alltag/schule....leben...

Mein Kluges Kind macht was es will

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Beitragvon Iri » Do 14. Nov 2019, 00:53

liebe forenmama´s und papa´s!

ich bin ganz neu hier und ich hoffe ich finde hier ein wenig rat und austausch!
unser sohn, im märz wird er 8 jahre alt, bereitet uns derzeit etwas sorgen.
er hat uns schon immer sehr auf trab gehalten und ich, die sehr viel zeit mit ihm verbracht habe,
hatte schon immer den verdacht, dass er möglicherweise hochbegabt sein könnte.
ich will jetzt nicht zu weit ausholen, schlussendlich haben wir ihn jetzt -nachdem die schule uns auf seine "massiven konzentrationsprobleme"
angesprochen hat, testen lassen.
er wurde mit diesem hawik test getestet und hat ein gesamt ergebnis von 136 erlangt.
besonders stark war er im sprachverständnis und wahrnehmungsgebundenes logisches denken.
da war er bei 99% und 99,9%
arbeitsgedächnis und verarbeitungsgeschwindigkeit waren im durchschnittlichen bereich im höheren segment angelegt.

wir hatten ein gespräch in der schule mit der jahrgangsstufenlehrerin, sowie mit der familienklassenlehrerin
und die leiterin der HB stelle ist mit zu diesem gespräch gekommen,
es wurde zusammmen überlegt wie wir ihn unterstützen können.

das gespräch war für mich persönlich ziemlich heftig, sie (lehrerinnen) haben I. fast schon pathologisiert,
haben ihn in die ecke adhs (wenn auch nicht ausgesprochen) gedrängt und während des gespräches eigentlich auch schon deutlich gemacht,
dass es keine extra aufgaben für ihn geben kann /vom springen in die nächst höhere klasse ganz zu schweigen,
da er erstmal seine sachen erledigen muss. er hätte jetzt in der 2ten klasse, die position des "weitesten schülers" verlassen
und wäre durch seine konzentrationsprobleme nach hinten gerutscht. so, dass er jetzt eigentlich in ihren augen
nur drum geht, dass er seine aufgetragenen aufgaben macht, so wie alle anderen auch.
das kann ich auch wirklich teilweise nachvollziehen, dass man so denkt.
und dann eben auch nicht. ich meine, was war zuerst da? das ei oder die henne?
seine schulunlust, sein desinteresse an den allermeisten schulfächern (2te klasse) ist auch einfach, weil er permanent unterfordert ist-
das kann ich als seine mutter wirklich reinen gewissens, ohne eine spur von eitelkeit oder exklusivität, sagen.
seine impulsivität, seine aufmerksamkeitsproblematik sehe ich auch, sehe ich auch im alltag hier daheim
und es treibt mich manchmal schier in den wahnsinn.
ich hab mir auch schon überlegt inwieweit es in die richtung von adhs geht, aber gut...jetzt haben wir ihn erstmal HB testen lassen...
wir werden weitergehen, wenn es erforderlich ist...
ich sehe einen blitzgescheiten, sehr sozial orientierten, emotional stark aufgestellten, emphatischen und begeisterungsfähigen buben,
dem in der schule gerade echt viele steine in den weg gelegt werden.
andererseits sehe ich auch einen rechthaberischen, oft faulen, zappeligen kerl, der mir graue haare macht.
und ich kann die leherinnen auch verstehen, denn es ist anstrengend so ein büblein, neben 23 anderen kindern,
die auch alle ihre thematiken haben, zu handeln.

ich bin so müde grad, schicke das erstmal ab und schreibe dann morgen noch mehr.
danke schon mal für´s lesen!!!
Iri
 
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Re: alltag/schule....leben...

