Wahrnehmungsstörung

Mein Kluges Kind macht was es will

Re: Wahrnehmungsstörung

Beitragvon Rabaukenmama » Do 19. Nov 2015, 21:43

Hmm, irgendwie ist alles, was du beschreibst, in dem Alter zwar etwas auffällig, aber noch nicht unbedingt besorgniserregend. Das mit dem getragen-werden-wollen hatte mein älterer Sohn bis er ca. 4 war. Kleinsohn ging in der Phase, wo er gehen gelernt hat (also ab 18 Monaten) sehr gerne, hat aber JETZT manchmal die Mama-soll-mich-tragen - Phase. Wenn das aus irgendwelchen Gründen nicht geht kann er aber durchaus selbst gehen - wenn auch unter lautem Protest. So ist das z.B. wenn er Logopädie hat und ich vorher seinen großen Bruder in den Kiga bringe. Dann sitzt der Kleine erst mal (bestenfalls) im Rad-Anhänger, will aber oft nachher bei weiterfahren zur Badner Bahn nicht in den Anhänger einsteigen. Grundsätzlich kein Problem, wir können ja auch gehen - ABER - ER will getragen werden.

Und da ich nicht gleichzeitig ein Kind tragen und ein Fahrrad samt Anhänger schieben kann, wir aber zur Logopädin müssen (ansonsten verfällt eine Euro 75,- teure Stunde) bleibt mir nichts übrig als langsam mit dem Anhänger wegzugehen und zu warten und zu hoffen, dass er nachläuft :schwitz: . Keine ideale Lösung, aber bisher hat sie immer geklappt. Er brüllt dann zwar während des nachlaufens vor Wut und achtet darauf dass zwischen und mindestens 10m Abstand sind, aber immerhin läuft er nach. Für mich ist das natürlich Streß pur weil ich einerseits nach vorne schauen und mich cool stellen muss, andererseits bin ich aber sprungbereit falls er auf die Straße laufen sollte (hat er bisher nie getan, aber man kann ja nie wissen :roll: ).

Das ausrasten und alles auf den Boden schmeißen kenne ich (leider) nur zu gut. Bei meinem Sohn ist das aber definitiv nicht durch eine Wahrnehmungsstörung ausgelöst, sondern es ist reiner Machtkampf. Nur konnte ich das früher nicht so deuten weil ich nie gewusst habe, wie viel von dem, was ich ihm sage oder gebärde, er wirklich versteht. Denn er hat immer so getan als würde er nichts mitbekommen.

Die Frühförderin und die Logopädin haben mich immer ermutigt, Blickkontakt herzustellen, wenn ich ihm was sagen oder gebärden will. Nur mein Sohn wollte keinen Blickkontakt und hat den Kopf absichtlich weggedreht. Selbst wenn ihm wer anderer den Kopf in die richtige Richtung gedreht hat war sein Blick demonstrativ ganz woanders. Und ich war ratlos ob er überhaupt mitbekommt was ich von ihm will. Heute weiß ich: er hat viel mehr mitbekommen, als ich dachte. Nur war er halt schon damals so ein Trotzkopferl und wollte partout nie das machen was ich gerade von ihm wollte.

Auch heute ist es noch oft so, aber mittlerweile weiß ich worum es geht und kann mich in der Situation entscheiden ob mir die jeweilige Sache einen Machtkampf wert ist (bei dem ich längst nicht immer gewinne) oder ob ich mir selbst sage "nicht so wichtig" und ihm seinen Willen lasse. Das ist jetzt wahrscheinlich kein pädagogisch wertvoller Tipp, aber ich muss mir von vorne herein klar sein dass so ein Machtkampf bis zu einer Stunde dauern kann und von sehr lautem Geschrei, um-sich-schlagen und Gegenstände-werfen untermauert wird. Und ich muss damit rechnen dass z.B. meine Brille oder Teile vom Mobilar dabei in Brüche gehen.

Früher war meine Hauptangst aber dass sich mein Sohn bei seinen Wutausbrüchen selbst verletzt. Da bin ich aber mittlerweile dahinter gekommen dass er das nicht tut (wenn doch ist es ein Unfall). Bedingung: ich greife nicht ein! Das musste ich sehr schwer lernen. Aber ich habe gemerkt dass die Selbstverletzungsgefahr bei meinem Eingreifen viel größer ist weil das seine Wut noch steigert und seine Bewegungen dann komplett unkontrolliert werden.

