Erziehungskonzepte und eigene Vorstellungen

ganz allgemein zu Kleinkindern, ob nun aufgeweckt, klug oder hochbegabt

Re: Erziehungskonzepte und eigene Vorstellungen

Beitragvon Rabaukenmama » Fr 16. Jan 2015, 15:00

charlotte2 hat geschrieben:Zum Gordon-Ratgeber: Ich bin gerade mal wieder beim "aktiven Zuhören", hat da jemand Erfahrung damit? Finde ich super beschrieben in dem Buch, besser als ich es je bisher gelesen habe, theoretisch finde ich es auch sehr überzeugend - nur funktioniert das bei uns einfach nicht. Also, heute morgen - Kind: "Mama, ich will nicht in den Kindergarten". Ich: "Du hast keine Lust, in den Kindergarten zu gehen." Kind: "Nein." Ich: "Du möchtest Dich nicht von mir trennen." Kind: "Ja" Ich:" Im Kindergarten ist es Dir langweilig." Kind: "Ja". Was mache ich falsch???


Du machst nichts falsch. Dein Kind fühlt sich verstanden, du brauchst nicht sofort eine Lösung anbieten. Dem Gespräch könnte noch ein "Türöffner" folgen, damit dein Kind noch mehr von sich erzählt. Das könnte z.B. sein "Im Kindergarten sind keine Spiele, die Dir gefallen?". Das wird dein Kind entweder bejahen oder dich korrigieren und Dir sagen, was aus SEINER Sicht nicht paßt, z.B. "Nein, Spiele sind genug dort. Aber die Susi spielt immer mit der Nina statt mit mir...". Da könnte man z.B. das Gespräch fortführen, indem man antwortet "Du würdest so gerne mit der Susi spielen, aber sie hat keine Zeit für Dich..." usw. Wichtig ist, den Ball beim Kind zu lassen und KEINE Lösungen (wie z.B. "Dann spiel halt mit der Gretel..." anzubieten). Im besten Fall findet das Kind selbst eine Lösung, im schlechtesten fühlt es sich von Dir verstanden ;) .

Aktives Zuhören ist nicht nur dann erfolgreich, wenn unsere Kinder das sagen, was wir gerne hören würden.

Mein Großer und ich haben manchmal so Gespräche. Gestern war so ein Beispiel: mein Sohn und ich spielen gerade mit Autos als der Fahrtendienst anruft dass der kleine Bruder gleich vom Kindergarten heimgebracht wird. Der Dialog war wie folgt:

Sohn: Wer hat da angerufen?
Ich: Der Fahrtendienst. Sie bringen den A..... nach Hause.
Sohn: (jammernd) Ohje!!!
Ich: Du willst nicht, dass der A.... nach Hause kommt.
Sohn: Ja, ich will noch allein mit dir spielen!
Ich: Der A... ist Dir lästig
Sohn: Ja, er macht immer alles kaputt!


Damit war das Gespräch schon beendet, weil ich raus mußte den Kleinen abholen. Obwohl es nicht augenscheinlich "erfolgreich" war (sprich: das Problem meines Sohnes war damit nicht aus der Welt geräumt) hat er sich verstanden gefühlt. Es würde auch nichts bringen, mich zu rechtfertigen dass ich eben auch für seinen Bruder "da sein muß" oder für irgenwann später Exklusiv-Zeit zu versprechen.

Beim aktiven zuhören muß man bereit sein, Probleme, die dem Kind "gehören" auch beim Kind zu lassen. Ich darf meinem Sohn schließlich auch erzählen wenn ich mich in der Firma geärgert habe und erwarte nicht, dass er mein Problem für mich löst.
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Re: Erziehungskonzepte und eigene Vorstellungen

Beitragvon Rabaukenmama » Fr 16. Jan 2015, 15:08

charlotte2 hat geschrieben:Schon mal beruhigend, dass es nicht nur mir so geht :) Ich empfinde es fast als Widerspruch, einerseits nichts zu interpretieren, andererseits aber zu versuchen, ihren Code zu entschlüsseln und nicht einfach nachzuplappern. Wenn ich nach dem "warum" frage, läuft das dann nicht unter aushorchen, was man ja auch nicht soll? Spontan hätte ich es nämlich genau so gemacht, sie gefragt, warum sie nicht will. Bzw. eigentlich weiß ich ja längst, warum sie nicht will, wir haben oft genug darüber gesprochen. Vielleicht hat einfach die Situation nicht gepasst, und sie sagte nichts, weil eigentlich das Problem sowieso schon klar war.