Beitragvon Iri » Do 14. Nov 2019, 14:29

Jetzt geht es weiter:
auf jeden Fall ist es so dass auch mir seine Fahrigkeit, seine Impulsivität, seine Unorganisation negativ auffallen- es ist wirklich negativ. Ich kann es nicht anders benennen.
Teilweise ist es tageweise besser, tageweise ist es schlimmer-ich kann die Auslöser eigentlich nicht richtig ausmachen
Ich habe aber auch den Eindruck,dass es schlimmer geworden ist in den letzten Monaten,
z.B. Briefe schreiben, Postkarten schreiben,Rechenaufgaben lösen Er arbeitet viel schlampiger und hektischer.
Er stürmt einfach drauf los, überlegt überhaupt nicht und macht dann auch richtig viele Fehler.

Die HB Beraterin meinte es gäbe 3 Möglichkeiten: entweder diese Symptomatikt gehört zu seiner Begabung oder sie Teil einer ADHS Geschichte oder es wäre einfach sein Wesen. So habe ich sie zumindest verstanden!

Die HB Diagnostik war ja jetzt erst vor ca. 3-4 Wochen! Soll ich jetzt weitergehen um möglichst bald eine Antwort zu bekommen oder sollen wir einfach mal Ruhe einkehren lassen?
Ich weiß grad wirklich nicht wo lang es geht!

Fällt irgendjemanden etwas zu meinem Bericht ein? Parallelen etc.


Danke für Eure Zeit und Eure Gedanken!

Liebe Grüße
Iri
Iri
 
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Re: alltag/schule....leben...

Beitragvon sinus » Do 14. Nov 2019, 21:20

...puh, der Arme.
Ohne Ahnung von ADHS zu haben, nur aus meinen eigenen Erfahrungen und dem was ich bisher zu HB so gelesen habe, denke ich eigentlich, dass es wahrscheinlich ist, dass das meiste von dem, was du beschreibst, auf massive Unterforderung und Misfit zurückzuführen ist.
Und wie die Lehrer reagiert haben, finde ich sehr traurig.
Klingt für mich nach Lehrern, die ihre eigene Verantwortung dafür, wie das Kind den Unterricht empfindet (nicht herausfordernd genug), so gar nicht eingestehen wollen.

Unsere Lehrerin hat übrigens damals zwar grundsätzlich sehr zugewandt, aber spontan auch ähnlich reagiert. Sie war etwas beleidigt und fühlte sich persönlich angegriffen, wie sie später dann auch selbst zugab, weil bei ihr ankam: "Ihr Unterricht ist zu langweilig".
Sie gebe sich doch solche Mühe, den Unterricht abwechslungsreich zu gestalten und das Kind habe Zusatzaufgaben im Gegensatz zu einigen anderen Schülern ja auch bisher immer abgelehnt, sie müsse da schon auch selbst mehr Engagement zeigen etc pp.
(Also die Verantwortung schön ans Kind abgeschoben - wie bei euch auch geschehen. Dabei ist er das Kind und für seine Symptomatik nun wirklich nicht allein verantwortlich!)

Da ich merkte, dass die Lehrerin es nicht so ganz verstanden hat und es womöglich als persönlichen Angriff sah, habe ich ihr damals nach dem Gespräch noch eine Email geschrieben, wo ich alles in Ruhe ausformulieren konnte.
Ich habe ausdrücklich ihren Unterricht gelobt und gemeint, dass ich das sehr wohl sehe, wie viel Mühe sie sich mit dem Unterricht und der Klasse gibt (was auch stimmte!) und es nicht an ihrem Unterricht liegt, sondern einfach daran, dass er nicht zum Kind passt. (bzw umgedreht, das Kind nicht zum Unterricht)
Und dass es bei Kindern mit Schwächen ja auch so sei und da würde man auch nicht sagen, es liege am Lehrer, dass der Unterricht für sie zu schwierig sei... und dass man die Kinder ja dann auch entsprechend fördern würde.