Wenn mein kleiner Sohn z.B. im Trotzanfall seinen Schnuller will gebärdet er mittlerweile "Schnuller", ist aber nicht bereit, ihn aus meiner Hand zu nehmen. Statt dessen wirft er ihn demonstrativ durchs Zimmer. Aber wenn ich ihm den Schnuller NICHT gebe sondern nur in seiner Reichweite hinlege holt er ihn sich nach einiger Warte- und Machkampf-Zeit. Ebenso ist es mit dem anziehen. Kleinsohn kann sich mittlerweile fast alleine anziehen, wenn ich aber von ihm erwarte dass er es tut dann macht er es justamend nicht. Wenn schon der Bus vor der Tür wartet um ihn in den Kindergarten zu bringen bleibt mir nichts übrig als ihn gegen seinen Willen anzuziehen. Für das, was sich dann abspielt, müsste ich eigentlich die goldene Nahkampfspange bekommen :schwitz: . Und ein anderes Mal,wo kein Zeitdruck besteht, zieht sich Kleinsohn mit minimaler Hilfestellung in 5 Minuten komplett an.

Ich kann von deiner Schilderung nicht sagen ob es bei deinem Sohn eine Wahrnehmungsstörung ist oder - wie bei meinem Sohn - einfach nur extremer Trotz. Ich hoffe der Termin im ATZ sorgt für etwas mehr Klarheit, fürchte aber, dass sich erst in den nächsten Monaten herausstellen wird, was wirklich Sache ist.
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Re: Wahrnehmungsstörung

Beitragvon Janina222 » Do 19. Nov 2015, 22:46

Nein er singt keine bestimmten Wörter, er spricht ja gar nichts nicht einmal "Mama" oder eben das einfachste. Er hat schon ein Rhytmusgefühl und verstehen tut er ja alles, auch wenn ich ihm etwas sage, nur spricht er nicht und hört mir meistens einfach auch nicht zu. Er kann nicht wirklich Auffrderungen folgen, ich bin schon froh, wenn er die Flasche auf den Tisch abstellt wenn ich es ihm sage und sie nicht auf den Boden schmeißt. Nein in der Familie gab es auch nichts ähnliches bisher - alle sind/waren "normal."

Kinderwagen schieben kann ich zum Beispiel auch vergessen das tut er auf keinen Fall, er lässt sich nur kutschieren. Er spielt nur mit Autos mi Puppen o. ä. gar nicht, füttern absolut nicht.

Im Kindergarten bleibt er von halb 9 bis 12 und die Betreuerinnen müssen ihn auch füttern, WENN er überhaupt isst, was gekocht wurde. Er zeigt der Erzieherinnen dass er was will gleich wie zu Hause, stellt sich davor und macht "uuuuuuuuuuu". Laut den Erzieherinnen ist er auch brav und macht kein Theater aber sie sagen auch, dass er eben "eigen" ist.

Wir haben zwei verschiedene Rutschfahrzeuge und ein Laufrad, keines davon benutzt er. Sobald wir ihn draufsetzen, ihn auffordern sich draufzusetzen oder es ihm zeigen möchten, blockt er ab und will nicht bzw. steht er auf und entfernt sich. Nur auf das Dreirad setzt er sich hin und lässt sich schieben, tut aber nicht lenken also muss ich meist lenken und schieben gleichzeitig.

Ja, dass mit dem einfach weitergehen und ihn schreien lassen habe ich auch schon gemacht, mein Sohn fängt dann auch an zu schreien und wird schnell wütend. Wie gesagt, er setzt sich dann meist hin sonst geht er auch nach mit Heulen und Krach. Dafür habe ich auch nicht die Nerven dann setz ich ihn in den Kinderwagen.

Ja ich habe auch das Problem, dass er den Kopf bewusst wegdreht, wenn ich ihm etwas zeigen oder erklären will und schaut auf keinen Fall hin, bis ich es wieder aufgeben zu erklären.

