Verweigerung und Eskalation

Mein Kluges Kind macht was es will

Verweigerung und Eskalation

Beitragvon Lou » So 13. Jun 2021, 09:57

Hallo zusammen,

ich suche Rat, Denkanstöße und Erfahrungsberichte... klar ist: Wir als Eltern wollen eine tiefergehende Diagnostik bei unserem Sohn (8,1 Jahre, 2.Klasse) auf den Weg bringen. Der Alltag ist für uns vor allem in den letzten Monaten oft schwierig, mittlerweile scheint mir aber auch bei unserem Sohn selbst der Leidensdruck groß zu sein. Unklar ist, wo genau angesetzt werden soll und an welche Stellen wir uns am besten wenden.

Mein Sohn ist ein kluges Kind. Er hat eine schnelle Auffassungsgabe und ein extrem großes Allgemeinwissen. Er liest sehr gerne und viel, vor allem Sachliteratur, vermehrt aber auch Romane für Kinder (aktuell verschlingt er die "Drachenmeister"-Reihe, oft ein Buch pro Abend). Ansonsten tüftelt er gerne draußen im Schuppen rum, baut Flaschenzüge an sein Baumhaus oder experimentiert mit Pipette und Reagenzgläsern. Er kann sich in Hörspiele extrem vertiefen und Stunden nur mit Zuhören verbringen (im Moment "Fünf Freunde"). Sportlich ist Mountainbikefahren sein Ding und er nimmt heute zum zweiten Mal an einem Vereinstraining teil.

Die einzige Testung bisher hat im Alter von 5,3 Jahren stattgefunden. Der K-ABC II-Test. Dabei waren drei Werte im Altersdurchschnitt, der vierte Wert war weit überdurchschnittlich. Falls jemand die konkreten Werte einordnen kann, hier die Standardwerte und Prozentränge:
Sequentiell/GSM - 100 - 50,00
Simultan/Gv - 105 - 63,06
Lernen/Glr - 92 - 29,69
Wissen/Gc - 141 - 99,69
Bei der Frühförderstelle, die den Test durchgeführt hat, wurde das Ergebnis mit "der guten Förderung im Elternhaus" begründet. Durchgeführt wurde der Test durch den Rat des Waldorfkindergartens, der uns eine Untersuchung im SPZ nahegelegt hat (30-minütiger Termin, Ergebnis: Ausschluss einer Entwicklungsstörung), danach fanden zehn Sitzungen Ergotherapie statt (keine Auffälligkeiten) und schließlich die Vorstellung im Frühförderzentrum, die als Eingangsdiagnostik den K-ABC-II Test durchführte. Er daran anschließend an einer Kleingruppe teil, in der er den "Bleistiftführerschein" erworben hat. Im Abschlussbericht steht, dass er interessiert und motiviert mitgearbeitet hat, Arbeitsaufträge aber oft "sehr individuell" umsetzt und sehr klare, enge Vorgaben benötigt mit denen er die Aufgaben dann aber erfolgreich umsetzen kann. Ähnliches Verhalten war auch die Beobachtung des Kindergartens und Grund für die angestoßene Diagnostik: Er sprach Texte/Reime/Verse schneller oder langsamer als der Rest der Gruppe, führte Bewegungen übertrieben aus.
Seit Sommer 2019/Einschulung hat in diese Richtung nichts mehr stattgefunden und auch von Seiten der Schule kamen keine Anmerkungen. Er ist im oberen Leistungsbereich und fügt sich wohl gut ein.

Dennoch fallen im Alltag immer wieder Verhaltensweisen auf, die zu Irritationen führen... dazu gehört auch diese oben genannte "sehr individuelle" Umsetzung von Aufträgen. Oft handelt es sich dabei um eine weite Auslegung des Gesagten, obwohl klar ist, was gemeint ist, wählt er eine andere Auslegung. Ein Beispiel: Er kippt den Zuckertopf auf dem Tisch aus Versehen um und mein Mann sagt mit Blick auf den ausgekippten Zucker neben dem Töpfchen salopp "Schaufel das rein". Mein Sohn nimmt den Löffel und "schaufelt" sich den ausgekippten Zucker mit dem Löffel in den Mund - nicht zurück in den Behälter. Er hat dabei einen riesen Spaß und kann sich wahnsinnig über sich selbst amüsieren! Vor einiger Zeit sprach er einen Bekannten mit einem komischen Namen an, wir unterbrechen irritiert unser Gespräch und auf Nachfrage stellt sich heraus, dass er den Namen rückwärts gesprochen hat. Eigentlich ja auch ein bisschen lustig und auch klug, In der Situation aber führt das zu Irritationen, vor allem auch, weil er sich selbst nicht erklärt. Er lacht und findet sich extrem witzig, erklärt sich aber erst auf (teils nach mehrfacher) Nachfrage. Manchmal lacht er plötzlich sehr laut auf, aus dem Nichts, sodass andere in der Nähe zusammenzucken. Auch hier muss man Nachfragen was los ist und meistens hat er sich in dem Moment irgendetwas lustiges vorgestellt oder musste an etwas lustiges denken.
Ein anderer Aspekt ist noch die starke körperliche Anspannung. Auch bei Aufregung ist er extrem hibbelig. Wenn er sich ärgert (und das ist zur Zeit sehr oft) ballt er die Fäuste, presst die Zähne aufeinander und macht seinen ganzen Körper steif. Er genießt es sehr, wenn man ihm die Arme und Beine fest massiert bzw. knetet oder auch das Spiel auf dem Rücken eine Pizza zu backen.

