Auf Knopfdruck aggressiv - was tun?

Mein Kluges Kind macht was es will

Auf Knopfdruck aggressiv - was tun?

Beitragvon Hope » Di 1. Okt 2019, 21:02

Hallo zusammen,

Eine stille Mitleserin seit einigen Jahren meldet sich heute mal zu Wort ;-) mit meinem Großen 5,4 haben wir aktuell einige Baustellen. Es gab zuletzt immer mehr Probleme im Kindergarten, was uns nun in die psychologische Beratung gebracht hat. Wir sind ganz am Anfang, Gespräche und Diagnostik stehen uns bevor, und im Grunde geht es uns nicht um eine Diagnose, sondern um Problemlösung, wie können wir ihm helfen. Deshalb werfe ich nur kurz in den Raum, dass HB, Hochsensibelität und evtl leichte Tendenzen Richtung Asperger Thema sind. Fakt ist, der Maxi ist anders als andere Kinder, sprachlich sehr früh sehr fit, kognitiv den anderen weit voraus, aber hat massiv Probleme sich zu regulieren (die berühmte 'Schere') , sehr schnell überreizt, viele Wutanfälle, Probleme wenn von Routine abgewichen wird, eine EXAKTE Vorstellung davon wie etwas gespielt wird und keine Toleranz wenn die anderen nicht mitmachen, Probleme mit Gruppenaktivitäten, provoziert ...und weiteres. Er ist im Waldkindergarten, geht sehr gerne hin und hat wunderbare emphathische und kompetente Erzieherinnen, die er sehr gern hat, die allerdings nicht mehr weiter wissen und die Schwierigkeiten mit der kommenden Einschulung in Sommer 2020 sehen.

Unser Dauerbrenner zuhause, weshalb es fast täglich dicke Luft gibt, ist sein Verhalten ggü seinem kleinen Bruder, 1 jahr. Maxi ist im 1:1 Dialog mit einem Erwachsenen ein unkomplizierter und kompromissbereiter, freundlicher und emphathischer Kerl. Sobald der Mini da ist, wird er wie auf Knopfdruck aggressiv und...komisch. Es ist schwer zu beschreiben, aber es ist als wenn sein Hirn aussetzt, er redet dann ohne Punkt und Komma nur sinnloses und dummes Zeug, spricht Minis Namen absichtlich falsch aus, spricht ihn zB mit 'schöne Frau' an und - das treibt mich enorm auf die Palme - ist ihm ggü aggressiv. D.h. er spricht die ganze Zeit zähneknirschend und in so einem psychophatischen Tonfall mit ihm, dreht total auf, wird wild, stampft mit beiden Beinen gleichzeitig auf, zappelt mit den Armen, rennt auf den kleinen zu um kurz vorher abzubremsen, springt ihm ins Gesicht, statt ihm einfach ein Spielzeig anzubieten fuchtelt er es ihm ins Gesicht. Oft kann er sich noch soweit zurück halten, dass er ihm nicht wehtut, aber häufig eben auch nicht. Das bedeutet dass ich im Alltag praktisch alle 5 Minuten zu den beiden rennen muss um den weinenden Mini zu trösten oder zu befreien, wenn der Maxi ihn festhält oder sein Gesicht, die Hände oder Decken oder Spielzeug ins Gesicht drückt. Es macht mich wirklich wahnsinnig!
Eine zeitlang hat er auf mein Eingreifen mit verstelleter hoher Stimme geantwortet 'Aber Mini maaaag das! Er geniiiiiiet das!' und hat gelacht.

Ich hab probiert soweit es geht zu ignorieren, aber das halte ich nicht lange durch, maximal bis der Mini wirklich weint. Ich habe gestraft und ihn in sein Zimmer geschickt ("ich geh nicht in mein Zimmer!!!" - >Wutanfall) oder ihn in sein Zimmer gebracht ("ich komme raus!" - > noch mehr Aggression, Wutanfall). Ich habe Verbote ausgesprochen wenn er es nicht bleiben lässt, hat ihn nicht gejuckt. Habe Belohnungen versprochen wenn er es lässt, auch nicht. Habe tausende Male darüber gesprochen, viele Male hat er versprochen, es zu lassen, nie hat er geschafft. Habe ihm Alternativen geboten, seine Energie und Wut rauszulassen, Hauptsache nicht am kleinen, lehnt er kategorisch ab. Wir haben Zeichen vereinbart, wenn ich merke er dreht wieder auf, mache ich ihn drauf aufmerksam, ignoriert er dann wenns soweit kommt. Ich ermutige ihn sich zurück zu ziehen, runter zu kommen, wenn er wieder 'abstürzt', lehnt er auch immer ab.
ICH WEIß NICHT WEITER! Ich habe keine Idee mehr, was ich noch tun kann. Um den Mini zu schützen müsste ich ihn, sobald beide zuhause sind permanent am Körper tragen, aber das geht einfach nicht und sie sollen und wollen ja auch zusammen spielen. Aber es geht einfach in 95% der Fälle schief.

