Loslassen - wann und wie?

ganz allgemein zu Kleinkindern, ob nun aufgeweckt, klug oder hochbegabt

Loslassen - wann und wie?

Beitragvon Rabaukenmama » Do 17. Sep 2015, 09:56

Hallo,

ispiriert von einem anderen Thread denke ich, dass dieses Thema einen eigenen Platz hier im Forum verdient :) .

Momo schrieb an anderer Stelle "Loslassen ist sehr schwer, doch das Loslassen kommt nach dem (fest)-Halten! Ich bin der Meinung und mache immer wieder die Beobachtung, dass die Kinder, die in den ersten Jahren zuverlässig und liebevoll unterstützt und "gehalten" worden sind, mit einer großen Anteilnahme und Präsenz der Eltern, auch das Loslassen und Selbstständigwerden gut meistern. Natürlich werden die Kinder dann ihren eigenen Weg finden und gehen, doch die Innere Stärke und Sicherheit für diesen Weg wird schon davor ausgebildet. Meinst Du nicht?"

Grundsätzlich stimme ich dem zu. Aber meine Beobachtung zeigt mir, dass das Bedürfnis nach Nähe und "gehalten-werden" ebenso wie das Bedürfnis nach Eigenständigkeit schon bei sehr kleinen Kinder total unterschiedlich ausgeprägt ist. Meine Buben hatten von klein auf einen natürlichen Drang nach "draußen" und gar nicht so das Bedürfnis dass einer von uns (mein Mann oder ich) immer dabei ist.

Ich erinnere mich da an eine Szene beim "Babytreffen" von Eltern 1-3jähriger Kinder. Eine andere Mutter wollte aufbrechen, ihr Kind wollte aber noch dortbleiben. Nach mehrmaligem rufen, auffordern und einem kleinen Streit zog sich die Mutter die Jacke an und meinte zum Kind "Na gut, dann gehe ich eben allein. Baba!" und winkte zum Abschied - und das Kind kam sofort gelaufen um sich ebenfalls anziehen zu lassen, weil es Angst hatte, die Mama könnte tatsächlich alleine gehen.

Später habe ich ähnliches Verhalten von Eltern noch mehrmals beobachtet und es war meistens dasselbe: wenn ein Kind nicht mit wollte und der Elternteil ankündigte, alleine zu gehen, war das Kind sofort da. Dasselbe hätte ich bei meinen Kindern gar nicht zu versuchen gebraucht - denen war schon mit 2 Jahren ziemlich egal ob Mama oder Papa anwesend waren oder nicht. Und wenn SIE etwas machen bzw. wo bleiben wollten und Papa/Mama nicht, dann sollen Papa oder Mama eben alleine gehen. Kein Problem!

Einmal habe ich es bewusst ausprobiert. Ich war mit meinem damals knapp 2jährigen Großen in ein neues Sportgeschäft gegangen um mir dort mal das Angebot anzusehen. Mein Sohn war begeistert von einem Verkaufsständer mit bunten Sportsocken und von dort nicht wegzubekommen. Es waren mehrere Verkäufer anwesend und keine anderen Kunden. Nachdem mein Sohn nach einigem hin und her nicht mit heimgehen wollte sagte ich zu einem der Verkäufer, ich wolle mal ausprobieren wann er mich vermisst. Ich vereinbarte mit dem Verkäufer, vor dem Geschäft 10 Minuten zu warten und dass er (der Verkäufer) meinen Sohn sofort zu mir bringt, sollte dieser Angst bekommen, weinen oder nach mir suchen. Dann verabschiedete ich mich von meinem Sohn, ging raus und wartete 10 Minuten (außerhalb seines Sichtbereiches). Niemand kam. Als ich wieder reinging spielte er immer noch begeistert mit den Socken und als er mich sah winkte er gleich noch einmal "Baba" um mir zu zeigen, dass meine Anwesenheit nicht benötigt wurde.

Ich will keine Analyse erstellen ob so ein Verhalten Indiz für eine sichere oder eine unsichere Eltern-Kind-Bindung ist. Aber es steht fest, dass weder ich noch mein Mann eines unserer Kinder GEGEN DESSEN WILLEN wo allein gelassen haben - und sei es zum schlafen in einem anderen Zimmer!

