Erfahren und doch verblüfft

Einfach nur über sich und seine Kinder erzählen

Erfahren und doch verblüfft

Beitragvon Butterbrot » Mi 27. Jun 2018, 00:01

Einen wundervollen guten Abend

Ich weiss ehrlich gesagt gar nicht wo ich beginnen soll. Wir sind eine Familie mit 3 Söhnen ( 20,17 und bad 2,5 Jahre)
Irgendwie ist man ja beim Ersten noch so unerfahren. Und ich finde, egal wie sich ein Kind entwickelt.. man sollte stolz auf seinen Nachwuchs sein. Und damit meine ich nicht vergleichen wie "Was, Dein Kind kann das noch nicht. :shock: Meiner schon lange!" Oder ähnliches.. Mir liegt es absolut fern, mit den Erfolgen meines Kindes einer anderen Mutter weh zu tun.. oder deren Nachwuchs in ein schlechtes Licht zu rücken. Aber andererseits finde ich es wichtig, dass man seine Tochter/ seinen Sohn ernst nimmt. Nicht nur an den Schwächen arbeitet, sondern auch die Dinge sieht.. die es gerne macht. Die einem Freude bereiten. Und aus diesem Gefühl, aus diesem gemeinsamen glücklichen Erlebnis einfach tolle Erinnerungen behalten.
So wollte meinen Kindern begegnen.
Und manchmal hat man allerdings nicht alle Fäden in der Hand, nicht wahr.
Unser Großer hat mit 3 gerechnet..dann kam eine schwere Krankheit und alles war weg> Pflegestufe 3.. irgendwann wurde es besser und er konnte sogar auf eine normale Grundschule gehen. Ich schreibe das nicht, um Aufmerksamkeit zu bekommen.. sondern vielmehr so die Basis für uns.. gerade weil man doch mal schnell unter den Geschwistern vergleicht.
Dann kam unsere 2. Sohn .. bis zu seinem 4. Jahr war er ein eher ..nun sagen wir mal.. langsames Kerlchen. Zwar gerne im Bewegungsmodus, aber dass er irgendwie wirklich clever wirkte. :roll: Eher nicht. Damals dachten die Erzieherinnen sogar über einen verspäteten Schulstart nach.
Und auf einmal platzte alles aus ihm raus. Das war dann so mit knappen 5.
An Hochbegabung habe ich erstmal nciht so gedacht, eher so.. dass endlich der Knoten für die Schule geplatzt ist. Und man als Mutti da mal erleichternd durchatmet. Zumal, wir sahen ja den Großen. Der große Bruder war ja mit all seinen schweren Medikamenten sehr eingeschränkt.. da wirkt ein gesundes Kind dann eher normal.
Bis zu jenem Zeitpunkt an dem ich beide inflagranti beim Hausaufgaben-Tausch ertappte:. Der große Sohn (damals 4. Klasse) mit seinem kleinen Bruder (1. Klasse) Zugegeben, die vom 4.Klässler waren einfach ( da diese auf ihn maßgeschneidert waren, Inklusion) aber trotzdem für einen Schulanfänger wahrlich nicht lösbar.
Mit dem Tausch schienen beide sehr zufrieden sein, jeder eben auf seiner Basis :gruebel:

Ich sprach die Lehrerin vom Kleinen an, die sagte dann nur: "Gehen Sie mehr mit ihm ins Museum.!"
Als ob das die Lösung wäre; im Sozialverhalten war er in keinster Weise auffällig .. eigentlich eher sogar sehr sehr positiv. Vielleicht hat mich die Pädagogin auch nicht ernst genommen. Wer weiß.
In der Grundschulzeit ist er dann doch noch gesprungen, für die Lehrerin und den damaligen Schulleiter war das absoluten Neuland. Zwischenzeitlich wurde seine Hochbegabung getestet und bestätigt.

