Fremdmotivation sinnlos/unerwünscht

Mein Kluges Kind macht was es will

Re: Fremdmotivation sinnlos/unerwünscht

Beitragvon alibaba » Di 4. Feb 2020, 16:15

Vater kluger Kinder hat geschrieben: Und genau das möchte ich nicht, dass sein gesamtes zukünftiges Leben nach diesem Schema läuft. Ein paar Emotionen und der Wille zur Veränderung wären schon sinnvoll. Nur, wo ist der Hebel?


Ich weiß nicht wo der Hebel ist. Vielleicht ist das nicht nur ein Hebel?

Mir fällt auf, dass DU etwas willst. DU hast eine bestimmte Vorstellung wie es zu laufen hat. Man "muss" das 1x1 auswendig können, man "muss" angemessene Reaktionen zeigen, man "hat" sich zu ärgern wenn die Note schlecht oder nicht angemessen dem IQ ist und bitte selbst motivieren sollte man sich auch. Okay. Das lass ich jetzt so stehen.

Mein großes Kind konnte das 1x1 auch nie auswendig. Mein Kleineres schon. Beide sind aus dem selben Fleisch und Blut und doch so unterschiedlich. Meine "Kleine" sagt ab und zu mal zu mir, gerade wenn ich der Meinung bin, dass sie das doch tun oder können müsse: "Mama, es ist mein Leben."

Ich beschränke mich mittlerweile nur noch auf das Wichtige im Leben. Nicht rauchen, nicht sinnlos abhängen, nicht kiffen und irgendwie schauen das man versetzt wird. ;)
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Re: Fremdmotivation sinnlos/unerwünscht

Beitragvon sinus » Di 4. Feb 2020, 21:34

Vater kluger Kinder hat geschrieben:Nein, aber eine drei ruft bei ihm keine emotionale Reaktion hervor. Nicht dass er jetzt weinen oder verzweifelt sein muss, aber es erwacht auch kein besonderer Ehrgeiz es beim nächsten Mal besser zu machen. Ist halt einfach so und PUNKT.
Dito wenn er mal wieder ein Schachspiel viel zu schnell runterzockt und gegen einen nominell viel schwächeren Gegner verliert. NULL Reaktion.
Und genau das möchte ich nicht, dass sein gesamtes zukünftiges Leben nach diesem Schema läuft. Ein paar Emotionen und der Wille zur Veränderung wären schon sinnvoll. Nur, wo ist der Hebel?


Nun, dazu kann ich nur sagen - das andere Extrem ist auch nicht so toll. Meine Tochter lässt sich zwar keine Ziele aufdrücken, aber wenn sie ein sich selbst gestecktes Ziel mal nicht erreicht (und sei es, im Brettspiel gegen mich zu gewinnen oder einen Baum zu beklettern, wo sie rauf will), ist das oft regelrecht eine Katastrophe für sie, die sie völlig aus der Bahn wirft.

Vor 2 Jahren etwa - da war sie so etwa 8 - wollte sie bspw auf einen bestimmten Baum hoch, der echt schwer zu beklettern war, weil unten keine Äste waren und neben Geschicklichkeit auch Kraft gefragt war.
Sie hat es verbissen versucht, es sah nicht so aus, als habe sie Spaß daran, sondern sie war völlig starrköpfig und verbissen dabei.
Und als sie endlich oben war, zeigte sie noch nichtmal ein bisschen Freude oder Stolz, sondern sprang wieder runter, um gleich nochmal hochzuklettern, wohl um sich zu beweisen, dass es kein Zufall war.
Da ihre Kraft dann schon nachließ, klappte es wieder nicht auf Anhieb und wir mussten wirklich schimpfen, dass sie schließlich endlich aufhörte und wir weitergehen konnten. Wir wollten nämlich eigentlich ein Eis essen gehen.
Meine Tochter verweigerte dann das Eis. Sie habe es nicht verdient, meinte sie. Weil sie ihr Ziel ihrem Empfinden nach nicht/nicht gut genug erreicht hatte. :shock:

Erst als wir ihr dann einfach ein Eis in die Hand drückten, fand sie langsam wieder zu sich. Aber eine halbe Stunden hat es gedauert, ehe sie eingermaßen drüber hinweg und ansprechbar war.
Und das war noch verhältnismäßig kurz, früher konnte so ein Ereignis sie einen ganzen Nachmittag aus der Bahn werfen.

