Hallo, bin gerade sehr dabei mich zu hinterfragen...

Einfach nur über sich und seine Kinder erzählen

Hallo, bin gerade sehr dabei mich zu hinterfragen...

Beitragvon kleiner_gremlin » Sa 19. Dez 2020, 01:57

Hallo aus Österreich,
ich bin die glückliche Mama einer süßen 3,5-jährigen Tochter. Sie war seit der Geburt ein sehr...und ich meine sehr aufgewecktes Kind. Unglaublich interessiert, wacher Blick, frühes Aufrichten,....Das war damals so auffällig, dass wir häufig darauf angesprochen wurden. Ging soweit dass in der Spielgruppe ein Vater den Verdacht aufbrachte, dass sie eines dieser "Marskinder" sei. Das war schon schräg, aber wir haben darüber erst einmal nur gelacht. Dass sie wahrscheinlich einmal ein kluges Mädchen sein wird, haben wir uns aber schon gedacht.
Unmerklich haben wir dann aber immer mehr den Kontakt zu den Eltern gleichaltriger Kinder reduziert...oder wenn wir im Kontakt waren, und der Unterschied in der Entwicklung einfach so auffällig war, meist über ihr geringes Schlafbedürfnis gesprochen, und wie anstrengend das mit ihr ist (ja, sie ist unser kleiner Gremlin, süß und hübsch, aber die Nächte!!!), und alle möglichen kleinen Fehler von ihr erzählt und auch etwas aufgebauscht (Launen, Trotzanfälle).
Sie hat nicht extrem früh zu sprechen angefangen, sie wächst zweisprachig (deutsch/italienisch)auf, aber sie spricht beide Sprachen wirklich gut, Ganze Sätze, Gliedsätze, schöner Wortschatz, aber es ist nicht alles grammatikalisch korrekt.
Sie spricht viel in einer Phantasiesprache, allerdings sagte sie kürzlich vor dem Spiegel krasivaja dewotschka...also hübsches Mädchen auf Russisch. Sie schaut youtubevideos in allen möglichen Sprachen...Jetzt bin ich natürlich am Hinterfragen wieviel ihrer Phantasiesprache dann chinesisch, hebräisch, arabisch oder sonstwas ist. Ich spreche 6 Sprachen und ich habe schon auch Französischfetzen bei ihr gehört, aber alles verstehe ich auch nicht)
Zählen konnte sie sehr früh, Buchstaben erkennen und schreiben auch mit 2,5 Jahren und seit sie 3 ist, kann sie einfache Wörter schreiben. Sie kann all ihre Bücher auswändig und "liest" seitenweise Wort für Wort korrekt daraus vor . Das finde ich nicht sonderlich beeindruckend, ich habe selbst ein sehr gutes Gedächtnis und in memory kann ich sie immer noch schlagen. Im Lesen wurde sie auch gefördert, weil ich eine unglaubliche Leseratte bin und als sie von selbst Interesse an den Buchstaben zeigte, habe ich ihr welche zum Anfassen gekauft. Binnen eines Monats kannte sie alle, dann hat sie das ganze ein paar Monate nicht interessiert, ich habe sie wegeräumt, bis sie wieder danach gefragt hat. Dann hat sie die Wörter geschrieben.
Achso, laut einer Frühförderin sind ihre Zeichnungen bemerkenswert und weisen auf eine sehr weit entwickelte Wahrnehmnung hin.
Sie kann jetzt auch im Zehnerraum rechnen. Als ich sie fragte warum, sagt sie, dass eine Erzieherin im Kindergarten ihr das gezeigt hat.
und jetzt bin ich eigentlich an dem Punkt, an den ich kommen wollte. Vor 4 Wochen wollte die Erzieherin beim Abholen kurz mit mir reden. Ich sagte Ohje . Aber sie sagte, Elisa habe beim Zeichnen Wörter geschrieben. Also Elisa, Oma, Papa, Auto, Ei, Hund...Meine Reaktion war Erleichterung, dass es nicht Schlimmeres war, dann sagte ich nur, ja, ein paar leichte Wörter kann sie schon schreiben. Aber schon blöd, dass sie immer noch nicht die Windel hergeben will.
Heute hat mich die Erzieherin wieder darauf angesprochen, dass die Kleine ja so auffallend tüchtig ist und dass sie sich noch einmal meine Beschreibung angesehen haben, die ich abgegeben habe, als ich sie zur Eingewöhnung brachte. Und dass sie daraufhin glaubten, der kleine Gremlin wäre ein irrsinnig problematisches Kind...dabei ist sie nur extremst schüchtern am Anfang, ansonsten ein auffallend kluges, sozial kompetentes Kind ...und ich sagte, ja, natürlich hat sie auch Vorteile....
Und jetzt frage ich mich, wie oft ich eigentlich vor ihr mit anderen "schlecht" über sie geredet habe und ob ihre extreme Schüchternheit bei Fremden, die eigentlich der einzige problematische Zug an ihr ist, von mir ausgelöst oder verstärkt wird, weil sie vor Fremden immer etwas "heruntergemacht"wird. Und dass sie vor Fremden von ihrem Wissen eigentlich nichts zeigt, Babysprache spricht, sogar soweit geht, wieder auf dem Boden herumzukrabbeln...
Also, ruiniere ich gerade das Selbstwertgefühl meiner Tochter, vor lauter Angst, jemand könnte bemerken, dass sie klug ist????
Sorry, wenn das irgendwie off topic in diesem Forum ist, aber das beschäftigt mich gerade extrem...
lg
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Re: Hallo, bin gerade sehr dabei mich zu hinterfragen...

