Neu hier und gleich mal ein Roman

Einfach nur über sich und seine Kinder erzählen

Neu hier und gleich mal ein Roman

Beitragvon Meine3 » Mo 11. Mär 2019, 16:07

Hallo,

ich möchte mich gern kurz vorstellen und gleich mal ein wenig von uns erzählen. Ich bin neu hier, lese aber schon eine Weile heimlich mit :geek:

Zur Zeit herrscht bei mir im Kopf ziemliches Durcheinander. Aber ich fange mal von vorne an...

Das Thema "Hochbegabung" ist bei uns in der Familie kein neues. Präsent wurde es, als mein Neffe, heute 17, sich schon im Kleinkindalter als hochbegabt entpuppte (er nahm an einer Studie teil, da kam das dann raus), und zwar auf sehr hohem Niveau.

Mein Bruder (der Vater des besagten Kindes) ließ sich dann auch testen, aus Neugierde - ebenfalls HB, aber nicht ganz so "krass" wie der Neffe. Mein Bruder erzählte mir das ganze dann natürlich damals und fragte, ob ich auch HB sei.. Ich hatte keine Ahnung :D . Aber ich hatte mich eigentlich immer eher dumm gefühlt, war sehr unsicher, kein besonders großes Selbstwertgefühl. Ich erzählte ihm, dass ich im Eignungs-und Intelligenztest im Rahmen der Bewerbung zur Ausbildung ein außergewöhnlich hohes Ergebnis in einem Intelligenztest gehabt hatte (wurde aber in PRozent abgebildet und nicht als IQ-Wert), aber ich nahm das nicht so sonderlich ernst und maß dem keine größere Bedeutung bei.

"Hochbegabung", das waren für mich bislang immer diese Wunderkinder aus dem Fernsehen :lol: ...Niemals hätte ich das mit mir in Verbindung gebracht. Das Thema war also nie relevant oder präsent in meinem Leben, außer dass mein Neffe und mein Bruder halt nachgewiesen hochbegabt sind...

Dann kamen meine Kinder auf die Welt und bald merkte ich: irgendwie sind die immer schneller in allem als die anderen Kinder, die wir so im Umkreis haben. Vor allem aber wurden wir ständig auf unsere fitten Kinder angesprochen: von Omas in der Bahn, vom Kinderarzt, den Erziehern in der Krippe, anderen Eltern, usw... Natürlich war ich stolz, aber ich habe mir nie weiter Gedanken drüber gemacht und mich einfach dran erfreut, manchmal war es mir sogar eher peinlich, zumindest in der "Öffentlichkeit", wenn mich Fremde drauf ansprachen, das ist auch heute noch unangenehm für mich, weil ich nicht weiß, wie ich reagieren soll.

Für mich war es nie relevant WIE klug meine Kinder tatsächlich sind, denn für mich sind meine Kinder immer und egal wie schlau, die tollsten und besondersten Menschen der Welt :D .

Jetzt ist alles anders. Meine Kinder sind für mich immer noch die tollsten Kinder der Welt (logo), aber leider tauchten nun die ersten, schwerwiegenderen Probleme mit unserem ältesten Kind auf...

Unser Sohn (6 Jahre und 4 Monate alt momentan) wurde als Kann-Kind von uns nicht "vorzeitig" eingeschult. Hätten wir vielleicht tun sollen, aber unser alter Kindergarten, ein "freier" Kindergarten, hat uns damals gar nicht drauf hingewiesen wann wir da wie "aktiv" werden müssen, unser Sohn zeigte kein Interesse an einer früheren Einschulung (erst im Sommer als es "zu spät" war) und war happy und zufrieden. Dann zogen wir aber im Sommer um und im September, mit Beginn des neuen Kindergartenjahrs, kam er in die neue Kita.

Es war und ist auch jetzt teilweise noch - eine Katastrophe. Die ganzen neuen Regeln, die viel zu jungen Kinder (in seinen Augen ;) , der spielt lieber mit 1-3 Jahre älteren Kindern), die neuen Erzieher, das gesamte neue Umfeld, großes Heimweh nach seinem alten, heißgeliebten Kindergarten und seinen jetzt mittlerweile alle eingeschulten Freunden...Resultat: er wurde verhaltensauffällig (aggressiv, frech, unbeugsam) im Kindergarten und zu Hause war er oft bockig, schmollig, aufmüpfig und/oder schlecht gelaunt. SO kannten wir ihn garnicht. Temperamentvoll war er immer, aber eigentlich fast immer gut gelaunt und meistens sehr verständig und kompromissbereit...Wir waren ratlos und ich war besorgt...Hofft aber, dass sich das wieder gibt, wenn er sich eingewöhnt hat.

Die Erzieher sprachen uns eigentlich direkt am ersten Tag schon auf die doch auffällig weit entwickelten kognitiven Fähigkeiten unseres Sohnes an, was sie fortan praktisch täglich taten, auch gern mit so Sprüchen wie :" na DER wird sich aber in der Schule langweilen..." :? 'Aber eben auch auf sehr auffälliges Sozialverhalten an (spucken :o , nach Personen treten, Verweigerung, stören...)

Im Oktober kam dann das Entwicklungsgespräch mit der dringenden Bitte der Erzieher das Kind doch testen zu lassen, da er immer noch "schwierig" sei und er ja hochbegabt sein könne. Da war es wieder, dieser Begriff...

