Erziehungskonzepte und eigene Vorstellungen

ganz allgemein zu Kleinkindern, ob nun aufgeweckt, klug oder hochbegabt

Re: Erziehungskonzepte und eigene Vorstellungen

Beitragvon Momo » So 8. Feb 2015, 15:02

Koschka hat geschrieben:
Ich habe einem meiner Kinder weiche Bälle und Kissen in die Hand gedrückt, damit sie und nicht die Klötze geworfen werden.


So habe ich es auch gemacht oder ich habe meiner Tochter gezeigt, wohin sie die Klötze werfen darf (z.B. in eine Kiste). Wenn meine Tochter wütend ist und haut oder tritt, was natürlich vorkommt und auch in Ordnung ist (zumindest die Emotion), zeige ich ihr, wohin sie hauen und treten darf (z.B. auf den Boden). Das hilft gut, sie wird ihre Emotionen los, weil sie diese durchleben darf und nicht unterdrücken muss. Und zu Schaden kommt auch keiner ;)

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Re: Erziehungskonzepte und eigene Vorstellungen

Beitragvon Bliss » So 8. Feb 2015, 18:16

Rabaukenmama hat geschrieben:Das ist ein Punkt, in dem ich immer wieder mißverstanden werde. Ich bin gegen nicht GENERELL gegen Reglementierung von gewissen Dingen (Süßigkeiten, Fernsehen, Konsolenspiele) sondern ich bin gegen eine GENERELLE Reglementierung dieser Dinge.

Sprich: reglementieren halte ich in vielen Punkten, wo andere sie als notwendig ansehen, für verzichtbar. Mein Großer, der 1-3x die Woche was aus seiner Naschdose will, braucht in Sachen Süßigkeiten nicht reglementiert werden. Der Kleine, der ausschließlich von Schokolade leben würde (wenn erHunger hat fragt immer nach Schokolade), MUSS in seinem eigenen Interesse reglementiert werden.

Unabhängig davon gelten gewisse Regeln, das heißt wenn ein Kind z.B. Computer spielen will wenn wir gerade weggehen wollen oder nach dem Zähneputzen nach Schokolade verlangt, heißt es oft "NEIN", nicht aus Reglementierungsgründen, sondern weil das nun mal die Regeln bei uns sind. Beim Wunsch nach einem Apfel oder einem Buch heißt es genauso "NEIN".

Ich hoffe, es diesmal verständlich rübergebracht zu haben ;) !


Ehrlich gesagt sehe ich nicht, wo du den Unterschied zwischen deinem Reglementieren und dem anderer Leute siehst. Du reglementierst weil du glaubst, dein Sohn isst zu viel Schokolade und eine Begrenzung in seinem Interesse ist. Aber ist das nicht genau der gleiche Grund, aus dem alle Eltern reglementieren? Wo siehst du da einen Unterschied?
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Re: Erziehungskonzepte und eigene Vorstellungen

Beitragvon Rabaukenmama » So 8. Feb 2015, 23:41

Bliss hat geschrieben:
Rabaukenmama hat geschrieben:Das ist ein Punkt, in dem ich immer wieder mißverstanden werde. Ich bin gegen nicht GENERELL gegen Reglementierung von gewissen Dingen (Süßigkeiten, Fernsehen, Konsolenspiele) sondern ich bin gegen eine GENERELLE Reglementierung dieser Dinge.

Sprich: reglementieren halte ich in vielen Punkten, wo andere sie als notwendig ansehen, für verzichtbar. Mein Großer, der 1-3x die Woche was aus seiner Naschdose will, braucht in Sachen Süßigkeiten nicht reglementiert werden. Der Kleine, der ausschließlich von Schokolade leben würde (wenn erHunger hat fragt immer nach Schokolade), MUSS in seinem eigenen Interesse reglementiert werden.

Unabhängig davon gelten gewisse Regeln, das heißt wenn ein Kind z.B. Computer spielen will wenn wir gerade weggehen wollen oder nach dem Zähneputzen nach Schokolade verlangt, heißt es oft "NEIN", nicht aus Reglementierungsgründen, sondern weil das nun mal die Regeln bei uns sind. Beim Wunsch nach einem Apfel oder einem Buch heißt es genauso "NEIN".

