Hallo,

Einfach nur über sich und seine Kinder erzählen

Hallo,

Beitragvon Ruth87 » Mi 18. Sep 2019, 00:56

Hallo,
ich befasse mich schon länger immer mal wieder mit dem Thema Hochbegabung und bin momentan ziemlich durcheinander.
Ob wir die Kinder testen sollen, was das dann bringt, uvm.

Aber erst mal auf Anfang:
Mein Mann ist Hochbegabt. Evt. Höchstbegabt. Er hat als 13Jähriger einen Test gemacht. Ohne IQ Ergebnis. Dafür mit einer Skala…ganz links der durchschnittliche Hauptschüler, dann nach rechts die immer höheren Bildungsgrade, ganz rechts der Uni Professor….und laut Prüfer war mein Mann mit seinem Ergebnis rechts außerhalb der Skala.
Er hatte starke Probleme mit der HB während gesamter Schulzeit.

Bei mir besteht der starke Verdacht auf HB. Auch wenn ich es noch nicht richtig glauben kann.
Außerdem glaube ich auch, dass ich Hochsensibel sein könnte.
Von meiner Kindheit erinnere ich nur Aussagen wie: Träumer, Langsam, leicht ablenkbar, nicht gut genug, unsportlich, ungeschickt, zu ängstlich. Hatte in der Grundschulzeit sogar Ergotherapie. Wurde mit 10Jahren positiv auf Legasthenie getestet.
Ab der 5Klasse wurden meine schulischen Leistungen dann sehr viel besser. Habe Schule aber immer als langweiligen Zeitvertreib betrachtet. Ohne Hausaufgaben oder lernen kam ich mit einem guten Realschulzeugnis davon. Es folgten Ausbildung, Fachhochschule in Abendform. Ein ungeliebtes Studium (in dem ich das Lernen lernen musste), dass ich nach ungefähr der Hälfte wegen Privater Probleme abgebrochen habe.
Irgendwie klingt das doch nicht nach Hochbegabung, aber in einigen Büchern die ich kürzlich wegen der Kinder las, hab ich mich dann doch oft wiedererkannt. Dinge die ich meinem sehr schlechten und unstabilem Elternhaus und der Tatsache zuschrieb, dass ich einfach schnell Erwachsen werden musste, stehen plötzlich in einem anderen Licht.

Wir haben uns gewünscht dass unsere Kinder keine HB haben, weil es nicht in unsere Gesellschaft passt. Wir haben schließlich selbst erlebt wie schwierig es ist, so anders zu sein, anders zu denken.
Aber 1. kommt es anders und 2. als man denkt

Kind 1. ist fast 6 1/2, hat schon immer starke Anzeichen für Hochbegabung gezeigt.
Mit einem Jahr wurde ich das erste mal gefragt ob sie vll HB ist. Sie rannte schon durch die Gegend, wo die anderen gerade mit den ersten Schritten begannen. Motorisch war sie lange 1-2Jahre vorraus. Gesprochen hat sie erst mit 2 Jahren, dafür innerhalb von 2 Wochen mit 4 Wortsätzen.
Mit einem Buchstabenputzzel lernte sie mit 2-2 1/2 das Alphabet und legte spontan einfach Wörter nach, die ich tags zuvor für sie aufgeschrieben hatte. Oma, Opa..."Mama geht nicht weil ich nur 1 M und 1 A habe"

Da bekam ich das erste mal PANIK, zu viel zu früh....Was soll blos in der Schule kommen, wo mein Mann und ich schon so viele Probleme hatten ohne so irre früh solche Sachen zu machen?

Ich denke sie hat es bemerkt und die Buchstaben dann ignoriert. Dann kam Mathe. Intensives Malen 3-4 Stunden am Stück. Aber nur ausmalen. Eigene Bilder haben nicht ihrem Anspruch genügt. Allgemein immer wieder verschiedene Beschäftigungen, Stundenlange monotone Sachen (Bügelperlen, Kneten, Basteln, Malen, Puzzeln)
Ich glaube mittlerweile macht sie das auch zur Entspannung.
Sie war ab 3Jahren im Naturkindergarten. Die ersten 1-2 Jahre waren ganz gut. Das komplette letzte Jahr war pure Langeweile. Sie hatte auch keine Freunde. Passte nicht rein. Sie ist sehr Regeltreu, fing mit ca. 5Jahren langsam an zu verstehen warum andere ärgern, Regeln brechen, flunkern.
Sie mag zum Glück Sport. Spielt Fußball. Ballett seit einem Jahr, was ihr aber auch langweilig, zu anspruchslos geworden ist. In die Stunde für die älterem Kinder darf sie nicht.

Nun hat im August die erste Klasse angefangen. Mathe rechnet sie +/- im 100Bereich. Leichte Multiplikation. Im Sommer fing Sie an zu lesen. Sie hatte mir gezeigt das Sie so ziehmlich alles Buchstabieren kann und dann zeigte ich ihr endlich die kleinen Buchstaben. Die hatte ich ihr verweigert damit sie eben noch nicht anfängt zu lesen. und dann tja, nachdem sie eins dieser Vorschulhefte für 1.Klasse durchgearbeitet hatte fing sie einfach an zu lesen.
Sie meint Schule wird langsam spaßig. Was mich wundert, weil sie das alles kann. Da wird dieses Jahr nichts neues kommen, außer das schreiben üben. Die kompletten Arbeitshefte der 1.Klasse könnte sie in ihrem Tempo zu Hause wahrscheinlich in 1-2Wochen durcharbeiten.

Aber sie hat eine Freundin gefunden und vll ist das langweilen in der Schule vergleichbar mit dem stundenlangem Malen? Und wirklich OK für sie?
Ab wann sollte man da was machen, Klasse Überspringen? Lehrer darauf ansprechen? Oder lieber nicht?