Da sie Musiklehrerin ist und hier den Chor leitet, habe ich ihr noch eine passende Metapher beschrieben.
Ich schrieb, dass es für das Kind etwa so sei, als wenn es komplizierte, schnelle Tanzschritte könne und schnelle Musik liebe und sich immer auf das Tanzen gefreut habe, man dann aber immer nur langsamen Walzer u.ä spielt und als sei das nicht schon enttäuschend genug, sei sie dann auch noch zusätzlich gefesselt, so dass sie ihre eigentlichen Fähigkeiten gar nicht ausleben könne. (Dein Sohn hat diese Fesseln scheints nicht, meine angepasste Tochter sehr wohl, sie hat sie sich tw selbst angelegt)
Dass das natürlich auf Dauer sehr frustrierend ist und jede Motivation zum Tanzen/mitzutanzen erstickt und (bei meiner Tochter) das Selbstwertgefühl und den Glauben an die eigenen Fähigkeiten torpediert, weil sie nie gemäß ihrer Fähigkeiten frei tanzen darf/kann.

Dein Sohn scheint sich da wohl freier zu geben und tanzt dann halt jetzt Einfachaus der Reihe, weil das eine ihm nicht entspricht (der durchschnittliche Unterricht) und das andere (gemäß seiner wirklichen Fähigkeiten) ja nicht möglich ist. (Welche Wahl hat er denn da? )

Unsere Lehrerin meinte nach der Mail, so habe sie es jetzt besser verstanden. Sie hat sich dann auch durchaus bemüht, versprach auch, bei der Beratungsstelle anzurufen, die ausdrücklich auch Lehrer berät. Allerdings verlief es dann mehr oder weniger im Sande bzw. war sie dann erstmal zur Kur und dann hat recht bald eine Referendarin die Klasse übernommen, so dass sie gar nicht mehr allzuviele Möglichkeiten hatte.
Unser Gespräch fand Anfang 4. Klasse statt und wir haben uns dann damit getröstet, dass es nicht mehr allzu lang ist.
Und ab und zu gab es tatsächlich mal einen kleinen Lichtblick, als meine Tochter bspw einen besonderen Vortrag vorbereiten durfte und zum Thema "Werbung" einen Werbespot gestalten und mit Scratch programmieren durfte, wo die anderen ein Plakat gestalteten.
(Wo sich dann auch sehr gut zeigte, dass bei passendem Stoff und richtiger Herangehensweise sehr wohl (wieder) Motivation da ist!)
Bei euch allerdings liegen jetzt noch mehrere Schuljahre vor euch und darum würde ich da jetzt unbedingt dranbleiben.

So wie du es beschreibst, scheinen die Lehrer gar keine Ahnung von der Materie zu haben und zeigen scheints auch leider nicht allzuviel Offenheit und Entgegenkommen.
(Irgendwie scheint der Großteil aller Lehrer auf das Thema Hb höchst allergisch zu reagieren. Warum bloß fühlen sie sich angegriffen? Hat es womöglich was mit dem Gefühl der Unterlegenheit zu tun? Ich kapiers nicht... ICH würde mich ja freuen, so ein besonderes Kind zu haben...)

Was sagte denn die Beratungsstelle im Gespräch zu den Lehrern?
Wenn sie sogar dabei waren, sind sie doch sicher auch zu Wort gekommen?
Und gab es hinterher noch eine Auswertung?