Wie schon erwähnt, dass er sich selbst anzieht, kann ich vergessen. Einen Schnuller hatte er noch nie, wollte er nicht und wir wollten es ihm auch nicht aufzwingen. Jedoch trinkt er immer noch aus einer ganz normalen Baby-Trinkflasche obwohl er schon groß genug für einen Becher bzw. eine Kinderflasche ist.

Danke für Eure Hilfe,
LG Jana
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Re: Wahrnehmungsstörung

Beitragvon Koschka » Fr 20. Nov 2015, 01:48

Hallo Jana,

euer Sohn ist noch sehr jung, und keiner wird euch mit Sicherheit sagen können, ob es AWS oder mehr ist. Das ist toll, dass ihr so früh erkannt und akzeptiert habt, dass die Entwicklung nicht ganz rund läuft. Ich weiß aus eigener Erfahrung wie schwer das ist. Was euer Kleiner dirngend braucht ist spezielle Förderung. Egal ob durch euch zuhause oder durch einen Therapeuten, es ist sehr viel davon abhängig, wieviel in den so jungen Jahren gemacht wurde. Er braucht einen Logopäden - es gibt welche, die Kinder schon ab dem 2. Lebensjahr nehmen und irgendjamnden, der mit ihm ganzheitlich arbeitet, ihm Spielen, Kommunikation und Wechselwirkung mit der Umwelt in Rahmen seiner aktuellen Möglichkeiten beibringt. Ihr könnt euch auch informieren und vieles selber zuhause machen. Es ist toll, dass er alles versteht, und an der Umgebung auch interessiert ist, aber es ist auch eine riesige Aufgabe für euch ihm den Zugang zu der Umwelt zu ermöglichen, ihn nicht verbittern lassen. Obwohl er sehr jung ist, kann er vielleicht schon verstehen, dass seine Kommunikationsmöglchkeiten begrenzt sind und es kann auch sein, dass er zumindest zum Teil deswegen sich demonstrativ weg dreht. Auch wenn es dir das jetzt eher unwahrscheinlich erscheint, vieles von jetz sichtbar so nutzlosen Erklärungen taucht später auf, wenn das Kind es doch plötzlich kann. Manchmal hat man das Gefühl, dass man ein schwarzes Loch stopft, und plötzlich kommt ein Entwicklungsschub und das Kind steht. Geht mit ihm aus, in den Zoo, zum Bahnhof, Flughafen, auf den Bauernhof. Er wird überall was mitnhemen. Auch wenn er im Zoo nur vor einem einzelnen Käfig stehen bleibt, wird er sich später an das Tier errinern können. Mein 2-jähriger war gestern in einem Treppenmuseum. Mein Mann und ich haben ihn abwechselnd auf der Wendeltreppe betreut, die er super anziehend fand. Unsere älteren Kinder sind der Meinung, es war ein Meeresmuseum :-)

Manches ist tatsächlich nur durch gnadenlose Maßnahmen und langes Schreinen durchsetztbar. Wenn es die Flasche die Zähne gefährdert, dann muss sie einfach weg, egal wie lang er schreit. Man darf es nur nicht als Bockigkeit sehen, sondern als große Not des Kindes.Man darf damit auch nicht übertreiben. Keiner hat was von Erziehungsmaßnahmen, wenn sie der ganzen Familie nur auf die Nerven gehen. Ich glaube dir gern, dass er nicht selbst essen wird, auch wenn er einen Tag lang hungrig bleibt. Wenn das so ist, ist er noch nicht bereit dafür.Ihr als Eltern seht am besten die Grenze, was noch geht, und was nicht mehr.Lasst euch von Ratschlägen der Nachbarn wie "Große Kinder brauchen keinen Wagen" nicht verunsichern. Euer Kind viellecht doch, davon aber muss Tanta Klara von nebenan nichts genaues wissen. Viele Kinder fahren in Deutschland im Wagen bis sie 3-4 Jahre alt sind. Ich drrücke euch die Daumen für den Termin in ATZ, dass ihr was informatives daraus mitnehmen könnt.

