Autonome Kinder

ganz allgemein zu Kleinkindern, ob nun aufgeweckt, klug oder hochbegabt

Autonome Kinder

Beitragvon Rabaukenmama » Fr 13. Mai 2016, 22:09

Angeregt durch einen anderen Beitrag hier habe ich jetzt einiges von dem gelesen, was Jesper Juul über "autonome Kinder" schreibt. Dabei ist mir etwas aufgefallen was ich bisher noch nicht bedacht hatte. An anderer Stelle habe ich ja schon ausgiebig über meine beiden Kinder berichtet: über meinen gehörlosen "Kleinen" mit den fürchterlichen Wutanfällen und meinen meist kooperativen, aber oft unzufriedenen und eifersüchtigen älteren Sohn.

Auch über Geschwistereifersucht habe ich viel geschrieben und mich natürlich auch informiert, wie man dem entgegenwirken kann. Und ich dachte lange Zeit das der Auslöser der Eifersucht hauptsächlich die zusätzliche Aufmerksamkeit (wegen der Behinderung) für meinen jüngeren Sohn sei. Es fällt mir aber außer den Dingen, die wir ohnehin schon machen, nichts ein, wie man diese Situation verbessern könnte.

Doch nun, nachdem ich gelesen habe wie "autonome" Kinder agieren, bin ich mir sehr sicher dass mein jüngerer Sohn so ein autonomes Kind ist, mein älterer aber nicht. Das verändert meinen Blick auf die Gesamtsituation. Während z.B. Großsohn wenn es abends "Zähne putzen" heißt erst mal so tut, als würde er nicht hören, und dann noch demonstrativ rumjammert bevor er ins Bad geht und widerwillig seine Zähne putzt gibt es bei Kleinsohn drei mögliche Reaktionen. Bestenfalls geht er schnurstracks in Bad und putzt sich selbst sorgfältig die Zähne, wäscht Hände und Gesicht, trocknet sich ab und kommt dann wieder. Zweite Möglichkeit ist dass er "später" gebädert und dann besteht die Chance dass er tatsächlich einige Minuten später von sich aus Zähne putzen geht.

Die aber leider häufigste Reaktion ist ein unmißverständliches "NEIN". Meine Gebärden warum Zähne putzen wichtig ist werden dann durch demonstratives wegsehen und weggehen gar nicht erst wahrgenommen. Und dann kommt es zum Kampf bei dem ich meinen Sohn zwischen meine Beine klemme, ihm mit einer Hand beide Hände festhalte und mit der anderen gegen seinen Willen unter lautem Geschrei und herumschlagen die Zähne putze. Je nach Tagesverfassung ist Kleinsohn dann noch bis zu einer Stunde böse auf mich, schickt mich kreischend aus dem Zimmer, fordert aber im nächsten Moment dass ich zu ihm zurückkomme. Wenn ich das tue wird er erst recht wütend und schickt mich wieder raus. Er ist dann in einer Machtkampf-Spirale drin aus der er vermutlich selbst kaum rauskommt und ich muß furchtbar aufpassen mich nicht reinziehen zu lassen. Gar nicht reagieren geht auch nicht denn er zerrt an mit, schiebt mich, schlägt mich um mich dorthin zu bekommen, wo er mich haben will.

Mein älterer Sohn bekommt das natürlich immer voll mit. Und im Gegensatz zu seinem kleinen Bruder würde er sich NIEMALS so offen gegen mich auflehnen weil ihm unheimlich wichtig ist dass ich nicht böse mit ihm bin. Also lieber trotz Unwillen Zähne putzen als die Mama verärgern. Bei anderern Dinge ist es genau dasselbe. Kleinsohn weiß ganz genau was er will und was nicht und läßt sich - wenn überhaupt - nur mit Gewalt von Dingen abbringen, die er gerade machen oder haben möchte. Dabei ist ihm völlig egal ob ich oder mein Mann ihm "böse" sind.

Wenn ich sehr wütend auf eines meiner Kinder bin dann bringe ich es ins Schlafzimmer und mache demonstrativ die Tür von außen zu, ohne sie abzusperren. Großsohn kommt dann im Normalfall nach einigen Minuten heraus, fragt ob ich immer noch böse bin, entschuldigt sind, verspricht Besserung.