Ich hoffe, es diesmal verständlich rübergebracht zu haben ;) !


Ehrlich gesagt sehe ich nicht, wo du den Unterschied zwischen deinem Reglementieren und dem anderer Leute siehst. Du reglementierst weil du glaubst, dein Sohn isst zu viel Schokolade und eine Begrenzung in seinem Interesse ist. Aber ist das nicht genau der gleiche Grund, aus dem alle Eltern reglementieren? Wo siehst du da einen Unterschied?


Wo habe ich behauptet dass ein Unterschied zwischen mir und "anderen Leuten" sei :gruebel: ?

Ich kenne etliche Menschen, die es mit den Limits so halten wie ich - eben erst dann welche setzen wenn sie wirklich AUS DEM VERHALTEN DES KINDES HERAUS als notwendig erkannt werden.

Trotzdem werde ich so oft mißverstanden wenn ich gegen GENERELLE Limits spreche. Nicht jedes Kind braucht eine unerreichbare Naschlade und limitierte Fernseh-Minuten!

Aber ich kenne auch etliche Menschen, die der Ansicht sind, dass es notwendig ist, Kinder von ganz kein auf in den Dingen zu reglementieren, welche sie selbst als "schlecht für´s Kind" betrachten. Also nicht drauf achten ob das Kind wirklich "ständig" fernsehen will sondern mal rein auf Verdacht die Eieruhr auf 15 Minuten einstellen bzw. die geschenkte Schokolade einbehalten und nur in kleinen Mengen an das Kind weitergeben. Dieses (angstgesteurte) reglementieren ohne überhaupt einmal abzuwarten, ob das Kind VON SICH AUS einen vernünftigen Zugang zu einer Sache findet, unterscheidet sich mMn wesentlich von meiner Einstellung. Meistens sind Menschen mit so einem Zugang diejenigen, die meine Kritik an GENERELLEN Limits dahingehend mißverstehen, dass ich für generelles nicht-limitieren wäre.

Es ist nur sehr unterschiedlich, wann verschiedene Menschen Verhaltensweisen ihrer Kinder als "zu viel" empfinden. Manche Eltern glauben, die ganze Woche keinen Fernseher mehr einschalten zu dürfen nachdem das 6jährige Kind mal eine 75-min-Spielfilm gesehen hat, andere finden es ganz normal wenn 3jährige zwischen 15 und 18h ihre "Fernseh-Zeit" haben.

Genauso ist es mit anderen Dingen wie z.B. Süßigkeiten, Konsolenspielen oder Computerbenutzung - was einige Eltern bedenkenlos zulassen sehen andere als schwerwiegenden Erziehungsfehler. So gesehen gehöre ich eher zu den Eltern, die ihren Kindern viel Freiheit und Eigenverantwortung in Sachen Freizeitgestaltung und Ernährung lassen.

Um zum Ausgangspunkt zurückzukehren: die maximale Schoko-Menge, die mein Großer je gegessen hat, war ein Mars-Riegel (54g), beim Kleinen waren es zwei 110g-Schokonikoläuse hintereinander, auf die er sich übergeben hat. Ich bin ein Mensch, der erst mal abwartet, ob das Kind nach solchen Erlebnissen sein (Nasch-)Verhalten verändert oder nicht. Und beim Kleinen war das nicht der Fall, daher blieb mir nichts anderes übrig als die Schokolade unerreichbar wegzuräumen.
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Re: Erziehungskonzepte und eigene Vorstellungen

Beitragvon Rabaukenmama » Mo 9. Feb 2015, 00:07

Momo hat geschrieben:Koschka hat geschrieben:
Ich habe einem meiner Kinder weiche Bälle und Kissen in die Hand gedrückt, damit sie und nicht die Klötze geworfen werden.


So habe ich es auch gemacht oder ich habe meiner Tochter gezeigt, wohin sie die Klötze werfen darf (z.B. in eine Kiste). Wenn meine Tochter wütend ist und haut oder tritt, was natürlich vorkommt und auch in Ordnung ist (zumindest die Emotion), zeige ich ihr, wohin sie hauen und treten darf (z.B. auf den Boden). Das hilft gut, sie wird ihre Emotionen los, weil sie diese durchleben darf und nicht unterdrücken muss. Und zu Schaden kommt auch keiner ;)

Liebe Grüße von Momo


Wie habt ihr das gemacht dass ihr in jeder Situationen weiche Bälle und Kissen bzw. Kisten für Klötze dabei hattet? Oder haben Eure Kinder mit dem werfen gewartet bis ihr mit den Alternativen da wart?

