Umgeschulte Linkshänder

ganz allgemein zu Kleinkindern, ob nun aufgeweckt, klug oder hochbegabt

Re: Umgeschulte Linkshänder

Beitragvon heinerprahm » Fr 7. Okt 2011, 10:09

törtchen46 hat geschrieben:Besteht die möglichkeit das Kinder aufgrund von Anpassung( bei der älteren Schwester abgeschaut) auch auf die Linke Hand umstellen?


Hallo Törtchen,

Umgeschulte Rechtshänder gibt es auch:
Wenn rechtshändige Kleinkinder einen engen emotionalen
Kontakt zu einer linkshändigen Bezugsperson haben, die ihnen viel beibringt und
von der sie vieles nachahmen, kann die angeborene Rechtshändigkeit untergehen.
Linkshändige Bezugspersonen können Eltern sein, aber auch ältere Geschwister.
Ich habe häufiger erfahren, dass umgeschulte Rechtshänder von einem älteren
linkshändigen Geschwisterkind sanft zum Hantieren und Malen mit links angeregt
worden sind.

http://www.linkerhand.de/content/view/66/101/

Die sind zwar nicht so häufig, aber bei ihnen können die gleichen primären und sekundären Probleme austreten, wie bei umgeschulten Linkshändern.

Allgemein muss ich feststellen, dass es gerade für Hochbegabte oft schwer ist zu ermitteln, ob eine offensichtlich vorhandene Problematik nun auf die Umschulung, oder auf Hochbegabung zurückzuführen ist, denn viele Symptome sind gleich. Ich gehe derzeit davon aus, dass ein auf die linke Hand umgeschulter Hochbegabter, wenn er richtig Pech hat, auf der einen Seite alle Problematiken aus der Umschulung und der Hochbegabung zusammen bekommt und das diese sich dann auch noch potenzieren, er aber auch auf der anderen Seite sehr viel Glück haben kann und sich die Probleme, die sich aus der Umschulung ergeben können, durch die Stärken die eine Hochbegabung mit sich bringen kann, ausgleichen und sich somit gar keine Probleme manifestieren. Die Realität wird dann wohl für jeden sehr individuell irgendwo dazwischen liegen.

Liebe Grüße
Heiner
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Re: Umgeschulte Linkshänder

Beitragvon calimero » Sa 5. Nov 2011, 11:10

Hallo Heiner!

Mein Mann war gestern beim Händigkeitstest.
Und das Ergebnis war so was von eindeutig links, dass selbst die Linkshänder-Beraterin beeindruckt war. Sie sagte, es sei sehr selten, dass alle Tests ergeben, dass die linke Hand die dominante ist.
Ich fand beeindruckend, dass er diesen Taping-Test (also dieses hämmern), links mit 40 Anschlägen mehr absolviert hat. Er war mehr als erstaunt, dass es ihm viel flüssiger von der Hand ging.
Für ihn ist jetzt die Frage, Umschulung zu diesem Zeitpunkt?
Die Beraterin meinte, er hat sehr gute Chancen, dass er schnell umstellen kann, da seine Lingshändigkeit nicht verschüttet ist. Auch das er Musik macht, ist positiv.
Er wird jetzt in den Weihnachtsferien fleißig Schwungübungen machen. Und dann sehen wir weiter.
Die Linkshänder-Beraterin ist auch sehr nett und erscheint kompetent. Mein Mann soll sich nicht überfordern hat sie, glaub ich, 100 mal gesagt. Sie wird uns bzw. meinen Mann weiter unterstützen.

Also ich hoffe, der Knoten platzt bald und mein Mann kann endlich ein entspannteres, unverkrampfteres Leben führen!
Danke Heiner für die Informationen!

Lieben Gruß
calimero
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Re: Umgeschulte Linkshänder

Beitragvon heinerprahm » Sa 5. Nov 2011, 15:33

calimero hat geschrieben:Hallo Heiner!

Die Beraterin meinte, er hat sehr gute Chancen, dass er schnell umstellen kann, da seine Lingshändigkeit nicht verschüttet ist. Auch das er Musik macht, ist positiv.
Er wird jetzt in den Weihnachtsferien fleißig Schwungübungen machen. Und dann sehen wir weiter.
Die Linkshänder-Beraterin ist auch sehr nett und erscheint kompetent. Mein Mann soll sich nicht überfordern hat sie, glaub ich, 100 mal gesagt. Sie wird uns bzw. meinen Mann weiter unterstützen.

Also ich hoffe, der Knoten platzt bald und mein Mann kann endlich ein entspannteres, unverkrampfteres Leben führen!