Ich glaube übrigens nicht dass das eine Suche nach Aufmerksamkeit ist. Wenn ich mich in so einem Moment, zB sehr oft am Esstisch, auf den Maxi konzentriere, mit ihm versuche ins Gespräch zu kommen, blockt er ab. Heute erst mault er mich an 'ich will in Ruhe essen!' um im nächsten Moment wieder den Bruder zu ärgern.
Außerdem zeigt er ähnlich provokatives Verhalten im Kindergarten und übertritt regelmäßig die Grenzen der Kinder zB das zu nahe kommen.

Im Gegensatz dazu ist er in der Musikschule ein Vorzeigekind. Er lässt alles sofort stehen und liegen und ist blitzschnell fertig wenn es darum geht dorthin zu fahren, aber für alles andere gibt es vor dem anziehen ein Riesentheater. Da muss er sich doch auch der Gruppe fügen, sozial angemessen reagieren etc und das scheint ohne Probleme zu klappen?! Auch gibt es danach keinen Zusammenbruch wie wir ihn oft nach dem Kindergarten haben. Ich verstehe mein Kind einfach nicht :( was macht ihn so wütend? Und wie kann ich ihm helfen?

Beim Anschauen von alten Fotos hatten wir letztens folgenden Dialog:
Ich 'schau mal, da war Mini noch gar nicht bei uns!.... Wünscht du dir manchmal dass er wieder weg ist?'
Er (entsetzt) 'Mama, nein!!! Er soll immer bei uns bleiben!'
'auch wenn du uns jetzt teilen musst?'
'hä? Wie meinst du das?'
'naja, wenn ich mich um Mini kümmere kann ich mich gerade nicht um dich kümmern, das heißt dass du mich ja teilst'
'achso. Nein Mama, er ist mein Bruder und ich liebe ihn doch.'

Er hat ein gutes Herz und wir haben ihn so lieb, aber er ist von Anfang an unser Sorgenkind und aktuell wissen wir absolut nicht weiter. :-(

Habt ihr Ideen? Vorschläge? Tipps? Gedanken dazu?
Ich bin für alles dankbar und erzähle auch bei Bedarf und Gelegenheit mehr von ihm.

Erschöpfte Grüße
Hope
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Re: Auf Knopfdruck aggressiv - was tun?

Beitragvon sinus » Di 1. Okt 2019, 21:30

Mir fällt dazu nur ein, dass meine Tochter auch Probleme hatte, als die kleine Schwester ankam. Sie war damals auch im Vorschuljahr und es war unglaublich anstrengend mit ihr.
Sie war sehr launisch und benahm sich auch tw unglaublich kindisch. Gleichzeitig war sie manchmal fast depressiv, weinte abends ohne Grund und sagte Sachen wie "ich wär am Liebsten gar nicht da" und "ich würde gern wie ein Tier ganze allein im Wald leben" und "Niemand braucht mich."
An Silvester sagte sie aber auch"Das Beste an diesem Jahre war, dass ich eine kleine Schwester bekommen habe".

Könnte es bei deinem Sohn auch so sein, dass er tief verunsichert ist, was seine Rolle in der Familie jetzt ist?Er fragt sich vielleicht, ist er klein, ist er groß, wie sollte man sich als großer Bruder verhalten, was erwartet ihr von ihm?
Das ist ja alles eine völlig neue Situation. Und natürlich hat man Erwartungen an ihn, also auch ihr als Eltern. Das spürt er sicher auch.
Gleichzeitig stellen sich diese Fragen ja auch im Vorschuljahr: das stehen die Kinder ja auch förmlich an einer Schwelle, die sie ggf verunsichert. (Meine Tochter wollte bspw damals gar nicht in die Schule kommen. Ich glaube, sie hatte Angst vor der Veränderung).
Wenn er wirklich sehr klug und dazu noch sehr sensibel ist, macht ihm das die ganze Sache womöglich nicht gerade leichter...

So richtig viel helfen kann ich mit Tipps sicher nicht, zumal ihr ja schon professionell beraten werdet.
Ich kann nur berichten, dass ich damals ein "Sorgentagebuch" angefangen habe.
Dazu habe ich mich jeden Abend mit meiner Tochter hingesetzt und sie hat mir diktiert, was ich aufschreiben soll.
Eigentlich war mein Gedanke, dass sie mir erzählt, was alles schön war, und ihr dabei klar wird, dass das Leben doch ganz nett ist.
Aber letzten Endes wollte sie mir vor allem immer das Schlechte alles erzählen. Ich hab dann nachgeben und sie erzählen lassen und möglichst umkommentiert alles aufgeschrieben. Es sprudelte nur so aus ihr heraus. Am Ende habe ich dann aber immer noch paar Sachen beschrieben, die schön waren. Wenn ihr nichts einfiel, habe ich was gesagt, notfalls auch was, was MIR am Tag gefallen hat, was mit ihr zu tun hatte.
Das haben wir ein paar Wochen lang gemacht, dann nur noch alle paar Tage und schließlich gar nicht mehr. Ab und zu fragte sie dann nochmal nach, ob wir mal wieder was aufschreiben könnten...
Was wir dann taten.

