Tiefstapeln?!

ganz allgemein zu Kleinkindern, ob nun aufgeweckt, klug oder hochbegabt

Tiefstapeln?!

Beitragvon Midnite Madness » So 13. Jul 2014, 22:57

Hallo zusammen,

ich bin neu hier und hoffe auf eine Antwort, die mir sehr auf der Seele brennt :)

Meine Tochter ist nun 3 Jahre alt und ein total quirliges, aufgewecktes, munteres, freundliches Wesen. Was richtig Herzerwärmendes. Sie ist ein sehr eigenes Kind mit eigenem Kopf, macht prinzipiell jeden Morgen Theater wegen des Kindergartens und überrascht immer wieder mit völlig verrückten Dingen, wo mir nur der Unterkiefer auf den Boden klappt. Ob sie jetzt hochbegabt ist oder nicht, ist für mich aktuell völlig irrelevant, sie ist wie sie ist und wir fördern, was sie spannend und interessant findet ;)

Darauf beruht auch indirekt meine Frage. Die Kleine ist ein absoluter Tiefstapler, was ihre Fähigkeiten angeht. Soweit, daß wir manchmal fast verrückt werden deswegen. Sie liebt zum Beispiel ihre Magnetmaltafel, sie hütet das Ding wie ihren Augapfel. Wenn wir mit ihr malen, kommt prinzipiell nur buntes Krickelkrackel raus. Im besten Falle ne Sonne, oder ein Stern oder was anderes krakeliges. Dann hat das Huhn wegen dringendem Pipibedürfnis und Aufs-Klo-Rennen versehentlich ihre Tafel liegen lassen (deshalb liebt sie diese Tafel- ein schneller Wisch und alles ist weg) und uns sind die Augen fast aus dem Kopf gefallen- da lachte uns ein wirklich perfektes Männchen mit Haaren, Ohren, Nase, Augen, Hals, Armen, Beinen etc. pp an und wir konnten es wirklich nicht fassen. Als wir sie drauf ansprachen, lächelte sie verschämt und *zack* verschwand das Kunstwerk von der Tafel.

Sämtliche Aufforderungen, das irgendwie mal auf Papier zu reproduzieren, endeten in Krickelkrackel mit babyhafter Stifthaltung :schwitz: Und sobald sie sich unbeobachtet fühlt, entstehen die zauberhaftesten Kunstwerke. Ich habe beim Aufräumen ein Malbuch gefunden, wo sie wirklich tolle Krabben, Vögel und Fische gemalt hat... Sie hatte es gut versteckt. Und sie hatte ihren Namen schreiben geübt :cry:

Genauso läuft das bei Buchstaben, Zahlen, Benutzen von Gegenständen. Sie sagt prinzipiell, "das weiß ich nicht", "das kann ich nicht", "keine Ahnung" oder Ähnliches. Fragt man sie, was das denn für ein Buchstabe ist, sagt sie absichtlich was anderes. Und manchmal rutscht ihr versehentlich was raus, so als sie einen Magnetbuchstaben fand und sagte, daß sie das verlorene Ypsilon gefunden hat. Kürzlich war sie gezwungen, die Zahlen zu benennen, weil sie unbedingt ein paar bestimmte Episode schauen wollte und gezwungenermaßen die Zahl der Episode lesen mußte... Völlig problemlos übrigens. Und das sind nur ein paar wenige Beispiele.

Natürlich ermutigen wir sie immer wieder- wir loben sie, sagen ihr, wie toll sie malt, lesen und malen mit ihr, aber nee- bei Aufforderung stellt sie prinzipiell auf den Babymodus. Es fällt schwer, einzuschätzen, was sie wirklich kann, zumal sie wirkliche Klopper bringt und mal eben so rumblökt, daß beim Einkaufen noch 3 Joghurts fehlen, damit es 5 sind, wenn 2 im Wagen liegen :roll:

Sie wächst zweisprachig auf, ihre Aussprache auf deutsch (meine Muttersprache) ist teilweise eher sehr undeutlich und man muß doch manchmal raten, was sie will. Ihr Wortschatz ist gigantisch, was es noch schwerer macht, wenn sie einem genuschelte Wörter wie Kreuzotter an den Kopf schmeißt. Sie wird wirklich stinkig, wenn man nicht peilt, was sie möchte...