Beitragvon koala27 » Sa 19. Dez 2020, 02:16

Hallo kleiner Gremlin

jetzt nur ganz kurz-- muss dringend ins Bett

schau mal im Forum unter "Alltag-- Reaktionen anderer Eltern/Kinder und Missfit" da findest du genau sowas von anderen Eltern wieder.
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Re: Hallo, bin gerade sehr dabei mich zu hinterfragen...

Beitragvon kleiner_gremlin » Sa 19. Dez 2020, 13:46

Danke für den Tipp, das scheint ja bei vielen ein Problem zu sein, nicht nur bei mir...Ich bin irgendwie erleichtert, dass nicht nur ich instinktiv so reagiere, sondern dass das auch anderen so geht...
Natürlich möchte ich, dass meine Maus ein gutes Selbstwertgefühl entwickelt und sich auch traut, sich vor anderen zu zeigen...aber die Angst, dass sie ausgeschlossen oder gemobbt werden könnte, ist irgendwie größer...
lg!!!
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Re: Hallo, bin gerade sehr dabei mich zu hinterfragen...

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Sa 19. Dez 2020, 14:53

Dein Kind wird sich selber entscheiden, ob sie sich anpasst oder neunmalklug spielt. Darauf hast du wenig Einfluss. Mädchen tendieren eher zu der ersten Variante. Sie geben viel auf für die soziale Akzeptanz. Meine Tochter ist 14 und meine Erfahrung sagt mir, dass man mehr über fordernde Lehrer erreicht, die dem Kind zeigen, was es kann, als mit den Gesprächen und Erziehung zuhause. Das Kind muss für seine Leistung gelobt werden und es soll wirklich Leistung sein, und nicht das was man eher mit linkem Fuß kann, weil man so reicht beschenkt wurde. Beobachtet genau die Interessen eurer Tochter. Es kann alles sein, von Kunst bis Sport, wofür sie bereit ist sich anzustrengen. Am leichtesten geht es in den sehr jungen Jahren mit Musik. Ab 3,5-4 kann man schon einige Instrumente spielen.
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Re: Hallo, bin gerade sehr dabei mich zu hinterfragen...

Beitragvon Starshollow » Sa 19. Dez 2020, 16:45

Bei uns war es ganz genau so!!!! Meine Tochter war allerdings nicht nur schüchtern, sondern auch sehr trotzig und ist immer noch ein eher ernstes Kind. Ich habe auch häufig ihre "Fehler" vorgeschoben und sie auffälliger gemacht, als sie war. Eben weil gleichzeitig so auffällig war, dass sie anders und extrem fit ist. Heute mache ich das nicht mehr. Ich finde es super, dass du selbst reflektierst und dein Verhalten in Frage stellst. Wir als Eltern machen eben nicht immer alles richtig, aber wir lernen halt dazu ;-)

Aktuell muss die Maus übrigens die Früchte von "Erzählungen" ausbaden. Sie ist auf die weiterführende Schule gekommen, auf die auch die Tochter eines entfernten Verwandten geht. Anscheinend ist in unserer Familie der Klassensprung und ihre Entwicklung über die Buschtrommeln schön weitergetratscht und immer weiter aufgebauscht worden "Sie ist so superschlau....". Meine Tochter wird nun von Freundinnen des Mädchens auf dem Flur unter viel Gekicher angesprochen und ziemlich blöd angemacht "Na, du Superhirn". Ich finde das fruchtbar, weil sie doch gar nichts dafür kann und nur das Opfer von Getratsche ist. Sie ist darüber vollkommen empört und war beim Erzählen schon sehr angegriffen....

