Umgeschulte Linkshänder

ganz allgemein zu Kleinkindern, ob nun aufgeweckt, klug oder hochbegabt

Umgeschulte Linkshänder

Beitragvon heinerprahm » Mi 21. Sep 2011, 16:28

Hallo,

ich habe mich eine zeitlang nicht gemeldet, weil sich bei mir sehr viel getan hat.

Unsere Tochter entdeckt ja gerade die Welt und letztens spielten wir zusammen und sie öffnete mit der linken Hand den Verschluss einer Flasche, worauf hin meine Frau zu mir sagte: "Das macht sie sonst aber mit Rechts?!" … und siehe da meine Tochter hatte sich das schlichtweg bei mir abgeschaut, denn ich öffne Flaschen mit der linken Hand, was ich immer so gemacht habe und was mir nie als ungewöhnlich aufgefallen war. Also begaben wir uns auf die Suche und siehe da, ich mache fast alles mit Links, die Fernbedienung, das Telefon inklusive des Eintippens der Nummern, irgendetwas aus Schränken holen, etwas aus Schachteln oder Verpackungen hohlen, etc.pp alles was man einem Menschen nicht antrainiert, mache ich mit der linken Hand auch Sachen die wir dann im Internet gefunden haben, beim Hände falten ist der Linke Daumen oben, Hände nach hinten die linke Hand hält den rechten Arm, ich ziele mit dem linken Auge auf Objekte und konnte sogar mit links spontan spiegelverkehrt schreiben (und ich habe nie mit links geschrieben), aber alles andere was antrainiert wurde wie Schreiben, Werfen, Schneiden etc. mache ich mit Rechts.

Wir haben uns dann alte Kinderfotos von mir angesehen und bis zur Einschulung habe ich alles mit links gemacht und alle Sachen, Spielzeuge oder Lebensmittel in der linken Hand, selbst auf allen der ersten Fotos in der Geburtsklinik nuckle ich auf meiner linken Hand herum, und ein wie ich finde besonders schönes Bild ist auch darunter, ich mit überglücklichem Lachen im Gesicht in Latzhosen an Ostern, den Korb in der rechten Hand und den soeben gefundenen Schokohasen stolz mit der Linken in die Höhe haltend. Nach der Einschulung finden sich fast nur noch Bilder auf denen ich Tätigkeiten mit rechts ausführe.

Ich hatte ja schon berichtet, dass ich in der Schule mit Sprachstörungen zu kämpfen hatte, ein schlechtes Schriftbild hatte und Probleme mit der Rechtschreibung, was sich alles durch meine Hochbegabung erklären ließ, aber jetzt muss ich feststellen, dass ich nicht nur hochbegabt bin sondern auch noch ein umgeschulter Linkshänder.

Daher meine Bitte an euch, vorallem an diejenigen, deren sonst sehr intelligenten Kinder mit Problemen zu tun haben wie sie unten aufgeführt sind (da habe ich hier ja aktuell ganz viele Berichte gelesen), bitte dringend die Händigkeit eurer Kinder überprüfen lassen, denn gerade kluge Kinder schulen sich als Kleinkinder oft alleine auf die rechte und damit nicht dominate Hand um, weil sie sich wegen ihres hohen Intellekts sehr gut anpassen können (so war das wahrscheinlich auch bei mir, denn ich kann mich an keine Umschulung erinnern), aber auch bei ihnen treten so gut wie immer die oft sehr gravierenden folgenden Primär- und Sekundärfolgen auf:

Primärfolgen der Umschulung der Händigkeit können sein:

- Gedächtnisstörungen (besonders beim Abrufen von Lerninhalten)
- Konzentrationsschwierigkeiten (schnelle Ermüdbarkeit)
- legasthenische Probleme (Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten)
- Raum-Lage-Labilität (Links-Rechts-Unsicherheit)
- feinmotorische Störungen (die sich z.B. im Schriftbild äußern)
- Sprachstörungen (Stammeln bis zum Stottern)

Diese Primärfolgen können sich dann in unterschiedliche Sekundärfolgen umsetzen:

