Erziehungskonzepte und eigene Vorstellungen

ganz allgemein zu Kleinkindern, ob nun aufgeweckt, klug oder hochbegabt

Re: Erziehungskonzepte und eigene Vorstellungen

Beitragvon charlotte2 » Fr 23. Jan 2015, 14:27

Stimmt, manchmal ist weniger mehr. Ich tendiere oft dazu, das Problem lösen zu wollen. Dabei nervt es mich ja auch, wenn ich nur kurz mal was loswerden möchte, und mein Gesprächspartner gleich eine große Welle macht.

Ich habe gestern versucht, bei Streitereien zwischen meiner Tochter und dem (doppelt so alten) Besuchs-Kind Methode 3 anzuwenden, hab es aber nicht durchgehalten. Meine Tochter: Die (Spiele-)Wohnung von der ... ist viel schöner als meine! Ich will in der schöneren Wohnung wohnen, es sind meine Kissen! Ich: Du findest es ungerecht, dass ... mehrKissen hat. Kind: Ja! (heult). - Ich habe dann mittlerweile gesehen, dass meine Tochter kein einziges Kissen hatte und ihre "Wohnung" nur aus dem leeren Sofa bestand, die Wohnung vom anderen Kind aber die liebevoll dekorierte Spiel-Wohnung meiner Tochter war, das andere Kind aber darauf bestand, in der schönen Wohnung zu bleiben, und zwar allein. Daraufhin kamen dann von mir diverse Gerecht-Aufteil- bzw. alternative-Spielideen-Vorschläge, sprich, ich hab das Problem übernommen. Nicht optimal ,ich weiß. Aber kommt man mit Methode 3 weiter, wenn ein Kind stärker ist und einfach abblockt?
Zuletzt geändert von charlotte2 am Sa 24. Jan 2015, 21:37, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Erziehungskonzepte und eigene Vorstellungen

Beitragvon Rabaukenmama » Sa 24. Jan 2015, 13:42

charlotte2 hat geschrieben: Daraufhin kamen dann von mir diverse Gerecht-Aufteil- bzw. alternative-Spielideen-Vorschläge, sprich, ich hab das Problem übernommen. Nicht optimal ,ich weiß. Aber kommt man mit Methode 3 weiter, wenn ein Kind stärker ist und einfach abblockt?


Weißt du selbst, warum du so gehandelt hast? War es, weil du deiner Tochter nicht zugetraut hast, eine Lösung für ihr Problem zu finden und weil du befürchtet hast sie hält es nicht aus, "Verlierer" zu sein?

Das sind die Fragen, die ich mir nach solchen Situationen stelle.

Bei mir sind meistens 2 Dinge, die ich erkenne:

1. Ich traue meinem Kind oft nicht zu, selbst mit seinem Problem zurechtzukommen (wie auch immer)
2. Ich habe ein großes Harmoniebedürfnis, wenn´s nach mir ginge müßte immer alles ganz gerecht und friedlich ablaufen. Sobald die Gefahr eines gröberen Konfliktes auftaucht bin ich schon da und versuche, zu vermitteln.

Tatsächlich ist mir klar dass ich mein Kind nicht immer davor schützen kann, ungerecht behandelt zu werden und auch, dass er wahrscheinlich keinen anhaltenden Schaden nehmen wird wenn ich die Probleme nicht für ihn löse. Vielleicht habe ich auch Angst vor Lösungen, die nicht "in meinem Sinne" sind. Im deinem Fall könnte so eine "eigene" Lösung z.B. in einem Kampf um die Polster oder einem Streit ausarten. Es kann auch sein dass sich das (Verlierer-) Kind weinend zurückzieht.

Das sind Dinge, mit denen ICH nicht so gut zurechtkomme. Aber wie soll´s mein Kind lernen wenn es nicht die Gelegenheit hat, seine eigenen Probleme selbst zu lösen? JETZT ist der Zeitpunkt wo unsere Kinder Strategien entwickeln sollten wie sie mit unangenehmen Situationen umgehen.

Ist ein echt interessantes Thema (unabhängig von Gordons Methoden der Konfliktbewältigung ;) ).