Ich bin erstmal zum psychologischen Dienst, letztendlich nach langem hin und her haben wir aber doch die Diagnostik gemacht. Vorab muss ich sagen, dass es mich gewundert hat, dass sie keine Anamnese gemacht hat, sprich, sie wollte nicht wirklich wissen, wie er sich entwickelt hat oder so...

Zum Ergebnis: Nun ist es so, dass unser Kind natürlich (war ja klar :schwitz: ) nicht immer zu 100% kooperationsbereit im Test war. Er hat zwar alles gemacht, aber die Psychologin meinte schon, dass er bei "stupiden, eintönigen" Aufgaben schnell abschaltet und man ihm da deutlich angemerkt hat, dass er keine Lust hat und eigentlich mehr KÖNNTE. Zwischen dem höchsten, ermittelten Wert in einem Teilbereich (weit über 140) und dem niedrigsten ermittelten Wert in einem Teilbereich liegen über 50 IQ-Punkte :shock: . Sie meinte, der Test sei daher nicht wirklich auswertbar hinsichtlich des Gesamt-IQ...Wir haben also weder die "Diagnose" Hochbegabt, noch haben wir sie nicht... Es ist mehr so eine "Tendenz" da und eben eine "teilweise" (?) HB :gruebel: :gruebel: Sie hat uns auch keinerlei TIpps, Ratschläge, Anregungen oder gar Empfehlungen mitgegeben... :?: :gruebel: :gruebel:

Ich finde das lästig und ärgerlich, denn sie hat nicht mal alle Untertests gemacht und wenn ich gemerkt hätte, dass der Test schwer auszuwerten ist, weil die Werte so extrem schwanken, dann hätte ich alle Tests gemacht, um besser auswerten zu können.

Was sind so Eure Erfahrungen? Kommt ein so unklares Ergebnis denn sehr häufig vor?

Auch die ADHS-Diagnostik, die ich gleich noch mit gemacht haben wollte, ist so "schwammig". Wir haben keine ADHS-Diagnose, aber zeige einige Merkmale, vor allem im Bereich er Hyperaktivität und das wiederum vor allem, wenn es ihm langweilig wird...

So, da stehen wir nun und wissen nicht, wo wir "hingehören", ob wir, wenn die Lehrer uns bald ansprechen sollten, auf unseren nicht eben regelkonformen Sohn, sagen können: alles easy, das wird schon, oder ob wir dann nochmal durch diese ganze Diagnostik müssen, früher oder später, was ich echt ärgerlich fände. Ich dachte, wir machen das jetzt einmal und dann wissen wir Bescheid (in die ein oder andere Richtung)...

Mir persönlich ist es wurscht, ob mein Sohn "hochbegabt" oder NUR ;) sehr begabt ist oder was auch immer. Ich lieb ihn wie er ist und gut. Aber leider ist in unserer Gesellschaft es ja doch oft von Nöten, Dinge klar zu benennen, grade wenn man sich dann eventuell rechtfertigen muss oder Hilfe braucht oder sich eben einfach nur austauschen will...

Da wir in Deutschland leben, habe ich mich an die DGhK gewandt, da ich das Bedürfnis nach Austausch habe und die Dame sagte, ich wäre herzlich willkommen, auch wenn das Ergebnis unklar ist ;o). Aber ich denke in der späteren Schullaufbahn wird das nicht so einfach sein...

Ich finde es wirklich superspannend, nachdem ich jetzt da grade mitten drin bin, im "informationswahn", wie viele unteschiedliche Ausprägungen es gibt, wie unterschiedlich sich die Fähigkeiten zeigen oder eben nicht, wie sehr es eben doch abhängig ist vom Charakter eines Kindes, ob es schulisch betrachtet ein Musterschüler und Ausnahmetalent wird oder ein Querschläger und Taugenichts :lol: und hoffe mein Sohn wird sich irgendwo in der Mitte einfügen :) .

Viele Grüße an alle Eltern,
Nora
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Re: Neu hier und gleich mal ein Roman

Beitragvon Koschka » Mo 11. Mär 2019, 17:11

Hallo Nora,

das klingt für mich sehr vertraut und erinnert mich sehr an meinen Großen. Er wurde mit 4 das erste mal getestet, zwischen zwei Untertests lagen 70 Punkte. Wir wussten Bescheid, wie es klungen rebellischen Jungs in der 1. Klasse geht, wenn sie zu alt sind. Wir haben ihn sehr früh eingeschult, er war keine 5. Dank unserer tollen Grundschule ist das durchgegangen, obwohl wir damals keinen Nachweis hatten, dass er hochbegabt ist und er nicht im entferntesten lesen konnte. Die ersten zwei Jahre war er bei einer tollen Lehrerin, die ihm sehr souverän, konsequent und kompetent gegenüber trat. Ich habe mich in sie verliebt, als sie ihn einmal, als er gebockt hat, einfach unter dem Tisch sitzen ließ, ohne auf ihn einzureden, ihn zu trösten oder zu tadeln. Sie hat auch vorgeschlagen ihn komplett vom Lehrplan zu befreien (Ja, das geht auch in D., wenn die Lehrer wollen!). Er war aber so jung, dass es nicht nötig war. Sozial gesehen lief es mit -2 Jahren an der Grenze, aber er stand nicht alleine und hatte immer jemanden zum Spielen. Dann waren wir einige Jahre in Ausland, ich habe ihn selber unterrichtet. Mit 12 ist er im Gymnasium in die 7. eingestiegen. Die Noten könnten nicht besser sein, aber er geht nicht gern zur Schule. Die ständigen Wiederholungen, der Leerlauf gehen ihm mächtig auf die Nerven. Er hat Probleme mit genug Ausdauer bei einer Sache zu bleiben. Auch wenn ihn was Großes in seiner Gesamtheit interessiert, ermüdet er schnell beim Überwinden kleiner Hindernisse. Der Test mit 12 Jahren hat einen IQ Wert über dem höchsten der Zacken von damals ergeben, weil er voll und ganz bei der Sache dabei war.

