Hallo an alle und gleich ein paar Fragen

Einfach nur über sich und seine Kinder erzählen

Re: Hallo an alle und gleich ein paar Fragen

Beitragvon sinus » Do 18. Jul 2019, 15:37

MIR haben Bücher schon viel genutzt, z.b. sehe ich die Aufflligkeiten meiner Grossen nun in anderen Licht (als NORMALE Reaktionen auf ein nicht passendes Umfeld), außerdem haben Test und Wissen zum Thema uns bestärkt, eine bestimmte weiterführende Schule zu wählen und auch für die Kleine tendiere ich zu einer anderen Schule, als ursprünglich geplant. Weil sie genau das umsetzt, was "solche" Kinder den Büchern nach brauchen. Im Gegensatz zur anderen Schule, die auf den ersten Blick die schönere, nettere ist.
Die Hinweise zum Thema Verlust von Lernfreude und Motivation in oben genanntem Buch finde ich gut umsetzbar auch ohne Unterstützung der Schule.
Meine Grosse fühlt sich normaler, seit sie immer mal wieder Sachen "über sich selbst" in solchen Büchern gelesen hat. Etc pp.
ICH finde es jedenfalls immer sehr hilfreich, zu einem Thema Wissen anzusammeln.
Gute "intuitive Bauchentscheidungen" werden ja nachweislich vor allem dann gefällt, wenn sie auf viel Erfahrung und Wissen basieren, auf das (tw unbewusst) zurückgegriffen wird.
(Und bei der TE könnte ich mir denken, dass sie vielleicht auch zu einem neuen Blick auf ihr Kind findet und ähnlich wie wir feststellt, dass die diversen beunruhigenden Auffälligkeiten womöglich doch nur an der Unterforderung liegen. Ich bin inzwischen überzeugt davon, dass Ängste, depressive Verstimmungen, Wutanfälle und Selbstzweifel meiner Tochter damit zusammenhängen und mit früheren Eingreifen und mehr an Wissen womöglich so gar nicht aufgetreten wären.)
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Re: Hallo an alle und gleich ein paar Fragen

Beitragvon alibaba » Do 18. Jul 2019, 17:55

Sinus, Du hast recht. Auf jeden Fall lassen Bücher über Begabungen jede Menge AHA-Effekte zu. Es hilft, das eigene Kind zu verstehen. Wovor es mich allerdings nie schützte, waren die Behauptungen der Lehrkräfte, die es, natürlich, immer besser wissen. Und so gerät man trotz Allem in eine gewisse Hilflosigkeit und zweifelt.

Ich empfehle immer den Gang in eine gute Bibliothek. Zumindest ich hab dort jedes verfügbare Buch gelesen, was nur annähernd mit Begabung zu tun hatte und davon gibt es jede Menge.
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Re: Hallo an alle und gleich ein paar Fragen

Beitragvon Meine3 » Mi 24. Jul 2019, 10:38

charlotte12 hat geschrieben:
.Er wäre eigentlich perfekt für die Hector-Akademien, aber tja: da fehlt halt das Zettelchen, auf dem IQ>130 drauf steht...

Das ist so nicht richtig, die Hector-Kinderakademien verlangen keinen IQ-Test. In der Regel läuft die Anmeldung über die Schulen, dh. der Klassenlehrer entscheidet. Allerdings sind die meisten Angebote erst ab Klasse 2. Auf der Homepage steht zu IQ-Tests folgendes:
"In der Regel ist kein Begabungstest erforderlich.
Wenn Eltern in begründeten Ausnahmefällen (z.B. bei Underachievern) ihr Kind anmelden wollen, werden die Begabungstests anerkannt, die von den schulpsychologischen Beratungsstellen bzw. an den Instituten in Tübingen oder Ulm durchgeführt wurden."


Ja, das stimmt wohl. Das war mir entfallen. Mein Neffe wurde auch damals in der Grundschule von seinem Klassenlehrer empfohlen und dann angemeldet. Es hat ihm aber nicht gefallen ;).

Mein Sohn ist dieses Jahr noch nicht in der Schule gewesen (wird jetzt eingeschult) und ob sie seine Begabung in der Schule bemerken, weiß ich zwar natürlich noch nicht, da ich meinen Sohn aber kenne und mir vorstellen kann, dass er eher zu einem kleinen Rebellen mutiert, als zum Musterschüler ;), habe ich ohne „Nachweis“, zumindest gefühlt, NOCH weniger Möglichkeiten, auch bei Volkshochschulkursen für Hochbegabte Kinder, etc.