- Minderwertigkeitskomplexe
- Unsicherheit
- Zurückgezogenheit
- Überkompensation durch erhöhten Leistungseinsatz
- Trotzhaltungen, Widerspruchsgeist, Imponier- und Provokationsgehabe
- unterschiedlich ausgeprägte Verhaltensstörungen
- Bettnässen und Nägelkauen
- emotionale Probleme bis ins Erwachsenenalter mit neurotischen und/oder psychosomatischen Symptomen


http://www.linkshaender-beratung.de/deu ... ematik.htm

http://www.legasthenie-praxis-steinkopf ... hulung.mpg

http://www.rbb-online.de/zibb/service/f ... leben.html

Ich persönlich fiel zwar erst aus allen Wolken, weil ich mir nicht erklären konnte, wie ein Linkshänder, der ich bin, nicht wissen kann, dass er Linkshändern ist, aber ich habe mich jetzt für eine Rückschulung entschieden und bin da gerade mitten drin.

http://www.linkshaenderseite.de/ruecksch.html

Unbedingte Literaturempfehlung:
http://www.linkshaender-beratung.de/deu ... enBuch.htm

Ich werde weiter berichten.

Liebe Grüße
Heiner
heinerprahm
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Re: Umgeschulte Linkshänder

Beitragvon heinerprahm » Mi 21. Sep 2011, 18:30

Koschka hat geschrieben:mir geht es genauso. ich habe auch festgestellt, dass bei mir die linke hand die dominante ist. ich habe mich aber gegen die umschulung entschieden. ich kann mit rechts und links schreiben. schreibe ich mit links, ist es langsamer. schreibe ich mit rechts, verliere ich ab und zu buchstaben. mit links passiert mir das nicht, ich weiß aber nicht, ob es nicht eher an der geschwindigkeit des schreibens liegt.


Hallo Koschka,

wenn man von den Folgen die sich ergeben können nicht so sehr betroffen ist, dann sehe ich auch kein Problem, aber ich hatte als Kind und in der Schulzeit, aber auch später, mit etlichen Problemen zu kämpfen:

- Gedächtnisstörungen (besonders beim Abrufen von Lerninhalten, was nur ich gemerkt habe, weil das was dennoch abrufbar war immer mehr als genug war, auch wenn es mich zu Tode geärgert hat, das ich vorhandenes Wissen nicht abrufen konnte)
- Konzentrationsstörungen (gerne mal aus dem Fenster geschaut)
- legasthenische Probleme (Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten, wie bei dir gerne Buchstaben auslassen z.B. am Ende das E, oder Buchstaben verdreht)
- Raum-Lage-Labilität (Links-Rechts-Unsicherheit)
- feinmotorische Störungen (die sich z.B. im Schriftbild äußern)
- Sprachstörungen (Stammeln bis zum Stottern, Wortfundungsprobleme).

… und daraus natürlich resultierenden zahlreichen Sekundärfolgen, welche einen umgeschulten Linkshänder betreffen können. Von den von Barbara Sattler in ihrem o.g. Buch berichtet:

- Minderwertigkeitskomplexe (vor allem wegen der Sprachprobleme und deshalb fehlendem Rückhalt in der Familie- dazu Scheidungskind, und natürlich Hänseleien in der Schule)
- Unsicherheit (vor allem durch die Sprachhemmung bedingt)
- Zurückgezogenheit - (zwar mit einem Freundeskreis, aber nie wirklich so echte Nähe gespürt)
- Überkompensation durch erhöhten Leistungseinsatz
- Trotzhaltung
- Widerspruchsgeist (ich habe wirklich gegen alles gekämpft, gesteigert natürlich noch durch den Gerechtigkeitsanspruch der sich aus der Hochbegabung ergibt)

… mit meinem jetzigen Wissen über Linkshändigkeit vermute ich, dass sich viele der Primär- und Sekundärfolgen des umgeschulten Linkshänder erstens mit denen von Hochbegabung überschneiden, zweitens diese ausgleichen können und zum dritten diese sogar potenzieren können. Viele der Probleme konnte ich mit hoher Leistungsfähigkeit kombiniert mit meinem sehr geringen Schlafbedürfniss (max. 5 Stunden) im Erwachsenenalter soweit eliminieren konnte, dass sie nicht mehr die große Last sind, also alles im Sinne von Aufarbeitung und dem Verstehen der Zusammenhänge, vor allem in Bezug auf die Probleme die Hochbegabte in unserer Gesellschaft haben, so das ich heute sagen kann, ich bin vom Kopf her intellektuell ein grundsätzlich glücklicher Mensch, der sich einfach damit abgefunden hat und letztlich seinen Frieden damit gemacht hat, dass manchmal die Dinge und der Körper eben nicht so funktionieren, wie sie es eigentlich unter normalen Umständen könnten und sollten.