Fazit: es ist super wichtig, dass wir für unsere Kinder einstehen und sie nicht rechtfertigen. Sie haben uns als Eltern, die sich für sie einsetzen können und müssen. Ansonsten kommt da keiner.....
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Re: Hallo, bin gerade sehr dabei mich zu hinterfragen...

Beitragvon Meine3 » Mo 21. Dez 2020, 13:49

Hallo,

als sozial kompetenter Mensch versucht man ja schon irgendwie immer sich nicht so sehr von der Masse abzuheben, sondern sich anzupassen. Insbesondere bei klugen Mädchen und Frauen ist das sehr schön zu beobachten. Und auch das ist eine Gabe, aber man muss sehr aufpassen, dass es nicht zur Belastung wird.

Also ja: ich kenne dieses "kleinmachen" oder eher von den Problemen sprechen gegenüber anderen Müttern insbesondere aus der Kleindkindzeit meiner Kinder noch sehr gut und ich habe dennoch oft "blöde Blicke" oder skeptische Kommentare erhalten, wenn andere gesehen haben, wie fix meine Kinder im Gegensatz zu ihren gleichaltrigen Kindern waren. Oft wurde mir unterstellt, ich würde meine Kinder "pushen", dabei ist eher das Gegenteil der Fall gewesen, ich habe sie manchmal eher gebremst.

Jetzt dazu ob das gut oder schlecht ist:

Ich mag das garnicht so bewerten. Es ist "menschlich". Aber: man muss insbesondere bei Mädchen sehr drauf achten, dass sie sich selbst schätzen lernen: ihre Fähigkeiten, ihr Potenzial. Meine große Tochter kommt da leider nach mir: sie ist perfektionistisch und vergleicht sich gern mit dem einen Kind, das vielleicht in einer Disziplin etwas weiter ist (bei ihr wäre das dann eher körperliche Fähigkeiten), als dass sie anerkennt und stolz darauf ist, dass sie wunderschön malt, bastelt, lesen und schreiben konnte bevor sie in die Schule kam, im Ubongo und Memory quasi unschlagbar ist, etc.pp.

Da ich 3 Kinder habe, hatte ich viel Zeit zum "üben" ;) . Mittlerweile rede ich die Fähigkeiten meiner Kinder nicht mehr klein, ich hebe sie aber auch nicht hervor. Werde ich darauf angesprochen wie gut meine Kleine spricht, oder dass mein Großer (8 Jahre, 2. Klasse) liest wie ein Erwachsener, bestätige ich kurz mit einem "ja, meine Kinder sind fit/schnell." Und das wars.

Austauschen tue ich mich dann eher in Elterngruppen vom DGhK oder eben hier. Denn hier kann man sich auch ungeniert über die Fortschritte oder die Fähigkeiten seiner Kinder freuen, ohne dass man als Angeber oder ähnliches abgestempelt wird.

Meine Kleine ist jetzt bald 4. Und sie ist auch unheimlich interessiert an Sprachen. Nach 2 Wochen Schottland sprach sie einzelne englische Wörter und behielt diese auch (sie war grade 2 geworden) und erfragte danach oft noch wie bestimmte Gegenstände oder Wörter auf englisch heißen.

Ich bin hier grade in Reha und wenn die "Omi", die ich hier kennen gelernt habe, stolz von ihren Enkeln berichtet, dann schweige ich meistens. Denn ihre Enkel sind eher "gemütlich" unterwegs (so spricht der 3,5 Jährige wie meine Kinder mit 1,5 gesprochen haben). Als ich dann doch mal was von meinem Kind erzählte (nämlich, dass der Älteste grade einen Faible für Kolibris hat), da schaute sie ganz irritiert, ja sogar misstrauisch und meinte nur "das ist aber komisch". Klar. Ihr 8 jähriger Enkel interessiert sich für Fussball und Traktoren. Also bin ich wieder ruhig.

Kluge Kinder zu haben ist etwas schönes. Es ist eine Gabe. Aber gesellschaftlich betrachtet bringt Begabung oder Hochbegabung eben oft auch Probleme mit sich und die gehen sehr oft nicht vom Kind aus, sondern wie die Gesellschaft oder auch unser Schulsystem auf kluge Kinder reagiert.