Kind 2. ist 4 1/2.
Er hat als Baby auch sämtliche Punkte der Hochbegabten Checkliste erfüllt. Hat vom ersten Tag an wach geguckt, versucht den Kopf zu drehen um Bewegungen zu verfolgen. Hat sogar Tagsüber die Milchflasche verweigert, weil er nur im abgedunkelten Schlafzimmer getrunken hat. Also sämtliche Ablenkung musste weg. Ging mit ner knapp 2jährigen Schwester tagsüber schlecht. Schlafprobleme vom Anfang (Nachts alle 1-2Stunden Milch) bis Heute (unruhiger Schlaf, Alpträume, Wiederholen von tagsüber erlebten Wutanfällen).
Frühes Krabbeln, frühes stabiles Stehen, frühes Sprechen. Laufen mit 12Monaten ohne einmal hinzufallen weil er so vorsichtig war. Sobald es wackelte blieb er einfach stehen.
Er ist sehr vorsichtig/ängstlich, konnte zum Beispiel schon mit 3Jahren Fahrrad fahren. aber weil ich nicht immer neben ihm herjoggen konnte (da war gerade Kind 3 geboren) um ihn aufzufangen falls er fällt, ist er erst mit 4 regelmäßig Fahrrad gefahren, weil er zu groß für das Laufrad geworden war.
Er ist bessessen von Fußball, (bzw allen Ballsportarten) und Rittern, Cow Boys….Waffen. Da geht dann auch das alleine Anziehen ohne Geschrei.
Er war ein quasi immer lächelnder kleiner Sonnenschein bis ca. 21Monate. Da stellte sich ein Schalter um und es begannen mit der Trotzphase, unglaublich anstrengende 2-3Stunden dauernde Wutanfälle. Täglich 1-2mal, die nachts geträumt und in etwas weniges Zeit wiederholt wurden. Er schrie dabei schon 3Wortsätze, daher weiß ich warum er nachts wieder schrie.
Dabei war er völlig wie von Sinnen, nicht ansprechbar, Gewalttätig, ich konnte nur gucken dass er sich nicht selbst verletzt. Ihn in sicherer Umgebung ablegen und Toben lassen. Konnte das Zeitmäßig und Emotional nicht komplett begleiten. Bin dann alle paar Minuten zu im hingegangen und hab gefragt ob ich ihn Kuscheln soll, ob wir drüber reden wollen, uns Vertragen.
Irgendwann mit ca. 3 ½ Jahren wurden die Wutanfälle seltener, kürzer. Er schlägt nicht mehr um sich. Die Auslöser: Ortswechsel, morgens sich Anziehen, nicht weiterspielen können (trotz Vorankündigung). Wenn er etwas baut/bastelt/buddelt und es nicht gleich funktioniert. Wenn ich nicht sofort Zeit habe, wenn er etwas will. Wenn die große Schwester abends dran ist mit Gute Nacht Buch (geht mittlerweile meistens)aussuchen und sicher noch einiges andere.
Wenn ich sage: leg das Spielzeug weg (jeder Gegenstand wird bei seiner riesigen Phantasie zum Spielzeug), beende das Spiel weil wir Zähneputzen wollen, weil wir essen wollen, weil wir uns anziehen müssen…
Mittlerweile gibt es gute und schlechte Phasen. In den Schlechten ist er den ganzen Tag wie eine tickende Zeitbombe, man merkt dass es gleich losgeht, aber man kann es einfach nicht verhindern. Da steht er manchmal morgens auf und fängt schon an zu quengeln/meckern/schreien weil ich sage er solle auf die Toilette gehen und die Windel ausziehen. Beliebt sind dann „Mir ist kalt…ich hab Hunger…ich will nicht in den Kiga… ich zieh mich nicht an, ich will das du die Sachen anders hinlegst. (Die sind runtergefallen und ich sollte sie wieder zusammenlegen und an den Platz legen wo ich sie abends immer stationiere). Da fragte er mich tatsächlich ob ich zu blöd wäre die Sachen nochmal anständig zusammenzulegen. Oder er sitzt auf der Couch und bekommt es nicht hin zum Esstich zu gehen und zu essen weil er schreien muss wie hungrig er doch ist.
Das kann dann manchmal mit kleinen Unterbrechungen 1-2Stunden gehen. Bis wir beim KiGa sind.
Dabei ist egal dass er z.B. friert, weil er sich nicht anzieht. Das ich ihm sogar helfen würde, wenn er anständig fragen würde anstatt mich anzuschreien. Das ich ihm das auch jedes Mal sage. Manchmal tröste ich ihn bis zu 20Min. denke, nun hat er es erst mal verstanden und dann kaum ist er von meinem Schoß geklettert, geht das gleiche Thema wieder von vorne los. Wie eine Schallplatte mit Sprung. Z.B. der KiGa. Er hat da viele Freunde, die Erzieherinnen sind toll, er hat da Spaß und erzählt Mittags immer wie schön es war. Morgens will er trotzdem nie hin. Fast täglich die gleichen diskussionen. Mein Verdacht? Er darf sich da nicht als Fußballer verkleiden (Seine Standartkleidung aus Kurze Hose, T-Shirt und Kniestrümpfe) oder sein Ritter Schwert mitnehmen. Ist ein Natur KiGa und dafür gibt’s Outdoorkleidung. Da gibt es auch genug Stöcker die er sich ständig zu Messern, Schwertern, Pistolen werkelt. Aber er kann halt nicht ganz so frei spielen, sich verkleiden wie es zu Hause meistens möglich ist.
Im Kiga soll er übrigens ein positives Musterbeispiel sein. Und auch zu Hause kann er an den guten Tagen ganz wunderbar alleine (oder mit den Schwestern, Freunden)spielen, hat eine gute Frustrationstolleranz. Kann schon Brett und Kartenspiele für ältere Kinder. Hat kein Problem mit verlieren. Baut unglaubliche Murmelbahnen mit Engelsgeduld. Kann 1-2Stunden mit Schnitzen, kneten, bauen oder basteln verbringen. Kümmert sich um die kleine Schwester.
Sind die Wutanfälle nun meine schlechte Erziehung? Bin ich nicht streng genug? Oder zu Streng? Unterforderung? Selektive ADHS? Konzentrieren kann er sich ja, wenn er will. Wobei er beim Buch angucken oder spiele Spielen auch viel Zappelt. Bewegung braucht er auch sehr viel. Dann ist er ausgeglichener. Zucker macht es auch meistens schlimmer mit ihm.

Kind 3. Ist ein Mädchen, 1 ½ Jahre alt und relativ weit für ihr Alter. Mit 5 Monaten gekrabbelt wie die anderen beiden. Mit knapp 9Monaten frei gelaufen. Mit 8 Monaten die ersten Wörter, wobei das dann mit dem Laufen wieder für eine Weile einschlief. Jetzt sind wir bei zwei Wort Sätzen. Wenn wir die Zeit finden auch gerne mal 10 Bücher hintereinander angucken. 1 Stunde alleine Kneten, während ich daneben in der Küche hantiere. Also lange aufmerksamkeitsspanne. Für uns aber alles normal. Auffällig für uns ist eher das sie genau wie die anderen beiden damals teilweise auf 3Jahre geschätzt wird. Das liegt auch daran das sie sehr groß ist und schon lange Haare hat, aber auch motorisch so weit ist und einfach wacher, anwesender als gleichaltrige wirkt. Kann es nicht anders beschreiben. Und wenn ich befreundeten Müttern freudig berichte " hey sie mag kneten und langweilt sich nicht mehr so arg, wärend ich Koche, Aufräume" Dann ernte ich meist merkwürdige Blicke. Mal sehen was da noch kommt.

Das war echt viel. Sorry. Aber wer sich da durchgekämpft hat: Ich hoffe es war alles verständlich beschrieben. Vielleicht habt ihr eine Idee? Spontane Einfälle, Erfahrungen zu den Situationen von Kind 1 und Kind2 ?
Ruth87
 
Beiträge: 2
Registriert: Mi 3. Jul 2019, 09:39

Re: Hallo,

Beitragvon alibaba » Mi 18. Sep 2019, 08:11

Moin,

ich glaube du siehst eine Hochbegabung in einem komplett falschen Licht. Um hier das Licht an die richtige Stelle zu stellen, empfehle ich Dir, einen Test bei Mensa machen zu lassen und wenn Du den bestehst, dort - vielleicht - zu dem ein oder anderen Treffen zu gehen. Dto. für deinen Mann. Vielleicht könnt Ihr dann "entspannter" mit Euch umgehen und das auf eure Kinder übertragen. Ich persönlich würde da bei Euch anfangen. Vielleicht ist das auch nichts für euch, aber das wisst ihr erst, wenn Ihr es probiert habt.

Ich persönlich bin kein Mensch von "rumschleppen". Mich würde das viel zu sehr belasten und einschränken, wenn ich etwas nicht kläre. Dieses ständige grübeln, was gewesen ist, warum, warum nicht, was man hätte anders machen können, was nicht …… das ist ja eine endlose Kette. Ich bin immer für klären, damit mein Kopf frei wird.

Eine Hochbegabung ist in aller Regel nicht der Grund für Probleme. Warum es Probleme gibt, liegt an den Umständen. Eine Schule die nicht differenziert, Eltern die sich nicht interessieren, Kinder die noch, neben der Begabung, andere Probleme haben, die eigene Persönlichkeitsentwicklung ….. ob Erfolg oder Nichterfolg hängt von vielen Umweltfaktoren ab. Die Begabung an sich ist da nur ein Teil davon.

Bei deinem Schulkind würde ich aufmerksam dran bleiben. Auf jeden Fall mit der Lehrerin reden über das was du beobachtest. Ihr könntet auch einen IQ-Test beim Schulpsychologen machen lassen. Ihr könntet auch zu Psychologen gehen, die sich nur auf Hb spezialisiert haben. So hat man Gewissheit, etwas schwarz auf weiß. Oft reagieren Lehrer erst, wenn man da einen "Zettel" hat.

Allerdings lese ich bei Dir, dass deinem Schulkind alles irgendwie langweilig ist. Grundsätzlich - im Leben was einen klugen Menschen umgibt - wird man nicht ständig auf seinem individuellen Niveau "arbeiten" können. Das geht nicht. Wenn man das will, muss man Leistungssport betreiben oder Leistungsmusik. Fußball oder Tanzen - jegliche Manschaftssportarten - gehen nach dem Alter. Zeigt man Talent, dann muss man wechseln, nämlich dahin wo es schneller geht. In aller Regel ist das dann aber eben nicht der Sportverein vor Ort, sondern ein Leistungszentrum. Mein Kindklein tanzt auch - bereits seit 11 Jahren - da ist es auch oft langweilig. Aber es ist eine Gruppensportart und da geht es eben so schnell wie die Gruppe das kann. Wenn ich das nicht will, muss ich aufhören oder eben in den Leistungstanz wechseln. Beides will mein Kind nicht - dann muss sie da durch - für mich ist das ganz einfach. Die Tanzlehrerin kann nicht für die 15 Kinder in der Gruppe für jedes individuell Unterricht anbieten - unmöglich. Auch hier geht es nach Alter und Körpergröße. Gerade beim Tanzen kann man kein 7-jähriges Kind in die Teeniegruppe schicken, das passt nicht. Egal wie gut das junge Kind tanzen kann.