Zurück zu meiner eigentlichen Frage- ist das bei euren Zwergen auch so und hat jemand Tips, wie man sie mal dazu bekommt, zu zeigen, was sie wirklich kann?

Ich hoffe auf eure Antworten :D
Midnite Madness
 
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Re: Tiefstapeln?!

Beitragvon Rabaukenmama » So 13. Jul 2014, 23:19

Ein bisschen ist es bei meinem Sohn auch so. Nur, dass er zu Hause sehr wohl zeigt, was er drauf hat. Er ist 4 Jahren und 4 Monate alt. Dass er sinnerfassend lesen kann gibt er nach außen hin auch nicht zu. Als aber ein Mädchen aus seiner Kindergartengruppe frage, wo denn sein kleiner Bruder in den Kindergarten geht, kam wie aus der Pistole geschossen die Antwort "Dort wo KINDERGARTEN DER STADT WIEN über der Tür steht". Mein Sohn war nur einmal im Kindergarten seines Bruders mit, da muss er das gelesen und sich gemerkt haben.

Wenn man ihn aber bittet, etwas vorzulesen, dann meint er oft "Das kann ich nicht", auch wenn es ganz einfache Wörter sind. Diese Woche war ich mit meinem Sohn bei der Entwicklungsdiagnostik (weil der Kindergarten dazu geraten hat). Die Psychologin fragte mich nach seinem Geburtsdatum und ich gab die Frage an meinen Sohn weiter. Was meinte der, schelmisch grinsend? "Ich weiß es nicht!". Dabei kennt er sein Geburtsdatum seit er 2 1/2 Jahre alt ist und hat es sicher nicht vergessen! Sogar als die Psychologin fragte, ob er im Frühling, im Sommer im Herbst oder im Winter Geburtstag hat kam "Ich weiß es nicht" - dabei weiß er nicht nur von sich, sondern von allen 30 Kindern im Kindergarten in welcher Jahreszeit sie geboren sind!

Oft verwendet mein Sohn zu Hause Babysprache und verständigt sich mit 1-2-Wort-Sätzen mit der Endung -i ("Hundi-spieli"), obwohl ich niemanden kenne, der jemals so mit ihm gesprochen hat. Dabei hat er einen gewaltigen Wortschatz und eine erstaunliche Ausdrucksweise. Bei einer Logopädin im AKH Wien war er der bisher einzige 4jährige, der den kompletten Grammatik-Verständnis-Katalog fehlerfrei bis zum Schluss durchgearbeitet hat. Und wenn wir in der U-Bahn sitzen sagt er (manchmal) nicht "Mama, ich habe Durst" sondern "Dursti-Flaschi" :roll: .

Im Gegensatz zu Deiner Tochter ist es aber bei uns so, dass er zu Hause schon immer wieder zeigt, was er drauf hat - auch wenn er mit dem Lob dafür anscheinend nicht viel anfangen kann. Bei anderen Dingen wie z.B. Lego-bauen hingegen ist er stolz auf das, was er zustande bringt, und lässt sich gerne (zu Recht) loben. Nur "herzeigen" tut er seine Fähigkeiten nicht oft und schon gar nicht auf Verlangen. Im Kindergarten ist es natürlich trotzdem schon längst aufgefallen und dort hat er leider immer wieder Probleme, weil sein sozial-emotionales Verhalten nicht mit seinen Fähigkeiten "zusammenpasst".

Rat, was man das tun kann, habe ich leider auch keinen. Nur: du bist nicht allein ;) !
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Re: Tiefstapeln?!

Beitragvon Midnite Madness » Mo 14. Jul 2014, 23:41

Huhu Rabaukenmama :D

Vielen lieben Dank für deine Antwort, tat sehr gut, das zu lesen. Wirklich.

Als ob das kleine Monster deine Antwort gelesen hätte, fing sie heute Abend an mit "Pipi machi gehi und schlafi schlafi" und ich mußte echt an dich denken :lol:

Ich frage mich wirklich, wie ich sie dazu bringen kann, wirklich mal zu zeigen, was sie so kann. Daß sie quasi ein bissel angibt mit ihren Fähigkeiten und sich mal ein Lob oder Anerkennung abholt. Nee, sie übt das alles, bis sie es wirklich perfekt kann.