Alles Gute
Zuletzt geändert von Meine3 am Di 29. Dez 2020, 16:24, insgesamt 1-mal geändert.
Es kann sein, dass nicht alles wahr ist, was ein Mensch dafür hält, denn er kann irren, aber in allem, was er sagt, muss er wahrhaftig sein.
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Re: Hallo, bin gerade sehr dabei mich zu hinterfragen...

Beitragvon Rabaukenmama » Mo 21. Dez 2020, 16:53

Hallo kleiner Gremlin!

Erst mal ganz herzlich willkommen hier! Du bist schon richtig :) .

Meine Jungs sind mittlerweile 10 und 8 Jahre alt und - wie ich immer sage - Kinder mit viel Licht und viel Schatten. In diesem Forum bin ich wegen meinem älteren Sohn, der schon sehr früh kognitiv sehr fit war: Buchstabieren von Groß- und Kleinbuchstaben und Lesen von 2stelligen Zahlen am 2. Geburtstag, Lesen einzelner Wörter und sicher plus/minus rechnen im 10er Raum mit 3 Jahren, auswendig-können von mind. 30 Liedern und 30 Büchern mit 3,6 Jahren, nach Gehör schreiben mit 3,9 Jahren,...

Mittlerweile hat mein älterer Sohn mehrere Diagnosen: Asperger Autismus, ADHS und einen IQ-Wert im Höchstbegabungsbereich im sprachlichen Testteil. Wobei der Gesamt-IQ gar nicht im HB-Bereich war, sondern "nur" überdurchschnittlich. Das kann aber auch den beiden Behinderungen geschuldet sein, die das Testergebnis oft verfälschen. Grundsätzlich gilt ja ein IQ-Test als "nicht auswertbar" wenn die Unterergebnisse mehr als 30 IQ-Punkte auseinanderliegen. Bei meinem älteren Sohn waren es mehr als 60!

Mein jüngerer Sohn ist ebenfalls Autist und außerdem gehörlos. Auchs ein IQ-Test ist nicht auswertbar mit einer Differenz von über 70 IQ-Punkten zwischen bestem und schlechtestem Unterergebnis. Der rechnerische Wert wäre ein IQ im unteren Durchschnittsbereich, mit Außreißern nach unten in Richtung geistige Behinderung und nach oben in Richtung Hochbegabung. Seine Stärken liegen im mathematischen Bereich und im dreidimensionalen Denken.

Damit mal genug von uns. Ich finde super, dass du dein Verhalten anderen gegenüber hinterfragst und darüber nachdenkst, ob die Weise, auf die du mit der Fitness deiner Tochter umgehst, auch für sie gut ist. Wie du an den Antworten der anderen gelesen hast ist es durchaus üblich, dass Eltern von kognitiv sehr fitten Kindern diese eher "klein machen" um nur ja nicht als Angeber oder Eislaufeltern dazustehen. Hier unterscheide ich mittlerweile zwischen dem Wohn meines Kindes und meinem eigenen Ego. Ich hinterfrage: Geht es mir darum, dass mein Kind (unter anderen Kindern) anerkannt wird, oder geht es mir darum, wie ich selbst von den anderen Eltern gesehen werde? Meine Erfahrung im Kindergartenalter ist da ganz klar: die Kinder, die mein Kind mögen, tun das ganz einfach! Sie scheren sich nicht darum ob es vielleicht was besser oder schneller kann, sie mögen einfach oder mögen nicht! Das ist auch das Alter, in dem sich Kinder auch von (möglicherweise) skeptischen Eltern nicht sagen lassen wer für sie der passende "Umgang" ist und wer nicht ;) .