Zu deinem Kind 2 muss ich sagen - finde ich alles normal. Kenne ich sowohl von meinemn klugen bzw. normalen Kind. Für ein Mittelkind sowieso. Zur Hochbegabung würde ich das nicht zuordnen wollen.

Meine Empfehlung für Euch: Schaut, dass Ihr etwas für Euch tun könnt. Klärt das ab, ob Ihr hochbegabt seid. Rede mit der Lehrerin deines ersten Kindes. Alles Weitere sind dann die daraus gezogenen Konsequenzen.
alibaba
Dauergast
 
Beiträge: 3419
Registriert: Mo 6. Okt 2008, 10:06

Re: Hallo,

Beitragvon Meine3 » Mi 18. Sep 2019, 09:49

Hallo Ruth,

ich weiß garnicht wo ich anfangen soll. Also fang ich mal an mit: Herzlich Willkommen :)

Erst einmal uns (meiner Familie mit 3 Kindern und dem Thema Hochbegabung in der Familie).

Mein Bruder ist 9 Jahre älter als ich, hatte ein Kind als ich junge Erwachsene war. Dieses Kind entpuppte sich durch eine psychologische Langzeitstudie als höchstbegabt (über 145IQ Punkte). Daraufhin ist mein Bruder auf die Idee gekommen, sich ebenfalls testen zu lassen. Ergebnis 136IQ Punkte. Auch hochbegabt.

Er fragte mich damals ob ich auch hochbegabt wäre. Ich hatte keine Ahnung, hatte mich eher immer unzulänglich und "dumm" gefühlt. Im Rahmen der Ausbildung hatte ich damals einen ziemlich ausführlichen Intelligenz-und Eignungstest gemacht mit dem Ergebnis 99,irgendwas Prozent, was eindeutig im Bereich der Hochbegabung liegt. Allerdings habe ich diesem Ergebnis keinerlei Bedeutung beigemessen sondern einfach freudig zur Kenntnis genommen, dass ich damit die "Spitzenreiterin" beim Test war und direkt die Ausbildung beginnen konnte. Als mein Bruder mich dann nach der Hochbegabung fragte, erzählte ich ihm von diesem Test, aber dass ich da wohl nur "Glück" gehabt hatte ;), denn das Ergebnis passte so garnicht zu dem, wie ich mich fühlte oder was ich bis dahin schulisch geleistet hatte. Auch in der Ausbildung, deretwegen ich den Test gemacht hatte, hatte ich überwiegend miese Noten (einfach die falsche Ausbildung und überhaupt keine Motivation :geek: ), erst zur Prüfung habe ich mich dann berappelt und für mein Lieblingsfach (ich mochte den Lehrer) gelernt und trotz jahrelangem Versäumen und Rumlungern die glatte 1 (in diesem Fach :lol: )...


Dann, viele Jahre später, nachdem ich über den zweiten Bildungsweg (normale schulische Laufbahn war SEHR holprig ;) , u.a. auch immense Probleme im Elternaus, bin mit 16 ausgezogen, etc.) das Abitur (übrigens mit Bravour) und davor nochmal einen IQ-Test im Internet gemacht hatte, um ich selbst zu ermutigen, dass ich das Abi schaffe :oops: , kamen die Kinder....

Und meine Kinder sind sehr fit. Das waren sie schon immer (frühes laufen, sehr frühes sprechen, Sohn übersprang das krabbeln, etc.pp.), aber für mich war nie relevant ob meine Kinder hochbegabt sein könnten, da sie glücklich und zufrieden waren. Auch wenn wir ständig drauf angesprochen wurden (und werden!), dass unsere Kinder "weit" sind, war das für uns kein Anlass dies zu überprüfen.

Erst als unser Sohn im neuen Kindergarten als KANN-Kind im letzten Kiga-Jahr verhaltensauffällig wurde und auch hier wieder das Thema HB von seiten der Erzieher angesprochen wurde und doch gebeten wurde eine Diagnostik zu machen, hinsichtlich der Einschulung, haben wir "gehandelt".

Unser Sohn hat eine eindeutige Teil-Höchstbegabung bei Sprachverständnis (dies umfasst verschiedene sprachliche Bereiche), alles andere war überdurchschnittlich, ein Teil lag im unteren Durchschnitt. Seine Mitarbeit beim Test war "durchwachsen". Er hat teilweise Konzentrationsprobleme, nämlich dann, wenn ihm sich der Sinn einer Aufgabe nicht erschließt oder wenn es sehr eintönig ist. Zwischen dem höchsten und dem niedrigsten Wert lagen über 50IQ-Punkte. Resultat: der Gesamt-IQ-Wert konnte nicht sicher ausgewertet werden. Dazu wurde eine ADHS-Diagnostik gemacht mit ähnlichem Ergebnis, er weist Merkmale auf, aber nicht genug, um eindeutig ADHS zu diagnostizieren :gruebel: . Du kannst dir vielleicht denken, dass das sehr verwirrend und frustrierend für uns war.

Sind wir dadurch "klüger"? Nein. Denn, dass unsere Kinder weiter entwickelt sind als ihre Altersgenossen, war uns auch schon aufgefallen ;). Diese Diagnostik war für uns emotional aufreibend und wir hatten uns Hilfe bezüglich unseres Sohnes erhofft, sie aber nicht erhalten.

So bin ich hier gelandet. Hier und durch intensives Einlesen in das Thema (Fachbücher!) habe ich gelernt, dass IQ-Tests im Kleinkind- und Vorschulalter sehr oft nicht aussagekräftig sind, da zu viele Faktoren das Ergebnis "verfälschen" können: Unlust, zu wenig Sitzfleisch, Verunsicherung durch die fremde Situation und Testperson, Hunger, Erkältung, etc. Je nach Charakter des Kindes und Ausprägung der HB kann durchaus im Vorschulalter ein IQ Test eine HB eindeutig feststellen, aber wenn sie NICHT festgestellt wurde, dann ist das nicht in Stein gemeißelt...

Was ich dir empfehle: solange dein Mädchen gut durch die Schule kommt, gibt es eigentlich keine Veranlassung, außer du hast das Gefühl, sie versteckt ihren Frust oder es herrscht eine große Unterforderung. Dann wäre spätestens zum Wechsel in die Oberstufe ein Test sinnig. Ich würde dies aber wirklich auch nach dem Nutzen abwägen.

Hochbegabungs-"Checklisten" aus dem Internet kann man nicht allzu ernst nehmen. Denn nicht alle hochbegabten Menschen zeigen ihre Hochbegabung so deutlich. Ich habe bspw. mit 2 3/4 angefangen zu sprechen, dafür aber dann quasi über Nacht vollständige Sätze. Ich habe in der Schule versagt und habe am Ende brilliert. Mein Freundeskreis bestand immer aus 1-2 guten Freunden, große soziale Gruppen wurden erst in der späten Pupertät einfacher für mich, da ich bis dahin gerlernt hatte mich gut "anzupassen". Ich bin als Kind nicht als hochbegabt aufgefallen. Als klug,ja. Aber nicht als "außerordentlich" klug. Ich konnte meine HB nicht entfalten, war viel zu sehr mit familiären Problemen belastet und wurde eben nicht "gesehen.

Du siehst deine Kinder. Du schaust hin. Du beobachtest. Dir wird nicht entgehen, wenn deine Kinder leiden. Was du an deinem Sohn beobachtest ist für mich aus der Ferne erst einmal KEIN expliziter Hinweis auf Hochbegabung. Denn die Trotzphase durchleben alle Kinder. Der eine intensiver, der andere nicht so sehr. Da müssen wir Eltern alle durch, ob das Kind nun hochbegabt ist oder nicht.

Ich habe, wie du 3 Kinder.