Die Kunst beim aktiven zuhören ist, sich ins Kind reinzuversetzen und zu RATEN was für ein Problem es haben KÖNNTE. Im besten Fall landet man einen Volltreffer, liegt man daneben ist der Ball beim Kind den Irrtum aufzuklären.

Warum soll man übrigens nicht aushorchen? Was ist schlecht daran, von einem anderen Menschen (noch dazu meinem eigenen Kind, das mir näher steht als sonst jemand) wissen zu wollen, was ihn stört oder freut? Tut mir leid, aber im Moment stehe ich auf der Leitung. Wenn es Dinge gibt, die mir mein Kind nicht sagen will, dann wird es das ohnehin nicht tun oder mich mit "Darüber will ich nicht sprechen!" zurückweisen.

charlotte2 hat geschrieben:Habe mittlerweile 61% vom Buch gelesen. Es ist interessant geschrieben, v.a. der Anfang, jetzt allmählich fängt er allerdings an, sich ständig zu wiederholen. Außerdem kommt bisher nicht wirklich viel Neues. Ich reagiere sowieso oft mit ich-Botschaften und Verhandeln. Bisher fehlt mir auch eine überzeugende machtfreie Methode für Verhalten, das so gar nicht geht wie z.B. als meine Tochter versuchte, mir einen Stift ins Auge zu piksen. Da finde ich Juul besser, der erlaubt, in so einem Fall auch mal ganz authentisch zu schimpfen... Aber ich bin ja noch nicht fertig mit Lesen :)


Authentisch schimpfen ist in meinen Augen eine Ich-Botschaft. Das kann z.B. so aussehen "Ich habe es satt, mir weh tun zu lassen! Jedes Mal, wenn der Stift in die Nähe meines Auges kommt bekomme ich Panik und es ärgert mich gewaltig, immer wieder aufpassen zu müssen dass mir nicht weh getan wird!"

Mir ist es früher auch etwas komisch vorgekommen, aber mittlerweile ist diese schimpfen in ich-Botschaften für mich ganz normal geworden. Und wenn mir mal ein "Ich hasse es wenn DU mich so behandelst!" rausrutscht sehe ich das auch nicht als Tragödie.
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Re: Erziehungskonzepte und eigene Vorstellungen

Beitragvon Rabaukenmama » Fr 16. Jan 2015, 18:38

sinus hat geschrieben:Einmal habe ich, als ich geschimpft hatte, dass sie mir nicht zuhört und nicht das gemacht hatte, was ich ihr sagte - in dem Falle sollte sie leise sein, weil die Kleine schlief, war dann aber laut durch die Wohnung getobt und das Baby wachte prompt auf -, in so einem Gespräch gesagt, dass es vielleicht dran liegt, dass sie so viele andere Gedanken im Kopf hat.
Das kam dann wochenlang immer wieder von ihr: "Mama, ich hab einfach zu viele Gedanken im Kopf, DARUM!" ( ist x,y,z passiert)


Ja, das kenne ich auch. In einer Einnäss-Phase meines Sohnes meinte ich mal wütend zu ihm "Dich interessiert ja gar nicht, dass deine Hose trocken bleibt!" (gar nicht aktives zuhören :mrgreen: ) und dann kam immer wenn die Rede darauf kam "Mama, du weißt ja: es interessiert mich gar nicht!"

Was das aktive zuhören betrifft weiß ich mittlerweile, dass es "unser" Weg ist. Dabei mache ich immer noch Fehler (wie oben beschrieben), aber ich strebe nach Besserung, nicht nach Vollkommenheit ;) . Ich habe das Buch "Familienkonferenz" ja schon gelesen, bevor ich eigene Kinder hatte. Da ging´s mir um den älteren Sohn meines Mannes, der sich immer mehr verschlossen hat. Als mein Großer ca. 2 Jahre alt war habe ich das Buch wieder ausgegraben und noch mal gelesen. Und jetzt, vor einem halben Jahr, zum dritten Mal.