Ein weiteres Beispiel für Eigenständigkeit im Kleinkindalter war der Kindergarten. Mein Sohn wollte schon mit nicht mal 2 Jahren unbedingt in den Kindergarten. Wenn wir uns einen Kindergarten angesehen haben durfte er dort immer kurz in der Gruppe bleiben, während mir eine Kindergärtnerin die Räumlichkeiten gezeigt und den Ablauf erklärt hat. Dann gab´s jedes Mal weinen und Gebrüll wenn er wieder raus mußte. Und ganz viele Gesten "Baba!" um mir zu zeigen dass er schon alleine zurechtkommt.

Als er dann mit 2 Jahren und 4 Monaten tatsächlich in den Kindergarten kam war abgemacht, ihn am ersten Tag nur mal für eine Stunde vorbeizubringen und dann wieder abzuholen. Und wieder gab es Tränen und Gebrüll beim abholen. Mein Sohn verstand nicht dass die anderen Kinder noch bleiben durften während er wieder abgeholt wurde und empfand das als furchtbar ungerecht. In den nächsten Eingewöhnungs-Tagen einigte ich mit mit den KindergärterInnen, meinen Sohn jeden Tag ein bißchen früher hinzubringen, aber gemeinsam mit den anderen Kindern um 16h abzuholen. Das klappte ganz gut :) .

Beim Kleinen, der mit einem Jahr und 10 Monaten in den Kindergarten kam, begann die Eingewöhnung mit gerade mal 5 Minuten allen im Kindergarten und wurde innerhalb von 6 Wochen auf ganztags gesteigert. Es gab NIE Probleme - kein weinen, keine Appetitlosigkeit, NICHTS! Und er war aufgrund seines fröhlichen Wesens und reifem Sozialverhaltens vom ersten Tag an bei Kindern und KindergärterInnen gleichermaßen beliebt.

Was ich damit sagen will ist, dass ich es als Aufgabe der Eltern betrachte, den Bedürfnissen des eigenen Kindes entsprechend zu agieren und nicht irgendwelche als "gut fürs Kindeswohl" propagierte Verhaltensmuster durchzuziehen. Bei einem Kind ist mehr "halten" gefragt, beim anderen mehr "loslassen". Das hat nicht wirklich viel damit zu tun ob das Kind als Baby getragen wurde oder im Wagerl lag und wie lange es gestillt wurde. Es ist einfach Teil der Persönlichkeit. "Große Anteilnahme und Präsenz" wie Momo sie beschreibt, ist bei MANCHEN Kindern wichtig, bei anderen ist wichtig, ihnen die Autonomie zu gewähren, die sie einfordern. Wichtig ist dabei nur, bereit zu sein, dem Kind wieder mehr Anteilnahme und Präsenz zu geben, wenn es VON IHM offensichtlich benötigt oder verlangt wird.

Mein Großer hatte übrigens mit ca. 4 Jahren eine Phase, wo er plötzlich wieder sehr anhänglich war - plötzlich wollte er z.B. am Spielplatz immer Blickkontakt (während ihm davor völlig egal war ob er mich sieht oder nicht). Da habe ich dann seinem Wunsch entsprochen weil ER offensichtlich erst in dem Alter überhaupt in Erwägung gezogen hat dass er die Mama auch "verlieren" könnte. Davor war ohnehin eine Selbstverständlichkeit, daß Mama da ist, wenn man sie braucht. Und mein Sohn brauchte mich bei weitem nicht "immer".
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Re: Loslassen - wann und wie?

Beitragvon Koschka » Do 17. Sep 2015, 12:18

Mir selber fällt los lassen ziemlich schwer. Mein Mann ist in dieser Hinsicht deutlich entpsannter. Wenn die Kinder bei ihm fragen, dürfen sie mehr Freiheit erlangen als bei mir. Der letzte Punkt war, dass die zwei Großen (bald 9) in einer fremden Stadt zum Strand gehen dürften, um dort zu spielen. Auch wenn man des Wassertemperaturs wegen, nicht auf die Idee kommen würde dort zu baden, war es mir am Anfang nicht geheuer. Nachdem sie 1-2 mal alleine da waren, habe ich mich daran gewöhnt. Der Unterschied zwischen mir und meinem Mann besteht darin, dass er realle Gefahren abschättz und ich in das Exreme verrutsche - was alles passieren könnte.

