Ist das alles noch „normal“? Meine tägliche Unsicherheit.

Einfach nur über sich und seine Kinder erzählen

Ist das alles noch „normal“? Meine tägliche Unsicherheit.

Beitragvon Lunamia Schokokeks » Di 29. Jan 2019, 22:38

Hallo in die Runde,
zunächst mal: schön dass es euch und dieses Forum gibt! Ich durchforste schon seit Monaten das Internet zum Thema Hochbegabung (bei Kleinkindern), doch bin erst vor wenigen Tagen auf das Forum gestoßen. Und ich dachte: Endlich mal eine Austauschmöglichkeit, die Chance zum Dialog, statt nur einseitiges Lesen von verschiedenen (Fach-)Informationen.

Zu meiner Situation: mein Sohn ist 2 ½ Jahre alt. Er ist kognitiv sehr weit, zumindest glaube ich das, was ich gern mit einigen Beispielen untermauern möchte, da diese es einfach am anschaulichsten rüber bringen:

Er schaut sich unglaublich gerne Bücher an und beginnt „zu lesen“, d.h. er zeigt auf eine Textpassage und sagt „Da steht…“ Dann denkt er sich etwas aus und teilt die Worte in seine Silben auf. Etwa so: „Da steht LÖF-FEL-BAG-GER.“ Auch Bücher aus der „Bildermaus“-Reihe liest er seit Monaten besonders gern: wir lesen den Text, er benennt die Bilder. Auch erkennt er schon mehrere Buchstaben sicher (A, T, U, V, O, W, Y, X) und weiß, dass es Großbuchstaben und kleine Buchstaben gibt (er schaute sich kürzlich ein Buch an und bat mich, ihm das kleine t zu zeigen). Kürzlich überraschte er mich als er eine 5 würfelte und rief „Guck mal, das sieht aus wie ein X!“ Sein Wortschatz ist riesig, er bildet teilweise komplizierte Haupt- und Nebensätze. Dinge werden detailliert benannt, so ist der Kran beispielsweise nicht einfach ein Kran, sondern ein "Turmdrehkran" bitteschön. :D

Er zählt bis 20 und erkennt die Zahlen von 0-9. Mengen kann er bis 10 sicher abzählen.

Er hat ein unglaubliches Gedächtnis. Er kann so viele Lieder auswendig! Das ist seine wohl verblüffendste Fähigkeit momentan. Mal abgesehen von seinem Humor. Gestern sprachen wir über Tierlaute und ahmten sie nach. Als wir über Enten sprachen, fragte ich ihn, wie die denn machen (und erwartete natürlich ein quakquak). Mein Sohn grinste mich an und sagte: „Schwänzchen in die Höh!“ :lol:

Er malt sehr sehr gern. Vorgegebene Bilder mag er nicht, er malt lieber seine eigenen Bilder. Er weiß genau, was er da malt und manchmal kann man sogar schon erahnen, was er da gemalt hat. Er malt parallele Linien, Kreise (geschlossen und offen), Zickzacklinien usw. Er geht sicher mit der Schere um und hat eine Vorstellung davon, wie er zum Ziel kommt (beispielsweise hat er ein Paket, dass mit Paketschnur verschlossen war, völlig selbständig mit der Schere geöffnet).

Seit kurzem interessiert er sich überdies für Gesellschaftsspiele. Sein aktuelles Lieblingsspiel ist „Stapelmännchen“, ein Spiel, dass er jeden Tag einfordert. Aber auch „Tante Emma“, ein Einkaufsspiel von Haba steht Hoch im Kurs.

Er erkennt Zusammenhänge und erklärt mir, wie die Dinge funktionieren. Er assoziiert folgerichtig, so erklärte er uns beim Händewaschen kürzlich, dass sich im Abfluss des Waschbeckens genauso Wasser befindet, wie im Gulli der Straße.

Er fragt warum. Immer und überall. Und er hinterfragt, und wie! Jede einzelne unserer Entscheidungen will ausdiskutiert werden. Wenn er beispielsweise etwas nicht darf, fragt er nicht nur, warum er das nicht darf. Nein, er erklärt uns dann auch trotzig, dass sein Freund das aber wohl darf und dass er das folglich auch machen will. Mit 2 ½ Jahren! Ganz ehrlich, ich dachte, ich hätte mehr Zeit bis es soweit ist.