Was bedeutet das für euch? Euer Sohn ist sehr wahrscheinlich hochbegabt, wahrscheinlich auch höchstbegabt. Er ist defintiv zu alt für die 1. Klasse. Das Problem des störenden Verhaltens und Agression wird mit der Unterforderung schlimmer. Jetzt ist die 1. Klasse mit dem langweiligsten Teil durch. Ich würde versuchen ihn in die laufende erste Klasse ab sofort einzuschulen. Wenn es offiziell nicht geht, dann als Gastschüler wenigtsens für 2-3 Tage der Woche. Er wäre dann ein paar Monate mit dem neuen beschäftigt und könnte ab 2019/20 die 2. Klasse anfangen. Alternativ sucht euch Schule mit jahrgangsgemischten Klassen. Wenn es im Kindergarten so ein Drama ist, hast du die Möglichkeit ihn rauszunehmen und bis eine bessere Lösung gefunden wird, zuhause zu lassen? Bei uns reagieren die Kinderpsychologen ziemlich zickig auf diese Idee, es war damals mein Erpressungsmittel für die Früheinschulung.

Wie alt ist das nächste Kind? Richtig brenzlig wird es, wenn das nächste auch in diesem Jahr eingeschult werden muss.

Liebe Grüße,
Koschka
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Re: Neu hier und gleich mal ein Roman

Beitragvon Maca » Mo 11. Mär 2019, 19:42

Hallo,

Zu IQ-Erhebungsverfahren kann ich nur sagen, dass dort Motivation und Kooperationswille stark mit einfließen.
Wenn sehr junge Kinder getestet werden und dabei ein sehr heterogenes Profil entsteht, weiß man nur mit Sicherheit, WAS die Kinder können über alles andere kann keine verlässliche Aussage getätigt werden.
Die Wahrscheinlichkeit, dass fehlende Motivation für das schlechtere Abschneiden in bestimmten Untertests verantwortlich war, ist bei jüngeren Kindern sehr groß.
Meiner Erfahrung nach, haben Kinder mit extrem schwankenden Profilen, die jung getestet wurden und dabei in bestimmten Bereichen im sehr weit überdurchschnittlichen (>145) Bereich lagen, in späteren Testungen meist souverän ein Gesamtpotential im HB-Bereich erreicht, oft auch im Höchstbegabtenbereich.
Das entnehme ich aus Gespächen mit Eltern, auf die ich in unterschiedlichen Förderprogrammen stieß.

Die Untertests, die in den Gesamt-IQ einfließen, sind obligat und können nicht durch optionale Subtets ersetzt werden.
Letztere können natürlich zusätzlich durchgeführt werden, um die Interpretationsmöglichkeiten zu erweitern, sie verändern den Gesamtwert aber nicht.

LG
Maca
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Re: Neu hier und gleich mal ein Roman

Beitragvon Meine3 » Mo 11. Mär 2019, 21:54

Koschka hat geschrieben:Hallo Nora,

das klingt für mich sehr vertraut und erinnert mich sehr an meinen Großen. Er wurde mit 4 das erste mal getestet, zwischen zwei Untertests lagen 70 Punkte. Wir wussten Bescheid, wie es klungen rebellischen Jungs in der 1. Klasse geht, wenn sie zu alt sind. Wir haben ihn sehr früh eingeschult, er war keine 5. Dank unserer tollen Grundschule ist das durchgegangen, obwohl wir damals keinen Nachweis hatten, dass er hochbegabt ist und er nicht im entferntesten lesen konnte. Die ersten zwei Jahre war er bei einer tollen Lehrerin, die ihm sehr souverän, konsequent und kompetent gegenüber trat. Ich habe mich in sie verliebt, als sie ihn einmal, als er gebockt hat, einfach unter dem Tisch sitzen ließ, ohne auf ihn einzureden, ihn zu trösten oder zu tadeln. Sie hat auch vorgeschlagen ihn komplett vom Lehrplan zu befreien (Ja, das geht auch in D., wenn die Lehrer wollen!). Er war aber so jung, dass es nicht nötig war. Sozial gesehen lief es mit -2 Jahren an der Grenze, aber er stand nicht alleine und hatte immer jemanden zum Spielen. Dann waren wir einige Jahre in Ausland, ich habe ihn selber unterrichtet. Mit 12 ist er im Gymnasium in die 7. eingestiegen. Die Noten könnten nicht besser sein, aber er geht nicht gern zur Schule. Die ständigen Wiederholungen, der Leerlauf gehen ihm mächtig auf die Nerven. Er hat Probleme mit genug Ausdauer bei einer Sache zu bleiben. Auch wenn ihn was Großes in seiner Gesamtheit interessiert, ermüdet er schnell beim Überwinden kleiner Hindernisse. Der Test mit 12 Jahren hat einen IQ Wert über dem höchsten der Zacken von damals ergeben, weil er voll und ganz bei der Sache dabei war.