LG
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Re: Wahrnehmungsstörung

Beitragvon Rabaukenmama » Fr 20. Nov 2015, 19:51

Janina222 hat geschrieben:Nein er singt keine bestimmten Wörter, er spricht ja gar nichts nicht einmal "Mama" oder eben das einfachste. Er hat schon ein Rhytmusgefühl und verstehen tut er ja alles, auch wenn ich ihm etwas sage, nur spricht er nicht und hört mir meistens einfach auch nicht zu. Er kann nicht wirklich Auffrderungen folgen, ich bin schon froh, wenn er die Flasche auf den Tisch abstellt wenn ich es ihm sage und sie nicht auf den Boden schmeißt. Nein in der Familie gab es auch nichts ähnliches bisher - alle sind/waren "normal."


Hast du eine Vermutung warum er die Flasche auf den Boden schmeißt? Kann es Trotz sein, vielleicht ausgelöst weil er merkt dass jemand was von ihm will, was er nicht tun mag oder kann? Oder glaubst du es hat andere Gründe?

Wegen sprechen (in unserem Fall: gebärden) und nicht-zuhören (bzw. hinschauen) kann ich auch mitreden. Bei meinem Sohn war das mit 2 Jahren ganz genauso. Er hatte null Interesse an Kommunikation die von außen zu ihm kam und SEINE Kommuniktion mit der Umwelt bestand ausschließlich aus hinzeigen (auf das, was er gerade will) und unterstützendes brüllen bzw. lautieren. Er nahm mich z.B. am Finger, zerrte mich zum Kühlschrank, brüllte so lang, bis ich ihn hochhob und zeigte dann z.B. auf ein Joghurt bis ich ihm das gab. Bei jeglicher Kommuniktion, zu der er überhaupt bereit war, ging es um SEINE Bedürfnisse. Was andere von ihm wollten hat ihn schlichtweg nicht interessiert - da konnte man gebärden so viel man wollte. Ich weiß auch bis heute nicht ob er damals was von dem, was ich ihm gebärdet habe, verstanden hat oder nicht.

Bei uns hat Frühförderung und Logopädie viel geholfen. Mit 80% Behinderung kommt man ja leichter zu solchen Hilfestellungen (wobei wir die Logopädin großteils privat finanzieren) als wenn erst umständlich eine Diagnose benötigt wird um das Ganze in die Wege zu leiten. Und die Frühförderin hat nicht locker gelassen und meinen Kleinen immer wieder genötigt, gewisse Dinge anzusehen oder zu versuchen. Manche Einheit zu 90 Minuten bestand dann nur aus Machtkampf. Ich erinnere mich an eine solche Stunde, wo die Frühförderin noch eine Studentin mitbrachte, die sich ihre Arbeit ansehen sollte. Da hat mein Sohn ein mitgebrachtes Spielzeug durch die Wohnung geworfen und die Frühförderin wollte ihn dazu bringen, es wieder aufzuheben. Das ist ihr aber in den 90 Minuten Zeitfenster nicht gelungen :schwitz: und die Studentin war ganz verwirrt weil sie sich die Arbeit mit Kleinkindern sicher nicht so nervenaufreibend vorgestellt hat.

Damals dachte ich bei mir manchmal dass das, was die Frühförderin von meinem Kleinen verlangt hat, "zu viel" für ihn wäre. Heute, wo er sich in so vielen Bereichen sehr gut weiter entwickelt hat, sehe ich das anders. Vieles von dem, was nach einer Verhaltens- oder Wahrnehmungsstörung ausgesehen hat, war einfach starker Trotz.

Janina222 hat geschrieben:Kinderwagen schieben kann ich zum Beispiel auch vergessen das tut er auf keinen Fall, er lässt sich nur kutschieren. Er spielt nur mit Autos mi Puppen o. ä. gar nicht, füttern absolut nicht.


War bei meinem Sohn ganz genauso. Er konnte (und kann) ein einziges Auto eine Stunde lang auf dem Boden vor- und zurückschieben. Mit Als-ob-spielen (z.B. kochen) fängt er erst jetzt, mit 3,4 Jahren, LANGSAM an. Eine Puppe hat er auch noch nie gefüttert (obwohl sowohl Puppen als auch Löffel vorhanden wären). Trotzdem ist er sozialer als sein Bruder, der ab 18 Monaten (bis heute) gerne als-ob-Spiele gespielt hat. Der Kleine wartet z.B. automatisch bei der Rutsche bis das Kind vor ihm den Auslauf verlassen hat während ich den Großen immer noch dazu ermahnen muss, das zu tun.