Im Kindergartenalter hatte mein älterer Sohn zwar keine Freunde (hat er bis heute nicht), aber da alle dort natürlich mit seinen Talenten umgegangen sind, war er gut in der Gruppe integriert. Er war halt das Kind, welches schon lesen konnte und welches mit 4 besser gezeichnet hat als andere 6jährige. Das wurde genauso wenig hervorgehoben wie die Tatsache, dass er bis zum Alter von 5,6 Jahren auch tagsüber Windeln gebraucht hat (nach einer trockenen Phase mit 3,6 Jahren). Auch die meisten Eltern haben neidlos hingenommen dass mein Sohn kognitiv sehr fit war. Natürlich gab es aber auch einige Ausnahmen. Ich erinnere mich als mein Sohn seine Geburtstageinladung (die er von einem anderen Kind bekommen hat) in der Garderobe laut gelesen hat. Eine andere Mutter war auch dabei und die fragte mich verwirrt "Hat er das jetzt GELESEN?". Blöde Frage, was sonst? Aber ich habe nur nett genickt ohne weiter darauf einzugehen. Diese Mutter kam dann so zuckerlsüß zu meinem Sohn und fragte, ob er WIRKLICH schon lesen kann (was wäre unwirklich :gruebel: ?), was er bejahte. Gleich drauf kam natürlich die nächste Frage "Und, hat dir das die Mama beigebracht?" worauf mein Sohn ganz cool und wahrheitsgemäß antwortete: "Nein, das hat sich mein Kopf selbst beigebracht". Ende der Diskussion :mrgreen: . Ich fand seine Reaktion damals total cool.

Durch meinen jüngeren Sohn, der von Außenstehenden als nicht-sprechendes und lautierendes Kind grundsätzlich für geistig behindert angesehen wird, kenne ich auch die Reaktionen auf die "andere Seite". Während auch ich bei meinem älteren Sohn zumindest anfangs noch instinktiv darum bemüht war, nicht mit ihm "anzugeben" (denn so wäre es meiner Meinung damaligen Meinung nach rübergekommen) habe ich mich bei meinem jüngeren Sohn öfter aufgerufen gefühlt, zu erwähnen, dass er normal intelligent ist. Aber das war genauso fehl am Platz. Die anderen Eltern haben dann ganz glasige Augen bekommen und lächelnd genickt und "Ja natürlich!" gesagt und ich konnte hinter ihren Stirnen lesen dass sie dachten "Ach klar, die arme Mutter will die offensichtliche geistige Behinderung ihres Kindes nicht wahr haben!".

Mittlerweile rede ich gar nichts mehr darüber was meine Kinder können und was nicht. Wer es wissen will wird es rausfinden, wer Vorurteile haben will wird Gründe dafür finden. Je mehr ich früher betont habe, NICHT mit meinem Kind zu Hause stundenlang was zu üben, desto überzeugter waren vorurteilsbehaftete Menschen, dass es doch so ist. Und den meisten anderen war es schlichtweg nicht so wichtig, da hätte ich mich nicht so ins Zeug legen müssen um zu beweisen dass ich meinen Sohn nicht ständig pushe.

Bei deiner Schilderung wie du deine Tochter beschreibst ist mir aufgefallen, dass du eher ihre Schwächen betonst und das, wo sie "schwierig" ist. Das halte ich generell für keine gute Sache. Denn gerade kluge Kinder sehen darin so etwas wie Tatsachen und wenn deine Tochter mitbekommt, dass du diese oder jene Eigenschaft oder Eigenheit von ihr als "sehr schwierig" siehst, dann kann sich genau DAS verfestigen und deine Aussagen werden zu selbsterfüllenden Prophezeiungen. Vor allem Schüchternheit oder schlechter Schlaf sind solche Dinge. Das kann von einem jungen Kind leicht als unveränderliche Tatsache wahrgenommen werden.

Und ich sehe so "jammern" über das eigene Kind auch von der Sicht der Mutter mit wirklich schwierigen und teilweise extrem auffälligen Kindern. Wenn mir andere Eltern von den Wutanfälle ihrer Kinder erzählt haben (die de facto nach spätestens 5min vorbei waren) musste ich gehen, weil ich das nicht ausgehalten habe. Ich bin Mutter eines Kinder mit autistischen Meltdown-Anfällen mit 30-120 Minuten Dauer, wo ständig geschrieen, getreten und geschlagen wird. Ich käme mir total dämlich vor, eine Mutter zu trösten, weil ihr Kind im Supermarkt 3 Minuten geschrieen hat, weil es keine Schoki bekommen hat. Umgekehrt wolle ich auch nie unsere Situation so öffentlich darstellen, weil ich selbst kein Mitleid wollte, daher konnte ich auch nicht sagen "Scheiß dich nicht an, das ist doch lächerlich!"(wonach mir tatsächlich oft gewesen wäre).

Ich schreibe außer hier auch noch in einem Forum für Eltern von behinderten Kindern. Und da lese ich auch immer wieder wie denen sauer aufstößt, wenn andere Eltern so tun, als wären ihre klugen und kognitiv offensichtlich fitten Kinder in anderer Hinsicht so furchtbar schwierig und anstrengend. So gesehen bin ich froh, dass du hier schreibst, denn so kann ich vielleicht ein bisschen vermitteln und zeigen, dass zu-den-Talenten-des-Kindes-stehen oft viel weniger schlimm gesehen wird als das hervorheben der Schwierigkeiten ;) .