Also insofern: versuche auch die positiven Seiten zu sehen. Oder fändest du - auf die Spitze getrieben - einen verbissenen, ehrgeizigen, rücksichtslosen Sohn, der immer nur gewinnen will und immer besser sein muss als alle anderen wirklich besser?

Meine Tochter war/ist oft auch ganz anders, als ich es erwarte (bspw wollte sie sich als kleines Kind nie trösten lassen) und ich frage mich durchaus auch, inwieweit ich eingreifen sollte/müsste/hätten sollen.
Und ich hab da sicher auch schon viel falsch gemacht - mal zu viel, mal zu wenig, mal falsch reagiert.
Aber nunja - Erziehung ist Versuch und Irrtum.

Also ich würde zwar durchaus auch schauen, ob alles richtig läuft, und ob du evtl unterstützend/motivierend eingreifen kannst/solltest.
Aber ganz grundsätzlich wirst du ihn und seinen Charakter eh nicht ändern. Da ist als aller erstes Akzeptanz notwenig.

Und zum Trost: die Kinder wachsen und reifen und irgendwann überraschen sie einen, weil sie aus so einer Sachen/einem Problem plötzlich rausgewachsen sind.
(Und das womöglich ganz ohne elterliches Zutun. :lol: )
Zuletzt geändert von sinus am Di 4. Feb 2020, 22:46, insgesamt 4-mal geändert.
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Re: Fremdmotivation sinnlos/unerwünscht

Beitragvon Auguste » Di 4. Feb 2020, 21:57

Vater kluger Kinder hat geschrieben:Nein, aber eine drei ruft bei ihm keine emotionale Reaktion hervor. Nicht dass er jetzt weinen oder verzweifelt sein muss, aber es erwacht auch kein besonderer Ehrgeiz es beim nächsten Mal besser zu machen. Ist halt einfach so und PUNKT.
Dito wenn er mal wieder ein Schachspiel viel zu schnell runterzockt und gegen einen nominell viel schwächeren Gegner verliert. NULL Reaktion.
Und genau das möchte ich nicht, dass sein gesamtes zukünftiges Leben nach diesem Schema läuft. Ein paar Emotionen und der Wille zur Veränderung wären schon sinnvoll. Nur, wo ist der Hebel?

Vielleicht bin ich zu anspruchsvoll, aber ich finde er sollte das auch allein hinbekommen, zumal ich noch drei andere Kinder im Haus habe, wovon eins eine Diagnose Richtung ADHS hat (mit nicht mal 5).
Also Zeit ist ein knappes Gut ;)

Und dann verweigert er sich auch gern mal Dingen auf die er keine Lust hat. Eben da wüsst ich gern mal wie ich besser zu ihm durchdringe. Einfach laufen lassen und darauf hoffen, dass schlechte Erfahrungen zu einer Änderung führen? Darauf würde ich mich bei ihm nicht verlassen.


Sorry, aber Du bist zu anspruchsvoll. Mit einem IQ von ca. 120 ist Dein Kind schlau. Aber er ist auch erst 8 Jahre alt. Mit 8 Jahren muss er noch nicht das 1x1 allein auswendig lernen. Da darfst du ihm ruhig bei helfen. Es gibt 8-jährige, die ihren Schulkram tatsächlich zum Großteil selbst geregelt bekommen. Das ist aber nicht die Regel. Die meisten 8-Jährigen brauchen dabei noch Unterstützung - auch solche mit einem IQ von 120 und mehr.