Aber wenn ich jetzt lese, dass ich als umgeschulter Linkshänder mindestens 30% mehr Energie im Gehirn aufwenden muss als nötig (einige Untersuchungen sprechen von dem 2- 3 fachen Energiebedarf) und sich die o.g. Primär- und Sekundärprobleme vollständig hätten vermeiden lassen (vor allem die Sprachprobleme (Stottern mit Wortfindungsprobleme) machen den Schulalltag zum Spießrutenlauf), dann gehe ich heute den Weg der Rückschulung, zum einen für mich persönlich, aber auch für meine Tochter, denn umgeschulte Linkshänder haben so gut wie immer eine lange Familiengeschichte, in der sich diese Problematik soziologisch gesehen vererbt und ich möchte nicht, dass meine Tochter einfach durch Abschauen und Vorleben auch nur im Ansatz in die gleiche Problematik rutscht.

Liebe Grüße
Heiner
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Re: Umgeschulte Linkshänder

Beitragvon heinerprahm » Mi 21. Sep 2011, 22:41

Hallo Koschka,

Koschka hat geschrieben:Diese 3 Punkte betreffen mich auch. Nur ich glaube nicht, dass es durch die Umschulung jetzt besser wird. Das Hirn ist schon so gebildet und es passiert mit sicherheit nicht so schnell, wenn überhaupt, dass die bestehenden verbindungen abgebaut werden.


Also dazu mal ein Beispiel aus einem Bereich in dem es ebenfalls, wenn auch nicht hauptsächlich um umgeschulte Linkshänder geht, was sich an Veränderungen in einem Computertomografen nachweisen lässt (Diffusions-Tensor-Bildgebungsstudie - Aufnahmen (Bild B) auf Seite 5):


Die Neurologen glaubten, Stotterer litten ursprünglich unter einer gestörten Lateralisation des Gehirns – das Denkorgan lege also nicht genau fest, welche Seite wofür zuständig ist. Dadurch käme es zu Fehlern in der neuronalen Verarbeitung, wovon auch die Artikulationsorgane betroff enen seien. Der Grund für diese Annahme: Die beiden Forscher beobachteten bei linkshändigen Kindern, dass ihr Sprechrhythmus immer dann durcheinander geriet, wenn sie die rechte, nichtdominante Hand zum Schreiben benutzen sollten.

B. Was bewirkt die Kasseler Stottertherapie?
Vor der Behandlung (links) zeigt sich im Gehirn von Stotterern im Vergleich eine deutliche Mehraktivierung (rot) in der rechten Hirnhälfte, besonders im rechten frontalen Operculum (RFO). In der sprachrelevanten linken Hemisphäre sehen wir hingegen eine Minderaktivierung (blau). Vor allem betroffen ist das Broca-Areal – ein deutlicher Hinweis auf eine strukturelle Schwäche in dieser Region. Stotterer kompensieren demnach den linksseitigen Mangel in den Sprechzentren über das RFO.

Nach einer Sprechtherapie (rechts) tritt eine verstärkte Aktivierung in der linken Hemisphäre auf. Besonders Regionen nahe dem Broca-Areal und anderen motorischen Sprechzentren sind beim Sprechen aktiv (rot). Scheinbar übernehmen sie nun wichtige Aufgaben während des Sprechens – und das mit großem Erfolg: Direkt nach der Therapie können die Absolventen praktisch ? üssig reden. Die Minderaktivierungen im Broca-Areal bleiben bestehen (blau). Generell ist das Gehirn der therapierten Stotterer nun beim Sprechen wesentlich mehr beschäftigt, denn die erlernten neuen Sprechmuster müssen ständig kontrolliert werden.

aus http://www.pro-voce.de/_dateien/Neumann ... Gehirn.pdf

... dieses Ergebnis soll sich bereits nach nur 14 Tagen zeigen...