Ich glaube, das war eine gute Sache mit dem Sorgentagebuch. Erstens wusste ich so etwas besser, was ihr zu schaffen machte. Zweitens konnte sie mal alles loswerden und drittens war es Exklusivzeit nur für sie, ohne die Babyschwester.
Vielleicht ist sowas ja auch was für euch?

Das beherrschende Gefühl meiner Tochter ist übrigens auch "Wut". Sie sagte und sagt selbst, dass sie manchmal so wahnsinnig wütend sei und gar nicht recht wisse, warum.
Allerdings richtet sie diese Wut (leider) eher nach innen, was sicherlich für sie gar nicht gut ist.
Insofern kannst du vielleicht auch mal einen etwas positiveren Aspekt betrachten: dein Sohn lebt es nach außen aus. Es wird frühzeitig sichtbar, so dass ihr was unternehmen könnt und er ist immerhin nicht selbstdestruktiv.
Zuletzt geändert von sinus am Di 1. Okt 2019, 22:22, insgesamt 4-mal geändert.
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Re: Auf Knopfdruck aggressiv - was tun?

Beitragvon Rabaukenmama » Di 1. Okt 2019, 21:40

Hallo Hope!

An dieser Stelle ist mir spontan Jesper Juul eingefallen und seine Sichtweise zu Geschwistereifersucht und Strafen.

Hier mal ein Link zu einem Beitrag von ihm, wenn man sucht findet man noch vieeel mehr:

https://www.derstandard.at/story/134828 ... schwistern

Sehr empfehle ich auch die Bücher "Aggressionen - warum sie für uns und unsere Kinder notwendig sind" und "Leitwolf sein". In der unmittelbaren Kommunikation mit meinen Kindern hat mir auch das Buch "Familienkonferenz" von Thomas Gordon oft schon geholfen.
Der liebe Gott schenkt uns die Nüsse, aber er knackt sie nicht (Johann Wolfgang von Goethe)
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Re: Auf Knopfdruck aggressiv - was tun?

Beitragvon Hope » Di 1. Okt 2019, 22:09

Danke für eure Antworten!

@sinus: das ist eine interessante Idee, ich werde das in mir wirken lassen. Vielleicht ist das was für den Maxi. Er ist in der Tat sehr stark in seinen Gefühlen, und das immer nach außen, man weiß also immer wie es gerade um ihn steht. Das hat auch Gutes, da stimme ich dir absolut zu!

@Rabaukenmama
Tatsächlich habe ich gerade was von Juul zu lesen da, Leitwölfe und Gordon kenne ich, genauso wie den Artikel. Das Buch über die Aggressionen noch nicht, hab das aber schon auf meiner Liste. Das hole ich mir als nächstes, danke für den Tipp.
Tatsächlich glaube ich nicht dass Eifersucht sein Problem ist. Dafür muss ich ein wenig ausholen.... Er war ein Schreikind, nach dem 1 geb wurde es langsam besser. Ich hatte eine schwere Wochenbettdepression, wir eine gestörte Mutterkindbindung... Unterm Strich, wir hatten eine harte Zeit, die schlimmste meines Lebens und eine harte Probe für uns als Familie. Therapie, Medikamente, Beratung, Training,...Wir haben hart daran gearbeitet und sind stolz wie gut wir das alles in den Griff bekommen haben. Ich kann sagen, wir haben es geschafft! Dann kam der Wunsch nach einem zweiten Kind, es war wieder Kraft da und jede Menge Mut. Unsere Abmachung war, dass mein Mann viel Elternzeit nimmt, mich unterstützen kann und sich um den großen kümmern kann. Er war also die ersten vier Monate komplett zuhause, danach immer mittags und hat den großen abgeholt und dann jetzt nochmal drei Monate komplett zuhause. Es ist ein riesiges Privileg und ich bin unbeschreiblich dankbar dafür, dass das möglich war. Ich hab einen ganz tollen Mann, der für seine Jungs präsent sein möchte. Was ich damit sagen will, es war IMMER jemand für ihn da, das ganze erste Jahr. Wir haben uns immer die Kinder geteilt, und darauf geachtet, dass wir uns abwechseln soweit es mit stillen geht.
Außerdem zeigt er dieses Verhalten auch im Kindergarten und die Probleme dort haben sich im letzten Jahr zugespitzt, waren aber vorher schon da (andere Kinder verstehen sein Spiel nicht, machen es in seinem Augen kaputt, Wutanfälle, Aggressionen, er akzeptiert nicht wenn was vorgegeben wird, etc). Wir haben viel über das Eifersuchtsthema gesprochen und gelesen, aber das haut nicht hin. In unserem Fall glaube ich das tatsächlich.