Obwohl mir bewusst ist, dass eine schriftliche Bestätigung kein Allheilmittel und auch kein Freifahrtschein ist, wäre mir ein eindeutiges Ergebnis (in die ein oder andere Richtung) schon lieber gewesen als ein „Ergebnis des Testes nicht aussagekräftig“. Ich wollte ihn an der Volkshochschule anmelden bei einem Kurs für hochbegabte Kinder (war schon im Winter), da wollten Sie einen Nachweis (in dem Fall hätte sein Testergebnis aber gereicht, da schon Kinder ab IQ 120 dabei sein durften) oder eben alternativ wieder die Empfehlung vom KL. Beim hiesigen Naturkundemuseum ist es genau so, Testnachweis oder Empfehlung durch KL. Grade wenn das Kind in der Schule nicht eben brilliert (oder noch nicht in der Schule ist) wären ja solche Nachmittagsangebote, die die Interessen abdecken, ja aber gut und hilfreich...
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Re: Hallo an alle und gleich ein paar Fragen

Beitragvon Rabaukenmama » Mi 24. Jul 2019, 14:26

Meine3 hat geschrieben:Obwohl mir bewusst ist, dass eine schriftliche Bestätigung kein Allheilmittel und auch kein Freifahrtschein ist, wäre mir ein eindeutiges Ergebnis (in die ein oder andere Richtung) schon lieber gewesen als ein „Ergebnis des Testes nicht aussagekräftig“. Ich wollte ihn an der Volkshochschule anmelden bei einem Kurs für hochbegabte Kinder (war schon im Winter), da wollten Sie einen Nachweis (in dem Fall hätte sein Testergebnis aber gereicht, da schon Kinder ab IQ 120 dabei sein durften) oder eben alternativ wieder die Empfehlung vom KL. Beim hiesigen Naturkundemuseum ist es genau so, Testnachweis oder Empfehlung durch KL. Grade wenn das Kind in der Schule nicht eben brilliert (oder noch nicht in der Schule ist) wären ja solche Nachmittagsangebote, die die Interessen abdecken, ja aber gut und hilfreich...


Nicht bös gemeint - aber mir kommt vor, du denkst zu weit in die Zukunft und glaubst Dinge vorauszusehen, die du noch gar nicht wissen kannst. Selbst wenn du mit der Vermutung, dass dein Sohn eher Rebell als Musterschüler werden wird, recht haben solltest, heißt das noch lange nicht dass die Lehrperson nicht trotzdem sein Potential erkennt und ihn für die Hector Akademie vorschlägt. Und nur, weil die VHS in einem Fall ein Testergebnis verlangt hat, muss es ja nicht immer und überall so sein. Bei meinem älteren Sohn wurde nie ein Testergebnis verlangt (hätten wir auch keines gehabt), und ich habe ihn trotzdem immer wieder mal in Kurse oder Vorträge für die nächste Altersstufe angemeldet. Egal ob Computerakademie oder Planetarium, es war nie ein Problem. Die Anmeldungen habe ich da immer online oder telefonisch gemacht. Das Maximum war ein Hinweis auf die Altersempfehlung (es wurde ja nach dem Geburtsdatum gefragt) und da reichte meine mündliche Aussage, dass mein Sohn für sein Alter schon "sehr weit" sei, vollkommen aus. Ich habe aber auch nie explizit was für hochbegabte Kinder rausgesucht, sondern einfach die normalen Kinderkurse oder Vorträge und da die nächste Altersstufe (z.B. im Planetarium oder bei der Flughafenführung mit 5 Jahren in die Gruppe für 6-10jährige). Das hat eigentlich immer gepasst.

Jetzt kannst du noch überhaupt nicht absehen was für Möglichkeiten sich in einem oder in zwei Jahren auftun werden. Und selbst wenn nicht so viele Möglichkeiten sind, wo du deinen Sohn "hinbringen" kannst, du hast immer noch die Chance, ihm selbst ganz vieles zu zeigen und zu erschließen. Mein jüngerer Sohn ist gehörlos und autistisch, für den passt keinerlei Standardangebot und trotzdem finde ich immer wieder Möglichekeiten, seine Interessen zu fördern.