In den Jahren, die ich mittlerweile aktives zuhören übe bin ich auf einiges von mir selbst draufgekommen.

1. Ich bin offensichtlich so oft persönlich angegriffen worden, dass es für mich zur normalen Reaktion geworden war, persönlich anzugreifen, anstatt zu sagen, was ich empfinde.
2. Ich habe ein großes Bedürfnis, Probleme anderer "kleinzureden", weil ich gerne so eine heile Welt hätte, wo alle glücklich sind. "Das ist ja nicht so schlimm..." war eines meiner Hauptargumente
3. Ich war anfangs gar nicht bereit, bei anderen heftige Gefühle zu interpretieren. Anstatt "du hast eine Stinkwut auf den soundso..." sagte ich z.B. "du kommst mit dem soundso nicht besonders gut zurecht...". Ich hoffte anscheinend, mit der Abschwächung meiner Interpretation auch eine Abschwächung der Gefühle meines Kindes zu bewirken
4. Ich erwartete mir von der Methode sofortige Lösungen. Die gibt´s aber oft nicht. Vor allem als ich zwischen meinem Mann und seinem großen Sohn mit aktivem zuhören zu vermitteln versuchte musste ich feststellen, dass mehr zwischen den beiden "kaputt" war, als ich wahrhaben wollte
5. Den Wert des aktiven zuhörens endgültig erkannt habe ich, als ich es auch bei meinem Mann angewandt habe. Während ich vorher immer versucht hatte, ihn dazu zu bringen, seinem Sohn doch mehr Achtung und Wertschätzung entgegenzubringen und ihm seine Liebe mehr zu zeigen habe ich durch aktives zuhören herausbekommen, dass mein Mann ein sehr schlechtes Gewissen hatte weil er sich nach der Scheidung nicht mehr um seinen Sohn gekümmert hatte und jedes Mal, wenn er den Buben sah, versperrte ihm dieses schlechte Gewissen die Möglichkeit, ihm seine wahren (liebevollen) Gefühle zu zeigen.
Der Weg, der zu dieser Erkenntnis führte, war aber schwer. Da mußten die Gefühle wirklich Schicht für Schicht freigelegt werden damit mein Mann durch das darüber-sprechen sein eigenes Problem erkennen konnte. Mit 1x aktiv zuhören war da gar nichts getan, das dauerte Wochen! Aber seitdem bin ich von diese Methode der Konfliktbewältigung restlos überzeugt.
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Re: Erziehungskonzepte und eigene Vorstellungen

Beitragvon charlotte2 » Mo 19. Jan 2015, 23:55

Hab das Buch fertiggelesen :) Es sind wirklich interessante Ansätze dabei. Ich finde es vom Grundtenor her ähnlich wie Jesper Juul, aber es steht konkreter drin, wie man den wertschätzenden Umgang usw. hinbekommen kann. Wobei meine Tochter nach wie vor bei meinem aktiven Zuhören zur Einsilbigkeit neigt und erst dann zu reden anfängt, wenn ich konkret nachfrage. Ich hatte das aktive Zuhören eigentlich so verstanden gehabt, dass man eben keine Gegenfragen à la "Warum willst Du nicht in den Kindergarten?" stellt, außerdem reagiert meine Kleine auf ein "Wie war´s im Kindergarten?" auch schon mal mit einem genervten "Wenn Du dauernd fragst und fragst, dann sag ich Dir gar nichts mehr." Wie auch immer, ich werde die Anregungen aus dem Buch weiter testen. Wobei ich auch bisher meinem Kind nicht so klugscheißerisch geantwortet habe wie bei den Beispielen im Buch und auch bisher bei Konflikten so gut wie immer mein Kind mit einbezogen habe. Weil ich selbst auch für die damalige Zeit erstaunlich demokratisch erzogen wurde, wie mir erst jetzt klar wird.
Hast Du mit "Methode III" der machtfreien Konfliktlösung gute Erfahrungen gemacht, Rabaukenmama? Funktioniert das in Reinform wirklich? Auch wenn´s z.B. ums Schlafengehen geht? Beim Schlafengehen habe ich nämlich in letzter Zeit ganz klar "Methode I" angewendet. Nachdem es anders überhaupt nicht funktioniert hat.
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Re: Erziehungskonzepte und eigene Vorstellungen