Die akute Problematik betrifft jede schulische Aktivität bei uns zu Hause. Natürlich schon während des Homeschoolings, leider aber auch jetzt noch bei den (eigentlich sehr überschaubaren) Hausaufgaben. Teils verweigert er die Bearbeitung komplett, manchmal können wir Kompromisse schließen (zum Beispiel von jeder Nummer der Mathehausaufgaben zwei Aufgaben, damit man sieht, dass er es kann). An manchen Tagen bearbeitet er die Aufgaben dann wieder ohne Theater in kürzester Zeit. Meistens jedoch kippt die Stimmung unmittelbar, wenn das Thema auf Hausaufgaben oder ähnliches kommt. Er reagiert dann extrem emotional, meistens mit Wut und Aggression, manchmal aber auch mit tiefer Verzweiflung und vielen Tränen. Grundsätzlich projiziert er den ganzen Frust auf uns. Kürzlich wollte mein Mann eine Situation klären, in der unser Sohn bereits wütend in sein Zimmer gerannt war, da stand er breitbeinig in seinem Zimmer, eine Hand in die Hüfte gestemmt, mit der anderen auf dem Schreibtisch abgestützt und schmettert meinem Mann entgegen "Ich nehme keine Entschuldigung an", eher würde er aus dem Fenster springen - und das trauen wir ihm in diesen Situationen sogar zu. Er macht dann komplett zu, lässt uns nicht mehr an sich ran. Teils habe ich das Gefühl, er entgleitet uns... jetzt schon... mit gerade acht Jahren.
Diese Woche war er am Montag (wegen Bauchschmerzen, die danach schnell wieder weg waren) und am Freitag (Verweigerung "ich gehe nicht in die Schule", "Schule macht mich krank") gar nicht in der Schule.

Davon abgesehen ist er eigentlich ein fröhliches, aktives und sehr humorvolles Kind. Manchmal nennen wir ihn "Pumuckl", weil er jede Menge Schabernack im Kopf hat. So lange wir ihn zu Hause mit schulischen Dingen in Ruhe lassen, läuft es eigentlich!
Am Freitag ("Schule macht mich krank") habe ich auch schon überlegt, ob ich ihn einfach mal eine Woche ganz aus der Schule rauslasse... Ferien... das Thema Schule einfach ignorieren... für ihn und für mich eine Entlastung!

Der Lehrerin habe ich per Mail ausführlich die Problematik hier zu Hause geschildert und um eine Rückmeldung nach den ersten paar Schultagen gebeten. Zurück kam ein Zweizeiler, dass er sich in der Schule gut konzentrieren kann und zufriedenstellendes Verhalten zeigt. Sonst nichts, mit keinem Wort auf den sonstigen Inhalt meiner langen Mail eingegangen.

Die Situation hier muss sich auf jeden Fall verändern. Ich merke selber schon ein Vermeidungsverhalten, um diese Eskalationen zu umgehen. Aber ist das die Lösung?! Auf die Lehrerin können wir meiner Meinung nach nicht setzen. Schon während des Homeschoolings zeigten die Aufgaben und Arbeitsblätter, dass dort nicht viel zu erwarten ist. Oft waren die Arbeitsblätter aus dem Internet von verschiedenen Plattformen mit unpassenden Arbeitsaufträgen. Auf einem AB wurden die Kinder auf ein zu benutzendes Hilfsmittel verwiesen, das in der Klasse noch gar nicht eingeführt war. Ein anderes Mal war ein AB, da laut Arbeitsauftrag zerschnitten werden sollte als doppelseitiges Arbeitsblatt kopiert, sodass die Rückseite dann nicht mehr genutzt werden konnte. Als mein Sohn feststellte, dass er zwar den Arbeitsauftrag richtig ausgeführt hat, aber dadurch das rückseitige Arbeitsblatt unbrauchbar gemacht hatte, führte das zu einem oben beschriebenen "Anfall", der dann oft über eine Stunde dauert, bis man meinen Sohn wieder halbwegs ansprechen kann - mit "Samthandschuhen" und bitte keinesfalls das Thema Schule. Oft führt das dann dazu, dass der Rest der Aufgaben unbearbeitet bleibt, weil keiner mehr Lust hat auf weitere Diskussionen.
Sowieso führen oft Kleinigkeiten zur Eskalation. Am Freitag sollte mein Sohn statt Schulbesuch ein bisschen 1x1 in der "Anton-App" wiederholen. Leider war direkt zu Beginn eine Übung unter Zeitdruck (eine Fledermaus sank vom oberen Bildschirmrand nach unten und wurde durch jede richtige Antwort wieder nach oben geschoben) bei der er mehrere Fehler machte und dann völlig ausflippte. Nachmittags beiläufig gestellte Aufgaben konnte er dann fehlerfrei beantworten.

