IQ Test bei Underarchievern

Fragen, Antworten und Erfahrungen zu IQ-Tests

Re: IQ Test bei Underarchievern

Beitragvon sinus » Fr 29. Mai 2020, 20:29

EmmiR hat geschrieben:Hallo sinus,

Danke für deine ausführliche Antwort.
Mein Sohn hat den Wechsler Test gemacht, wenn ich mich nicht irre. Wir waren, auf Empfehlung der Schule, bei der Sozialpädiatrie. Das war, wie schon geschrieben, die reinste Katastrophe. Im Prinzip lief es so ab:
Angerufen, Termin für Test bekommen. Der Test sollte auf zwei Tage aufgeteilt werden und am Tag vorher Vorgespräch, den Tag nach dem Test Besprechung des Ergebnis.
Wir gingen hin. Die Dame sprach blöderweise sehr schlecht deutsch und teilte uns dann einfach mit, dass sie alles an dem Tag machen will weil sie grad Zeit hat. Ich hab das abgenickt, wusste es ja nicht besser.
Ich durfte nicht im Raum bleiben. Nach einer dreiviertelstunde hat sie mich zu sich gerufen. Der junge versteht nichts, sie bricht den Test jetzt ab, für die Auswertung habe sie genug Infos.
Ich war sprachlos. Mein Sohn stand in der Ecke und weinte, weil er dachte er hätte versagt.
Das Ergebnis sollte dann per Mail kommen, sie hätte keine Zeit mehr für eine detaillierte Besprechung.
Ich war richtig sauer. Und dann kam das Ergebnis. Gesamt IQ 94. Im visuell räumlichen Bereich hat er ein überdurchschnittliches Ergebnis und im Arbeitsgedächtnis angeblich 74.
Der test wurde ja aber nicht mal zur Hälfte gemacht. Wir haben ihn verworfen und für uns entschieden, dass er nichts aussagt.
Mein mann hatte später nochmal bei der Dame angerufen und wollte sich beschweren. Die Dame steht zu dem Ergebnis und findet auch den Ablauf und die Auswertung absolut in Ordnung. Sie hat ihn auch ungefragt an unsere Schule geschickt, was natürlich auch dazu beigetragen hat, das die Lehrerin ihn abgestempelt hat.

Ich habe mich noch nicht wirklich mit dem Thema Underachiever auseinander gesetzt. Der Verdacht wurde nur von einer Psychologin geäußert.
Ich denke auch eher das er unterfordert und gelangweilt ist. Hier zuhause sehe ich einen ganz anderen Jungen. Er rechnet wie ein Taschenrechner, braucht sich die Aufgaben nicht aufschreiben oder sie geschrieben sehen um sie lösen zu können. Kann aber meistens nicht erklären wie er sie gelöst hat. Im logischen denken ist er auch suoer. Außerdem interessiert er sich sehr für alles was in der Welt passiert. Er kennt sich politisch sehr gut aus und ist generell immer sehr interessiert und saugt Fakten und Wissen auf wie ein schwamm und vergisst sie auch nie wieder.
Es ist schade, dass er es in der Schule so schwer hat. Wir streben eigentlich auch einen Schulwechsel an. Hier gibt es sogenannte Schmetterlingsschulen, die besondere Klassen oder Angebote für begabte Kinder haben.

Da wir jetzt durch eine Beratungsstelle für besonders begabte kinder begleitet werden und er dort auch nochmal getestet wird, hoffe ich das es bald besser wird.



Das ist natürlich verdammt blöd gelaufen...
Wenn ihr jetzt bei einer speziellen Beratungsstelle seid, die auf hohe Begabung spezialisiert ist, sollte sowas nicht wieder passieren.
Klassischerweise läuft das so ab:

1) Erste telefonische oder schriftliche Kontaktaufnahmen der Eltern, Einschätzung, warum man einen Test möchte/braucht
2) Terminvergabe seitens der Beratungsstelle und "Anamnesebogen" zum Ausfüllen an die Eltern (Auffälligkeiten, Entwicklung des Kindes vom Babyalter an...)
3) Erstgespräch Psychologin/Testerin mit Kind UND Eltern (ca. 1h)
4) Test (ohne Eltern), 2-4h (bei meiner Großen wurden sogar 2 verschiedene Tests gemacht, der CFT und der WISC V)
5) Auswertungsgespräch (ohne Kind) (ca. 1h) Mir wurden dabei u.a. auch die einzelnen Tests auszugsweise gezeigt und erläutert! Außerdem wurden wir natürlich beraten, wie wir die Probleme, die ja Grund der Testung waren, angehen könnten und konnten alle möglichen Fragen stellen.