So toll sich das alles vielleicht anhören mag, so sehr schlaucht mich die Pfiffigkeit unseres Sohnes. Denn wie heißt es so schön: es gibt immer zwei Seiten einer Medaille. Die zweite Seite sieht in unserem Fall so aus:
Er fordert ständig „Futter“. Er kann sich kaum alleine beschäftigen, ich muss wenigstens mit im selben Raum sein, am liebsten aber ihn bespaßen. Wenn das mal nicht geht, dauert es nur wenige Minuten und er hängt mir am Rockzipfel. Er braucht viel Nähe, tags wie nachts. Er kuschelt sehr viel. Und er schläft sehr wenig. Jede, wirklich jede Nacht wird er wach und weckt mich. Und wenn wir Pech haben, ist er dann auch erstmal wach für die nächsten 1-2 Stunden.
Spiele und Spielsachen verlieren schnell ihren Reiz, hat er einmal verstanden, wie sie funktionieren. Ergo bin ich ständig auf der Suche nach neuen Beschäftigungsmöglichkeiten. Die einzige Ausnahme bilden Schüttübungen, die liebt er und fordert sie täglich ein.

Regeln einzuhalten fällt ihm sehr schwer, sowohl zu Hause, als auch in der Krippe. Das führt immer häufiger zu Unstimmigkeiten zwischen ihm und uns als Eltern, aber auch zwischen ihm und seiner Erzieherin.

Emotional ist er altersentsprechend entwickelt würde ich sagen. Er kann sehr trotzig sein, vor allem, wenn es nicht nach seinem Kopf geht…

Und dann auch noch die eine Frage, die jeden Tag in mir arbeitet: ist mein Sohn hochbegabt? Oder ist er einfach „nur“ ein bissl weiter als die anderen? Wenn ich so von anderen Kindern lese und höre, die nochmal ein ganzes Stück weiter sind als mein Sohn, frage ich mich manchmal, ob ich mir das alles nur einbilde. Dass er in Wahrheit nicht weiter ist, sondern ich einfach was auf ihn projiziere. Auch seine Erzieher finden seine Fähigkeiten nicht wirklich weiter entwickelt, und die müssen es ja schließlich wissen, oder? Dann gibt es aber wieder so Tage, wo jemand außenstehendes sagt, dass er aber weit für sein Alter sei. Und ich stehe einmal mehr total unsicher da. Warum die Frage ob er hochbegabt ist oder nicht überhaupt so wichtig für mich ist? Das versuche ich gerade zu ergründen… Ein Grund ist auf jeden Fall, dass ich Angst habe, etwas zu verpassen, ihm nicht das zu geben, was er braucht, ihn nicht ausreichend zu fördern, etwas zu übersehen, etc.

Fazit: so sehr ich meinen Sohn liebe, so sehr neigen sich meine Kräfte dem Ende zu. Nicht nur, aber auch deshalb bin ich froh, dass es dieses Forum gibt und freue mich auf neue Kontakte, einen regen Austausch und eure Meinungen.
Ist das alles noch „normal“?

Viele liebe Grüße in die Runde,
Lunamia Schokokeks
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Re: Ist das alles noch „normal“? Meine tägliche Unsicherheit.

Beitragvon Bliss » Mi 30. Jan 2019, 02:30

Normal im Sinne von: das kann ein Kind in dem Alter normalerweise ist es sicher nicht. Aber es ist jetzt in dem was du schreibst auch nichts dabei, wo ich sagen würde: da ist ein besonderer Handlungsbedarf gegeben oder momentan weiterführende Diagnostik nötg. Ob er wirklich hochbegabt ist oder nur einen Entwicklungsvorsprung ist ja im Moment auch egal, an seinen momentanen Bedürfnissen ändert das ja nichts.

Ich hab geschaut, dass meine Kinder in dem Alter vor allem viele Bewegung haben, viel draußen sind. Kontakte zu anderen Kindern können manchmal hilfreich sein, aber da ist jedes Kind anders. Wenn er sich für Bücher interessiert, dann hast du gute Chancen, dass es mit dem Lesen bald klappt und dann hast du vielleicht auch mal ein paar Minuten Ruhe.
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Re: Ist das alles noch „normal“? Meine tägliche Unsicherheit.