Mein großer Sohn hat einen sehr starken Drang nach Selbständigkeit. Dabei wird er in vielen Fragen, die nichts mit Selbstständigkeit zu tun haben, z.B. bei schwerigeren Aufgaben von inneren Versagungsängsten geplagt. Daher kommt die niedrige Frustrationstoleranz. Er geht viel lieber in einer fremden Stadt alleine einkaufen als sich an eine schwere Schulaufgabe alleine zu trauen. Wobei Schulaufgabe stellvertretend für alles steht, was mit Leistung zu tun hat. Ich vermute, dass auch sein Perfektionismus daran mitschuld trägt. Er sieht sein Ergebnis, und ist oft unzufrieden.

Was der Selbständigkeit im alltäglichen Sinne betrifft, waren meine zwei Großen mit 4,5 so weit, dass wir sie einschulen konnten. Sie gingen vom ersten Tag an fröhlich in die Schule rein, hatten kein Bedürfnis uns dabei zu haben. Etwa ab dem 5. Geburtstag liefen sie auf Veranlassung der Lehrerin alleine zur Schule.
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Re: Loslassen - wann und wie?

Beitragvon Momo » Do 17. Sep 2015, 19:11

Rabaukenmama hat geschrieben:
Was ich damit sagen will ist, dass ich es als Aufgabe der Eltern betrachte, den Bedürfnissen des eigenen Kindes entsprechend zu agieren und nicht irgendwelche als "gut fürs Kindeswohl" propagierte Verhaltensmuster durchzuziehen. Bei einem Kind ist mehr "halten" gefragt, beim anderen mehr "loslassen". Das hat nicht wirklich viel damit zu tun ob das Kind als Baby getragen wurde oder im Wagerl lag und wie lange es gestillt wurde. Es ist einfach Teil der Persönlichkeit. "Große Anteilnahme und Präsenz" wie Momo sie beschreibt, ist bei MANCHEN Kindern wichtig, bei anderen ist wichtig, ihnen die Autonomie zu gewähren, die sie einfordern. Wichtig ist dabei nur, bereit zu sein, dem Kind wieder mehr Anteilnahme und Präsenz zu geben, wenn es VON IHM offensichtlich benötigt oder verlangt wird.


Das sehe ich auch so. Die aufmerksame Präsenz der Eltern sollte genau dies erkennen- wann die Kinder Sicherheit und Nähe brauchen und wann sie selbstständig sein wollen und natürlich auch dürfen. Aus meiner Sicht macht es ebenso wenig Sinn, ein sehr autonomes Kind festhalten zu wollen wie ein anhängliches Kind gegen seinen Willen in die Selbstständigkeit zu schubsen. Jede Mutter und jeder Vater wird einen anderen Weg finden, denn die Bedürfnisse eines jeden Kindes sind unterschiedlich. Was ich ebenfalls nicht mag sind die Eltern und Pädagogen die meinen, dass Kinder möglichst früh Dinge "lernen" müssen (wie z.B. alleine einschlafen, im Kinderwagen liegen, früh in Fremdbetreuung klarkommen, früh abgestillt werden etc.), damit eine frühe Selbstständigkeit gefördert wird. Das halte ich für falsch, denn ich beobachte genau das Gegenteil. Es sind genau die Kinder, die "lange" (das heißt, so lange die Kinder es brauchten) bei ihren Eltern sein durften und sehr wertschätzend behandelt wurden, die letztendlich sehr sozial kompetent und selbstständig sind. Dies fällt mir im Moment einfach sehr auf, es kann ein Zufall sein...