Nun macht er nächstes Jahr sein Abi.. aber generell lautet seine Devise: Nur soviel wie irgend nötig. Also kann da auch mal eine schlechte Note in einer Klausur aufkommen.. :? Klar müssen Hausaufgaben gemacht werden, aber wir sind völlig frei von der Erwartung dass er sein Abi mit 1,0 macht. Wenn Ihr versteht was ich meine. :mrgreen:

Nun dann, dann haben wir uns ganz bewusst nochmals für ein kleines Scheisserchen :D entschieden.
Im August wird er 2,5 Jahre. Und auch wenn ich hier noch von viel grösseren Talenten lese, bin ich seit heute über unseren 3. Sohn echt baff.
Gelaufen ist er relativ spät.. erst somit 15 Monaten.. gezählt hat er da schon .. ich glaube bis 10. Wirklich geübt haben wir das nicht.. aber irgendwann zählt man ja mit seinem Kind..und wir haben eben die Fingerchen gezählt, seine Kuscheltücher, Autos, die Milchpacks im Einkaufswagen, und und und. Wir nehmen ihn in diesem Alter viel bewusster war, als im Vergleich damals seine Brüder. Wir sind jetzt erfahrener, gelassener, geduldiger.. aber auch in mancher Hinsicht konsequenter. Wir möchten ihm "die Welt vor der Haustüre" zeigen, die Zucchini im Garten, den Hut von der Dame, die Baustelle an der Straße, wie Erdbeeren duften, und und und. Er soll glücklich sein, soll so viel wie möglich spielen.. Der Ernst des Lebens kommt von ganz alleine. Und jedes Interesse wird von uns begrüsst.. egal ob für den Ball an den Füssen, den Schmetterling in der Luft, Ameisen, Nachbarn, Farben.. Er sagt und zeigt uns ganz deutlich, was ihn gerade beschäftigt. Und wir gehen darauf ein. Das heisst nicht, dass er uns auf der Nase tanzt. Vielmehr möchte ich damit sagen, wieso soll er jetzt mit dem Ball spielen,wenn er aber gerade baggern möchte.. :mrgreen:
Und nun fängt er an, Buchstaben zu erkennen und zu benennen. Und das hat mich heute echt vom Hocker gehauen.
Er ist ein sehr sehr aktives Kerlchen. Für Eltern deren Nachwuchs sehr sehr ruhig ist, wirkt er hyperaktiv und ich bekomme desöfteren Ernährungsvorschläge :lol: ... Schlafen :shock: ? Ist für ihn nur Zeitverschwendung. Während seine Brüder mit 4 Wochen bereits durchgeschlafen haben, .. braucht der Kleinste sowas nicht. Und all seinen Bewegungsdrang und Wissensdurst versuche ich im Alltag zu integrieren. Was gar nicht so einfach ist. "Werd ich alt???" :lol: :lol:
Wir singen gemeinsam sehr viel, ob im Aldi, im Auto, im Wald. Hab ich eigentlich schon geschrieben, dass ich gar nicht singen kann.... aber für ein Kind macht man sich gerne zum Affen :D Da sind mir die Blicke völlig egal. Wir tanzen mehrfach am Tag. Basteln??? Nein...das mag er nicht. Malen?? Nö
Wir mögen Farben,Formen, Zahlen, die Kuscheltücher, Lieder, Kinderbücher, Tiere, kleinste Hunde sind für ihn übrigens ganz klar Katzen. :lol: , Hörbücher werden ebenfalls geliebt. Und er findet seine älteren Mitmenschen toll. Gleichaltrige sind für ihn schwierig.. Ältere besser. Noch besser seine älteste Lieblingsnachbarin mit über 80.
Das kann manchmal ganz schön anstrengend sein. :schwitz: Und dann fühle ich mich wie eien 80 jährige.

So ganz weiß ich noch nicht, wie ich mit seinem Buchstabenbedürfnis umgehen soll. Heute kam das erstmal so richtig in Fahrt. Nun zeigt er mir ganz stolz all die Buchstaben die er weiß.
So .. soll ich ihm dann noch weitere sagen, wenn die im Wort vorhanden sind? Er hat das heute mit so einer Begeisterung gemacht, dass ich ihm dies sicherlich nicht "verbieten" werde. Gerade weil wir möchten, dass er glücklich ist. Ich für mich empfinde jedoch die Grenzen zwischen Alltag und Überforderung fliessend. Und die Symptome der Überforderung zeigen sich ja dann, wenn es eigentlich (in dem Moment der Erkenntnis ) zuspät ist.

