Ausraster beim Instrument üben - Ideen?

Mein Kluges Kind macht was es will

Ausraster beim Instrument üben - Ideen?

Beitragvon sinus » Mo 4. Jan 2016, 11:30

Meine Tochter - grad 7 geworden - lernt seit dem Schulanfang ein Instrument.
Das Instrument hat sie sich selbst ausgesucht.
Nun rastet sie regelmäßig gepflegt aus, wenn was nicht klappt wie gewünscht. Sie heult und zetert sie sei einfach zu dumm.
Und dann ärgert sie sich über sich selbst, dass sie so ausrastet.
Sie will nicht weinen und weint dann aus Kummer darüber, dass sie das nicht im Griff hat. Weinend spielen geht natürlich erst recht nicht, das Instrument wegzulegen akzeptiert sie aber auch nicht.
Sehr anstrengend!!!

Ich selbst versuche geduldig zu bleiben, es gelingt mir aber nicht immer. Und es scheint auch egal, wie ich reagiere, also das hat keinen erkennbaren Einfluss darauf, wie und ob sie austickt.
Gestern ist sie wieder so ausgeflippt - weil sie ihr Stück nicht im Tempo der Begleit-CD schaffte - dass ich mich auch nicht mehr zurückhalten konnte, ihr das Instrument wegnahm und drohte, sie abzumelden, da ich das nicht mehr mitmache und mir das keinen Spaß macht so.
Sie flehte mich an, weitermachen zu dürfen und sie würde sich bemühen, sie sei doch auch unglücklich, dass sie sich nicht im Griff hat.
Drama also!

Sie ist sonst übrigens ein ausgeglichenes Kind und neigt nicht zu extremen Gefühlsausbrüchen und macht auch gute Fortschritte am Instrument.
Ich finde die Situation schwer auszuhalten, da wir sonst sehr harmonisch miteinander sind und ich das Gefühl habe, sie zu quälen bzw dass sie sich quält.
Aufhören möchte sie aber nicht.
Ich verstehe auch nicht, was da genau bei ihr passiert - warum nur bricht ihre ganze Welt, ihr Selbstbild scheinbar so dramatisch zusammen, wenn sie was nicht gleich kann...?!

Ich hab ihr auch schon oft erklärt, dass es doch hier nicht darum geht, das Instrument zu KÖNNEN, sondern dass sie ÜBT.
Auch haben wir schon Videos gemacht am Anfang der Woche und am Ende der Woche - wo sie das, was anfangs noch nicht klappte, dann konnte. Meist sind schon nach nur 1-2x Üben die Fortschritte sehr deutlich erkennbar!

Ähnlich lief es neulich übrigens ab, als wir SET spielten. Das rastete sie völlig aus, weil ich fast immer schneller war als sie. Das sei ein doofes Spiel und sie zu dumm dafür. Und warum ich das besser könne, als sie... Ich tröstet sie damit, dass sie das Spiel doch das erste Mal spielte und dass es recht anspruchsvoll sei und ich so viel älter und nun auch nicht doof und machte mir Gedanken, ob ich sie evtl. überfordere...? (Das Spiel ist ab 10 laut Verpackung.)
Vielleicht rastet sie sie immer dann aus, wenn sie sich überfordert fühlt...?!
Am nächsten Tag aber - sie wollte es auf einmal uuuunbedingt nochmal spielen - spielte sie das Spiel mindestens genauso gut wie ich, wenn nicht gar besser. :shock:
Ebenfalls eine dramatische Szene gab es, als ich ihr neulich negative Zahlen erklärte und sie das Rechenn mit Nullübergang nicht direkt richtig machte.
Auch da machte ich mir Vorwürfe, schießlich muss sie das noch nicht können. (Wir waren halt im Gespräch drauf gekommen und sie wollte das näher wissen.)
Auch da machte es dann plötzlich "Klick" und sie hatte das Prinzip kapiert und rechnete das dann mit links. (Maximal 10 Minuten nachdem ich es ihr erklärt hatte - 9 Minuten davon hatte sie allerdings getobt und gezetert)
Also Überforderung scheint es nicht zu sein, die ihr so zu schaffen macht... (Allerdings hat sie evtl. aber schnell das GEFÜHL überfordert zu sein?)

Ideen, wie wir die Übungs-Situation noch verbessern könnten?
Und wie ich sie stärken kann, dass sie nicht immer so überzogene Ansprüche an sich hat und besser klarkommen lernt, wenn was MAL nicht gleich klappt. (Wie gesagt kapiert sie an sich so schnell, dass sie da doch eigentlich inzwischen etwas gelassener sein könnte - wohl wissend, dass sie es schließlich dann doch immer schafft/geschafft hat.)