Heute wurde ich von der Turnlehrerin angesprochen, wie sicher und selbstständig meine Tochter sich entwickelt hat und wie "super erzogen" sie ist. Haha, gerade mir wurde so etwas gesagt- ihr erinnert Euch vielleicht daran, was ich über "Erziehung" geschrieben habe...
Alles kommt von selbst, wenn man den Kindern vertraut und ihnen die Zeit und Nähe gibt, die sie brauchen.
Und letztendlich werden die aufmerksamen Eltern dann auch merken, wenn es wieder Zeit ist, das Kind ein Stück weiter loszulassen- das geht ja nicht von einem Tag auf den anderen, es ist ein langer Prozess! Somit lässt sich diese Frage überhaupt nicht pauschal beantworten, es gibt so viele unterschiedliche Wege wie es Kinder gibt ;)

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Re: Loslassen - wann und wie?

Beitragvon Koschka » Fr 18. Sep 2015, 02:23

Das ist immer die Frage, wie herum man es dreht :-) Sind die Kinder sozial kompetent, weil ihre Eltern, die ihrerseits auch sozialkompetent sind, sie wertschätzend und rücksichtsvoll behandelt oder weil sie die Fähigkeit sozial kompetent zu sein einfach vererbt hatten und ihre Kinder auch so geblieben wären, falls sie gar nicht gestillt und mit drei Monaten in die Krippe geschickt wären? Ich glaube eher an die letztere Variante. Auch wenn man Krippenkinder beobachtet, die etwa im gleichen Alter sind, sagen wir ein Jahr alt, gibt es Babys die gern Kontakte aufnehmen, Babys die Zeit brauchen, bis sie Kontakte aufnehmen können, und welche die keine Kontakte wollen. Wenn ich unsere sehr erfahrene Kinderärztin richtig verstanden habe, sieht sie auch einen direkten Zusammenhang zwischen dem ersten sozialen Lächeln der einge Wochen alten Babys und späterem Sozialverhalten. Ihr Fazit wäre, wer sehr früh anfängt, der legt wirklich wert darauf und kümmert sich auch später gut und gerne um die Kontakte.
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Re: Loslassen - wann und wie?

Beitragvon Rabaukenmama » Fr 18. Sep 2015, 16:24

Koschka hat geschrieben:Auch wenn man Krippenkinder beobachtet, die etwa im gleichen Alter sind, sagen wir ein Jahr alt, gibt es Babys die gern Kontakte aufnehmen, Babys die Zeit brauchen, bis sie Kontakte aufnehmen können, und welche die keine Kontakte wollen.


Genau dasselbe habe ich auch beobachtet. Es ist wirklich von Kind zu Kind verschieden. Ist es ja bei Erwachsenen genauso. Es ist ein Trugschluss, zu glauben, dass Kinder bei dieser oder jeder Behandlung nach einem bestimmten Muster "funktionieren". Es gibt ja auch Erwachsene, die allein mit einem Rucksack durch die Welt trampen und andere, die sich schon in einer fremden Stadt im eigenen Land nur im Schutz einer Reisegruppe sicher fühlen. Und all das DARF sein und ist NORMAL!

Es geht nicht darum sich alles zu (zu-)trauen, sondern darum, Wege zu finden, wie man das eigene Leben so gestaltet, dass man selbst damit zufrieden ist. Es geht um die persönliche Freiheit, selbst ausprobieren zu dürfen (nicht: zu müssen!), was einem gut tun und was nicht.

Ich finde sehr wichtig dass ein Kind im Baby- und Kleinkindalter verlässliche Bezugspersonen hat, doch müssen diese in meinen Augen nicht die Eltern sein. Kinder können auch sichere Bindungen zu anderen Personen aufbauen: zur tante oder zum Opa, zu älteren Geschwistern, zu Tagesmüttern oder KindergärtnerInnen. Auch hier ist unterschiedlich ob und unter welchen Umständen sich ein Kind darauf einlässt so eine Bindung aufzubauen und wie viel Kontakt und Zeit es dafür benötigt.
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Re: Loslassen - wann und wie?

Beitragvon Maca » Fr 18. Sep 2015, 16:32

Hallöle!