Aber jetzt fahren wir gleich für eine Woche auf Urlaub, daher werde ich in den nächsten Tagen nicht antworten. Den Urlaub will ich mit meinem Mann und meinen Kindern geniesen und da wird kein PC oder Laptop aufgedreht :) !
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Re: Erziehungskonzepte und eigene Vorstellungen

Beitragvon charlotte2 » Sa 7. Feb 2015, 18:42

Mittlerweile habe ich sehr gute Erfahrungen mit Gordon gemacht, v.a. mit dem aktiven Zuhören. Ein Problem mit einer Gleichaltrigen hat meine Tochter am Tag, nachdem sie davon erzählt hatte, plötzlich alleine gelöst. Und ich sehe im Kindergarten viel klarer. Wie reagierst Du denn darauf, wenn im Kindergarten rigoros Methode 1 angewandt wird? Wir haben zwei Problemfelder - meine Tochter fühlt sich rumkommandiert, nach meinem Empfinden sind die Erzieherinnen auch viel zu streng. Und sie ist definitiv völlig unterfordert. Mit dem Lösungsvorschlag der Erzieherinnen habe ich allerdings so meine Probleme. Wie auch immer, zumindest ist mir mittlerweile klar, dass mein Kind nicht auf eine Waldorfschule gehen wird.

@Rabaukenmama: Der Wecker-Vorschlag funktionierte nicht. Meine Kleine hat nachts Angst, nach dem Wecker zu suchen und auf den Licht-an-Knopf zu drücken. Und bei Dauerbeleuchtung sind die Ziffern am Wecker so faszinierend, dass sie stundenlang zusehen könnte statt zu schlafen.
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Re: Erziehungskonzepte und eigene Vorstellungen

Beitragvon charlotte2 » Sa 7. Feb 2015, 20:19

@Koschka: Das ist sicher eine Möglichkeit, ist aber genausowenig Gordons "Methode 3" wie meine Reaktion. Das Buch von Gordon schlägt vor, man soll den Konflikt bei den Kindern lassen. Die Frage ist, ob das klappen kann. Mittlerweile haben sich die beiden übrigens geeinigt - es wird jetzt immer nur noch eine große "Wohnung" für beide gebaut, mit allen Kissen drin :)
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Re: Erziehungskonzepte und eigene Vorstellungen

Beitragvon Rabaukenmama » Sa 7. Feb 2015, 23:56

charlotte2 hat geschrieben:@Koschka: Das ist sicher eine Möglichkeit, ist aber genausowenig Gordons "Methode 3" wie meine Reaktion. Das Buch von Gordon schlägt vor, man soll den Konflikt bei den Kindern lassen. Die Frage ist, ob das klappen kann. Mittlerweile haben sich die beiden übrigens geeinigt - es wird jetzt immer nur noch eine große "Wohnung" für beide gebaut, mit allen Kissen drin :)


Ist schön, dasss die Kinder doch ihren eigenen Weg gefunden haben :) . Ob es "klappen kann" das Problem bei den Kindern zu lassen hängt mMn davon ab, wann ich es als "es hat geklappt" bewerte. Die Lösungen, die Kinder selbst finden sind, entsprechen jedenfalls nicht immer meinem Gerechtigkeitssinn. Zumindest bei meinen beiden Buben ist das so. Der Kleine ist ein Sturschädel und wenn´s mal zwischen den Brüdern Streit gibt dann ist die "Lösung", die sie selbst finden, meistens die, dass der Ältere nachgibt. Also kein echter Kompromiss. Aber wenn es IHRE Lösung ist und sie funktioniert dann mische ich mich auch nicht weiter ein.

Kleinsohn ist so eine Alpha-Tierchen der - im Gegensatz zu seinen Bruder - nicht wirklich kompromissbereit ist. Auch ich stoße da immer wieder an meine Grenzen. Wenn er z.B. um Schokolade bittet kann sein, dass er das Stück wütend durch das Zimmer pfeffert und etliche andere greifbare Gegenstände (Schnuller, Salzstreuer, Taschenrechner,...) hinterher, weil ihm das Stück zu klein ist :schwitz: . Dieselbe Reakion haben wir selbstverständlich auch, wenn ich der Ansicht bin dass er keine Schokolade mehr bekommt weil er z.B. schon viel hatte oder am Abend schon Zähne geputzt hat.