Ja.. und so bin ich hier gelandet. Ich bin nicht frei von Fehlern, aber erfahren. Wenn gleich ich baff bin, da ich in diesem Alter damit überhaupt nicht gerechnet habe.. freue ich mich auf die Zukunft.
Er ist ganz klar ein Kind für fortgeschrittene Eltern. Was bei seinen Brüdern bei 2x Nein klar war und nicht in Frage gestellt wurde.. ist bei ihm VÖLLIG anders. Schliesslich könnte es ja beim 101. Mal klappen. :lol:
Ich freue mich auf Euch, Gruß Butterbrot
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Re: Erfahren und doch verblüfft

Beitragvon Koschka » Mi 27. Jun 2018, 03:28

Liebes Butterbrot,

du bist so eine erfahrene Mama! Hör einfach auf dein Herz... das sagt dir doch wohl laut und deutlich, dass es sinnlos ist, Buchstaben zu verstecken :-) ... und erzähl uns mehr von deinem Schatz! Ich habe auch so einen, der selbst bei 101. mal nicht einlenkt. Auch wenn er bei uns Nr. 4 ist, ist es manchmal so unglaublich schwerig, geduldig zu bleiben.

Liebe Grüße,
Koschka
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Re: Erfahren und doch verblüfft

Beitragvon Rabaukenmama » Mi 27. Jun 2018, 07:19

Hallo Butterbrot,

herzlich willkommen hier! Ich weiß nicht mehr, wie oft ich hier den Satz "Ich schließe mich koschka an!" schon geschrieben habe ;) ! Aber sie trifft den Nagel auf den Kopf. Du spürst, was dein Sohn will und braucht. Es KANN gar nicht falsch sein, wenn du es ihm ermöglichst. Alle etwaigen Gründe, es nicht zu tun, sind Vorurteile!

Ich bin Mutter von zwei Jungs, beide echte "Sondereditionen". Beim älteren Sohn hat das Interesse für Buchstaben und Zahlen mit 18 Monaten begonnen. An seinem 2. Geburtstag konnte er perfekt buchstabieren, zweistellige Zahlen korrekt benennen und... noch keinen grammatikalisch korrekten Satz sprechen. Die "Sprachexplosion" kam etwas später, mit 2,6 Jahren sprach er dann in langen, grammatikalisch korrekten Sätzen mit einem erstaunlichen Wortschatz (und einigen Aussprachefehlern :) ). Motorisch war er als Kleinkind extrem fit und immer in Bewegung. Er war mein erstes Kind, ich hatte ihn mit 38 Jahren bekommen. Was war ich stolz auf ihn! Mittlerweile ist er 8 Jahre alt, geht in die 2. Klasse Grundschule, ist arbeitsmäßig Minimalist (haßt Hausaufgaben!) und fällt maximal mit seinem nicht-angepasstem Sozialverhalten auf. Vor knapp einem Jahr bekam er die Diagnose "hochfunktionaler Asperger Autismus". IQ-Test habe ich bewusst nicht angeleiert, weil es bisher noch keinerlei Vorteil für mein Sohn gebracht hätte und weil ich selbst (IQ 143) kein Interesse am exakten Zahlenwert habe. Kann auch sein, dass er gar nicht in die Hochbegabung reinfällt (ist mir aber auch egal, ich schreibe trotzdem hier :mrgreen: ).