Bei meinem jüngeren Sohn habe ich leider auch die Erfahrung machen müssen, dass das Testergebnis, auch wenn es eindeutig ausfällt, nichts an Vorurteilen ändert. Beim ersten IQ-Test mit 4 Jahren hatte er ein mMn realistisches Ergebnis von einem rechnerischen IQ101. Natürlich nicht wertbar, da zu großer Unterschied zwischen bestem und schlechtestem Teilergebnis, aber immerhin ein Anhaltspunkt. Mit 5,6 Jahren hat er nochmal einen (nonverbalen) IQ-Test gemacht, aber unter deutlich schlechteren Bedingungen. Ich habe auch im Abschlussgespräch explizit darauf hingewiesen, dass ich auch keinen gesunden 5jährigen kenne, der nach einem 3-stündigen Testmarathon bei 4 ihm unbekannten Personen und außerdem hungrig voll motiviert bei einem IQ-Test mitmachen würde. Das wurde auch nicht abgestritten. Trotzdem stand dann die Zahl 85 als rechnerischer IQ-Wert im Befund. Nun ja, für eine Beschulung nach Gehörlosenlehrplan hätte 85 komplett ausgereicht (Sonderschullehrplan von Anfang an kommt erst bei einem Wert von unter 770 zur Anwendung), aber trotzdem wurde von Seiten der Schule hin- und herargumentiert wegen "Zeitproblem", "Druck" und "bestmöglich förden, aber ja keinesfalls überfordern" und mir wurde sehr, sehr dringend geraten, außer in Mathe überall Sonderschullehrplan zuzustimmen. Das habe ich letztendlich auch getan.

Mir wurde damals aber auch fix zugesagt, meinen Sohn wieder auf Gehörlosenlehrplan raufzustufen, sollte sich nach den ersten 2 Schuljahren zeigen, dass er die Anforderungen schafft. Das erste Schuljahr ist jetzt zu Ende, im Zeugnis stehen lauter 1er und ich hoffe doch stark, dass die Lehrer Wort halten. Aber nur so viel zum "offiziellen Testergebnis" :roll: !
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Re: Hallo an alle und gleich ein paar Fragen

Beitragvon Meine3 » Fr 26. Jul 2019, 18:48

@Rabaukenmama:

Ich mag konstruktive Kritik. Das kannst du übrigens sehr gut :) . Ich nehme das also überhaupt nicht böse. Tatsächlich ist es so, dass ich, um deine oft benutzte Metapher mal aufzugreifen, oft kratze bevor es juckt 8-) . Ich glaube, das ist eine meiner für mich selbst hinderlichsten Eigenschaften. Abgelegt habe ich sie wohl noch immer nicht, da ich bislang sehr oft richtig lag mit meinen Gefühlen oder „Ahnungen“. Bringen tut es allerdings meist nichts, denn handeln kann man in den meisten Fällen ja doch erst, wenn es juckt...

Und ja: Bislang wurde Sohn immer auch von „außen“ als besonders helles Köpfchen bemerkt (Erzieher, andere Eltern mit gleichaltrigen Kindern, Fremde, Kooperationslehrkraft...).

Ich bin einfach grade etwas frustriert. Alles was er toll fände, dafür ist er entweder nicht alt genug oder er braucht nen Wisch oder ne Empfehlung. Er explodiert grade so dermaßen (sowohl beim
Sozialverhalten, als auch kognitiv oder körperlich ;)), nachdem er aufgrund des seelischen Stress in der Kita sich selbst so blockiert hat und ich möchte ihn gern unterstützen und fördern, da er grade in der Kita umkommt vor Langeweile. Aber nichts hat hingehauen :roll:.

Aber das muss man auch aushalten lernen: abwarten und weiter probieren heißt es da.
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Re: Hallo an alle und gleich ein paar Fragen

Beitragvon Rabaukenmama » Fr 26. Jul 2019, 19:42

Meine3 hat geschrieben:@Rabaukenmama:

Ich mag konstruktive Kritik. Das kannst du übrigens sehr gut :) . Ich nehme das also überhaupt nicht böse. Tatsächlich ist es so, dass ich, um deine oft benutzte Metapher mal aufzugreifen, oft kratze bevor es juckt 8-) . Ich glaube, das ist eine meiner für mich selbst hinderlichsten Eigenschaften. Abgelegt habe ich sie wohl noch immer nicht, da ich bislang sehr oft richtig lag mit meinen Gefühlen oder „Ahnungen“. Bringen tut es allerdings meist nichts, denn handeln kann man in den meisten Fällen ja doch erst, wenn es juckt...