charlotte2 hat geschrieben:Mittlerweile habe ich sehr gute Erfahrungen mit Gordon gemacht, v.a. mit dem aktiven Zuhören. Ein Problem mit einer Gleichaltrigen hat meine Tochter am Tag, nachdem sie davon erzählt hatte, plötzlich alleine gelöst. Und ich sehe im Kindergarten viel klarer. Wie reagierst Du denn darauf, wenn im Kindergarten rigoros Methode 1 angewandt wird? Wir haben zwei Problemfelder - meine Tochter fühlt sich rumkommandiert, nach meinem Empfinden sind die Erzieherinnen auch viel zu streng. Und sie ist definitiv völlig unterfordert. Mit dem Lösungsvorschlag der Erzieherinnen habe ich allerdings so meine Probleme. Wie auch immer, zumindest ist mir mittlerweile klar, dass mein Kind nicht auf eine Waldorfschule gehen wird.


Wir haben das Glück dass die meisten Kindergärtner im Kindergarten meines Großen sehr auf die Gefühle der Kinder achten, daher kommt es nicht so häufig zu solchen Situationen (oder ich bekomme es nicht mit). Ich kann mich aber erinnern, dass einmal eine Kindergärtnerin vorgeschlagen hat, ich solle meinem Sohn zu Hause das Konsolenspielen verbieten weil er im Kindergarten einem anderen Kind (ihrem eigenen Sohn) im Streit weh getan hat. Da ist hinzuzufügen, dass bei uns zu Hause nicht etwa ständig Konsolenspiele laufen, nur hatte mein Mann genau zwei Tage vorher ein neues Spiel gekauft (Altersfreigabe: ab 0 Jahre), welches unser Sohn am Vorabend eine Stunde gemeinsam mit dem Papa spielen durfte. Davon hat er im Kindergarten erzählt und das war Anlass genug für den Bestrafungsvorschlag der Kindergärtnerin. Sie meinte, ihr Sohn dürfe zu Hause auch nicht spielen wenn er im Kindergarten schlimm gewesen sei.

Wie es die Kindergärtnerin mit ihrem Sohn handhabt ist mir grundsätzlich egal, ich jedenfalls bin ein Gegner von Strafen (und auch von Belohnungen), erst recht, wenn sie mit dem eigentlichen Fehlverhalten in keinerlei Zusammenhang stehen. Also habe ich die Frau reden lassen und meinem weinenden Sohn (der fürchtet, das Spiel "nie wieder" spielen zu dürfen) draußen dann erklärt, dass ich nicht daran denke ihn mehr oder weniger spielen zu lassen, je nachdem, was er im Kindergarten tut.

Dann haben wir noch besprochen wie die Streitsituation im Kindergarten aus seiner Sicht war (der andere Bub hat in der Version meines Sohnes zuerst hingehaut) und damit hatte sich die Sache auch schon. Ich stelle mich sicher nicht als Richter für eine Situation hin, wo ich keine Ahnung habe, wie es wirklich war.

Was ich aber sehr wohl verlange ist z.B. dass meine Kinder, wenn sie wo eine Sauerei gemacht haben (z.B. auf dem Esstisch), das nach bestem Können selbst wieder sauber zu machen.

Unterfordert ist mein Sohn im Kindergarten wahrscheinlich auch, aber nicht so sehr wie Deine Tochter. Er hat seine Kurse, wo noch spezieller auf die Kinder eingegangen wird als im normalen Alltag. Er liebt z.B. Englisch mit der native speakerin und lernt bei "darstellerisches Spiel" nicht nur seine eigene Rolle sondern auch die aller anderen. Und da er schon selbst lesen kann liest er alles, was er im Kindergarten finden kann, und löchert die Betreuerinnen mit seinen Fragen 8-) . Wenn ich so lese wie es anderen hier geht merke ich immer wieder was für ein Glück wir mit den Kindergärten unserer zwei Kinder offensichtlich haben.