Kleinsohn kreischt vor Wut, kommt aber nicht wieder heraus. Wenn er sich nach einigen Minuten beruhigt bleibt er immer noch drin. Und wenn ich nicht nachsehe schläft er dann alleine ein. Mache ich hingegen die Tür auf kann durchaus sein dass er mich entrüstet wieder hinausschickt und nochmal demonstrativ die Tür von innen zumacht.

In diesem Forum habe ich meinen jüngeren Sohn schon manchmal als "Alpha-Tierchen" beschrieben, was nicht immer verstanden wurde. Aber genau so ein Verhalten war gemeint: er geht davon aus, der Chef zu sein und das sagen zu haben. Was er will nimmt er sich einfach heraus und wenn ihn wer bremsen will dann bekommt derjenige seine geballten Emotionen zu spüren. Und mein älterer Sohn sieht zu wie stark und zielstrebig der jüngere Bruder ist und dass der ständig Dinge macht und Grenzen überschreitet über die er sich selbst nie trauen würde. Vielleicht ist es genau DAS was meinen älteren Sohn zeitweise so eifersüchtig macht, gar nicht so sehr die Aufmerksamkeit durch die Behinderung.

Im Alltag bekommt nämlich unser älterer Sohn eher mehr Aufmerksamkeit als sein kleiner Bruder weil er diese immer wieder einfordert. Er will für das schöne Bild, das er gemalt hat, anerkannt werden, er will von seinen Erlebnissen im Kindergarten erzählen, er will mit mir oder meinem Mann Rollenspiele spielen...währenddessen kommt oft vor das Kleinsohn selbstvergessen ein Blatt Papier mit Zahlen vollschreibt oder konzentriert an einem Puzzle arbeitet ohne sich stören zu lassen. Wenn er dann fertig mit dem Puzzle ist gebärdet er sich selbst "Bravo, gut gemacht" und sucht das nächste heraus. Für mich als Mutter ist es schwer einzuschätzen welches Kind rein objektiv mehr Aufmerksamkeit bekommt, ich würde aber eher auf unseren älteren Sohn tippen.

Interessant ist auch was mein älterer Sohn so über seinen Bruder denkt. Neulich hatte er ein Gespräch mit seiner Oma über den Bruder. Die Oma meinte zu ihm er könne froh sein, gut hören zu können und nicht gehörlos zu sein. Daraufhin meinte mein älterer Sohn "Ja, das habe ich aber auch so gewollt!". Daraufhin fragte ihn die Oma ob er denn glaube dass ein Bruder selbst gewollt hatte, gehörlos zu sein. Nach kurzem Nachdenken meinte er ohne dabei große Emtionen zu zeigen "Ja, ich glaube der A.... will gehörlos sein. Er will dass alle nur in Gebärdensprache mit ihm sprechen und dass er selbst auch Gebärdensprache spricht. Er will gar nicht hören sondern seine Ruhe haben!".

Wie denkt ihr darüber? Natürlich kennt ihr meine Kinder nicht, aber vielleicht hat ja wer anderer hier auch so ein "autonomes" Kind und kann aus Erfahrung berichten wie der Umgang damit ist bzw. wie nicht so autonome Geschwister mit dem Verhalten klarkommen.
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Re: Autonome Kinder

Beitragvon Willow77 » Sa 14. Mai 2016, 12:35

Hallo Rabaukenmama,

Auch ich hatte hier irgendwo diesen Beitrag über Jesper Juuls autonome Kinder gelesen, und auch sofort im Internet nachgelesen. Ich habe die Seiten in dem Buch Elterncoaching, die man im Internet frei lesen kann nur schnell überflogen, und, ... was soll ich sagen ... auch ich habe meinen Großen darin erkannt! Das Buch steht nun erst einmal auf unserer Liste zum besorgen und lesen.

Auch er glaubt, es müsse immer alles so laufen, wie er es denkt. Auch bei ihm trifft man sofort auf ein klares "Nein!" mit sich wehren, heulen, schreien, schlagen, beissen, Morddrohungen, Hassbotschaften, wenn man tatsächlich irgendwas von ihm verlangt: Zähne putzen, duschen, pünktlich aus dem Haus kommen, ... Da beisst man sich echt die Zähne aus.

Viel hilft bei uns die Einstellung in letzter Zeit, dass nicht alles in unserem Verantwortungsbereich liegen kann. Dass wir ihn halt machen lassen müssen. Dass wir nur immer wieder widerholen können, was uns in dem Moment wichtig ist, und warum es uns wichtig ist. Und uns abwenden, und ihn tun lassen. Das beschreibt Jesper Juul auch irgendwo, und da waren wir teilweise und jetzt rückblickend auch schon drauf gekommen.