Alleine üben möchte sie übrigens nicht und das würde sie auch noch nicht hinbekommen. (sie braucht auch jemanden, der ihr bei Noten,Rhythmus & Co noch hilft)
sinus
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Re: Ausraster beim Instrument üben - Ideen?

Beitragvon mamma42 » Do 7. Jan 2016, 23:57

Hallo Sinus,

Ideen, wie man die Übungssituation verbessern kann, habe ich keine, ausser in der akuten Situation Sachen schauen, dass nichts teures zu Bruch geht und sich niemand verletzt. Sie toben lassen, erst mit ihr reden, wenn sie wirklich runtergekommen ist. Vielleicht kann sie dann formulieren, was in ihr vorgegangen ist (Gefühle verbalisieren?).

Ich kann mir aber vorstellen, dass das gleichzeitige Üben mit/zu einer CD ganz schön Stress verursacht. Ich habe mich früher beim Instrument üben häufig verspielt, was aberweniger ausmacht, wenn man alleine spielt oder mit einem menschlichen (besseren) Partner, der darauf reagieren kann. Aber mit einer CD, die einfach weiterdudeltund man muss komplett von vorne anfangen... und wenn man dann noch perfektionistisch veranlagt ist -ufz.

Die Übungssituation in diesem Stil haben wir hier gar nicht (INstrumente werden kaum angefasst), aber mein Sohn hatte vor allem letztes (Schul-) jahr Ausraster in den unterschiedlichsten Situationen:
- z.B. als er beim "Fang den Hut" einen Gewinnzug übersehen hat, und dann nur 2. geworden ist (obwohl er im Normalfall eine ganz gute Frustrationstoleranz hat).
- mehrmals als ein Kumpel da war, ist er nach 1-2 Stunden komplett ausgerastet (am Anfang war alles ok, er ist vorbildlich auf seinen BEsuch eingegangen)
- nach dem er mit dem Ball eine Lampe im Flur kaputt gemacht hat,ich habe nicht gross geschimpft, wollte nur, dass er mithilft den Schaden zu beseitigen: behauptet dann, er wars nicht und weigert sich mit Wutanfall zu helfen
- mehrmals direkt vor einer (abgesprochenen) Familienunternehmung, dass er plötzlich nicht mehr mitwill

Ich denke mal, dass dies letztes Jahr (trat massiv mit Schuleintritt auf) hauptsächlich bedingt durch eine massive Unterforderung in der Schule war. Durch seine permanente Anpassung war sein Nervenkostüm in der häuslichen Umgebung ziemlich dünn.
Ausserdem hat er immer noch das Problem, bzw. es ist wahrscheinlich auch eine Charaktereigenschaft (meint mein Mann): Es fällt ihm unheimlich schwer, über Gefühle wie (vermeintliches)Versagen/Enttäuschung, Versetzung etc zu sprechen. Von seiner Innenwelt erfahren wir herzlich wenig, ich kann es nur vermuten. Er frisst viele negativen Erlebnisse/Gefühle in sich rein und lässt sie dann nur indirekt (und manchmal verspätet) über aggresive Aussagen oder Verhalten raus oder verdreht mit aggresiver Überzeugung Tatsachen.
Es gibt nur sehr selten Momente, wo er etwas von sich herauslässt (z.B. in der Woche, als entschieden wurde, dass er springen darf, da war er relativ offen).
Bei seinem Verhalten habe ich von aussen manchmal den Eindruck, er hätte eine innere Vorstellung, dass er im Grunde alles kann und (über andere) bestimmen kann - aber wie sieht es innen tatsächlich aus?

Daher die Frage: wie geht es Deiner Tochter denn in der Schule?
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Re: Ausraster beim Instrument üben - Ideen?

Beitragvon sinus » Fr 8. Jan 2016, 10:03

Danke für deine Antwort! In der Schule gefällt es ihr und ich habe nicht den Eindruck, dass sie total unterfordert ist. Es fällt ihr leicht und das Beste sind eh die Pausen und der Hort, wie sie sagt. Aber insgesamt mag sie gern zur Schule gehen... und sie hat auch eine tolle und aufmerksame Lehrerin und viele "Freunde" in der Klasse. (In Anführungsstrichen, weil sie selbst immermal zweifelt, was genau einen guten Freund ausmacht und ob sie einen solchen hat... ich denke jedoch, dass es da mehrere "echte" Freunde gibt, ein Drittel der Klasse kennt sie auch noch aus dem Kindergarten und einen "neuen" Jungen mag sie ganz besonders gern und spielt viel mit ihm.)