Um dir zu verdeutlichen, dass sich Hochbegabung sehr unterschiedlich zeigt und auch nicht genau da das Kind sein Interesse haben muss, wo es die größte Begabung hat, hier kurz Beispiele: Der grade eingeschulte Sohn (Seit letzter Woche in der Schule) konnte mit grade 2 Jahre geworden korrekt sprechen (Passivsätze, Ich und Du Form, Konjunktiv, Zeiten, etc), Buchstaben und schreiben haben ihn immer nur sporadisch und mäßig interessiert. Er kann lesen (das Prinzip des Zusammenziehens) ohne es je gelernt zu haben, aber nicht die Buchstaben, somit kann er nur lesen, wenn er die Buchstaben "zufällig" kennt. Wir haben ihm die Buchstaben nicht gezeigt, da er nicht danach fragte. Zu viele andere Dinge waren immer interessanter... Auffällig ist seine Begabung im "auswendig" lernen. Er kann ein Buch oder Hörspiel oder Lied nach 1-2 Wiederholungen fast wörtlich wider geben. Er hat kürzlich von uns " die unendliche Geschichte" als Hörspiel geschenkt bekommen. Das besteht aus 2 CD's. Diese hat er dann nach dem 2. Mal anhören rauf und und runter erzählt :mrgreen: . Mit 2 war sein LIeblingsbuch Henriette Bimmelbahn, welches er nach 2-3 mal lesen, auswendig "nachlaß", wenn er die Bilder betrachtete. Lieder kann er meist schon nach einer Wiederholung. In diesem Bereich hat er 148IQ Punkte. Seine Verarbeitungsgeschwindigkeit laut Test liegt bei 95IQ-Punkten (was ich für nicht der Wirklichkeit entsprechend halte, er ist eigentlich sehr schnell und konzentriert, WENN ihm was Spaß macht!).

Zahlen faszinieren ihn schon immer, aber nur im "Kopf". Er rechnet im 100er Bereich sicher +/-. Multiplikation und Division im 20er Bereich sicher, darüber hinaus unsicher. Er fängt an im 1000er Bereich zu addieren. Das alles ohne unser Zutun. Er fragt, wir antworten. Er LIEBT Biologie und ist da in manchen Bereichen wirklich schon sehr detalliert informiert. Sein sehnlichster Wunsch zum Geburtstag ist ein Mikroskop. Laut Test ist sein mathematisch-logisches Denken bei 115 ;) , den Mosaiktest (quasi dreidimensionales puzzeln) hat er aber quasi verweigert, wobei der zu Hause alle Arten von Holz oder Metallknobelspielen liebt und immer sehr schnell löst :?: ...


Meine Mittlere hat mit 4 mit lesen und schreiben angefangen. Jetzt mit 5;3 kennt sie alle Großbuchstaben und hat sich das lesen mehr oder weniger selbst erschlossen. Sie fängt an, alles zu lesen, was sie erkennt und nach Gehör zu schreiben. Ich zwinge ihr nichts auf oder erkläre ihr ungefragt Dinge, lasse sie aber auch nicht hängen, wenn sie in dem Bereich etwas wissen möchte, sondern unterstütze sie in ihren Interessen.

Ich verstehe dein Dilemma und dass du teilweise das lernen deiner Tochter "unterbunden" hast, um der Schule nicht vorzugreifen. Bei meinem Sohn habe ich das anfangs auch noch gemacht. Aber ich habe, auch Dank des vielen Austausches hier ;), dass dies nur dazu führt, dass die Kinder JETZT schon frustriert sind und noch dazu eventuell ganz das Interesse an dem Thema verlieren... Ein intrinsisches Interesse sollte man also immer unterstützen! Rechnen macht sie so "nebenher". Manchmal erfragt sie eine "Aufgabe" und im Bereich bis 20 addiert sie im Kopf schon sehr schnell... Sie liebt Puzzles (im Gegensatz zum Sohn) und puzzelt selbstständig 100-200er Puzzle, nicht überragend außergewöhnlich, aber doch nicht Durchschnitt. Sie ist im Moment in einer schwierigen Phase, da sie schon seit einem halben Jahr jammert, dass sie auch in die Schule will und der großer Bruder eben grade eingeschult wurde...

Die Jüngste ist 2;7 Jahre alt, spricht fließend (bis auf die Aussprache :lol: ), interessiert sich sehr für andere Sprachen und nimmt teilweise auch schon Vokabeln auf und erkennt die unterschiedlichen Sprachen nach ihrem Klang (wenn wir englisch sprechen, dann blökt sie grundsätzlich immer ihr "fääängs!" (thanks) dazwischen, um zu signalisieren, dass sie weiß, dass wir englisch sprechen, bei spanisch kommt dann das GRAZIAS!), fängt an Buchstaben und Zahlen zu erfragen, rattert das ABC-Lied rauf und runter, ist SEHR vorsichtig und denkt immer mit (ungewöhnlich für das Alter), indem sie zum Beispiel erinnert, dass man sie an der Straße an die Hand nehmen muss, da sie ja noch ein Kleinkind ist oder dass sie nach Zecken abgesucht werden muss, wenn wir im Wald waren 8-) und neuerdings erfindet sie ulkige kleine Geschichten und veräppelt uns gern :).


Was deine Tochter, bzw. die Entwicklung deiner Kinder betrifft, so sind sicher einige Dinge "auffällig" und weisen auf Hochbegabung hin (das frühe sprechen beispielsweise, die Geschwindigkeit und die intrinsische Motivation, das frühe Interesse an Buchstaben...). Aber auch überdurchschnittliche kluge Kinder können schon SEHR auffallen im Gegensatz zu durchschnittlich begabten Altersgenossen, wenn sie dafür fleißig und motiviert sind, es ist kein BEWEIS sondern eben eher ein HINweis. Gewissheit wird dir nur ein Test bringen und dieser auch nur, wenn deine Tochter an dem Tag fit ist, die Testperson sympathisch ist und auch gut interpretieren kann und geübt ist im Umgang mit Hochbegabung. Je älter die Kinder werden, desto aussagekräftiger und sicherer ist das Testergebnis.

Die Frage ist für mich daher vielmehr: was ist mit DIR? Offensichtlich geht es nicht nur um deine Kinder, sondern du hast einiges bezüglich DEINER Kindheit und Jugend zu verarbeiten. Mir ging und geht es übrigens nicht anders und ich habe im Zuge meiner Recherche den ein oder anderen AHA-Moment gehabt. Sich weiter zu fragen ob du vielleicht hochbegabt sein KÖNNTEST, wird dir keine Klarheit geben. Das kann aber ein Test. Ich kann verstehen, wenn du zögerst. Man hat ja auch Bammel, das rauskommt, man ist "blöd" :mrgreen:. Aber wenn du Klarheit willst, musst du dich trauen. Es gibt Mensa, die diese Tests gegen einen fairen Betrag anbieten oder du kannst zu einem Psychologen zur Diagnostik gehen. Das ist der einzige Weg. Oder aber du machst deinen Frieden mit der Vergangenheit, erfreust dich an deinen fitten Kindern und lernst damit zu leben nicht zu wissen, OB und WIE schlau du bist.

Hochbegabung ist kein Fluch. Es ist eine GABE. Es ist etwas Schönes, klug zu sein, mehr wahrzunehmen als andere. Informationen schneller zu verarbeiten und auf andere Gebiete transferieren zu können, ist ein Geschenk. Auch wenn es nicht immer leicht ist, "anders" zu denken oder zu sein. Aber wenn es von den Eltern gesehen wird und unterstützt wird, ist das mindestens schon die halbe Miete! :fahne:

Wenn es nicht erkannt wird und nicht "gesehen" oder darauf eingegangen wird, kann es zur großen Last werden (muss aber nicht, das kommt auch auf die äußeren Umstände und den Charakter an). Das war es auch für mich. Ich bin übrigens definitiv hochsensibel, kein Zweifel. Das wusste ich mit Sicherheit, bevor mir klar wurde, dass der IQ-Test kein Zufall war ;). Auch kann es zu Problemen in der Schule oder im Beruf oder im zwischenmenschlichen Bereich kommen, man kann darüber depressiv werden oder extreme Selbstzweifel aufbauen, aber das kann auch einem nicht hochbegabten Kind passieren. Davor ist niemand geschützt. Die Ursachen sind dann nur andere...