Das "erst kratzen, wenn es juckt" habe ich erst durch die Behinderungen meiner Kinder gelernt. Die ersten Jahre war ich oft ziemlich "fertig" weil ich alles vorhersehe, planen und "in die richtigen Bahnen" lenken wollte. So war lange Zeit mein Wunsch, dass Alexander eine "normale Schule" besuchen kann. Meinen Part dazu habe ich beigetragen, indem ich ihm die CIs (Hörimplantate) einsetzen habe lassen, indem er ab 6 Monaten regelmäßig Frühförderung, ab 2 Jahren Logopädie und ab 3 Jahren Ergotherapie bekam. Und ich habe Gebärdensprache gelernt, unterstützte Kommunikation, und täglich wirklich bestmöglich gefördert. Aber als Alexander 5 Jahre alt war, war selbst mir klar, dass trotz normaler Intelligenz (der Wert 85 stimmt definitiv nicht!) seine Einschränkungen so groß sind, dass er unter gesunden Mitschülern schlichtweg "untergehen" würde. Jetzt ist er in einer Sonder-Sonder-Sonderklasse und wird ab September unter der Woche fix im Internat sein (was ich NIE angestrebt habe) - und siehe da, es geht ihm gut und er entwickelt sich prächtig.

Bei meinem älteren Sohn war es eher umgekehrt. Als Kleinkind und Kindergartenkind wurde er wegen seiner Klugheit immer sehr bewundert und seine Auffälligkeiten im sozial-emotionalen Bereich konnte man noch schön auf Trotzphase, Zahnwechsel usw. schieben. Aber im Laufe der Jahre wurde der sozial-emotionale Unterschied zu Gleichaltrigen immer größer. Grob gesagt war mein älterer Sohn als 7jähriger kognitiv am Stand eines 10jährigen und sozial-emotional maximal 5 Jahre alt. Und das ist leider eine sehr heftige Kombi.

Was ich in den Jahren als Mutter gelernt habe: sehr wenig ist planbar und vorhersehbar. Wenn ich mich von allem, was anders kommt, als ich es mir vorgestellt habe, aus der Bahn werfen lasse, komme ich nie wieder in irgend eine Bahn hinein :P . Bei gesunden Kindern ist das vermutlich nicht so extrem, aber durch die Besonderheiten meiner Jungs bin ich immer wieder an meine eigenen Grenzen gestoßen. Was tun, wenn die erste Leihoma sich nur fürs putzen interessiert und die zweite immer mit einer Alkohol-Fahne kommt? Was tun, wenn der Kindergarten nach 3 Jahren sagt "Wir sind nicht mehr bereit, ihren (jüngeren) Sohn weiter ganztags zu betreuen!"? Was tun, wenn der Trainer vom Programmierkurs zum 3. Mal anruft dass mein (älterer) Sohn vorzeitig abgeholt werden muss, weil er sich so "aufführt"? Wie damit umgehen, wenn mein (älterer) Sohn am Strand wildfremde Leute mit nassem Schlamm bewirft und zu Haus Fäkalien an die Wände schmiert? Was tun, wenn mein freundlicher, friedlicher, liebevoller Mann so einen Auszucker bekommt, dass er die Wohnung verlassen muss, um unseren Kindern nichts anzutun? Was tun, wenn ich selbst so einen Auszucker bekomme?

Umgelegt auf deinen Sohn: wenn er jetzt gerade so explodiert (auch in Sachen Sozialverhalten, was ja super ist :) ), dann wird es für euch vermutlich wesentlich leichter sein als für uns, adäquate, interessante Dinge für deinen Sohn zu finden. Es muss ja nicht gleich ein Kurs oder eine Akademie sein.

Mein Sohn hat z.B. 1:1 Unternehmungen immer sehr genossen. Wir waren in verschiedensten Museen: naturhistorisches Museum, technisches Museum, Museum für Heizungstechik, Wien Energie Museum, Verkehrsmuseum, Welt des Eisens, Urzeitmuseum, Amethystwelt, Planetarium, Sternwarte, Sonnenwelt,... aber auch in einer Käserei, einer Bäckerei, einem Wasserkraftwerk und am Flughafen (Kinderführung für die nächste Altersstufe, ich war dabei). Außerdem waren wir in Naturparks, Kletterparks, Freizeitparks, sind mit dem Schiff, dem Nostalgiezug, verschiendenen Seilbahnen und Sommerrodelbahnen gefahren und haben natürlich auch jede Menge ganz "normale" Ausflüge gemacht.