Das mit dem Stress beim zur CD spielen stimmt, ich habs ja selbst auch schon gemacht. (Anderes Instrument)
Schlimm war sicherlich, dass sie das Stück an sich sehr gut konnte, dann aber plötzlich wieder scheiterte...
Aber so ist das Lehrbuch nunmal ausgelegt und sie hat sich nunmal auch für ein Instrument entschieden, was eher kein Soloinstrument ist.

Ich finde eben vor allem erschreckend, dass sie sich selbst so schnell komplett in Frage stellt. Da frage ich mich immer, warum sie in so Situationen so wenig "Selbstvertrauen" hat und so wenig Geduld mit sich selbst... und ob das mt dem geringen Selbstvertrauen womöglich ein generelles Problem ist.
Wobei sie durchaus auch sehr selbstbewusst sein kann. So hat sie sich z.B. dieser Tage entschlossen, dass sie ihre langen Haare ganz kurz geschnitten haben möchte und wie ein Junge aussehen mag. Nun geht sie in Jungenkleidung und mit kurzen Haaren und findet das total cool. Auf jeden Fall setzt sie sich damit stark von den anderen Mädels ab, da sie in der Klasse die Einzige mit kurzen Haaren ist.
Dazu gehört ja schon auch Mut und Selbstbewusstsein, das so durchzuziehen!
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Re: Ausraster beim Instrument üben - Ideen?

Beitragvon Momo » Fr 8. Jan 2016, 11:49

Liebe Sinus,
ich kenne ähnliche Situationen auch von meiner Tochter. Sie ist sehr ehrgeizig und in einigen Situationen wütend und frustriert, wenn es nicht nach ihren Vorstellungen funktioniert. Aus eigener Erfahrung kenne ich das frustrierte Gefühl gerade beim Üben und Lernen eines Instruments (ich hatte als Kind ganze 13 Jahre lang Geigenunterricht). Ähnlich wie Mama 24 es geschrieben hat, stelle ich es mir auch sehr anstrengend und schwierig vor, mit einer CD zu üben. Mir fiel es am Leichtesten, wenn ich ganz versunken und in meinem eigenen Tempo üben konnte. Dann war es für mich auch ok, schwierige Stellen intensiv zu üben, bis ich sie spielen konnte. Ich denke, bei Deiner Tochter hängt ihre Frustration mit der Lernmethode zusammen. Gibt es eventuell andere Möglichkeiten? Welches Instrument lernt sie denn? Kennst Du die "Suzuki Methode"? Meine derzeitige Klavierlehrerin wendet diese Methode manchmal bei mir an (ich lerne derzeit Klavierspielen, es macht wirklich Freude!). sie lässt mich dann die Musikstücke auswendig spielen und ich bin jedes Mal überrascht, wie wunderbar es funktioniert. Ich spiele dann meistens mit geschlossenen Augen und plötzlich entsteht ein richtiger "Flow", meine Hände und mein Körper scheinen fast von alleine zu spielen, ich habe das Gefühl, die Musik fließt durch mich hindurch. Dieses Gefühl habe ich sehr sehr selten, wenn ich nach Noten spiele. Die Noten lenken so ab, das der eigentliche Kern nicht im Mittelpunkt steht. So viel zu meiner Erfahrung, vielleicht gibt es für Deine Tochter eine Möglichkeit, das Instrument viel spielerischer und freier auf andere Art zu lernen? Hast Du schon mit dem Musiklehrer über die Übproblematik gesprochen? Ich würde es nicht im Beisein Deiner Tochter besprechen.

Noch etwas fiel mir ein, als ich Deinen Bericht gelesen habe. kennst Du das Buch "Das hochsensible Kind" von Elaine Aron? Ich habe es neulich an einem Abend gelesen, ich konnte einfach nicht aufhören! Es hat mich umgehauen, wie sehr alles auf meine Tochter zutrifft. Gleichzeitig hilft es mir sehr, sie besser zu verstehen und hatte sofortigen Einfluss auf unseren Alltag. Durch mein Verständnis für sie, entspannen sich viele Situationen. Es ist ein sehr umfassendes Buch vom Babyalter bis ins Erwachsenenalter- ich kann es Dir sehr empfehlen!
Dass meine Tochter hochsensibel ist, ist mir zwar schon lange klar, doch die Autorin dieses Buches erklärt viele Situationen und Zusammenhänge sehr lebendig und gibt vor allem konkrete Lösungsvorschläge und Anregungen, die im Alltag wirklich helfen können.