Beitragvon Koschka » Mi 30. Jan 2019, 09:26

wie bekannt das alles klingt. Vor allem mit der Mama und der Beschäftigung. :-) Mein Sohn war noch so schlau zu sagen: "Mama, wenn ich lesen lerne, dann liest du mir nicht vor!" und das hat er konsequent bis zur Schule durchgezogen. Spielsachen sind nicht wirklich hilfreich. Mein Kleiner hat etwa in dem Alter von deinem Sohn angefangen mit kleinem Lego zu bauen. Murmelbahnen aller Art waren bei meinen Kindern sehr beliebt genauso wie einfache Bausteine, die man beliebig in eine Straße, ein Haus oder ein Pferdestall ohne große Hexerei verwandeln konnte. Hörspiele und Hörbücher haben uns auch einige ruhige Minuten beschert. In dem Alter war es Wieso, weshalb, warum von Ravensburger. Tiptoi Bücher waren auch für einige Monate interessant, allerdings würde ich sie nur aus der Bücherei leihen. Sie werden schnell durchgespielt und für den Preis zu teuer. Wenn es eine Gelegenheit gibt, Wasser, Sand und Matsch gehen immer.

Eigentlich ist dein Sohn mit seinem Können zu alt für die Krippe. Er bräuchte einen Kindergarten, in dem er mit älteren Kindern spielen könnte. Dann wäre er vermutlich am Nachmttag weniger fordernd.

LG
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Re: Ist das alles noch „normal“? Meine tägliche Unsicherheit.

Beitragvon BiHa » Mi 30. Jan 2019, 13:45

Herzlich willkommen.
Mein Sohn ist in dem Alter in eine altersgemischte Gruppe gekommen, das war sehr hilfreich. Er war und ist auch sehr kuschelbedürftig, weshalb er lange in meinem Bett geschlafen hat. Aber das muss jeder für sich entscheiden. Für mich war es einfacher, weil er dann auch nicht aufstehen musste und somit weniger wach wurde. Ich habe in dem Alter angefangen, ihn mithelfen zu lassen. Gurken oder Wurst schneiden mit einem Kindermesser. Da konnte nicht viel passieren. Tisch decken usw. Das hat ihn beschäftigt und ich konnte trotzdem den Haushalt machen.
LG BiHa
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Re: Ist das alles noch „normal“? Meine tägliche Unsicherheit.

Beitragvon Rabaukenmama » Mi 30. Jan 2019, 16:34

Lunamia Schokokeks hat geschrieben:
Fazit: so sehr ich meinen Sohn liebe, so sehr neigen sich meine Kräfte dem Ende zu. Nicht nur, aber auch deshalb bin ich froh, dass es dieses Forum gibt und freue mich auf neue Kontakte, einen regen Austausch und eure Meinungen.
Ist das alles noch „normal“?

Viele liebe Grüße in die Runde,
Lunamia Schokokeks


Hallo Lunamia Schokokeks!

Was verstehst du persönlich unter "normal"? Meinst du damit "durchschnittlich" oder "unauffällig". Ist "nicht normal" für dich mit einem negativen Beigeschmack behaftet und "normal" der wünschenswerte Zustand?

Ich bin selbst Mutter von zwei sehr besonderen Kindern. Mein 8jähriger Sohn ist vermutlich (nicht getestet) HB, mit Diagnose Asperger Autismus und ADHS. Mein 6jähriger Sohn ist gehörlos, ebenfalls Autist (ob Asperger oder Kanner ist nicht ganz klar) mit Inselbegabungen und ich selbst bin getestet HB, sehr wahrscheinlich mit nicht diagnostizierter ADHS. "Normal" ist bei uns definitiv keiner :lol: ! Daher interessiert mich auch, was wer anderer unter ""normal" versteht und vor allem was er sich vom normal-sein erwartet oder verspricht - nicht böse gemeint ;) .

Ach ja, und herzlich willkommen hier :) !
Der liebe Gott schenkt uns die Nüsse, aber er knackt sie nicht (Johann Wolfgang von Goethe)
Rabaukenmama
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Re: Ist das alles noch „normal“? Meine tägliche Unsicherheit.

Beitragvon Lunamia Schokokeks » Mi 30. Jan 2019, 22:59

Vielen Dank für die Rückmeldungen und die lieben Willkommensgrüße :)
Gerne greife ich eure Anregungen, Ideen und Fragen auf. Ich versuche mich dazu am ziteren, mal sehen, ob ich es hinkriege...
Also, zuerst zu deiner Frage, liebe Rabaukenmama:
Rabaukenmama hat geschrieben:Was verstehst du persönlich unter "normal"? Meinst du damit "durchschnittlich" oder "unauffällig". Ist "nicht normal" für dich mit einem negativen Beigeschmack behaftet und "normal" der wünschenswerte Zustand?