Die Kasseler Stottertherapie umfasst

Intensivkurs (14 Tage in Bad Emstal bei Kassel oder Berlin)
computergestütztes Sprechtraining
strukturierte Nachsorge


http://www.kasseler-stottertherapie.de/ ... no_cache=1

Es zeigt sich, das sich bei dieser Stottertherapie (die als Beispiel dienen soll) die Verarbeitung von Inhalten in völlig andere Hirnareale verlagert, das zuvor aktivierte Areale auf einmal nicht mehr benutzt werden etc.pp und das in extrem kurzer Zeit und auch wenn ich dazu keine MRT Aufnahmen finden kann, aber von ebensolchen extrem schnellen Veränderungen werden bei Rückschulungen der Händigkeit berichtet !

Koschka hat geschrieben:sind das nicht eher die direkten folgen einer hochbegabung? ich glaube nicht an die theorie, dass das gehirn so einfach funktioniert, dass es sich primitiv über überkreuzten informationsaustausch alles erklären lässt.


Tja, das ist eine gute Frage, ich denke es ist Beides, wie oben schon geschrieben, da wird sich eventuell durch Hochbegabung einiges nach Aussen hin ausgleichen, also z.B. auch wenn Konzentrationsstörungen durch die Umschulung auf Links nachweislich und auch selber spürbar (-z.B. nachweislich Gelerntes und Gekonntes kann in einer Klausur nicht abgerufen werden -) vorhanden sind, so fällt dieses bei gleichzeitiger Hochbegabung nicht so auf, weil einfach grundsätzlich wegen der Hochbegabung eh schon mehr gelernt werden konnte, als dieses ein durchschnittlicher Schüler kann und dann, auch wenn vieles verloren geht, es aber trotzdem noch für gute oder befriedigende Noten reicht, die aber ohne diese Umschulungsproblematik weit, weit besser sein könnten.
Anderes wird sich dann nicht ausgleichen, sondern wahrscheinlich verstärken sich, wie z.b. der Widerspruchsgeist und das sich Zurückziehen, denn für einen hochbegabten umgeschulter Linkshänder ergeben sich völlig andere Lebensumstände, die sich aus den Kausalzusammenhängen ergeben, als bei einem "nur" Hochbegabten, oder bei einem "nur" umgeschulter normalbegabten Linkshänder.

Koschka hat geschrieben:mit den kindern ist es auch nicht so einfach. jetzt am schulanfang habe ich mir noch mal gedanken darüber gemacht. aber ich habe mich nicht getraut unter allem stress noch mal das problem links/rechts anzusprechen.


Gerade in Bezug auf meine Tochter habe ich jetzt ein sehr genaues Auge darauf und nach allem was ich jetzt gelesen haben, ist es von immenser Wichtigkeit, dass gerade Schulkinder entsprechend ihre natürlichen Händigkeit leben und lernen können, alles andere ist völlig unverantwortlich. Es ist gerade bei jungen Kindern so gut wie immer eine sofortige Rückschulung zu empfehlen, denn die Auswirkungen sind so massiv negativ und ziehen sich in alle Lebenbereiche, in die Psyche, in den Physis und das mit erheblichen Auswirkungen für das ganze Leben.

Liebe Grüße
Heiner
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Re: Umgeschulte Linkshänder

Beitragvon heinerprahm » Do 22. Sep 2011, 00:37

Hallo ich nochmal,

Wer sich noch ein wenig einlesen möchte, ohne gleich Geld für Bücher auszugeben, dem empfehle ich folgende Lektüre auf Google Books:

http://books.google.de/books?id=mrAkxPq ... ng&f=false

...da sind zwar nicht alle Seiten vorhanden, aber es gibt eine ersten Eindruck und ich empfehle für alle die sich betroffen fühlen, das Buch - Der umgeschulte Linkshänder oder der Knoten im Kopf - von Dr. Johanna Barbara Sattler (das ist quasi das Standardwerk zu dem Thema), dort finden sich sehr viele gut lesbare wissenschaftliche Fakten und zahlreiche Fallbeispiele über alle Altersgruppen hinweg ...