Ich schildere Euch mal eine Situation von heute: wir hatten Besuch von meiner gehörlosen Freundin, ihrem Mann und deren 2jährigen Sohn. Die beiden kleinen Buben wollten mit der Holzeisenbahn spielen und daher haben wir die Schienen am Boden aufgebaut und die Eisenbahn fahren lassen. Das hat erst mal gut geklappt. Dann begann mein Kleiner mit einem Gleis zu werfen und hat damit seinen Bruder am Kopf getroffen. Wir haben den einen getröstet und den anderen erst mal aus der Situation rausgeholt. Auf das hinauf hat er sich eine große, schwere Plastik-Spielschnecke geschnappt und diese auf den Tisch geworfen. Da wir die Holzeisenbahn nicht sofort weggeräumt haben hat mein Mann dann noch eine Zugbrücke an den Kopf bekommen. Und in allererster Linie galt unsere Sorge dem kleinen Besuchs-Buben, da wir natürlich verhindern wollten dass der auch noch was abbekommt. Da nachzudenken, ob vielleicht wo weiche Bälle sind, hatte ich wirklich nicht die Zeit.

Da mein Kleiner eingekotet hatte mußte ich ihn dann wickeln - und er wollte nicht. Es war ein intensiver Kampf von ca. 10 Minuten bis er doch eine neue Windel drauf hatte und zumindest Body und Strumpfhose trug. Dann kam das Essen - nichts besonderes, nur kalt, also Brot, Butter, Schinken, Käse, Wurst, Gurkerl, Eier, Paprika und Kirschtomaten. Kleinsohn wollte all das erst mal in den Mund stecken, ablutschen und dann auf seinem Teller auftürmen, doch das konnten wir natürlich nicht erlauben. Also neuerlicher Wutanfall, der Teller fliegt samt essen durchs Zimmer. Selbst wenn ich da Schaumgummibälle bei der Hand gehabt hätte - der Tisch war immer noch voll gedeckt und mein Mann und ich mußten abwechselnd den Kleinen festhalten damit der nicht alles durch die Gegend pfeffert.

Zeigen, wohin er hauen und treten darf? Beim Großen hat das funktioniert. Beim Kleinen - lächerlich! In ruhigeren Situationen, wo ich mit ihm alleine war, habe ich es schon oft erfolglos versucht. Er haut und tritt schließlich die Personen, auf die er gerade wütend ist! Und das sind meistens entweder ich oder mein Mann.

Meine gehörlose Freundin meinte, es könne daran liegen, dass wir oft nicht verstehen was der Kleine gerade will, also ein Kommunikationsproblem. Kann schon sein dass das auch manchmal der Fall ist, aber meistens weiß ich genau was der Kleine will, nur will ICH eben nicht, dass er es tut. Damit meine ich, dass ich nicht will, dass er mit der Fernseh-Fernbedienung rumspielt, den Staubsauger aus dem Schrank räumt oder eben das Essen für die Gäste abschleckt. Ich verstehe auch, dass er mit will wenn z.B. der Papa am Abend zum Vereinstreffen geht, aber da hilft kein erklären: Sohnemann bekommt einen Trotzanfall und er greift sich das nächste erreichbare, schwere Teil zum durch-die-Gegend-werfen.

Ich gebärde ihm klar, dass er das nicht machen soll, aber er schaut demonstrativ woanders hin. Mein älterer Sohn hat es seiner Oma gegenüber mal so ausgedrückt "Weiß du, der A.... schaut gar nicht hin wenn ihm die Mama was gebärdet damit er immer machen kann, was er will!".