Was bedeutet das für euch? Euer Sohn ist sehr wahrscheinlich hochbegabt, wahrscheinlich auch höchstbegabt. Er ist defintiv zu alt für die 1. Klasse. Das Problem des störenden Verhaltens und Agression wird mit der Unterforderung schlimmer. Jetzt ist die 1. Klasse mit dem langweiligsten Teil durch. Ich würde versuchen ihn in die laufende erste Klasse ab sofort einzuschulen. Wenn es offiziell nicht geht, dann als Gastschüler wenigtsens für 2-3 Tage der Woche. Er wäre dann ein paar Monate mit dem neuen beschäftigt und könnte ab 2019/20 die 2. Klasse anfangen. Alternativ sucht euch Schule mit jahrgangsgemischten Klassen. Wenn es im Kindergarten so ein Drama ist, hast du die Möglichkeit ihn rauszunehmen und bis eine bessere Lösung gefunden wird, zuhause zu lassen? Bei uns reagieren die Kinderpsychologen ziemlich zickig auf diese Idee, es war damals mein Erpressungsmittel für die Früheinschulung.

Wie alt ist das nächste Kind? Richtig brenzlig wird es, wenn das nächste auch in diesem Jahr eingeschult werden muss.

Liebe Grüße,
Koschka


Hallo Koschka,

vielen Dank für den freundlichen Empfang. Es tut gut zu hören, dass jemand ähnliche "Kaliber" zu Hause hat, es hat mich dann jetzt doch ein wenig geschockt, dass du meintest, dein Sohn habe die höchste "Zacke" im Gesamt-IQ dann noch übertroffen :o , Schreck lass nach...

Ich weiß, dass es viele Eltern dufte fänden, einen hyperintelligentes Kind zu Hause zu haben, aber ich hab mir das jetzt eigentlich so nie gewünscht...Wie war das für euch, als ihr das "zuverlässige" Ergebnis dann hattet?

Ich weiß ja nicht, wie das in Ö so ist, aber hier ist unterm Jahr einschulen nicht so einfach, um nicht zu sagen, fast unmöglich. Wir Piefkes ;) sind nämlich sehr bedacht darauf, dass immer alles schön seine Ordnung hat :roll: ...Ich könnte das wahrscheinlich nur irgendwie durchkriegen mit einem entsprechenden Gutachten und da haben wir ja dann schon das Problem, dass unser Sohn ja "offiziell" nicht als hochbegabt eingestuft wurde, da Sie ja meinte, sie kann den Test so nicht zuverlässig auswerten, er aber, wenn man ihn auswerten würde, nicht im hochbegabten-Bereich liegt, sondern schon etwas drunter. Außerdem weiß ich nicht, ob es für unser Kind tatsächlich das Beste wäre. Die Situation im Kindergarten ist zwar immer noch "angespannt", weil er immer noch oft "ausflippt", aber laut Erziehern wird es langsam besser und er hat auch einen Freund gefunden, mit dem er jetzt im Herbst in die Schule käme. Er langweilt sich viel und ist unausgelastet und manchmal ist er nach dem Kindergarten total GaGa, aber aggressiv ist er wohl derzeit nicht mehr oder nur noch so gering, dass es uns nicht mehr mitgeteilt wird... Ich habe die Lage im Kindergarten auch offen mit ihm besprochen und viel mit ihm darüber geredet, also nicht nur gescholten, wenn er wieder Mist gebaut hat, sondern auch mit ihm über sein Befinden gesprochen...

Zu Hause entspannt es sich daher grade auch ein wenig, meistens zumindest. Wenn er aber mal keinen guten Tag hat, dann Gute Nacht :arrow: :twisted:

Er liest und schreibt auch vehement noch nicht, obwohl er es meiner Meinung nach schon längst könnte. Er hat vor nem Jahr mal angefangen (Tafel rausgeholt PSKE drauf geschrieben, zu mir gerannt:"Mama, wie schreibt man Pescetarier?" :lol: )..Ich muss sagen, dass ich das aber auch nicht "pushe". Ich habe ja selbst schon Angst, dass er sich zu sehr langweilt (in Mathe wird's so sein) und hab dann zwar die Buchstaben mitgeteilt und auch gesagt, er kann ruhig die Buchstaben lernen wenn er will, aber da mich jetzt auch nicht mit hingesetzt und ihm das ausführlich gezeigt. Das war ihm dann doch "zu viel" (hilfe, er müsste sich ja mal anstrengen :P ) und er braucht ja auch viel Aufmerksamkeit, die ich ihm dann aber nicht geschenkt hab (ist halt auch nicht allein, der Bub, die Mädels gibts auch noch) und dann hat er's gelassen. Ein paar Wochen später hat er "ausversehen" was gelesen (nichts wildes, nur "WC") ;) und ich meinte:", hey, du kannst ja lesen!". Daraufhin er: "Nein, ich mache das nicht vor der Schule, dann liest du mir nicht mehr vor und ich langweile mich in der Schule nur" war die Antwort darauf... :gruebel: Er ist unheimlich wissbegierig und fragt uns Löcher in den Bauch, am liebsten wärs ihm, wir würden den ganzen Tag vorlesen und Dinge zeigen und erklären, und das rechnen , dafür hat er sich nicht angestrengt, er hat gefragt, wir haben geantwortet und dann konnte er rechnen, so ging das mit allen 4 Grundrechenarten...