Liebste Grüße von Momo
"Unser Leben ist das, wozu unser Denken es macht." Mark Aurel (121-180)
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Re: Ausraster beim Instrument üben - Ideen?

Beitragvon Maca » Fr 8. Jan 2016, 15:49

@ Momo,ich hab hier ja auch so eine hochsensible Tochter.
Allerdings ist sie nun schon 12,aber Kinder solcher 'Art' brauchen so viel Aufmerksamkeit,Liebe ,Geduld und ein Verständnis,welches man sich im Alltag immer wieder erkämpfen muß. Noch mehr als andere Kinder,jedenfalls sehr viel mehr als mein Sohn.
Sie sehen die Welt man anderen Augen,fühlen anders,schlußfolgern zum Teil anders und setzen oft andere Prioritäten,die sich mir häufig erst im Nachhinnein als absolut plausibel offenbaren. Sie werden einen mühsamen Weg durch das Leben gehen müssen und ich hoffe inständig,daß ihre Umwelt ihre unglaubliche Bereicherung wertschätzen wird,denn sie geben soooo viel!
Wenn ich etwas esoterischer wäre,würde ich meine Tochter garantiert für ein 'Kristallkind' halten :D .

Dem Schicksal sei Dank,daß euer Schatz bei euch gelandet ist!!!

LG Maca
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Re: Ausraster beim Instrument üben - Ideen?

Beitragvon Momo » Fr 8. Jan 2016, 18:58

Maca hat geschrieben:
Wenn ich etwas esoterischer wäre,würde ich meine Tochter garantiert für ein 'Kristallkind' halten :D .


Liebe Maca,
Du hast so recht, danke für Deine Worte! Vor einiger Zeit sind wir tatsächlich in Berlin direkt angesprochen worden, als meine Tochter sich mit einem Hund "unterhalten" hat, der eigentlich sehr scheu ist, auf meine Tochter aber erstaunlich offen und freundlich reagiert hat. Die Dame, zu der dieser Hund gehörte, sagte zu meiner Tochter "Weißt Du eigentlich, dass Du ein Kristallkind bist? Ich war erstaunt und fragte sie, was dies bedeutet. Die Frau erzählte es mir kurz und sagte zum Abschied zu mir "Sie sind übrigens auch eines!".
Eine ungewöhnliche Begegnung und egal wie esoterisch man denkt, es gibt Menschen, die nehmen einfach sehr viel wahr. Dieses Phänomen kann man nennen wie man möchte, wichtig ist jedoch, dass man es erkennt, achtet und bewahrt :)

Ganz liebe Grüße von Momo
"Unser Leben ist das, wozu unser Denken es macht." Mark Aurel (121-180)
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Re: Ausraster beim Instrument üben - Ideen?

Beitragvon sinus » Mo 11. Jan 2016, 11:36

Hallo Momo, da sind gute Ansätze dabei. Danke!
Wird aber glaube ich schwierig, die umzusetzen...

Sie hat sich für Saxophon entschieden und wollte auch nur das und sonst nichts anderes.
Leider ist das für so junge Kinder gar nicht "vorgesehen", so dass es nichtmal eine kindgemäße Schule dafür gibt. Normalerweise sollen die Kinder nach dem Zahnwechsel erst anfangen und vorher eher Flöte oder Klarinette lernen.
Das wollte sie aber auf keinen Fall, Saxophon oder gar nichts. Und nachdem sie beim "Instrumentenkarussell" darin bestärkt wurde und sich in einer Probestunde sehr gut angestellt hat, fand der Lehrer es spräche nichts dagegen und wie das dann ohne Schneidezähne ginge, werde man ja sehen. (Sie hat übrigens gerade jetzt zu Weihnachten beide oberen Schneidezähne verloren und es geht trotzdem prima)

Sie lernt aber nun eben dadurch mit einem Heft, das eher an Jugendliche/Erwachsene gerichtet ist.
Ich finde das nicht ganz glücklich, auch was die Auswahl der Stücke betrifft. Die sind doch - passend zum Instrument - eher "eigen" und für jemanden mit noch nicht so viel Musikerfahrung mit "modernerer" Musik vielleicht einfach auch nicht so passend. (Wir hören hier zu Hause nichtmal Radio außer zum Frühstück den Klassiksender. Sie ist also was moderne Musik betrifft auch nicht gerade "vorgebildet"...)