Soweit erstmal von mir... ich beantworte gerne weitere Fragen, sicher habe ich vieles vergessen.

Vielen Dank fürs Lesen und viele Grüße,
Lou
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Re: Verweigerung und Eskalation

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » So 13. Jun 2021, 18:02

Hallo Lou,

ich habe einen sehr ähnlichen Jungen, auch fast glech alt. Ihr braucht keine tiefgehende Diagnostik. Wenn das Problem in der Schule liegt, ist die unpassende Umgebung schuld an dem Fehlverhalten, und nicht das Kind. Lasst ihn springen, und beobachtet was passiert weiter. K-ABC Wert in 140er Bereich ist unwahrscheinlich "nur" gute Förderung. Wahrscheinlicher ist, dass er sprachlich sehr hoch begabt ist. Das deuten auch die Beispiele mit dem Zucker an.

Wenn Sprung nicht möglich ist, zieht einen Wechsel in die Parallelklasse oder einen Schulwechsel in Betracht. Solange das Kind mit der Situation in der Schule so unzufrieden ist, wird sich nichts ändern lassen.
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Re: Verweigerung und Eskalation

Beitragvon Lou » So 13. Jun 2021, 20:26

Hallo Katze_keine_Ahnung,

danke für deine Rückmeldung!

Ich habe natürlich selbst auch schon an Schritte wie Klassen- oder Schulwechsel gedacht. Gibt es Erfahrungswerte, wie Lehrer oder Schulen auf ein solches Ansinnen reagieren? Soll ich einfach die Klassenlehrerin auf einen Klassensprung ansprechen?
Ich habe noch etwas Hemmungen mit solchen Überlegungen der Lehrerin gegenüber in die Offensive zu gehen... aber so recht sehe ich auch keine anderen Möglichkeiten.

Pauschal ist für solche Schritte kein IQ-Test notwendig? Also erst in der Schule ansprechen und dann bei Notwendigkeit Diagnostik bzw IQ-Test machen?

Habt ihr Erfahrung mit dem schulpsychologischen Dienst? Übernimmt der sowas oder sollte ich mich besser eigenständig an Stellen "außerhalb des Systems" wenden?

Unsicher bin ich mir mit Blick auf einen Sprung auch, da mein Sohn so eine niedrige Frustrationstoleranz hat und es oft in großen Dramen endet, wenn Aufgaben mal nicht klappen.

Viele Grüße,
Lou
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Re: Verweigerung und Eskalation

Beitragvon Auguste » So 13. Jun 2021, 21:44

Hallo Lou,

Bei meinem Sohn fingen die Probleme etwa im gleichen Alter an. Er war da in der 3. Klasse (regulär mit 5,11 Jahren eingeschult). Es fing an mit Verweigerung von Hausaufgaben, danach keine Mitarbeit im Unterricht mehr und schlussendlich wollte er gar nicht mehr in die Schule gehen. Das ganze zog sich über 1 Jahr und wir hatten endlose Gespräche in der Schule - mit Klassenleitung und Schulleitung. Das Fazit: Hat alles nichts gebracht, die hielten uns in Sachen Erziehung für vollkommen inkompetent und unseren Sohn für faul, frech und nicht leistungsbreit und waren genau gar nicht bereit, irgendetwas für meinen Sohn zu tun. Daran änderte übrigens weder die Diagnose AVWS noch der IQ-Test etwas. :schwitz:

Man hat sich notgedrungen mit einem Klassenwechsel einverstanden erklärt und nach 3 Wochen wieder zurückgerudert, weil sich in der neuen Klasse nicht sofort etwas besserte. Mein Sohn hat also nicht mal eine reelle Chance bekommen, in der neuen Klasse Fuß zu fassen... Am Ende der 4. Klasse konnte mein Sohn dann doch in eine andere Klasse wechseln, weil seine Klasse aufgeteilt wurde. Das war sein Glück. Die neue Lehrerin war super und in der Klasse hat er einen Jungen gefunden, mit dem er sich sofort verstanden hat. Bis zum Homeschooling lief dann bei uns alles ganz gut, Sohn hat auch wieder freiwillig Hausaufgaben gemacht und ging gern in die Schule. Schulverweigerung war jetzt im Wechselunterricht noch mal Thema, aber da wurde mein Sohn gemobbt. Er war einfach in der falschen Gruppe, ohne seinen Freund. Jetzt in Vollpräsenz läuft es wieder.