Im Kindergarten fällt sie eher dadurch auf, daß sie sehr hilfsbereit ist und heulenden Kindern mal von sich aus nen Eisakku aus dem Kühlschrank holt oder den Schnuller, als daß sie supertolle Leistungen bringt. Da verschließt sie sich eher noch mehr als zuhause, wobei sie sich natürlich auch da mal "verplappert" oder versehentlich ein Fremdwort rausläßt :roll: Im Kindergarten hat sie jedenfalls noch nie was Tolles gemalt- wohl zu viele neugierige Augen.

Sie beäugt Unbekannte auch prinzipiell sehr mißtrauisch und sagt erstmal gar nix. Wenn sie dann sicher ist, daß sie verstanden wird, quatscht sie demjenigen die Ohren voll. Sie haßt es fürchterlich, wenn man nicht versteht, was sie sagen möchte.

Sie ist eigentlich ein total selbstbewußtes, mutiges, tapferes Kind. Aber manchmal frage ich mich, ob sie irgendwelche (unbegründeten) Versagensängste oder Probleme mit dem Selbstbewußtsein hat, vielleicht ist sie auch einfach nur perfektionistisch..?
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Re: Tiefstapeln?!

Beitragvon carmen75 » Mi 16. Jul 2014, 03:17

Hallo Midnite,

ich glaube mit dem Perfektionistisch liegst Du nicht ganz verkehrt.

Bei unserem Sohn ist es ähnlich gewesen.
Mit 4 Jahren konnte er im 10 BErich rechnen. 1 Jahr später konnte er es plötzlich nicht mehr. auch jetzt in der Schule tut er sich beim rechnen schwer,weil er um tausend Ecken denkt und glaubt: die Aufgabe könnte schwieriger sein als sie ist und womöglich falsch.Kurz bervor er in die Schule kam,gab er uns immer die gleiche Antwort: weiß ich nicht,kann ich nicht!

Was aber auch möglich ist,das sich die Kinder anpassen!
Ich glaube,dass sie schon merken,dass sie anders sind,anders denken,mehr können und wissen als andere. Und um nicht aufzufallen,passen sie sich an!
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Re: Tiefstapeln?!

Beitragvon Rabaukenmama » Mi 16. Jul 2014, 07:51

Mir kommt vor Kinder können Fähigkeiten auch wieder "vergessen" oder "verlernen". Mein Sohn hat immer wieder exzessive Phasen, wo ihn nur eine Sache interessiert. Vor einigen Monaten hatte er mal so ne Mathe-Phase. Da wurde ständig rumgerechnet. Da kamen (noch vor dem 4. Geburtstag) so Aussagen wie "Gell, Mama, im Jahr 2040 bin ich 30 Jahre als und der A... (kleiner Bruder) ist 28 Jahre alt". Er konnte auch um den 3. Geburtstag herum schon 2stellige Zahlen korrekt lesen.

Jetzt waren einige Monate mit anderen Interessen dazwischen. Und siehe da, plötzlich liest er 2stellige Zahlen verkehrt herum (eigentlich wäre es so ja "richtiger, das ist eben eine Eigenheit der deutschen Sprache) und fragt so Sachen wie "Mama, wie viel ist 3 plus 3?" (wo er vor Monaten schon locker im 2stelligen Bereich gerechnet hat). Kann sein, dass er wieder tiefstapelt, kann aber auch sein, dass er wirklich etliches von dem, was er schon mal konnte, wieder "vergessen" hat.

In den Monaten, wo Mathe uninteressant war, gab´s z.B. exzessive Phasen ist Sachen lesen, Technik (wie funktioniert das?), Rollenspiele und Lego (diese Phase war am intensivsten). In der Zeit hat er z.B. gelernt, Lego Modelle mit der Aufschrift "6-12 Jahre" allein korrekt nach Plan zusammenzubauen und diverse andere Lego-Sachen zu "erfinden". Er liest sehr viel, aber nicht Bücher sondern Plakate, Orstschilder, Texte auf Fahrzeugen (z.B. das Fahrziel bei Bussen) usw. Dann kommen so Fragen wie "Mama, was bedeutet WASTE?" Und weil er das so ausspricht, wie man es liest, ist es gar nicht so leicht dahinterzukommen, dass es ein englisches Wort ist, welches er auf einem Abfalleimer gelesen hat :lol: .

