Trotzkinder

ganz allgemein zu Kleinkindern, ob nun aufgeweckt, klug oder hochbegabt

Trotzkinder

Beitragvon Linasina » Mi 16. Apr 2014, 13:20

Wer hat auch so extreme Trotzköpfe. Meine Grosse hat gestern wieder 2 Stunden geheult nur weil ich ein Bild falsch gelocht habe. Sie ist 5.
Die Kleine schmeißt sich wenn etwas nicht nach ihr geht auf den Boden und kreischt. Ich werd noch verrückt mit den Beiden. Selbst die Kinderärztin sagt dass ich zwei extrem energische Kinder habe.
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Re: Trotzkinder

Beitragvon Rabaukenmama » Mi 16. Apr 2014, 14:17

Bei mir ist der Kleine das Trotzkopferl. Beim Grossen dagegen dauern die Anfälle erfreulich kurz (Gesamtzeit ca. 30 Sekunden, inkl.lautem Aufheulen und auf-den-Boden-schmeissen). Damit kann ich ganz gut leben.

Aber wenn beim Kleinen was nicht nach seinem Kopf geht wird er so wütend dass er erst mal alles erreichbare durch die Gegend wirft (als Allererstes Schnuller und/oder Flaschi, wenn er es gerade hat). Dann wirft er sich auf den Boden und heult laut. Unterstützend schlägt er noch den Kopf gegen Boden oder Türstock. Da bin ich anfangs immer dazwischengegangen um ihn vor sich selbst zu schützen, aber das hat ihn nur noch wütender gemacht. Er hat dann absichtlich den Kopf in eine andere Richtung geknallt und die Verletzungsgefahr war durch die Ruckartigkeit und Unberechenbarkeit noch grösser, als wenn ich nicht dazwischengegangen wäre.

Ausserdem hatte ich Angst, da uns damals ja die Hörinplantate-Operation noch bevorstand und das Kind sich danach mindestens 4 Wochen nicht am Kopf verletzen darf. Wie schafft man das aber, wenn das Kind von jetzt auf gleich seinen kleinen Kopf im Wutanfall gegen den Fliesenboden schmettert? Daher habe ich bewusst versucht, NICHT mehr einzugreifen. Das war schwer weil mir meine Instinkte natürlich ganz was anderes gesagt haben, aber es hat geholfen. Die Wutanfälle (mit weinen, kreischen, Sachen durch die Gegend schmeissen und um-sich-schlagen) hat der Kleine zwar immer noch (dauern bis zu einer Stunde), aber zumindest in den letzten Wochen hat er dabei zumindest nicht mehr mit dem Kopf auf den Boden oder den Türstock geknallt.

Wenn das Temperament meines Kleinen so bleibt dann stehen uns da noch einige Herausforderungen bevor. Dabei ist er im "Normalzustand" eindeutig das ruhigere, besonnenere, pflegeleichtere Kind. Alle Bewegungen sind wohl durchdacht und er hatte bisher (sehr im Gegensatz zu seinem grossen Bruder mit der Feder im Hintern) keinerlei Unfälle. Im Normalzustand könnte man meinen, der Kleine sei ein sehr einfaches Kind - bis man ihn dann im Wutanfall erlebt!
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Re: Trotzkinder

Beitragvon Linasina » Mi 16. Apr 2014, 14:53

Meine Kleine ist auch sonst sehr loeb hat aber die schlimmeren Trotzanfälle. Ob das eine Art frustabbau ist damit Sie auch mal mehr Aufmerksamkeit bekommt? Ich ignoriere beide dann meist bis Sie aufgehört haben. Eingreifen macht es auch bei uns schlimmer.
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Re: Trotzkinder