Wir haben nun in der letzten Stunde mit dem Lehrer schon ausgemacht, dass er ihr mal ein paar Kinderlieder aufgibt, statt nur dieser Schule zu folgen. Da weiß sie wenigstens immer, wie sich das Stück anhören muss...

Was du über die Suzukimethode schreibst klingt einleuchtend, ich hab davon schonmal gehört, dachte aber, das gibts nur für die Geige und richtet sich vor allem an sehr junge Kinder...
Ich bin leider auch generell nicht so glücklich mit dem Lehrer, mir fehlt bei ihm das "feeling" fürs Kind bzw auch das Interesse am Gegenüber. Er macht halt seinen Unterricht, nicht mehr und nicht weniger.
Neulich war er z.B. überrascht, dass Tochter letztens erst 7 Jahre alt geworden ist. Und das, wo er doch im Sommer diese erwähnte Probestunde extra gemacht hatte, weil er eben noch nie ein so junges Kind gehabt habe, wie er damals am Telefon sagte.
Oder als wir an einem Freitag erzählten, dass wir wegen des anstehenden Kindergeburtstages wenig Zeit zum Üben haben werden. Er fragte interessiert danach (da kam das auch mit der Überraschung, dass sie erst 7 wird).
In der Folgewoche erklärten wir nochmals, dass wenig Zeit zum Üben war und warum und er tat erneut überrascht, als höre er das erste Mal, dass sie Geburtstag hatte.
Manchmal denke ich, ich bin was das betrifft oft zu anspruchsvoll anderen Menschen gegenüber, aber gerade für ein so junges Kind wünsche ich mir irgendwie schon ein bisschen mehr Interesse und Zugewandheit.

Zumal in dem Alter die Kinder ja angeblich besonders gut Lernen, wenn die Beziehung zu den Lehrpersonen gut ist. Ich selbst kann das bestätigen: was habe ich meine Grundschullehrerin und meinen einen Instrumentallehrer in dem Alter "vergöttert"...und wie schlimm und evtl. auf Jahre hinaus nachwirkend hat ein anderer Instrumentallehrer auf mich gewirkt, der cholerisch veranlagt war und mich regelmäßig anschrie, mir sogar auf die Finger haute und Stücke, die ich seiner Meinung nach nicht gute genug spielte, energisch im Notenheft einfach durchstrich...

Meine Tochter selbst hat aber nichts an ihrem Lehrer auszusetzen und wir kennen uns ja nun auch erst seit 3 Monaten. Vielleicht war einfach auch noch nicht genug Zeit für einen "Beziehungsaufbau". Darum lass ich es erstmal noch laufen.
Sie kennt natürlich aber auch nichts anderes...

Ich überlege aber schon, ob ich einen Lehrerwechsel versuchen sollte. Objektiv gibts ja nichts gegen den aktuellen Lehrer zu sagen, aber ich weiß leider auch, dass der andere Saxophonlehrer so ganz anders ist. (Das ist derjenige, der den Kindern im "Instrumetenkarussell" damals das Saxophon vorstellte und er hat sich dann für Tochter ZUSÄTZLICH extra nochmal Zeit genommen, weil sie so interessiert war und hat mir dann sogar ein Foto geschickt vom Kind mit Instrument. Obwohl wir uns nie begegnet sind vorher... ich habe ihn dann kurz getroffen und hatte ein sehr angenehmen Eindruck von ihm. Er hatte genau das, was mir jetzt fehlt: ein ausgeprägtes persönliches Interesse am Gegenüber; wer er ist, wie er tickt...)

Naja, wie dem auch sei - der Lehrer hat meiner Meinung nach trotzdem eher wenig mit dem Übungsverhalten des Kindes zu tun, also dass ein Lehrerwechsel da viel Besserung bringt, bezweifle ich. Ich habs aber im Hinterkopf und werde fürs nächste Schuljahr mal vorsichtig nachfragen, ob wir überhaupt eine Chance auf den andren Lehrer haben und mit welchem Buch/Methode er denn arbeitet.