Meine Tochter hat das 1x1 erst mitgelernt, als wir es mit unserem Sohn geübt haben. Da waren die beiden 11 und 9. Wir haben unseren Sohn das 1x1 auf Karteikarten schreiben lassen. Vorne die Aufgabe, hinten das Ergebnis. Auf jede Karteikarte eine Aufgabe. Den Stapel Karteikarten haben wir dann an zentraler Stelle deponiert. Immer wenn jemand dran vorbeikam, hat er eine Karte gezogen - und die Kinder haben die Lösung gesagt. Mal wurde die Aufgabe vorgelesen und das Ergebnis war zu nennen, mal umgekehrt.

Zwischendurch wurde auch einfach mal ohne Karteikarte eine Aufgabe gestellt. Die Karteikarten waren auch Begleiter bei Auto- und Zugfahrten. Da haben die Kinder abwechselnd gezogen und gerechnet. Die hatten sogar Spaß dabei - haben einen Wettbewerb draus gemacht, wer am Ende die meisten richtigen hat. So hatten die Kids beide binnen kurzer Zeit das 1x1 drauf und zwar mit unserer Hilfe, die fast keine Zeit in Anspruch genommen hat. Meine Tochter war da schon in der 6. Klasse und mein Sohn in der 4. Die sind bis dahin tatsächlich ohne auswendig gelerntes 1x1 ausgekommen - und auch ohne 4er ;) In welcher Klasse ist Dein Sohn jetzt?

Das was Du vom Schachspiel erzählst, klingt eher danach, als ob Dein Sohn keinen Bock auf das Schachspiel an sich hatte, als dass es ihm grundsätzlich egal wäre, zu verlieren.

Du schreibst, dass Zeit ein kostbares Gut ist, weil Du noch 3 Kinder hast. Kann es sein, dass Dein Sohn nach (ungeteilter) Aufmerksamkeit sucht? Dass er (für sich gefühlt) zu viel alleine machen muss, während Du mit den anderen Kindern beschäftigt bist? Kinder, die sich zurückgesetzt fühlen nehmen auch negative Aufmerksamkeit (durch Schimpfen der Eltern) in Kauf, nur um überhaupt "bemerkt" zu werden. Das soll kein Angriff sein :fahne: Manche Kinder fühlen sich persönlich zurückgesetzt, obwohl es objektiv gar nicht so ist. Meine Tochter ist so ein Kandidat. Sie meint immer, sie käme zu kurz und würde benachteiligt. Das ist damals schon im Kindergarten aufgefallen, als sie noch nicht mal 2 Jahre alt und noch ein Einzelkind war :schwitz:

Wenn du herausfinden willst, wie Du den Ehrgeiz Deines Kindes wecken kannst, dann musst du Dich mit ihm beschäftigen, ihn beobachten: wofür "brennt" er, woran hat er wirklich Spaß, wodurch lässt er sich motivieren, auch ungeliebte Sachen zu machen? und genau da musst du dann ansetzen. Und ja, manche Kinder müssen erst auf die Nase fallen, bevor sie "aufwachen" und Ehrgeiz entwickeln. Mein Sohn musste sich auch erst eine 5 "ehrlich verdienen" (also in einem schriftlichen Test bekommen), bevor er akzeptiert hat, dass er in machen Fächern vor einer Arbeit evl. doch mal in die Bücher schauen sollte. Die 5er und 6er für nicht/unvollständig erledigte Hausaufgaben waren ihm egal - die hat er bewusst in Kauf genommen, so lange er wusste, dass er die Tests mit 1 oder 2 schreibt.
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Re: Fremdmotivation sinnlos/unerwünscht

Beitragvon Meine3 » Di 18. Feb 2020, 18:36

Katze_keine_Ahnung hat geschrieben:@Meine3

ich habe mich mit dem Großen gestern generall verkracht. Er will selber bestimmen, wieviel Handy- und Onlinezeit er hat. Genieß die Kreisprobleme :-)



Ich hab eh schon Angst vor der Pupertät. Hör auf :schwitz: ...

