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Re: Auf Knopfdruck aggressiv - was tun?

BeitragVerfasst: Fr 11. Okt 2019, 13:27
von Meine3
Dass es keine Arschlochkinder gibt, die Meinung teile ich. Ich käme nicht auf die Idee ein Kind jemals so zu benennen. Grundsätzlich ist Beleidigen nicht so meine Art der Kommunikation, egal mit welchen Worten. Ich will mich da auch nicht an diesem einen Wort aufhängen ;)
Mir ging es nur darum klar zu machen, wie es sich anfühlt Mutter eines Kindes zu sein welches aufgrund seines Verhaltens aneckt. Man möchte unter den verurteilenden Blicken im Erdboden versinken. Auch wenn man ja theoretisch weiß dass die nicht gerechtfertigt sind denn die anderen haben ja keine Ahnung und schauen einem nur vor die Stirn. Und dieses Verurteilt werden tut weh, noch mehr wo man es eh schon nicht einfach hat.

Und in dem Kontext fand ich persönlich den Artikel provokativ-wachrüttelnd-treffend. Aber das ist ganz sicher Geschmackssache! :fahne


Das habe ich schon verstanden ;) . Alles gut! Und ja: das ist Geschmackssache.

Ich wollte dich auch nicht kritisieren und nur mitteilen, dass ich den Artikel kritisch hinterfrage. Mir ist klar, warum die Bloggerin diesen Artikel verfasst hat. Ich erkenne mich darin auch teilweise wieder (auch wenn mein Kind kein Asperger hat!), ich fühle mich auch immer wieder unter Druck gesetzt, schief angeguckt, verurteilt von der Gesellschaft, bezüglich des Benehmens meines Kindes. Man wird eben verantwortlich dafür gemacht und es wird einer "nicht konsequenten" Erziehung oder weiß der Geier noch was zugeschrieben, wenn ein Kind keinen Benimm hat. Dass es aber durchaus auch andere Gründe haben kann als die Erziehung (obwohl dies natürlich AUCH zu so einem Verhalten führen kann, wie schon beschrieben. Die Situation mit dem Papa, der mich verhauen wollte, war leider nicht erfunden :roll: ) und man diese nicht immer auf den ersten (oder gar zweiten oder dritten) Blick erkennt, ist vielen leider schlicht egal oder sie "blicken" es einfach nicht: "Schublade auf, Kind rein, Schublade zu" :oops:.

Mittlerweile übe ich mich darin, diese Menschen zu ignorieren oder sagen wir mal, es nicht so nah an mich heranzulassen. Denn muss oder kann ich jedem "gefallen"? Nein, kann ich irgendwie bewirken, dass fremde Menschen mich so sehen wie ich bin oder mein Kind, wenn sie etwas anderes sehen wollen oder keine Lust, keine Geduld oder nicht die Weitsicht haben, genauer hinzusehen? Nein, vielleicht bei manchen, aber sicher nicht bei allen! ES ist mir mittlerweile einfach zu mühsam. Ja, ich reguliere immer noch schneller als andere Mütter, wenn mein Sohn "wild" wird, und dann wird auch oft blöd geguckt, weil das oft auch "kommandös" klingt (geht aber eben leider nicht anders). Aber mittlerweile tue ich das nicht mehr vordergründig, "wegen der Leute", sondern weil ich weiß, dass das am besten bei ihm hilft und somit am wenigsten Ärger verursacht. Er nimmt es mir auch nicht krumm. Wir haben ein sehr inniges, vertrauensvolles Verhältnis. Dies sage ich auch, da du dich ja schlecht fühlst, weil du mit deinem Sohn grade einen härteren Umgangston hast (Schuhe anziehen!). Er wird das wahrscheinlich garnicht so empfinden. Es hilft ihm, sich zu fokussieren, genau wie es bei meinem Sohn hilft.

Ich persönlich bin jemand, der sehr lange wartet, bis ich meinen "Schubladen-Scan" abgeschlossen habe. Wenn ich jemanden kennen lerne, sei es nun Kind oder Erwachsener, so lasse ich mir viel Zeit, den Menschen zu beurteilen. Natürlich hat man einen 1. Eindruck (kann man überhaupt nicht verhindern, wer was anderes sagt, ist nicht ehrlich zu sich), aber verschlossene Schubladen gibt es bei mir nicht. Es gab schon viele Situationen in meinem Leben, in denen mich Menschen überrascht haben, ob nun positiv oder negativ und dann habe ich sie aus der "ersten" Schublade wieder rausgeholt. Es gibt auch Menschen, die passen garnicht irgendwie irgendwo in eine meiner Schubladen, das ist dann natürlich sehr spannend :).

Auch ein schwieriges Kind hat sehr gute Tage, sanfte, sensible, zarte Seiten. Es ist schade, nicht nur für das Kind und die Eltern, sondern auch diejenigen, die es nicht sehen (wollen), wenn dies nicht gesehen wird.

So viel zum inhaltlichen. Was ich aber eben garnicht gelungen finde, ist dies auf diese provokante Art zu tun. Klar, es polarisiert, die Leute springen drauf an, es kommt eine Diskussion zustande. DAS ist gut. Was NICHT gut ist, dass dann eben alle, die sich beteiligen ja auch gern immer wieder diesen negativen Ausdruck (so wie ich es auch gemacht habe bei meiner ersten Reaktion darauf) benutzen und er sich somit immer mehr etabliert. Bei den weniger toleranten Menschen, die eh gern in Schubladen stecken und für immer zu machen, bei denen bleibt dann nur der Ausdruck und das dazugehörige Verhalten hängen, der gesamte Hintergrund wird ausgeblendet.

Was ich dir noch sagen wollte: in einem deiner Posts hast du geantwortet, dass die KJP ihn noch garnicht kennen gelernt hat und es erst nochmal ein Gespräch nur mit euch Eltern geben wird (oder hab ich da was falsch in der Erinnerung?). Es ist also "lediglich" eure Vermutung, dass er Asperger hat. Wenn ihr als Eltern meint, dass das "passt", so ist wahrscheinlich was dran, denn ihr kennt ihn am besten. Wenn da dann alle Alarmglocken schrillen, sollte man das natürlich auf keinen Fall ignorieren und wachsam sein.

Aber in Stein gemeißelt ist ja noch nichts. Ihr habt ja nicht umsonst einen Fachmann konsultiert. Ich würde an eurer Stelle versuchen ihn so objektiv wie möglich zu beschreiben in der Anamnese und nicht nur das, was man grade bezüglich seiner eigenen, persönlichen "Diagnose" im Kopf hat. Rein nach dem Verhalten, dass du beschrieben hast, könnte auch ADHS passen, beispielsweise oder wieder etwas anderes, was wir alle garnicht auf dem Schirm haben. Deswegen sind wir Laien und die Fachmänner(oder-frauen) eben die Experten.