Vielen Dank für diese Fragen, sie haben mich einige Zeit beschäftigt. Auf die Frage, was ich unter "normal" verstehe, kann ich keine pauschale Antwort geben, da ich das Wort „normal“ immer in Bezug zur Situation setze, in der ich es gebrauche. Was meine ich also im Zusammenhang mit den Fähigkeiten meines Sohnes mit normal? Zunächst meine ich mit normal „erwartungsgemäß“ im Hinblick auf den üblichen/mehrheitlich in der jeweiligen Altersgruppe beobachtbaren Entwicklungsverlauf. Andere Synonyme wären „altersgemäß“ oder innerhalb des Normbereichs, also dem Bereich, wo sich die Mehrheit der – in diesem Fall Kinder – bewegt (ich mag das Wort durchschnittlich nicht aber so könnte man es auch nennen). Im Umkehrschluss bedeutet „nicht normal“ für mich in diesem Kontext von ebenjenem Normbereich abweichend, unerwartet, und das völlig wertfrei. Um es auf die Frage der Hochbegabung zu beziehen: einen IQ zwischen 70 und 130 zu haben, ist normal (da 95% der Bevölkerung in diese Range fallen), Werte darüber oder darunter wären nicht normal, also von diesem Normbereich abweichend respektive nicht erwartungsgemäß.
Vor diesem Hintergrund könnte ich meine Frage „Ist das alles noch „normal“?“ auch so formulieren: Ist der aktuelle Entwicklungsstand meines Sohnes altersgemäß/erwartungsgemäß? Oder ist er seinem Alter voraus? Wenn letzteres der Fall ist, was bedeutet das dann? Ist er möglicherweise hochbegabt, hat also einen IQ größer 130, wäre damit definitionsgemäß also nicht normal? Wenn ja, bin ich dem gewachsen? Mich schüchtert dieser Gedanke tatsächlich etwas ein (womit dann meine persönliche Wertung von nicht normal in diesem speziellen Fall anfängt) und es käme definitiv unerwartet da meines Wissens nach keiner in unserer Familie hochbegabt ist. Und: reichen ihm dann meine Beschäftigungsangebote oder ist er vielleicht unterfordert? Oder aber erlebt er gerade einen Entwicklungsvorsprung und ich überfordere ihn möglicherweise mit meinen Beschäftigungsangeboten?
Wenn ich das so lese klingt das ganz schön kompliziert, aber ich hoffe, es ist klar geworden was ich meine und ich konnte deine Frage damit beantworten?
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Re: Ist das alles noch „normal“? Meine tägliche Unsicherheit.

Beitragvon Lunamia Schokokeks » Mi 30. Jan 2019, 23:21

Koschka hat geschrieben: Mein Kleiner hat etwa in dem Alter von deinem Sohn angefangen mit kleinem Lego zu bauen. Murmelbahnen aller Art waren bei meinen Kindern sehr beliebt genauso wie einfache Bausteine, die man beliebig in eine Straße, ein Haus oder ein Pferdestall ohne große Hexerei verwandeln konnte. Hörspiele und Hörbücher haben uns auch einige ruhige Minuten beschert. In dem Alter war es Wieso, weshalb, warum von Ravensburger. Tiptoi Bücher waren auch für einige Monate interessant, allerdings würde ich sie nur aus der Bücherei leihen. Sie werden schnell durchgespielt und für den Preis zu teuer. Wenn es eine Gelegenheit gibt, Wasser, Sand und Matsch gehen immer.


Hallo Koschka, vielen Dank für deine für mich äußerst wertvolle Rückmeldung. Ich finde es total spannend, die Parallelen zu betrachten, die unsere Söhne haben. Wasser, Sand und Matsch stehen bei meinem Sohn ganz hoch im Kurs. was wohl auch der Grund ist, warum er von den Erzieherinnen nicht als "kognitiv weiter entwickelt" wahrgenommen wird. Dabei experimentiert er ausgiebig mit verschiedenen Konsistenzen und ihrer Baufähigkeit, beobachtet die verschiedenen Fließgeschwindigkeiten, beschäftigt sich mit Auftrieb etc. Aber das wird leider nicht gesehen...
Tiptoi haben wir auch, allerdings war das nur sehr kurz interessant. Inzwischen guckt er sich die Bücher (die wir auch immer aus der Bücherei ausleihen :D ) wenn dann ohne den Stift an.
Richtig toll finde ich deine Anregung mit dem kleinen Lego. Dass ich da nicht selbst drauf gekommen bin! Das wird definitiv zeitnah ausprobiert. Auch die Hörbucher finde ich interessant, ich wusste gar nicht, dass es welche von Wieso, Weshalb, Warum gibt.