Ich würde zu allererst, sofern es Tochter in der Schule grade gut geht, nach DIR schauen... Denn DICH scheint das Thema ja zu belasten.

Gruß,

Meine3
Meine3
Dauergast
 
Beiträge: 292
Registriert: Mo 11. Mär 2019, 10:55

Re: Hallo,

Beitragvon Auguste » Mi 18. Sep 2019, 22:55

Hallo Ruth,

Deine Geschichte kommt mir bekannt vor. Vor ein paar Monaten ging es mir nämlich genauso ;) Mein Sohn wurde getestet, weil er in der Schule auffällig war. Vor den Tests war von AD(H)S die Rede (Vermutung der Lehrerin) - danach wussten wir warum er "anders" ist. AD(H)S ist es nicht, sondern massive Langeweile in der Schule, weil er intelligenter ist, als die anderen Kinder.

Und dann fing das Lesen und Recherchieren bei mir an, die Rückschau ins eigene Leben und die Frage "Bin ich etwa auch...?" Ich habe mich nun entschlossen, selbst einen IQ-Test zu machen. Ich will jetzt diesen Zettel mit der Zahl und ein Ende der Ungewissheit und der Vermutungen. Ich brauche für mich Gewissheit - egal was bei dem Test rauskommt.

Ob bei dem Test nun ein IQ von mehr als 130 rauskommt oder nicht, ist mir dabei gar nicht wichtig. Man kann auch mit einem IQ von 116 bis 129 schon "anders" sein und sich nicht dazugehörig fühlen, auch wenn man dann nicht "hochbegabt" ist, sondern "nur" überdurchschnittlich intelligent. Überdurchschnittlich intelligent sind nämlich auch nur ca. 14 % der Bevölkerung ;)

Du hast Dir Gedanken gemacht, weil Deine Kinder "anders" sind, nachgelesen und Dich (teilweise) selbst wiedergefunden. Du darfst das ruhig glauben, was Du da über Dich herausgefunden hast. Wenn Du es nicht glauben kannst und Gewissheit haben möchtest, dann kann ich mich den anderen nur anschließen und Dir auch empfehlen, einen IQ-Test zu machen. Bei Mensa ist der nicht so teuer und zuverlässig.

Du scheinst im Moment sehr verunsichert zu sein - und Du sprichst über Hochbegabung so, als ob es eine Krankheit wäre:
-Dein Mann: "Er hatte starke Probleme mit der HB während gesamter Schulzeit"
-Du selbst:"Bei mir besteht der starke Verdacht auf HB"
-Die Kinder:"Wir haben uns gewünscht dass unsere Kinder keine HB haben"
Aber Hochbegabung ist keine Krankheit. Hochbegabung ist nichts Schlimmes. Hochbegabung ist ein Geschenk und kann dem "Beschenkten" viele Möglichkeiten eröffnen.

Ja, Hochbegabung kann auch Ursache für Probleme sein - wenn sie nicht erkannt und nicht ernst genommen wird. Das hast du und Dein Mann erfahren. Aber Euren Kindern muss das nicht genauso gehen - die haben ja Euch als Eltern ;)

Du schreibst, dass Du nicht glauben kannst, hochbegabt zu sein - weil Dein bisheriger Werdegang so gar "nicht nach Hochbegabung klingt". Das sehe ich anders. Dein Werdegang klingt ganz genau wie der, eines möglicherweise unerkannt (hoch-)begabten Mädchens ;) Verabschiede Dich von dem Gedanken, dass Hochbegabte immer überall die Besten sind oder bestimmte Sachen ganz besonders toll können, dass Hochbegabte nur 1er schreiben, in der Schule stets die Besten sind und alles locker flockig von der Hand geht. Hochbegabte können so sein - sie müssen aber nicht. Solche Lebensläufe wie Deiner sind gar nicht selten bei (unerkannt) Hochbegabten.

Wegen Deiner Kinder musst du Dir jetzt eher (noch) keine Sorgen machen, so lange Du aufmerksam bist und sie vor Allem nicht ausbremst. Also kein "Dafür bist Du noch zu klein", "Das ist nichts für Dich", "Das verstehst Du noch nicht" oder "Das lernst du in der Schule". Wenn sie Fragen stellen, dann beantworte diese. Wenn die Kinder also fragen, wie der Buchstabe heißt, dann sage es ihnen. Es bringt nichts, die Antwort auf solche direkten Fragen zu verweigern, aus Angst, die Kinder könnten sich in der Schule langweilen. Genau dieses "Ausbremsen" führt zu Frust bei den Kindern - nicht die Begabung ;). Suche gemeinsam mit dem Kindern nach Lösungen, wenn Du Fragen nicht beantworten kannst, lasse sie "forschen", "Experimente" machen und nimm sie ernst - egal womit sie zu Dir kommen.

Für die große Tochter kannst du z.B. Knobelhefte besorgen oder Geschichten zum Lesen. Dann muss sie in der Freizeit nicht die Schulhefte als Beschäftigung nehmen. Meine Kinder (Sohn, knapp 10 Jahre und Tochter 12 Jahre) konnten beide vor der Einschulung lesen - haben sie sich selbst beigebracht. Meine Tochter hat kurz nach der Einschulung angefangen, Gedichte und Geschichten zu schreiben. Sie bekam dafür ein dickes leeres Schreibheft von uns und war glücklich :) So hatte sie ihre Beschäftigung und ließ die Schulhefte für die Schule. Außerdem hat sie viele Bücher gelesen. Ein Bibliotheksausweis schont den Geldbeutel ;)

Dein kleiner "Wutzwerg" ist sicher gerade eine besondere Herausforderung. Aber auch das wird besser. Du hast ja schon einiges rausgefunden, was die Wutanfälle auslöst. Dann wirst Du auch bald herausfinden, wie ihr alle besser damit umgehen könnt. Meine Tochter hatte in dem Alter auch so eine extreme Phase. Da sind Stühle im Zimmer umhergeflogen und sie hat mit denen Löcher in die Türen geschlagen :o Sei wollte auch ihr Fenster einschmeißen, "das ganze Haus kaputt machen" und dann wieder ihre Koffer packen und ausziehen. Sie hat uns beschimpft und wahllos um sich geschlagen. So manches mal konnte ich den Kleinen Bruder gerade noch so aus der Schusslinie zerren, damit er nicht (aus Versehen) zu Schaden kommt :o .

Wir haben sie toben lassen und sind erst wieder zu ihr hingegangen, wenn sie sich beruhigt hatte - also nur als weinendes Häufchen Elend irgendwo herumsaß. Wenn wir sie vorher auch nur ansprachen oder versuchten, sie anzufassen, ist sie nur noch mehr ausgerastet. Tja, sie ist heute noch sehr impulsiv, hat sich aber insgesamt besser unter Kontrolle. Bei ihr ist die Ursache übrigens Müdigkeit. Wenn sie nicht ausgeschlafen ist, dann kann jede Kleinigkeit, die ihr nicht passt zu einem Wutanfall führen :roll:

Und Deine Kleine - ist einfach toll :) Freut Euch und macht Euch nicht so viele Sorgen ;) Nicht jedes kluge Kind wird zwangsläufig zum "Problemkind".

Ich denke, wenn Du erst mal mit Dir selbst ins Reine kommst, dann kannst du auch Deine Kinder wieder unbefangener sehen und Dich entspannter daran erfreuen, dass sie so schlau sind ;)

Gruß
Auguste
Auguste
 
Beiträge: 43
Registriert: Do 4. Jul 2019, 22:34

Re: Hallo,

Beitragvon Rabaukenmama » Do 19. Sep 2019, 17:09

Hallo Ruth,

erst mal herzlich willkommen hier :) . Ich bin Mutter von zwei Söhnen und selbst HB. Mein Mann hatte nur einen IQ-Test in der Grundschule, da kam ein überdurchschnittlicher Wert raus, aber nicht im HB-Bereich.

Mein älterer Sohn (9) ist und höchstbegabt im sprachlichen Bereich mit überdurchschnittlichem Gesamt-IQ (bei teilweiser Testverweigerung). Außerdem hat er ADHS und ist Asperger Autist.