Was ich damit sagen will: wenn er nun jetzt in die Schule käme, dann hätte er schon erstmal einiges aufzuholen (in Deutsch!) und mein Sohn mag ja schlau sein, aber leider ist er eben auch recht faul und schnell unmotiviert, wenn ihn etwas nicht so interessiert. Und ich kann das manchmal nicht so wirklich abschätzen, wie schnell er dann wäre, wenn er "müsste" und auch "dürfte"... Aber nach dem IQ-Test ist ja eins klar: sich voll reinhängen tut er halt nur, wenn es spannend genug ist 8-)...

Wenn er sich "anstrengen", also "lernen" muss, ne. Das is wohl nicht so sein Ding.

Ich habe aber bereits ein Gespräch bei der Kooperationslehrkraft beantragt und da werde ich das mit dem hospitieren in der Schule auf jeden Fall ansprechen, danke für deinen Input!

Es ist immer schwierig. Wir hätten ihn einfach jetzt schon einschulen müssen, aber das haben wir versäumt. Nicht aus Faulheit, eher aus Unwissenheit und im alten Kiga war er auch so zufrieden, das konnten wir nicht absehen, dass das jetzt so blöde für ihn wird.

Ihn jetzt aus der Situation raus zu reißen, in der er sich grade mühevoll einfindet, fände ich auch heftig. Vielleicht besser für seinen Intellekt, aber schlimm in sozialer Hinsicht :gruebel: ... Man darf ja nicht vergessen, dass die Probleme vor dem Kindergarten-Wechsel nicht vorhanden waren...

Meine beiden anderen sind 4 und 2. Die Mittlere macht aber auch schon oft Rabatz und sagt, sie will in die Schule, wenn ihr Bruder in die Schule kommt :roll: ... Sie ist auch ein ganz anderer Typ, die lernt grade schreiben und lesen '(ohne großes Zutun unsererseits, wir beantworten halt ihre Fragen) und ist da unheimlich fleißig und ehrgeizig... Sie ist aber ein Sommerkind (zum Glück) und wird somit kurz nach dem 6. Geburtstag eingeschult :).

Viele Grüße, Nora
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Re: Neu hier und gleich mal ein Roman

Beitragvon Meine3 » Mo 11. Mär 2019, 22:02

Maca hat geschrieben:Hallo,

Zu IQ-Erhebungsverfahren kann ich nur sagen, dass dort Motivation und Kooperationswille stark mit einfließen.
Wenn sehr junge Kinder getestet werden und dabei ein sehr heterogenes Profil entsteht, weiß man nur mit Sicherheit, WAS die Kinder können über alles andere kann keine verlässliche Aussage getätigt werden.


Ja, so siehts wohl aus...Das ist wohl auch der Grund, warum die Psychologin meinte, es sei schlecht auswertbar im Gesamten...

Die Wahrscheinlichkeit, dass fehlende Motivation für das schlechtere Abschneiden in bestimmten Untertests verantwortlich war, ist bei jüngeren Kindern sehr groß.

Meiner Erfahrung nach, haben Kinder mit extrem schwankenden Profilen, die jung getestet wurden und dabei in bestimmten Bereichen im sehr weit überdurchschnittlichen (>145) Bereich lagen, in späteren Testungen meist souverän ein Gesamtpotential im HB-Bereich erreicht, oft auch im Höchstbegabtenbereich.


Uff...Das bestätigt mein persönliches "Gefühl", wobei ich sagen muss: mein Neffe hat schon im kleinkindalter souverän homogen die 140er Grenze geknackt. :geek: , aber der ist auch super ausgeglichener, braver Charakter, mein Sohn genau das Gegenteil :schwitz:



Die Untertests, die in den Gesamt-IQ einfließen, sind obligat und können nicht durch optionale Subtets ersetzt werden.


Da waren halt einige "leere" Klammern zu sehen und das sah für mich so aus, als hätte sie nicht alle Untertests gemacht, sondern nur angetestet..?!

Letztere können natürlich zusätzlich durchgeführt werden, um die Interpretationsmöglichkeiten zu erweitern, sie verändern den Gesamtwert aber nicht.


Vielleicht waren diese "optionalen Subtests" ja die leeren Klammern :gruebel:

Danke dir für deinen netten Empfang, alles Gute für dich und deine Familie
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Re: Neu hier und gleich mal ein Roman

Beitragvon Koschka » Mo 11. Mär 2019, 22:46

Wie süß, mein Großer wollte auch nicht lesen lernen, weil ich ihm nicht mehr vorlesen würde. Wenn dein Sohn die vier Grundrechenarten beherrscht, wird er in der 1. Klasse sicher nicht lange Sachen zum Aufholen haben. Wenn nichts weiter ist, wird er in kürzester Zeit lesen lernen und am Ende des Schuljahres besser lesen als die meisten Klassenkameraden. Ich würde auch nicht besonders drauf achten, dass die bestehende Kindergartenfreundschaften bestehen bleiben. Egal was, er wird in der Grundschulzeit spirngen müssen. Das halte ich für eine ganz schlechte Idee ihn mit fast 7 ein ganzes Jahr in der 1. Klasse sitzen zu lassen. Es sei denn er bekommt wirklich individuelle Förderung, und zwar spätestens ab dem 3. Schultag.

