Hallo an alle und gleich ein paar Fragen

Einfach nur über sich und seine Kinder erzählen

Hallo an alle und gleich ein paar Fragen

Beitragvon Keksle » Mi 10. Jul 2019, 06:26

Hallo an alle!

Ich möchte mich auch mal vorstellen. Uch freue mich dieses Forum entdeckt zu haben, denn im RL gibt es leider keinen Ansprechpartner für diese spezielle Thematik für mich.
Ich bin 36 Jahre alt, bin verheiratet, Lehrerin und habe zwei wundervolle Töchter. Meine Große (8) geht noch in die 2. Klasse und die Kleine (5) in die Kita.
Die Große wurde im Frühjahr wegen ADS Verdacht und großer Schulunlust getestet, heraus kam, dass sie mit einem.IQ von 131 in der Schule unterfordert ist. Konzentrationsprobleme resultieren aus Motivationsproblemen.
Mit der Lehrerin sind wir im Gespräch, leider hat sich aber gar nichts geändert. Wir warten jetzt auf DEN Öehrerwechsel im neuen Schuljahr.
Ihre Stärken liegen im sprachlichen Bereich SV 148, ihr fluides Denken liegt "nur" bei 124. Auffällig ist ihre unterdurchschnittliche VG 85!
Der testende Schulpsychologe begründete dies mit mangelnder Motivation bei stupiden Aufgabenstellungen. Hmm, ich denke in absehbarer Zukunft werde ich an dem Thema dranbleiben, denn leider ist Schule nachwievor negativ besetzt.
Sicher werde ich demnächst euch noch gezielter um Rat fragen ;)
Denn irgendwie habe ich das Gefühl, dass man gar nicht laut sagen darf, dass das Kind überdurchschnittlich begabt ist und sich deswegen langweilt. Warum eigentlich? Warum fühlt man sich gleich als Eislaufmutti wenn man eine Lehrerin bittet, dem Kind anspruchsvollere Aufgaben zu geben? Geht euch das auch so?
Wie offen geht ihr mit der Begabung eurer Kinder um? Wer weiß Bescheid?
Bei uns sind es das Kind selbst, die Großeltern und meine Schwester.
So, das war mal die Kurzfassung. Würde mich über einen Austausch freuen.
Grüße von Kiki
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Re: Hallo an alle und gleich ein paar Fragen

Beitragvon Koschka » Mi 10. Jul 2019, 07:37

Der eklatanter Unterschied von mehr als 60 Punkten weist ausdrücklich auf mögliche ADHS-Problematik hin. Wie äußern sich die Beschwerden bzg. ADHS sonst in der Schule? Ich meine Unteforderung ist sicher dabei bei diesen Sprachwerten, aber es ist nicht unwahrscheinlich, dass dies das Einzige ist.
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Re: Hallo an alle und gleich ein paar Fragen

Beitragvon alibaba » Mi 10. Jul 2019, 07:59

Moin,

ich denke, dass wir ein Stück weit selber dran schuld sind, warum eine Begabung nicht so anerkannt wird. Vertiefend würde ich sagen, kommt das Problem wohl aus der Nazizeit und dem Elitedenken. Es ist eben dann bis heute den Begabten und deren Vertretern nicht gelungen, hier das Bild neu auszurichten und aufzuklären. Im Internet schwirrt ja immerzu der selbe Mist. Aufklärung wird da nur selten gehört. Außerdem geht die Lehrerausbildung viel zu wenig in diese Richtung. Auch bei der Ausbildung der Erzieher in den Kigas müsste nachgelegt werden. Aber das sind alles Spezialisierungsrichtungen, die eben freiwillig gemacht werden oder nicht.

Und dann liegt es an uns Deutschen. Wir mögen nicht das Andere "besser" sind. Da kommt Neid auf. Wobei ich denke, dass es hier an uns Eltern liegt, wie wir Begabung kommunizieren. Und so entsteht eben ein vollkommen kurioses Bild von Begabung. Das ist sehr populistisch belegt. Hat viel mit Gefühl als mit Fakten zu tun. So denkt man, na die Elite wird das schon selber schaffen. Förderung braucht die nicht. Nur, der der eben schwach ist, dem muss geholfen werden. Das Bild der Begabten ist falsch oder verfälscht. Kennen wir ja schon aus der Politik.