Es ist nicht etwa so, dass ich mich an die Wutausbrüche des Großen, als er in dem Alter war, nicht erinnern kann. Doch diese waren niemals so heftig und langwierig. Mag alles im Bereich des "normalen" sein, im Moment bin ich damit trotzdem manchmal überfordert!
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Re: Erziehungskonzepte und eigene Vorstellungen

Beitragvon Bliss » Mo 9. Feb 2015, 01:17

Rabaukenmama hat geschrieben:Das ist ein Punkt, in dem ich immer wieder mißverstanden werde. Ich bin gegen nicht GENERELL gegen Reglementierung von gewissen Dingen (Süßigkeiten, Fernsehen, Konsolenspiele) sondern ich bin gegen eine GENERELLE Reglementierung dieser Dinge.


Ich sehe da immer noch nicht wirklich einen Unterschied. Wer reglementiert schon einfach so aus Freude am Reglementieren. Du hast z.B offenbar die Regel: keine Schokolade nach dem Zähneputzen und wer sich mehrfach übergeben hat kriegt nur noch begrenzt Schokolade. Beides wohl weil du der Meinung bist, dass es deinem Kind nicht gut tun würde. Jemand der ein Zeitlimit oder eine feste Menge an Süßigkeiten pro Tag vorgibt wird ja genauso einen individuellen Grund haben, warum er eben genau dieses Limit wählt. Und wieder jemand anderes sieht in deiner Beschränkung auf: keine Süßigkeiten nach dem Zähneputzen ein generelles Limit, weil er der Meinung ist, dass egal ist, wen man nach dem Zähneputzen noch was Süßes ist.

Also vielleicht wirst nicht du mißverstanden, sondern du mißverstehst die Beweggründe derer, die deiner Meinung nach generell Reglementieren?
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Re: Erziehungskonzepte und eigene Vorstellungen

Beitragvon Momo » Mo 9. Feb 2015, 11:38

Rabaukenmama hat geschrieben:
Ich schildere Euch mal eine Situation von heute: wir hatten Besuch von meiner gehörlosen Freundin, ihrem Mann und deren 2jährigen Sohn. Die beiden kleinen Buben wollten mit der Holzeisenbahn spielen und daher haben wir die Schienen am Boden aufgebaut und die Eisenbahn fahren lassen. Das hat erst mal gut geklappt. Dann begann mein Kleiner mit einem Gleis zu werfen und hat damit seinen Bruder am Kopf getroffen. Wir haben den einen getröstet und den anderen erst mal aus der Situation rausgeholt. Auf das hinauf hat er sich eine große, schwere Plastik-Spielschnecke geschnappt und diese auf den Tisch geworfen. Da wir die Holzeisenbahn nicht sofort weggeräumt haben hat mein Mann dann noch eine Zugbrücke an den Kopf bekommen. Und in allererster Linie galt unsere Sorge dem kleinen Besuchs-Buben, da wir natürlich verhindern wollten dass der auch noch was abbekommt. Da nachzudenken, ob vielleicht wo weiche Bälle sind, hatte ich wirklich nicht die Zeit(...)

Wie habt ihr das gemacht dass ihr in jeder Situationen weiche Bälle und Kissen bzw. Kisten für Klötze dabei hattet? Oder haben Eure Kinder mit dem werfen gewartet bis ihr mit den Alternativen da wart?


Liebe Rabaukenmama, na, das war ja ein entspannter Sonntag ;)
Aus diesem Grund habe ich geschrieben, dass ich meiner Tochter eher gezeigt habe, wohin sie etwas hartes werfen darf, wenn ich sehe, dass sie in Wut ist und gerade dabei ist, etwas werfen zu wollen. Ich muss also schnell an ihrer Seite sein, sage dann meistens "Du bist wütend, wirf den Klotz (Eisenbahnschiene oder was auch immer sie gerade in der Hand hält) dort hin! jawoll, lass es mächtig scheppern!" Oder aber "Stopp, ich will nicht, dass Du mich haust! Hier kannst Du hauen!" Und ich haue mit ihr zusammen auf den Boden, der ist immer da ;) Die Kraft, die Emotion also umlenken.

Im Falle des Essenabschleckens- Warum durfte Dein Sohn sich nicht etwas nehmen und damit dann ausprobieren wie es schmeckt, es auftürmen etc.? Darf er das generell nicht oder nur nicht, weil Besuch da war? Für ihn war es ein tolles Erlebnis und er hat wahrscheinlich einfach nicht verstanden, warum er es nicht tun darf. Ich versuche in diesen Situationen , das Bedürfnis der Kinder ernst zu nehmen und dafür einen Rahmen zu schaffen, der für alle in Ordnung ist. Also dass er natürlich nicht alles abschleckt, sondern nur die Dinge auf seinem Teller.