Mein Kleiner kam mit 5 in die Schule, ohne einmal ein Vorschulheft von innen gesehen zu haben, ohne seinen Namen schreiben zu können. Er konnte nicht reimen und die Wörter in die Laute trennen auch nicht. Weil er unter anderen Bedingungen als seine Klassenkameraden gelebt hat, nie in den Kindergarten ging und sich mit ganz anderen Themen beschäftigt hat. In weniger als einem Halbjahr hat er das alles gelernt, und liest und schreibt jetzt mindestens so gut wie Klassendurchschnitt. Er ist 1,5 Jahre junger als dein Sohn, und dein Sohn hat sicherlich mehr Vorwissen für die schulrelevanten Themen.

Zu den Mädels kann ich erzählen, dass wir unsere Tochter mit 4,10 eingeschult haben. Sie ist jetzt in der 8. Klasse. Vom Schulstoff und Lerngeschwindigkeit wäre die 9. schon besser gewesen, aber sozial gesehen ist die 8. mit 12 Jahren die Grenze. Das erste Kind in ihrer Klasse wurde vor kurzem 15. Ihre Freundinen feiern eine nach der anderen den 14. Geburtstag. Sie ist von der fleißigen Sorte, genauso wie deine Große. Weil deine Tochter in der Tat in die Schule möchte, würde ich diese Meinung berücksichtigen und wenigstens für das erste Mal erruieren, ob und unter welchen Bedingungen es möglich wäre.
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Re: Neu hier und gleich mal ein Roman

Beitragvon Meine3 » Di 12. Mär 2019, 12:00

Koschka hat geschrieben:Wie süß, mein Großer wollte auch nicht lesen lernen, weil ich ihm nicht mehr vorlesen würde. Wenn dein Sohn die vier Grundrechenarten beherrscht, wird er in der 1. Klasse sicher nicht lange Sachen zum Aufholen haben.


"Beherrschen" ist zuviel gesagt. Er weiß wie man sie rechnet und kann das auch, aber eben in unterschiedlicher Ausprägung. Die eine Grundart beherrscht er schon recht sicher, die andere nicht so, die eine macht ihm mehr Spaß, die andere weniger ;). Und das mit dem lesen: die sind halt nicht blöd, die Kinder :lol: ... "was soll ich lesen lernen, dann muss ich mich ja immer allein beschäftigen?!"

Wenn nichts weiter ist, wird er in kürzester Zeit lesen lernen und am Ende des Schuljahres besser lesen als die meisten Klassenkameraden. Ich würde auch nicht besonders drauf achten, dass die bestehende Kindergartenfreundschaften bestehen bleiben.


Zum thema, er könnte das schnell nachholen, hast du sicher vollkommen recht. Er hat heute morgen mal wieder gezeigt, dass er eigentlich lesen kann ;) , sofern er die Buchstaben im Wort kennt (er kennt aber noch nicht alle). as heißt, das Prinzip des Lesens hat er bereits "durschaut"... Ich denke aber, mein Sohn hat vor allem jetzt diese großen Anpassungsschwierigkeiten gehabt, weil er eben seinen Freundeskreis verloren hatte und nicht gleich neue Freunde gefunden hat und der neue Kindergarten eine komplett neue Welt ist. Einen Freund hat er jetzt im neuen Kiga. Seither läuft es auch viel besser. Die Langeweile und Unterforderung ist immer noch da, und wir kriegen auch noch regelmäßig zu hören, dass es heute wieder sehr anstrengend mit ihm war :roll: , aber das spucken und treten (also das ganz aggressive Verhalten) ist deutlich zurück gegangen. DAs war einfach zu viel, diese große Veränderung UND kognitiv unterfordert sein ;) ...

Egal was, er wird in der Grundschulzeit spirngen müssen. Das halte ich für eine ganz schlechte Idee ihn mit fast 7 ein ganzes Jahr in der 1. Klasse sitzen zu lassen. Es sei denn er bekommt wirklich individuelle Förderung, und zwar spätestens ab dem 3. Schultag.


Ich finde das ja total interessant! Du scheinst da so überzeugt von, dass man da auch keinen Fall drum herum kommt, denn für dich und deine Kinder hat es "nur so" funktioniert. Und es freut mich für euch, dass es so gut klappt. Aber es gibt ja auch ganz andere Erfahrungen...Meine Schwägerin, die mit dem höchstbegabten Teenie zu Hause ;) , hat ihren Sohn absichtlich NIE springen lassen und er wurde mit 6 eingeschult (er ist Februarkind, der war also auch schon 6;7 als er eingeschult wurde). Er hat sich gelangweilt, manchmal sogar sehr. ABER seine Eltern haben einfach mit ihm daran gearbeitet, wie er damit umgehen kann UND er hat dann halt Förderung in der Klasse erhalten. Kleine Projekte, mehr Aufgaben... Er ist ein sehr ausgeglichener Mensch und nie verhaltensauffällig geworden und hat immer gute, bzw. sehr gute Noten (gehabt).