Beispiel: Morgens vom Aufstehen bis zur Abfahrt vom Schulbus. Ich wecke ihn, bespreche mit ihm seine Kleiderwahl und gehe aus dem Zimmer. Im 10-Minuten-Takt informiere ich ihn in dem ich es laut durchs Haus rufe, wo wir gerade dran sind: "Wir essen gerade, in 5 Minuten ist Esszeit vorbei, dann geht es ans Zähneputzen .... Wir sind schon beim Schuheanziehen, bald sind wir draussen, deine Zahnbürste wartet oben noch, bevor du dir die Schuhe anziehst,..." Er hat es bisher immer geschafft, den Bus noch zu erwischen. Von ihm zu erwarten, dass er alles mit uns zusammen macht, dass er mit uns zusammen frühstückt, Zähne putzt, usw, ist reine Utopie und führt nur zu Gewaltausbrüchen von seiner Seite und unnötigen Halsschmerzen bei mir. :x

Das nur als eines von vielen Beispielen. Er möchte selbst entscheiden, wann er was macht. Ok, kein Mensch wird gerne fremdbestimmt, doch sind die meisten Menschen, und besonders die meisten Kinder, die in einer ähnlichen familiären und sozialen Situation sind wie er doch wesentlich flexibler und anpassungsfähiger, jedenfalls nach meinem Empfinden.

Und wenn er was im Kopf hat, dann ist es eine fixe Idee und geht nicht mehr weg. Aus einer Laune heraus hat er vor Jahren einmal gesagt: Ich mag Butter nicht, ich bekomme Kopfschmerzen davon. Und seither verweigert er jeden Kontakt zu Butter und Margarine! Er hat den Kleiderschrank voller Hosen, er mag aber nur 3 davon, die aber an den Knien nur noch von Flecken zusammengehalten werden. Er zieht aber keine andere an! Ich hatte angefangen ihm Second-Hand-Kleidung zu kaufen, weil er seine immer so schnell ruiniert, unmöglich! Die ziehe ich nicht an, ein krankes Kind könnte die ja besessen haben, und dann stecke ich mich womöglich noch an! Fixe Idee, nichts zu machen, die Kleider werden nicht angezogen, es sei denn, wir würden IHM Gewalt antun und ihn reinpressen!!!

LG,
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Re: Autonome Kinder

Beitragvon Rabaukenmama » Sa 14. Mai 2016, 14:05

Hallo willow77:

Wie du es schreibst ist es bei uns auch. Und auf manche Dinge, z.B. das abwenden und tun-lassen sind wir mittlerweile auch selbst gekommen. Das funktioniert tatsächlich noch am besten. Es kann durchaus sein dass er meint, "später" Zähne putzen zu wollen und tatsächlich 10 Minuten später freiwillig geht und auch macht. Er braucht bei den Dingen, die er macht, kaum Hilfe und wenn dann holt er sie sich spezifisch. Sprich: er bitte mich, ihm bei raufziehen der Hose über den Popo zu helfen. Will ich weiter helfen z.B. indem ich das Hemd reinstecke dann wehrt er sofort wieder ab weil er selbst bestimmen will ob und wann er das macht.

Generell will er am liebsten alles selber machen und ich bin immer wieder erstaunt wie viel er einfach mit Beharrlichkeit hinbekommt. Wenn er so ein Mini-Gummibärli-Sackerl aufreißen möchte plagt er sich oft 3 Minuten und ich denke "das klappt nie" und siehe da - plötzlich hat er es doch aufbekommen! Auch Schnitzel selbst-schneiden funktioniert schon ganz gut.

Interessant ist es auch mich kuscheln und Körperkontakt. Kleinsohn liebt kuscheln und körperbetonte Spiele bzw. Rangeleien und fordert sie auch ein. Aber dann, wenn ER will. Wenn ich in Kuschellaune auf ihn zukomme und er nicht mag gebärdet er klar "Nicht jetzt! Später!". Er kann auch nach einem einstündigen Wutanfall mit allem drum und dran 10 Minuten später zu mir ins Bett kriechen und mir ganz sanft seine Händchen zwischen meine Hände stecken - die Position, in der er am liebsten einschläft. Aber zum einschlafen BRAUCHEN tut er mich (im Gegensatz zu seinem Bruder) nicht.