Beitragvon Momo » Mi 16. Apr 2014, 16:45

Liebe Linasina, oh ja, das kenne ich :) Meine Tochter kann auch bühnenreife Temperamentsausbrüche hinlegen. Doch zum Glück vergehen diese meistens auch ganz schnell wieder und ich kann sie in diesem Zustand meistens noch verbal erreichen. Gute Erfahrungen habe ich gemacht, wenn ich erstmal verbal und möglichst neutral die Situation benenne. Mal ein Beispiel: Meine Tochter möchte etwas bauen, das nicht funktioniert. So etwas bewirkt hier häufiger laute Wutausbrüche. Ich setze mich ruhig zu ihr und sage: " Du möchtest das bauen und es funktioniert nicht". Meistens erhalte ich dann einen Blick und vielleicht sogar ein zustimmendes "Ja!". "Ok, was könnte es für eine Lösung geben?" Auf diese Frage springt meine Tochter meistens sehr gut an, sie schafft es aus ihrer Wut herauszukommen und ins konstruktive Denken hineinzufinden. Ich versuche ihr nicht Lösungen vorzuschlagen, da dies meistens wieder zur Wut zurückführt.
Also, Linasina, vielleicht in Eurem Fall:" Du bist wütend, weil ich Dein Blatt falsch gelocht habe". Keine Erklärung, keine Vorschläge, erstmal abwarten, was vom Kind kommt. Dann vielleicht" Was können wir jetzt tun, hast Du eine Idee?" Usw. Verstehst Du? Ich glaube es macht ganz viel aus, wenn sich das Kind in seiner Wut verstanden fühlt, also der Grund seiner Wut gesehen wird und nicht sofort Lösungsvorschläge, Ermahnungen oder gar Vorwürfe kommen. Ich weiß, manchmal fällt es mir auch sehr schwer, doch so konnten wir die meisten Klippen elegant umschiffen ;)
Liebe Grüße und alles Gute wünscht Momo
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Re: Trotzkinder

Beitragvon Momo » Mi 16. Apr 2014, 17:22

Mir fällt gerade noch etwas ein: Natürlich kann es sein, dass das Kind überhaupt nicht mehr ansprechbar ist und einfach nur noch brüllt. Dann bringt es natürlich gar nichts, dem Kind irgend etwas erzählen zu wollen, dann wird es meistens nur noch schlimmer. Ich setze mich in solchen Situationen dann einfach dazu, nehme innerlich Anteil, bin aber ruhig. Interessanter Weise gibt es einen bestimmten Abstand zu meiner Tochter, welcher in diesem Zustand für sie Ordnung ist: Wenn ich zu dicht komme, werde ich weggestoßen, wenn ich zu weit weggehe, wird das Brüllen noch lauter. Irgendwann merke ich dann, dass meine Tochter sich beruhigt, dann braucht sie richtig Körperkontakt und dann nach einer Weile ist sie auch wieder aufnahmefähig.
Zum Glück haben wir diese Art der Trotzanfälle meistens wirklich durch unseren oben beschriebenen Umgang miteinander verhindern können. Das mag bei einem anderen Kind sicherlich auch anders sein, doch meine Tochter ist zu handfesten Trotzanfällen in der Lage, so viel steht fest :schwitz:
LG Momo
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Re: Trotzkinder

Beitragvon Mondbär » Mi 16. Apr 2014, 20:22

Hallo!

Ich bin so froh Eure Beiträge zu lesen. Ich dachte schon nur meine Kinder haben solche emotionalen Ausbrüche. Bei der Kleinen kann ich es noch nicht so einschätzten - altersbedingt halt. Bei Felix fast 6 kommt/kam es aber schon vor, dass er "weint" und aber dann nicht weiss warum. Und dann deswegen weint.Ganz schön kompliziert. Aber wenn man ihn in den Arm nimmt und ganz ruhig und besonnen ist, dann beruhigt er sich schnell.