Vielleicht liegt es auch an den Kindern. Mein Großkind kommt erst jetzt in Fahrt. Nachdem die Psychologin mit ihm gesprochen hat. Und plötzlich fällt das auch den Lehrern auf. Wieder sprach ein Lehrer mein Kind an, jetzt bei der Bekanntgabe der Noten, dass er so ein Kind wie den Herr Sohn nur selten habe. Er würde sich zwar selten melden, aber wenn er das täte, dann seien seine Beiträge hervorragend, tiefgründig und bereichernd. Das war jetzt , glaube ich, der 6. Lehrer der mein Großkind zur Seite nahm und mit ihm sprach. Es muss also etwas auffallen (ohne das ein Lehrer von der Begabung weiß) , wenn die Kinder es zulassen und nicht bockig sagen, ich bekomme keine adäquate Förderung, mir ist nur langweilig. Man muss schon ein Stück weit selber etwas tun. Dabei kann ich nicht auf den Lehrer hoffen. Den muss ich so nehmen wie er ist. Ich kann auch das System nicht ändern. Und auf andere Lehrer hoffen …… ja, da warten meine Kinder auch. ;)

Ich konnte Schule bisher nie ändern. Mal war es besser, mal schlechter. Was aber bisher immer gut ging, war eben die außerschulische Förderung. Die geht bis heute. Das erleichtert etwas. Aktuell hat sich mein Kind für ein Schülerstudium beworben, wir hoffen, dass das klappt. Und mein 14-Jähriger hofft jetzt auf die Oberstufe. Das der Unterricht anspruchsvoller und fokussierter wird. Schau'n wir mal.

Bei uns weiß niemand von der Begabung. Kein Lehrer, kein Lehrer der nachmittäglichen Hobbys. Es wissen wir und das Kind. Nicht mal das Geschwisterkind. Wobei so richtig klick, es erst beim Gespräch mit der Psychologin gemacht hat. Es ist eben doch anderes wen man mit 14 Jahren ein gutes Gespräch führen kann, frei von Lehrern oder Eltern. Hilfreich, wenn da auch die soziale Komponente hoch ist, damit man das versteht und umsetzen kann, ohne auf irgend einen zu warten.
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Re: Hallo an alle und gleich ein paar Fragen

Beitragvon alibaba » Mi 10. Jul 2019, 08:54

Koschka hat geschrieben:Der eklatanter Unterschied von mehr als 60 Punkten weist ausdrücklich auf mögliche ADHS-Problematik hin. Wie äußern sich die Beschwerden bzg. ADHS sonst in der Schule? Ich meine Unterforderung ist sicher dabei bei diesen Sprachwerten, aber es ist nicht unwahrscheinlich, dass dies das Einzige ist.


Es könnte aber auch einfach am falschen IQ-Test liegen. ;) Adaptive Testverfahren passen sich dem Niveau des Kindes an.

Ich halte sehr viel davon, wenn man testet, zu einem Psychologen zu gehen, der sich auf Hb spezialisiert hat und gegebenenfalls gegentestet um eben etwas auszuschließen oder zu bestätigen.
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Re: Hallo an alle und gleich ein paar Fragen

Beitragvon Koschka » Mi 10. Jul 2019, 11:10

Was heißt der falsche IQ-Test. Die anderen Kinder haben bei der Normierung den gleichen Test unter gleichen Bedingungen gemacht. Der Test ist nicht falsch, der beschreibt den Verhalten und die Möglichkeiten des Kindes unter gegebenen Bedingungen. Wenn das Kind dabei so stark auffällt und die Beobachtungen in der Schule in die gleiche Richtung gehen, dann ist das ein Grund mindestens sich um das Thema ausführliche Gedanken zu machen und es nicht auf die mögliche Desinteresse zu schieben.
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Re: Hallo an alle und gleich ein paar Fragen