Koschka hat geschrieben:Eigentlich ist dein Sohn mit seinem Können zu alt für die Krippe. Er bräuchte einen Kindergarten, in dem er mit älteren Kindern spielen könnte. Dann wäre er vermutlich am Nachmttag weniger fordernd.

Tja, das ist in der Tat ein schwieriges Thema. Wie ich oben bereits angedeutet habe, wird mein Sohn von den Erzieherinnen anders wahrgenommen, als von mir. Vielleicht verhält er sich ja in der Krippe auch anders als zu hause? In jedem Fall muss ich da nochmal das Gespräch suchen, denn ich habe auch den Eindruck, dass er sich eher an älteren Kindern orientiert. Stehen diese nicht zur Verfügung, mimt er den Pausenclown und lässt sich von einem anderen Krippenjungen zu allerlei Unsinn anstiften. War das bei euch vielleicht auch so, dass es unterschiedliche Sichtweisen auf deinen Sohn gab?
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Re: Ist das alles noch „normal“? Meine tägliche Unsicherheit.

Beitragvon Lunamia Schokokeks » Mi 30. Jan 2019, 23:32

Bliss hat geschrieben:Ob er wirklich hochbegabt ist oder nur einen Entwicklungsvorsprung ist ja im Moment auch egal, an seinen momentanen Bedürfnissen ändert das ja nichts.


Hallo Bliss, danke auch für deine Anregungen. Genau an diesem Punkt hängt es bei mir, denn für mich spielt es durchaus eine Rolle, ob er hochbegabt ist oder einen Entwicklungsvorsprung hat. Einen Entwicklungsvorsprung kann ich händeln, kein Problem. Aber das Thema Hochbegabung finde ich irgndwie einschüchternd. Schließlich ist ein Entwicklungsvorsprung eine relativ kurzweilige Sache im Vergleich zu einer Hochbegabung. Reichen meine Möglichkeiten aus um seine Bedürfnisse auch langfristig stillen zu können? Mache ich im Jetzt und Hier alles richtig oder über-/unterfordere ich ihn vielleicht? Ich find's grad echt schwierig...

BiHa hat geschrieben:Ich habe in dem Alter angefangen, ihn mithelfen zu lassen. Gurken oder Wurst schneiden mit einem Kindermesser. Da konnte nicht viel passieren. Tisch decken usw. Das hat ihn beschäftigt und ich konnte trotzdem den Haushalt machen.
LG BiHa


Danke für deinen Hinweis BiHa. Ich beziehe ihn zwar auch mit ein, aber tatsächlich eher unregelmäßig. Ich werde mal schauen, ob ich da etwas mehr Kontinuität reinbringen kann.
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Re: Ist das alles noch „normal“? Meine tägliche Unsicherheit.

Beitragvon alibaba » Do 31. Jan 2019, 10:52

Lunamia Schokokeks hat geschrieben: Und dann auch noch die eine Frage, die jeden Tag in mir arbeitet: ist mein Sohn hochbegabt? Oder ist er einfach „nur“ ein bissl weiter als die anderen? Wenn ich so von anderen Kindern lese und höre, die nochmal ein ganzes Stück weiter sind als mein Sohn, frage ich mich manchmal, ob ich mir das alles nur einbilde. …………..Ist das alles noch „normal“?


Ob dein Kind hochbegabt ist, das kann ich Dir nicht sagen. Das wirst du nur mit einem Test wissen. Ich tu mich auch schwer Dir zu sagen, was normal sei. Ich behaupte mal, das in dem Alter nichts normal ist. Nicht für umsonst kommen oder kamen die Kinderärzte von diesem starren Entwicklungsraster weg. Das hat verschiedene Gründe. Ein wichtiger Grund in so jungen Jahren sind wir Eltern. Da gibt es jede Menge Studien dazu. Fordern und fördern wir unsere Kinder können die "mehr" als ihre nicht unterstützten Altersgenossen. Werden die Kinder älter wird sich das verändern. Daher sind auch IQ-Tests bei jungen Kindern nicht aussagekräftig oder eben mit Vorbehalt zu analysieren. Wenn du daher wissen möchtest, ob dein Kind hochbegabt ist, wirst du noch ein paar Jährchen warten müssen. Ab ungefähr mit 10 Jahren nimmt im kognitiven Vermögen der Umwelteinfluss immer mehr ab. Ab hier sagt man, das ein IQ-Wert nur noch gering zu einem noch späteren Test korreliert.

