Erneutes Hallo

Einfach nur über sich und seine Kinder erzählen

Erneutes Hallo

Beitragvon mattis » So 20. Jan 2019, 08:16

Ein erneutes "Hallo" in die Runde.
Vor 10 Jahren habe ich eine Weile hier im Forum mitgelesen und -geschrieben. Mein ältester Sohn war damals ca. 3 Jahre alt. Oft sind wir damals darauf angesprochen worden, ob er nicht HB sei. Am Anfang hat mich der "Verdacht" ganz schön durcheinander gebracht. Die Frage: "Muss ich jetzt irgendetwas tun?" Irgendwann haben wir beschlossen, dass es einfach wichtig ist, nah am Kind und seinen Fragen und Bedürfnissen zu sein. Das hat ganz gut funktioniert.
Letzten Endes haben wir ihn wegen eines Schulwechsels doch testen lassen - und der Verdacht hat sich bestätigt. Er ist so ein typischer MINT-Fuchs, erfindet, konstruiert und redet ununterbrochen. Immer im Dialog mit der Umwelt. Ping-Pong. Inzwischen ist er 13.
Dann kam der Mittlere. Ganz anders. Genügsamer, anhänglicher. Er nimmt vor allem Eindrücke in sich auf und auf und auf... und hat dann kreative Schübe. Er spielt 2 Instrumente, erfindet Melodien, zweite Stimmen dazu für den Großen, der Kontrabass spielt... Hochsensibel, ängstlich, vorsichtig. Träumt auch in der 5. Klasse vor soch hin. Er ist jetzt 10.
Die Kleine, 7 Jahre, ist unser Michel von Lönneberga. Nimmt es mit Regeln zuhause nicht so genau. Sie kann am ehesten lügen. Ist überhaupt nicht anstrengungsbereit. In der Schule ist sie übermäßig brav, will keine Mühe machen, alles richtig machen, bloß nicht auffallen. Sie hatte jetzt große Probleme in der 2. Klasse. Täglich bekam ich mitgeteilt, sie habe sich nicht wohlgefühlt und den Schultag weitestgehend auf der Krankenliege verbracht.
Für uns (die wir unsere HB-Erfahrung nur durch unseren Großen hatten) gab es bei ihr keinerlei Hinweis auf HB. Da ja aber Mädchen oft unerkannt bleiben und Geschwsterkinder "anfälliger" sind, haben wir uns gedacht, da könne vielleicht ja doch des Pudels Kern liegen.
Und weil wir den Mittleren nicht außen vor lassen wollten, wurde er gleich mitgetestet.
Die Kleine hat trotz Erkältung einen Prozentrang von 99 abgeliefert. Der Mittlere von größer 99. Das hätte ich im Leben nicht erwartet.
Alle drei sind schulisch faul. Insbesondere der Große und die Kleine hassen Automatisierungsprozesse. Der Mittlere ist bereit, sich Dinge, die ihn interessieren, zu erarbeiten. Darum ist er wohl auch der Musikus. Denn musikalisch sind sie alle, üben mag nur er.
Seitdem die Diagnose feststeht, haben die Lehrer, die auch recht überrascht waren, einiges umgestellt. Seitdem verbringt die Kleine ihre Zeit im Unterricht. Und sie ist endlich nicht mehr dauererkältet. Sie ist so überhaupt nicht das Überflieger-HB-Mädchen, von dem man liest. Ihre Feinmotorik ist grottig, die müht sich mit dem Lesen und Schreiben Lernen. Mathe geht super - wenn sie es nicht hinschreiben muss... Ihr Arbeitstempo bringt mich zur Weißglut.
Aber wenn ich ehrlich mit mir bin, weiß ich, dass ich, genau wie meine Kinder, in den ersten 2-3 Schuljahren noch sehr verträumt war und auch meine Feinmotorik sich erst spät entwickelt hat.
Also nehme ich mir vor, gelassen zu bleiben. Da sein. Halt geben. Hingucken und hinhören.
Das sind also wir.
mattis
Dauergast
 
Beiträge: 50
Registriert: Fr 8. Mai 2009, 09:55

Re: Erneutes Hallo

Beitragvon Rabaukenmama » So 20. Jan 2019, 10:14

Hallo Mattis,

herzlich willkommen "zurück" (ich war damals noch nicht da) und einen schönen Austausch.