Wir werden jetzt aber einfach das Üben zur CD weglassen. In der letzten Stunde hat der Lehrer sie zu besagtem Stück am Klavier begleitet und so hat es wunderbar geklappt. Es klang richtig toll!
(Zitat Lehrer: "Pf, von wegen nur Kinderlieder - das hat doch gerockt!")
Sehr schade ist, dass ICH sie nicht beim Üben musikalisch begleiten kann, aber dazu sind meine Klavierkenntnisse zu rudimentär und durch das Transponieren (Saxophone sind transponierend gestimmt) kann ich auch mit der Geige nicht mal eben mitspielen. Und Geige und Saxophon sind jetzt auch nicht wirklich ein ideales Paar, find ich...

@Momo, da haben wir auch wieder was gemeinsam, nur dass ich nur kurze 5-6 Jahre Unterricht hatte... Ich hatte leider als Kind nie wirklich Freude am Musizieren, was sicher auch an den häufigen Lehrerwechseln lag, 6 Jahre - 5 Lehrer, einer davon, vor dem ich mich sehr fürchtete (da war ich auch erst 7 als ich den oben erwähnten Choleriker hatte) und ansonsten nur einer dabei, der mich wirklich fürs Musizieren begeistern konnte. Den hatte ich aber leider auch nur ein Jahr, da er zur Armee musste.
Ich habe übrigens gerade dieses Weihnachten nach 25 Jahren das erste Mal wieder die Geige in der Hand, eigentlich nur, um meine Tochter zu motivieren, auch was zum familieninternen Vorspielen beizutragen... Die (schon älteren) Kinder meines Bruders spielen alle 1-2 Instrumente und es wird hier Weihnachten nämlich immer viel musiziert. Tochter zierte sich da etwas, hatte dann übrigens dann doch Spaß dran und klagte sogar, dass sie nur drei Lieder konnte und beim Rest des "Konzertes" nicht mehr mitspielen konnte!
Nun bin ich aktuell richtig ein bisschen "angefixt" und habe mir zu Weihnachten gleich selbst einige Notenhefte geschenkt, Sachen, die es zu spielen damals zu DDR-Zeiten in der Musikschule gar nicht gab. (Modernens, Filmmusik u.ä.)
Spielst du denn deine Geige noch? 13 Jahre - da musst du ja richtig gut sein. Und wenn ja, zu welchen Gelegenheiten?
Ich schaffe aktuell nur das "Anfängerniveau" und würde mich gar nicht trauen, anderswo als im stillen Kämmerlein zu spielen.
Aber dafür mach ichs jetzt das erste Mal FÜR MICH und vor allem mit Freude!

Das Buch, was du erwähnst, kenne ich übrigens nicht. Wollen wir uns evtl. mal austauschen? Ich schicke dir eines oder beide der neulich empfohlenen Bücher, du mir das?
Wenn ja, PN mir doch dein Adresse.

So, uff, das war lang...

Liebe Grüße,
sinus

PS: Die Kleine profitiert übrigens sehr vom Musizieren zu Hause. Sie setzt sich fast immer dazu und lauscht oder tanzt dazu. Das kenne ich von der Großen nicht, die sang zwar in dem Alter schon ganze Lieder, was die Kleine jetzt noch nicht macht, aber trotzdem habe ich den Eindruck, dass die Kleine noch mehr Zugang zu Musik hat, als die Große... auf jeden Fall einen "körperlicheren".
Wenn die Große so austickt ist sie leider auch immer ganz verstört, hält sich die Augen zu und versucht sich unsichtbar zu machen...
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Re: Ausraster beim Instrument üben - Ideen?

Beitragvon mamma42 » Mo 11. Jan 2016, 23:58

Hallo Sinus,

Das mit dem Lehrer finde ich schon ganz interessant. Hast Du denn mit dem aktuellen Lehrer konkret über die Übesituation gesprochen?
Ich kann mir schon vorstellen, dass sich die Übesituation durch einen anderen Lehrer verbessern kann, wenn der den richtigen Draht zum Kind hat.
Ich hab auch hier durchaus erlebt, dass man selbst zum Kind nicht durchkommt, aber eine andere, dem Kind zugewandte "Autorität" /Fachkraft nur einmal was sagt und prompt wird dies zuhause beherzigt...vielleicht kannst Du doch mal eine (Sonder-Extra)-Probestunde bei dem anderen Saxophonlehrer bereinbaren?
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Re: Ausraster beim Instrument üben - Ideen?