Zum Thema Kringel. Mein Sohnemann hat sie konsequent weiter im Unterricht NICHT doppelt gemalt. Auf meine Argumentation, dass es im Test dann Punktabzug gibt, meinte er: Dann male ich die halt im Test. Aber sonst nicht. Basta." Es kam der nächste Mathetest vor einer Woche zurück. Was soll ich sagen?! Alle Eurostücke waren fein säuberlich DOPPELT umkringelt :lol: ...
Es kann sein, dass nicht alles wahr ist, was ein Mensch dafür hält, denn er kann irren, aber in allem, was er sagt, muss er wahrhaftig sein.
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Re: Fremdmotivation sinnlos/unerwünscht

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Di 18. Feb 2020, 18:48

@Meine3

Unsere Jungs sind sehr konsequent. Als mein Großer vom Matheleher getadelt worden war, er solle besser und schöner schreiben, und unter anderem Großbuchstaben berücksichtigen, sonst gibt es Punkteabzug, schrieb er die nächste Matheschulaufgabe konsequent Klein. Der Kommentar zuhause: der Lehrer solle auch großes R üben. :) Die ganze Arbeit war dann tatsächlich am Rande rot mit großen Rs, aber dafür gab es insgesamt glaube ich 0,5 Notenpunkten Abzug. Durch eine Drohung konnte man bei diesem Kind noch nie was erreichen.
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Re: Fremdmotivation sinnlos/unerwünscht

Beitragvon Meine3 » Do 20. Feb 2020, 09:48

Katze_keine_Ahnung hat geschrieben:@Meine3

Unsere Jungs sind sehr konsequent. Als mein Großer vom Matheleher getadelt worden war, er solle besser und schöner schreiben, und unter anderem Großbuchstaben berücksichtigen, sonst gibt es Punkteabzug, schrieb er die nächste Matheschulaufgabe konsequent Klein. Der Kommentar zuhause: der Lehrer solle auch großes R üben. :) Die ganze Arbeit war dann tatsächlich am Rande rot mit großen Rs, aber dafür gab es insgesamt glaube ich 0,5 Notenpunkten Abzug. Durch eine Drohung konnte man bei diesem Kind noch nie was erreichen.


:mrgreen:

Mein Sohn ist schlicht dann doch zu ehrgeizig, dass er sich dafür einen Punkt Abzug kassiert. Bei Hausaufgaben etc. macht er es weiterhin "falsch". Klasse finde ich ja, wie er das dann in der Arbeit trotzdem umsetzen konnte. Das nenne ich effizient :lol:.
Es kann sein, dass nicht alles wahr ist, was ein Mensch dafür hält, denn er kann irren, aber in allem, was er sagt, muss er wahrhaftig sein.
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Re: Fremdmotivation sinnlos/unerwünscht

Beitragvon mama_sohn_2012 » So 21. Jun 2020, 16:22

Hallo, ich habe auch so einen 8-Jährigen zu Hause wie du, Vater kluger Kinder. Unsere Rettung war einmaleins.at - kostet nix.
Da können sie Pferderennen machen (für jede Aufgabe stehen vier Lösungen zur Auswahl) und danach Futter kaufen, den Stall ausstatten usw. Oder auch Autorennen, was mit Fischen u. Ä. Es gibt Spiele, die langsamer ablaufen und solche, die schneller gehen. Neben dem Lerneffekt (und seither immer wieder mal zur Auffrischung), war es auch ein Ausloten seines Wagemuts.
Man kann sehr lange nur die einfachen Reihen wählen wie 1, 2, 5, 10. Irgendwann sind aber auch die anderen mal dran.
Es war für ihn auch eine Übung, sich Misserfolgsangst und Zeitdruck mal bewusst zu stellen, wo es um nichts geht.