Deine Tochter ist ein tolles, kluges Mädchen! Wenn andere das auch so sehen kannst du einfach stolz nicken :) . Es ist nicht notwendige noch zu erwähnen was sie alles NICHT so gut macht und wo sie dir schwieriger erscheint als andere Kinder. Vermutlich wirst du schon nach einigen Tagen, wo du bewusst anders (re-)agierst als bisher, eine positive Veränderung am Verhalten deiner Tochter feststellen. Wenn du z.B. nicht die Schüchternheit in den Vordergrund stellst, sondern sagst, dass sie sich nach etwas Eingewöhnungszeit klug und kreativ zeigt, kann auch das eine selbst erfüllende Prophezeiung werden.
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Re: Hallo, bin gerade sehr dabei mich zu hinterfragen...

Beitragvon kleiner_gremlin » Do 24. Dez 2020, 00:45

Hallo, danke für eure Antworten,
es tut mir led. dass ich erst jetzt antworte, aber ich hatte schon geschrieben und dann ist mein Computer abgestürzt und...

Katze_keine_Ahnung hat geschrieben:Dein Kind wird sich selber entscheiden, ob sie sich anpasst oder neunmalklug spielt. Darauf hast du wenig Einfluss. Mädchen tendieren eher zu der ersten Variante. Sie geben viel auf für die soziale Akzeptanz. Meine Tochter ist 14 und meine Erfahrung sagt mir, dass man mehr über fordernde Lehrer erreicht, die dem Kind zeigen, was es kann, als mit den Gesprächen und Erziehung zuhause. Das Kind muss für seine Leistung gelobt werden und es soll wirklich Leistung sein, und nicht das was man eher mit linkem Fuß kann, weil man so reicht beschenkt wurde. Beobachtet genau die Interessen eurer Tochter. Es kann alles sein, von Kunst bis Sport, wofür sie bereit ist sich anzustrengen. Am leichtesten geht es in den sehr jungen Jahren mit Musik. Ab 3,5-4 kann man schon einige Instrumente spielen.


Danke für die Tipps, Instrumente haben sie bisher noch nicht interessiert, aber sie spielt Fußball (ja das schüchterne Mädchen ist zuhause ein frecher Wildfang mit einer Unmenge an Energie) mit dem Papa und sie bastelt und zeichnet viel. Sie ist feinmotorisch auch ziemlich gut, aber da muss sie sich schon sehr anstrengen, wenn ich sie die Bastelarbeiten ab 5/6 machen lasse.
Also was Lesen und Schreiben und Rechnen betrifft, kriegt sie alle Antworten, die sie will und wenn ich das Gefühl habe, dass sie das jetzt wirklich brennend interessiert, kaufe ich ihr auch Spielzeug und Bücher zu dem Thema, aber "übern" muss sie dann allein, ich arbeite Vollzeit, also viel kann ich sie nicht unterstützen.

Starshollow hat geschrieben:Bei uns war es ganz genau so!!!! Meine Tochter war allerdings nicht nur schüchtern, sondern auch sehr trotzig und ist immer noch ein eher ernstes Kind. Ich habe auch häufig ihre "Fehler" vorgeschoben und sie auffälliger gemacht, als sie war. Eben weil gleichzeitig so auffällig war, dass sie anders und extrem fit ist. Heute mache ich das nicht mehr. Ich finde es super, dass du selbst reflektierst und dein Verhalten in Frage stellst. Wir als Eltern machen eben nicht immer alles richtig, aber wir lernen halt dazu ;-)

Fazit: es ist super wichtig, dass wir für unsere Kinder einstehen und sie nicht rechtfertigen. Sie haben uns als Eltern, die sich für sie einsetzen können und müssen. Ansonsten kommt da keiner.....


Deine Töchter hören sich superspannend an, und dann noch im Doppelpack! Aber besonders berührt hat mich dein letzter Satz, den werde ich mir zu Herzen nehmen.