Ich habe oft auch ganz alltäglich Sachen zum interessanten "Programm" für die Kinder gemacht, als sie noch kleiner waren. So war z.B. das aumustern des Kellers immer ein Erlebnis, die Jungs durften die Sachen, die wir über ebay oder willhaben verkauft haben fotografieren und zum Mistplatz mitkommen, wo die anderen Dinge in den verschiedenen, speziellen Containern entsorgt wurden. Es gibt einfach so viele Dinge, die man mit einem klugen und vielseitig interessiertem Kind machen kann ;) .

Meine3 hat geschrieben:Und ja: Bislang wurde Sohn immer auch von „außen“ als besonders helles Köpfchen bemerkt (Erzieher, andere Eltern mit gleichaltrigen Kindern, Fremde, Kooperationslehrkraft...).


War bei meinem älteren Sohn auch immer so! Seine Klugheit war (und ist) aber auch oft insofern hinderlich, weil viele Menschen glauben, so ein kluges Kind müsse doch die ganz normalen Regeln des zusammenlebens kennen und leben können. Dass das zwei komplett verschiedene Paar Schuhe sind, verstehen viele nicht. Da ist dann schnell der Stempel "total verzogen" da, wenn mein Sohn mal wieder wegen einer Kleinigkeit (z.B. gestern im Bad: Rutsche wird für 30min gesperrt) einen Kreischanfall bekommt.

Hingegen wurde und wird mein jüngerer Sohn von 99% der Menschen, die ihn nicht näher kennen, sofort in die Schublade "geistig behindert" gesteckt. Aber auch damit habe ich leben gelernt.
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Re: Hallo an alle und gleich ein paar Fragen

Beitragvon Meine3 » Fr 26. Jul 2019, 21:25

Bei meinem älteren Sohn war es eher umgekehrt. Als Kleinkind und Kindergartenkind wurde er wegen seiner Klugheit immer sehr bewundert und seine Auffälligkeiten im sozial-emotionalen Bereich konnte man noch schön auf Trotzphase, Zahnwechsel usw. schieben. Aber im Laufe der Jahre wurde der sozial-emotionale Unterschied zu Gleichaltrigen immer größer. Grob gesagt war mein älterer Sohn als 7jähriger kognitiv am Stand eines 10jährigen und sozial-emotional maximal 5 Jahre alt. Und das ist leider eine sehr heftige Kombi.


Bei meinem Sohn ist es "ähnlich". Er ist kognitiv auch eher auf dem Stand eines 9-10 jährigen Kindes und er diskutiert auch gerne mal die Erzieher über den Haufen :lol: , aber sozial-emotional ist es eine totale Achterbahn mit ihm. Mal verhält er sich ungewöhnlich reif für sein Alter. Sehr verständig, man kann vieles mit ihm klären, indem man einfach erklärt. Und er versteht. Dann gibt es wieder Phasen, wo er reagiert wie ein Kind im Trotzalter :twisted: . Mit schmollen, wegrennen, einem Wutanfall, weil er nach über 10 Tagen und endloser Diskussion von mir "mit Gewalt" unter die Dusche gestellt wird (zugegebenermaßen nicht einer meiner strahlendesten Mama-Momente), mit einem Essverhalten, dass seiner jüngeren Schwester nachkommt, etc.pp. Sozial ist er DEUTLICH hinterher, wenn man es mit seinen kognitiven Fähigkeiten vergleicht. Daher ja auch die Diagnostik. Für mich ist ADHS auch immer noch ein Thema. Im Fussball schafft er es nicht bei einem Turnier (!!), für 10 Minuten konzentriert zu spielen. Er fängt an in der Gegend rumzugucken oder bindet sich den Schuh oder fängt gar an ein Rad zu schlagen :oops: . Das fällt dann auch den Trainern auf, dass er doch SEHR konzentrationsschwach ist...Dann wieder, wenn es um etwas geht, was ihn fesselt, kann er sich so dermaßen gut konzentrieren, dass es schon gruselig ist...Ich bin mit der Diagnose ADHS also noch nicht wirklich durch...