Hier das Vorwort aus dem Buch...

http://www.linkshaender-beratung.de/deu ... uchVor.htm

... und noch ein Link:

http://books.google.de/books?id=XL9ggmP ... 22&f=false

Liebe Grüße
Heiner
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Re: Umgeschulte Linkshänder

Beitragvon heinerprahm » Do 22. Sep 2011, 01:40

Und bitte auch noch mal hier lesen (2 Seiten weiter, der graue Kasten) in diesem Lehrbuch für Ärzte

http://books.google.de/books?id=oBibt87 ... 22&f=false
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Re: Umgeschulte Linkshänder

Beitragvon heinerprahm » Do 22. Sep 2011, 11:35

@ Urmelis und Loewe

Also für Kinder oder Erwachsene gibt es einen sogenannten Händigkeitstest, damit lässt sich mit hoher Genaugkeit die Händigkeit feststellen:

http://linksoderrechts.at/and5.html

Auch in Österreich gibt es Netzwerke von geschulten Psychologen:

http://linksoderrechts.at/and10.html

Da Linkshändigkeit der Vererbung unterliegt ist es wahrscheinlich, das Kinder von Linkshändern auch Linkshänder sind.

Aber mir geht es vor allem um die oft dramtischen Folgen (wie oft lese ich, um nur ein Beispiel zu nennen, von getesteten hochbegabten Kinder, die nicht richtig schreiben können, Rechtschreibung nicht beherrschen, im Schulalter einnässen und sich durch Leben qäulen und niemand weiß warum), die sich ergeben, wenn z.B. Linkshänder, wie ihr es nach euren Schilderungen vermutlich seit und ich es bin, als Kind umgeschult werden, wie es früher üblich war, oder sich selbst umschulen, weil sie sich perfekt anpassen. Diese Folgen betreffen ja nicht nur einen persönlich und wirken für das ganze Leben, über die Schulzeit, in Studium und führen dann im Schlimmsten Fall am Ende dazu, dass man ausgebrannt, psychisch und physisch am Ende, ein Leben mit einem nicht dem Intellekt entsprechenden Beruf fristet, ständig Beziehungsprobleme hat und in Konflikte mit anderen gerät etc.pp, sondern man gibt all dieses dann auch noch unbewusst an die eigenen Kinder weiter ... und wenn bei einem umgeschulten Linkshänder diese Folgen nicht eintreten, oder sie oder er diese als Erwachsener beheben kann, dann ist diese/r meist sehr intelligent und kann froh sein, dass, wie bei mir, auch ohne das Wissen um meine Händigkeit (das muss man sich mal vorstellen!), eine Aufarbeitung irgendwie geklappt hat! Aber meistens ist es so, das dieses sehr viel Energie und Zeit verbraucht und man einfach oft stillsteht während andere ohne Händigkeitsproblematik immer einen Schritt weiter sind.

Also ich werde das jetzt für mich und meine Tochter bis ins Detail aufarbeiten, den ganzen Mist, den ich sowohl als Hochbegabter und als umgeschulter Linkshänder erlebt habe will ich nicht unreflektiert an meine Tochter weiter geben und ich schule mich ja bereits zurück und merke vor allem eines, ich bin innerlich viel ruhiger, nicht mehr so getrieben, es fügt sich auf einmal alles zusammen, denn es gab immer Probleme in meinem Leben, die sich eben nicht mit der Hochbegabung erklären ließen und ich fand wirklich keine Antworten auf meine Fragen dazu und siehe da, meine Tochter öffnet eine Flasche und da sind sie, die fehlenden Antworten auf alle offenen Fragen.

Hier noch etwas zu den Kosten von Händigkeitstest und Rückschulungen mit professioneller Hilfe:

http://www.linkshand.menge.cc/faq-kosten.html
http://www.linkshand.menge.cc/faq-kostenrueck.html

... und auch noch ein sehr nettes kompetentes Forum (mit diesem hier vergleichbar)...
http://www.linkshaenderforum.org/forum/index.php

Liebe Grüße
Heiner
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Re: Umgeschulte Linkshänder

Beitragvon heinerprahm » Do 22. Sep 2011, 22:00

loewe03 hat geschrieben:Sie erzählte mir, im Kindergarten hätten die Erzieherinnen immer gesagt: "Die linke Hand wird flach auf das Blatt gelegt. Mit der rechten Hand wird gemalt." Und genauso war es wohl beim Essen. Die linke Hand musste flach auf dem Tisch neben dem Teller liegen.
Erst letzte Woche hat mir die ehemalige Kindergärtnerin meiner Tochter gesagt, dass mein Kind in allen Dingen sehr weit war, aber beim Essen hätte sie noch nie so ein schlecht essendes Kind gesehen. Immer wäre alles runter gefallen. Und immer sah ihr Platz am schmutzigsten aus. Und sie könnte das gar nicht vergessen.