Meine Gedanken gehen jetzt dahin wie der Große seinen kleinen Bruder erlebt. Er sieht, dass ihm viel gelingt und dass er einen eisernen Willen hat, sich von nichts abbringen läßt und dass ihm auch völlig egal ist wenn wer "böse" auf ihn ist.

Das was du von deinem Sohn und den Hosen beschreibst erlebe ich hier jeden Tag mit den Horchis. Wenn mein Sohn sie nicht zu tragen bereit ist dann geht gar nichts. Klar könnte ich sie ihm gegen seinen Willen reinpressen (sofern ihn mein Mann dabei festhält) aber das bringt rein gar nichts weil er sie in der nächsten Sekunde wieder rausreißt und in eine Ecke pfeffert. Dabei weiß ich nicht mal ob ihm die Horchis wirklich unangenehm sind oder ob es auch hier hauptsächlich ein Machtkampf ist, den er mit mir austrägt.

Mit den orthopädischen Einlagen ist es genau dasselbe: er will sie nicht tragen, behauptet dass sie ihm wehtun (was er gar nicht wissen kann weil er sie noch nie getragen hat) und weigert sich einfach, Schuhe anzuziehen, wo die Einlagen drin sind. Punkt. Keine Ahnung was ich jetzt da tun soll. Ich habe schon überlegt ihm orthopädische Schuhe anfertigen zu lassen aber wenn er die auch nicht trägt ist das nur rausgeschmissenes Geld und bald passt ja auch die Größe nicht mehr.

Willow 77, du hast ja auch noch eine Tochter, oder? Ist sie auch so wie Dein Sohn (was ich mich erinnere nicht, oder?)? Wie kommen die beiden miteinander aus? Wie geht sie damit um wenn sie Euren Umgang mit ihrem Bruder beobachtet? Bewundert sie ihn oder findet sie ihn unmöglich? Oder beides? Ich kenne im echten Leben nur ein einziges Kind welches meinem jüngeren Sohn von der Wesensart her ähnelt, und das ist ein Einzelkind. Von der Warte interessiert mich sehr wie die Geschwisterbeziehung sein kann wenn ein autonomes Kind dabei ist.
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Re: Autonome Kinder

Beitragvon Willow77 » Mi 18. Mai 2016, 09:55

Hallo Rabaukenmama,

Na, die Situation ist bei euch ja auch nicht gerade einfach. Ich meine, bei den Hosen von meinem Sohn kann ich mich ja zurücknehmen und mir sagen, lass ihn machen, es ist nicht so wichtig, es ist ein "smallie" und kein "biggie" (wie Willian Sears sagen würde). Aber bei den Horchis und den Einlagen, da denke ich mir, willst du nicht nachgeben. Diese Dinge sind doch wirklich wichtig!!! Oje...

Ja, ich habe noch eine Tochter, die ganz anders ist. Sie tut tatsächlich auch mal einfach, was man ihr sagt: Zähneputzen, sich anziehen um pünktlich in der Schule zu sein... Mein Großer ist eigentlich ein ganz lieber, menschenfreundlicher offener Junge, er geht immer wieder auf andere, fremde Menschen zu und verwickelt sie in Gespräche, er hat Freunde, usw (Unsere Tochter ist in dem Punkt übrigens gleich). Er hat auch seine kleine Schwester als sie geboren wurde (genau wie später den Bruder) geliebt und immer gut behandelt. Seine Wut der Entthronung hat sich immer gegen mich gewandt, niemals gegen die Schwester. Und sobald sie fähig war, mit ihrem Bruder mitzuspielen, haben sie wunderbare Spielphasen gehabt, auch seine Freunde akzeptieren sie in ihrem Spiel. Nur: Sobald sie mit etwas mehr als 3 Jahren auch ihren eigenen Willen entdeckt hat, geht zwischen den beiden sehr oft gar nichts mehr. Sie darf in ihrem gemeinsamen Spiel keinen eigenen Willen haben, sie muss tun, was er sagt. Und weil er ein Junge von 8 Jahren ist, und sie ein Mädchen von 5, mit der Größe und der Kraft einer 4-Jährigen (sie kommt nach mir und ist etwas klein geraten), ist sie ihm natürlich körperlich unterlegen. Deswegen habe ich auch den Eindruck, ich muss höllisch auf die beiden Aufpassen, wenn sie raufen. Ich habe immer angst, er könnte sie umbringen. Er schupst sie schon mal in den Treppen, stürzt sich auf sie und hält ihr Mund und Nase zu, oder drückt ihr ein Kissen aufs Gesicht... Er sagt auch ganz böse Dinge zu ihr, wenn er wütend ist, es geht wirklich in Richtung Morddrohung. Der Auslöser ist oft Müdigkeit/Stress von der Schule oder weil wir oder sie nicht tun, was er will. Weil wir seinen Wünschen und Befehlen nicht blind gehorchen.