Liebe Grüße
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Re: Auf Knopfdruck aggressiv - was tun?

Beitragvon sinus » Di 1. Okt 2019, 22:30

Naja, als Eifersucht würde ich das Problem bei meiner Tochter auch nicht bezeichnen. Sie war nicht unmittelbar eifersüchtig und auch nicht missgünstig gegenüber der Schwester. Ich glaube, sie war einfach neben sich, weil sie ihre neue Rolle noch nicht gefunden hatte. Sie wusste plötzlich nicht mehr, wer sie war in der Familie, wo sie steht, was von ihr erwartet wurde. Luftleerer Raum sozusagen, unsicherer Boden. Tiefe Verunsicherung.
Das kann einen schon mächtig aus dem Tritt bringen, denke ich.

Was du über eure Startschwierigkeiten schreibst, spielt vermutlich auch eine Rolle. Könnte durchaus sein, dass das auch nochmal aufgearbeitet werden muss irgendwann, das erste Jahr ist ja angeblich ganz entscheidend.
Aber das ist dann wirklich was für Fachleute.
sinus
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Re: Auf Knopfdruck aggressiv - was tun?

Beitragvon alibaba » Mi 2. Okt 2019, 08:00

Moin,

ich würde auch sagen, hier können euch wohl nur Fachleute weiter helfen. Wenn es tatsächlich in Richtung Asperger gehen sollte - schwere Einordnung von Gefühlen - dann helfen Dir ja unsere besten Hinweise nichts.

Ich kann Dir nur sagen, dass es bei uns auch Geschwisterrivalitäten gibt, aber in dem von Dir beschriebenen Maße noch nie.

Hast du mal mit deinem Großen in Ruhe (ohne den Kleinen) gesprochen? Ohne Suggestivfragen? Deinen beschriebenen Dialog finde ich unglücklich.

Ich denke, der Weg sich externe Hilfe zu holen, ist der richtige.
alibaba
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Re: Auf Knopfdruck aggressiv - was tun?

Beitragvon Meine3 » Mi 2. Okt 2019, 09:18

Hallo du,

herzlich willkommen als "aktives" Mitglied :fahne:.

Zum Teil finde ich meinen Sohn in deinen Beschreibungen wieder, was das oft provokative und wilde Verhalten angeht. Allerdings ist er oft SEHR einsichtig und bekommt sich reguliert. Er mag Regeln und Aufgaben "von außen" auch überhaupt nicht. Mal klappt es sehr gut, mal ist es eine Katastrophe. Ich habe gemerkt, je mehr "Druck" ich ausübe, desto weniger klappt es.

Wenn der Frust sehr groß ist, dann ist er auch aggressiv und sehr schnell übermäßig wütend.

Was bei uns NICHT der Fall ist, dass er das an den Geschwistern auslässt. Im Gegenteil. Die Geschwisterbeziehung (er hat 2 kleinere Schwestern, 1,5 und 4 Jahre jünger) ist außerordentlich gut und ich erfreue mich jeden Tag daran, wie nett und liebevoll meine Kinder miteinander umgehen. Natürlich gibt es Streit und Eifersüchteleien aber im Großen und Ganzen ist es einfach nur schön zu sehen, wie lieb sie sich haben.

Mich hat vor allem eins hellhörig gemacht: die schwere "Babyzeit"...Bei unserem Sohn war das auch so. Er war eine schwere Geburt (36 Stunden Wehen, kein eintreten ins Becken, bei komplett geöffnetem Muttermund, schließlich Kaiserschnitt, da ich Fieber bekam und bei meinem Sohn die Herztöne sehr schlecht wurden). Er hat auch sehr viel geschrien, die ersten 3 Monate, danach wurde es etwas besser, aber so einfach wie seine Schwestern war er bei Weitem nicht zu handhaben. Er hat wenig geschlafen, brauchte (und braucht!!!) viel Aufmerksamkeit. Auch ich hatte nach der Geburt psychisch einen starken "Durchhänger", ich würde schon auch sagen, dass es eine leichte Wochenbettdepression war. Ich hatte eine sehr gute Hebamme, die sehr geholfen hat, dass ich nicht komplett "abrutsche" und auch das Verhältnis zum Kind konnte dadurch "geschützt" werden.

Manchmal frage ich mich, ob seine Geburt und die Säuglingszeit schon so schwierig war, WEIL er ist wie er ist ;) , oder ob er so ist, WEIL die Geburt und erste Zeit so schwierig war. Da gibt es ja verschiedene Theorien... Fakt ist, dass die erste Zeit auf der Welt, SEHR prägend ist für den Rest unseres Lebens. Ich könnte mir gut vorstellen, dass hier der Hund begraben liegt. Sicherlich werdet ihr bei den Gesprächen (Anamnese) darauf eingehen...