Wir haben damals die Diagnostik völlig unabhängig von der Schule selbst machen lassen und uns einen Kinder- und Jugendpsychiater gesucht, der sich mit Wahrnehmungsstörungen und HB auskennt (die Lehrerin meines Sohnes meinte, er hätte AD(H)S). Das ganze hat uns letztlich gezeigt, dass wir nicht auf den falschen Dampfer unterwegs waren, sondern dass die Klassenleitung und Schulleitung einfach nicht mit begabten Kindern umgehen kann, die keine Hochleister sind.

Ein Sprung kam für uns nicht in Frage. Sohnemann ist zwar schlau, aber Minimalist. Eine niedrige Frustrationstoleranz wurde ihm bei der Diagnostik auch bescheinigt, wobei die sich bei ihm nicht in Aggression zeigt, sondern in zu schnellem Aufgeben. Bei uns kam nur Wechsel in eine Parallelklasse in Frage. Hätte das nicht geklappt, hätte er die Schule gewechselt. Dazu hätte die Schulleitung ihre Zustimmung erteilt (ohne geht es nicht), wahrscheinlich aber nicht im Interesse des Kindes, sondern nur um uns endlich los zu werden.

Wir sind jedenfalls froh, dass wir die Grundschule jetzt hinter uns haben. In 1,5 Wochen fangen die Sommerferien an und dann geht mein Sohn auf sein Wunsch-Gymnasium. Zumindest kognitiv sollte er dort nicht unterfordert sein. Ob er sich dann in seiner Klasse wohl fühlt und wenigstens ein oder zwei "passende" Mitschüler dabei sind, werden wir sehen.

Also wenn ihr unsicher seid, ob das Problem beim Kind oder in der Schule liegt, dann kann eine umfassende Diagnostik sinnvoll sein. Für Euch und Euren Sohn. Ob ihr für einen Klassensprung einen IQ-Test braucht, entscheidet letztlich die Schule. Wenn die Lehrerin bei Eurem Sohn überhaupt kein Problem sieht (und danach klingt die Reaktion auf Deine Mail), dann wird sie einen Klassensprung als völlig abwegig sehen und Euch als "Eislaufeltern" abstempeln, wenn ihr das zur Sprache bringt. Da könnte die Meinung eines Fachmannes/einer Fachfrau durchaus hilfreich sein.

Ich persönlich würde mich dafür aber weder an einen Schulpsychologen wenden, noch ins SPZ gehen. Da können auch gute Leute sitzen. Aber die Wahrscheinlichkeit ist deutlich geringer, als wenn man sich gleich jemanden sucht, der sich mit HB und deren Auswirkung auskennt. Insbesondere auch damit, dass ein HB-Kind durchaus "Baustellen" (wie ADHS, AVWS, LRS, Dyskalkulie usw.) bis zu einem gewissen Grad kompensieren kann, die ein "Wald- und Wiesenpsychologe" dann gar nicht wahrnimmt.

Was die Hausaufgaben angeht, so bin ich irgendwann dazu übergegangen, die Hefteinträge wegen fehlender Hausaufgaben einfach kommentarlos zu unterschreiben und fertig. :roll: Ist besser für die Nerven und das Familienklima. ;)

Gruß
Auguste
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Re: Verweigerung und Eskalation

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Mo 14. Jun 2021, 08:11

Sprünge sind in Deutschland nicht einheitlich geregelt. In Bayern entscheidet der Rektor. Er darf eine Schulpsychologin zur Beratung einbeziehen, muss aber nicht. Ein IQ Test wird dann in der Regel von dem schulpsychologinen Dienst gemacht.

Habt ihr schon versucht mit der Lehrerin einen Gesprächstermin zu vereinbaren? Kennst du die anderen Lehrer an dieser Schule. Wie viele Parallelklassen gibt es? GIbt es eine empathische Lehrerin, die in der Lage wäre, Rücksicht auf die Besonderheiten deines Kindes zu nehmen? Wie ist die SItuation mit anderen Schulen in der Gegend? Gibt es Alternativen?

Ich habe deine frühere Beiträge über Waldorferfahrungen und Aspergerverdacht gelesen. Es könnte schon sein, dass dein Sohn zu dem äußersten Rand des Spektrums gehört. Nur wenn das nach außen bis zum Alter von 8 Jahren keinem aufgafallen ist, kann er das dann sehr gut kompensieren und sich den äußeren Bedingungen sehr gut anpassen. Was würde dann eine offizielle Diagnose bringen? Bei dieser Lehrerin tippe ich auf gar nichts. Sie hat kein Problem mit deinem Sohn: er stört nicht. Dann sind wir dann wieder an dem Punkt, dass er entweder ein anderes System (alternatve Schulen, aber kein Waldorf) oder eine andere Lehrerin braucht, mit der man mehr kooperieren kann, sowohl als Kind als auch als Elternteil. Wenn das Kind in der positiven Umgebung ankommt, kann die Diagnostik auch mehr bringen, weil das Kind vielleicht mehr Krauf und Lust verspürt, mit den Ärzten und Psychologen zu kooperieren. Aktuell scheint er eher in dem Modus: "das bringt alles nichts!" zu stecken.