Interessante Kombi an Kindern hast du da :) . Weil du von deiner Tochter schreibst, sie sei überhaupt nicht das "Überflieger HB-Mädchen, von dem man liest": was meinst du damit? Ich beschäftige mich seit Jahren mit Hochbegabung, habe viel darüber gelesen, und vielleicht war sogar mal eine Geschichte von einem Überflieger-HB-Mädchen dabei. Aber insgesamt hatte ich bisher nicht den Eindruck, dass HB-Mädchen in Berichten und Artikeln so einseitig dargestellt werden. Dass Hochbegabte auch (schulisch) Hochleister sind ist eher ein hartnäckiges Klischee. Diese ganze Aussagen "Die (Hochbegabten) sind ja soundso" sind..." sind ohnehin Vorurteile. Für die einen sind Hochbegabte sozial isolierte Streber (Nerds), für die andern haben sie generell mit irgend was anderem Probleme. Das stimmt zwar, trifft aber ebenso für Nicht-HB-Kinder zu, denn wo gibt es ein Kind, welches überall nur positiv auffällt und gesehen wird ;) ?

Ich bin wegen meines 8jährigen Sohnes hier, der zwar nicht getestet, aber vermutlich HB ist. Da er immer schon sozial-emotional schwierig war habe ich ihn regulär mit 6 Jahren einschulen lassen. Bisher haben wir kein offizielles IQ-Ergebnis benötigt, mir war der Zahlenwert nie wichtig, daher auch keine Testung. Mittlerweile wurde bei ihm sowohl Asperger Autismus als auch ADHS diagnostiziert, was seine sozial-emotionalen Schwierigkeiten erklärt. Da in 18 Monaten der Wechsel ans Gymnsium ansteht überlege ich aktuell, ihn doch auch bezüglich IQ testen zu lassen.

Mein jüngerer Sohn ist 6 Jahre alt und gehörlos geboren. Auch er ist Autist, ob Asperger oder Kanner, darüber gehen die Meinungen auseinander. Meiner Einschätzung nach ist er durchschnittlich intelligent mit vielen Höhen und Tiefen im Profil. Seine IQ-Tests waren bisher nie auswertbar, wegen der großen Diskrepanzen zwischen den Einzelergebnissen. Bei ihm sticht sein gutes mathematisches Verständnis und räumliches Vorstellungsvermögen heraus. Auch in schriftlichem deutsch ist er für einen Gehörlosen bis jetzt sehr gut (wird schlechter werden, wenn die Grammatik-Anforderungen steigen). Bis Schulbeginn hat er konsequent verweigert, seine Horchis (er hat CI Hörimplantate) zu tragen, das wird jetzt langsam besser. Kommunikation funktioniert mehr schlecht als recht in Gebärdensprache. Daher wird er in seiner Sonder-Klasse (gebärdensprachige Mehrstufen-Kleinklasse für gehörlose Autisten) auch außer in Mathe überall nach Sonderschullehrplan beschult.

Ich freue mich auf einen schönen Austausch,

Rabaukenmama
Der liebe Gott schenkt uns die Nüsse, aber er knackt sie nicht (Johann Wolfgang von Goethe)
Rabaukenmama
Dauergast
 