Meine gehörlose Freundin meinte, es könne daran liegen, dass wir oft nicht verstehen was der Kleine gerade will, also ein Kommunikationsproblem. Kann schon sein dass das auch manchmal der Fall ist, aber meistens weiß ich genau was der Kleine will, nur will ICH eben nicht, dass er es tut. Damit meine ich, dass ich nicht will, dass er mit der Fernseh-Fernbedienung rumspielt, den Staubsauger aus dem Schrank räumt oder eben das Essen für die Gäste abschleckt. Ich verstehe auch, dass er mit will wenn z.B. der Papa am Abend zum Vereinstreffen geht, aber da hilft kein erklären: Sohnemann bekommt einen Trotzanfall und er greift sich das nächste erreichbare, schwere Teil zum durch-die-Gegend-werfen.

Genau das habe ich auch gedacht, ich finde es nur schwer, als Außenstehende so etwas zu äußern, ohne Dir ein ungutes Gefühl zu geben.
Ich glaube der Punkt ist, dass Du natürlich weißt, was Dein Sohn will, aber Dein Sohn möchte nicht verstehen was Du willst. Er schaut demonstrativ weg, möchte gar nicht sehen, was Du zu sagen hast. Da liegt das Kommunikationsproblem. In Eurem Fall ist die Situation durch die Gehörlosigkeit Deines Sohnes natürlich sehr besonders. Doch ich denke, sein Verhalten hängt mit seinem Alter zusammen. Er möchte Dinge ausprobieren, ohne dabei gestört zu werden und er möchte auch Grenzen überschreiten.
Vielleicht hilft es, die Kommunikation in solchen Fällen und wenn es wirklich sein muss auf ein Minimum zu reduzieren und nur ganz klare Zeichen zu geben, wie z.B. "Stopp!" Keine langen Erklärungen. Und dann auch dabei zu bleiben und seine sicherlich wütende Reaktion aufzufangen und zu begleiten. Das gehört dazu und ist in Ordnung.

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Re: Erziehungskonzepte und eigene Vorstellungen

Beitragvon Rabaukenmama » Mo 9. Feb 2015, 13:54

Bliss hat geschrieben:
Rabaukenmama hat geschrieben:Das ist ein Punkt, in dem ich immer wieder mißverstanden werde. Ich bin gegen nicht GENERELL gegen Reglementierung von gewissen Dingen (Süßigkeiten, Fernsehen, Konsolenspiele) sondern ich bin gegen eine GENERELLE Reglementierung dieser Dinge.


Ich sehe da immer noch nicht wirklich einen Unterschied. Wer reglementiert schon einfach so aus Freude am Reglementieren. Du hast z.B offenbar die Regel: keine Schokolade nach dem Zähneputzen und wer sich mehrfach übergeben hat kriegt nur noch begrenzt Schokolade. Beides wohl weil du der Meinung bist, dass es deinem Kind nicht gut tun würde. Jemand der ein Zeitlimit oder eine feste Menge an Süßigkeiten pro Tag vorgibt wird ja genauso einen individuellen Grund haben, warum er eben genau dieses Limit wählt. Und wieder jemand anderes sieht in deiner Beschränkung auf: keine Süßigkeiten nach dem Zähneputzen ein generelles Limit, weil er der Meinung ist, dass egal ist, wen man nach dem Zähneputzen noch was Süßes ist.

Also vielleicht wirst nicht du mißverstanden, sondern du mißverstehst die Beweggründe derer, die deiner Meinung nach generell Reglementieren?


Ja, ich verstehe die Beweggründe derer, die generell reglementieren, oft nicht.
Muß ich auch nicht, schließlich werden meine eigenen Beweggründe auch oft genug mißverstanden.

