zügig abzuarbeiten. Zu viel Ablenkung daheim (Spielzeug in Sichtweite u.ä.), allgemeine Unlust, keine Motivation, nicht das passende Lernumfeld, keine Lehrerin/ Mitschüler, die einen anspornen...
Womöglich hat deine Beobachtung ja auch gar nichts mit der Verarbeitungsgeschwindigkeit oder deinem Kind im Speziellen zu tun...?


Das ist hier ganz genauso :roll:
Mein Sohn (3.KLasse) braucht ewig für die Sachen auf die er keine Lust hat und es gibt täglich Tränen und Wutausbrüche. Frage ich aber im Freundeskreis scheint es auch dort nicht anders zu sein.

Meine Tochter hingegen kommt zu Hause verhältnismäßig gut klar. Die ist ja aber auch schon 13.

Re: Verarbeitungsgeschwindigkeit relativ gering

BeitragVerfasst: Mo 25. Mai 2020, 00:13
von jennifer
Jetzt habe ich meinen Text aus Versehen auch gelöscht, drum hier nochmal.


Vielen Dank für die zahlreichen Antworten, da sind auf jeden Fall einige nützliche Anregungen dabei.

Ich versuche mal einige Fragen zu beantworten bzw. weiteres zu erläutern.


In der Schule war mein Sohn in der ersten Klasse sehr langsam. So dass dieses vom Lehrer direkt angesprochen wurde. Beispielsweise war er in einem Selbstlernheft zum Thema Lesen erst mit Heft 1 fertig, während fast alle anderen Schüler der Klasse schon am Ende von Heft 2 waren, darunter auch Schüler mit sehr schlechten Deutschkenntnissen.
Der Lehrer meinte, dass mein Sohn extrem langsam ist. In der zweiten Klasse schien dies Langsamkeit etwas besser zu sein, bzw. wurde das Thema nicht mehr explizit angesprochen Ein Zeugnis gab es nicht.

Bei den Klassenarbeiten bzw. Tests kam er bis auf ein/zwei Ausrutscher jedoch ganz gut zurecht und hat alles geschafft. Laut seiner Aussage motiviert ihn der Druck bei einem Test. Schwieriger wird es jedoch, wenn gezeichnet/gemalt werden muss, z.B. Rechnenbilder wo alle Felder mit einer bestimmten Zahl rot angemalt werden müssen. Da braucht er etwas das zehnfache der Rechenzeit fürs Ausmalen.

Insgesamt ist er ein sehr ruhiger Schüler und fällt nicht weiter auf. Er meldet sich recht selten und muss niemanden zeigen, wenn er etwas weiß.
Laut eigener Aussage meldet er sich oft nicht, weil er nicht so schnell nachdenken kann, wenn etwas gefragt wird. Jedoch weiß er, wenn er unaufgefordert drangenommen wird, die Antwort.

Durch die ruhige Art wird er anfangs leistungsmäßig oft unterschätzt. Sein Lehrer war durch die Klassenarbeiten und Lernstandsarbeiten (standardisierte Vergleichsarbeiten mit anschließender Einordung) positiv überrascht, wieviel mein Sohn weiß bzw. kann.

Er besucht in der Schule den Unterricht für Mathe-Asse (eine Stunde pro Woche für ausgewählte Kinder). Dort hat er sehr viel Freude, kommt gut mit und nimmt sehr rege am Unterricht teil.

Zu Hause bemerken wird die Langsamkeit nicht so stark. Was mir so auffällt ist, dass er sehr langsam isst (das Essen kann schon mal eine Stunde dauern) und sich sehr intensiv mit bestimmten Dingen beschäft (stundenlang Lego baut, bastelt oder Bücher liest).
Bei anderen Dingen ist er jedoch recht schnell. Wenn es z.B. darum geht sich einen Bauplan auszudenken, etwas zu konstruieren oder etwas technisches zu Verstehen. Technik und Mechanik sind seine Steckenpferde.
Auf konkrete Fragen bekommmen wir so gut wie nie eine Antwort, da er oft an was anderes denkt oder keine Lust hat zu antworten.
Bei Entscheidungen hat er Probleme und überlegt immer sehr lange. Selbst bei Banalitäten ob er lieber eine rote oder eine grüne Zahnbürste will.


Beim Kinderarzt wurde der BUEGA-Test für Schulkinder gemacht. Dort wurde hauptsächlich auf bestimmte Störungen oder Auffälligkeiten getestet, z.B. ADS oder Lese-Rechtschreib-Schwäche. AVWS war nicht dabei. Da es aber keine Anzeichen für eine der Auffälligkeiten gab, gibt es keinen weiteren Handlungsbedarf. Zum Unterschied von Verbal und Nonverbal-Teil hat er leider nichts gesagt. Von unserem WISC-Test wusste der Kinderarzt nichts.

Das mit AVWS muss ich mir noch genauer anschauen, diese Wahrnehmungsstörungen kannte ich bisher nicht. Ich muss mal schauen, welche Teil bei WISC auditiv waren und wie er dabei abgeschnitten hat.


Ich bin insgesamt unschlüssig, ob es wirklich ein Störungsbild ist und wir etwas dagegen tun bzw. ihm helfen könnten, etwas schneller zu werden. Vielleicht sind manche Kinder einfach langsamer, aber die Unterschiede zu den anderen Werten sind doch stark-
Ich bin auch etwas besorgt, ob er in den nächsten Klassenstufen noch Probleme bekommen wird. Im Moment ist das Tempo doch relativ gering und durch sein gutes Wissen kann er recht viel kompensieren.

Möglicherweise hat er zusätzliche noch ein Problem mit Langeweile bzw. Unterforderung im Unterricht. Fällt durch seine Art jedoch nicht weiter auf.