Meine3 hat geschrieben:Also ja: ich kenne dieses "kleinmachen" oder eher von den Problemen sprechen gegenüber anderen Müttern insbesondere aus der Kleindkindzeit meiner Kinder noch sehr gut und ich habe dennoch oft "blöde Blicke" oder skeptische Kommentare erhalten, wenn andere gesehen haben, wie fix meine Kinder im Gegensatz zu ihren gleichaltrigen Kindern waren. Oft wurde mir unterstellt, ich würde meine Kinder "pushen", dabei ist eher das Gegenteil der Fall gewesen, ich habe sie manchmal eher gebremst.


Danke für deine Erfahrungen. Bremsen tue ich die Kleine nicht, das haben meine Eltern mit mir gemacht, als ich klein war...und ich war stinksauer....aber pushen tue ich sie auch nicht, weil ich der Meinung bin, dass Spielen und Herumtollen draußen in der Natur eigentlich das Wichtigste und Schönste ist....Da pushe ich wirklich etwas, aber das glaubt mir natürlich keiner ;-)))

Meine3 hat geschrieben:Hallo,


Da ich 3 Kinder habe, hatte ich viel Zeit zum "üben" ;) . Mittlerweile rede ich die Fähigkeiten meiner Kinder nicht mehr klein, ich hebe sie aber auch nicht hervor. Werde ich darauf angesprochen wie gut meine Kleine spricht, oder dass mein Großer (8 Jahre, 2. Klasse) liest wie ein Erwachsener, bestätige ich kurz mit einem "ja, meine Kinder sind fit/schnell." Und das wars.

Austauschen tue ich mich dann eher in Elterngruppen vom DGhK oder eben hier. Denn hier kann man sich auch ungeniert über die Fortschritte oder die Fähigkeiten seiner Kinder freuen, ohne dass man als Angeber oder ähnliches abgestempelt wird.

Meine Kleine ist jetzt bald 4. Und sie ist auch unheimlich interessiert an Sprachen. Nach 2 Wochen Schottland sprach sie einzelne englische Wörter und behielt diese auch (sie war grade 2 geworden) und erfragte danach oft noch wie bestimmte Gegenstände oder Wörter auf englisch heißen.

Kluge Kinder zu haben ist etwas schönes. Es ist eine Gabe. Aber gesellschaftlich betrachtet bringt Begabung oder Hochbegabung eben oft auch Probleme mit sich und die gehen sehr oft nicht vom Kind aus, sondern wie die Gesellschaft oder auch unser Schulsystem auf kluge Kinder reagiert.
Alles Gute


Ja, das ist gut, das ganze einfach bejahen, aber ohne dem große Bedeutung geben...ich sage auch oft, sie ist halt ein sehr aufgewecktes Kind, ...muss nur noch lernen das aber wegzulassen ;-)
Das wäre schön, wenn unsere Kleinen miteinander spielen könnten...sie sind ja fast gleich alt..und dann könnte man sich gefahrlos austauschen...

[quote="Rabaukenmama"]Hallo kleiner Gremlin!

Erst mal ganz herzlich willkommen hier! Du bist schon richtig :) .


Hallo Rabaukenmama, danke dir für deine ausführliche Rückmeldung. Du hast aber wirklich 2 Kaliber bei dir. So weit ist mein kleiner Gremlin eindeutig nicht, sie hat ihre Phasen, wo sie sich extrem schnell entwickelt, aber dann will sie wieder ein paar Monate nur Peppa spielen ;-)) Und das passt auch genau so.

Und natürlich bin ich mir bewusst, dass die Herausforderungen, die andere Eltern zu bewältigen haben, noch einmal ganz andere sind...aber das mit dem Schlaf beim Gremlin ist wirklich belastend. Ich bin selbst chronisch krank und die Kleine hat noch nie durchgeschlafen. Bis zu ihrem 3. Geburtstag war es für mich normal, dass ich 6-8mal die Nacht von ihr geweckt wurde---und die Nacht dauert bei ihr im Schnitt 9,5 Stunden...Aber es gab auch viel zu viele Nächte, wo ich nach dem 13mal aufgehört habe zu zählen. Seit einem halben Jahr weckt sie mich nur noch 3-4 in der Nacht (seitdem gehe ich wieder Vollzeit arbeiten)...Also, ich habe seit ihrer Geburt keine einzige Nacht mehr länger als ein paar Stunden am Stück geschlafen...und das sieht man und merkt man mir auch an, zeitweise habe ich eine so verlangsamte Reaktionszeit, dass ich mich mit dem extremen Schlafmangel auch entschuldigen muss..Und wenn meine Freundin, mit ihrer 14 Stunden durchschlafenden Tochter gejammert hat, dass ihre Kleine nicht soweit ist, war es einfach zu sagen, dass das nicht daran liegt, dass meine Tochter intelligenter ist, sondern dass sie täglich 4 Stunden länger wach ist und deshalb natürlich viel mehr Zeit zum "Üben" hat.