Aber zurück zu Deiner Frage: ich denke dass es kaum Möglichkeiten gibt, Außenstehende (egal ob im Kindergarten oder z.B. Großeltern) die mit Methode 1 arbeiten zu einer Änderung zu bewegen. Wenn es sehr belastend für´s Kind wird muß ich über Alternativen (anderer Kindergarten, andere Betreuungspersonen) nachdenken. Aber generell habe ich festgestellt dass die meisten Kinder gut damit umgehen können wenn anderswo andere Regeln gelten. Aber da ich und mein Mann die Hauptbezugspersonen unserer Kinder sind und wir sie ja letztendlich so lange ins Leben begleiten wollen, bis sie selbst zurechtkommen, ist es gerade für uns besonders wichtig, eine wertschätzende Beziehung zu ihnen aufzubauen. Und dafür eignet sich mMn nur Methode 3.
charlotte2 hat geschrieben:@Rabaukenmama: Der Wecker-Vorschlag funktionierte nicht. Meine Kleine hat nachts Angst, nach dem Wecker zu suchen und auf den Licht-an-Knopf zu drücken. Und bei Dauerbeleuchtung sind die Ziffern am Wecker so faszinierend, dass sie stundenlang zusehen könnte statt zu schlafen.


Das kenne ich von meinem Kleinen. Er ist so von Digitalzahlen fasziniert dass er ständig einen Taschenrechner mit sich rumschleppt (runnig gag im Kiga:"Da kommt der Mathematiker!") und kann kaum einschlafen solange er sich mit dem Rechner beschäftigt.
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Re: Erziehungskonzepte und eigene Vorstellungen

Beitragvon Bliss » So 8. Feb 2015, 01:43

Rabaukenmama hat geschrieben: Dieselbe Reakion haben wir selbstverständlich auch, wenn ich der Ansicht bin dass er keine Schokolade mehr bekommt weil er z.B. schon viel hatte


Weil es hier ja um Erziehungskonzepte geht: du hattest doch mal geschrieben, dass du so Sachen wie Süßigkeiten, oder Fernsehkonsum nicht reglementieren willst, weil du glaubst, dass Reglementieren die Dinge erst interessant macht. Hast du deine Meinung diesbezüglich geändert?
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Re: Erziehungskonzepte und eigene Vorstellungen

Beitragvon Momo » So 8. Feb 2015, 12:59

Rabaukenmama hat geschrieben:
Kleinsohn ist so eine Alpha-Tierchen der - im Gegensatz zu seinen Bruder - nicht wirklich kompromissbereit ist. Auch ich stoße da immer wieder an meine Grenzen. Wenn er z.B. um Schokolade bittet kann sein, dass er das Stück wütend durch das Zimmer pfeffert und etliche andere greifbare Gegenstände (Schnuller, Salzstreuer, Taschenrechner,...) hinterher, weil ihm das Stück zu klein ist :schwitz: . Dieselbe Reakion haben wir selbstverständlich auch, wenn ich der Ansicht bin dass er keine Schokolade mehr bekommt weil er z.B. schon viel hatte oder am Abend schon Zähne geputzt hat.


Du hast Deinen jüngeren Sohn hier schon häufiger als "Alpha- Tierchen" bezeichnet. Ganz abgesehen davon, dass ich es schwierig finde, einem Kind so früh einen Stempel aufzudrücken, frage ich mich, was Dich dazu veranlasst, ihn so zu sehen. Meinst Du nicht, dass die von Dir beschriebenen Verhaltensweisen (z.B. Herumwerfen von Gegenständen und Wutanfälle) eher auf das jüngere Alter zurückzuführen ist? Ich halte die Beschreibung des Verhaltens von Deinem jüngeren Sohn für völlig altersentsprechend :gruebel:

LG Momo
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Re: Erziehungskonzepte und eigene Vorstellungen

Beitragvon Momo » So 8. Feb 2015, 13:19

Charlotte2 hat geschrieben:
Wir haben zwei Problemfelder - meine Tochter fühlt sich rumkommandiert, nach meinem Empfinden sind die Erzieherinnen auch viel zu streng. Und sie ist definitiv völlig unterfordert. Mit dem Lösungsvorschlag der Erzieherinnen habe ich allerdings so meine Probleme. Wie auch immer, zumindest ist mir mittlerweile klar, dass mein Kind nicht auf eine Waldorfschule gehen wird.