Hallo calimero,

das freut mich sehr, dass Dein Mann, der ja leider mit Problemen, auch in seiner Umschulung zu kämpfen hat, vor allen den Schritt gemacht hat sich ein eindeutige professionelle Diagnose zu holen, das ist schon mal die mehr als die halbe Miete, denn dann hören auch die eigenen Zweifel im Kopf auf und auch wenn sich leider nicht auf einen Schlag alles verbessert, so hat man dadurch zumindest die Möglichkeit die Dinge neu zu ordnen und sich neu auszurichten und bessere und vernünftige Wege zu gehen, auch wenn diese steinig sind, aber das ist man ja als umgeschulter Linkshänder, wenn man Probleme hat ohnehin gewohnt.

Und das mit dem Überfordern, ich kann das auch nur noch mal betonen, das ist wirklich kein Pappenstiel, auch bei mir im Kopf war in den ersten Wochen ganz stark und jetzt auch noch, gerade beim Schreiben üben mit Links, zwar ein sehr gutes Grundgefühl vorhanden, aber mein Kopf füllte sich irgendwie mit Watte, meine Ohren wurden hochrot etc... so ein Gefühl wie bei fremden Leuten zu Besuch zu sein, die man zum ersten Mal trifft und die einen behandeln, als ob man wie das eigene Kind zur Familie gehört und nie weg war (ganz merkwürdig).

... und gut das er (wie ich auch, ich spiele ganz passabel Klavier, Gitarre, Mundharmonika, Flöten) Musiker ist, da sollte er aber auch mal schauen, wenn die Linkshändigkeit bei ihm so stark ausgeprägt ist, es gibt Instrumente für Linkshänder.

Also ich würde Deinem Mann insgesamt auch raten, das alles pragmatisch anzugehen, wenn es geht mit links, wenn es aus rein organisatorischen und beruflichen Gründen nicht geht und es mit Rechts schneller geht dann Rechts, aber dann immer im Bewusstsein, das dieses zwar eine Notlösung ist, aber eben kein Beinbruch, denn die rechte Hand ist ja nicht der Feind.

calimero hat geschrieben:Danke Heiner für die Informationen!


Dafür nicht und liebe Grüße an Deinen Mann !!! :D

.... achja ich habe übrigens (hier eine etwas ältere Schriftprobe) mein Lieblings- und mein "Hass"wort gefunden ;) ... das eine (Schlagsahne) geht locker leicht, mit links sogar wesentlich schneller als mit Rechts und das andere (Butterbrot) bringt mich um den Verstand :fahne: ... (das ist jetzt nicht so ernst gemeint, aber schon witzig über was man alles stolpert :gruebel: )

Bild

Ach und Sätze die ich sehr empfehlen kann, von denen man locker DIN A4 Seiten füllen kann sind:

"Mein Name ist (NAME) und ich wohne in (ORT)" .... und auch immer beachten, das ist zu Anfang völlig krakelig (siehe meinen ersten Brief am Anfang), aber das legt sich meist recht schnell.

... sowie Pangrame (Sätze die alle Buchstaben enthalten):

"Franz jagt im komplett verwahrlosten Taxi quer durch Bayern."

http://de.wikipedia.org/wiki/Pangramm

Liebe Grüße
Heiner
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Re: Umgeschulte Linkshänder

Beitragvon heinerprahm » Mo 7. Nov 2011, 10:15

Hallo loewe,

Das Spiegeln wird in der Fachliteratur auch als Methode beschrieben, wie Eltern ihre Kinder nicht unbewusst auf die nicht dominante Hand umerziehen können, also z.B. Rechtshänder sollten bei ihren rechtshändigen Kindern grundsätzlich neben dem Kind sitzen, z.B. beim basteln oder schreiben üben, ist das Kind jedoch Linkshänder/in, dann sollten die Eltern dem Kind gegenübersitzen. (Das Gleiche gilt natürlich auch für alle anderen Kombinationen).
Aber was Du beschriebst könnte eine wirklich sehr gute Erklärung dafür sein, warum trotz identischer genetischer Veranlagung, auch bei eineiigen Zwillingen, der eine (vermeintlich) Linkshänder und der andere (vermeintlich) Rechtshänder ist, vielleicht liegt es schlicht daran, dass diese sich in ihrer Kindheit gegenübersitzen und der eine Zwilling den anderen spiegelt. ... wie wäre es daher bei Dir, wenn Du mal versuchst die beiden nebeneinander zu setzen und dann alle Dinge (wie das Besteck, Stifte usw.) einfach griffneutral positionierst, vielleicht können die beiden dann ja von sich aus ihre wirklich dominante Hand, ohne Störeinflüsse wie das Spiegeln herausfinden.

Liebe Grüße
Heiner
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Re: Umgeschulte Linkshänder

Beitragvon heinerprahm » Mo 7. Nov 2011, 14:42

loewe03 hat geschrieben:Hallo Heiner,

wenn sie auf den Töpfchen sitzen, sitzen sie nebeneinander. Ich gebe dann immer die Zahnbürsten. Die evtl. Rechtshänderin behält die Bürste rechts, egal wie ich sie ihr gebe (mittig, links, rechts).
Die evtl. Linkshänderin ist in einer Tour am hin- und herwechseln, als wäre sie sich selbst unsicher. Es macht den Eindruck, dass die Bürste und der Löffel links geschickter gehalten wird. Auch zeichnet sie beidseitig, hält den Stift aber etwas fester mit links.