Ich habe auch schon Diskussionen unter Müttern miterlebt, die sich gegenseitig darin übertrumpfen wollten wie wenig ihre Kinder fernsehen dürfen. Warum, wenn nicht aus Freude am reglementieren?
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Re: Erziehungskonzepte und eigene Vorstellungen

Beitragvon Rabaukenmama » Mo 9. Feb 2015, 14:30

Momo hat geschrieben:Liebe Rabaukenmama, na, das war ja ein entspannter Sonntag ;)
Aus diesem Grund habe ich geschrieben, dass ich meiner Tochter eher gezeigt habe, wohin sie etwas hartes werfen darf, wenn ich sehe, dass sie in Wut ist und gerade dabei ist, etwas werfen zu wollen. Ich muss also schnell an ihrer Seite sein, sage dann meistens "Du bist wütend, wirf den Klotz (Eisenbahnschiene oder was auch immer sie gerade in der Hand hält) dort hin! jawoll, lass es mächtig scheppern!" Oder aber "Stopp, ich will nicht, dass Du mich haust! Hier kannst Du hauen!" Und ich haue mit ihr zusammen auf den Boden, der ist immer da ;) Die Kraft, die Emotion also umlenken.


Wenn mein Sohn wütend war habe ich auch schon versucht, ihn zu bestätigen und umzulenken("Du bist wütend! Dorthin werfen!") - nur hat das beim Kleinen noch nie geklappt. Das liegt daran, dass er gar nicht hinschaut was ich gerade gebärde, wenn er gerade einen Wutanfall hat. Sprich: er sieht auch nicht, wohin er werfen darf!

Momo hat geschrieben:Im Falle des Essenabschleckens- Warum durfte Dein Sohn sich nicht etwas nehmen und damit dann ausprobieren wie es schmeckt, es auftürmen etc.? Darf er das generell nicht oder nur nicht, weil Besuch da war? Für ihn war es ein tolles Erlebnis und er hat wahrscheinlich einfach nicht verstanden, warum er es nicht tun darf. Ich versuche in diesen Situationen , das Bedürfnis der Kinder ernst zu nehmen und dafür einen Rahmen zu schaffen, der für alle in Ordnung ist. Also dass er natürlich nicht alles abschleckt, sondern nur die Dinge auf seinem Teller.


Liebe Momo, ich habe KEINERLEI Problem damit wenn mein Sohn die Dinge auf SEINEM Teller abschleckt! Nur halte ich es nicht für ein tolles Erlebnis wenn er das mit den Lebensmitteln der Platte für die Gäste tut. Er darf auch die Sachen von seinem Teller auf einen anderen Teller umsortieren - kein Problem. Nur das genügt ihm leider nicht. Das Essen anderer abschlecken darf er generell nicht, unabhängig ob Besuch da ist oder die "anderen" nur wir Familienmitglieder sind.

Das Problem ist nicht, dass er die Regeln nicht versteht oder sie anders sind wenn Besuch da ist - er will, dass alle nach SEINEN Regeln agieren, wenn nicht gibt´s Trotzanfälle.

Momo hat geschrieben:Genau das habe ich auch gedacht, ich finde es nur schwer, als Außenstehende so etwas zu äußern, ohne Dir ein ungutes Gefühl zu geben.
Ich glaube der Punkt ist, dass Du natürlich weißt, was Dein Sohn will, aber Dein Sohn möchte nicht verstehen was Du willst. Er schaut demonstrativ weg, möchte gar nicht sehen, was Du zu sagen hast. Da liegt das Kommunikationsproblem. In Eurem Fall ist die Situation durch die Gehörlosigkeit Deines Sohnes natürlich sehr besonders. Doch ich denke, sein Verhalten hängt mit seinem Alter zusammen. Er möchte Dinge ausprobieren, ohne dabei gestört zu werden und er möchte auch Grenzen überschreiten.


Du liegst komplett richtig, mein Sohn MÖCHTE nicht verstehen, was ich will. Solange er seinen Kopf durchsetzt ist er sehr friedlich. Und es gibt ja immer wieder Situationen, wo ich kein Problem damit habe, wenn er was ausprobiert. Wenn ich z.B. staubsauge und er will danach auch mit dem Staubsauger spielen - gern! Nur bin ich dagegen dass er den Staubsauger eigenmächtig aus dem Kasten holt. Das Teil ist schwer, er kann sich beim rausheben verletzen (es steht erhöht im Kasten) und nicht zuletzt was das Teil auch ziemlich teuer, so dass ich nicht will, dass er damit rumspielt wenn ich nicht dabei bin und sehe, was er tut.