Beiträge: 2280
Registriert: So 8. Dez 2013, 21:24

Re: Erneutes Hallo

Beitragvon mattis » So 20. Jan 2019, 12:31

Hallo Rabaukenmama,
danke für Deine liebe Begrüßung. Ich habe mich vorher schon ein wenig eingelesen und Deinen Jungs gelesen. Ein spannendes Paar hast Du da! Jedes Kind bringt seine eigenen Herausforderungen mit, Deine Herausforderung finde ich ganz schön groß! Viel Gelegenheit zum Wachsen ;) .
Ich gehe mit Dir: Zahlenwerte sind völlig egal! Solange es keine Notwendigkeit gibt, würde ich auch nicht testen lassen. Manchmal hilft es aber eben, um besser zu verstehen, wie man dem Kind helfen kann oder auch, was man "erwarten" kann. Wäre bei der Kleinen jetzt eine durchschnittliche Begabung heraus gekommen, dann würde ich sie jetzt weniger fordern. Was das normale schulische angeht, meine ich.
Unser Großer kam damals in der 3. Klasse auf der Freien Schule nicht klar und hat auf eine kleine christliche Schule gewechselt. Die hatten zu der Zeit keinen Platz in der 3. Klasse frei. Er hatte riesige Lücken in der Schreibfähigkeit und in schriftlichen Rechenverfahren, wir waren aber trotzdem überzeugt, dass er in der 4. besser aufgehoben wäre als in der 2. Klasse. Darum brauchten wir eine Testung. Ein halbes Jahr später war er glücklich auf dem Gymnasium.
Zum Glück haben wir eine Testerin, die sich gegen einen konkreten Wert ausgesprochen hat. Sie hat ein umfangreiches Profil erstellt, in dem eine deutliche Hochbegabung beschrieben wird. Und das, trotz eines katastrophalen auditiven Arbeitsgedächtnisses. Diese Testerin hat uns immer wieder gesagt, dass ein einzelner Wert niemals die Vielschichtigkeit eines Intellekts widergeben könnte und uns davon abgeraten, uns den Wert nennen zu lassen. Als wir jetzt die anderen beiden auch haben testen lassen, war sie leider in eine andere Ecke Deutschlands gezogen...
Ach ja, die "HB Mädchen" von denen man liest - da meinte ich genau die klischeemäßigen, über die man in Tageszeitungs - und Illustriertenartikeln liest. Und das gilt genauso für die Jungs. Aber auch hier im Forum sind ja doch einige, die tatsächlich zur Begabung auch Leistung zeigen.
Meine sind charakterlich eher so wie ich und mein Mann: In der Anstregungsbereitsschaft eher pragmatisch. Ehrgeizfrei.
Tatsächlich war die Kleine mit 4 sehr am Lesen interessiert, konnte Buchstaben zusammen ziehen... und hat in den folgenden drei Jahren dann in diesem Bereich kaum Fortschritte gemacht. Sie hat wohl andere Themen. Fragt sich, wie es wäre ein Kürbis zu sein :D
Ui, schon wieder so lang.
Ich freue mich auch auf einen spannenden Austausch.
mattis
Dauergast
 
Beiträge: 50
Registriert: Fr 8. Mai 2009, 09:55

Re: Erneutes Hallo

Beitragvon alibaba » So 20. Jan 2019, 16:00

Rost schreibt ja zu den typischen hochbegabten Kindern, dass sie nicht wirklich auffallen und ich ergänze mal, das auch nicht wirklich wollen. Nach Rost sind diese Kinder gute Schüler, kommen gut zurecht und schreiben gute Noten. Von Dauerunterforderung oder von Spezialförderung liest man bei Rost nichts. Warum auch, wenn das Kind gar nicht möchte und es so reicht.

Oft reicht es uns Müttern bloß nicht, da wir ja das Talent verkümmern sehen und um die theroretische Machbarkeit wissen.

Mein Großer macht das was er will. Mit 14 sind meine Drängergebnisse eher negativ und wenn ich ehrlich bin, gebe ich zu, ging das noch nie gut. Aus meiner Erfahrung mit zwei faulen Kindern, fahre ich am besten, wenn meine die instrinsische Motivation packt. Dann geht alles. Ich kann nur begleiten, vorleben das üben sein muss, auch erzählen, motivieren, aber muss akzeptieren, wenn man sich nicht ständig aufreiben möchte, an dem was Kind nicht tut, aber tun könnte.

Ich biete immer „nur“ an. Wenn ich höre, Kind „beschwert“ sich über Schulprogrammieren (alles so leicht), biete ich einen Kurs an der VHS an, schau, da gibt es was. Aber annehmen muss immer das Kind. Oder Musikschule, schau, Du kannst wechseln im Orchester, nächst höhere Stimme, aber zum Lehrer gehen und darum bitten, das muss das Kind.

Letzten Endes möchte ich mal nie, dass unsere Kind-Elternbeziehung leidet und mein Kind zu mir sagt, ich will das gar nicht, du wolltest das und am Besten noch vor versammelter Mannschaft erklärt wird, Mutter wollte das.

Grundsätzlich darf aber natürlich jeder machen was er will und passend für seine Familie findet. Bei uns zeigt aber die Erfahrung, positiv abnabeln und Eigeninitiative hat den festesten Grundstein für Gelingen.