Man merkt, dass du dein Kind liebst. Man spürt aber auch die große Frustration und die vielen Fragezeichen, die sein Verhalten bei dir auslösen. Verständlicherweise.

Es gibt abgesehen von Asperger, Hochsensibilität und Hochbegabung noch sehr viel mehr "Ursachen", die aggressives, oppositionelles Verhalten verursachen können.

Auch wenn du Eifersucht NICHT für den Grund hältst, weil er nach eigenen Angaben, "mini" liebt (was ja schon mal sehr beruhigend ist :) ), kann dennoch hier etwas in ihm "gären"... Wahrscheinlich sehr unbewusst. Wie ist denn deine Bindung und Beziehung zum Mini? Ist diese "einfacher und unkomplizierter"? Wenn ja, wird er das auf jeden Fall spüren. Vielleicht wird er sich unbewusst so fühlen, als sei er weniger "geliebt", auch wenn dies nicht zutrifft und er diese Gefühl, nicht "richtig" und deswegen weniger geliebt zu werden, nicht verbalisieren kann.

Im Grunde ergibt es keinen Sinn auf die Ferne irgendwelche Vermutungen anzustellen, da man ja immer nur das Bild hat, was einem das Geschriebene vermittelt und wir hier alle Laien sind.

Zum Thema Geschwisterbindung hat mir meine Schwägerin SEHR geholfen. Sie sagte immer, dass das ältere Kind in der Babyzeit des Geschwisterkindes WICHTIGER zu nehmen sei (was mich erst einmal schwer irritiert hat). Es sollte mehr Aufmerksamkeit bekommen als das Baby. Das allerwichtigste sei jedoch, NIE mit dem älteren Kind zu schimpfen, wenn es Kontakt zum Geschwisterchen sucht, auch wenn es mal "grob" oder wild daher kommt, sofern man merkt, es geschieht mit einer netten Gesinnung. Natürlich muss man dem älteren Kind erklären, dass es aufpassen muss etc.pp. Aber Bestrafungen oder richtiges Schimpfen ist absolut nicht zielführend. Dem Baby geht es gut, solang es bei Mama in der Nähe ist und die Stimmung gut ist. Dem Baby macht es wahrscheinlich sehr viel weniger was aus, wenn es mal kurz eine Rassel auf die Nase bekommt, als dir, die das Gefühl hat, ihr kleines Kind vor dem großen Kind "beschützen" zu müssen. Da geht ja auch viel Vertrauen verloren, was für euch beide nicht schön ist. Natürlich musst du aufpassen, dass niemand ernstlich verletzt wird. Verstehe mich hier bitte nicht falsch. Aber der Ansatz, "Maxi" zu bestrafen oder zu schelten, führt nicht dazu, dass das Verhältnis besser wird. Weder zwischen dir und deinem Kind, noch zwischen den Geschwistern. Ich kann sehr gut verstehen, dass du aus Verzweiflung auch das "ausprobiert" hast, aber sicherlich hat es nichts gebracht ;)...

Das ältere Kind fühlt sich oft durch das ankommen eines neuen Familienmitgliedes in seiner Stellung "bedroht" oder wie Sinus es treffend gesagt hat, verloren (wo ist mein Platz in der Familie, wie wichtig bin ich jetz noch für meine Eltern, werde ich "ersetzt"?, werde ich noch genau so geliebt wie das Baby, etc) ... Kinder sind sich ihren Gefühlen oft nicht so bewusst, können sie nicht einordnen... Das kann Ängste und Unsicherheiten auslösen, die dann auch sehr komische Verhaltensweisen mit sich führen.

Natürlich kann das seltsame Verhalten, dass besonders stark in der Geschwisterbeziehung zu beobachten ist, pathologische Gründe haben (also eine psychische Störung, in welcher Art auch immer), aber es kann auch gut sein, dass es nicht so ist und das hoffe ich für euch.

Wie habe ich das mit der Geschwisterbindung gemacht? Ich habe die Ratschläge meiner Schwägerin befolgt und es hat bei uns damit sehr gut funktioniert, obwohl mein Sohn auch ein sehr ungestümes und wildes Kind ist, das oft nicht mitbekommt, wann es "gut" ist... Ich habe ihn von Anfang an, in die "Pflege" und Erziehung der Schwestern mit einbezogen. Er durfte beim wickeln helfen und beim baden, er durfte den Kinderwagen schieben und immer (im Säuglingsalter, wo sie noch sehr viel schlafen, auch wenn die Kleinen geschlafen haben) streicheln und herzen und küssen. Wenn er seinen Schwestern mal zeigen wollte, wie "toll" er auf das Bett springen kann :schwitz: , während das Kleine grade drauf lag, habe ich auch das ein oder andere mal SEHR geschwitzt, aber es ist nie was "schlimmes" passiert. Natürlich hat er auch mal mit Spielzeugen umhergefuchtelt, so dass ich dachte, "muss das jetzt sein?" :roll: . Aber im Endeffekt, meinen sie es doch nur gut... So sicher auch dein Sohn, wie ja auch schön zu merken ist, wenn er so liebevoll über ihn spricht.