Beitragvon Momo » Di 12. Jan 2016, 01:32

Sinus hat geschrieben:
Ich überlege aber schon, ob ich einen Lehrerwechsel versuchen sollte. Objektiv gibts ja nichts gegen den aktuellen Lehrer zu sagen, aber ich weiß leider auch, dass der andere Saxophonlehrer so ganz anders ist. (Das ist derjenige, der den Kindern im "Instrumetenkarussell" damals das Saxophon vorstellte und er hat sich dann für Tochter ZUSÄTZLICH extra nochmal Zeit genommen, weil sie so interessiert war und hat mir dann sogar ein Foto geschickt vom Kind mit Instrument. Obwohl wir uns nie begegnet sind vorher... ich habe ihn dann kurz getroffen und hatte ein sehr angenehmen Eindruck von ihm. Er hatte genau das, was mir jetzt fehlt: ein ausgeprägtes persönliches Interesse am Gegenüber; wer er ist, wie er tickt...)


Da würde ich in jedem Fall nachhaken, ich glaube, der Lehrer ist erstmal das allerwichtigste!! Meine Tochter wollte ja vor zwei Jahren gerne von sich aus Klavierspielen lernen. Leider "funkte" es überhaupt nicht zwischen ihr und der Klavierlehrerin. Die Dame ist eigentlich sehr lieb und nett, geht aber auf eine Art mit Kindern um, die meine Tochter überhaupt nicht mag- meine Tochter mag nicht wie ein kleines Kind behandelt und von oben herab belehrt werden. Sie möchte selbst ausprobieren und ernst genommen werden. Ich glaube, das geht vielen Kindern ähnlich, doch meine Tochter ist in diesen Situationen absolut klar und lässt sich darauf nicht ein. Somit ist die gute Frau nun meine Lehrerin und nehme statt meiner Tochter den Unterricht :)
Also, vertraue auf Dein Gefühl, bestimmt lässt sich auf den anderen Lehrer bezogen etwas machen!

Sinus hat geschrieben:
@Momo, da haben wir auch wieder was gemeinsam, nur dass ich nur kurze 5-6 Jahre Unterricht hatte... Ich hatte leider als Kind nie wirklich Freude am Musizieren, was sicher auch an den häufigen Lehrerwechseln lag, 6 Jahre - 5 Lehrer, einer davon, vor dem ich mich sehr fürchtete (da war ich auch erst 7 als ich den oben erwähnten Choleriker hatte) und ansonsten nur einer dabei, der mich wirklich fürs Musizieren begeistern konnte. Den hatte ich aber leider auch nur ein Jahr, da er zur Armee musste.
Ich habe übrigens gerade dieses Weihnachten nach 25 Jahren das erste Mal wieder die Geige in der Hand, eigentlich nur, um meine Tochter zu motivieren, auch was zum familieninternen Vorspielen beizutragen... Die (schon älteren) Kinder meines Bruders spielen alle 1-2 Instrumente und es wird hier Weihnachten nämlich immer viel musiziert. Tochter zierte sich da etwas, hatte dann übrigens dann doch Spaß dran und klagte sogar, dass sie nur drei Lieder konnte und beim Rest des "Konzertes" nicht mehr mitspielen konnte!
Nun bin ich aktuell richtig ein bisschen "angefixt" und habe mir zu Weihnachten gleich selbst einige Notenhefte geschenkt, Sachen, die es zu spielen damals zu DDR-Zeiten in der Musikschule gar nicht gab. (Modernens, Filmmusik u.ä.)
Spielst du denn deine Geige noch? 13 Jahre - da musst du ja richtig gut sein. Und wenn ja, zu welchen Gelegenheiten?
Ich schaffe aktuell nur das "Anfängerniveau" und würde mich gar nicht trauen, anderswo als im stillen Kämmerlein zu spielen.
Aber dafür mach ichs jetzt das erste Mal FÜR MICH und vor allem mit Freude!


Das ist ja wieder einmal lustig, wieder eine Parallele, seltsam, oder??

Leider geht es mir ähnlich wie Dir, leider leider habe ich nach meiner Schulzeit aufgehört Geige zu spielen und nun müsste ich so viel neu üben, dass der Anfang schwer fällt. Dabei habe ich wirklich sehr gut gespielt, auch sehr aktiv als erste erste Geige im Schulorchester, doch die Finger verlieren einfach die Übung, wenn man aufhört regelmäßig zu spielen. Doch immerhin ist meine Geige mittlerweile wieder aus den Tiefen des Kellers aufgetaucht und schaut mich hier immer wieder an und ab und zu spiele ich ein paar Kinderlieder. Meine Tochter fand dieses Instrument schon immer sehr faszinierend, vielleicht mag sie es irgendwann lernen, wer weiß...