Meine Großen sind schon fast erwachsen. Wenn ich nach hinten Blicke, sehe ich, dass es sich böse gerächt hat, wenn ich Kinder in den unpassenden Situationen (Schule, Kindergarten) zu lange gelassen habe, mit der Begründung, es gäbe nichts anderes oder es dauert nicht mehr so lange. Als ob es nicht reichen würde, dass man das Kind im Stich lässt, fängt man dann an zuhause absolut nichts bringende Kämpfe zu führen und versucht die Kinder so umzurkrämpeln, dass sie in die Umgebung passen. Wie die Auguste schon vorgeschlagen hat, beeinde am besten gleich heute den Hausaufgabenkampf. Lass dein Kind selber entscheiden, was er macht, und was er nicht macht. Besser nicht gemachte Hausaufgaben als eine zertörte Beziehung zum Kind und ständiger Zoff in der Familie.
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Re: Verweigerung und Eskalation

Beitragvon Rabaukenmama » Mo 14. Jun 2021, 17:07

Katze_keine_Ahnung hat geschrieben:Ich habe deine frühere Beiträge über Waldorferfahrungen und Aspergerverdacht gelesen. Es könnte schon sein, dass dein Sohn zu dem äußersten Rand des Spektrums gehört. Nur wenn das nach außen bis zum Alter von 8 Jahren keinem aufgafallen ist, kann er das dann sehr gut kompensieren und sich den äußeren Bedingungen sehr gut anpassen. Was würde dann eine offizielle Diagnose bringen? Bei dieser Lehrerin tippe ich auf gar nichts.


Da muss ich stark widersprechen. In wie weit ein Kind, welches man nur von einer Beschreibung her kennt, im autistischen Spektrum sein könnte, kann wirklich niemand seriös sagen. Bei meinem älteren Sohn hatten wir die fixe Diagnose mit knapp 8 Jahren, und er war, obwohl er auch einiges kompensieren konnt, KLAR im Spektrum, nicht "am äußersten Rand". Und dass eine offizielle Diagnose "bei dieser Lehrerin" gar nichts bringen würde, ist auch nicht so. Denn man Diagnose hat der Sohn von Lou eine Schulbegleitung bekommen, es sind Nachteilsausgleich möglich (z.B. bearbeiten von Mathe-Aufgaben OHNE Zeitdruck) und man kann mit einem KJP oder Kinderpsychologen "im Boot" auch ganz anders gegenüber der Lehrerin argumentieren, als wenn man ganz allein wäre. Wohlbemerkt, man KANN, man MUSS das nicht nutzen, man muss die Diagnose, sollte denn eine gestellt werden, auch niemanden zeigen und kann selbst entscheiden, wie offen man in der Schule, der Familie und im Freundeskreis damit umgeht.

Die Wutanfälle, die Lou von ihrem Sohn beschreibt, ähneln sehr denen meines jüngeren Sohnes. Und das sind autistische Anfälle, sogenannte "Meltdowns", die von Überforderung (meist sozialer und/oder emotionaler Natur), kann man in der Kombi "Autismus" und "Meltdown" auch googeln. Mein älterer Sohn (auch Autist) hat immer wieder overloads, wenn ihn etwas überfordert, wo er rumbrüllt. Diese sind aber wesentlich kürzer und harmloser als die Meltdowns beim jüngeren Sohn. Für die Schule natürlich trotzdem schwierig, was ihm auch seine Betragennote beschert hat (die ich in Anbetracht seiner anerkannten Behinderungen übrigens sehr ungerecht empfinde :twisted: ). Bei Lous Sohn ist es anders. Er kompensiert in der Schule und lässt den Frust dann zu Hause raus. Auch nicht unbedingt besser, vor allem weil für die Schule und die Lehrerin dadurch der Eindruck entsteht, es sei ohnehin "alles in Ordnung".

Ich würde auf jeden Fall zu einer Diagnostik raten. Den schrägen Humor kenne ich übrigens von beiden Jungs. Mein jüngerer Sohn hat auch immer wieder mal unvermittelt Lachkrämpfe, und nur wenn ich Glück habe, teilt er mit mir, was ihn so belustigt. Eine Zeitlang meinte er immer, er würde sich für unser Aquarium einen Hai wünschen, weil es lustig wäre, wenn der die Fische drin fressen würde. Und hie und da hat er an den Hai im Aquarium gedacht und fürchterlich gelacht, weil er sich eben bildlich vorgestellt hat, wie das wäre. Mein älterer Sohn hingegen liebt Wortspiele und zweideutige Aussprüche. Das allein ist natürlich kein Indiz für Autismus, aber eben doch ein Puzzlestein davon.