Beitragvon Rabaukenmama » Mi 21. Jan 2015, 08:30

charlotte2 hat geschrieben:Hab das Buch fertiggelesen :) Es sind wirklich interessante Ansätze dabei. Ich finde es vom Grundtenor her ähnlich wie Jesper Juul, aber es steht konkreter drin, wie man den wertschätzenden Umgang usw. hinbekommen kann. Wobei meine Tochter nach wie vor bei meinem aktiven Zuhören zur Einsilbigkeit neigt und erst dann zu reden anfängt, wenn ich konkret nachfrage. Ich hatte das aktive Zuhören eigentlich so verstanden gehabt, dass man eben keine Gegenfragen à la "Warum willst Du nicht in den Kindergarten?" stellt, außerdem reagiert meine Kleine auf ein "Wie war´s im Kindergarten?" auch schon mal mit einem genervten "Wenn Du dauernd fragst und fragst, dann sag ich Dir gar nichts mehr."


Auf die Frage "Wie war´s im Kindergarten?" antwortet mein Sohn seit Wochen nur noch "Blah, blah, blah,...!". Einmal habe ich (im Sinne von aktiven zuhören) weitergefragt "Es nervt dich, wenn ich dich immer frage?" und es kam ein deutliches "Jaaah!".

Aber ich erinnere mich auch dass ich so offene Standard-Fragen gar nicht mochte. "Was gibt´s Neues in der Schule?" oder "Was habt ihr heute im Hort gemacht?" - solche Fragen haben mich extrem genervt. Einerseits weil´s ohnehin immer gleich war, andererseits weil ich keinerlei Lust hatte ins Detail zu beschreiben was ich wirklich gemacht hatte (und ehrlich gesagt hätte es auch niemanden wirklich interessiert).

charlotte2 hat geschrieben:Wie auch immer, ich werde die Anregungen aus dem Buch weiter testen. Wobei ich auch bisher meinem Kind nicht so klugscheißerisch geantwortet habe wie bei den Beispielen im Buch und auch bisher bei Konflikten so gut wie immer mein Kind mit einbezogen habe. Weil ich selbst auch für die damalige Zeit erstaunlich demokratisch erzogen wurde, wie mir erst jetzt klar wird.


Einer meiner wenigen Kritikpunkte an dem Buch ist, dass sich die Beispiele nach moderneren Erziehungsproblemen richten sollte als z.B. nach der Haarlänge bei jugendlichen Buben. Die Grundsätze sind heute noch genauso gültig wie zur Ersterscheinung des Buches, nur heute ist es ziemlich egal wie lang die Haare eines 15jährigen Buben sind, während z.B. die Zeit für Konsolenspiele oder Internet-Nutzung mMn heute öfter Streitthema ist.


charlotte2 hat geschrieben:Hast Du mit "Methode III" der machtfreien Konfliktlösung gute Erfahrungen gemacht, Rabaukenmama? Funktioniert das in Reinform wirklich? Auch wenn´s z.B. ums Schlafengehen geht? Beim Schlafengehen habe ich nämlich in letzter Zeit ganz klar "Methode I" angewendet. Nachdem es anders überhaupt nicht funktioniert hat.


Mit Methode III habe ich schon oft gute Erfahrungen gemacht, nur leider nicht beim schlafen gehen. Da macht jetzt der Kleine (der Kommunikation teilweise bewusst verweigert) die Sache komplizierter. Ich werde näher darauf eingehen wenn ich mehr Zeit habe.
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Re: Erziehungskonzepte und eigene Vorstellungen

Beitragvon Rabaukenmama » Mi 21. Jan 2015, 23:22

charlotte2 hat geschrieben:Hast Du mit "Methode III" der machtfreien Konfliktlösung gute Erfahrungen gemacht, Rabaukenmama? Funktioniert das in Reinform wirklich? Auch wenn´s z.B. ums Schlafengehen geht? Beim Schlafengehen habe ich nämlich in letzter Zeit ganz klar "Methode I" angewendet. Nachdem es anders überhaupt nicht funktioniert hat.