Mein jüngerer Sohn wurde gehörlos geboren. Nach und nach kamen noch andere Diagnosen dazu: Autismus, Kurzsichtigkeit, starker Astigmatismus, ausgeprägte Senk-Spreiz-Knickfüße, Ekzeme an Knöcheln und Knien,...Bis auf die orthopädischen Einlagen werden alle Hilfsmittel (Horchis - er hat CIs, Brille) konsequent verweigert. Er ist ein Dickschädel per Excellance. Mehrere Entwicklungsdiagnostiken zeigten einen gewaltigen Unterschied zwischen Denk- und Handlungsskala. IQ-Wert ist "nicht ermittelbar", weil zwischen bestem und schlechtestem Teilergebnis über 70 IQ-Punkte liegen (das muß man mal schaffen! :P ). er begann übringens mit 2,6 Jahren, sich für Zahlen und Buchstaben zu interessieren. Mit 4 Jahren hatte er einen echten Zahlenbegriff von mindestens, konnte Zahlenreihen logisch fortsetzen, aus dem Gedächtnis seinen Namen schreiben (9 Buchstaben) sowie die Namen etlicher Kinder und Betreuer im Kindergarten sowohl schreiben als auch gebärden. Er wird in 4 Wochen 6 Jahre alt und im Septemer eingeschult - in einer gebärdensprachigen Mehrstufen-Kleinklasse für Autisten mit Hörschädigung. Schulwahl haben wir keine, es gibt im Umkreis von 150km nichts anderes, was für seine speziellen Bedürfnisse passen würde.

Ungefragte Erziehungstipps bekomme ich (von Fremden) immer wieder. Aber alle, die mich und meine Familie kennen, sind der Ansicht, dass wir (mein Mann eingeschlossen) das sehr gut hinbekommen. Beiden Jungs sieht man weder ihre Handycaps noch ihre Fähigkeiten an. Vom Wesen her sind sie unterschiedlich wie Tag und Nacht. Trotz nur 2,4 Jahren Altersunterschied können sie mit sich gegenseitig (spielerisch) nichts anfangen, dafür sind die Interessen zu verschieden. Aber sie mögen und akzeptieren sich, das ist die Hauptsache. Ich sage oft scherzhaft, ich habe zwei Einzelkinder, die zufällig in derselben Familie "gelandet" sind.

Bezüglich Interesse an Buchstaben und Zahlen: ich habe das nie aktiv forciert, war aber bei Fragen immer offen und habe auch durch den Kauf von "interessanten" Spielen dazu (die man sich allein "erarbeiten" kannt) das Interesse unterstützt. Käme noch ein Kind (was ich nicht hoffe :oops: ) würde ich es genauso machen. Es ändert nichts an den anderen Fähigkeiten oder Defiziten. Nur, dass es eben mehr auffällt, wenn ein Kleinkind so was schon kann und man selber vielleicht in die Schublade "Eislauf-Eltern" eingeordnet wird - aber damit kann ich leben ;) . Mein jüngerer Sohn hatte mit 5 das räumliche Vorstellungsvermögen eines 10jährigen, das ist bei weitem nicht so aufgefallen, wie mein damals 2jähriger älterer Sohn, der mit Vollglatze und Schnuller aus dem Kinderwagerl beim Anblick eines Preisschildes "kostet 39 Euro" gebrüllt hat.
Der liebe Gott schenkt uns die Nüsse, aber er knackt sie nicht (Johann Wolfgang von Goethe)
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Re: Erfahren und doch verblüfft

Beitragvon charlotte12 » Mi 27. Jun 2018, 10:39

Hallo Butterbrot,

bei meiner Tochter kam das Interesse an Buchstaben auch mit ca. 2,5 Jahren. Ich habe mich damals den Fragen des Kindes angepasst, auch mit Zweifeln. Im Nachhinein war das genau richtig so. Es dauerte noch ein ganzes Jahr, bis sie das Prinzip erkannte, wie man Buchstaben zu Wörtern zusammenzieht, witzigerweise konnte sie zuerst schreiben und erst um einiges später lesen. Mittlerweile haben wir das Etikett "Hochbegabung" schriftlich, sie ist 7 1/2 Jahre alt und immer noch eine extreme Leseratte und Schnell-Leserin, die ihre Bücher zu den unmöglichsten Orten mitnimmt. Bei ihr ist es so, dass sie sich für eine Sache zu einem bestimmten Zeitpunkt interessiert. Wenn sie es dann lernt, geht es blitzschnell und quasi ohne Anstrengung. Geht man nicht darauf ein und blockt es ab, dann ist das Interesse irgendwann so komplett weg, dass es später fast nicht mehr möglich ist, ihr das beizubringen, auch wenn es in der nächsten Klassenarbeit dran ist. Ich weiß, jedes Kind ist anders, aber bei meinem haben wir v.a. eines gelernt - Interessen aufgreifen und darauf eingehen, egal was es ist und ob das altersmäßig passt oder nicht.