Unsere Tochter scheint ihm trotzdem wohlgesonnen. Sie denkt immer auch an ihn, wenn irgendwo Bonbons verteilt werden, spielt immer wieder mit ihm zusammen, wenn er mal eine gute Phase hat, sie kennt es ja an sich nicht anders. Sie scheint ihre Situation so zu akzeptieren, wie sie ist. Allerdings kommt sie schon manchmal, was unsere Aufmerksamkeit angeht etwas zu kurz: Die Windeln des Kleinen und die Hausaufgaben des Großen sind halt oft wichtiger als sie. Aber das sagt sie uns dann auch unmissverständlich.

Vielleicht fällt mir in den nächsten Tagen noch mehr ein, was ich dann noch nachreichen kann.
Lg,
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Re: Autonome Kinder

Beitragvon Karen » Do 19. Mai 2016, 17:44

Hallo Willow und Rabaukenmama,
Ich habe die autonome Kinder einmal erwähnt da ich vermute dass ich selber so eins habe. Ich weiss noch wenn ich die Bücher von Juul gelesen habe, habe ich immer wieder mich gefragt warum stimmt das nicht was er schreibt bezüglich "Kinder kooperieren". Er schreibt es wirklich oft in seiner Bücher, und für mich war es immer dieses komisches Gefühl: es stimmt, alle Kinder die ich kenne kooperieren. Nur meins nicht. Und dann ist es gestanden: "Es gibt eine Gruppe von Kindern. für die die Möglichkeit, Nein zu sagen, bevor sie Ja sagen können, von ganz entscheidender Bedeutung ist...Sie nehmen ihre persönliche Grenzen ungeheuer ernst und sagen nur Ja, wenn sie die absolute Wahlfreiheit haben. In vieler Hinsicht benehmen sie sich wie reife Erwachsene, die ein ausgeprägtes Selbstbild haben (Juul, Nein aus Liebe)".
Bei meiner Tochter aussert es sicht durch dieses "Nein, was auch immer" ausser sie hat es selber entschieden Ja zu sagen. Sie muss immer selber auf Idee kommen was zu machen, man kann sie absolut nicht dazu bewegen was zu machen wenn sie es selber nicht will. Und sie ist wirklich allergisch auf jeder Art manipulieren. Solche Sachen wie "du muss zähne putzen, und nur danach gibt es ein Buch/Trickfilm/..." funktionieren bei ihr überhaupt nicht.
Wenn ihr möchtet, kann ich euch die 4 Seiten text geskannt aus "Nein aus Lliebe" über autonome Kinder per PN schicken.
Rabaukenmama - ich kann leider deine Frage nicht beantworten da ich nur 1 Kind habe. Mir scheint aber deine Gedanke sehr plausibel zu sein.
Karen
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Re: Autonome Kinder

Beitragvon Karen » Fr 20. Mai 2016, 00:41

Koschka, ich habe diese Sätze schon aus Kontext geriessen. Meiner Meinung nach meint Juul mit "erwachsehne die ausgeprägtes selbstbild haben" was anderes. Ich verstehe dass er meint das diese Kinder ganz genau wissen was sie wollen, warum sie es wollen, wie sie sich dabei fühlen und lassen sich nicht davon abbringen mit typischen erziehungsmassnamen oder manipulation versuchen (und dass können sogar manche erwachsene nicht sonnst würde es keine werbung geben). Das passt eher zu der Verhalten eines erwachsenen da die meisten kindern mit denen ich beziehungen habe lassen sich sehr einfach ihres meinung ändern (schon für ein paar gummibärchen oder drohung von liebesentzug die leider noch zu oft von eltern kommt). Das pastt weniger zu verhalten Reifen erwachsene. Juul hat auch ein paar ideen für umgang mi solchen kindern.
Kannich irgendwie ein pdf bei Kommenar anhängen? Oder geht es nur per PN?
Karen
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Re: Autonome Kinder

Beitragvon Rabaukenmama » Fr 20. Mai 2016, 07:43

Karen hat geschrieben:
Bei meiner Tochter aussert es sicht durch dieses "Nein, was auch immer" ausser sie hat es selber entschieden Ja zu sagen. Sie muss immer selber auf Idee kommen was zu machen, man kann sie absolut nicht dazu bewegen was zu machen wenn sie es selber nicht will.