Wir haben übrigens einen Jungen im Bekanntenkreis, bei dem es genauso ablief wie bei euch. (an Tochters Grundchule, sein IQ wie der deines Sohnes)
Da er auch nicht der brave Schüler war, sondern sich so wie dein Sohn verhielt, wurde ihm ebenfalls gesagt, dass ohne Verhaltensänderung seinerseits er auch ganz bestimmt keine Sonderbehandlung erwarten dürfe.
Er solle erstmal lernen sich zu benehmen, dann rede man über Extraförderung.
Da die Eltern da also völlig an die Wand liefen und alle Erklärungen und Gespräche nichts änderten, nahmen sie den Jungen schließlich von der Schule und er wechselte in eine Grundschule, die ein Programm namens "Fördern & Fordern" anbietet und wo mehrere der Lehrer eine Schulung von der regional zuständigen Hochbegabtenstelle bekommen hatten, wie man mit diesen Kindern umgeht, wie gutes Enrichment aussieht usw.
Diese Beratungsstelle bietet hier sowas kostenfrei an und kommt dazu sogar direkt in die Schule.
In dieser Schule wendet man sich dann wohl auch bei solchen "Problemkindern"/-fällen auch an die Beratungsstelle und arbeitet dann eng mit denen zusammen, um eine Lösung zu finden, was wohl meistens auch gut funktioniert.
Allerdings versuchen sie wohl dabei möglichst, einen Klassensprung zu vermeiden. Damit habe man weniger gute Erfahrungen gemacht, als mit Enrichment innerhalb der Altersgruppe.
(So sagte mir das damals die Direktorin, als ich das Gespräch suchte, als ich bei meiner Nr. zwei wegen der Erfahrungen der großen Tochter nach dieser schule und ggf sogar einer Früheinschulung fragte)
Für den erwähnte Sohn der Bekannten hat der Wechsel übrigens gelohnt, sagen die Eltern und jetzt an der weiterführenden Schule (normales Gymnasium) klappts auch.
Aktuell (er ist inzwischen so um die 13/14 Jahre alt) engagiert er sich wohl besonders für den Sport und braucht/will sonst keine besondere Förderung mehr.

Raten kann ich dir an der Stelle natürlich nicht allzuviel, außer auf dein Bauchgefühl zu hören und dranzubleiben.
Hast du mit deinem Sohn denn schonmal über das Testergebnis gesprochen?
Was sagt die Beratungsstelle, wie ihr das ihm gegenüber kommunizieren sollt?

Ich bin aus meiner eigenen Erfahrung dafür, dem Kind zu sagen, was los ist.
Vielleicht etwa so:
"Du hast da einen echten Turbomotor in dir, der leider nie ganz ausgefahren wird, darum dreht er öfter mal frei.
Das sieht für die anderen dann so aus, als wenn das Auto nicht richtig funktioniert, aber eigentlich tut es das, nur kann es eben nicht auf der Rennstrecke fahren, wo er das beweisen kann..."
Dann würde ich ihm ggf. auch erklären, wie wichtig es für die anderen ist zu sehen, dass er sich bemüht und dass er vermutlich nur dann die Gelegenheit bekommt, auch mal paar Runden auf dem Hockenheimring zu drehen.
Irgendwie so.

Bei meiner Tochter würde ich es übrigens anders formulieren, denn die hatte schon damit begonnen, ihren Motor selbst zu demontieren im Glauben, er sei fehlerhaft :cry:
Darum würde ich dir gern noch dazu sagen: Seid froh, dass er es nach außen zeigt, dass da was nicht passt (wie wohl nicht untypisch für hochbegabte Jungen), statt es zu verstecken und die schlechter Gefühle gegen sich selbst und nach innen zu richten (wie eher typisch für hochbegabte Mädchen).
Seht und nutzt es als Chance...
Und im Zweifelsfall wäre eine Klassen-/Klassenstufen- oder gar Schulwechsel zu überlegen, wenn es seitens der Schule so gar kein Entgegenkommen gibt.

Viel Glück und Herzlich willkommen hier!
Berichte bitte weiter!!!!

PS: Auch wenn meine Tochter in der Schule - anders als dein Sohn - brav und angepasst und völlig unauffällig war - zu Hause war sie dafür impulsiv, bekam heftige Wutanfälle, verzweifelte schnell an sich und war sehr unausgeglichen. Generell wurde sie auch immer demotivierter und immer weniger offen für Angebote - auch die unsererseits. Nahezu alles war doof und langweilig... (Das macht eine Förderung dann tatsächlich schwer. Darum war unser Ansatzpunkt vor allem erstmal, sie innerlich zu stärken.)
Parallel dazu haben wir Felder gesucht, wo sie zu begeistern war. (in Klasse drei hat sie - übrigens ohne unsere Unterstützung - mit Programmieren begonnen)

Also ich bin überzeugt, dass dauerhafte und heftige Unterforderung und Misfit an den allerwenigsten Kindern spurlos vorrübergeht und es nicht pathologisch ist, sondern eher gesund, dass sie darauf irgendwie (individuell anders) reagieren!