Janina222 hat geschrieben:Im Kindergarten bleibt er von halb 9 bis 12 und die Betreuerinnen müssen ihn auch füttern, WENN er überhaupt isst, was gekocht wurde. Er zeigt der Erzieherinnen dass er was will gleich wie zu Hause, stellt sich davor und macht "uuuuuuuuuuu". Laut den Erzieherinnen ist er auch brav und macht kein Theater aber sie sagen auch, dass er eben "eigen" ist.


Das mit dem essen würde ich nicht überbewerten. Wenn dein Sohn satt (z.B. auch von einem Milchflaschi) in den Kindergarten kommt dann kann durchaus sein, dass er in 3 Stunden gar keinen großen Hunger bekommt. Trotzdem würde ich mir mal ein kleines Zeitlimit (z.B. 30min) setzen wenn er hungrig ist und was essbares (z.B. gekochte, kalte Nudeln) nur in Reichweite stellen und abwarten, was passiert. Natürlich nicht täglich, aber einfach mal informativ um dir selbst klarzuwerden was die Ursache für sein Verhalten sein könnte.

Mehr später, Kleinsohn braucht mich :) !
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Re: Wahrnehmungsstörung

Beitragvon Rabaukenmama » Fr 20. Nov 2015, 21:45

Janina222 hat geschrieben:Wir haben zwei verschiedene Rutschfahrzeuge und ein Laufrad, keines davon benutzt er. Sobald wir ihn draufsetzen, ihn auffordern sich draufzusetzen oder es ihm zeigen möchten, blockt er ab und will nicht bzw. steht er auf und entfernt sich. Nur auf das Dreirad setzt er sich hin und lässt sich schieben, tut aber nicht lenken also muss ich meist lenken und schieben gleichzeitig.


Mit 2 Jahren konnte mein Kleiner auch noch kein Rutschfahrzeug lenken. Aber immerhin hat er sich aufs Rutschauto selbst freiwillig draufgesetzt und ist zumindest bis zum nächsten Hindernis gerollt (wo er dann abgestiegen ist weil er nicht mehr weiter konnte). Das Laufrad hat er auch kompett verweigert und erst mit 3 Jahren erste Versuche unternommen. Trotzdem kann er immer noch nicht Laufrad fahren (obwohl er sonst motorisch recht fit ist).

Was bei meinem Kleinen aber auffällig war ist die Angst vor Schnee. Er hat sich komplett geweigert Schnee zu betreten, anzufassen oder irgendetwas mit Schnee zu spielen. Ein hingehaltener Schneeball konnte ihn in Panik versetzen und im Winterurlaub waren wir mit ihm fast nur im Haus weil er sich draußen im Schnee immer tragen hat lassen. Nicht mal auf eine im Schnee stehende Rodel konnte man ihn setzen - er hat sofort in Panik losgebrüllt und nicht mehr aufgehört bis er wieder sicher bei mir oder meinem Mann am Arm war. Bin schon gespannt wie es in diesem Winter sein wird :schwitz: .

Janina222 hat geschrieben:Ja, dass mit dem einfach weitergehen und ihn schreien lassen habe ich auch schon gemacht, mein Sohn fängt dann auch an zu schreien und wird schnell wütend. Wie gesagt, er setzt sich dann meist hin sonst geht er auch nach mit Heulen und Krach. Dafür habe ich auch nicht die Nerven dann setz ich ihn in den Kinderwagen.


Dass er mit heulen und Krach nachgeht wenn du weggehst zeigt sehr deutlich dass er durchaus dazu imstande ist, selbst zu gehen, es aber einfach nicht will. Und wenn es nicht notwendig ist (wie das z.B. im von mir geschilderten Beispiel der Fall ist) würde ich ihn auch einfach im Wagen sitzen lassen. Er ist zwei! Etliche Kinder sitzen noch wesentlich älter im Kinderwagen. In unserer Nachbarschaft ist ein Bub der teilweise noch mit 6 Jahren im Wagen saß weil er eine seltene Art von Muskelrheuma hat und ihm phasenweise jede Bewegung schwer fällt. Da wurde die Mutter schon oft blöd angeschaut, aber keiner hat sich getraut, sie anzusprechen.