Was ist normal? Schwierig, schwierig. Ich finde persönlich immer ganz hilfreich, beim einordnen der Dinge die ein Kind schon kann, was denn die Schule so für Grundvoraussetzungen für die Einschulung verlangt. Das hilft mal zum orientieren. Auf der anderen Seite ist auch das durchaus schwierig wenn das Kigakinderprofil extrem heterogen ist. Wenn ich also in einer Kigagruppe bin, wo von 30 Kindern nur 3 ihren Namen schreiben können oder bis 20 zählen, sticht das Kind das bis 100 zählen kann enorm heraus. In unserem Kiga dagegen konnten alle ihren Namen schreiben und ganz viele bis 100 zählen. Dass sei jetzt mal als Beispiel dargestellt um die Problematik was normal ist, zu verdeutlichen.

Mein Sohn fiel gar nicht so sehr auf, was er konnte, sondern eher als Gesamtpaket. Wie er verstand, wie neugierig er war, wie schnell er die Zusammenhänge erkannte und welche Rückschlüsse er daraus zog.

Ich persönlich fand immer normal, das meine das konnten was sie konnten, denn sie wachsen in einem gut unterstützenden Elternhaus auf. Ich habe und mache es heute noch, immer geschaut, was interessiert meine Kinder. Und so hingen eben an meinem Kühlschrank Buchstaben oder Zahlen, wir sind wöchentlich in die Bibliothek gegangen und in die Musikschule. Es ist daher logisch - finde ich - das meine Kinder im zarten Alter von 2 Jahren eben bis 10 zählen konnten. Auch das ist nur ein Beispiel.

Meine Kleine schwamm auch mit 3 Jahren. Ich behaupte mal - logisch, denn wir waren wöchentlich im Schwimmbad. Außerdem hatte sie als Vorbild und Triebkraft den großen Bruder der eben auch schon alleine schwamm und das machte sie einfach nach, Begeisterung natürlich vorausgesetzt. ;)

Von daher würde ich sagen, macht doch einfach weiter wie bisher. Nichts an dem was Du machst ist falsch, egal ob nun begabt oder nur ein bisschen oder ganz viel. Noch ist dein Kind zu jung. Und grundsätzlich würde ich immer nach Interesse gehen und nie nach einem (vermuteten oder bestätigten) IQ.

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Re: Ist das alles noch „normal“? Meine tägliche Unsicherheit.

Beitragvon alibaba » Do 31. Jan 2019, 11:04

Lunamia Schokokeks hat geschrieben: Und: reichen ihm dann meine Beschäftigungsangebote oder ist er vielleicht unterfordert? Oder aber erlebt er gerade einen Entwicklungsvorsprung und ich überfordere ihn möglicherweise mit meinen Beschäftigungsangeboten?


Du bist ein wenig verkopft, atme mal tief durch und trink ein Teechen. Prost. ;)

Du müsstest Dich mal mehr auf deine vorhandenen mütterlichen Instinkte verlassen. Ich bin überzeugt davon, dass es jede aufmerksame Mutter sieht, wenn das Kind überfordert ist oder auch sieht, welche Interessen hat denn das Kind. So kam mein Sohn permanent mit Büchern zu mir. Stand ich am Herd, zuppelte er mir am Bein. Ich las also "stundenlang" vor. Und Kind saß brav auf meinem Schoß. Noch heute als Teenager liest er sehr gerne. Ein Kind was sitzen bleibt und Dinge konkret einfordert will das auch. Will es das Kind nicht (weil es damit überfordert ist), dann wird es Dir das schon zeigen. Es dreht den Kopf weg, steht auf, findet das doof, sucht sich eine andere Beschäftigung ……

Meine Tochter hingegen kam nie mit einem Buch. :mrgreen: Aber im Schwimmbad wollte sie nie Schwimmflügel. So machte ich ihr keine drum und was soll ich sagen, sie paddelte mit 2 Jahren von A nach B. Von daher, entspannen, mehr auf sich selbst vertrauen und einfach das annehmen was ein Kind ganz automatisch signalisiert.

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