Hat er Freunde, die gut zu ihm passen? Das halte ich auch für sehr wichtig.
Zuletzt geändert von sinus am Fr 15. Nov 2019, 00:46, insgesamt 4-mal geändert.
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Re: alltag/schule....leben...

Beitragvon sinus » Do 14. Nov 2019, 21:25

Ich möchte dir, obwohl ihr sicher von der Beratungsstelle da auch schon Tipps bekommen habt (?), für den Anfang noch folgende Bücher empfehlen:

Hochbegabt - und trotzdem glücklich:
Was Eltern, Kindergarten und Schule tun können, damit die klügsten Kinder nicht die Dummen sind

von Götz Müller, Herbert Horsch, Hermann-Joseph Spicher

(Sehr umfangreich, behandelt sehr vielen Ebenen/Bereiche)

und dieses zwar dünne, aber durchaus gehaltvolle Heft, um einen guten Überblick zu bekommen:

Elterntraining Hochbegabung: Fit für Ihr schlaues Kind in drei Tagen
von Gabriele Gorny

Es fasst alles nochmal gut zusammen, so dass sich aus den viele Einzelteilen, die ich tw über Jahre erlebt und beobachtet habe, ein schlüssiges Gesamtbild ergab für mich.
Da sah ich dann so viele meiner eigenen Beobachtungen bestätigt und ich habe so vieles wiedergefunden, dass es mich persönlich auch in meiner Wahrnehmung bestärkt hat, so dass ich danach mehr auf mich und mein "Bauchgefühl" und Urteilen vertrauen konnte.
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Re: alltag/schule....leben...

Beitragvon sinus » Fr 15. Nov 2019, 00:59

Und noch was zum Lesen, was für euch ggf interessant sein könnte:

https://www.icbf.de/images/stories/Arbe ... r_seng.pdf
Zuletzt geändert von sinus am Fr 15. Nov 2019, 01:04, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: alltag/schule....leben...

Beitragvon sinus » Fr 15. Nov 2019, 01:00

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Re: alltag/schule....leben...

Beitragvon sinus » Fr 15. Nov 2019, 08:44

Und hier auch noch Teil zwei des Artikels:

https://www.dghk.de/wp-content/uploads/ ... nsen_2.pdf
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Re: alltag/schule....leben...

Beitragvon alibaba » Fr 15. Nov 2019, 09:07

Ich würde euch zu einer allumfassenden Diagnostik raten. Einem Spezialisten für HB und AD/H)S. Du wirst sonst nicht glücklich. Das ist ein steter Kreislauf zwischen den Argumentationen, egal wo und auf welcher Schule. Das hilft weder Dir, deinem Kind noch dem Lehrer. Bedenke, dass dein Kind noch etliche Schuljahre vor sich hat.
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Re: alltag/schule....leben...

Beitragvon Iri » Fr 15. Nov 2019, 23:53

Liebe(r) Sinus,
vielen Dank erstmal für deine ausführliche Antwort, sowie die Verlinkungen!
Momentan lese ich mit großer Begeisterung Hochbegabte Kinder: Das große Handbuch für Eltern von James T. Webb
und von Thilo Fitzner Genial, gestört, gelangweilt?: ADHS, Schule und Hochbegabung
Gerade ersteres hilft mir sehr zu verstehen und ich habe viele viele AHA Erlebnisse!
Die Beratungsstelle hatte uns noch Kluge Kinder klug begleiten empfohlen, aber das finde ich irgendwie mühsam zu lesen!