Janina222 hat geschrieben:Ja ich habe auch das Problem, dass er den Kopf bewusst wegdreht, wenn ich ihm etwas zeigen oder erklären will und schaut auf keinen Fall hin, bis ich es wieder aufgeben zu erklären.

Wie schon erwähnt, dass er sich selbst anzieht, kann ich vergessen. Einen Schnuller hatte er noch nie, wollte er nicht und wir wollten es ihm auch nicht aufzwingen. Jedoch trinkt er immer noch aus einer ganz normalen Baby-Trinkflasche obwohl er schon groß genug für einen Becher bzw. eine Kinderflasche ist.

Danke für Eure Hilfe,
LG Jana


So, wie du das beschreibst, würde ich unabhängig von der Einschätzung des ATZ professionelle Hilfe suchen. Logopäde (wie von Koschka empfohlen) ist der eine wichtige Punkt, Ergotherapie der andere. Wenn vom ATz keine entsprechende Empfehlung kommt, die eine Verordnung nach sich zieht, dann müsst ihr die Therapien eben (soweit möglich) selbst finanzieren.

Ich kann nur sagen dass mMn bei meinem Sohn gerade die Logopädie sehr viel bewirkt hat. Als er mit 2 Jahren und 6 Monaten damit begann hatte er eine Aufmerksamkeitsspanne von unter einer Minute und ist während der Einheiten immer wieder in seine eigene "Welt" abgedriftet. Mittlerweile sind 10 Monate vergangen und er schafft 45min konzentriertes arbeiten (mit der Logopädin oder der Frühförderin) am Stück.

Vielleicht hätte er diese Entwicklung auch ohne der Logopädin gemacht, ich vermute aber nicht in dem Ausmaß. Generell haben sowohl die Frühförderin als auch die Logopädin immer wieder Aufmerksamkeit von meinem Sohn eingefordert - viel mehr und intensiver als ich das je gemacht habe. Denn wenn sich mein Sohn bei mir nach dem 5. Versuch, ihm etwas zu gebärden, abgewandt hat, habe ich aufgegeben. Aber die beiden sind drangeblieben und nach und nach wuchsen sowohl Aufmerksamkeit als auch Interesse an seiner Umgebung.

Seit einigen Wochen zeigt er auch deutlich mehr Interesse an Kommunikation und hat die Geduld sich anzusehen was ich ihm gebärde und - je nachdem, ob es ihm gefällt oder nicht - entweder zu protestieren (mit kopfschütteln, Augen zupressen, brüllen, davonlaufen,...) oder im Falle von einverstanden-sein gar keine Reaktion zu zeigen. Hört sich jetzt vielleicht nicht gerade ermutigend an, ist aber bei uns ein Riesenfortschritt :mrgreen: .

Langsam kommen immer mehr Forderungen nach Kommunikation. Heute musste ich das Lied "funkel, funkel, kleiner Stern" gefühlte 150x für ihn singen und gebärden (er hat sogar zeitweise seine Horchis getragen :D ) und er hat ganz begeistert mitgemacht. So was wäre vor 3 Monaten noch undenkbar gewesen.

Sicher kann man deinen normal hörenden Sohn nicht 1:1 mit meinem gehörlosen Sohn vergleichen, aber ich finde in Deinen Beschreibungen viele Paralellen zu unserer Situation und möchte Dir daher Mut machen. Denn ich weiß, dass sich innerhalb von einigen Monaten sehr viel zum positiven verändern kann :) .
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Re: Wahrnehmungsstörung

Beitragvon peoplez » Mo 23. Nov 2015, 11:35

Hallo,

ich habe eben deinen Beitrag gelesen. Bei unserem Sohn wurde ebenfalls vor drei Jahren eine Wahnehmungsstörung diagnostiziert. Heute ist er sechs Jahre alt und ich bin ehrlich,
mit dieser Störung kann ich nichts mehr anfangen.