VG
alibaba
Dauergast
 
Beiträge: 3304
Registriert: Mo 6. Okt 2008, 10:06

Re: Erneutes Hallo

Beitragvon mattis » So 20. Jan 2019, 18:47

Hallo Alibaba,
an Dich erinnere ich mich noch. Genau, Dein Sohn ist ein bis zwei Jahre älter als mein Großer.
Ich habe Deinen Ausführungen kau etwas hinzuzufügen.
Der einzige Druck, den ich mache, ist, dass die Kleine täglich eine halbe Stunde Hausaufgaben macht. Sie hat Wochenhausaufgaben auf. Und in aller Regel arbeitet sie sooo langsam, dass sie nicht alles schafft. Seit ich von der HB weiß, weiß ich, dass es keine inhaltlichen Probleme sind. Aber ich quäle sie gewiss nicht damit, dass sie langweilige Aufgaben bewältigen muss. Aber die halbe Stunde pro Tag, die verlange ich auch ohne intrinsische Motivation.
Ich bin eh schon eine der Mütter, die sich am wenigsten einmischen. Mappenführung ist mir schnurz. Schön wäre, wenn die Kinder in der Oberstufe so viel Gas geben, dass sie das studieren können, was sie wollen - wenn sie studieren wollen. Hauptsache, sie können etwas tun, dass sie tun wollen. Wie gesagt, ich bin da pragmatisch. Es gibt kein Geld für Zeugnisse oder andere Leistungen. Wenn sie sich selber drüber freuen können, ist das viel besser!
Mein Großer hatte sich für dieses Schuljahr vorgenommen, weniger chaotisch zu sein und sich zu verbessern. Das klappt bis jetzt und er freut sich. Und ih freue mich mit ihm. Aber ehrlich, wen interessiert am Ende ei Zeugnis der 8. Klasse. Mir ist wichtiger, dass sie Freizeit haben, auf Bäume klettern, werkeln, basteln, kreativ sind und herausfinden, was sie wollen.
Aus meiner eigenen Geschichte heraus fände ich es gut, wenn sie schon zu Schulzeiten die Erfahrung machen, dass Anstrengung sehr befriedigend sein kann.

Unsere Testerin, die seit 20 Jahren auf HB spezialisiert ist, erzählte von einer Schule für HBs, die sie mit aufgebaut hat. Sie sagte "Da haben wir die tollsten Konzepte entwickelt... und was machen diese HB-Kinder? Minimaleinsatz. Bis es drauf ankommt, dann schütteln sie ein 1er-Abi aus dem Ärmel." Das hört sich so an wie Rost. Und so, wie ich es von den HBs in meiner Umgebung mitkriege.
LG
mattis
Dauergast
 
Beiträge: 50
Registriert: Fr 8. Mai 2009, 09:55

Re: Erneutes Hallo

Beitragvon alibaba » Mo 21. Jan 2019, 09:34

Hallo mattis,

mein Sohn ist 14 und geht in die 9.Klasse ins musische Profil.

Das, was sich mein Junior jedes Jahr vornimmt, ist das Schuljahr immer zu schaffen. :o Da er Null wie Nichts macht, ist das wahrlich eine Herausforderung.

Vor ein, zwei Jahren hatte ich ihn mal mit seiner theoretischen Machbarkeit konfrontiert, praktisch hat sich dadurch aber rein gar nichts geändert. Vom Grundsatz her ist das also vollkommen egal. Schulunterricht ist auch so weit langweilig, soweit ich nicht bereit bin ihn anzunehmen und mich einzubringen. Ich kann natürlich mich der Länge nach auf den Schultisch hinlegen und jammern, oder aber mich mit Mitarbeit einbringen. Das fordern hier auch die Lehrer mit zunehmender Klassenstufe. Und ich staune dann doch sehr oft, wenn er es denn mal macht. Dann kommt das Lob der Lehrer. Geht doch - nur leider hält die Motivation nicht lange. :roll: Ich sehe aber den Hoffnungsschimmer am Horizont, denn das glaube ich auch - Kind wird mal ein gutes Abitur schreiben. Bis dahin wird er hoffentlich so weit sein, dass er verstanden hat, das nur er es selber in der Hand hat.

Schulprojekte gibt es hier einige - aber man muss schon selber den Lehrer bitten. Jugend forscht oder Jugend musiziert.

Dieses was bin ich bereit zu tun, das begleitet uns ja ständig im Alltag. Erst gestern Abend saßen wir beim Essen. Hierbei sprach mein Mann die Möglichkeit an, in den Sommerferien einen Ferienjob als Rettungsschwimmer anzugehen. Da kann man sich Geld verdienen. Voraussetzung ist der silberne Rettungsschwimmer. Gut, meinte dann mein Junior, er spricht seinen Trainer an, das wolle er jetzt machen. Na das nenne ich doch mal intrinsische Motivation. :mrgreen:

Oder vor über einem Jahr, war ihm das alles zu doof im Nachwuchsorchester. Ich zeigte ihm die Möglichkeiten auf die er hat. Er sprach dann seinen Lehrer an und seit dem spielt er im Sinfonieorchester.