Mein meinem jüngeren Sohn ist es genau dasselbe. Dabei ist er den Großteil der Zeit kooperativ. Man kann mit ihm Vereinbarungen treffen, die großteils von ihm eingehalten werden. Beispiel: "Jetzt darfst du noch mit dem Maßband spielen, aber wenn du dich in den Bus zu Kindergarten setzt gibst du es mir und es bleibt zu Hause!".

Karen hat geschrieben:
Und sie ist wirklich allergisch auf jeder Art manipulieren. Solche Sachen wie "du muss zähne putzen, und nur danach gibt es ein Buch/Trickfilm/..." funktionieren bei ihr überhaupt nicht.


Belohnungen oder "Erpressungen" funktionieren bei Kleinsohn durchaus, aber nur unter gewissen Voraussetzungen. Zum Beispiel ist er durchaus bereit, die Horchis zu tragen, wenn die Logopädin dann interessante Spiele mit ihm macht oder auch wenn er dafür ein Schokoschirmchen bekommt. Nur leider reißt er sie, nachdem er das Schirmchen verspeist hat, sofort wieder aus den Ohren und ich kann nicht alle 10 Minuten mit einem Schokoschirmchen erpressen. Das Belohnungs-Prinzip (welches ist bis vor ein paar Monaten aus Überzeugung vehement abgelehnt habe) klappt nur bei Dingen, die Kleinsohn "nicht so wichtig" sind und dann, wenn er nicht gerade im Machtkampf steckt. Nicht mal eine Couch aus Schokolade oder ein 20-Meter-Maßband könnten ihn zum Zähne-putzen bewegen wenn er schon ist der ICH-WILL-ABER-NICHT Phase steckt.

In guten Phasen kann es durchaus ausreichen wenn ich NACH der gewünschten Handlung (z.B. Jacke und Schuhe ausziehen) eine attraktive Sache in Aussicht stelle (z.B. malen) ohne das eine vom anderen abhängig zu machen. In schlechten Phasen geht NICHTS, wirklich absolut NICHTS.
Karen hat geschrieben:
Wenn ihr möchtet, kann ich euch die 4 Seiten text geskannt aus "Nein aus Lliebe" über autonome Kinder per PN schicken.
Rabaukenmama - ich kann leider deine Frage nicht beantworten da ich nur 1 Kind habe. Mir scheint aber deine Gedanke sehr plausibel zu sein.


Ja, bitte schick mir die Seiten per PN :) !
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Re: Autonome Kinder

Beitragvon Rabaukenmama » Fr 20. Mai 2016, 08:13

Koschka hat geschrieben:Die Ratschläge von Juul sind gut gemeint, haben aber wenig mit rauher Wirklichkeit zu tun. Über Anziehen und Zähneputzen lässt sich ja verhandeln. Über die Hausaufgaben und Schulstunden dann eher wenig. Genauso wenig über die Bedinung der Motorsäge.


Genau das beobachte ich auch, Koschka! Wenn jemand absolut nicht bereit ist sich bei einer Sache auch mit den Gefahren auseinanderzusetzen ist es sehr, sehr schwierig, Freiheiten zu gewähren. Ich nehme immer wieder in Kauf dass Sohnemann selbst Erfarhungen macht, auch wenn diese schmerzhaft sind, weil es anders bei ihm eben nicht geht. Ich habe etliche Male versucht, ihm zu zeigen, wie man ein Rollmaßband bedieht ohne dass es ins Gesicht flutscht. Entweder er nimmt es an oder er muß eben die schmerzhafte Erfahung selbst machen.

Erst gestern hantierte mein Kleiner beim abholen seines Bruders am Tor zum Kindergarten herum. Dabei waren seine Finger in einem Bereicht, wo Einquetsch-Gefahr bestand. Eine andere Mutter mit einem Sohn im Alter meines Kleinen rief sofort erschrocken: "Pass auf, er hat die Finger da drin! Er wird sich weh tun!". Ich meinte nur dass das dann seine Erfahrung sei und erntete verständnisloses Kopfschüttlen. Tatsächlich ist es nicht so einfach erklärt.