Hallo Loewe,

solche Fallbeispiele gibt es in dem Buch von Barbara Sattler wirklich zu Hauf; eine Geschichte ist besonders bewegend (Kapitel 7.3.2 "Ich will keine Linkshänderin sein" - die Heimtücke des Modellverhaltens), ein 8 jähriges Mädchen Names Michaela mit IQ 130 (Tochter eines umgeschulten Linkshänders, die unter schweren Wutausbrüchen litt), die trotz einer Vielzahl von Problemen nur deshalb unbedingt mit Rechts schreiben wollte, selbst nach einem Händigkeitstest, der eindeutig sagte sie ist Linkshänderin, aber sie weigerte sich Linkshänderin zu sein und das nur weil ihre Freundin vor Jahren im Kindergarten gesagt hatte, "das man später mit der linken Hand Schwierigkeiten bekommen würde, das Linkshänder sowieso blöd wären und es besser sei, mit rechts zu malen und möglichst alles mit rechts zu machen"... die Geschichte ging nach Monaten an Überzeugungsarbeit und Einsatz aller, von Therapeuten, Eltern und Lehrerin dann doch irgendwie gut aus, aber es wurden lange Jahre verloren ...

loewe03 hat geschrieben:Wenn da nun wirklich etwas dran ist, bin ich sehr enttäuscht von unserer Kinderärztin. Die hätte das doch merken müssen. :gruebel:
LG loewe

Bei mir hat das 43 Jahre lang niemand gemerkt, nicht mal ich selber! ... und es steht zwar in modernen Lehrbüchern (siehe oben), aber Ärzte/innen die vor 20-30 Jahren studiert haben, haben das in ihrem Studium nicht gelernt und ich denke auch heutzutage ist das eher ein Randthema.

Ich wünsche euch auf jeden Fall, dass ihr euch da Gewissheit verschafft und einen Weg findet !!!

Liebe Grüße
Heiner
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Re: Umgeschulte Linkshänder

Beitragvon Gast212 » Fr 23. Sep 2011, 09:45

Hallo Heiner,

ich möchte dir erstmal für deinen Beitrag unendlich danken. Ich hätte nie gedacht, dass es solche Probleme wegen der Nichtnutzung seiner Linkshändigkeit gibt. Meine Schwiegermutter (auch hochbegabt) ist eine mit Gewalt umgeschulte Linkshänderin und mein Mann (auch hochbegabt) scheint, nachdem ich alle deine Links "verschlungen" hatte, auch ein angepasster Linkshänder mit massiven Problemen (ähnlich deiner Probleme). Er wird es jetzt schnellstens angehen, das "Problem" zu lösen.
Meine beiden kleinen 5 und 2 Jahre alten Töchter bekommen bzw. haben auch schon Schwierigkeiten. Wie bei "Loewe" mit Schreiben und Malen und das fürchterliche schmuddelige Essverhalten meiner 5jährigen. Wir trauen uns deshalb nie in ein Restaurant. Sie isst wie ein Baby, unsere 2jährige isst sauberer. Im Kiga wurde ich am letzten Dienstag auf eine evtl. Linkshändigkeit meiner 2jährigen hingewiesen. Ich sagte nur, dass meine 5jährige auch immer gewechselt hat und jetzt doch alles mit rechts (mehr schlecht als recht) erledigt. Vielleicht können wir aufgrund deines Beitrages viele Probleme in der Familie lösen.
Danke noch mal dafür. Ich habe in diesem Forum übrigens schon viele wertvolle Tipps bekommen, auf die Otto-Normal nie gekommen wäre.

Ich habe das Forum durch Zufall gefunden, weil ich auf der Suche nach Problemlösungen für meine 5jährige war. Ihr geht hier wirklich alle sehr nett und höflich miteinander um... und Heiner, auf deine Beiträge ist man immer besonders gespannt. (Auf die der Anderen natürlich auch!)