Mein Kleiner kam mit 5 in die Schule, ohne einmal ein Vorschulheft von innen gesehen zu haben, ohne seinen Namen schreiben zu können. Er konnte nicht reimen und die Wörter in die Laute trennen auch nicht. Weil er unter anderen Bedingungen als seine Klassenkameraden gelebt hat, nie in den Kindergarten ging und sich mit ganz anderen Themen beschäftigt hat. In weniger als einem Halbjahr hat er das alles gelernt, und liest und schreibt jetzt mindestens so gut wie Klassendurchschnitt. Er ist 1,5 Jahre junger als dein Sohn, und dein Sohn hat sicherlich mehr Vorwissen für die schulrelevanten Themen.


War das für ihn kein "Schock", diese ganzen Regeln in der Schule und so? Unser Sohn war zwar nicht GARNICHT im Kindergarten, aber eben von 3 bis fast 6 in einem freien Kindergarten. Da lief das alles auch ganz anders: kein Morgenkreis mit Rhythmusübungen, kein gemeinsames Pflicht-Laternebasteln, keine Vorschule ab 5. Die Kinder waren viel draußen und durften einfach frei und auch wild spielen, durften viel experimentieren und die Erzieher haben aufgegriffen, was die Kinder bewegt hat.. Sei es nun Bienen, Weltall, Religion oder Tod. Für Sohnemann war diese "normale" Kita-Welt eben auch ein Schock.


Zu den Mädels kann ich erzählen, dass wir unsere Tochter mit 4,10 eingeschult haben. Sie ist jetzt in der 8. Klasse. Vom Schulstoff und Lerngeschwindigkeit wäre die 9. schon besser gewesen, aber sozial gesehen ist die 8. mit 12 Jahren die Grenze. Das erste Kind in ihrer Klasse wurde vor kurzem 15. Ihre Freundinen feiern eine nach der anderen den 14. Geburtstag. Sie ist von der fleißigen Sorte, genauso wie deine Große. Weil deine Tochter in der Tat in die Schule möchte, würde ich diese Meinung berücksichtigen und wenigstens für das erste Mal erruieren, ob und unter welchen Bedingungen es möglich wäre.


Unsere Tochter ist jetzt 4;9. Sie wäre kognitiv bereit, denke ich. Aber ich bin ziemlich sicher, dass sie den Schulreifetest nicht schaffen würde, weil sie sehr klein und zart ist und suuuupersensibel, schnell weint und so :( . Emotional geht's noch nicht. Ich befürchte, sie muss das eine Jahr da noch durch. Zum Halbjahr wäre perfekt, geht bei uns an der Schule aber nicht (hatte ich schon wegen Sohnemann erfragt, auch wenn wir es nicht wirklich in Betracht gezogen haben für ihn).
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Re: Neu hier und gleich mal ein Roman

Beitragvon Koschka » Di 12. Mär 2019, 12:19

Einige Kinder können mit Unterforderung und Frust besser umgehen als die anderen. Dein Neffe macht einen sehr stabilen robusten Eindruck. Dein Sohn dagegen scheint ein sensibler Rabauker zu sein mit eingeschränkter Frustrationstoleranz. Natürlich kannst du es besser beurteilen. Mein Sohn leidet wegen massiver Unterforderung, obwohl er der Jungste in der Klasse ist.
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Re: Neu hier und gleich mal ein Roman

Beitragvon Meine3 » Di 12. Mär 2019, 12:35

Koschka hat geschrieben:Einige Kinder können mit Unterforderung und Frust besser umgehen als die anderen. Dein Neffe macht einen sehr stabilen robusten Eindruck. Dein Sohn dagegen scheint ein sensibler Rabauker zu sein mit eingeschränkter Frustrationstoleranz. Natürlich kannst du es besser beurteilen. Mein Sohn leidet wegen massiver Unterforderung, obwohl er der Jungste in der Klasse ist.


Du hast das schon richtig erkannt. Mein Sohn ist ein sensibler Rabauker :lol: . Die Frustrationstoleranz schätzt die Psychologin allerdings als gut bis hoch ein. Das war aber eben in der 1:1 Situation :gruebel: ...Er ist schnell gelangweilt und DANN sehr unkonzentriert, ja. Das kann aber GUT mit den ADHS-Auffälligkeiten zu tun haben. Hochbegabt und ADHS ist halt wirklich ne dolle Mischung :roll:

Mein Sohn ist NUR schwierig in Gruppensituationen, was mit Sicherheit auch was mit seinem "Grenz-ADHS" zu tun hat. Solang er die geballte Aufmerksamkein erhält, ist er das liebste Kind :) , auch im neuen Kiga... Aber das ist sowohl in der Kita, als auch zu Hause selten möglich und in der Schule wohl NIE.

Es hat sich gebessert durch viele Gespräche und erklären. Sohnemann muss man nicht fördern im Bereich der kognitivien Fähigkeiten, sondern im sozialen, emotionalen Bereich. Er hat mittlerweile eingesehen, dass auch andere Kinder das Bedürfnis haben, ihr Wissen zu zeigen, auch wenn sie sich nicht ganz so schnell melden wie er ;) oder auch mal garnicht. Er übt sich sehr darin, nicht mehr ständig jedem über den Mund zu fahren. Das "andere auslachen", weil sie nicht so schnell sind wie er, ist leider immer noch öfter mal Thema, aber auch das, hat sich leicht verbessert. Meine Schwägerin meinte auch:" man kann die Hochbegabung halt auch sehr gut nutzen, den Kindern zu erklären, was viele andere Kinder in dem Alter noch nicht verstehen würden."..