Auch habe ich, wenn sie sich mal gestritten oder unsanft oder grob zueinander waren, nicht geschimpft, sondern gezeigt, wie sich das andere Kind jetzt fühlt. (wie zum Beispiel:"Schau mal,deine Schwester weint! Du hast ihr weh getan. Das wolltest du sicher nicht. Kannst du bitte vorsichtiger mit ihr spielen?" ), das hat, glaube ich, sehr dazu beigetragen, dass sie aufeinander achten. Zugegebenermaßen kann das mein Sohn am wenigsten gut. Er ist manchmal so von seiner Idee oder seinem "Spiel" eingenommen, dass er das "Nein", ein verkniffenes Gesicht oder abwehrende Körperhaltung nicht sofort mitbekommt :|, aber auch da weise ich ihn dann wieder darauf hin und dann kommt meistens ein:" stimmt! Entschuldigung!"

Bei der Diagnostik kam übrigens nichts "pathologisches" heraus. ADHS-Diagnostik war grenzwertig (nicht eindeutig ;) ) und IQ-Test sehr heterogen und im Gesamtwert nicht aussagekräftig, weil er auch hier nicht immer mitgemacht hat :roll:... Die Psychologin ordnete sein "Sozialverhalten" jedoch als normal ein und betonte sogar, dass er sehr gut auf andere eingehen kann, sofern er nicht grade in seiner Idee "gefangen" ist ;) . Und das ist (leider?) einfach sein Charakter.

Es gab eine Zeit, da habe ich sehr viel mit meinem Sohn geschimpft (Verhaltensauffälligkeiten im Kindergarten). Aus Verzweiflung... Es wurde dadurch aber schlimmer und nicht besser. Erst als ich ihm wirklich zugehört habe (erzähl mal, was ist los? Warum musst du im Kindergarten grob zu den anderen Kindern werden?) ohne Suggestivfragen zu stellen oder ihm "Vorschläge" zu machen, hat sich etwas geändert und ich habe tatsächlich etwas von ihm erfahren. Wir waren übrigens genau zu dieser Zeit dann auch bei der Diagnostik...

Ich wünsche Euch sehr, dass euch die Diagnostik und Therapie hilft. Euer Sohn ist ein gutes Kind. Ihr werdet zusammen mit der KJP herausfinden, was lost ist und werdet ihm helfen können.

Alles Gute!

Meine3
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Re: Auf Knopfdruck aggressiv - was tun?

Beitragvon sinus » Mi 2. Okt 2019, 10:10

...bist du eigentlich sicher, dass die ganzen "Spirenzchen", das Ärgern, nicht sein Versuch sind, Kontakt zum kleinen Bruder aufzunehmen?
Vielleicht weiß er einfach nicht, wie das geht bei so einem kleinen Kind, was ja noch kaum was versteht und oft völlig unkalkulierbar reagiert. (Was wiederum für ein neugieriges Kind auch durchaus so spannend sein kann, dass man es immer wieder nur versuchen möchte. :P )
So wie Meine3 es schrieb, sollte da ggf. eher sanft regulierend eingegriffen werden, statt geschimpft und mit Konsequenzen gedroht. Ist er wirklich wie du schreibst eine Gefahr für den Bruder oder machst du dir nur Sorgen, dass was passiert? Hat er ihm schonmal ernsthaft weh getan?

Meine Mädchen mögen übrigens BEIDE keine Babys und können generell mit jüngeren Kindern wenig anfangen. (sie gehen ihnen wo nur möglich aus dem Weg)
Die Große hatte im Kindergarten/Vorschulalter sogar immer fast Angst vor ihnen, weil eben nicht vorhersehbar war, was da passiert. Wie die Kinder reagieren, ob sie was falsch macht...
Darum war die Beteiligung an der Pflege der Kleien Schwester bei uns nicht der richtige Weg - es wäre für die Große eher eine Strafe/Belastung gewesen.
Aber zur Aufsicht und zum Bespaßen habe ich sie manchmal "eingeteilt".
Sie hat z.B. gern im Wohnzimmer einen Hindernisparcours aufgebaut, als die Kleine im Krabbelalter war.