Nachdem ich gestern wirklich einen beschissenen Tag hatte und auch sehr viel in der negativen Spirale war was unseren Sohn Betreff konnte ich gestern Abend noch mal kurz mit der HB Beraterin telefonieren, sie ist wirklich fantastisch!
Sie hatte das Gespräch in der Schule nicht als so negativ empfunden und das war für mich wichtig zu erfahren, zumal ich natürlich weiß dass ich durch meine mütterlichen Emotionen mit Sicherheit nicht ganz objektiv bin.
Ich habe heute in der Schule nochmal kurz mit beiden Lehrerinnen gesprochen und beide haben mir zurückgemeldet, dass es diese Woche etwas besser lief und die Maßnahmen die wir besprochen haben zumindest etwas Wirkung gezeigt haben. Einzeltisch, Konzentrationssymbol und ein Plan, der ihm sagt was als nächstes getan werden muss.
Ob das auf Dauer hilft kann ich nicht beurteilen, ich denke aber dass egal ob HB oder nicht, es nie schlecht ist, sich Maßnahmen zu überlegen wie eine Lernstrategie aussehen kann. Und das lernt er ja dann dadurch!

Ich denke wir müssen einfach abwarten und versuchen bei Schwierigkeiten ruhig zu bleiben!

Das Blöde ist einfach, dass mich sein Verhalten oft richtig triggert-vielleicht weil ich als Kind ähnliche Baustellen hatte, aber ganz anderen Ursprungs...außerdem bin ich einfach auch erschöpft!
Seit Jahren erlebe ich ihn als auffallend anstrengend, aber nicht anstrengend, weil er zappelig ist oder unruhig, sondern weil das Leben mit ihm einfach in allen Bereichen wirklich sehr intensiv und herausfordernd ist.

Das klingt jetzt alles sehr negativ, ich möchte neben alldem trotzdem sagen dass ich ihn über alles liebe und keinen anderen Jungen wünsche, ich bin einfach nur zeitenweise erschöpft- auch von dem vielen Grübeln über ihn.
Ich lass das jetzt erst mal so stehen
Vielen Dank für deine Anteilnahme, Sinus!!!
Herzliche Grüße,
Iri
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Re: alltag/schule....leben...

Beitragvon sinus » Sa 16. Nov 2019, 14:50

Ich drücke intensiv die Daumen, dass eure Lehrer dranbleiben. Bei uns hielt die Verbesserung nur einige (wenige) Wochen an.
Die Mathelehrerin gab am Anfang ab und an Extraaufgaben und besorgte dem Kind ein Zusatzheft, wo sie aber wegen der Pflichtaufgaben im Unterricht gar keine Zeit hatte, damit zu arbeiten.
("Schön" fand ich, dass sie das Heft einfach so bestellte und mir dann die Quittung gab, damit ich es bezahle. Sie hätte wenigsten fragen können, ob sie sowas besorgen soll oder wir das selbst machen wollen, finde ich.)
Also anfangs schien kurzfristig eine Verbesserung einzutreten, aber das ließ schnell nach und die Zensuren dann plötzlich auch. Ob sie weniger leistete oder auf einmal strenger bewertet wurde - keine Ahnung.

Ich hätte da sicher immer mal wieder nachfragen/drängeln müssen, aber wie gesagt war es das letzte Grundschuljahr und die Aussicht auf die weiterführenden Schule und die Kenntnis des Testergebnisses hat fürs Kind allein schon viel bedeutet und verbessert und mir ging es damals ja vor allem auch um ihre Psyche.