Mein jüngerer Sohn (7) ist gehörlos und frühkindlicher Autist. Seit Gesamt-IQ ist gerade noch durschnittlich (beim letzten Test waren es 86), mit extremen Ausreißern nach oben und unten. Von geistiger Behinderung bis Hochbegabung ist alles dabei, auffällig ist vor allem eine Ausnahmebegabung im mathematischen Bereich und im räumlichen Vorstellungsvermögen.

Ich versuche mal, auf die Fragen von Dir einzugehen, auf die ich glaube, eine Antwort zu wissen und auf das, was mir sonst noch aufgefallen ist ;) !

Ruth87 hat geschrieben:Ab der 5Klasse wurden meine schulischen Leistungen dann sehr viel besser. Habe Schule aber immer als langweiligen Zeitvertreib betrachtet. Ohne Hausaufgaben oder lernen kam ich mit einem guten Realschulzeugnis davon. Es folgten Ausbildung, Fachhochschule in Abendform. Ein ungeliebtes Studium (in dem ich das Lernen lernen musste), dass ich nach ungefähr der Hälfte wegen Privater Probleme abgebrochen habe.
Irgendwie klingt das doch nicht nach Hochbegabung, aber in einigen Büchern die ich kürzlich wegen der Kinder las, hab ich mich dann doch oft wiedererkannt. Dinge die ich meinem sehr schlechten und unstabilem Elternhaus und der Tatsache zuschrieb, dass ich einfach schnell Erwachsen werden musste, stehen plötzlich in einem anderen Licht.


Was für eine Schule- und Berufslaufbahn klingt deiner Meinung nach nach Hochbegabung? Immer lauter Einser, vorzeitig eingeschult, zweimal gesprungen, einmal in der Grundschule und einmal am Gymnasium, Hochbegabtenzweig, Abitur mit Auszeichnung und mindestens Medizin-Studium in der Mindestzeit ;) ? Klar gibt es AUCH Hochbegabte, deren Weg so aussieht. Aber der Großteil hat doch (wie dein Mann es selbst erlebt hat) immer wieder Situationen mit "mißfits", was nicht immer an der Hochbegabung liegt, sondern auch oft an anderen Eigenschaften sowie an einer intoleranten, vorurteilsbelasteten Umgebung.

Ich habe ein Hauptschul-Abschlußzeugnis mit lauter "befriedigend" und eine Verkäuferinnenlehre gemacht. Klassischer Underarchiver, aber im Berufsleben habe ich trotzdem meinen Platz (im technischen Verkauf) gefunden und ich merke auch immer wieder, dass ich "schneller im Kopf" bin als viele meiner Kollegen und Kunden.

Ruth87 hat geschrieben:Wir haben uns gewünscht dass unsere Kinder keine HB haben, weil es nicht in unsere Gesellschaft passt. Wir haben schließlich selbst erlebt wie schwierig es ist, so anders zu sein, anders zu denken.
Aber 1. kommt es anders und 2. als man denkt


Och ja, meine uralte Freundin hat immer so lieb gesagt "Wünschen ist erlaubt!". Ich hätte mir meinen älteren Sohn aber gerne ohne ADHS und Autismus geschünscht und meinen jüngeren ebenfalls ohne Autismus und hörend :P . In den Begabungen meiner Jungs (für sich genommen) sehe ich kein Problem, ich bin im Gegenteil froh, mich nicht noch mit Schulkram rumärgern zu müssen :mrgreen: .

Ruth87 hat geschrieben:Da bekam ich das erste mal PANIK, zu viel zu früh....Was soll blos in der Schule kommen, wo mein Mann und ich schon so viele Probleme hatten ohne so irre früh solche Sachen zu machen.


Mein älterer Sohn konnte mit 18 Monaten perfekt buchstabieren (Groß- und Kleinbuchstaben), mit 3 Jahren und 9 Monaten nach Gehör schreiben und mit 4 1/2 Jahren sinnerfassend lesen (OHNE jegliches üben). Als er mit 6 1/2 Jahren regulär eingeschult wurde hatte er bereits über 100 Bücher selbst gelesen. In der Schule hatte er trotzdem seine Schwierigkeiten, nicht beim lernen aber beim sozialen Verhalten. Wir hatten auch deshalb nicht vorzeitig eingeschult und da seine Kluft zwischen kognitiven Fähigkeiten und sozial-emotionaler Kompetenz eher größer als kleiner geworden ist kam ein Klassensprung auch nie in Frage.

Ich finde nur schade, wenn sich Eltern kluger Kinder nicht einfach freuen können, wenn das eigene Kind "schnell im Kopf" ist, sondern gleich an Probleme denken und sich darüber den Kopf zerbrechen, wie man "es" (den kognitiven Vorsprung) möglichst verheimlichen kann, ohne dem Kind dabei zu schaden. Oder um nicht selbst als Eislauf-Eltern dazustehen...

Ruth87 hat geschrieben:Nun hat im August die erste Klasse angefangen. Mathe rechnet sie +/- im 100Bereich. Leichte Multiplikation. Im Sommer fing Sie an zu lesen. Sie hatte mir gezeigt das Sie so ziehmlich alles Buchstabieren kann und dann zeigte ich ihr endlich die kleinen Buchstaben. Die hatte ich ihr verweigert damit sie eben noch nicht anfängt zu lesen. und dann tja, nachdem sie eins dieser Vorschulhefte für 1.Klasse durchgearbeitet hatte fing sie einfach an zu lesen.
Sie meint Schule wird langsam spaßig. Was mich wundert, weil sie das alles kann. Da wird dieses Jahr nichts neues kommen, außer das schreiben üben. Die kompletten Arbeitshefte der 1.Klasse könnte sie in ihrem Tempo zu Hause wahrscheinlich in 1-2Wochen durcharbeiten.

Aber sie hat eine Freundin gefunden und vll ist das langweilen in der Schule vergleichbar mit dem stundenlangem Malen? Und wirklich OK für sie?
Ab wann sollte man da was machen, Klasse Überspringen? Lehrer darauf ansprechen? Oder lieber nicht?


Mein Motto hier lautet: Never change a running System! Ich sehe keinerlei Notwenigkeit für einen Klassensprung. Deine Tochter findet die Schule spaßig, hat in ihrer Klasse eine Freundin gefunden und zeigt keine psychosomatischen Auffälligkeiten wie Bauchschmerzen oder einnässen. Ich würde mir einen Sprung erst dann überlegen, wenn sie sich regelmäßig langweilt (und das auch kundtut) oder wenn du sonst merkst, dass es ihr nicht gut geht (z.B. eben durch psychosomatische Beschwerden).

Ruth87 hat geschrieben:Kind 2. ist 4 1/2.
Er war ein quasi immer lächelnder kleiner Sonnenschein bis ca. 21Monate. Da stellte sich ein Schalter um und es begannen mit der Trotzphase, unglaublich anstrengende 2-3Stunden dauernde Wutanfälle. Täglich 1-2mal, die nachts geträumt und in etwas weniges Zeit wiederholt wurden. Er schrie dabei schon 3Wortsätze, daher weiß ich warum er nachts wieder schrie.

Dabei war er völlig wie von Sinnen, nicht ansprechbar, Gewalttätig, ich konnte nur gucken dass er sich nicht selbst verletzt. Ihn in sicherer Umgebung ablegen und Toben lassen. Konnte das Zeitmäßig und Emotional nicht komplett begleiten. Bin dann alle paar Minuten zu im hingegangen und hab gefragt ob ich ihn Kuscheln soll, ob wir drüber reden wollen, uns Vertragen.
Irgendwann mit ca. 3 ½ Jahren wurden die Wutanfälle seltener, kürzer. Er schlägt nicht mehr um sich. Die Auslöser: Ortswechsel, morgens sich Anziehen, nicht weiterspielen können (trotz Vorankündigung). Wenn er etwas baut/bastelt/buddelt und es nicht gleich funktioniert. Wenn ich nicht sofort Zeit habe, wenn er etwas will. Wenn die große Schwester abends dran ist mit Gute Nacht Buch (geht mittlerweile meistens)aussuchen und sicher noch einiges andere.
Wenn ich sage: leg das Spielzeug weg (jeder Gegenstand wird bei seiner riesigen Phantasie zum Spielzeug), beende das Spiel weil wir Zähneputzen wollen, weil wir essen wollen, weil wir uns anziehen müssen…
Mittlerweile gibt es gute und schlechte Phasen...