LG
Charlotte
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Re: Erfahren und doch verblüfft

Beitragvon alibaba » Do 28. Jun 2018, 10:02

Hallo Butterbrot,

Du hast allen hier, sehr viel voran, deine Erfahrung. Ich schließe mich meinen Vorschreibern an. Höre nur auf Dich, intuitiv machst Du das richtig. Wobei mir, nach deinem langen Posting, eins aufgefallen ist. Mit 15 Monaten „erst“laufen können, ist absolut Norm, in der Mitte und kein „so spät“. Ich denke, deine Lebenserzählung zeigt uns mal wieder, dass jedes Kind einzigartig und ein Vergleich sinnlos ist, es bringt nichts. Dabei ist es egal, wer wann was kann, wer fragt bekommt eine Antwort, das halte ich heute noch so und beschränkt sich bei uns nicht aufs Kleinkindalter. Außerdem würde ich noch sagen, genieße, genieße dieses (letzte) Kind. Die Zeit wird so schnell vorbei sein.

VG
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Re: Erfahren und doch verblüfft

Beitragvon Ani* » Di 3. Jul 2018, 02:23

Guten Abend!
ich bin Mama von Ani* und habe mich ein Monat vor Dir hier vorgestellt.
Ich habe auch drei Söhne:))) 24, 22 und 2,4.
Im Juni hat mein Mann und ich eine tolle Beratung bekommen, bei einer Psychologin, die mit HB Kinder arbeitet. Sie hat mir ein Buch empfohlen, was ich einfach nur weiter gerne empfehle: "Hochbegabte Kinder: Das große Handbuch für Eltern" Webb, James T. Es ist ein Fachbuch.
Ich habe sehr viel reflektiert und glaube, dass die Buchstaben und Zahlen für meinen Sohn absolut noch keine Bedeutung haben. Zwar erkennt er alle (groß und klein, deutsche, englische und russische), aber sie sind für ihn wie Reime...
Ich habe es so verstanden, dass für die kleine Kinder viel wichtiger ist, wenn sie motorisch und körperlich "gefördert" sind, dadurch wird das Nervensystem stärker und stabiler und Gehirn arbeitet später viel besser. Geistige Entwicklung kann man nachholen, körperliche sehr schwer..
Deswegen, investieren wir momentan Zeit in Schwimmen (E. Pikler-Art), draußen Spielen, Trampolin, Ball spielen, Laufrad fahren und andere aktive Sachen.
Außerdem, sehr viel Musik, Konzerte, eine sehr gute Musikspielgruppe (E. Pikler-Art). Und viele Bücher lesen. Bibliothek.
Das wars. Und viel Selbständigkeit.
Wir haben bewusst entschieden, Ani* zu Hause, ohne staatliche Hilfe, zu betreuen, so lange es möglich ist und so lange das Kind es braucht. Weil: a) er interessiert sich noch für anderen gleichaltrigen Kinder nicht, b) ist sehr selbständig und entscheidungssicher (was 99% ErzieherInnen nicht tolerieren), c) ist ziemlich sensibel, braucht noch viel Ruhe, Geborgenheit und Routine, als Kita ihm anbieten könnte.
Wenn er eine HB hat, es kommt sowieso raus, wenn nicht, schadet dem Kind trotzdem nicht.
Wir haben ein Klavier zu hause und Ani* darf spielen wann und was er will. Und er liebt es :))) Aber es ist keine Musik. Kein Unterricht. Nur reines Spiel.

Ich lese sehr viel "Das Kind soll eine Kindheit haben!". was ist das , Eure Meinung hach? Was ist das "eine gute Kindheit" in unserer stressigen, zeitgebundenen, digitalen Zeit?
Wir können wir, Eltern, unseren klugen Kinder eine unvergesslich schöne Kindheit schenken?
Ani*
 
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Re: Erfahren und doch verblüfft

Beitragvon alibaba » Di 3. Jul 2018, 08:55

Ani* hat geschrieben:
Ich lese sehr viel "Das Kind soll eine Kindheit haben!". was ist das , Eure Meinung hach? Was ist das "eine gute Kindheit" in unserer stressigen, zeitgebundenen, digitalen Zeit?
Wir können wir, Eltern, unseren klugen Kinder eine unvergesslich schöne Kindheit schenken?