Also da mein Tipp: bleibt da eng dran und "kontrolliert" bissle, ob die Lehrer auch wirklich am Ball bleiben.
Vielleicht könnt ihr ja regelmäßig einen Termin ausmachen, so alle 3 Monate oder so, um Feedback zu erhalten.
Aber so, dass die Lehrer nicht das Gefühl haben, dass ihr sie kontrolliert, sondern eher so, dass du wissen willst, wie sich dein Kind im Unterricht so macht. ;)

Ansonsten weiß ich glaub ich ganz gut, was du meinst. Ich finde meine große Tochter auch sehr herausfordernd.
Meine Große ist tendenziell misslaunig/negativ/unzufrieden und wenig offen und charakterlich einfach auch "anspruchsvoll". Sie versteht meinen Humor grundsätzlich nicht/falsch, fühlt sich schnell angegriffen, oft unverstanden und nimmt alles arg persönlich. Das macht den Alltag oft unentspannt.
(Und nur an mir wird's nicht liegen, denn mit meiner jüngeren Tochter stimmt auf allen diesen Ebenen "die Chemie"...)
Mein Neffe (4 Jahre älter als meine Tochter und auch sehr schlau) war übrigens ähnlich und ich mochte ihn als Kind nicht sonderlich. Er war aber oft bei uns, in den Ferien immer über mehrere Tage, weil er und meine Tochter sich immer sehr gut verstanden.
Er war (anders als meine Tochter) dazu dann auch noch immer verdammt rechthaberisch, diskutierte um alles und wollte immer Recht behalten. (Und konnte es nie einsehen, wenn er mal nicht Recht hatte!)
Etwa ab Ende der Grundschulzeit wurde das merklich besser und ich mag ihn jetzt (15 Jahre) supergern.
Ich kann mir keinen netteren 15jährigen vorstellen!
Meine Große fühlt sich jetzt auf der weiterführenden Schule auch schon merklich wohler und scheint insgesamt etwas aufzublühen. Trotzdem hat sie nach wie vor immer wieder Phasen, wo es sehr schwierig mit ihr ist. Ich vermute, da ist auch schon die Pubertät mit dran schuld. (Stichwort "himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt")
Ihr Verhalten schwankt innerhalb eines Nachmittages zwischen Kleinkind (bspw trotzig sein, sich im Schrank verstecken, nicht mir mir reden/antworten, nicht allein einschlafen), Teenager (patzig, zickig sein, mich peinlich finden) und Erwachsener. (bspw wenn sie über andere berichtet und deren Verhalten und möglichen Hintergründen oder wenn wir über Sachthemen sprechen)
Sie beschwert sich, man würde sie nicht ernst genug nehmen, verhält sich dann aber womöglich nur einen Moment später wieder völlig kindisch.
(Und wenn ich sie entsprechend kritisiere, also das sei doch kindisch, kontert sie: "Ich BIN ja auch ein Kind, Mama!" )

Haltet euch immer wieder vor Augen, wie toll so ein kluges Kind auch ist und schaut euch um, was auch andere für Probleme mit ihren Kindern haben. Die Baustellen und Problemfekder sind ebenso vorhanden, nur halt an ganz anderen Stellen/Punkten.
Bei meiner Tochter ist es so, dass man durch ihren Verstand und ihre Selbstreflektion (wenn man den passenden Zeitpunkt erwischt) sehr gut mit ihr über die Problempunkte reden kann. Das ist schonmal viel wert...
Und man selbst wächst ungemein mit so einem Kind...

PS: Das Buch was euch die Beratungsstelle empfohlen hat, wurde uns da auch empfohlen. Ich fand es ganz gut, aber das von mir verlinkte finde ich noch mal sehr viel besser und breitgefächerter.
(Magst du mir evtl. eine PN schreiben, wo ihr wohnt und bei welcher Beratungsstelle ihr wart?)