Was ist eigentlich mit den Bedürfnisssen der Mütter?
Sind wir nur Funktion dahingehend unsere Kinder glücklich,selbstständig,kognitiv voll ausgeschöpft,kreativ und natürlich sozial hochgradig kompetent hinzubekommen,am besten noch indem wir eigenen Bedürfnisse und Befindlichkeiten total verleugnen?
Wir sind auch nur Menschen!!!
Ich weigere mich zu glauben,daß Mütter allmächtig sein könnten und es allein in ihrer Macht läge,wenn sie nur wollten ,gottgleiche Kinder zu erzeugen.
Alles im Leben ist immer Interaktion,mit Hauptbezugspersonen,Familie,entfernterer Familie,Freunden,Menschen allgemein,mit den kulturellen,wettertechnischen,infrastrukturären Bedingungen PLUS den genetischen Vorraussetzungen.

Ein HOCHKOMPLEXES System,welches nicht zuletzt auch einer großen Prise Zufall ausgesetzt ist.

Kinder entwickeln sich meist phasenweise und es gibt Entwicklungsphasen,in denen sie besonders sensibel auf äußere Reize reagieren.Wenn Kinder in bestimmten Phasen ihrer Persönlichkeitsentwicklung,prägende Erfahrungen mit der Umwelt machen,die sie noch nicht verarbeiten und interpretieren können,kann das sich das nachhaltig auswirken.


Ein Kind,welches im KiGa an eine für es absolut unpassende Erzieherin gerät,kann sich vielleicht schon anders entwickeln als eines,daß dort nur positive und sein Selbstwertgefühl aufbauende Erfahrungen macht.
Bis Eltern dann eingreifen können,kann es ,wenn es richtig blöd läuft ,eventuell schon zu spät sein.

Ich kann nur aus eigener Erfahrung sagen,meine Kinder sind trotz nahezu gleicher Erziehung,dem gleichen Maß an Liebe, Zuwendung und Unterstützung TOTAL unterschiedlich.

Und ich denke,daß alle die ihre Kinder bedingungslos ( klingt so banal,ist aber so schwer) lieben,sich mit ihnen auseinandersetzen,mit ihnen lachen,sie motivieren, ihnen das an körperlich. Nähe geben,was sie brauchen ( und was die Eltern geben können,denn es gibt auch viele emotional blockierte Eltern die nicht in der Lage sind Kindern genug Körperlichkeit zu vermitteln) im Rahmen der eigenen und äußerlich. Möglichkeiten immer die bestmöglichen Eltern sind.

ganz liebe Grüße
Maca
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Re: Loslassen - wann und wie?

Beitragvon laurina » Mo 28. Sep 2015, 14:47

Eine interessante Diskussion, und aus meiner Erfahrung muss ich allen Meinungen auf die ein oder andere Weise beipflichten :)

Gerade bei mehreren Kindern merkt man schnell, dass viele Verhaltensweisen, die man zunächst der eigenen geglückten "Erziehung" zuschreiben wollte, in Wirklichkeit charakterbedingt, also quasi "vererbt" sind.
Während meine Tochter als Zweijährige - ähnlich wie Raubaukenmamas Sohn - auf jeden Fall sofort ohne zu zögern "tschüs!" gerufen hätte, wenn ich ihr damit gedroht hätte, irgendwo einfach allein wegzugehen, wenn sie nicht mitkommen wollte, hat mich mein Jüngster erst vor zwei Wochen sehr überrascht, als er sofort brav aus dem Sandkasten kam, als ich vorgab ohne ihn heimzugehen - obwohl er vorher lautstark protestierte, als ich das Spielende angekündigt habe ...
Eine andere Beobachtung in dem Zusammenhang: In den Mutter-Kind-Spielgruppen sind es oft die Kinder, die am Anfang in aller Ruhe von Mamas Schoß aus die Lage sondieren durften, die nach einigen Wochen am selbstständigsten allein spielen. Die Kinder, die ständig von den Müttern dazu gedrängt werden, doch endlich mal allein spielen zu gehen, tun das oft viel später. Wobei das zuletzt genannte Verhalten unter den Müttern in den letzten Jahren weniger wird.