Da Kleinsohn nicht hört kann ich ihn nicht lautsprachlich auffordern, die Finger rauszunehmen. Und Gebärdensprache funktiniert nur bei Blickkontakt, nicht wenn ich HINTER meinem Kind stehe. Dritte Möglichkeit wäre gewesen seine Finger dort rauszuziehen und ihm DANN zu erklären dass es gefährlich ist und warum. Ganz schlecht! Denn sobald ich seine Finger rausziehe steckt er sie justamend noch viel tiefer rein! Außerdem: wenn ich die Finger schon mal rausgezogen habe ist er absolut nicht mehr bereit, sich anzusehen was ich dazu zu gebärden habe sondern will mir beweisen dass er es schon selbst kann und macht erst recht weiter. Einzige Möglichkeit ihn darauf aufmerksam zu machen ist, beim NÄCHSTEN Mal wenn wir dort sind, zu zeigen, dass es wichtig ist an dieser Stelle gut aufzupassen weil man sich die Finger einquetschen kann.

Daher finde ich die Motorsäge ein gutes Beispiel. Ich traue meinem jüngeren Sohn durchaus zu, den Umgang mit gefährlichen Elektrowerkzeugen mal zu erlernen, aber das kann nur anders geschehen als bei den meisten Kindern. Also nicht: dem Kind das Werkzeug in die Hand drücken und DANN Anweisungen geben was er tun oder lassen soll. Bei ihm ist wichtig, schon vorher darüber zu sprechen und ihm das Teil erklären solange noch kein Benzin drin ist (damit er es nicht im Übermut selbst in Gang setzt) und dann hoffen, dass er es sich merkt.

Koschka hat geschrieben:
Ich war mit meinem Großen, der in diese Richtung tickt, mit knappen 4 Jahren bei der LMU München bei einem Kinderpsychologen. Er hat mir ziemlich das gleiche wie Juul gesagt, nur hieß es in seinem Ausdruck "Protestverhalten". Ich habe ehrlich versucht seine Ratschläge umzusätzen und dem Kind möglichst viel Freiheit zu geben. Mit 4 kam es in die Schule, nach einigen Wochen durfte es den Schulweg alleine bewältigen. Es darf jetzt mit 9 alleine an den einsamen Stränden streifen, und in den Wald mit einem Messer und Säge gehen. Aber egal wie viel ich erlaube es kommt immer der Wunsch nach MEHR, wesentlich mehr. Und ich vermute, wenn ich dieses absolutes MEHR erlauben würde, die Schule und sonstige obligatorische Themen komplett streichen würde, würde sich mein Großer vor gähnenden Langeweile nicht retten können.


Kleinsohn will z.B. beim U-Bahn fahren jetzt schon mindestens 10 Meter Abstand zu mir (je mehr, desto besser). Das ist zwar machbar, aber sehr nervenaufreibend für mich weil ich ihm ja nichts hinterherrufen kann sondern mich in dem Fall einfach darauf verlassen muß dass er z.B. nicht selbstständig aussteigt. Sobald ich hinterherlaufe mutiert die Sache für ihn zum Spiel und wir können "lustige" Verfolgungsjagden durch komplette U-Bahn-Garnituren machen.

Auch Großsohn ist unabhängig und hat einen großen Radius wenn wir gemeinsam unterwegs sind, aber das ist trotzdem noch mal ganz was anderes. Denn Großsohn sucht mich immer wieder mal wenn er mich "verloren" hat und würde irgendwann mal Angst bekommen, zu weinen anfangen, sich auch an Passanten wenden - alles Dinge, die bei Kleinsohn ganz anders aussehen.

Ich weiß noch als wir Kleinsohn in Italien am Meer "verloren" haben. Ein gehörloser 3jähriger, nur mit Schwimmwindel bekleidet allein auf einem riesigen Strand mit tausenden Leuten! Panik in mir, ihn nicht wieder zu finden! Angst, er könnte doch ins Meer gelaufen sein :schwitz: ! Die lächerliche Frage an mich selbst ob ich ihn beim suchen laut rufen soll damit ANDERE Badegäste vielleicht Ausschau nach einem Kind halten (er hört mich ja sowieso nicht). Insgesamt haben wir mehr als eine halbe Stunde gesucht. Dann kam mein Mann auf die Idee, nicht von der Stelle ausgehend zu suchen, wo wir ihn verloren hatten, sondern zum ein schönes Stück entfernten Spielplatz im Strand-Eingangsbereich zu gehen. Denn dort wäre Kleinsohn beim reingehen gerne geblieben, wir hatte ihn aber gegen seinen Willen mit uns mitgenommen. Tja, und dort war er tatsächlich! Er war ganz alleine und hatte gerade Spaß beim rutschen :P ! Kein weinen, keine Angst! Niemand ist er aufgefallen weil er ja für sein Alter ziemlich groß ist (wird meistens auf 5-6 Jahre geschätzt), rundherum einige Familien mit Kindern ihren Liegeplatz hatten und er ganz offensichtlich kein armes, verlorenes Kind sondern eine selbstständige Persönlichkeit war.