LG an alle
Gast212
 

Re: Umgeschulte Linkshänder

Beitragvon Gast212 » Fr 23. Sep 2011, 11:56

Hallo Loewe,

wir sind mit unserer 5jährigen bei einer Erziehungsberatung. Wir haben sie auch aufgrund der feinmotorischen Probleme und der sehr geringen Frustrationstoleranz nicht als Kann-Kind dieses Jahr einschulen lassen. Wir brauchen enorm viel Geduld und Nerven (viel ist nicht mehr übrig) um mit ihr "umzugehen". Die 2jährige schaut sich leider auch schon viel von ihrer Schwester ab, aber dank der EB haben wir gelernt, mehr Ruhe und Konzequenz auszustrahlen. Die "Große" ist ein ausgesprochenes "Alpha-Tierchen" und versucht ständig uns zu testen, aber diese Probleme haben ja in diesem Forum viele Eltern. Jetzt mit der "neuen Erkenntnis" über die Linkshändigkeit, hoffen wir, vielleicht wieder neue Erfolge zu bekommen.
Ansonsten übe ich vorsichtig mit der Großen und lobe ganz ganz viel, darüber ist sie dann ganz Stolz und wird gleich ein bisschen Ergeiziger. (bis der nächste Wutanfall kommt und ...."dass kann ich sowieso nicht, ich bin halt eben dumm....")

Liebe Grüße von Gast212
Gast212
 

Re: Umgeschulte Linkshänder

Beitragvon heinerprahm » Fr 23. Sep 2011, 12:09

@ Loewe und Gast212

Ich kann euch wirklich nur anraten euch mit Literatur einzudecken und eventuell Unterstützung von Spezialisten, denn es ist einfach wichtig bei einer Rückschulung auf Links nicht die gleichen, oder noch schlimmerer andere Fehler, aus Unwissenheit zu machen, wie bei der vorherigen Umschulung auf Rechts. Vor allem richtige, unverkrampfte Stifthaltung, Schwungübungen und solche Dinge ...

http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Unve ... 4ndern.jpg

Die zwei Bücher die ich empfehlen kann, weil ich sie selbst gekauft und gelesen habe, stammen alle von der Barbara Sattler und sind zu empfehlen:

Der umgeschulte Linkshänder: Oder Der Knoten im Gehirn - Barbara Sattler
und...
Übungen für Linkshänder: Schreiben und hantieren mit links - Barbara Sattler

... es gibt noch mehr Bücher, auch zum Thema Kindergarten und Schulkinder:

http://www.linkshaenderseite.de/literat.html

Liebe Grüße
Heiner

Ps.: und ich habe die letzten 15 Jahre praktisch gar nicht mehr handschriftlich geschrieben, denn mit rechts bin ich völlig unleserlich, mache viele Fehler und kann vor allem nicht die Linie halten, als ich dann jedoch davon erfuhr das ich Linkshänder bin habe ich einfach mal für das Linkshänderforum http://www.linkshaenderforum.org/forum/index.php einen Vorstellungsbrief geschrieben ...
Erster Versuch mit Links: http://heinerprahm.he.funpic.de/links/V ... Heiner.jpg
Das war direkt an dem Abend, als ich davon erfahren habe das ich Linkshänder bin, mein erster Versuch mit links zu schreiben und mein erster längerer Text mit der Hand seit mehr als 15 Jahren, alles unglaublich krakelig kaum lesbar... am Tag darauf kam das Buch und habe ich so ca. 30 min lang Schwungübungen gemacht und bin den Tipps aus dem Buch gefolgt und so sah das nach nur einem Tag aus (ich habe den gleichen Text einfach nochmal geschrieben um vergleichen zu können)
Zweiter Versuch nur einen Tag später : http://heinerprahm.he.funpic.de/links/V ... iner_2.jpg
... unfassbar eine echte Handschrift ... jetzt nehme ich für die Rückschulung und als Training jeden Morgen ein DIN A4 Blatt, mache auf der einen Seite erstmal Schwungübung und danach schreibe ich auf der anderen Seite meine Gedanken auf, das gleiche mache ich Abends, das Schreiben geht jetzt nach wenigen Tagen schon sehr locker, ich mache mit links praktisch keine Rechtschreibfehler, ich brauche mich nicht auf die Linie konzentrieren die Zeilen sind gerade und ich habe 2 Mäuse an meinen Computer angeschlossen und achte auf meine Handgebrauch, denn das Schreiben ist nur ein Teil einer Rückschulung.
Zuletzt geändert von heinerprahm am Fr 23. Sep 2011, 12:47, insgesamt 2-mal geändert.
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