Habe gerade das Buch von Nora Imlau über gefühlsintensive Kinder gelesen: "Du bist anders, du bist gut."
Wer ein gefühlsstarkes HB Kind zu Hause hat, wird die beiden Phänomene nicht mehr unterscheiden können. Da drin steht, dass gefühlstarke Kinder ein sehr starkes Streben nach Autonomie haben und sich nur sehr ungern was sagen lassen. Mein Sohn hat mal gesagt, er empfindet es als Gesichtsverlust, etwas zu tun, weil ich es verlangt/ihn darum gebeten habe, z. B. jetzt Zähne putzen.
Gefühlsstarke Kinder erleben Frust so extrem, dass sie panische Angst davor haben und ihn mit allen Mitteln vermeiden wollen. D. h. beim Abfragen des Einmaleins mal nicht die Antwort zu wissen, wäre auch ein krasser Gesichtsverlust. Das passt wieder perfekt zu den hohen Ansprüchen, die viele HB an sich stellen (auch wenn sie keine Ehrgeizeltern haben).
Beim Pferderennen geht es aber nach einer falschen Antwort gleich zur nächsten Aufgabe, und während des Rennens will keiner aufgeben. Das hat uns erspart, dass er jeden Fehler als Frust an uns auslässt und er kam wirklich gut ins Training. Natürlich wollte er sich dann auch den Sattel verdienen, die Turniere machen usw. usw.

Übrigens hat er nun auch Duolingo entdeckt. Selbstgewählt ist's eben toll, Vorgegegebenes ist blöd. Der Satz "Das musst du noch nicht können" ist oft ein Garant, dass er sich das ansehen will.
Drum haben wir uns immer gewünscht, dass er Englisch lernt, bevor das Vokabelpauken vorgegeben wird. Ging lange nicht, jetzt wie von selbst. (Bzw. hab ich es angezettelt, indem ich Französisch angefangen habe. Das hat er gesehen und wollte auch. Diese Hintertür empfiehlt sich, wenn sie auf Fremdmotivation so allergisch sind. Allerdings sind wir auch auf der unbewussten Ebene, per Kinesiologie, dran, dass er sich schon auch für Anforderungen von außen öffnet. Einfach, damit er nicht so verbarrikadiert ist und auch in Betracht ziehen kann, dass Anstöße von außen auch was Gutes bringen können, z. B. dass bei der HÜ auch mal was Spaß machen kann :o .)

Wir haben auch extrem lange versucht, ihn per Warnung/Einschreiten vor negativen Erfahrungen zu bewahren. Manchmal nötig, meistens sinnlos. Manchmal ist es besser, sie können sie spüren. Wenn man das mit schulischen Dingen macht, ist es halt wichtig, dass der Zug dann noch nicht abgefahren ist. Meiner dachte, Überschlagen kann er gut genug und hat das Üben abgebrochen. Wenige Wochen später merkt er, dass er so viel Konzentration fürs Schätzen braucht, dass er bei der Divison den Faden verliert. Ist man schon weiter in Rückstand geraten, z. B. in der Mittelschule, kann's sein, dass das Kind das Handtuch wirft - so ähnlich wie sinus es beschreibt.

Das kann auch fürs ganz (schulische) Selbstbild sehr hart sein. Also solange es noch Tricks und Spiele gibt: anwenden. Bei uns haben sie in der Corona-Zeit die Lern-App Anton gekriegt (ich glaub, das muss die Lehrkraft anmelden). So was gefällt ihm auch. Hausübungen sind zu 99 % blanker Horror.

Und das Buch von Nora Imlau ist wirklich toll. Ich bin bei sowas sehr kritisch, aber das ist realistisch, lebensnah, man fühlt sich verstanden UND kriegt gute Wege aufgezeigt. Sie schreibt z. B., dass nur noch 1-2 Frustausbrüche am Tag ein guter Fortschritt sein können. Stimmt.
Und sie sagt so klar, dass die Totalverweigerung bei der HÜ daher kommt, dass sie am Vormittag all ihre Kooperationsfähigkeit einsetzen mussten und nun aufgebraucht haben. Sie können einfach nicht noch mehr Fremdanforderungen bewältigen. Verteidigen lieber 4 Stunden ihre Selbstbestimmung, bevor sie dann 10 min HÜ machen.
Hat da wer gute Erfahrungen, wie man damit gut umgeht? (Da ginge noch was bei uns!)
Ich mache gerade gute mit Festhalten, wenn er mich schlägt. Wenn er aufhört zu rangeln, haben wir gleich eine liebevolle Umarmung, die er spürbar und unglaublich stark braucht in dem Moment.
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Re: Fremdmotivation sinnlos/unerwünscht