Ich bin ja nun "gewarnt". Sollten Zeichen von starker Unterforderung in der Schule auftauchen, werden wir zeitnah das Gespräch suchen und nach einer Lösung schauen. Ob ein Kind springen kann oder soll oder darf ist ja auch nicht allein die Entscheidung der Eltern, zumindest nicht in D. Hier wird das geprüft und oft eben auch eine Diagnostik verlangt, die ja bei uns leider nicht eindeutig ausfiel.
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Re: Neu hier und gleich mal ein Roman

Beitragvon Koschka » Di 12. Mär 2019, 14:14

Was man ohne Gutachten durchkriegt ist so eine Glückssache. Ich habe zwei Kinder mit 4 und eines mit 5 eingeschult ohne einen offiziellen IQ Wert im Bereich der HB zu haben. Weil der Rektor und die Lehrerin der Grundschule sich die Kinder angesehen haben und unser Problem verstanden haben. Jetzt habe ich so einen IQ-Wert für den Sohn, aber ich kann damit so gut wie nichts bewegen. Weil es eben vom menschlichen Seite nicht gern gesehen wird, und nötigen kann man die Schule leider zu nichts. Wir sind zwar verpflichtet unsere Kinder zur Schule zu schicken, aber die Schule ist nicht verpflichtet auf ihre Bedürfnisse einzugehen.

Ist die Mutter von deinem Neffen auch Hochbegabt? Wenn nicht, würde ich sehr drauf aufpassen, ihre Meinung kritisch zu hinterfragen und auch unter die Oberfläche zu schauen. Ich habe sehr negative Erfahrungen mit zwei Kinderpsychologen, eine davon hat selbst ein HB-Kind. Der erste Psychologe konnte sich nicht in ein HB-Kind hineinverstetzen und hat seine Denkweise auf ein nicht typisches Kind extrapoliert. Die zweite hat alle HB-Kinder im Licht ihres Kindes betrachtet, und aufgrund ihrer Erfahrungen mit ihrem Kind Entscheidungen für die anderen getroffen. Mein Kind, das sie beraten hat, ist eben ganz anders als ihr Kind, deswegen hat es überhaupt nicht gepasst.

Das Statment, dass man die Hochbegabung benutzen kann, um den Kindern was zu erklären, kann ich nur begrenzt unterschreiben. Damit die Kinder sich in ein anderes Kind hineinversetzen müssen sie einen bestimmen Level erreicht haben, der nicht unbedingt nur intelligenzabhängig ist. Und wenn sie dieses Niveau erreicht haben, dann kommen sie selbst darauf, dass es nicht in Ordnung ist jemanden auszulachen, weil es einfach weh tut, ganz unabhägig von der Eklärung warum es weh tut. Mein Sohn ist doppelt so alt wie dein Sohn, und trotzdem hat er das noch nicht verinnertlicht, dass es nicht immer gut ankommt, wenn er sein Können ungeniert zeigt. Meine Tochter wusste schon mit 4, dass sie besser bei den anderen Kindern ankommt, wenn sie sich zurückhält. Mein Sohn will bei jedem Spiel unbedingt gewinnen. Meine Tochter kann gesickt und unaufflälli absichtlich verlieren, damit die anderen gewinnen können.

Kinder, die unbedingt Aufmerksamkeit verlangen, sind wie ein schwarzes Loch. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es ganz egal ist, wie viel Aufmerksamkeit man so einem Kind schenkt, es ist immer zu wenig. Die Fragen kommen wie aus einem Maschinengewehr, aber bei dem Versucht das Kind drauf hinzuweisen, das selber nachzulesen, verschwindet sofort das Interesse. Deswegen ist bei solchen Kindern die Bearbeitung der Aufgaben und wie du geschrieben hast kleinen Projekten abseits des Unterrichts ein ziemlich heikles Thema. Eigentlich wollten sie ja keine Aufgaben und kein Wissen an sich, sondern die Aufmerksamkeit, die Anerkennung, die Unterstützung. Es läuft vieles nach "Mama schau was ich schon kann!" Die innere Unsicherheit gibt keine Ruhe. Meine Theorie dazu ist, dass diese Unsicherheit ihre Wurzeln in der enormen Diskrepanz zwischen emotionalen und kognitiven Entwicklung ihre Wurzeln hat. Wir tendieren dazu die kognitiv sehr fitte Kinder sehr früh als Erwachsene zu betrachten und wie deine Schwägerin es vorschlägt ihnnen einiges zu erklären. Sie können es zwar logisch verstehen, aber sie können es kaum verarbeiten. Nur als Beispiel. Ich glaube viele Erwachsene verstehen, dass Eifersucht ein ganz niederes Gefühl ist, aber wenn sie schon hoch kommt, ist ein Erwachsener in der Lage das wieder aus dem Kopf zu verbannen? Wohl kaum, was erwarten wir dann von Kindern?

Habt ihr schon die zukunftige Lehrerin euren Sohnes kennengelernt? Habt ihr vor mit der Schule über die Situation zu sprechen?
Koschka
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