Wir haben im Bekanntenkreis ein Geschwisterpaar, wo der große Bruder auch immer unglaublich grob und "ungeschickt" zur jüngeren Schwester war. Er erkannte die Grenzen nicht und war einfach nicht in der Lage, auf die richtige Weise Kontakt aufzunehmen, obwohl man den Eindruck hatte, dass er es durchaus versuchte, also nicht ärgern wollte, sondern den Kontakt suchte. Das setzte sich dann auch in der Schule fort. Meiner Tochter hat er mal bei einem Ausflug immer wieder den Bollerwagen schmerzhaft in die Haxen gefahren. Das war offensichtlich sein Versuch, sie zum Spiel aufzufordern. Er war da schon so 11, 12 und hätte es an sich besser wissen müssen...
Mit 13 wurde dann eine Autismus Spektrums Störung diagnostiziert und er bekam/bekommt seitdem Verhaltenstraining.
Seitdem ist es sehr viel besser geworden und seine Besonderheiten werden ach der Diagnose von Lehrern und Mitschülern auch besser akzeptiert.
Im Umgang mit Erwachsenen gab es übrigens auch keine Probleme, außer, dass er ein tüchtiger "Klugschwätzer" war und manchmal nicht merke, wenn er nervte.

Vielleicht ist eine Art "Verhaltenstraining" für den Umgang mit dem Bruder ja für euch auch eine Versuch wert. Also dass du unmittelbar mit ihm zusammen Dinge machst, um den Kontakt zwischen Maxi und Mini aufzunehmen.
Wenn er mal wieder tritt oder so OHNE zu schimpfen hingehst und sagst: "Du, schau mal, das tut ihm weh, aber so, DAS mag er/bringt ihn zum Lachen" etc pp.

Das mit dem eigenartigen Gerede und der verstellten Stimme kann übrigens auch sein, dass er das schlicht bei euch/anderen so beobachtet hat. Als Erwachsener verstellt man seine Stimme im Umgang mit Babys und kleinen Kindern ja nachweislich ganz automatisch, spricht mit höherer Stimme und auf anderem Sprachniveau. Meist völlig ohne es zu merken!
Vielleicht versucht er, das zu imitieren und ist darin schlicht nicht so gut, so dass es euch als eigenartig auffällt.

Alles in allem sehe ich in deiner Beschreibung eher ein Kind, was verunsichert ist, wie mit dem Bruder/anderen Kindern umgegangen werden muss, was sich durch Ausschimpfen (statt unterstützen) womöglich noch verstärkt.
Aber die Leute, die täglich mit ihm zusammen sind, können das alles viel besser einschätzen, ich kann mich ebenso völlig täuschen.

Trotzdem würde ich an deiner Stelle mal schauen, ob sich durch einen Perspektivwechsel beim Blick auf sein Verhalten nicht vielleicht noch ganz neue Ansätze finden lassen.
sinus
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Re: Auf Knopfdruck aggressiv - was tun?

Beitragvon Hope » Mi 2. Okt 2019, 12:23

DANKE euch allen! Ich schätze es sehr, dass ihr euch Zeit nehmt zu antworten!

@meine3
Diese viel-Geschimpfe-Phase habe ich wohl aktuell auch. Ich weiß dass dieses Gestrafe nichts bringt, rein vom Kopf her. Ich merke es ja und bin auch sonst der Meinung dass das zu nichts führt. Es passiert aus Verzweiflung, wenn ich das fünfte Mal in einer halben Stunde ins Kinderzimmer renne, weil der Große den Mini bedrängt und dieser weint, dann kann ich einfach nicht mehr ruhig bleiben. :cry: Auch wir hatten diese "Guck mal wie ich aufs Bett springen kann" Situation und da hab ich nicht das Problem mit, klar, Schwitze ich, aber kann es aushalten und die Kinder machen lassen. Es ist dieses irre Bedrängen, Ärgern, Wild werden. Er sagt, es macht ihm Spaß, er findet das lustig. Ein ander Mal sagte er auch sowas wie "ich weiß nicht wie ich sonst mit ihm reden soll" aber das kann er auch von uns übernommen haben weil wir darüber mal gesprochen haben und versucht haben, ihm Alternativen zu zeigen. Vielleicht waren wir da aber nicht ausdauernd genug.

Meine Beziehung zum Mini ist völlig unkompliziert. Er ist ein "richtiges Baby" sagen mein Mann und ich zueinander. Beispiel: Er tut sich weh, weint, schaut zu uns, streckt die Ärmchen hoch, wir nehmen ihn, trösten ihn, benennen seinen Ärger "Ja das tut dir weh...", er duckt sich an, wenn er soweit ist, bieten wir Ablenkung an und alles ist wieder gut. MIt dem Großen ging und geht sowas nicht. Mit Maxi habe ich nie ein Baby gehabt, es war als hätte ich einen Erwachsenen, der dauergefrustet ist, in einem unfähigen und beschränkten Babykörper gefangen zu sein. Robben und krabbeln, Dinge erforschen, reinklettern, etwas in den Mund nehmen, kuscheln, hat er alles gar nicht oder kaum gemacht. Ich staune und genieße diese Entwicklungsschritte beim Mini sehr, weil ich das nicht kenne. Und ich fasziniert bin, wie schön es mit einem Baby sein kann, was einfach KIND ist, unbeschwert und fröhlich.