Unser Sohn war bereits mit einem halben Jahr ständig krank. Erst waren es die Bronchien, dann Asthma und Krupp. Anfangs dachte ich noch, dass er vielleicht Entwicklungsschritte
nicht richtig durchlaufen hätte. Er fiel von allen Rutschen auf allen Spielplätzen. Er ist immer mit dem Kopf oben an den Holm gestoßen und rückwärts runtergefallen. Egal wo wir waren, im Urlaub,
in der Kur, zu Hause. Ich habe die Leute verflucht, die diese Rutschen entwerfen, weil ich bis zu dem Zeitpunkt nicht wußte, was mit unserem Kind ist. Wir waren Dauergast im KH und beim Arzt. Zudem konnte unser Kind nur rennen, nicht gehen. Er hat sehr früh gesprochen, aber nach einer Polypenop die Sprache fast verloren. Wir haben ihn gar nicht mehr verstanden. Und noch heute läuft ihm ab und zu der Speichel einfach aus dem Mund und er merkt es nicht. Zudem hat er fast kein Schmerzempfinden und andere Kinder, auch seinen 7 Jahre älteren Bruder oft und lange gehauen. Er selber hat selten Schmerzen verspürt.
Irgendwann hat mein Sohn gemerkt, dass er als Einziger im Kindergarten ständig stolpert und überall gegenläuft. Er war darüber sehr traurig.
Wir waren mit ihm bei einer Logopädin und in der Frühförderung und bei einem Pädaudiologen.
Es gab Phasen, da hat er ein ganzes Wochenende ein Lego Motorrad auseinander gebaut und wieder zusammen gesetzt. Alle Teile in eine Reihe gelegt und von vorne angefangen. Lange Zeit habe ich gedacht, daß unser Sohn auch autistische Züge hat, was immer abgewiegelt wurde, weil er sehr intensiven Kontakt aufnehmen kann.

Es ging bei uns nur noch um Störung, dass war alles so negativ. Und dann bin ich über mich selber zu den Hochsensiblen und Hochsensitiven gekommen. Es gibt ein sehr gutes Buch, Anne Heintze Außergewöhnlich normal. Dieses Buch habe ich glesen und ich arbeite noch heute damit. das war unser Anfang, im Juni diesen Jahres kam dann noch bei unserem Großen eine Hochbegabung dazu, und wir merken, dass unser Kleiner mit seinem langen Leidensweg, wohl auch auch diesen Weg gehen wird. Und seit einem Monat machen wir die vorerst letzte Therapie mit ihm. Es wurde festgestellt, dass seine Mororeflexe nicht ausgebildet waren und sich somit nicht zurückbilden konnten.
Dieses Kinder zeigen übrigens oft ein autistisches Verhalten. Heute weiss ich, mein Bauchgefühl war die ganze Zeit richtig. Und deshalb bin ich heute sicher, mein Kleiner hat keine Störung. Er hat keinen Reizfilter, deshalb ist die Wahrnehmung so groß, er kann nicht filtern und läuft überall gegen. Im Kindergarten war es mir anfangs so peinlich, er hat immer an den Beinen überall blaue Flecken, und ich hatte Angst, irgendwer könnte denken, er wird gehauen. Aber ich arbeite intensiv mit dem Kindergarten zusammen und sie sehen, dass es ihm auch dort passiert wo wir als Familie nicht dabei sind.
Über die Mororeflexe habe ich leider auch erst jetzt erfahren, aber ich finde sie Plausibel. der Mororeflex ist z.B. dafür zuständig, dass das Kind den ersten Atemzug nach der Geburt tätigt.

Für die Medizin gibt es nur eine Erklärung, sie muss wissenschaftlich belegt sein. An diesem Punkt bin ich gar nicht mehr. Wir gehen regelmässig zur Ostheopatin und ich werde demnächst zu einer Kinesiologin gehen. Jeder sucht das für sich persönlich Richtige aus. Ich hoffe, ich konnte ein Stück weit helfen.

Viele Grüße peoplez
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Re: Wahrnehmungsstörung

Beitragvon Mathesembed » Do 28. Apr 2016, 10:27

Habt ihr euch mal mit Ergotherapie beschäftigt?
In der Therapie fokussiert man sich auf betsimmte Abläufe, die unterentwickelt sind und versucht diese in Gang zu bringen.
Eine Bekannte von mir macht gerade ihr Praktikum bei einem Therapeuten in Berlin.

Grüße :)
Mathesembed
 
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Re: Wahrnehmungsstörung

Beitragvon Deadpool26 » Mi 1. Jun 2016, 15:05

Jedes Wochenende tanze ich und singe :lol:
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