Was ich in den Jahren als Mutter gelernt habe: sehr wenig ist planbar und vorhersehbar. Wenn ich mich von allem, was anders kommt, als ich es mir vorgestellt habe, aus der Bahn werfen lasse, komme ich nie wieder in irgend eine Bahn hinein :P . Bei gesunden Kindern ist das vermutlich nicht so extrem, aber durch die Besonderheiten meiner Jungs bin ich immer wieder an meine eigenen Grenzen gestoßen. Was tun, wenn die erste Leihoma sich nur fürs putzen interessiert und die zweite immer mit einer Alkohol-Fahne kommt? Was tun, wenn der Kindergarten nach 3 Jahren sagt "Wir sind nicht mehr bereit, ihren (jüngeren) Sohn weiter ganztags zu betreuen!"? Was tun, wenn der Trainer vom Programmierkurs zum 3. Mal anruft dass mein (älterer) Sohn vorzeitig abgeholt werden muss, weil er sich so "aufführt"? Wie damit umgehen, wenn mein (älterer) Sohn am Strand wildfremde Leute mit nassem Schlamm bewirft und zu Haus Fäkalien an die Wände schmiert? Was tun, wenn mein freundlicher, friedlicher, liebevoller Mann so einen Auszucker bekommt, dass er die Wohnung verlassen muss, um unseren Kindern nichts anzutun? Was tun, wenn ich selbst so einen Auszucker bekomme?


Ja, was tun. Gute Frage. Das sind natürlich bei dir auch erschwerte Bedingungen. Und ich ziehe den Hut vor dir. Ich glaube, ich könnte das nicht. Aber ich sage immer gern: man ist immer mit dem überfordert (oder GEFordert) was man hat. Ich werde oft "bewundert", wie ich es bspw. schaffe mit 3 Kindern allein ins Schwimmbad zu gehen, von denen zwei noch nicht schwimmen können und das dritte grade seit einem Jahr einigermaßen sicher. Für mich der ganz normale Wahnsinn, äh Alltag ;) , für andere, die nur 1 oder 2 Kinder haben nicht denkbar... Bei uns es ist die Schwierigkeit 3 Kinder unter einen Hut zu bekommen, die vom Altersabstand sehr dicht beieinander sind, aber dann doch wieder so unterschiedliche Bedürfnisse haben, dass ich oft im Alltag einfach nicht allen 3en gerecht werden KANN. Und ich sehe das und nehme es wahr und kann es doch nicht besser. Das macht mich fertig. Ich bin eben ein Perfektionist und ich lerne mit den Kindern, dass ich Mut zur Lücke haben MUSS... Ich muss sagen, manchmal fühle ich mich selbst ein wenig "authistisch". Ich hasse es, wenn ich keinen "Plan" habe, wenn ich nicht weiß, was kommt, wenn ich etwas nicht unter Kontrolle habe. Wenn ich einfach nur abwarten und zuschauen kann und einfach "aushalten" muss. Aber meine Kinder sind noch jung, ich habe noch viel Zeit zu lernen :mrgreen: ... Und ich bin auch zuversichtlich, dass das noch wird.

Umgelegt auf deinen Sohn: wenn er jetzt gerade so explodiert (auch in Sachen Sozialverhalten, was ja super ist :) ), dann wird es für euch vermutlich wesentlich leichter sein als für uns, adäquate, interessante Dinge für deinen Sohn zu finden. Es muss ja nicht gleich ein Kurs oder eine Akademie sein.

Mein Sohn hat z.B. 1:1 Unternehmungen immer sehr genossen. Wir waren in verschiedensten Museen: naturhistorisches Museum, technisches Museum, Museum für Heizungstechik, Wien Energie Museum, Verkehrsmuseum, Welt des Eisens, Urzeitmuseum, Amethystwelt, Planetarium, Sternwarte, Sonnenwelt,... aber auch in einer Käserei, einer Bäckerei, einem Wasserkraftwerk und am Flughafen (Kinderführung für die nächste Altersstufe, ich war dabei). Außerdem waren wir in Naturparks, Kletterparks, Freizeitparks, sind mit dem Schiff, dem Nostalgiezug, verschiendenen Seilbahnen und Sommerrodelbahnen gefahren und haben natürlich auch jede Menge ganz "normale" Ausflüge gemacht.