Diese Art des "Selbstmachens mit Eigenverantwortung" setzt sich immer mehr im Leben meines Großen fest, so Stück für Stück. Ich will Kuchen backen - was brauche ich - schreibe es auf - kaufe es ein und mache dann. Ich will mit meinen Freunden ins Kino - verabrede mich - schaue wann die Bahn fährt - plane wieviel Zeit ich brauche - weiß wer wo zusteigt - informiere die Eltern - geb ab und zu ein Lebenzeichen von mir ohne das Mama nachfragen muss - alles Dinge in Eigenverantwortung. Langweile ich mich im Chemieunterricht muss ich selber zum Lehrer und nicht Mama. Außderdem wächst mein Junior mit sich selbst. So suchte er sich seinen Praktikumsplatz ganz alleine. Nahm all seinen Mut zusammen und ging direkt auf den Chef persönlich zu - er war so stolz es geschafft zu haben und bedankte sich sogar bei mir. :D

Ich kann mein Kind nicht vor langweiligen Dingen im Schulunterricht schützen. Das ist wie im Orchester. Erst wenn es der letzte verstanden hat, geht es weiter. Da ja alle nicht für umsonst im Orchester sitzen oder eben auf dem Gymnasium, dauert es zumindest hier keine unzumutbaren Ewigkeiten bis es weiter im Stoff geht. Da mein Kind gar nicht vertiefen will, muss er sich eben etwas anderes einfallen lassen, damit Unterricht nicht langweilig ist. An seinen Mitarbeitsnoten sehe ich, das da noch viel Raum wäre, damit Zeit gefühlt schneller vergeht. Das geht auch manchmal wunderbar - ich bekomme ja das faszinierende Feedback der Lehrer - nur muss Kind eben dazu bereit sein. Warum er das nicht macht, hat verschiedene Gründe. Viele liegen nicht daran, dass er einen hohen IQ hat. Die meisten sind wohl eher "männlicher Wesensart". Da sollten die Kinder in Musik die Interpretation eines Musikstückes als HA beschreiben. "Interpretiere das Musikstück". Mein Junior schrieb mit Mühe und Not - "mehr fiel mir nicht ein" - 1/2 Seite. Die Mädchen die hier sehr gute Noten schreiben, schrieben 11 Seiten. Was soll man dazu noch sagen? ;)

VG
alibaba
Dauergast
 
Beiträge: 3304
Registriert: Mo 6. Okt 2008, 10:06

Re: Erneutes Hallo

Beitragvon Koschka » Mo 21. Jan 2019, 11:01

Statistik ist ein komisches Ding, vor allem wenn es um Menschen geht. Was ist denn ein Mitelwert für Zufriedenheit, Selbstwertgefühl, Glück? Wie wurde es bei der Roststudie gemessen, wie glücklich die Kinder in der Schule sind? Wie misst man wie viel Wert es einem ist, zu Mainstream zu gehören und wie viel Freiheit man bereit ist dafür zu opfern? Es gibt auch psychologische Statistiken, die besagen, dass die Deutschen es gewohnt sind das Leben viel zu pessimistisch zu betrachten und die eigene Situation schärzer zu sehen als die tatsächlich ist. Könnte diese Sicht was mit der Kindheit zu tun haben? Schon früh wird geprädigt: "Hier ist nichts zu ändern, da muss du durch!" Der dreijährige weint stundenlang im Kindergarten? Kein Problem, da muss er durch, schließlich machen alle mit. Der 6-jährige langweilt sich in der Schule bis zu den psychosomatischen Schmerzen?" Warum was tun, es gibt doch Dr Rost, der sagt das gibt es doch nicht. Da muss das Kind wieder durch. Und oje man will irgendwo quer einsteigen, umsteigen oder bloß anhalten. Sofort wird man schief beäugt... da müssen doch alle durch! Hat Rost auch den verloren gegangenen Potential gemessen? Hat jemand gemessen, wo die Anpassungsgrenze liegt nach der die Anpassung der eigenen Psyche mehr schadet als es an Vorteilen bringt? Hochintelligente Kinder sind anders als ihre Altersgenossen. Durch Anpassung gleichen einige vieles aus, ABER die Anpassung ist potentiell als destruktive Kraft zu betrachen. Sobald die Kluft zwischen dem eigenen "ICH" und dem gewünschten "ICH" zu groß wird, bricht alles in sich zusammen.
Koschka
Dauergast
 
Beiträge: 2124
Registriert: Mo 2. Apr 2012, 20:57

Re: Erneutes Hallo

Beitragvon Maca » Mi 23. Jan 2019, 00:51

Hallo mattis,

Deine 3er Kombi klingt superinteressant und du wirkst gelassen und “erwartungsoffen“ was die Entwicklung deiner Kinder betrifft.
Sehr sympathisch!