So, meine beiden sind gerade eingeschlafen, ich melde mich daher zurück :mrgreen: .

Was Methode III betrifft so mache ich immer wieder gute Erfahrungen damit. Wenn wir z.B. vereinbaren, noch EIN langes Buch vor dem Schlafengehen zu lesen dann schläft mein Großer danach zwar auch nicht gleich widerstandslos ein, er ist aber viel eher bereit dazu als wenn wir das Buch nur so, ohne Vereinbarung ("nachdem wir gelesen haben gehst du aber schlafen") gelesen hätten. Er ist generell viel kooperativer wenn er weiß, wie er "dran" ist.

Meine Mutter war mal ziemlich überfordert als mein Sohn einen Riesentango machte als sie ihn von der Kinderbetreuung im Einkaufszentrum (in ihrer Heimatstadt) abgeholt hat. Sohnemann wollte nicht mit, kreischte, schrie, schlug wütend um sich. An sich absolut nicht seine Verhaltensmuster, daher war meine Mutter ja auch überfordert. Wir haben danach die Situation besprochen (ich und meine Mutter) und sind dahinter gekommen dass er sehr enttäuscht war, sein intensives Spiel so plötzlich unterbrechen zu müssen. Seitdem geht meine Mutter immer etwa 15 Minuten vor dem abholen kurz in die Kinderbetreuung und sagt meinem Sohn, dass er sich darauf einstellen soll dass sie ihn bald abholen kommt. Dann geht sie noch gemütlich auf einen Kaffee und beim abholen gab´s seitdem keine gröberen Probleme mehr (ein bisserl jammern schon, aber kein Vergleich!).

Mein Sohn macht selbst auch oft Kompromiss-Vorschläge zum Beispiel wenn ich will, dass er sofort Zähne putzen geht. Dann kommt von ihm "Weißt du was? Du spielst mit mir noch bis 21h mit Autos und DANN gehe ich sofort Zähne putzen! Dann sage ich sogar BITTE DARF ICH JETZT ZÄHNE PUTZEN!!!". Je nachdem, wie spät es gerade ist, kann es noch Nachverhandlungen wegen der Zeit geben, aber meistens klappt es sehr gut :) .

Im Moment ist einschlafen bei uns deshalb schwierig, weil Kleinsohn anscheindend plötzlich weniger Schlaf braucht und daher auch erst gegen 21h30 bereit ist, ins Bett zu gehen. Dann gibt´s natürlich Interessenskonflikte ob ich dem Großen jetzt ein Buch vorlese oder dem Kleinen ein Buch vorgebärde. Obwohl mein älterer Sohn sehr kooperativ ist stört ihn natürlich, wenn der Kleine ständig die Seiten umblättern will, während ich vorlese.

Bis vor etwa 4 Wochen war der Kleine spätestens um 21h im Bett (meistens schon um 20h30) und der Große hatte am Abend seine Exklusiv-Mama-Zeit. Dann geht´s noch darum wer neben Mama schlafen darf (GsD hat mein Körper zwei Seiten). Das gab´s früher auch nicht weil der Kleine im Gitterbett schlief, was er jetzt total ablehnt. Naja, er ist auch wirklich schon zu groß dafür (97cm bei 120cm Gitterbettgröße). Vielleich schaffen wir ja nach dem Urlaub die Buben endlich in ihr eigenes Zimmer umzuquartieren, dann wird´s zumindest etwas ruhiger im Schlafzimmer (bei schlimmen Träumen dürfen sie natürlich weiterhin zu uns kommen).

Mein Mann ist gerade für 3 Tage dienstlich in München. Worauf er sich am meisten freut: zwei ganze Nächte ungestört alleine in einem (Hotel-)Bett schlafen zu dürfen :lol: ! Dabei bin ich sehr froh dass wir (mein Mann und ich) grundsätzlich beide kein Problem mit Familienschlafzimmer und Kindern im Ehebett haben. So Geschichten von Männern, die sogar auf wenige Monate alte Babys im Elternschlafzimmer eifersüchtig waren oder behauptet haben, neben Kindern nicht gut ausgeruht sein zu können (und somit die volle Nacht-Verantwortung den Frauen "umgehängt" haben) kenne ich leider zur Genüge.
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Re: Erziehungskonzepte und eigene Vorstellungen