Sind die Wutanfälle nun meine schlechte Erziehung? Bin ich nicht streng genug? Oder zu Streng? Unterforderung? Selektive ADHS? Konzentrieren kann er sich ja, wenn er will. Wobei er beim Buch angucken oder spiele Spielen auch viel Zappelt. Bewegung braucht er auch sehr viel. Dann ist er ausgeglichener. Zucker macht es auch meistens schlimmer mit ihm.


Mein jüngerer Sohn hat auch so Wutanfälle wie du sie beschreibst. Bei ihm sind das aber keine "normalen" kindlichen Wutanfälle sondern autistische Meltdowns (kann man googeln). Sie dauern zwischen 20 und 45 Minuten, vor einigen Jahren waren es aber noch bis zu 2 Stunden! Und mein Sohn hatte diese Anfälle damals (mit 4-5 Jahren) 3-10x pro Woche. Es ist genau so, wie du es beschreibst: Auslöser ist eine Kleinigkeit, dann "kippt" die Situation und mein Sohn kommt nicht mehr raus aus dem Frust. Er brüllt wie am Spieß, schlägt um sich, gebärdet immer dasselbe (sprechen kann er nicht wegen seiner Gehörlosigkeit) und ist absolut nicht zu beruhigen. Man kann nur daneben bleiben, aufpassen dass er sich nicht selbst verletzt, und warten, bis es vorbei ist. Es hilft auch nicht, ihm nachträglich das zu geben, was er ursprünglich wollte. Wenn der Schalter mal umgelegt ist geht gar nichts mehr.

Mit Erziehung hat das gar nichts zu tun. Als mein Sohn ca. 6 Jahre alt war, begann er während dieser Anfälle zu gebärden: "ICH MAG NICHT WEINEN! ICH MAG NICHT SCHREIEN! ICH MAG NICHT WEINEN! ICH MAG NICHT SCHREIEN!" während er nur geweint und gebrüllt hat. Das hat mir mehr als jeder "gute Tipp" wegen zu lascher Erziehung klar gemacht, dass es wirklich ANFÄLLE sind und mein Sohn selbst das Opfer ist und kein verzogenes Kind, welches seine Eltern mit dem Anfall erpressen will.

Mittlerweile sind die Anfälle viel kürzer und seltener geworden. Wir wissen aber mittlerweile auch, was meinem Sohn "zu viel" werden könnte, und achten auch Pausen, Freizeit und Einbeziehung in Entscheidungen. Denn letztendlich waren die Anfälle meistens eine Folge von Reizüberflutung. Jetzt hat sie mein Sohn noch so 1-2x im Monat, damit wir wissen, was wir in der Zeit, wo er sie nicht hat, an ihm haben :P .

Damit will ich nicht sagen, dass dein Sohn auch autistisch ist und ich habe auch keine Ahnung, ob neurotypische Kinder diese Anfälle auch haben. Aber für mich hört es sich absolut nicht nach einem Erziehungsproblem an, sondern eher nach einem Ventil nach einer Reizüberflutung.

Auch koschkas Vermutung, dein Sohn könnte ein autonomes Kind sein, teile ich. Mein jüngerer Sohn ist auch ein autonomes Kind. Es gibt hier einen alten Thread zu dem Thema: https://forum.klugekinder.at/viewtopic. ... 44&p=30763

Ruth87 hat geschrieben:Und wenn ich befreundeten Müttern freudig berichte " hey sie mag kneten und langweilt sich nicht mehr so arg, wärend ich Koche, Aufräume" Dann ernte ich meist merkwürdige Blicke. Mal sehen was da noch kommt.


Hier ist gaaaaanz wichtig, sich ein dickes Fell zuzulegen. Ich habe mit meinen Kindern nicht nur merkwürdige Blicke geerntet, sondern auch immer wieder besserwisserische Belehrungen über Erziehung selbstgefälliges auf-sich-selbst-stolz-sein von 1-Kind-Eltern, deren Kind zufällig "normgerecht" war. Was hättest du denn gern lieber - wenn deine Tochter ständig deine Aufmerksamkeit benötigen würde, oder dass sie sich selbst fröhlich neben dir beschäftigen kann? Na also :mrgreen: .

Im Übrigen liebe ich meine total "abnormale" Familie und habe alle Bilder, die ich jemals davon hatte, wie es "mit Kindern sein würde" längst gelöscht und getilgt und freue mich auf jeden neuen Tag mit meinen beiden besonderen Rabauken, auch wenn es manchmal wirklich schwer ist ;) .
Der liebe Gott schenkt uns die Nüsse, aber er knackt sie nicht (Johann Wolfgang von Goethe)
Rabaukenmama
Dauergast
 
Beiträge: 2351
Registriert: So 8. Dez 2013, 21:24

Re: Hallo,

Beitragvon Ruth87 » Sa 21. Sep 2019, 11:53

Danke für die lieben Antworten.
Ich denke, ihr habt recht und meine Sicht auf HB ist stark geprägt von unseren eher negativen Erfahrungen. Aber naja, die waren auch extrem und sicher auch durch unsere jeweiligen Elternhäuser und Charaktere mitgestaltet.
Bei meinem Mann waren es einige Jahre wirklich große Mengen weicher Drogen und Alkohol zum „Denken drosseln“, Selbstmedikation.
Bei mir waren es Depressionen, schon als Kind. Das kam sicher auch größtenteils durch meine sehr schwierige Kindheit und Jugend. Das Gefühl anders zu sein und die Tatsache dass ich schon in Grundschulzeiten im Kopf sehr viel weiter war als andere Kinder, schrieb ich eben der Tatsache zu, dass ich es musste. Quasi überlebenswichtig.
Als ich mit 15 das erste Mal eine Beratungsstelle aufsuchte….Der nette Herr war mehr damit beschäftigt mich und mein Wissen über soziale, psychische Sachen zu bestaunen, als mir zu helfen….und da hatte ich mich noch nie bewusst mit Psychologie oder ähnlichem beschäftigt. Es waren meine Rückschlüsse. Ich fühlte mich von ihm veralbert. Verstand nicht, warum das nicht jeder verstand/ durchschaute.
Ich empfand es als sehr unschön all das zu verstehen aber nicht umsetzen zu können. Das ständige analysieren und denken, denken, denken…
Und dann noch der andere Aspekt. Keinerlei Förderung. „Du redest zu viel, fragst zu viel “ Von allen Seiten wurde mir signalisiert das ich Falsch bin.
Heute ist es viel besser, viele ungute Denk Angewohnheiten konnte ich abstellen.
Und ja, durch schwere Zeiten zu gehen formt ja auch den Charakter. Man kann aus allem eine Lehre ziehen. Nur wer will schon freiwillig den schweren Weg aussuchen?

Darum, ja ich betrachte HB für die Kinder nicht wirklich als positiv. Wobei mir persönlich da der IQ Punkte Wert relativ egal ist. Ich sehe ja das Kind 1. Mit ähnlichen Problemen zu tun hat wie ich damals. Obwohl sie ein sicheres Elternhaus genießen darf.
Es war nicht einfach, meiner 3 jährigen erklären zu müssen, warum andere Lügen, keine Regeln befolgen (aber die sind doch Erwachsen Mama). Auch schon früh die Frage zu hören:“ Mama, wieso verstehen die das nicht?“ Zu sehen dass sie mit gleichaltrigen kaum auf einen Nenner kommt. Da geht schon ein Stück unbeschwerte Kindheit verloren.
Und ich weiß, es bringt nichts über verschütte Milch zu klagen.
Ich kann jetzt nur versuchen es ihr etwas leichter zu machen, sie zu begleiten und ein stabiles Fundament zu bieten. Dazu gehört halt auch, dass ich mich informiere. Mich vorbereite auf „was wäre wenn“ Fälle. Denn unsere Gesellschaft und das Schulsystem sind nicht für HB Kinder gemacht. Außerdem habe ich ihr schon früh gesagt, dass sie eben etwas weiter ist. Das sie Dinge kann und weiß, wie ein älteres Kind. Teilweise schon mehr als so mancher Erwachsener den ich so kenne :D Das das aber gut ist. Bei Papa auch genauso war/ist. Bei Mama auch. Und wir offen über alles reden können, damit wir helfen können.