Sinus hat geschrieben:
Das Buch, was du erwähnst, kenne ich übrigens nicht. Wollen wir uns evtl. mal austauschen? Ich schicke dir eines oder beide der neulich empfohlenen Bücher, du mir das?
Wenn ja, PN mir doch dein Adresse.

Liebe Sinus, sehr gerne, doch bisher habe ich mir dieses Buch ebenfalls nur ausgeliehen (dank meiner Lieblingsbücherei). Doch ich werde es mir sicherlich bald kaufen, ich melde mich!

Liebe Grüße und bis bald,
Momo
"Unser Leben ist das, wozu unser Denken es macht." Mark Aurel (121-180)
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Re: Ausraster beim Instrument üben - Ideen?

Beitragvon Karen » Di 12. Jan 2016, 13:32

Hallo Sinus,
Saxophon ist schon recht ein spezielles Wahl :-) Ich spiele selber Klavier, habe 10 Jahre Klavierschule hinter mir als Kind, meine Mutter ist Klavier Lehrerin für Kinder 6-15j, und obwohl ich was komplett anderes studiert habe, habe ich für sie während meine Studium Zeiten oft eingesprungen da sie viel damals in Spital war. Ich kann nur vom Klavier sprechen und meinen Eindruck aber vielleicht könnt ihr ein paar Ideen ausprobieren:
1. Ich würde wirklich mit dem anderem Lehrer probieren, dem der dir gefallen hat. Du kannst ihm vielleicht direkt ansprechen, erklären wo eure Probleme sind und fragen ob er bereit wäre deine Tochter zu unterrichten. Ihr könnt ja auch privat zu ihm gehen, statt über der Musikschule in fall wenn Probleme mit Musikschule wegen Wechsel gäbe.
2. Ich würde wirklich nie nie empfehlen mit begleit-CD irgendwas zu spielen bevor sie es schon perfekt kann und in dem alter sowieso nicht. Die Idee von Musik lernen ist ja nicht nur perfekt etwas nachspielen können. Viel wichtiger finde ich das Kinder lernen Musik zu spüren, zu fühlen und zu verstehen und später mal auch selber interpretieren. in Klassischen Musik gibt es keine einziges Stück das ein bekannter Klavierspieler genau so spielt als der andere. Kinder können und sollen eigenen Emotionen lauf geben können und so spielen wie sie Musik spüren. Mit nachahmen durch ein CD hat es wenig zu tun. Vielleicht kannst probieren es deine Tochter zu erklären das es kein Perfekt spielen gibt: das es sehr individuell ist und jedes es anderes interpretiert.
3. Lieder müssen das Niveau des Kindes entsprechen. Wenn zu kompliziertere stücke genommen werden, kommt es schnell zu Frustration... Dabei ist es egal ob das Kind das melodie kennt oder nicht, ob es für erwachsene oder Kinder ist. A: das stück muss gefallen B: für das Kind muss es machbar sein.
4. Wenn ein stück gelernt wird, haben wir immer es "auseinandergenommen" und in abschnitte geteilt (und farbig in Noten markiert). Die einfachere abschnitte waren dann länger, kompliziertere können auch aus einem oder zwei tack bestehen. Alles was wiederholen wird, wird noch mal anderes markiert, so das ganzes stück eine Struktur bekommt und wird auch übersichtlicher. So haben wir kurze ziele setzen können (erste zwei abschnitte üben bis die klappen, alles anderes probieren: egal wenn es nicht klappt) und aus einem riesen Berg ein paar kleine Hügel gemacht. Wenn was nicht geklappt hat, habe ich immer empfohlen es zu hause sein lassen und erst in Unterricht mit Hilfe der Lehrerin üben.
5. Wenn etwas nicht klappt: einfach sein lassen, das stück überspringen und weiter spielen. Das Motto, war auch während der Konzert oder Prüfung in Gebrauch: einfach überspringen, vergessen und nachher mit Hilfe und sehr sehr langsam üben.
6. Frag deine Tochter ob sie was selber erfinden will und einfach so eine Melodie spielen die ihr gerade einfallt. Dann kann sie nicht falsch machen und es macht spass. Nicht alle können es aber. Es lohnt aber auszuprobieren.
7. Es ist sehr hilfreich dass du sie bei üben unterstützt, speziell mit tackt und rythm. Kinder haben oft mehr mühe damit.
Ich hoffe ihr finded ein besseres Lehrer...
Karen
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