Beitragvon charlotte2 » Do 22. Jan 2015, 13:00

Danke für Deinen Schlafenszeit-Bericht, Rabaukenmama. Die allabendlichen Vorlese-Verhandlungen gibt es bei uns auch. Das Schlafengehen klappt aktuell ganz gut, aber nur weil ich Methode1-mäßig bestimme, um ..Uhr bist Du im Bett, entweder mit langer, kurzer oder ohne Geschichte, je nachdem wie lange das Zähneputzen und Umziehen so dauert. Ist nicht wirklich demokratisch. Mein Hauptproblem ist gerade v.a., dass mich meine Tochter nachts mehrmals weckt. Methode 3 hat jetzt sozusagen ergeben, dass ein eigener Kinderwecker mit Leuchtziffern die Lösung wäre, damit meine Kleine weiß, wann sie mich wecken darf (sie hat gerade ein Faible für Uhren und die Zeit). Bin ja mal gespannt, ob´s klappt.
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Re: Erziehungskonzepte und eigene Vorstellungen

Beitragvon BiHa » Do 22. Jan 2015, 15:05

Könntet ihr vielleicht mal kurz die Methoden erklären, über die ihr euch unterhaltet? Scheint interessant zu sein.
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Re: Erziehungskonzepte und eigene Vorstellungen

Beitragvon Rabaukenmama » Do 22. Jan 2015, 16:12

charlotte2 hat geschrieben:Danke für Deinen Schlafenszeit-Bericht, Rabaukenmama. Die allabendlichen Vorlese-Verhandlungen gibt es bei uns auch. Das Schlafengehen klappt aktuell ganz gut, aber nur weil ich Methode1-mäßig bestimme, um ..Uhr bist Du im Bett, entweder mit langer, kurzer oder ohne Geschichte, je nachdem wie lange das Zähneputzen und Umziehen so dauert. Ist nicht wirklich demokratisch. Mein Hauptproblem ist gerade v.a., dass mich meine Tochter nachts mehrmals weckt. Methode 3 hat jetzt sozusagen ergeben, dass ein eigener Kinderwecker mit Leuchtziffern die Lösung wäre, damit meine Kleine weiß, wann sie mich wecken darf (sie hat gerade ein Faible für Uhren und die Zeit). Bin ja mal gespannt, ob´s klappt.


Witzig, mein Sohn ist gerade ebenfalls sehr an Uhren und Zeit interessiert. Mit Digitaluhren tut er sich aber leichter, denn wenn auf der Analog-Wanduhr eine Uhrzeit ist, die er nicht benennen kann (z.B. 22 Minuten vor 5) dann fragt er "wieviel ist das in digital?" und mit 16h38 kann er was anfangen 8-) .

Lass mich bitte auch wissen ob das mit dem Kinderwecker klappt!

Ab bestimmten Uhrzeiten verweigere ich übrigens auch das vorlesen (bei mir ist da 22h aktuelle deadline) weil ich dann zu müde bin. Das weiß mein Sohn und akzeptiert es. Da er jedoch selbst auch gerne vor dem einschlafen liest schläft er deswegen nicht früher ein.

Wenn ich dann von anderen Eltern höre dass die Kinder um 19h30 oder spätestens 20h im Bett sind frißt mich aber manchmal schon der Neid :roll: . Dabei ist mir klar dass der Schlafbedarf genetisch festgelegt ist und ich akzeptieren muss dass er bei meinem nicht mal 5jährigen Sohn aktuell bei 9,5h liegt und beim Kleinen ( 2,6 Jahre) sind es 10,5h, wovon mindestens 2 als Mittagsschlaf gemacht werden.

Meine Kinder wecken uns (im Familien-Schlafzimmer) nachts auch immer wieder. Mal der Kleine, mal der Große, mal beide. Dem Kleinen kann ich keinen Vorwurf machen, der ist gehörlos und schreit einfach los wenn ihm was nicht passt. Der Große hat manchmal schlecht geträumt oder er sucht seinen Schnuller (den gibt er nachts einfach nicht her) oder seinen Kuschel-Eisbären.

BiHa hat geschrieben:Könntet ihr vielleicht mal kurz die Methoden erklären, über die ihr euch unterhaltet? Scheint interessant zu sein.