Zu unserer Testung. Ja, ich möchte mich testen lassen. Um Sicherheit zu erlangen. Für mein Selbstbild, das ich jetzt, nachdem ich meine evt. HB entdeckt habe, wohl revidieren muss.
Mein Mann sieht da nicht so viel Sinn drin. Er weiß um seine Begabung und akzeptiert es schon lange. Er hat die wunderbare Gabe, schlechte Dinge (seine verkorkste Jugend) einfach ad Akda zu legen. Reine Kopf und Willenssache, meint er. Ein Ergebnis bringt ihm nichts.
Obwohl ich da für ihn Stellvertretend neugierig bin.
Wir haben mal vor einigen Jahren aus Spaß n Internet Test gemacht. Spät abends. Ich hatte 135Punkte. Er 130Punkte. Wobei er auch ständig wegen uneindeutiger Fragen meckerte und ich ihn drängeln musste weiter zu machen. Es war auch schon fast Mitternacht, als er den Test anfing.
Das fühlte sich schon gut an, besser als mein mega schlauer Mann abzuschneiden :D. Aber ich habe mir eingeredet, dass er weniger Punkte hat weil er nur mit halbem Kopf dabei war.
Und andererseits diese Tests bestimmt immer mehr Punkte angeben, damit die Leute es toll finden und weiter empfehlen. Ich war noch nicht so weit die Möglichkeit der HB für mich auch nur in Erwägung zu ziehen.

Die Kinder werden erst getestet wenn es erforderlich wird, oder sie selber es wollen. Bei Kind 2. Habe ich allerdings einen Termin bei einer Kinderpsychologin gemacht. Die soll einfach mal drauf gucken. Vll ist es ja auch eine festgefahrene Sache die mit ein paar guten Ratschlägen verbessert werden kann. Aber das kläre ich lieber jetzt, bevor wir es unnötig noch weiter mit uns rumschleppen.
Meltdown hört sich leider passend an. Das Autonome Kind trifft auf die beiden großen zu. Wobei das auch Dinge sind die ich in Bezug auf HB gelesen habe. Dinge nur tun, wenn sie Sinnvoll erscheinen. Starker eigener Wille, hohe Selbstständigkeit (Ich durfte keins meiner 3 Kinder mit Brei füttern, dass musste selbst gemacht werden oder es wurde verweigert, daher gab es sehr früh Breifrei bei uns)
Und ich habe schon bei Kind 1 gelernt, viele Kompromisse einzugehen. Alles zu erklären, zu begründen warum xyz gemacht werden soll. Sonst gabs da auch nur geschrei. Leider ist dieses Vorgehen für Kind 2 nicht immer ausreichend. Wenn er nicht will, ist jede Erklärung für ihn irrelevant

Und natürlich liebe ich meine Familie. Ich geieße es oft mit den Kindern über interessante Themen zu sprechen, Ihnen Dinge zu erklären. Ich bin nicht sicher was ich tun würde, wenn ich alles 10mal erklären müsste :D. Innerhalb unserer Familie passt alles (außer den Wutanfällen, die belasten nunmal alle sehr). Die Sorgen die ich habe, beziehen sich auf die erzwungenen Kontakte KiGa, Schule in denen es eben schwierig ist, wenn man seinem eigenen Alter in gewissen Aspekten weit vorraus ist.
Ruth87
 
Beiträge: 2
Registriert: Mi 3. Jul 2019, 09:39

Re: Hallo,

Beitragvon Rabaukenmama » Sa 21. Sep 2019, 19:07

Hallo Ruth,

die Neigung zu Depression bei Dir und auch der frühere Drogen- und Alkoholkonsum deines Mannes haben nichts mit eurer (bei dir eventuellen) Hochbegabung zu tun, sondern mit eurer Kindheit. Mein Mann dürfte in der Hinsicht deinem sehr ähnlich sein, zumindest was seine früheren Erfahrungen und auch die schwierige Kindheit betrifft ;) .

Hier habe ich einen sehr interessanten und vor allem seriös wissenschaftlich untermauerten Buchtipp dazu:

https://www.morawa.at/detail/ISBN-97834 ... gKE8fD_BwE

Niemand bekommt Depressionen oder ist anfällig für bewusstseinsverändernde Substanzen, "nur" weil er hochbegabt ist.

Deine Erfahrungen von der Beratungsstelle kann ich gut verstehen. So "etwas" wie du (nicht negativ gemeint :fahne: ) dürfte ihm einfach noch nicht oft untergekommen sein.

Heute weiß man, dass die Grundvoraussetzungen zum IQ genetisch bedingt sind, jedoch die Umweltbedingungen ausmachen, ob man sein Potential wirklich ausschöpfen kann oder nicht. So, wie die Körpergrüße genetisch bedingt ist, sofern es keine Mangelernährung (wie z.B. in der 3. Welt oder in Kriegsgebieten) gibt. Wenn eine Frau mit der genetischen Voraussetzung, 1,75 Meter groß zu werden, jedoch in der Kindheit wiederholt Hungerphasen erleben muss, wird sie vielleicht nur 1,65 Meter groß. Ein Mann, der genetisch 1,70 Meter groß werden würde, wird durch Hungersnot vielleicht nur 1,58 Meter groß - und somit auffällig klein.

Umgelegt auf den IQ bedeutet das: ein von der genetischen Anlage durchschnittlich intelligentes Kind (IQ 100) wird durch schwierige Familienverhältnisse, dauerbelastende Situationen, Ängsten von Unberechenbarkeit und ev. auch noch Gewalt oder Vernachlässigung mit 15 keinen IQ von 100 haben, sondern vielleicht nur noch von 90. Ein Kind mit genetischer Voraussetzung IQ115 wird sich unter solchen Bedingungen mit im Durchschnittsbereich bewegen. Aber wenn das Kind z.B. genetisch die Anlage zu einem IQ von 145 hat, wird es trotz der schwierigen Voraussetzungen mit 15 vom Wissen und den kognitiven Fähigkeiten her Gleichaltrige deutlich übertreffen. Und genau DAS wird dem Mann von der Beratungsstelle bei Dir aufgefallen sein - und da du ja augenscheinlich kognitiv sehr fit warst und dich vermutlich außerdem noch gut ausdrücken konntest, wird er AUF GRUND DESSEN deine psychische Verfassung für "nicht so schlimm" gehalten haben. Denn tatsächlich ist es aus oben genannten Gründen ziemlich selten, dass jemand aus schwierigen Familienverhältnissen durch hohe Intelligenz auffällt. Passt nicht ins Bild...

Kinder (und auch Erwachsene) mit IQ 130+ sind jetzt nicht so extrem selten, sondern machen 2% der Bevölkerung aus, Kinder mit IQ 145+ nur noch 2 Promille. Und entgegen allen Klischees GIBT es durchaus auch höchstbegabte Kinder, die nicht besonders auffallen und Kinder mit einem IQ im Bereich von 115-130 die von vielen Leuten für hochbegabt gehalten werden. Nicht immer ist das, was das Kind nach außen (oder auch bei einem IQ-Test) zeigt, das reale Bild.

Was deine Kinder betrifft haben sie das große Glück, deutlich bessere Startbedingungen zu haben als ihre Eltern :) . Wobei trotz allem auch bei Dir und deinem Mann die Intelligenz sicher auch in der Kindheit mehr hilfreich als sonst-was war (auch, wenn euch damals was anderes vermittelt wurde). Aber eure Kinder dürften dieselben Vorzüge haben, nur unter anderen Voraussetzungen - und daher sind die Ängste, dass ihnen eine eventuelle Hochbegabung Schwierigkeiten einbringen könnte, nicht begründet.

Es kann durchaus in der Zukunft noch die eine oder andere Situation auftreten, wo es tatsächlich auf Grund des kognitiven Vorsprungs "mißfits" geben kann - aber da reicht es, in der Situation zu agieren und vorausschauende Sorgen helfen niemanden ;) .
Der liebe Gott schenkt uns die Nüsse, aber er knackt sie nicht (Johann Wolfgang von Goethe)
Rabaukenmama
Dauergast
 
Beiträge: 2351
Registriert: So 8. Dez 2013, 21:24


Zurück zu Ich möchte mich vorstellen

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: Majestic-12 [Bot] und 1 Gast