Die Kausalitätsfrage habe ich mir auch schon hunderte Male gestellt. Ist er so, weil die Zeit so schwer war? Oder war es so schwer, weil er diesen Charakter einfach mitbringt? Ich hab keine Antwort.
Wir sind beim ersten Gespräch natürlich auch darauf eingegangen. Die Psychologin hat sich etwa so ausgedrückt "sie haben da sehr viel gemacht, um die Situation zu verbessern, das war sicher nicht leicht. Wir wollen erstmal davon ausgehen, dass sie damit alles nötige getan haben und dass ihr Kind diese Eigenschaften von sich aus mitbringt. Und damit schauen wir dann, wie wir ihm helfen können." Das hat mich enorm entlastet. Denn ihr könnt euch denken, wie sich mein Herz jedes Mal dabei zusammen zieht, wenn ich daran denke, was ich - natürlich unbeabsichtigt, aber ich konnte nicht besser - was ich damals kaputt gemacht habe! :( Meine Hebamme war da leider nicht so aufmerksam. Erst als ich mich meinem Frauenarzt geöffnet habe, hat er Klartext mit mir gesprochen und ich verstanden was da vor geht. Da war Maxi allerdings schon fast ein Jahr.
Ich kann die Uhr nicht zurück drehen und das bricht mir das Herz. Mein Mann war da, hat so gut er konnte, die Situation aufgefangen. Er war lange die Bezugsperson vom Großen, mich hat er lange abgelehnt, was sehr weh getan hat. Ich hab hart an mir und an uns gearbeitet und heute bin ich sein "Ansprechpartner". Er ist mir ähnlich, ich verstehe ihn besser und wir kommen sehr gut miteinander klar SOLANGE wir zu zweit sind.


...
ich wollte noch was sagen, muss auf später verschieben, muss los, den Großen abholen :fahne:
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Re: Auf Knopfdruck aggressiv - was tun?

Beitragvon sinus » Mi 2. Okt 2019, 12:33

Hope hat geschrieben:
Meine Beziehung zum Mini ist völlig unkompliziert. Er ist ein "richtiges Baby" sagen mein Mann und ich zueinander. Beispiel: Er tut sich weh, weint, schaut zu uns, streckt die Ärmchen hoch, wir nehmen ihn, trösten ihn, benennen seinen Ärger "Ja das tut dir weh...", er duckt sich an, wenn er soweit ist, bieten wir Ablenkung an und alles ist wieder gut. MIt dem Großen ging und geht sowas nicht. Mit Maxi habe ich nie ein Baby gehabt, es war als hätte ich einen Erwachsenen, der dauergefrustet ist, in einem unfähigen und beschränkten Babykörper gefangen zu sein. Robben und krabbeln, Dinge erforschen, reinklettern, etwas in den Mund nehmen, kuscheln, hat er alles gar nicht oder kaum gemacht. Ich staune und genieße diese Entwicklungsschritte beim Mini sehr, weil ich das nicht kenne. Und ich fasziniert bin, wie schön es mit einem Baby sein kann, was einfach KIND ist, unbeschwert und fröhlich.


Abgesehen davon, dass auch die Große ein tolles und unkompliziertes Baby war, war und ist es in vielen Punkten hier auch so, dass vieles, was bei der Großen problematisch war/ist, bei der Kleinen so gar kein Thema ist.
Meine Große ist jedenfalls charakterlich sehr viel schwieriger und komplizierter, als die Kleine.
Ich kenne also das Dilemma, wenn man ein "Problemkind" und ein "Sonnenscheinkind" hat.
Hinzu kam/kommt auch noch, dass man mit einem Baby und Kleinkind sowieso ganz anders spricht, das schimpft man nicht aus, das wird meist eher kosend angesprochen. Zum großen Kind spricht man strenger, säuselt es nicht an und schimpft es auch mal aus. Das hat meine Große damals selbst auch bemerkt und mehrfach zu mir gesagt: "Mit mir sprichst du nie so lieb, wie mit der Kleinen..."

Ich hab sie dann gebeten, mich immer drauf aufmerksam zu machen, wenn sie mal wieder das Gefühl hat, ich spreche zu streng mit ihr und habe dann versucht da bewusst drauf zu achten, dass sie auch genug "Gesäusel" abbekommt, selbst wenn es mir manchmal komisch vorkam, sie wieder wie ein Kleinkind zu behandeln.

Insgesamt ist es bei mir so, dass ich das große Kind GERADE deswegen besonders schätze, weil sie mich herausfordert, ich nicht direkt schlau aus ihr werde und durch sie immer wieder neu denken muss. Inzwischen ist sie auch groß genug, dass ich ihr das genau so auch schon sagen konnte: "Weißt du, die Kleine ist wirklich oft viel unkomplizierter, aber ich mag dich gerade deswegen, weil du es nicht bist. Du bist eben ganz besonders und ich find das richtig gut. Ich lerne von dir soooo viel dazu!"
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