Dass mein Sohn kein Kind ist, welches seine Fähigkeiten gerne vorzeigt, mag daran liegen, dass ihm der Wirbel um seine Person ("Was, der xxx kann schon xxx!") eher unangenehm ist. Zwar ein bisschen seltsam, weil er sich sonst gerne in den Mittelpunkt stellt, aber durchaus möglich. Dann natürlich bekommt er mit, dass manche Kinder seiner KIGA-Gruppe, die jetzt eingeschult werden, wesentlich weniger wissen und können als er.

"Freies Schreiben" - diese Phase begann bei ihm mit 3 Jahren und 8 Monaten und dauerte bis kurz vor seinem 4. Geburtstag. Seitdem macht er das fast nicht mehr. Wenn er jetzt etwas schreibt fragt er mich bei jedem Wort, wie man es "richtig" schreibt und ich muss es ihm buchstabieren. Schade, denn so Wortschöpfungen wie BEBISITARIN oder NUTELN MIT KESESOSE fand ich recht lustig. Den Floh, dass alles richtig geschrieben werden muss, habe ich ihm nicht ins Ohr gesetzt - aber er sitzt trotzdem drin, wer auch immer dahintersteckt (ob er selbst oder wer anderer).

Übrigens bis ich selbst hochbegabt und war als Kind extrem perfektionistisch. Ich habe den bei weitem besten Schuleinstiegstest (von 90 Kindern) abgeliefert und im nachhinein wurde mir gesagt, dass ich nur 2 Fehler gemacht hatte. Was tat ich? Statt mich über das gute Ergebnis zu freuen bin ich ´wegen der 2 Fehler in Tränen ausgebrochen! Und das ohne JEGLICHEN Druck von irgendwem!
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Re: Tiefstapeln?!

Beitragvon inessa73 » Mi 16. Jul 2014, 10:40

Hallo !

Bei meinem Kleinen, er wird im Oktober 5, denke ich auch oft, daß schlummert was und er zeigt es nur nicht. Statt dessen kommt immer "das kann ich nicht" oder "das weiss ich nicht".

Lt. Aussage der Erzieherin hat er wohl einige perfektionistische Tendenzen und bevor er scheitert, lässt er es halt lieber um keine "Niederlage" zu erleiden. Das finde ich echt schade, weil ich denke, in ihm steckt doch so einiges, auch wenn er sicher nicht hochbegabt ist. Auf jeden Fall denke ich, daß er ein gutes mathematisches Verständnis hat.
Vor einem Jahr hatte er eine Phase, da wurde alles gezählt, er wusste beim Weihnachtskalender immer genau, welcher Tag dran ist und welcher gestern war, inkl. erkennen der Zahlen. Beim Würfeln mit 2 Würfeln hat er ganz fix rausgehabt, welchen Gesamtwert beide Würfel haben, ohne zu zählen (war evt. auch auswendig gelernt, durch häufiges Spielen). Er weiß auch genau, welche Zahl größer ist, bis in den dreistelligen Bereich habe ichs mal getestet.

Ich hoffe nur, daß sich dieses "ich kann das nicht" / "ich will das nicht" bis zur Schule in 2 Jahren legt, denn sonst sehe ich da echt Probleme. Dazu ist er auch nicht unbedingt der Ruhigste und hat Hummeln im Po. Malen ist gar nicht sein Ding, da muss man ihn mehr oder weniger zwingen, wobei ich denke, daß da evtl. die Hänmdigkeit eine Rolle spielt. So richtig klar ist es bei ihm nämlich noch nicht, ob Rechts- oder Linkshänder. Malen und Ball werfen macht er durchweg mit links, alles andere noch wechselnd.


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Re: Tiefstapeln?!