Leider kann nicht jeder mit dieser Sensibilität umgehen. Da heisst es dann nur "die Spinnerei musst Du ihm austreiben". Oh wie ich froh bin, dass es auch vielen von Euch so ähnlich geht.
Es grüsst Mondbär
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Re: Trotzkinder

Beitragvon Linasina » Mi 16. Apr 2014, 20:30

Ja das Umfeld versteht es auch nicht. Ich habe in der Krabbelgruppe heute nach gefragt. Da haben mich alle ungläubig angeschaut und mit dem Kopf geschüttelt. Nur ein Kind hatte auch so Trotzanfälle. Die anderen meinten nee in dem Alter haben die Kinder das noch nicht. Oder bei der Großen dass die Kinder mit 5 das nicht mehr haben dürften. ; (...
Auch als ich auf einem Geburtstag war und meine Grosse mit 4 einen Wutanfall bekam weil Sie nicht mit den anderen Kindern am Tisch sitzen durfte. Da meinte die Gastgeberin übrigens selbst zweifache Mama. Nein sowas hat Sie noch nie erlebt mit der werdet ihr in der Schule noch große Probleme bekommen....
Manchmal traue ich mich mit meinen Kindern gar nicht in die Öffentlichkeit aber dann denke ich mir jedes Kind ist anders und die Anderen sollen denken was Sie wollen.
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Re: Trotzkinder

Beitragvon Momo » Mi 16. Apr 2014, 20:49

Linasina hat geschrieben:
Ja das Umfeld versteht es auch nicht. Ich habe in der Krabbelgruppe heute nach gefragt. Da haben mich alle ungläubig angeschaut und mit dem Kopf geschüttelt. Nur ein Kind hatte auch so Trotzanfälle. Die anderen meinten nee in dem Alter haben die Kinder das noch nicht. Oder bei der Großen dass die Kinder mit 5 das nicht mehr haben dürften. ; (…

Also, Ihr Lieben, das erlebe ich hier in der Großstadt aber ganz anders. Hier sind ja viele Kinder unterwegs und es ist an der Tagesordnung und gehört irgendwie fast zum Stadtbild, an einem trotzenden Kind vorbeizukommen. Und wenn wir ehrlich sind, kennen wir das doch alle, oder? Meine Kleine fing übrigens auch schon ganz früh damit an, mit 9 Monaten hatte ich ein wirkliches Wickelproblem. Bis ich dahinter kam, erstmal meinerseits den Druck aus der Situation zu nehmen, dauerte es eine Weile. Doch als ich entspannter war, entspannte sich die ganze Situation wieder. Ich denke, Kinder müssen ja erst noch lernen mit ihren Gefühlen umzugehen, die Erwachsenen können ihnen aber auch entscheidend dabei helfen. Nicht durch Härte, Grenzen und Konsequenzen, sondern durch Sensibilität und Einfühlungsvermögen.
LG Momo
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Re: Trotzkinder

Beitragvon Linasina » Mi 16. Apr 2014, 21:03

Sei froh dass das in der Stadt lockerer gesehen wird. ;).
Ich hab schon alles durch mit ignorieren, konsequenzen, Einfühlungsvermögen und und und, nichts hilft. Ich bin ratlos und das Umfeld sagt es liegt nur daran wie du dein Kind erziehst. Das nervt einfach eben weil ich schon echt alle Register gezogen habe und alles versucht habe. Ja meine fingen auch mit 12 Monaten an zu Trotzen. Mich nervt es dass einfach alles schlechte auf die Eltern geschoben wird. Hier wird wirklich mit dem Kopf geschüttelt wenn Sich ein Kind im Kaufhaus hinwirft und nen Trotzanfall bekommt. Aber in der Kiga Gruppe meiner Großen gab es auch trotzige Kinder die sogar sehr aggressiv waren es geht also noch schlimmer. ;)
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Re: Trotzkinder

Beitragvon shaja » Mi 16. Apr 2014, 22:32

Liebe Linasina,


mein Sohn ist sehr, sehr willensstark.Das spürte ich schon während der Schwangerschaft-war so eine Intuition... ;)

Er hatte mit 11 Monaten erste Wutanfälle-anfangs war ich einfach nur überrrascht, naja dann gewöhnte ich mich daran..