Katze_keine_Ahnung hat geschrieben:Wie die Auguste schon vorgeschlagen hat, beeinde am besten gleich heute den Hausaufgabenkampf. Lass dein Kind selber entscheiden, was er macht, und was er nicht macht. Besser nicht gemachte Hausaufgaben als eine zertörte Beziehung zum Kind und ständiger Zoff in der Familie.


Damit stimme ich vollinhaltlich überein. Hausaufgaben sind eine Vereinbarung zwischen Schule und Kind. Wenn das Kind sie nicht erledigt muss das Kind das mit der Schule klären oder die Schule mit dem Kind. Eltern sind dafür mMn NICHT verantwortlich. Klar, erinnern oder helfen wenn mal ein Problem auftaucht ist schon okay. Aber täglicher Kampf auf keinen Fall! Mein Sohn ist grundsätzlich kooperativ, aber wenn er mal eine Hausaufgabe nicht machen will oder kann, dann geht er eben ohne in die Schule und bekommt im schlimmsten Fall dafür eine schlechte Note. So what! Der Friede zu Hause ist mir wichtiger!
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Re: Verweigerung und Eskalation

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Mo 14. Jun 2021, 21:42

"Seit Sommer 2019/Einschulung hat in diese Richtung nichts mehr stattgefunden und auch von Seiten der Schule kamen keine Anmerkungen. Er ist im oberen Leistungsbereich und fügt sich wohl gut ein."

Unter diesen Umstäden einen Schulbegleiter? Das wird nicht funktionieren. Genauso wenig braucht er im Moment einen Nachteilausgleich. Es mag sein, dass ein Problem später kommt, wenn er die Schule wechselt, und sich in der größeren Schule zurecht fidnen muss. Aber bis dorthin müssen andere Probleme gelöst werden, die viel akuter sind.
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Re: Verweigerung und Eskalation

Beitragvon Rabaukenmama » Mo 14. Jun 2021, 22:58

Katze_keine_Ahnung hat geschrieben:"Seit Sommer 2019/Einschulung hat in diese Richtung nichts mehr stattgefunden und auch von Seiten der Schule kamen keine Anmerkungen. Er ist im oberen Leistungsbereich und fügt sich wohl gut ein."

Unter diesen Umstäden einen Schulbegleiter? Das wird nicht funktionieren. Genauso wenig braucht er im Moment einen Nachteilausgleich. Es mag sein, dass ein Problem später kommt, wenn er die Schule wechselt, und sich in der größeren Schule zurecht fidnen muss. Aber bis dorthin müssen andere Probleme gelöst werden, die viel akuter sind.


Ja, diese Probleme müssen gelöst werden, aber diese Lösung ist nicht die Alternative dazu, auch beim Autismus Verdacht genauer hinzusehen. Mein Sohn hatte 3. und 4. Klasse Grundschule schulisch auch kaum Probleme. In seinem Fall war das häuptschlich der Verdienst seiner Lehrerin.

Klar kann man auch bei einem Kind mit Verdacht auf Autismus einen großen Bogen um eine ordentliche Diagnostik machen. Gründe findet man immer. Wenn das Setting passt und es dem Kind gut geht, besteht ja kein Anlass dazu. Und wenn das Kind leidet und verhaltensauffällig wird, müssen ja diese viel akuteren Probleme zuerst gelöst werden...

...nur wird es im Laufe der Jahre eben immer schwieriger, das passende Setting zu finden, weil der Unterschied zu den neurotypischen Mitschülern immer größer und auffälliger wird. Hohe Intelligenz ist da no :cry: chmal erschwerend. Die Meinung ist dann häufig, so ein kluges Kind müsste sich doch auch anpassen können!

Ich will keinen Teufel an die Wand malen. Erstens muss bei einer Diagnostik nichts rauskommen und zweitens kann man auch bei einer Autismus-Diagnose als Eltern selbst entscheiden, wie offen man damit umgeht. Aber die Wartezeiten auf eine Diagnostik sind ohnehin sehr lang, und wenn man diese erst dann anleiert, wenn "alles andere" schon ausprobiert wurde, vergeht nochmal viel wertvolle Zeit.

Bei uns hat die Diagnostik hauptsächlich gebracht, dass wir als Eltern unseren Sohn besser verstehen. Wir nehmen mehr Rücksicht auf seine besonderen Bedürfnisse und sehen diese nicht mehr als spleens. Damit allein können wir einiges, was in anderen Settings (z.B. in der Schule) nicht so gut klappt, ausgleichen.

Und "Nachteilsausgleich" kann vieles sein. Zum Beispiel auch, dass ein Kind, welches massiven Stress bekommt, wenn es unter Zeitdruck arbeiten soll, eben NICHT diesem Zeitdruck ausgesetzt wird. Das Kind im Rollstuhl muss ja auch beim Sportunterricht nicht vollumfänglich mitmachen.