Beitragvon Momo » Do 17. Jul 2014, 22:10

Das Phänomen, dass Kinder sich eine Zeit sehr intensiv mit einem Thema beschäftigen und das Interesse dann plötzlich wieder ganz woanders liegt, kenne ich auch. Auch das das eventuelle "Vergessen" von Fähigkeiten kenne ich. Eine Situation war sehr interessant. Ich wickelte meine Tochter, da war sie 1,5 Jahre alt. In dieser Situation zeigte sie auf das Toilettenpapier mit blauen Blümchen und sagte "blau". Ich war sehr erstaunt und fragte sie, ob sie mir auch etwas rotes zeigen könne. Sie stand auf, lief zu etwas rotem und zeigte darauf. So ging es weiter mit allen Grundfarben. Am nächsten Tag hat sie dies auch meinem Partner mit Hilfe ihrer bunten Bauklötze noch mal wiederholt. Danach schien sie sich an nichts mehr zu erinnern, bis zum zweiten Geburtstag interessierte sie sich überhaupt nicht mehr für Farben. Vielleicht haben wir auch zu stark erfreut reagiert? Vielleicht war ihr das zu viel? Ich weiß es nicht.
Und das "Tiefstapeln" kenne ich auch. Ich habe auch manchmal das Gefühl, sie möchte nicht mit ihren Fähigkeiten auffallen. Dies ist vor allem bei Menschen außerhalb unserer Familie der Fall, doch manchmal beobachte ich sie auch nebenbei und sehe, dass sie z.B. eine Telefonnummer ganz alleine ins Telefon tippt. Ich wusste gar nicht, dass sie dies kann. Oder sie sagt, sie möchte ein Pferd malen, möchte es aber nicht versuchen, weil sie es "nicht kann". Perfektionismus lässt grüßen...
Interessant, dass Ihr dies auch kennt.

Momo
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Re: Tiefstapeln?!

Beitragvon alibaba » Fr 18. Jul 2014, 10:56

Ihr Lieben,

ich frage mich sehr erstaunt, warum sich denn ein Kind präsentieren soll? Warum soll es den anderen zeigen, das es z.B. lesen kann. Warum?

Dieses präsentieren ist ein Erwachsenenphänomen. Angeben nennen das einige. ;)

Kinder finden ihre Fähigkeiten eigentlich ganz normal. Sie können eigentlich auch ganz gut akzepteiren, ich kann das einfach, der andere noch nicht, auch egal. Wenn wir Erwachsene nur nicht wären. Wir sind es die unsere Kinder präsentieren wollen, Anerkennung dadurch bekommen was das Kind denn schon alles kann und uns dabei wohl fühlen. So bekommt das Kind mit, es muss etwas Besonderes sein. Lässt man aber Kinder einfach mal machen, wird man bald sehen, das es vollkommen normal ist, wenn sie sich heute für Buchstaben interessieren und morgen dann halt für den Inhalt ihrer Windel. Es ist ganz normal, das Farben wieder vergessen werden oder die Buchstaben, denn das kindliche Gehirn und die Ablageplätze für Wissen sind in steter Veränderung. Es ist weiterhin normal, das man sich heute für Dinosaurier interessiert, morgen für Autos. Die kindliche Welt ist voller Entdeckungen.

Man vergleiche mit dem Schlaraffenland. Wenn wir in einem Raum wären, der voller Süßigkeiten ist, würden wir dann an der ersten Süßigkeit stehen bleiben und uns von dort nicht mehr wegbewegen oder würden wir von überall kosten wollen? Da sehe ich ja noch etwas Besseres, nein, dahinten das sieht ja viel köstlicher aus. Würden wir noch aufessen, wenn wir im Schlaraffenland so viel sehen oder würden wir die halb angefangene Schokobanane nicht liegen lassen um die Zuckererdbeere zu probieren? Schokobananen, zu der kann ich nachher zurück gehen. :mrgreen: Und vielleicht vergessen wir die Schokobanane tatsächlich, weil wir einfach finden, die Zuckererdbeere schmeckt viel besser. :gruebel:

Ich finde es daher sehr natürlich wenn sich die Kinder nicht präsentieren lassen wollen.

VLG
alibaba
 

Re: Tiefstapeln?!