Ich persönlich glaube ja, dass man jedem Kind eine schöne Kindheit schenken kann, wenn man selbst "Schönheit" ausstrahlt. Authentisch ist, liebevoll, erklärend, stützend, tolerant, Rahmen setzend, ….. da kann man mit Sicherheit noch ganz viel dran hängen. Was ich unterstützend dazu hilfreich finde ist, wenn man auch finanziell nicht auf dem letzten Loch pfeift, denn wenn man seinen Kindern viele Ausprobiermöglichkeiten anbieten möchte, braucht das oft, nicht immer, Geld.
Wir prägen selber die Kindheit unserer Kinder. Ist die Eltern-Kind-Beziehung stimmig, dann kann die kein "böser" Kindergarten oder keine "böse" Schule zerstören oder beeinflussen. Viele Eltern müssen ihre Kinder in den - nächst gelegeneren - Kiga geben - die müssen nämlich Beide arbeiten. Die können es sich gar nicht aussuchen, ob man das individuell machen sollte oder nicht und ob das Eine "besser" ist, als das Andere.

Früher - im alter meiner Eltern - machten sich deren Eltern überhaupt keine Gedanken, über "Das Kind soll eine Kindheit haben!" und trotzdem blickt meine Mutter durchaus glücklich auf ihre eigenen Kindheit zurück, obwohl sie Kohle mit in die Schule nehmen musste (zum heizen des Klassenraumes) und sie nur Ziegenmilch kannte. Dabei ging meine Oma ganztägig arbeiten und konnte sich nicht individuell ums Kind kümmern. und "kümmern" war damals bestimmt nicht ins Babyschwimmen zu gehen. :mrgreen:

VG
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Re: Erfahren und doch verblüfft

Beitragvon Ani* » Di 3. Jul 2018, 09:28

Bedeutet es, je freie das Kind wächst, desto besser? So weniger Betreuung und Einmischen wie es möglich? Alle mögliche Kurse, Museen, Aktivitäten von uns, Erwachsenen, ist nicht gleich, was das Kind tatsächlich braucht? Spielen und spielen lassen?
Ich verstehe, meine Frage ist ziemlich philosophisch und abstrakt
:gruebel:
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Re: Erfahren und doch verblüfft

Beitragvon Koschka » Di 3. Jul 2018, 10:24

Meines Erachtens soll die Iniziative vom Kind kommen, um irgendwas außerhalb der Familie zu machen. Alles andere ist vielleicht gute Beschäftigungstheraipe für die Mütter, aber dem Kind eigentlich egal. Es schadet nicht, ist aber nicht unbedingt besser als im Sandkasten zu spielen. Ich habe bei den ersten zwei Kindern alles mögliche mitgemacht, das 4. Kind ist in den familieren Grenzen aufgewachsen. Ich habe ihm nichts vermittelt, alles hat es nebenbei aufgeschnappt. Vieles davon habe ich nicht mal ausdrücklich gezeigt. Erst jetzt mit fast 5 braucht er dringend außerhalb der Familie gefordert zu sein.
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Re: Erfahren und doch verblüfft

Beitragvon charlotte12 » Di 3. Jul 2018, 11:51

Ich denke, es kommt aufs Umfeld und aufs Kind an. Mit anderen verfügbaren und von den Interessen her passenden Kindern in petto finde ich es wunderschön und herrlich, die Kinder einfach frei spielen zu lassen. Mit meinem soziophoben Einzelkind kombiniert mit recht spezieller Nachbarschaft funktioniert das nicht. Überlasse ich sie sich selbst, klebt sie entweder permanent an mir und ich werde zum Dauerbespaßer, oder sie verschwindet für Stunden und Tage komplett in ihrer Bücherwelt. In diversen Kursen oder (von Elternseite aus organisierten) Spielenachmittagen blüht sie hingegen auf. Jetzt, mit 7 Jahren, braucht sie Kurse - die diversen Baby-Bespaßungskurse hätten wir uns damals auch besser gespart.
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