All das machen wir natürlich mit den Kindern auch. Naturkundemuseum, Technikmuseum, Kunst für Kinder, Jugendwerksatt, VHS-Veranstaltungen, Festivals, Fussball, Pfadfinder, Kletterparks, Ausflüge in den Wald, Kinderkonzerte, Theater etc... Wir sind sehr aktiv. Nur das mit dem 1:1. Tja, daran hapert es. Ich habe keine Unterstützung mit den Kindern, außer meinen Mann, und der arbeitet 10-13 Stunden am Tag und ist auch hin und wieder auf Geschäftsreise. WENN er dann mal da ist, genießen wir natürlich auch die Zeit zu fünft. 1:1 haben all unsere Kinder recht selten. Es kommt vor, aber nicht besonders oft. Leider. Mein Sohn genießt das auch sehr und vor allem fordert er das auch. Aber es geht schlicht im Alltag oft leider nicht mit 3 Kindern und die Sachen, die ihn mittlerweile sehr interessieren, bleiben ihm eben leider noch verwehrt, weil "zu jung" oder "kein Schulkind" oder oder oder...Es frustriert grade so ein wenig. Aber ich denke, das wird besser, wenn er in der Schule ist... Zumindest mit der Teilnahme an "normalen" VHS-Kursen für Schüler kann er dann eventuell teilnehmen, wenn ich betone, dass er sehr fit ist :mrgreen:...


War bei meinem älteren Sohn auch immer so! Seine Klugheit war (und ist) aber auch oft insofern hinderlich, weil viele Menschen glauben, so ein kluges Kind müsse doch die ganz normalen Regeln des zusammenlebens kennen und leben können. Dass das zwei komplett verschiedene Paar Schuhe sind, verstehen viele nicht. Da ist dann schnell der Stempel "total verzogen" da, wenn mein Sohn mal wieder wegen einer Kleinigkeit (z.B. gestern im Bad: Rutsche wird für 30min gesperrt) einen Kreischanfall bekommt.


Wem sagst du das :? ... Das kenne ich auch nur zu gut. Ich selbst habe mich sogar in der Vergangenheit schon oft erwischt, dass ich ihn emotional überfordere, bzw. zuviel von ihm verlange... :oops:. Es gelingt mir jetzt schon sehr viel besser, ihn als 6jähriges Kind zu sehen, dass er trotz seiner erwachsenen Ausdrucksweise und seinem Wissensstand immer noch ist. Aber "die anderen" erwarten größtenteils von ihm, dass er sich auch in emotionalen Belangen so erwachsen verhält, wie er in vielen Bereichen wirkt. Und ich verstehe es, da es ja auch im Widerspruch zu seinen kognitiven Fähigkeiten steht. Dass es für das Kind selbst der größte Widerspruch sein muss, und dass ein sehr kluges Kind nicht zwangsläufig auch wie ein kleiner Erwachsener fühlt und handelt, das verstehen viele leider nicht. Sogar die Erzieher tun sich damit schwer. Aber es gab auch, grade im Kindergarten, schon viel zu oft die Situation, dass mit ihm umgegangen wurde wie mit einem Kleinkind (so sein Empfinden) und er und seiner Selbstbestimmung schon sehr "beschnitten" wurde. Das hat ihn sehr wütend gemacht und war Auslöser für viele "Ausraster"...

Hingegen wurde und wird mein jüngerer Sohn von 99% der Menschen, die ihn nicht näher kennen, sofort in die Schublade "geistig behindert" gesteckt. Aber auch damit habe ich leben gelernt.


Nichts desto trotz muss das sehr anstrengend daher kommen. Ich stelle es mir zumindest sehr aufreibend vor :schwitz: ...

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Re: Hallo an alle und gleich ein paar Fragen

Beitragvon Rabaukenmama » Sa 27. Jul 2019, 12:13

@Meine3: Bei uns hat die Einführung eines fixen Mama-Sohn-Nachmittags (für meinen älteren Sohn) ganz viel Druck rausgenommen. Bei uns war das der Donnerstag nachmittags. Bevor Alexander seine 1:1 Betreuerin über die Integrationshilfe der Gemeinde Wien hatte, hat an dem Nachmittag eine Leihoma auf Alexander aufgepasst bis mein Mann von der Arbeit nach Hause gekommen ist. Und ich habe mit meinem älteren Sohn ohne Zeitdruck was unternehmen können, was IHM Freude gemacht hat. Das waren immer wiederkehrende Dinge: Bad, Kletterpark, Museum, Indoor-Spielplatz; Bowling und Videospielhalle. Es gab Phasne, da wollte er nur in den Kletterpark. Gut, waren wir halt 6 Mama-Sohn-Nachmittage hintereinander dort.