Beitragvon zweierpack » Fr 18. Jul 2014, 11:27

Hallo,

ich denke, fast jeder von uns hat die Erfahrung des "Tiefstapelns" schon gemacht und sich gewundert, was die Kinder denn so hemmt. Meine Tochter kann auch einiges, was sie nicht bereitwillig "außen" präsentiert wie z.B. erstes Schreiben etc.
Es hat bei ihr etwas mit dem genannten Perfektionismus zu tun, auch damit sich nicht von anderen Kindern in Gruppen unterscheiden zu wollen - aber ich habe auch bemerkt, dass es eher ein Problem für mich ist als für sie. Das "Können" von etwas macht sie stolz, aber ihre Wertigkeit ist anders als meine. Wahrscheinlich findet sie es immer noch toller, gut klettern zu können als Buchstaben zu können.
Wenn ich ganz ehrlich bin, hätte ich schon mal gerne gezeigt, wie weit sie in manchen Dingen ist (tut so als kann sie ihren Namen nicht schreiben verfasst aber zu Hause, wenn sie Lust hat Einkaufszettel mit origineller Rechtschreibung). Aber ich habe für mich gelernt es entspannter zu sehen. Ich habe mich daran erinnert wie schrecklich es war, wenn meine Eltern immer wollten, dass ich als Kind jedem Besuch Klavier vorspiele - und zwar nicht aus eigener Freude, sondern um zu zeigen, was ich kann.
So lange sie zufrieden ist und nicht unter irgendeinem Druck steht, der verhindert, dass sie etwas nicht zeigt oder sie negativ hemmt (z.B. blöde Bemerkungen durch Erzieher oder anderer Kinder) ist es ihre Angelegenheit. Und seitdem ich es locker sehe (und nicht in bestimmten Situationen mit "Du kannst doch eigentlich..." reagiere) sind wir beide entspannter und sie zeigt das, was sie kann, wo und wie sie will und wenn nicht dann eben nicht (sie ist ja noch im Kindergarten und muss keine Leistung beweisen!). Und ja, auch sie hat solche Babyphasen, die mich manchmal ganz wahnsinnig machen - aber ich glaube es gehört zur normalen Spanne von 3-4 Jährigen dazu in einer Minute alles "babyleicht" (ein Lieblings-Ausspruch meiner Tochter) zu finden und dann manchmal doch noch Baby sein zu wollen (meine verwendet dann keine Babysgrüßeprache aber gestern wollte sie auf einmal gefüttert werden - ohne Worte ;-))
viele Grüße
Regine
zweierpack
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Re: Tiefstapeln?!

Beitragvon Rabaukenmama » Fr 18. Jul 2014, 11:59

@alibaba: Ja, damit liegst Du ganz bestimmt richtig. Als Eltern ist man ja ständig am "vergleichen" - das geht schon bei der Geburt los: wie groß und schwer ist das Baby, hat es Haare oder nicht, wie gut nimmt es zu, wie oft stillt die andere Mama (im Vergleich zu mir), wann hebt das Kind den Kopf, wann dreht es sich,...

Dazu wird man noch von manchen anderen Eltern aufgestachelt, die ständig damit angeben, was das Kind schon alles weiß und kann. Und irgendwann fängt dann der Punkt an, wo man das andere Kind dann beobachtet ob es sich WIRKLICH schon selbst zum stehen hochziehen kann oder mit dem Löffel in den Mund trifft. Schließlich gibt es auch Eltern, die bei der Schwärmerei um das eigene Kind nicht ganz bei der Wahrheit bleiben...

...und spätestens ab dem Zeitpunkt will man natürlich selbst auch, dass das eigene Kind die Dinge, von denen man weiß, dass es sie kann, auch zeigt. Bei sich selbst bemerkt man das natürlich nicht so sehr wie bei anderen. Was mich betrifft so habe ich längst akzeptiert dass mein Sohn eben kein "Vorzeigekind" ist, was mich nicht so verwundert, weil ich selbst ja auch keines war.

Meine Eltern hätte mich immer gerne "vorgezeigt". Damit hatten sie es aber schwer. Was erzählen Eltern gerne stolz von ihren Kindern: mein Kind ist so hübsch, mein Kind ist so brav, mein Kind ist so sportlich, mein Kind ist so klug!

Nun, ich war absolut nicht hübsch, hatte zusätzlich zu meiner sehr dicken Brille noch einen starken Vorbiß (samt Zahnspange) und trotz orthopädischer Einlagen einen watschelnden Gang. Brav war ich auch nicht, ständig habe ich mich schmutzig gemacht, geredet wo ich nicht sollte oder Erwachsene, die mMn Blödsinn machten oder sagten, bloßgestellt. Sportlich? Ha-Ha.Ha - ich konnte mich sogar beim Versuch von einer Gehsteigkante zu springen, verletzen und konnte mir bei Mannschaftssport (z.B. Völkerball) an Hand der Schülerzahl schon zu Beginn ausrechnen, welche Mannschaft mich nehmen "musste".

Daher blieb nur noch, meine Klugheit hervorzustellen. Tja, und die habe ich halt gar nicht gern und oft "gezeigt". Mir war es schon peinlich genug, wenn ich vor jedem Besuch auf der Gitarre vorspielen musste, damit mein Eltern zeigen konnten, wie musikalisch ich bin...
Zuletzt geändert von Rabaukenmama am Fr 18. Jul 2014, 12:43, insgesamt 1-mal geändert.
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