Der Umgang mit dem "Loslassen" wird interessanterweise auch von pädagogischen Fachkräften unterschiedlich bewertet. Hierzu mal meine Erfahrungen mit dem Eingewöhnen meiner Kinder im Vorkindergarten (ab zwei Jahren, zweimal zwei Stunden pro Woche, ohne Eltern):
Bei meinem Sohn vor neun Jahren mussten alle Eltern sofort gehen, damit das ganze "kurz und schmerzlos" läuft und nicht monatelang noch irgendwelche Mütter mit dabei sind, deren Kinder sich nicht trennen wollen, und die dann die anderen Kinder, deren Mütter nicht mehr dabei sind, verunsichern, sodass diese dann auch wieder ihre Mütter dabeihaben wollen. Die Methode hat geklappt, nach einigen Wochen hat kein Kind mehr geweint, alle haben friedlich gespielt.
Bei meiner Tochter vor sieben Jahren waren am Anfang alle Mütter dabei, solange, bis die Kinder sich freiwillig trennen wollten. Meine Tochter, die mich sonst links liegen ließ, hat aber erkannt, dass sie hier Macht über mich hat, und wollte sich bis zuletzt nicht trennen. Dann habe ich mich getrennt, und nach kurzem Theater ihrerseits war alles kein Problem. Wir hatten regelmäßig die Konstellation, dass sie morgens geheult hat, weil sie nicht ohne mich hinwollte und nach zwei Stunden wieder geheult hat, weil sie nicht mit mir wegwollte ... Das hat sie auch das gesamte erste Kindergartenjahr so beibehalten.
Bei meinem jüngsten war es nun im Vorkindergarten so, dass die Kinder ein paarmal die Mütter dabeihaben dürfen, die Mütter dann versuchsweise gehen sollten, und wenn die Kinder zu sehr weinten, wurde die Mutter angerufen und musste das Kind abholen. Mein Sohn hat das zum Glück niemals gemacht; er hatte zwar Schwierigkeiten mit dem Trennungsmoment selbst (hat mir nie nachgewunken oder so), aber er liebte die Spiele und Bücher und hat sich so schnell abgelenkt.
Nun bin ich gespannt, wie er sich ab Oktober im Kindergarten macht; da beginnt die Eingewöhnung wieder von Neuem.
Zur Frage mit dem "Loslassen - wann?": Meine persönliche Meinung ist: möglichst nicht zu früh, am besten erst um den dritten Geburtstag herum. Wenn ich sehe, dass 11-monatige Kinder schon in Ganztagsbetreuung gegeben werden, habe ich Probleme, mir da eine geglückte Eltern-Kind-Bindung vorzustellen. Aber ich weiß, dass es Lebensumstände gibt, die so etwas notwendig machen. Ob es den Kindern langfristig schadet, wird von Fall zu Fall unterschiedlich sein, aber es gibt durchaus Studien, die das vermuten lassen.

Mein Fazit:
1. Jedes Kind ist anders.
2. Je unsicherer die Mutter / der Vater in Sachen Trennung, desto mehr Theater gibt es drumherum.
3. Alle Kinder, deren Mütter unbedingt arbeiten müssen, bekommen die Eingewöhnung in der Kita scheinbar besser hin als andere. Kinder, die wieder aus dem Kindergarten genommen wurden, weil sie "nicht dortbleiben" wollten, kenne ich nur im Zusammenhang mit Müttern, die nicht arbeiten - also spielt der elterliche "Druck" wohl auch eine Rolle in Sachen Loslassen.
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Re: Loslassen - wann und wie?