Beitragvon zweierpack » So 21. Jun 2020, 17:00

Hallo,

ich habe ein etwas ähnliches "Exemplar" Junge zu Hause (inzwischen 10).
Im Rechtschreibeübungsheft ab der 2. Klasse sollte man aus einem Text 4 Wörter, die einem schwer fallen aussuchen und 3 mal schreiben und dazu noch 4 Sätze auswählen und dann neue Sätze bilden. Er meinte: mir fällt kein Wort schwer, ich fülle das nicht aus ;-)
Dafür schrieb er bei freien Texten zu Lernwörtern nicht pragmatisch pro Satz Subjekt, Prädikat, Objekt, sondern lieber völlig abgefahrene aber in sich schlüssige, fantastische Geschichten (die nie kommentiert wurden).
Das 1x1 war ein Graus, scheinbar gelernt, am nächsten Tag vergessen usw.
In den ersten zwei Klassen war er auch noch sehr gutgläubig (hat irgendwelchen Blödsinn gemacht, weil andere ihm einen Bären aufgebunden hatten etc.).

ich habe mir auch viele Gedanken über Gutgläubigkeit, Eigensinn und Pragmatismus etc. gemacht wie du und immer wieder versucht, mit ihm zu reden (auch wenn ich wenig Reaktion bekam).
Wir haben dann versucht, ihm immer einen möglichen pragmatischen Weg aufzuzeigen, mit dem er in der Klasse zurecht kommt aber sich und seine Eigenheiten nicht völlig verbiegen muss: sag der Lehrerin, du kannst alle Wörter schreiben aber du machst es trotzdem, such dir dann die kürzesten Wörter und Sätze aus. Wenn du frei formulieren sollst mit den Wörtern - "gib dem Affen Zucker"- d.h. schreibe weiterhin den lustigsten Quatsch der dir einfällt (formal richtig, aber für dich unterhaltsam). Ebenso bei Textaufgaben, da kann man Antworten trocken oder witzig formulieren und mehr Spass haben...

Das 1x1 kam einfach über die Dauer der Übung, in der 3. Klasse bin ich auch fast verzweifelt, jetzt ist es mittelmäßig okay von der Schnelligkeit her (was halt für ihn geht ohne stures Auswendiglernen der Reihen von vorne nach hinten und wieder zurück).

Ich glaube. vieles regelt sich auch über Erfahrungen, älter werden, mehr Einsicht in die Struktur Schule und wie Lehrer ticken und sich selbst bekommen (mit sanfter Unterstützung von Eltern). Vor ein paar Wochen sprachen wir über den Quatsch, zu dem er sich in der 1.Klasse anstiften ließ und er sagte nur: in XX war ich in der
1. Klasse so verliebt und so manipulierbar...

Deshalb weiter Wege aufzeigen, wie es vielleicht besser geht und dann sehen, wie er es persönlich machen will.
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Re: Fremdmotivation sinnlos/unerwünscht

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » So 21. Jun 2020, 20:11

Ich glaube je früher man sich mit dem Problem beschäftigt, desto leichter fällt so einem Kind die Schule. Ich habe zwar all die Konzepte über autonome und starke Kinder gelesen, aber sie helfen einem dadraußen häufig gar nicht. Das Kind muss lernen, die von außen gestellten Aufgaben zu erledigen. Das Kind muss auch akzeptieren, dass man mehr als nur einen halben Versuch braucht, um schwierige Aufgaben erledigen zu können. Ich habe von meinem Kleinen ab dem 5. Lebensjahr wesentlich mehr verlangt als von seinem älteren Bruder. Es ging nicht von heute auf morgen, aber über zwei Jahre hat sich das Kind deutlich verändert. Ich habe ihn nicht vor Frust bewahrt, wenn er etwas nicht konnte. Ich sagte auch klar, ob er einen Fehler gemacht hatte. Ich gebe ihm immer eine ehrliche Bewertung, ob ich etwas zu hudelig finde. Ich freu mich mit ihm über seine Fortschritte.
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