Als er 2,6 JAhre alt war hatte er eine besonders sensible Phase-er schrie so laut und intensiv, dass wir beim Kinderarzt waren-alles war in Ordnung.

ALs er unegefähr 5 war, wiedereholte sich so eine Phase noch einmal-diesmal allerdings rannte er mir im Haus hinterher und ärgerte mich.....

Auch diese Phase (sie war zum GLück kurz ;) ) ging vorbei. insgesamt fand ich die Zeit zwischen 5 und 6 Jahren sehr sehr schwierig für ihn. in dieser Zeit hatte ich das GEfühl, er kämpft mit sich und dem Leben irgendwie ..er hatte in diesem Lebensjahr selten aber wenn, dann sehr laute und intensive Wutanfälle :schwitz:


Zum GLück bestätigten einige Freundinnen, dies auch bei ihren Kindern so zu erleben.

insgesamt finden wir 8und unsere Nachbarn ;) ;) , dass er sehr laut werden konnten(er hat eine sehr laute Stimme) . War er wütend, so drückte er das mit dem ganzen Körper aus-er stampfte, er schrie...

Nun ist er seit 3 Monaten 6 Jahre alt und ich finde es hat sich etwas entscheidendes verändert: Er schreit nicht mehr, er tobt nicht mehr- er versucht, uns zu ärgern, wenn es ihm niiht gut geht-doch damit komme ich besser klar.


ALs er jünger war, haben wir auch,wie Momo versucht, ihn zu spiegeln, indem wir seine Wünsche aussprachen. Auch er nahm es oft dankbar an. Als er jedoch älter wurde, "wirkte" das nicht mehr-er wollte uns einfach nur ärgern.

Wir haben inzwischen gelernt, ihm nun klare Grenzen zu setzen. Sobald er unsere Grenzen überschreitet, teilen wir ihm dies ganz klar mit. WIr haben das GEfühl, das gibt ihm mehr Sicherheit.

Wir wurden klarer, nachdem wir (bei privaten TReffen) gesehen hatten, wie ältere (auch sehr schlaue) Kinder aus der Schule jeglichen Anstand und jegliches freundliche Verhalten ERwachsenen gegenüber verloren hatten-das hatte uns erschreckt.

Wir stellten fest, dass aus seinem Trotzanfällen (für die wir sehr, sehr viel VERständnis gezeigt hatten!!) aggressives Verhalten uns gegenüber geworden war (nicht so schlimm, aber schon erkennbar). Wir machten uns sehr viele Gedanken und sprachen mit vielen Menschen und beschlossen, diese Entwicklung nicht zu akzeptieren.

DAs klingt nun härter als es war-ihm hat es geholfen, unsere Grenzen zu erkennen, diese auch zu akzeptieren (wie wir ja bei ihm auch).

Insgesamt ist er jedoch viel mehr für logische Argumente zugänglich seitdem er 6 ist- das finde ich sehr erleichternd!!!

Dennoch haben wir auch immer das Leid, das dahinter stekct im Hinterkopf, wenn er uns ärgert, dann überlegen wir sehr wohl , was ihn belasten könnte(Schule beispielsweise ;) ;) und versuchen ihm zu helfen. Doch in der akuten Situation ist er für Gespräche nicht zugänglich und wir müssen einfach mal nur klar und deutlich "Stopp!" sagen.
Im schlimmsten Fall muss er ins sein Zimmer gehen(was wir früher nie von ihm verlangt hatten!) . DAs ist dann klar genug....


Trotz allem finde ich es gar nicht so schlecht, sloch einen willensstarken Sohn zu haben: Schließlcih ist das Leben auch als ERwachsener nicht immer einfach und er muss später damit klar kommen-ich finde, ein starker Wille kann beim Meistern des Lebens von großem Vorteil sein ;) ;)

lG Shaja
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