Beitragvon Karen » Mo 28. Sep 2015, 16:53

Hallo Laurina, Ich kenne sehr viel Mutter aus Deutschland die genau so denken und änliche Erfahrungen gemacht haben wie du. Ich lebe aber in der Schweiz und hier ist die Situation ganz anderes, wenigstens in Grossen Städten. In der Schweiz ist Elternzeit genau 3-4 Monaten. Das bedeutet dass Babies schon mit 4-6 Monaten in Kita oder zu Tagesmutter kommen. In Zürich, Basel oder Genf sind das um 50% der babies die "Fremdbetreut" werden. Und diese 50% haben nicht alle eine gestörte Bindunsverhalten zu Eltern. Es liegt daran dass Babies in der Lage sind zu mehr als eine Person eine Feste und sichere Bindung aufzubauen. Das ist in mehrere Studien gezeigt worden ist, inklusive bei Remo Largo der seine Studien in raum Zürich durchgeführt hat. Die Frage ist: kann ein Baby eine Sichere Bindung zu Erzieherin in Kita neben Mutter und Vater aufbauen? Wenn Betreuungschlüssel in Kita bei 1/10 liegt und eine Person um 10-20 Kinder kümmern muss und das 5 Tage die Woche ist es sicher unmöglich. In der Schweiz gehen aber meisten Babies und Kinder nur 2-3 Tage die Woche in Kita (10 Stunden pro Tag) und Mütter/Vater arbeiten oft Teilzeit, bis Kinder selbständig werden (Ende Sekundarschule). Der Grund ist dass 1 Tag Kita Betreuung 120 Euro Kostet und niemand ist in der Lage ganze Woche zu bezahlen (und meisten wollen das sowieso nicht). In der Kita werden dann Kinder von Morgen bis Abend in kleinen Gruppen mit 1 Erzieherin pro 3 Kinder 0-4 Jahren betreut. In guten Krippen wird viel Wert daran gelegt dass die Betreuerinnen nicht wechseln und jedes Kind 2 feste Bindungspersonnen hat und eine von Beiden ist immer vorhanden. Die Bedürfnisse der Kinder stehen in Vordergrund. Meine Tochter wurde stundenlang in Tuch getragen da sie sonnst bis 13 Monaten nichts anderes schlafen konnte. Es gibt Waldtage, Ausflüge, es wird gemeinsam gespielt, gekocht, geputzt, aber es gibt auch eine ruhige Ecke wo Kinder sich zurückziehen können wenn sie es brauchen. Eingewöhnung passiert mit 5-6 Monaten problemlos und ich kenne kein Fall wenn ein Kind aus der Krippe genommen wurde weil Eingewöhnung nicht funktioniert hat. In so eine Kita können Kinder eine Sichere Bindung zu 2-3 Betreuerinnen entwickeln, die Bedürfnisse der Kinder werden respektiert (in manche fallen oft besser als zu hause) und ich glaube nicht dass ein Kind davon schaden tragen würde. So eine Betreuung entspricht auch eher die "Alten Zeiten" wenn das "ganzes Dorf" die Kinder grossgezogen hat. Da waren es Grosseltern, Tanten, Cousinen die mitgemacht haben und zu denen die Kinder eine Sichere Bindung hatten. Die Situation "Kind mit Mutter alleine zu hause" ist eher relativ neue wenn man die ganze Menschheit Geschichte betrachtet.
Jetzt, ich will nicht damit sagen dass alle Kinder in Schweizer Kitas zufrieden sind und damit klar kommen. Auch hier gibt es bessere und schlechtere Kitas, obwohl meisten 120 euro pro Tag kosten. Es gibt Kinder die in Kitas sich nicht so gut zu recht finden. Meine Tochter gehört zu denen. Bei ihr ist es so, dass sie die Erziehrinen liebt und zu sie tolle Bindung hat, aber sich nicht so gut in grösseren gruppen (für sie ab 3-4 kinder) zu recht findet. Es wird viel in Kita gemacht dass sie auch "ihre ruhe" hat, aber klar können sie sie nicht 1-1 betreuen. Das bedeutet für uns dass sie glücklich von Kita zurück kommt und grundsätzlich zufrieden ist und nur positive erlebnnisse aus Kita altgat erzählt, aber nicht gerne dort hin geht. Ich habe mit loslassen kein Problem, aber mein Kind weint jedes mal seit 2 Jahren wenn ich sie in Kita bringe. Es geht hier nicht um machtspiel, oder dass "Theater" sie irgendwelche Vorteile schafft, es ist einfach so dass sie lieber bei mir sein würde oder bei Vater, und Kita ist einfach Nummer 3/4. Sie beruhigt sich auch ganz schnell sobald ich weg bin. Aber wenn ich sie dann bei Leuten die sie wenig kennt alleine lassen würde, würde sie weinen bis sie Atmen Aussetzer bekommt und erbricht und vor Erschöpfung einschläft um wieder anfangen zu weinen wenn sie wieder wach ist. Deshalb wäre für uns so ein Eingewöhnung wie du für dein 1 Kind beschreibst eine Katastrophe, obwohl sie schon 2 Jahren Kita Erfahrung hat. Für mich ist das Charakter von dem Kind das wichtigste was loslassen angeht und nicht verhalten von Eltern. Und ich glaube fest daran dass die Kinder die Zeit brauchen loszulassen diese zeit auch bekommen sollen. Das bedeutet für mich nicht dass diese Kinder dann bis 6 nur von Mutter betreut werden sollen. Sie sind in der Lage eine Sichere Bindung zu Oma, Tante oder Erzieherin aufbauen wenn sie dabei unterstützt werden. Leider ist es in vielen Deutschen Kitas die ich von meinen Kolleginnen kenne nicht der fall. In eine schlechte Kita würde ich ein Kind nicht mit 11 Monaten, aber auch nicht mit 3 Jahren geben.
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Re: Loslassen - wann und wie?