Klar ist die Diagnostik kein Ersatz für die Beseitigung der aktuellen Mißfits.Aber sie kann denjenigen, die das Kind besser unterstützen WOLLEN eine große Hilfe sein.
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Re: Verweigerung und Eskalation

Beitragvon Lou » Di 15. Jun 2021, 22:12

Vielen Dank für eure Beiträge!

Das Thema nimmt mich gerade gedanklich sehr mit und ich schaffe es leider zwischendurch nicht mal eben hier zu antworten - dafür muss ich mich ein bisschen sammeln. Tagsüber bin ich von drei Jungs zwischen 11 Monaten und besagten 8,1 Jahren belagert. Da hört mein Multi-Tasking eindeutig auf!

Hier nur kurz: Immerhin war mein Sohn heute wieder in der Schule und schien mittags auch recht ausgeglichen zu sein. Außerdem hat die Lehrerin ihm angeboten vor der Klasse ein Thema seiner Wahl vorstellen zu können, was er auch gerne machen möchte. Er überlegt über Anakondas oder Komodowarane zu sprechen. Am Freitag habe ich ein telefonisches Gespräch mit der Lehrerin.

Ich versuche in den nächsten Tagen nochmal ausführlicher zu schreiben!

Viele Grüße
Lou
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Re: Verweigerung und Eskalation

Beitragvon Lou » Mi 16. Jun 2021, 21:35

So, nun mit mehr Zeit und Kapazitäten:

Mein Sohn war nun gestern und heute wieder in der Schule. Ich bin sehr froh, dass die Verweigerung (noch) kein festes Muster geworden ist und die Spirale nun vorerst durchbrochen. Am Dienstagmorgen wollte er zunächst nicht in die Schule. Ich habe ihm dann - bezugnehmend auf eine Rundmail der Klassenlehrerin - gesagt, dass in der Klasse mit Aufräumen für die Ferien begonnen wird, die Kinder eine große Tasche für den Materialtransport nach Hause mitbringen sollen und auch bald der Weg zum neuen Klassenraum (nach den Ferien) gezeigt wird. Entsprechend der Anteil an "richtigem" Unterricht nicht mehr so groß ist. Das schien ihn zu motivieren und er ist dann ohne größere Gegenwehr in die Schule gegangen. Für heute hatte ich als Motivation verabredet, dass er von seinen Großeltern von der Schule abgeholt wird und diese dann bis in den Nachmittag besuchen kann. Das zog heute morgen als Argument für den Schulbesuch.
Außerdem hat er gemerkt, dass zwischen Eltern und Lehrerin ein Austausch stattfindet und die Lehrerin hat sich an den zwei Schultagen sehr um ihn bemüht - das direkte Gespräch mit ihm gesucht, Angebot, der Klasse ein selbst gewähltes Thema zu präsentieren, ect.
Insgesamt scheint sich die Lage auf jeden Fall etwas entspannt zu haben!

Das Thema Hausaufgaben haben wir hier zu Hause nun einfach ausgeklammert. Gestern hat er von sich aus einen Hausaufgabengutschein, den er seit der ersten Klasse in seinem Mäppchen aufhebt, eingelöst. Heute hätte er eigentlich Hausaufgaben machen müssen - der Friede zu Hause war mir aber wichtiger. Da schließe ich mich voll und ganz eurem Ratschlag an!

Aktueller Stand ist nun, dass ich am Freitagnachmittag ein telefonisches Gespräch mit der Lehrerin führe, in dem wir die Lage noch einmal besprechen und Sie mir ihre Beobachtungen dieser Woche schildert, die hoffentlich etwas differenzierter sind als "er ist sehr unauffällig". Ich habe sie geben auch darauf zu achten, wie er die Aufgaben bearbeitet, ob er Rückfragen stellt, wie viel zeit er benötigt, ect.
Ansonsten verspreche ich mir nicht viel von der Lehrerin. Wir haben am Montag erfahren, dass sie nur noch dieses Schuljahr die Klassenlehrerin ist und zur dritten Klasse dann eine neue Lehrerin die Klasse übernimmt - das ist dann die dritte, sozusagen eine Lehrerin je Schuljahr.
Überlegungen, uns kurzfristig um einen Schulwechsel o.ä. zu kümmern, haben wir deswegen erstmal geschoben. Neue Lehrerin, neuer Klassenraum, ... das werden wir wohl erstmal ausprobieren.

Diagnostik soll aber auf jeden Fall gemacht werden - so viel wie möglich in den Ferien, damit man im neuen Schuljahr bei auftretenden Schwierigkeiten etwas in der Hand hat, auf dessen Basis man überlegen kann.

@Auguste:
Da habt ihr ja auch einiges hinter euch!
Wir werden weitere Diagnostik auch unabhängig von der Schule anstoßen - dann kann man nachher immer noch schauen, an wen man damit wie herantritt.
Auguste hat geschrieben:Sohnemann ist zwar schlau, aber Minimalist.