Hallo Charlotte2,
ich kann Deine Gedanken gut verstehen. Interessanter Weise hatten wir die völlig unerwartete Situation, dass meine Tochter bei der Eingewöhnung in einem Waldorfkindergarten ebenfalls eher streng behandelt wurde und vor Allem der gesamte Ton im Umgang mit den Kindern streng und "verknöchert" war. Wie Du ja weißt, bin ich von dem Waldorfkonzept sehr begeistert und ja auch durch meine eigene Schulerfahrung überzeugt. Seltsam war es daher für mich, diese Erfahrungen zu machen und wir haben letztendlich unsere Tochter wieder herausgenommen und betreuen sie weiterhin zu Hause.
Ich frage mich, ob es nicht wie immer von den Erziehern in Kindergärten und Schulen abhängt und ob es andererseits überhaupt möglich ist, bei 20 Kindern allen Kindern immer aktiv zuzuhören und auf Augenhöhe zu begegnen. Schwierig. Sehr schwierig finde ich auch die Wahl der "richtigen" Schule. Eine Schule, wie ich sie mir wünschen würde, müsste erstmal gegründet werden :lol: Wir haben uns neulich eine Waldorfschule angesehen, die noch jung ist und eine dementsprechend dynamische und kreative Lehrerschaft hat. Bei einer Informationsveranstaltung kamen die Lehrer von ganz allein auf das Thema der Hochbegabung zu sprechen und auch das Ziel , diese Kinder besonders durch kreative Ansätze fördern zu wollen. Dann gibt es in unserer Großstadt auch einige ganz freie Schulen, deren Konzepte ich sehr spannend finde (Lernen nach eigenem Antrieb, ohne festen Lehrplan), doch ich kann mir die Umsetzung dieses Konzeptes sehr schwer vorstellen, da ich selbst keine Erfahrungen in diesem Bereich gesammelt habe.
Hat jemand aus diesem Forum Erfahrungen mit freien Schulen (nach Ansätzen von Jesper Juul, Emmi Pikler, Maria Montessori und Rebeca Wild)???

Viel Erfolg Euch bei der Schulwahl!
Liebe Grüße von Momo
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Re: Erziehungskonzepte und eigene Vorstellungen

Beitragvon Rabaukenmama » So 8. Feb 2015, 13:39

Momo hat geschrieben:Rabaukenmama hat geschrieben:
Kleinsohn ist so eine Alpha-Tierchen der - im Gegensatz zu seinen Bruder - nicht wirklich kompromissbereit ist. Auch ich stoße da immer wieder an meine Grenzen. Wenn er z.B. um Schokolade bittet kann sein, dass er das Stück wütend durch das Zimmer pfeffert und etliche andere greifbare Gegenstände (Schnuller, Salzstreuer, Taschenrechner,...) hinterher, weil ihm das Stück zu klein ist :schwitz: . Dieselbe Reakion haben wir selbstverständlich auch, wenn ich der Ansicht bin dass er keine Schokolade mehr bekommt weil er z.B. schon viel hatte oder am Abend schon Zähne geputzt hat.


Du hast Deinen jüngeren Sohn hier schon häufiger als "Alpha- Tierchen" bezeichnet. Ganz abgesehen davon, dass ich es schwierig finde, einem Kind so früh einen Stempel aufzudrücken, frage ich mich, was Dich dazu veranlasst, ihn so zu sehen. Meinst Du nicht, dass die von Dir beschriebenen Verhaltensweisen (z.B. Herumwerfen von Gegenständen und Wutanfälle) eher auf das jüngere Alter zurückzuführen ist? Ich halte die Beschreibung des Verhaltens von Deinem jüngeren Sohn für völlig altersentsprechend :gruebel:

LG Momo


Dann solltest Du meinen jüngeren Sohn mal "live" erleben. Mein Mann ist die Geduld in Person und sogar bei ihm kommt es immer wieder vor, dass ihn der Kleine mit seinem Verhalten zur Verzweiflung bringt. Denn es nützt GAR NICHTS wenn der Kleine mal in Fahrt ist. Ich kann mich noch sehr gut erinnern dass auch der Große mal was rumgeworfen hat oder einen Wutanfall hatte, aber nicht annähernd so oft und vor allem so intensiv.

Und der Kleine ist stark! Es tut höllisch weh die Holzrampen der Kugelbahn auf den Kopf geschleudert zu bekommen und ein "Nein, das darfst du nicht!" oder "Du tust der Mama weh!" ist völlig wirkungslos. Das erheben der Stimme ist genauso sinnlos, der Kleine ist gehörlos und verweigert seit 6 Wochen konsequent das tragen seiner Horchis, obwohl wir es täglich etliche Male versuchen. Mittlerweile wurden die Teile auf meinen Wunsch auf die minimalste Lautstärke zurückgedreht um so VIELLEICHT zu bewirken dass er wieder bereit ist, sie zu tragen. Sprich: die Arbeit der letzten 9 Monate mit Audiogrammen, Nachstellungen, verlorenen Spulen, kaputten Kabeln, Logopädie usw. ist fast umsonst gewesen, wir fangen wieder bei 0 an...