Außerdem mussten bzw konnten wir eine Art Aufhebung der "Schweigepflicht" für bestimmte Personen abgeben, damit bspw Lehrer die Gelegenheit haben, sich mit den Psychologen über das Testergebnis bzw das Kind und geeignete Fördermaßnahmen zu unterhalten.
Bei uns hat davon leider kein einziger Lehrer Gebrauch gemacht, und das obwohl im Rahmen der Testung außer dem IQ Test auch ein Fragebogen vom Kind ausgefüllt werden musste, wo es um das Wohlfühlen in der Klassengemeinschaft ging, ob es Vertrauen zur Klassenlehrerin hat, wie es schulische Inhalte einschätzt und das eigene Lernverhalten und ob es gern in die Schule geht/gern lernt etc pp.
Der Fragebogen zeigte deutlich, dass meine Tochter sich in der Klasse und mit der Lehrerin altersdurchschnittlich wohlfühlte, die Erwartung an die Schule/schulische Inhalte und die Lernmotivation dagegen weit, weit unterdurchschnittlich sind.
Sprich, dass sie quasi keinerlei Erwartungen mehr an die Schule hatte, dort was interessantes zu lernen!
--- Bei "Schuleinstellung" hatte sie einen Prozentrang von 13, bei Anstrengungsbereitschaft PR 3, bei Lernfreude PR 7! Deutlich im Gegensatz dazu stand die große Motivation und der Ehrgeiz während des Tests und dass sie alles am Liebsten ganz ohne Pause durcharbeiten wollte und mehr als 3 Stunden lang die diversen Tests inklusive der Fragebögen hintereinanderweg abgearbeitet hat)
Im Gutachten wurde daher auch ganz gezielt der Schule/den Lehrern auch dringenst empfohlen, dem Kind geeignetes Material zu geben, inklusive Tipps für die Umsetzung im Schulalltag und welche Grundschul-Lehrbücher geeignete Inhalte bieten. Und dass man gern kostenfrei telefonisch berät.
(Über das Elternhaus meinte man dagegen im Gutachten, dass eine ausreichende, breit gefächerte Förderung offensichtlich schon erfolge und man ggf nur noch etwas aus dem Bereich Mathematik/Technik/Informatik anbieten könnte.)

Insgesamt gab jedenfalls bei uns also 3 Termine mit/in der Beratungsstelle.
Zum Abschluss haben wir das Testergebnis mit den Einzelwerten schriftlich bekommen sowie ca. 10 (!) Seiten Gutachten. (Inhalt Erstgespräch, Problemstellungen, Schilderung des Kindes seitens der Eltern zusammegefasst, Erläuterung des Tests, Ergebnisse des Tests, Verhalten des Kindes beim Test, Äußerungen des Kinds zu Fragestellungen zum Wohlfühlen in der Schule und zu Hause, Empfehlungen, Buchtipps)
Bei uns kam dann je nach 6 und nach 12 Monaten nochmal ein Fragebogen, den wir ausfüllen sollten.
(->Wie waren wir mit der Beratung zufrieden, hat sich was an den Problemen verändert, wurden Entscheidungen wie Früheinschulung/Klassensprung/Freizeitangebote getroffen seitdem etc.)
Und das alles übrigens auch noch rein auf Spendenbasis - an einer Stelle der Uni.
Ähnlich lief es bei anderen "offiziellen" Beratungsstellen, von denen ich von anderen Eltern hörte.
Z.B. der "Beratungsstelle zur Begabtenförderung (BzB)", einer in Sachsen dem Landesamt für Schule und Bildung zugeordnete Behörde.