Es geht um die Methode des "aktiven zuhörens" und des "gemeinsam eine Lösung findens" (= Methode III) laut dem Buch "Familienkonferenz" von Thomas Gordon.

Grob gesagt ist "Methode I" die autoritäre Methode wo der Elternteil die Vorgaben macht, an die sich die Kinder zu halten haben (auch wenn es ihnen nicht passt). "Methode II" ist umgekehrt: die Eltern richten sich nach den Vorgaben der Kinder (auch wenn es den Eltern nicht passt). Methode III ist vereinfacht gesagt gemeinsam Lösungen zu finden, mit der alle Beteiligten leben können.

Dabei ist aber durchaus authentisch zu sagen "Nach 22h lese ich nichts mehr vor, denn da bin ich selbst zu müde dazu!"
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Re: Erziehungskonzepte und eigene Vorstellungen

Beitragvon Rabaukenmama » Do 22. Jan 2015, 23:44

Kleiner, aktueller Nachtrag zum aktiven zuhören:

Heute war "Spielzeugtag" im Kindergarten und jeder Kind durfte sein Lieblingsspielzeug mitnehmen. Mein Sohn hat sich für einen kleinen Traktor mit Anhänger entschieden, den er vor kurzem von den Großeltern bekommen hat. Als ich ihn abholte erzählte er "Die A... hat meinen Traktor in der Autokiste vom Kindergarten versteckt!". Ich fragte dann: "Hat die A... gewusst dass es Dein Traktor ist?" "Beim ersten Mal nicht, aber dann, wie sie es schon gewusst hat, hat sie ihn noch einmal dort versteckt". Aus dem Tonfall habe ich abgeleitet dass das meinem Sohn gar nicht gepasst hat und ich meinte "Das hat dich aber geärgert, dass sie das gemacht hat!" und Sohnemann rief laut "Ja, das hat mich SEHR geärgert!". Dann kam er zu mir, kuschelte sich an mich und schluchzte ein bisschen (ca. 15 Sekunden). Danach war das Thema aus der Welt und mein Sohn hat mir fröhlich von ganz anderen Sachen berichtet und war auch der A..., die kurz darauf in die Garderobe kam, nicht mehr böse :) .

Etwas später kam eine andere Mutter mit ihrer Tochter in die Garderobe. Das Mädchen meinte zu seiner Mutter "Die C.... hat mich wegen meiner Puppe ausgespottet!". Sofort kam die Reaktion zurück "Die C... hat das sicher nicht so gemeint!". "Doch" protestierte das Mädchen "sie hat es SCHON so gemeint!". Die Mutter meinte daraufhin zum Mädchen, sie solle nicht so laut sprechen (es war gar nicht besonders laut) und dass sie C... sicher was anderes gemeint hatte... Außerdem soll sie (die Tochter) sich jetzt endlich beeilen. Das Mädchen hat sich dann wortlos angezogen, machte aber einen unglücklichen Eindruck weil ihr Kummer nicht ernst genommen wurde.

Das ist jetzt absolut kein Vorwurf an die Mutter. Bevor ich die Methode des "aktiven zuhörens" gekannt habe hätte ich sicher ähnlich reagiert. Und es ist ja nichts schlimmes passiert. Trotzdem fällt mir jetzt oft auf, was für einen Unterschied es macht ob man einem Kind aktiv zuhört oder eine der "typischen 12" (im Buch beschriebenen Antwortmöglichkeiten) verwendet.

Dabei geht es gar nicht darum, auf die A... oder die C... loszugehen oder sie zur Rede zu stellen. Die Tatbestände sind ja wirklich nur Kleinigkeiten. Ich bin mir sicher auch das andere Mädchen hat nicht erwartet dass seine Mama aktiv eingreift, z.B. indem sie die C... zur Rede stellt oder es den Kindergärtnerinnen sagt. Kinder wissen sehr wohl welches Problem ihnen "gehört" und wenn sie uns von ihren Problemen (so klein sie einem aus Erwachsenensicht auch erscheinen mögen) erzählen, dann wollen sie in erster Linie gehört und verstanden werden. Dass wir für sie die Probleme lösen erwarten sie meistens gar nicht.
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