Im Moment versuchen wir es mit Hände-festhalten wenn der Kleine was nicht mehr machen soll, z.B. schwere Gegenstände werfen (wenn man es ihm gebärdet schaut er demonstrativ in eine andere Richtung). Hält man ihm die Hände fest schaut er einem bitterböse an und hält den Blick so lange stand bis man selbst wegschauen muß.

Genauso stur ist er aber GsD auch bei anderen Dingen. Durch seine Hörschädigung ist ja auch der Gleichgewichtssinn beeinträchtigt. Er konnte mit einem Jahr noch nicht mal frei sitzen. Dass er jetzt läuft, Treppen steigt und sogar Kletterwände hochklettern kann liegt genauso an seiner Sturheit: er probiert einfach so lange, bis ihm etwas gelingt. Die Kletterwand im Kinderhotel konnten Kinder hochklettern, die ein halbes Jahr jünger und einen Kopf kleiner waren. Mein Sohn wollte das auch können, schaffte es aber anfangs nicht. Also mußten entweder mein Mann oder ich "helfen" - und er hat stundenlang von sich aus geübt, bis er es alleine konnte.

Ob das Verhalten des Kleinen unter "normal" oder "abnormal" gesehen wird interessiert mich grundsätzlich nicht. Ich betrachte es aber neutral, also mit positiven und negativen Seiten. Negativ ist, dass wir es sehr schwer damit haben, ihm zu vermitteln Dinge zu tun bzw. nicht zu tun, wenn er etwas anderes will. Es ist auch schwer, weil Kommunikation nur stattfindet wenn ER dazu bereit ist - sonst verweigert er einfach.

Positiv ist, dass er sehr selbstbewusst und zielstrebig handelt. Das kann ihm im Leben viel bringen und vielleicht sogar Nachteile, die er durch seine Behinderung hat, ausgleichen. Er kann unmißverständlich mitteilen was er will und was nicht - eine Sache, die viele hörende Kinder in dem Alter nicht annähernd so gut hinkriegen.
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Re: Erziehungskonzepte und eigene Vorstellungen

Beitragvon Rabaukenmama » So 8. Feb 2015, 13:49

Bliss hat geschrieben:
Rabaukenmama hat geschrieben: Dieselbe Reakion haben wir selbstverständlich auch, wenn ich der Ansicht bin dass er keine Schokolade mehr bekommt weil er z.B. schon viel hatte


Weil es hier ja um Erziehungskonzepte geht: du hattest doch mal geschrieben, dass du so Sachen wie Süßigkeiten, oder Fernsehkonsum nicht reglementieren willst, weil du glaubst, dass Reglementieren die Dinge erst interessant macht. Hast du deine Meinung diesbezüglich geändert?


Das ist ein Punkt, in dem ich immer wieder mißverstanden werde. Ich bin gegen nicht GENERELL gegen Reglementierung von gewissen Dingen (Süßigkeiten, Fernsehen, Konsolenspiele) sondern ich bin gegen eine GENERELLE Reglementierung dieser Dinge.

Sprich: reglementieren halte ich in vielen Punkten, wo andere sie als notwendig ansehen, für verzichtbar. Mein Großer, der 1-3x die Woche was aus seiner Naschdose will, braucht in Sachen Süßigkeiten nicht reglementiert werden. Der Kleine, der ausschließlich von Schokolade leben würde (wenn erHunger hat fragt immer nach Schokolade), MUSS in seinem eigenen Interesse reglementiert werden.

Unabhängig davon gelten gewisse Regeln, das heißt wenn ein Kind z.B. Computer spielen will wenn wir gerade weggehen wollen oder nach dem Zähneputzen nach Schokolade verlangt, heißt es oft "NEIN", nicht aus Reglementierungsgründen, sondern weil das nun mal die Regeln bei uns sind. Beim Wunsch nach einem Apfel oder einem Buch heißt es genauso "NEIN".

Ich hoffe, es diesmal verständlich rübergebracht zu haben ;) !
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