Ich kenne aber auch Schilderungen, wo es privat bei Psychologen ganz anders ablief. Tw wurden die einzelnen Tests auf mehrere Termine verteilt, was soweit ich weiß nicht unbedingt zulässig ist, da es dann eben nicht mehr einheitliche Testbedingungen sind.
In der DGhK wurde uns gesagt, es gäbe so ein paar "Spezialisten", Psychologen, bei denen Tests Einges kosten und wo sehr großzügig eine Hochbegabung diagnostiziert wird und Stellen, bei denen die wenigsten Kinder, die dort hinkommen, mit einem Ergebnis über 130 rauskommen. (Wir waren bei so einer Stelle, wo man uns später in der DGhK sagte, dass da getestete Kinder eher selten HB Ergebnisse bekommen. Was vermutlich dafür spricht, dass die Ergebnisse sehr realistisch sind)
Wir waren jedenfalls sehr zufrieden, weil es uns einen sehr professionellen Eindruck machte und wir super beraten wurden. (Auch bei meiner jüngeren Tochter, bei der ein Gesamtwert unter 130 rauskam)
Ich habe sogar noch mehrere ausführliche Telefonate hinterher mit der Psychologin geführt, weil ich noch Fragen hatte oder neue Probleme schildern wollte (bspw dass die Lehrer eben leider trotz des Testergebnisses nicht wirklich bereit waren, mein Kind wie empfohlen zu fördern bzw meinten, man könne nichts machen, weil sie Zusatzaufgaben ablehnt).

Ich drücke euch die Daumen, dass ihr diesmal ähnliches Glück habt!
sinus
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Re: IQ Test bei Underarchievern

Beitragvon Rabaukenmama » Sa 30. Mai 2020, 10:35

Hallo EmmiR!

Das hat nichts mit underarchiever zu tun sondern mit einer unfähigen Psychologin und mieserablen Test-Voraussetzungen. So was kommt leider viel öfter vor als man glaubt. sinus hat schon sehr gut den Ablauf "wie es sein sollte" beschrieben. Tatsächlich ist es aber total unterschiedlich. Mein älterer Sohn hatte bisher eine Entwicklungsdiagnostik (mit 4 Jahren) und einen IQ-Test (mit 9 Jahren) und beides war nicht ideal. Ich glaube übrigens vom GESAMTBILD her, dass das IQ-Test Gesamtergebnis bei meinem älteren Sohn deutlich niedriger ausgefallen ist als es sein tatsächliche Potential ermöglichen würde. Nur ist das in dem Fall egal, denn der IQ, der rausgekommen ist (118), reicht in Kombi mit dem Vorzugszeugnis bei weitem für einen Übertritt ins Gymnasium und anderes (Klassensprung, spezielle Begabungsförderung,..) streben wir nicht an.

Beim jüngeren, gehörlosen, autistischem Sohn war die Sache schwieriger. Die erste Entwicklungsdiagnostik (mit 4 Jahren) hat einen nonverbalen IQ-Test beinhaltet und es war der wirklich EINZIGE Test meiner Kinder, der gut und professionell abgelaufen ist. Mein Sohn kam ausgeruht und gut gelaunt zu zwei Terminen, wo verschiedenste Testungen gemacht wurden und hat mit etwas wechselnder Motivation meistens gut mitgemacht. Die verschiedenen Bereiche des IQ-Tests wurden zwischen den anderen Testungen (Grobmotorik, Feinmotorik, Sozialverhalten, Merkfähigkeit, Audiogramme zur Testung des Hörvermögens mit Horchis,...) eingebaut. Ich durfte die ganze Zeit dabei sein, was die Arbeit mit ihm fremden Personen natürlich wesentlich erleichtert hat. Das Ergebnis war ein IQ von 101 - was meiner Meinung nach auch aussagekräftig ist. Mein jüngerer Sohn ist ziemlich sicher nicht hochbegabt, er hat aber deutliche Teilleistungsstärken und -schwächen. Zwischen bestem und schlechtestem Unterwert lagen über 70! IQ-Punkte, aber auch das kam mMn gut hin.