Dieses Erlebnis zeigt sehr deutlich, wie mein kleiner Sohn tickt. Ich glaube es ist wie bei deinem Sohn, koschka, dass er gar nicht genug Freiheiten haben kann. Großsohn ist für sein Alter auch schon selbstständig, kann z.B. schon alleine in den 300m entfernten Supermarkt einkaufen gehen oder für eine halbe Stunde alleine zu Hause sein. Aber Großsohn ist auch schon 6 Jahre alt und Kleinsohn wird in 2 Monaten erst 4 und würde das alles schon gerne machen! Es ist sehr schwer, immer weider zu entscheiden, was ich erlaube und was nicht.
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Re: Autonome Kinder

Beitragvon Willow77 » Fr 20. Mai 2016, 09:27

Hallo an alle,

Ach ich habe gar nicht die Zeit auf alles einzugehen, und alles zu schreiben, was ich möchte. :(
Deshalb hier nur kurz:
- Ja, über die PN würde ich mich auch freuen, Karen.
- Das mit dem Nein ist bei meinem Sohn auch so. Er muss entscheiden können, wann er ja oder nein sagt, man kann ihm da nichts aufzwängen. Manipulieren oder Belohnen geht auch nicht, denn dan wird man in knallharte Verhandlungen verwickelt, bei denen er versucht viel mehr zu bekommen, als ursprünglich geplant. Und: Er hört mit Hyänen-Ohren anstatt mit Giraffen-Ohren. Wir sind bestimmt nicht die, die immer für alles Nein sagen, was unsere Kinder haben wollen. Nur: selbst wenn wir ja sagen, hört er oft ein Nein und fängt schon zu toben und schreien an.
- Selbständig ist er auch, oder viel mehr unabhängig. Er liebt zum Beispiel seine Pfadfinder-Gruppe. Und wo andere Eltern sich fragen, ob sie ihre Kinder wirklich mit zu den Camps schicken sollen, wo die Kinder dann für zwei oder mehr Tage weg sind, kann ich ohne zu zögern sofort das Anmeldeformular ausfüllen. Es wäre eher ein Weltuntergang, wenn ich mal Nein sagen würde.

Mehr von meiner Seite vielleicht ein anderes Mal,
liebe Grüße,
Willow77
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Re: Autonome Kinder

Beitragvon lissi74 » Fr 20. Mai 2016, 13:11

Hallo,

also meiner nach habe ich zwei autonome Kinder. Allerdings ist der Große sehr auf sich selbst fixiert und sein Handeln und Taten richten sich hauptsächlich nach ihm. Er will alles selbst entscheiden, lässt sich wenig rein reden und falls doch etwas anderes ansteht gibt es Probleme. Allerdings merke ich auch, dass ihm ein gewisser Rahmen sehr gut tut. Also eine Entscheidung auch ablehenen, weil sie für den Rest der Familie nicht vereinbar ist führt zwar manchmal noch zu geschrei, danach läuft es aber durchaus besser mit ihm. Einige Bereiche kann er frei entscheiden, andere sind nicht verhandelbar. Das liegt ja auch nicht nur in unserer Hand und Entscheidung. Meiner Meinung ist das für ihn auch einer der wichtigsten Punkte zu lernen, denn er wird immer auf Grenzen in seinem Leben stoßen. Wenn er nicht schafft diese zu akzeptieren, wird es besonders schwer.

Meine Tochter ist eines der selbstständigsten Kinder das ich kenne in diesem Alter. Sie weiß auch genau was sie möchte, kann das auch gut zeigen, lässt sich aber leichter auf Kompromisse ein und entscheidet auch von sich aus, vieles für andere zu tun oder sich einfach einzugliedern. Ob sich das ändert weiß ich nicht, aber sie scheint weniger "stur" als ihr Bruder. Hier funktionieren die Ratschläge natürlich einfacher.
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