Momo hat geschrieben:Vielleicht hilft es, die Kommunikation in solchen Fällen und wenn es wirklich sein muss auf ein Minimum zu reduzieren und nur ganz klare Zeichen zu geben, wie z.B. "Stopp!" Keine langen Erklärungen. Und dann auch dabei zu bleiben und seine sicherlich wütende Reaktion aufzufangen und zu begleiten. Das gehört dazu und ist in Ordnung.

Liebe Grüße von Momo


Im wütende Reaktionen auffangen und begleiten arbeite ich ohnehin gerade an meinem Meisterstück :P . Klare Zeichen wie "Stopp" werden zwar erkannt, aber ebenso ignoriert wie alles andere. Es war auch der Tipp der Frühförderin, sich auf kurze, klare Gebärden zu beschränken ("Stopp", "Nein", "Aua!", "Aus!"), nur funktioniert es nicht. Wenn der Kleine wütend ist sieht er sprichwörtlich rot und es ist völlig egal, was ich tue oder gebärde.

Es ist z.B. sehr gefährlich, mein Kind bei einem Wutanfall hochzunehmen und trösten zu wollen. Abgesehen davon, dass meine Brille dabei sehr gefährdet ist (sie wurde schon einige Male in solchen Situationen durchs Zimmer geschleudert): der Kleine schlägt so wild um sich dass die Verletzungsgefahr riesengroß ist.
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Re: Erziehungskonzepte und eigene Vorstellungen

Beitragvon Bliss » Mo 9. Feb 2015, 14:39

Rabaukenmama hat geschrieben:
Ja, ich verstehe die Beweggründe derer, die generell reglementieren, oft nicht.
Muß ich auch nicht, schließlich werden meine eigenen Beweggründe auch oft genug mißverstanden.

Ich habe auch schon Diskussionen unter Müttern miterlebt, die sich gegenseitig darin übertrumpfen wollten wie wenig ihre Kinder fernsehen dürfen. Warum, wenn nicht aus Freude am reglementieren?


Na, ich nehem mal stark an, weil sie der Meinung sind, dass Fernsehen ihren Kindern schadet. Du gibst doch deinem Sohn keine Schokolade mehr nach dem Zähneputzen. Machst du das auch aus Freunde am Reglementieren? Oder nicht doch eher weil du mal gehört hast, dass es den Zähnen schadet. Oder weil du es einfach nicht möchtest, wenn dein Kind das machst.
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Re: Erziehungskonzepte und eigene Vorstellungen

Beitragvon Momo » Mo 9. Feb 2015, 14:44

Rabaukenmama hat geschrieben:
Es ist z.B. sehr gefährlich, mein Kind bei einem Wutanfall hochzunehmen und trösten zu wollen. Abgesehen davon, dass meine Brille dabei sehr gefährdet ist (sie wurde schon einige Male in solchen Situationen durchs Zimmer geschleudert): der Kleine schlägt so wild um sich dass die Verletzungsgefahr riesengroß ist.


Das glaube ich und ich denke, das ist auch sehr verständlich. Das Kind ist wütend und will in diesem Moment nicht getröstet werden. Ich begleite diese Zornausbrüche so, indem ich in einem gewissen Abstand einfach da bin, ruhig dabei sitze, Anteil nehme, aber nichts sage oder mache. Man spürt den richtigen Abstand zum Kind, ist er zu dicht, fühlt sich das Kind bedrängt, ist er zu weit, fühlt sich das Kind alleine gelassen- dies hört man deutlich am Geschrei des Kindes :lol: Ist der Abstand richtig, ist das Kind zwar wütend, doch es fühlt sich trotzdem angenommen und unterstützt und schafft es so, gut durch diese emotionalen Wogen hindurch zu kommen. Vielleicht kannst Du Deinem Sohn mehr Zeit geben, den Druck rausnehmen und erst gebärden, wenn er zu Dir schaut und aufnahmefähig erscheint. Vielleicht ist es ihm in diesen Situationen einfach alles zu viel.

Schöne Grüße von Momo
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