Beim nächsten Test an derselben Stelle, 18 Monate später, hatten wir weniger Glück. Mein Sohn kam zwar auch ausgeruht und gut gelaunt hin und ich durfte wieder dabei sein. Aber dann wurden ALLE Tests in einem Zug durchgemacht und am Ende, nach 3! Stunden kam der IQ-Test dran. Bis dahin hatte mein Sohn bei 3 verschiedenen, ihm fremden Personen wirklich gut mitgearbeitet, aber dann war er wirklich müde und hungrig und hatte einfach keine Lust mehr. Bei seinen Spezialinteressen hat er noch halbwegs mitgemacht, aber bei den anderen Aufgaben wollte er oft nicht und hat mich zwischendurch immer (in Gebärdensprache) gefragt, wann wir endlich fertig sind, ob die Wurstsemmel noch in meinem Rucksack sei (weil er Hunger hatte), und wie viele Minuten er das alles noch machen müsse. Er hat dann, um die Sache abzukürzen, auch nicht mehr nachgedacht, sondern bei den multiple choice Aufgaben willkürlich auf irgendwelche Ergebnisse gezeigt. Ehrlich - mit hat gewundert, dass das Ergebnis trotz dieser widrigen Bedingungen immer noch 85 war. Bei der Besprechung einige Wochen später das große Erstaunen des Test-Teams: mein Sohn hatte in einigen Teilbereichen schlechter abgeschnitten als 18 Monate zuvor. Offensichtlich ist denen von sich aus nicht in den Sinn gekommen, dass es an den unpassenden Bedingungen lag. Da habe ich dann den Leiter der Testungen gefragt, ob denn gesunde, hörende 5-jährige Kinder nach 3 Stunden praktisch ununterbrochener Testungen noch motiviert für einen IQ-Test wären und warum es nicht, wie beim ersten Mal, für diesen Test-Marathon 2 Termine gegeben hat. Der Leiter war sofort einsichtig und meinte, dass die Kinder in dem Alter normalerweise immer 2 Termine bekämen, man aber bei meinem Sohn eine Ausnahme gemacht habe, um "uns entgegen zu kommen", weil wir eine so weite Anreise hätten :schwitz: . Und normalerweise würde auch mit den IQ-Test-Teilen begonnen, nur sei an dem Tag die Psychologin, die die IQ-Testung durchgeführt hat, erst später verfügbar gewesen.

Das Dumme am Ganzen war, dass wir dieses Testergebnis für die Einschulung und die Festlegung des Lehrplans (Gehörlosenlehrplan oder Sonderschullehrplan) gebraucht haben :twisted: . Und so bekam mein Sohn außer in Mathe (wo er deutlich voraus ist) in allen Gegenständen Sonderschullehrplan, auf Grund dieses Testergebnisses, und obwohl man mit einem IQ von 85 durchaus den Gehörlosenlehrplan hätte ausprobieren können.

Naja, letztendlich ist es nun nicht so wichtig, da in der gebärdensprachigen Gehörlosen-Autisten-Kleinklasse meines Sohnes ohnehin individuell unterrichtet wird. Mein Sohn macht in Mathe gerade den Stoff der 4ten Klasse und hat dabei keinerlei Schwierigkeiten (arbeitet im Lernprogramm auch schon 5. und 6. Klasse teilweise durch). Und in Sachunterricht befasst er sich damit, welche Tiere auf dem Bauernhof leben. Das, was mit ihm gemacht wird, ist an seine Fähigkeiten angepasst. Und eine normale Berufslaufbahn bzw. ein eigenständiges Leben als Erwachsener habe ich mir ohnehin längst abgeschminkt.

Aber mich ärgert immer wieder, wenn ich höre bzw. lese, wie durchaus kluge Kinder auf Grund falscher IQ-Testergebnisse abgestempelt und ihrer Chancen beraubt werden. Das ist schlichtweg ungerecht. Wenn ein getesteter IQ falsch ist, dann IMMER nach unten! Kein Kind mit IQ 100 erreicht zufällig einen Wert von 140, umgekehrt ist es aber vermutlich öfter der Fall, als je jemand zugeben würde. Daher bin ich auch der Meinung, dass der IQ gesellschaftlich hoffnungslos überbewertet wird. Dieser Wert kann vielleicht Aufschluss geben, wenn man als Eltern vor wichtigen Entscheidungen (Schulwahl, Klassensprung,...) steht, aber ich habe leider schon einige Male beobachtet dass er dann wie ein Stempel auf dem Kind klebt. Das schadet nicht nur Kindern, deren Testergebnis falsch zu schlecht war, es ist auch ein Nachteil für Kinder mit einem korrekt seht guten Ergebnis, weil viele Leute dann einfach ein Bild im Kopf haben, welches nicht stimmt. Hochbegabte und sogar Höchstbegabte sind längst nicht immer Hochleister.