Das trifft absolut auch auf meinen Sohn zu! Deshalb kann ich mir einen Sprung bei ihm auch noch nicht so recht vorstellen. Hinzu kommt die niedrige Frustrationstoleranz bei ihm.


Katze_keine_Ahnung hat geschrieben:Kennst du die anderen Lehrer an dieser Schule. Wie viele Parallelklassen gibt es? GIbt es eine empathische Lehrerin, die in der Lage wäre, Rücksicht auf die Besonderheiten deines Kindes zu nehmen? Wie ist die SItuation mit anderen Schulen in der Gegend? Gibt es Alternativen?

Ich kenne die Lehrer an der Schule leider kaum und könnte nicht sagen, zu welcher Lehrkraft sich ein Wechsel/Sprung lohnen würde. Es gibt immer zwei Klassen pro Jahrgang in dieser Schule. Im Ort selber gibt es noch eine Grundschule und zwei weitere in Nachbarorten, etwa 10 Minuten Fahrtzeit mit dem Auto. Außerdem eine Waldorfschule und eine Freie Schule, beide etwa 20 Minuten Autofahrt entfernt.
Im Moment wollen wir aber auf jeden Fall erstmal an der Schule bleiben und schauen, wie das dritte Schuljahr so startet... der Wechsel der Klassenlehrerin könnte theoretisch ja einen ähnlichen Effekt haben wie ein Wechsel der Klasse/Schule.
Katze_keine_Ahnung hat geschrieben:Als ob es nicht reichen würde, dass man das Kind im Stich lässt, fängt man dann an zuhause absolut nichts bringende Kämpfe zu führen und versucht die Kinder so umzurkrämpeln, dass sie in die Umgebung passen. Wie die Auguste schon vorgeschlagen hat, beeinde am besten gleich heute den Hausaufgabenkampf. Lass dein Kind selber entscheiden, was er macht, und was er nicht macht. Besser nicht gemachte Hausaufgaben als eine zertörte Beziehung zum Kind und ständiger Zoff in der Familie.

Vielen Dank für diese prägnanten Formulierungen! Das trifft es... die Beziehung zum Kind hat absolut gelitten bzw. noch vielmehr die Beziehung des Kindes zu uns! Eine weitere Entfernung voneinander wollen unbedingt vermeiden und werden Aufhören ihm wegen Hausaufgaben hinterherzulaufen und Druck zu machen!

Rabaukenmama hat geschrieben:Eine Zeitlang meinte er immer, er würde sich für unser Aquarium einen Hai wünschen, weil es lustig wäre, wenn der die Fische drin fressen würde. Und hie und da hat er an den Hai im Aquarium gedacht und fürchterlich gelacht, weil er sich eben bildlich vorgestellt hat, wie das wäre.

Das könnte tatsächlich auch mein Sohn sein! Allgemein sehe ich schon einige Ähnlichkeiten bei dem, was du über deine Söhne (auch in anderen Beiträgen) schreibst. Ich habe mich auch zu "Meltdown" belesen und denke schon, dass zumindest manche der Anfälle in den letzten Wochen ein solches Ausmaß hatten.
Wir werden auf jeden Fall eine umfassendere Diagnostik anstoßen auch in die Richtung Autimus. Mein Mann steht diesem Thema bisher sehr skeptisch gegenüber - mein Gefühl sagt allerdings, dass da etwas ist und ich glaube, dass es mir im Alltag sehr viel leicht fallen würde, auf die Besonderheiten unseres Sohnes einzugehen, wenn ich wüsste, welche Ursache sie haben oder vielmehr wie eine adäquate Reaktion darauf aussieht. Ich könnte mehr Verständnis aufbringen und die Erwartungen an sein Verhalten als "der Große" von Dreien herunterschrauben.


Ich habe für in den Sommerferien einen Termin in der kinderpsychologischen Ambulanz eines Krankenhauses vereinbart. Dafür musste in ausführlicher Elternfragebogen dorthin geschickt werden. Laut Homepage gibt es ein Erstgespräch zu dem alle bestehenden Befunde mitgebracht werden sollen und davon ausgehend wird dann weitergeschaut.
Dabei stützen wir uns auch auf psychologische Standardtests, die dazu beitragen, möglichst genaue Vorstellungen über die Fähigkeiten, die Selbstwahrnehmung und psychische Belastungsfaktoren zu gewinnen. Dazu gehören z. B. Intelligenz- und Wahrnehmungstests, Teilleistungstests (z. B. auf Legasthenie/Dyskalkulie), die Konzentrationstests, Persönlichkeitstests und projektive Verfahren.

Das wäre nun unsere erste Anlaufstelle.
Oder könnt ihr sonst bestimmte Stellen besonders empfehlen? Wir wohnen in NRW, Ecke Köln - Siegen - Dortmund.
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