Beitragvon Koschka » Mi 10. Jul 2019, 11:50

Die Begabung zu verschweigen, erscheint mir persönlich aber auch als weitere Tabuisierung des Themas. Ich bin nicht die Einzige, die von der Begabung meiner Kinder Bescheid weiß. Die Kinder wissen auch von einander und sie teilen ihr Wissen auch mit jedenfalls hochbegabten Freunden. Was und wie viel davon sie nicht hochbegabten Freunden erzählen, weiß ich nicht. Ich weiß auch, dass einer der Jungen, mit dem mein Kind befreundet ist, auch hochbegabt ist. Ich kenne auch die Zahl. Ich weiß, dass dieser Junge wiederum mit dem nächtsten HB-Jungen befreundet ist, von dem kenne ich auch die Zahl. Nicht weil den Jungs die Zahlen auf der Stirn geschrieben stehen, sondern weil entweder meine Kinder oder die Eltern der Freunde darüber einmal gesprochen haben. Die Schule kennnt zwei der drei dieser Jungen jedenfalls als hochbegabt. Den Dritten verschweigen die Eltern, weil er ein Minderleister ist. Ich halte diesen Umgang für normal. Es ist eine Eigenschaft der Menschen, und sie zu verschweigen ist für mich genauso komisch wie rote Haare unter der Mütze zu verstecken.
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Re: Hallo an alle und gleich ein paar Fragen

Beitragvon Rabaukenmama » Mi 10. Jul 2019, 12:27

Da wir kein offizielles Testergebnis (für meinen 9jährigen Sohn) haben, stellt sich bei uns die Frage nach dem Umgang mit der Hochbegabung nicht. Wobei ich jetzt, vor dem Übertritt ins Gymnasium, doch einen Test andenke. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Verarbeitungsgeschwindigkeit bei ihm (wie bei ADHS üblich) klar unter den anderen Werten bleiben wird, unabhängig davon, ob er die Grenze zur Hochbegabung knackt oder nicht.

Was wir sehr wohl haben sind zwei gesicherte Diagnosen: ADHS und Asperger Autismus. Jeder, der meinen Sohn näher kennt, weiß, dass er sehr klug ist. Das Wort "Hochbegabung" fällt von meiner Seite fast nie, von anderer Seite doch immer wieder. Wobei es früher, als mein Sohn noch jünger war, deutlich mehr aufgefallen ist.

Ich habe als Mutter von zwei "besonderen" Kindern (mein jüngerer Sohn ist gehörlos und autistisch) aber eines gelernt: ohne WENN und ABER hinter meinen Kindern zu stehen! Nicht viel darüber nachzudenken, wie das, was ich denke, sage und tue VIELLEICHT beim anderen ankommen KÖNNTE. Ein Teil der Menschen meiner Umgebung ist offen, der andere vorurteilsbelastet. Meine Erfahrung ist, dass man Menschen mit Vorurteilen (egal, in welche Richtung) nicht ändern kann. Wenn jemand überzeugt ist, dass mein ADHS-Sohn einfach "verzogen" ist, weil er in manchen Situationen kreischt wie ein Kleinkind, dem brauche ich nicht mit der Diagnose kommen. Wer überzeugt ist, mein nonverbaler, gehörloser Sohn sei geistig behindert, weil er nicht spricht, sondern lautiert, und einige Tics hat, dem brauche ich nicht dessen IQ-Test (trotz geringer Motivation und schlechter Testbedingungen im unteren Normalbereich) unter die Nase halten. ICH muss WISSEN, was meine Kinder drauf haben, ich muss es aber niemanden BEWEISEN.

Auf dich umgelegt: wenn du das Bedürfnis hast, das Testergebnis deiner Tocher jemanden mitzuteilen (z.B. der Lehrerin), dann bleibt dir nichts anderes übrig, als VIELLEICHT damit zu leben, als Eislaufmutti gesehen zu werden. Da ist deine eigene Resilienz gefragt.
Der liebe Gott schenkt uns die Nüsse, aber er knackt sie nicht (Johann Wolfgang von Goethe)
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Re: Hallo an alle und gleich ein paar Fragen

Beitragvon Keksle » Mi 10. Jul 2019, 18:37

Jetzt hatte ich schon eine Antwort geschrieben und dann schaltet sich mein Handy aus! Grmpf.


Auf jeden Fall wollte ich mich für die vielen Rückmeldungen bedanken! Wow, damit hätte ich gar nicht gerechnet.
Ihr habt mir schon mal geholfen meine Gedanken zu sortieren.
Das mit dem ADS Verdacht werde ich weiter verfolgen. Ich fand die Erklärung nämlich auch komisch. Getestet wurde sie übrigens mit dem WISC.