Einstein wird immer als Beispiel hoher Intelligenz genannt, dabei hat er zeitlebens nie einen IQ-Test gemacht. Man hat halt einfach auf Grund seiner geistigen Leistungen und Erkenntnisse geschätzt, wie hoch sein IQ sein KÖNNTE. Tatsächlich bin ich mir ziemlich sicher, dass sein tatsächlicher IQ-Wert, wäre er als Kind mit 4 oder auch 8 Jahren getestet worden, alles andere als ein Ausreißer nach oben gewesen wäre.

EmmiR, was deinen Sohn betrifft so ist laut deinen Beschreibungen sehr naheliegend, dass er zumindest Teilleistungsstärken im HB-Bereich hat. Dass die Psychologin damals das Testergebnis ungefragt zur Schule geschickt hat ist übrigens nicht nur "dumm gelaufen" sondern gar nicht erlaubt. Dazu hättest du eine Schweigepflichtsentbindung unterschreiben müssen, was du sehr wahrscheinlich nicht getan hast. Du könntest sogar rechtlich gegen sie vorgehen. Ob das was bringt steht auf einem anderen Blatt Papier, denn damit kann man das, was bereits geschehen ist, ja auch nicht rückgängig machen, und es kostet viel Zeit, Kraft und Nerven.

Ich wünsche euch auch von Herzen, dass es bei dieser Testung besser klappt!
Der liebe Gott schenkt uns die Nüsse, aber er knackt sie nicht (Johann Wolfgang von Goethe)
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Re: IQ Test bei Underarchievern

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Sa 30. Mai 2020, 15:21

Ich war im Raum als mein Großer mit 4 getestet wurde. Da sind mir schon einige Sachen aufgefallen, die so bewertet werden, dass die der Intelligenz zugehörige Analyse und Transferleistung niedrige Bewerten als das Wissen an sich. Z.b. wurde meinem 4-jährigen Kind ein Quecksilberthermometer gezeigt. Er hat so was noch nie gesehen, sah aber das Prinzip "Flüssigkeit in einem horizontalen Rohn" und sagte: "Wasserwage". Dann kam eine Kasse, so eine wirklich alte mit Knöpfen, die man seit 30 Jahren nur in einem Museum sehen kann. Kind sagte: "Computer". Für beide Antworten bekam er natürlich keine Punkte und diese zwei Punkte in den Rohwerten machen schon einen riesigen Unterschied. Bei den exterm begabten Kindern kommt es erschwerend hinzu, dass sie mehrere Antworten auf die Frage sehen, obwohl nur eine richtige Antwort vorgesehen ist und auch Aufgabenstellungen extrem logisch betrachend, missverstehen. Meine Tochter hatte in der 1. Klasse eine Aufgabe bekommen: "In jedem dieser Sätze ist ein Wort zu viel, steiche!". Daraufhin streicht das Kind systematisch das letzte Wort im Satz. Es stand ja nicht in der Frage, dass man so streichen musste, dass es ein sinnvoller Satz übrig bleibt. Daher kannn ich mir gut vorstellen, dass das Kind von EmmiR an manchen Stellen wirklich nicht verstanden hat, was genau die fremde Dame von ihm wollte. Weil die Dame ihn als Kleinkind behandelt hat, und er keine kleinkindliche sondern eine logische Erklärung bräuchte.

Das interessanteste an diesen Tests ist nicht die Zahl, sondern die Zusammenhänge und die Verteilung der Werte in den Untertests. Als der Großer 4 war, sagte mir der Tester, der von der Begabung nicht viel verstand, zwei wiedersprüchliche Sätze. Zum einen war der Große in machen Untertests so gut, weil ich ihn scheinbar zu gut gefördert habe. Zum anderen hat den Tester seine kombinatorische Fähigkeiten absolut erstaunt. Den ersten Satz habe ich schon damals ignoriert. Der zweite Teil ist wahr und wurde durch die Jahre immer präsenter. Ich kann mit meinem Großen mittlerweile keinen Film zusammen angucken. Er weiß nach 3 Minuten worum es geht und wie es ausgeht. Er sieht den kleinsten Detail und alle Unstimmigkeiten. Gestern habe ich mir ihm die Needfull things angefangen. Und schon bei dem ersten Kauf im Laden sagte er: "Der Mann ist der Teufel". Tja, Spaß vorbei.
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Re: IQ Test bei Underarchievern