Das mit der self fulfilling prophecy muss ich mir wirklich hinter die Ohren schreiben...ich verfestige sicher ihr Verhalten, indem ich die Schüchternehti immer wieder so betonen. Sie kam für uns nur einfach so überraschend. Eine Kehrtwende um 180° mit 1.5 Jahren. Sie ist ja bis zu ihrem 2. Geburtstag in Italien aufgewachsen und da war sie so offen und von der ganzen Gasse adoptiert...und ich weiß, dass das natürlich einfach auch entwicklungsmäßig bedingt sein kann, aber der Umschwung war extrem und irgendwie hoffen wir immer noch darauf, dass sich das wieder ändert.

Danke, für all die positive Energie die in deinem Beitrag herüberkommt. ich werde versuchen, deine Anregungen zu beherzigen.
Ihr seid eine tolle Truppe
Danke
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Re: Hallo, bin gerade sehr dabei mich zu hinterfragen...

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Sa 26. Dez 2020, 23:31

Schläft die Kleine bei dir im Bett? Wenn nicht, probiert das aus, ob danach die Familie insgesammt fitter und ausgeglichener ist. Kinder schlafen in der Nähe der Eltern anders als alleine: sicherer und entspannter.
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Re: Hallo, bin gerade sehr dabei mich zu hinterfragen...

Beitragvon Rabaukenmama » So 27. Dez 2020, 14:48

Hallo kleiner-gremlin!

Mein Beitrag war nicht so gemeint dass du die Schlafschwierigkeiten deiner Tochter bei guten FreundInnen verheimlichen sollst. Ich meinte, es wäre nicht gut, das quasi als "Gegengewicht" zur kognitiven Fitness deiner Tochter in den Vordergrund zu stellen, weil meine Erfahrung die ist, dass gerade (gegenüber hochbegabten Kindern) vorurteilsbelastete Menschen unabhängig von dem, was man ihnen erzählt, ihre Vorurteile weiter haben. Vielleicht machst du das auch gar nicht, nur habe ich es aus deinem Vorstellungsbeitrag so verstanden :fahne: .

Selbst kann ich auch in Sachen Schlafschwierigkeiten mitreden, wenn es bei meinen Jungs auch nicht so krass war wie du das von deiner Tochter beschreibst. Aber 3-4x pro Nacht "kommt" mein jüngere Sohn noch heute, mit seinen 8 Jahren. Und das völlig unabhängig davon, ob er mit mir, meinem Mann, seinem Bruder oder allein einschläft. Er wandert jede Nacht von Bett zu Bett: von meinem Mann zu mir, von mir zu seinem Bruder, von seinem Bruder wieder zu mir...

Da wir nur ein Doppelbett mit 180cm Breite, ein 140cm breites Jugendbett und ein 90cm breites Hochbett haben ist es oft so, dass es dann in der Nacht mit einem 142cm großen Kind sehr beengend ist (das Bedürfnis, ganz nach ran zu kuscheln verstärkt das noch). Daher wandern wir auch in der Nacht. So eine typische Familien-Nacht bei uns sieht so aus, dass mein jüngerer Sohn mit meinem Mann im Doppelbett einschläft und mein älterer Sohn gemeinsam mit mir im Jugendbett. Ich wandere dann rauf ins Hochbett, wo mein jüngere Sohn dann meistens gegen 1h nachkommt. Wenn ich dann gegen 2-3h zum freien Platz im Doppelbett wandere kommt mein jüngere Sohn spätestens 1/2 Stunde später nach. Dann wandert mein Mann meistens ins freie Hochbett. Gegen Morgen wandert mein jüngerer Sohn dann noch zu seinem Bruder ins Jugendbett :schwitz: .

Wir sind alle sehr froh, wenn unser jüngerer Sohn wieder im Internat ist, weil dann jeder endlich mal im eigenen Bett schlafen kann :lol: . Denn seit ich wieder mehr arbeite brauche ich meinen Schlaf doch ziemlich dringend und da sind die 4x pro Woche auswärts-schlafen von unserem jüngeren Sohn wirklich ein Segen :mrgreen: .
Der liebe Gott schenkt uns die Nüsse, aber er knackt sie nicht (Johann Wolfgang von Goethe)
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