Beitragvon Rabaukenmama » Di 29. Sep 2015, 13:45

@Karen: interessant, was du über die KITAs in der Schweiz schreibst. Vor allem die hohen Kosten erschrecken mich sehr. Ich weiß ja dass ich hier in Wien verwöhnt bin, denn der Kindergartenbesuch wird hier von der Gemeinde bezahlt. Wir zahlen für den Kleinen, der einen (bilingualen) Gemeindekindergarten besucht, gerade mal Euro 62,- PRO MONAT als Essensbeitrag. Für den Großen zahlen wir Euro 119,- pro Monat, das gliedert sich in Euro 80,- Essensbeitrag und Euro 39,- Ausflug- und Spielebeitrag. Trotzdem ist der Betreuungsschlüssel gut (im Kindergarten des Kleinen sogar noch besser, da es eine Integrationsgruppe ist) und ich bin mit beiden Kindergärten sehr zufrieden.
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Re: Loslassen - wann und wie?

Beitragvon laurina » Di 29. Sep 2015, 15:14

Hallo Karen,
danke für deine umfassende Schilderung des Kita-Alltags in der Schweiz; ich stimme dir voll und ganz zu, dass das ganz andere Voraussetzungen sind und nicht mit den Umständen hier in Deutschland vergleichbar, die meinen Erfahrungen zugrunde liegen.
Auch darin, dass es letztendlich von der Persönlichkeit des Kindes abhängt, ob, wann und wie eine Trennung gut gelingen kann, stimme ich dir völlig zu. Das deckt sich auch mit meiner Meinung, dass man gerade bei mehreren Kindern deutlich erkennt, dass vieles eben nicht Erziehungssache ist, sondern charakterbedingt. Insofern ist auch das, was ich am Ende geschrieben habe (elterliches Verhalten im Zusammenhang mit kindlichem Loslassen-Können) sicherlich zu relativieren.
Ich habe gerade letzte Woche in der "Schnupperstunde" meines Sohnes im Kindergarten wieder deutlich gesehen, wo diese Betreuung an ihre Grenzen stößt. Zwei Mitarbeiterinnen kümmern sich um 25 Kinder zwischen 2 1/2 und 6 Jahren innerhalb einer Gruppe. Die Kinder, die selbstständig zufrieden spielten, waren in der Mehrzahl, trotzdem war es laut und turbulent. Einzelne Kinder fielen durch konfliktproduzierendes Verhalten auf, teilweise konnte sie nicht deutsch, sodass man nicht mit ihnen kommunizieren konnte. Andere kleinere Kinder saßen völlig verschüchtert in irgendwelchen Ecken und warteten nur darauf, nach einer Stunde (wg Eingewöhnungszeit) wieder abgeholt zu werden. Ich bin froh, dass mein Kleiner so begeistert mit Baggern, Zügen, Autos, Spielküchen, Puppenhäusern und Büchern spielt und schon ein gutes Sozialverhalten hat, sonst müsste ich mir durchaus Sorgen machen, dass er in diesem kunterbunten Gewusel untergeht ...
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