Beitragvon sinus » Sa 30. Mai 2020, 17:26

Katze_keine_Ahnung hat geschrieben: Ich kann mit meinem Großen mittlerweile keinen Film zusammen angucken. Er weiß nach 3 Minuten worum es geht und wie es ausgeht. Er sieht den kleinsten Detail und alle Unstimmigkeiten. Gestern habe ich mir ihm die Needfull things angefangen. Und schon bei dem ersten Kauf im Laden sagte er: "Der Mann ist der Teufel". Tja, Spaß vorbei.


Das ist bei meiner Großen ganz genauso! Das Voraussehen der Handlung und die Logikfehler und sie weiß auch oft sehr schnell, wer der "Täter" bzw der Böse ist.
Ich habe Mühe, was zu finden, das sie wirkich reizt und ich vermute, dass das auch eine der Ursachen ist, warum sie so wenig Freude am Lesen hat.
Richtig gut fand sie zuletzt die Serie "Sherlock" und aktuell liest sie die Tribute von Panem - seit langem mal wieder was, wo sie Freude dran hat und mit mir gemeinsam spekuliert, wie es weitergeht.

Ich weiß auch noch, dass das sogar beim Vorlesen mit 4, 5 Jahren mitunter schon so war, dass sie bei kniffeligen Situationen deren Lösung sofort vorausgesehen hat. Und das waren immer Bücher, die eh schon nicht altersgemäß waren...

Der Kleinen (vor kurzem 6 geworden) habe ich grad alle Bände Harry Potter vorgelesen. Hatte ich auch nicht gedacht, dass das schon geht, aber nach jedem Band (ich wollte eigentlich nur 1 und 2 vorlesen) hat sie gebettelt und da wir wegen Corona eh genug Zeit hatten, habe ich dann doch alle gelesen.
Da hab ich auch oft gestaunt, wie gut sie Zusammenhänge und Handlungsbögen über mehrer Bände gemerkt und verstanden hat.
Aktuell ist es echt schwer, was Neues zu finden, was sie ebenso packt.
(Vielleicht habt ihr ja Tipps?)
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Re: IQ Test bei Underarchievern

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Sa 30. Mai 2020, 18:02

@sinus

In der Grundschule bei uns sind die Bücher der Schule der magischen Tiere sehr beliebt.
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Re: IQ Test bei Underarchievern

Beitragvon charlotte12 » Sa 30. Mai 2020, 18:42

@ sinus: Beim Thema Lieblingsbücher fällt mir einiges ein."Schule der magischen Tiere" fand meine neunjährige Tochter auch ganz gut, wobei die Reihe nie auf Platz eins in ihrer Gunst stand. Sie liebt: Vier zauberhafte Schwestern, alle Bände. Frau Honig. Das wilde Uff. Pippi Langstrumpf. Koschkas Tipp "für mein Mädchen" ist immer noch DAS Trostbuch. Vor einiger Zeit waren die Ella-Bücher von Timo Parvela ganz hoch im Kurs. Die Blaubeerdetektive. Gut kamen auch "Ronja Räubertochter" und "Momo" an. Polly Schlottermotz. Vor längerer Zeit "Petronella Apfelmus", "Michel aus Lönneberga" und "Mövenweg", was sie aber mittlerweile langweilt. Der Zaubergarten. Miss Braitwhistle. "Zauber Immerda" fand sie zunächst auch gut, aber der Schluss war viel zu gruselig. Diese Abneigung gegen alles Gruselige ist auch der Grund, warum sie immer noch keine Bücher ab 10 lesen mag, obwohl sie schon seit der ersten Klasse Bücher ab 8 liest. Für Tipps für möglichst dicke Schmöker mit komplexeren Themen, sehr gerne mit Zauberei, dabei aber nicht zu gruselig und ohne Teenager-Schmalz, bin ich immer dankbar :)
Meine Tochter mag mittlerweile auch Ratgeber-Bücher, die eigentlich für Erwachsene gedacht sind, z.B. Kinderbeschäftigungs-Bücher, Tipps zur Tierhaltung, Büchern über Kindererziehung inclusive schlauen Hinweisen, was ich bei ihrer Erziehung verbessern könnte :roll:
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Re: IQ Test bei Underarchievern