Ich bin da zwiegespalten und dränge meine Kinder (Tochter 15 nicht hb aber teilw. sehr begabt, Sohn 12 hb) immer wieder dazu, sich wider ihrer natürlichen Trägheit, Herausforderungen zu stellen und ihr Potential auch mal zu nutzen und sich anzustrengen.
Da kann ich auch sehr hartnäckig, schon fast impertinent sein.

Dann wiederum lasse ich alles schleifen und meine Kinder chillen bis das Hirn schrumpft. :mrgreen:
Vor allem meine Tochter, mein Sohn ist etwas anstrengungsbereiter aber auch nur etwas.

Ihr werdet euren Weg schon gehen,
ich bin gespannt von euch zu lesen

LG
Maca
Maca
Dauergast
 
Beiträge: 349
Registriert: Do 21. Mai 2015, 16:30

Re: Erneutes Hallo

Beitragvon alibaba » Mi 23. Jan 2019, 09:02

Hallo Maca,

das finde ich interessant.

Maca hat geschrieben:
Ich bin da zwiegespalten und dränge meine Kinder …. immer wieder dazu …. sich anzustrengen. Da kann ich auch sehr hartnäckig, schon fast impertinent sein.
.
.
.
Dann wiederum lasse ich alles schleifen und meine Kinder chillen bis das Hirn schrumpft. :mrgreen:


Mich würde interessieren welche Erfolge Du, in den Gegensätzen, erzielst.


Maca hat geschrieben: Vor allem meine Tochter, mein Sohn ist etwas anstrengungsbereiter aber auch nur etwas.


Bei uns wäre das genau umgedreht. Je klüger umso fauler.

VG
alibaba
Dauergast
 
Beiträge: 3304
Registriert: Mo 6. Okt 2008, 10:06

Re: Erneutes Hallo

Beitragvon Maca » Mi 23. Jan 2019, 11:53

Hallo alibaba,

alibaba hat geschrieben:

.

Mich würde interessieren welche Erfolge Du, in den Gegensätzen, erzielst.


VG


Na ja, für ein kontinuierliches Antreiben fehlt mir die Kraft.
Meine Kinder sind der
-unsicher/vermeidende Typ- mit hohem Trägheitsanteil und gehen von sich aus immer den Weg des geringsten Widerstandes.
Andererseits sind sie massiv auf Bestätigung angewiesen, gerade weil sie so unsicher sind.

Die Schule meiner Kinder ist mittlerweile sehr wettbewerbsorientiert und ich dränge meine Kinder Angebote anzunehmen und nachfolgend treibe ich sie dann auch an, Projekte zu beenden.
Wenn sie dann erfolgreich waren, sind sie megastolz und überglücklich, ganz besonders meine Tochter.
Für ihr Selbstvertrauen sind solche Erfolgserlebnisse so wichtig aber ohne Motivation von außen würde sie sich nichts zutrauen. Ist es dann falsch sie anzutreiben?
Zugegebenermaßen ist es nervig :|, konkret meine ich Teinahme an Schreibprojekten, Jugend debattiert ( Schulfinale ist gerade gelaufen und Kind will schon wieder fast aufgeben weil sie in der Regionalrunde vermeintlich keine Chance hat) und Theaterprojekten;
Sohnemann ist gerade bei der Matheolympiade schon nach der 2. Runde ausgeschieden, er hat sich aber angestrengt und bin ich richtig stolz auf ihn. Wichtig finde ich es, etwas zu beenden, für dessen Teilnahme man sich entschieden hat.
Egal was dabei herauskommt.

Das rein schulische Engagement überlassen wir weitesgehend den Kindern und sind zufrieden, solange es läuft, da erwarten ich ganz bestimmt keine Spitzenleistungen, wozu auch?
Die Noten der Mittelstufe interessieren später nicht.

Ich weiß, dass wir teilw. als Eislaufeltern wahrgenommen werden aber andererseits auch als “Schlunzeltern“, deren Kinder alle Freiheiten haben und total chaotisch sind.



LG
Maca
Dauergast
 
Beiträge: 349
Registriert: Do 21. Mai 2015, 16:30

Nächste

Zurück zu Ich möchte mich vorstellen

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 4 Gäste