Hallo loewe,

Dann ist das eventuell bei beiden auch noch nicht gefestigt ?

loewe03 hat geschrieben:Bei meiner Großen haben wir die Schwungübungen wieder auf Eis gelegt.


Das kann manchmal auch sinnvoll sein, wenn die Belastung sehr hoch wird!

loewe03 hat geschrieben:Die Kinderärztin ist der Meinung, dass wäre jetzt mit 8 Jahren zu spät. Von ihr bekommen wir keine Unterstützung.


... und auf welcher fachlichen Grundlage trifft diese Frau so eine Aussage ? ... hat sie überhaupt irgendwelche Ahnung von dem Thema und kann sich eine fachlich fundierte Meinung erlauben ? ... das denke ich kann sie nicht, denn ihre Aussage ist schlicht Unfug !

loewe03 hat geschrieben:Nun waren wir Blockaden in der HWS lösen und haben erfahren, dass Menschen, die Blockaden (bzw. KISS) in der HWS haben, ihrer Händigkeit nie richtig bewusst werden. Also, dass auch ein Rechtshänder immer unsicher sein wird, ob er denn Rechtshänder oder Linkshänder ist. Diese HWS-Blockaden stören die innere Mitte und Koordination und führen zu diversen Motorikproblemen.
Nun will ich die nächsten 3 Wochen noch abwarten, ob das Lösen der Blockaden eine Änderung bringt.
Momentan beginnt meine Große erstmals Freude am Lesen zu haben.


Zu der KISS - Problematik habe ich ja einen dezidierte Meinung, das ist nicht nur reine Geldmacherei und unnötige Panikmache bei den Eltern, sondern auch noch schädlich für die Kinder:

http://www.forum.klugekinder.at/viewtop ... =20#p12638

"Fazit:
Durch den Begriff KISS-Syndrom wird die Kausalkette [die Kette logisch begründeter Schlussfolgerungen] umgedreht. Die Rotationsstellung der Kopfgelenke ist immer Folge einer Asymmetrie und als Kompensationsmechanismus aufzufassen.
Die Kritik richtet sich nicht gegen die Manualtherapie allgemein, die in geeigneten Fällen gute Erfolge haben kann. Im Kindesalter beispielsweise kann bei Kindern mit Zerebalparese [eine durch Verarbeitungsstörungen im Gehirn verursachte Bewegungsstörung, verschiedene Arten möglich] die Atlastherapie mit gutem Erfolg zur Detonisierung [Herabsetzung der dauerhaft zu hohen Muskelspannung] eingesetzt werden. Die unter der Etikette KISS-Syndrom durchgeführte Röntgenuntersuchung und Behandlung der Kopfgelenke unzähliger Säuglinge und Kleinkinder sind nach heutigem Kenntnisstand jedoch in keiner Weise gerechtfertigt. "
http://www.autismus-etcetera.de/KISS-Syndrom.html

loewe03 hat geschrieben:p.s. wie geht es deiner kleinen Maus? Brauchst ja nicht hier antworten, wenn du einen anderen thread hast, schreibe einfach den Titel, dann suche ich da.


Das ist eigentlich kurz erzählt, sie wächst und gedeiht, wird immer noch vernünftiger und noch lieber, malt, schreibt, singt, tanzt und lacht den ganzen Tag, deshalb schreibe ich auch derzeit wenig über sie, weil nicht wirklich etwas ansteht außer positivem Erleben :D. Ich werde mal wieder etwas ausführlicher schreiben, wenn sie den nächsten großen Sprung gemacht hat, denn der liegt irgendwie schon in der Luft.

Liebe Grüße
Heiner
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Re: Umgeschulte Linkshänder

Beitragvon Zefanja » Do 17. Nov 2011, 10:45

Ich bin eindeutig Rechtshänder und preferiere auch den rechten Fuß.
Allerdings bei den Augen dominiert komischer Weise das Linke.

Habe mal gelesen, dass man festgestellt hat, dass gerade bei Legasthenikern sowas häufig vorkommt.
Ich selber hatte als Kind eine leichte Rechtschreibschwäche.
Obs daran liegt?
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Re: Umgeschulte Linkshänder

Beitragvon MarliMarli » Fr 13. Jan 2012, 11:57

Oha, ich bin gerade durch Zufall und aus Interesse in diesen Thread gestolpert. Viele der genannten Symptome bei Erwachsenen treffen auf mich zu. Meine linke Körperseite dominiert alles, nur schreiben tue ich mit rechts. Ich habe keine Ahnung mehr, ob ich umgeschult wurde. Das war wahrscheinlich eher eine unbewusste Entscheidung mit rechts zu schreiben. Wo wende ich mich da als erstes hin? Ich würde die Händigkeit gerne feststellen lassen.
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