Beitragvon sinus » Sa 30. Mai 2020, 19:00

..gruselig darfs für mein Kind sein, was sie nicht mag, ist wenn die Helden was eindeutig Verbotenes tun. :lol:
(War bei meiner Großen in dem Alter auch so.)
Momo, Unendliche Geschichte, Ronja, Pippi, Michel, Ella (mehrere Bände) kennt sie alles schon.
Frau Honig fand sie doof, hab ich grad neulich angefangen gehabt, sollte ich nicht weiter vorlesen.
Von der Wolkow-Reihe, die ich als Kind so geliebt habe, haben wir Band 1 und 2 gelesen, "Die sieben unterirdischen Könige" (Bd 3) mochte sie dann nicht mehr.
Sehr spannend findet sie Die drei ???, aber da möchte sie immer die für ältere, aber die sind dann oft (nicht immer) doch noch nichts, weil es eben um Jugendliche geht.
Die Schule der magischen Tiere mochte meine Große damals nicht sooo besonders, hat sie nicht wirklich gepackt. Ich fand sie auch ein bisschen simpel.
Petronella haben wir einen Band da, den kann ich mal probieren. (fand meine Große aber damals auch nicht so toll. Kam aber evtl zu spät für sie.)

Für den Urlaub mit Oma nächste Woche (1 Woche ohne Mama! Wäre bei der Großen in dem Alter nicht gegangen...) hab ich jetzt mal Kalle Blomquist den Sammelband besorgt. Mal sehen, wie sie das findet. Ich hab den geliebt und dann auch fleißig die Geheimsprache aus dem Buch gelernt. (Fofasostot wowie Lolöfoffofelolsospoprorachoche)
Auch Emil und die Detektive werd ich wohl mal probieren.
Narnia mochte die Große damals noch ganz gern, aber hab ich wenig Lust, das alles noch mal vorzulesen. :?
5 Freunde könnte wohl noch was sein, die haben wir aber nicht da, da müsste ich in die Bibo gehen und das macht aktuell nicht so viel Spaß. (Man darf nicht rein und muss an der Tür die Wünsche äußern)

Danke jedenfalls für eure Tipps. Was ich/sie noch nicht kennt, schau ich mir auf jeden Fall an.
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Re: IQ Test bei Underarchievern

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Sa 30. Mai 2020, 19:14

Der Kleine (6) fand neulich Sams gut. Als Hörspiel mag er auch die Serie Abenteuer und Wissen, das ist auch für Erwachsene oft interessant zu hören.
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Re: IQ Test bei Underarchievern

Beitragvon sinus » Sa 30. Mai 2020, 19:41

Sams ist schon bekannt. Die Bücher stehen fast alle im Schrank, mehrere Hörspiele haben wir auch. War ne Zeit lang ein echter Dauerbrenner. Bei beiden.
Abenteuer und Wissen sind meistenteils genial, sehr athmosphärisch. Hatte ich doch hier sogar mal empfohlen. :fahne:
Da haben wir gut 10-15 Titel da, aus der Bibo und auf den Computer gezogen.
Die Große liebte Titanic und Tutenchamun besonders, die Kleine hört Pompej und Vampire/Graf Dracula immer wieder.
(Und das über Vampire ist echt blutig und gruslig, leider wars schon zu spät, als mir das klar wurde und dann mussten wir da durch :roll: )
Welche mögt ihr denn besonders?

Ich weiß, wir sind schwierig... Die Große kam in der Grundschule mal richtig sauer heim, als sie in Religion ein Buch ("Der Findefuchs") vorgelesen haben und sie meinte:
"Das ist jetzt schon das dritte Mal, dass wir in der Schule ein Buch behandeln, was ich schon kenne!"
Sie hat mir das eine Weile allen Ernstes vorgeworfenen, dass ich ihr so viel schon vorgelesen hatte. :oops:
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Re: IQ Test bei Underarchievern

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Sa 30. Mai 2020, 20:05

@sinus

Ich persönlich fand die Folge über Grzimek interessant.
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