Hat auch jemand Erfahrungen mit LRS und HB? Die Große hat sich ja mit 4/5 das Lesen und Schreiben selbst beigebracht. Mit der Ganzwortmethode. War sehr spannend zu beobachten. Sinnentnahme beim Lesen ist auch nicht das Problem, aber beim Schreiben haut sie viele Fehler rein(außer im Diktat, da klappt es dann srltsamerweise). Meint ihr es würde Sinn machen auch in diese Richtung zu schauen?

LG Kiki
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Re: Hallo an alle und gleich ein paar Fragen

Beitragvon Koschka » Mi 10. Jul 2019, 19:05

Ich glaube nicht, dass eine Person mit LRS mit 8 Jahren einen akzeptablen Diktat schreiben kann. Ich glauebe eher, dass beim Schreiben Rechtschreibung noch im Hintergrund steht und Gedanken sich auf Grund der Sprachvielfalt und vielleicht Konzentrationsproblemen überschlagen.
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Re: Hallo an alle und gleich ein paar Fragen

Beitragvon alibaba » Do 11. Jul 2019, 07:40

Keksle hat geschrieben:
Hat auch jemand Erfahrungen mit LRS und HB? Die Große hat sich ja mit 4/5 das Lesen und Schreiben selbst beigebracht. Mit der Ganzwortmethode. War sehr spannend zu beobachten. Sinnentnahme beim Lesen ist auch nicht das Problem, aber beim Schreiben haut sie viele Fehler rein(außer im Diktat, da klappt es dann srltsamerweise). Meint ihr es würde Sinn machen auch in diese Richtung zu schauen?


Ich finde DAS hier sehr exemplarisch dafür, warum wir das Testergebnis für uns behalten. Genau deswegen!

Wenn meine Kinder mit ihren eigenen Erwartungshaltungen zufrieden sind, dann bin ich es auch. Sie dürfen in Ruhe ihren eigenen Weg gehen, ohne Vorurteile. Ich gehe zu keinem Lehrer und bitte ihn, aufgrund des Testergebnisses, um schwerere oder anspruchsvollere Aufgaben. Wehe, wenn sie es dann nicht können. Oftmals hat man ja eine gewisse Haltung im Kopf, eine Vorstellung. Na wenn das Kind so schlau ist, warum kann es das denn dann nicht?

Mir ist das alles ein bisschen zu viel. ADS und LRS. Ja, das Kind kann es haben, muss es aber nicht. Ich stelle immer wieder verblüfft fest, dass Diagnosen in Zweifel gezogen werden. Sofort! Ich misstraue also dem Arzt, wenn er sagt, dass könne vom geringen Anspruch her rühren. Warum hat er Unrecht? Klar kann es das sein. Jetzt obliegt es doch an mir, zu schauen, passt das oder passt das nicht. Habe ich das Gefühl, das passt nicht - Kind ist also durch Träumerei in der Schule stark eingeschränkt, was wiederum zu schlechten Noten führt, oder beklagt sich die Lehrerschaft ständig ob der Unachtaufmerksamkeit und kann ich das zuhause bestätigen, dann muss ich wieder zum Arzt. Ist aber alles schulisch in Ordnung (schreibt Diktate sauber) dann verblüfft mich die Annahme zu sagen, dass hier ADS oder LRS vorliegen könnten. Klar könnte es, es könnte aber genauso gut nicht. :schwitz:

Und deshalb hüte ich mich davor ein Testergebnis breit zu tragen. Weder in der Bekanntschaft noch in der Lehrerschaft. Warum sollen die das denn wissen? Ändern die plötzlich ihre Vorgehensweise? Mein Großkind ist ja das beste Beispiel dafür, wie Lehrer es doch erahnen und beobachten, obwohl kein Mensch etwas weiß. Und das ist nicht nur ein Lehrer. Und ähnlich wie bei Rabaukenmama begleitet mich schon seit den Kigatagen die Erkenntnis, dass etwas auffällt. Mich beruhigt dass, da ja keiner etwas weiß. So weiß ich, ich bilde mir nichts ein, ist doch etwas dran.
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