Vielleicht wäre das ja auch für euch eine Möglichkeit. Mir ist schon klar dass es mit 3 Kindern nochmal schwieriger ist. Aber die Situation, keine kostenlosen Betreuungspersonen in der Nähe zu haben, kenne ich gut. Mit Alexander war es halt auch mit Fremdbetreuung schwierig, nicht so sehr, weil er nicht kooperiert hätte, sondern weil die meisten Babysitter und Leihomas nicht so recht wussten, was sie mit ihm anfangen sollten. Vielleicht habt ihr auch die Möglichkeit von Leihoma oder Babysitter udm Exklusiv-Zeit mit deinem Sohn zu verbringen. Natürlich kostet das Geld, aber das war es mir wert :) .
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Re: Hallo an alle und gleich ein paar Fragen

Beitragvon Koschka » Sa 27. Jul 2019, 13:31

Es gibt Kinder, die nie genug Aufmerksamkeit kriegen. Das sind vor allem Kinder wie der Sohn von Meiner 3, dessen Fähigkeit die Fertigkeiten um einiges übersteigern. Mein Großer ist genauso gewesen. Je größer er wird, desto weiter entwickelten sich seine Fertigkeiten und desto weniger stört ihn der Kluft zwischen dem was seine Augen sehen und dem was seine Kinderhände machen können. Als Kind hat er malen gehasst, weil er seine krummen-schiefen Kinderbilder nie bewundern konnte. Jetzt in der 7. Klasse hat er für Kunst eine glatte 1.

Diese Kinder sind extrem an die Unterstützung und Veständnis der Familie angewiesen, und ein Nachmittag pro Woche rettet sie auch nicht ganz. Es ist nicht so sehr die persönliche Zeit mit Mama, die sie suchen, sondern die Versuche diese Kluft zu schließen, und dafür brauchen sie Unterstützung jeden Tag so gut es geht. Diese Kinder können auch nicht üben - aus dem gleichen Grund. Ganz egal wie lange sie geübt haben, werden sie ihren Ansprüchen nicht gerecht. Also wozu das Ganze? Erst wenn sich diese Lücke schließt, wenn die Ergebnisse wirklich ansehlich werden, dann wird es besser.
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Re: Hallo an alle und gleich ein paar Fragen

Beitragvon Meine3 » So 28. Jul 2019, 10:15

Rabaukenmama hat geschrieben:@Meine3: Bei uns hat die Einführung eines fixen Mama-Sohn-Nachmittags (für meinen älteren Sohn) ganz viel Druck rausgenommen. Bei uns war das der Donnerstag nachmittags. Bevor Alexander seine 1:1 Betreuerin über die Integrationshilfe der Gemeinde Wien hatte, hat an dem Nachmittag eine Leihoma auf Alexander aufgepasst bis mein Mann von der Arbeit nach Hause gekommen ist. Und ich habe mit meinem älteren Sohn ohne Zeitdruck was unternehmen können, was IHM Freude gemacht hat. Das waren immer wiederkehrende Dinge: Bad, Kletterpark, Museum, Indoor-Spielplatz; Bowling und Videospielhalle. Es gab Phasne, da wollte er nur in den Kletterpark. Gut, waren wir halt 6 Mama-Sohn-Nachmittage hintereinander dort.

Vielleicht wäre das ja auch für euch eine Möglichkeit. Mir ist schon klar dass es mit 3 Kindern nochmal schwieriger ist. Aber die Situation, keine kostenlosen Betreuungspersonen in der Nähe zu haben, kenne ich gut. Mit Alexander war es halt auch mit Fremdbetreuung schwierig, nicht so sehr, weil er nicht kooperiert hätte, sondern weil die meisten Babysitter und Leihomas nicht so recht wussten, was sie mit ihm anfangen sollten. Vielleicht habt ihr auch die Möglichkeit von Leihoma oder Babysitter udm Exklusiv-Zeit mit deinem Sohn zu verbringen. Natürlich kostet das Geld, aber das war es mir wert :) .



Hallo du Liebe,

wenn ich meinem Sohn einen Exklusiv-Nachmittag biete, dann muss ich das den anderen beiden auch möglich machen und schwups habe ich 3 Nachmittag e unter der Woche, an denen ich Fremdbetreuung bräuchte :schwitz: ... Wir machen das immer mal wieder möglich, müssen aber immer schauen, dass die anderen beiden das dann auch bekommen. Erstens kommt sehr schnell von allen ein "UNFAIR!!" und zweitens ist es uns auch wichtig, dass wir nicht eines unserer Kinder bevorzugen...

Leider ist das wirklich mit 3en, die so eng beieiander sind, nochmal schwieriger. Ich wünschte, wir könnten das auch irgendwie einführen, aber in der Praxis gestaltet sich das sehr schwierig.

Liebe Grüße...
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