PS2: Lernstrategien entwicklen und einüben halte ich auch für sehr wichtig. Rückblickend würde ich sagen, dass ich da bei meiner Großen viel versäumt habe.
Es war halt nie nötig, sie hatte immer alles auch so im Griff, darum habe ich mich nicht weiter drum gekümmert und sah keinen Grund, mich einzumischen. Auch nicht bei Ordnung etc.
Meine Tochter kennt Üben nur vom Instrument (und das war auch immer ein ziemlicher K(r)ampf), für die Schule hat sie außer den HAs (und das war eher wenig und immer sehr leicht) nie was gemacht zusätzlich. (Warum auch? Hier wären wenigstens ein paar anspruchsvollere HAs sicher gut gewesen)
Selbst vor Arbeiten lernte sie nicht.
Jetzt ist sie an einem anspruchsvollen MINT-Gym mit herausforderendem Unterricht und insbesondere in Mathe hat sie derzeit so ihre "Problemchen". (bei allen anderen Fächern läufts wie vorher eher "easy". Englisch-Vokaben muss sie bisher auch nicht pauken. Bei Französisch ab nächstem Jahr ... bin ich gespannt)
Wenn sie in Mathe was nicht gleich versteht, hält sie sich für zu dumm und schaltet ab, statt einfach zu versuchen, es weiter zu durchdringen oder gar nachzufragen.
Erst nach einer 3- gestand sie mir, dass sie schon seit mehreren Schulstunden nicht weiß, was der Lehrer da eigentlich tut.
Außerdem kann sie schlecht Kopfrechnen, weil es da an Übung fehlt und sie auch so immer zurechtkam in der Grundschule.
Dadurch ist sie langsam und es passieren viele dumme Fehler.
Ihre Heftführung ist eine Katastrophe - sie schmiert und heftet lose Seiten nicht ab.
Und sie findet es unvorstellbar, sich Schulzeug nochmals anzusehen, also zusätzlich zum Unterricht. Als ich ihr jetzt nach einigen 3en in Mathe und dann der 3- sagte, sie solle ab jetzt besser regelmäßig aus Mathe nochmals alles durchgehen, ob sie wirklich alles verstanden hat und immer mal wieder eine ähnliche Aufgaben rechnen, auch um das Rechnen mit den Rechenwegen auch einfach besser einzuüben und sie müsse dann nun vor einer Arbeit evtl. doch auch mal lernen, reagierte sie mit: "Waaaaas? Ich soll nachmittags außer den HAs was für die Schule tun? Das will ich nicht, da will ich doch meine Freizeit genießen! Es reicht doch schon, dass ich vormittags in die Schule gehen und HAs machen muss..."
(Woraufhin ich sie darauf hinwies, dass der Großteil ihrer ehemaligen Mitschüler das schon in der Grundschule so gehalten haben und zumindest vor Arbeiten eigentlich immer gelernt wurde... :roll: )

Also was ich damit sagen will: es wäre sicher einfacher für sie, wenn sie schon in der Grundschule gelernt hätte, wie man sich systematisch Sachen aneignet, die nicht gleich von allein gehen. Und weniger inneren Widerstand gegen das tröge "einüben" von Dingen hätte.
Da sehe ich auch eine große Verantwortung seitens der Lehrer gegenüber den schlauen Schülern und so würde ich das auch den Lehrern gegenüber sagen. Also nicht nur anspruchsvollere Aufgaben erbitten, damit das Kind sich nicht langweilt, sondern insbesondere auch, damit es das Lernen lernt.
(Kam so formuliert bei Lehrergesprächen auch immer besser an! Scheinbar kommen Lehrer mit Defiziten besser klar, als mit Unterforderung... :? )

Die HB-Beratungsstelle hat übrigens für diese Problematik sowohl ein Instrument, als auch ein Sport empfohlen.
Bei beidem lernt man, sich anzustrengen und am Ball zu bleiben, bei beidem gelingt einem nicht zwingend alles sofort, bei beidem brauchts Zeit und Übung und Fortschritte zu machen und so erlebt das Kind, dass es sich lohnt, "dann zu bleiben".
Und beides ist was, was eher unabhängig vom Intellekt ist und wo die Kinder sich nicht immerzu als überlegen erleben, ohne was dafür getan zu haben.
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