Noch so eine - Junge, Mädchen oder was dazwischen

ganz allgemein zu Kleinkindern, ob nun aufgeweckt, klug oder hochbegabt

Re: Noch so eine - Junge, Mädchen oder was dazwischen

Beitragvon alibaba » Mo 30. Sep 2019, 08:50

Meine3 hat geschrieben:
Ja, das finde ich doch mal "herr"lich


Ich finde es nicht "herr"lich.

Meine3 hat geschrieben: …….. auch schnell eingesehen, dass es voll okay ist, wenn ein Junge ein Kleid trägt


Die kindliche Naivität toleriert viel. Was richtig ist, da wir alle verschieden sind und es da keine Unterschiede geben sollte. Und doch gibt es sie, spätestens ab Grundschule. Das müssen nicht 10 Kinder sein, da reicht ein Kind, was dir die Hölle auf Erden bereiten kann. Es ist nämlich das eine, innerhalb der geschützten Mauern ein Kleid zu tragen und etwas anders das wo anders zu tun. Und noch mal etwas anderes ist es, in welchem Alter man das tut und was sich daraus entwickelt.

Ich als Mutter habe damit kein Problem - nur von herrlich finden, bin ich meilenweit entfernt. Die ganzen Probleme die damit verbunden sind, weil es gesellschaftlich nicht toleriert wird, die ganzen Selbstzweifel die damit verbunden sind, die Belastungen für das Kind/Jugendlichen/Erwachsenen bis hin zu den Eltern die mitleiden, weil das Kind leidet - ganz ehrlich - ich bin froh, dass meine Kinder "normal" (im Sinne der gesellschaftlichen Akzeptanz) sind bzw. mein Sohn kein Kleid tragen will.

Wir haben hier einen netten jungen Mann oder soll ich sagen Frau beim Bäcker. Ich kann mir gut vorstellen, dass das ein tagtäglicher Spießrutenlauf für ihn/sie durch die Kundschaft ist. Alleine nur das anglotzen, weil man es nicht auf den ersten Blick erkennt.
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Re: Noch so eine - Junge, Mädchen oder was dazwischen

Beitragvon charlotte12 » Mo 30. Sep 2019, 09:23

Es ist nämlich das eine, innerhalb der geschützten Mauern ein Kleid zu tragen und etwas anders das wo anders zu tun. Und noch mal etwas anderes ist es, in welchem Alter man das tut und was sich daraus entwickelt.

Genau das ist der Punkt. Meine Tochter hatte im Kindergarten eine lange Phase, in der sie ausschließlich Jungs-Kleidung anziehen wollte und auch nur mit Jungs spielte (von denen dann wiederum gleich zwei mit Mädchen-Kleidung bzw. -Frisuren experimentierten). In der Schule fiel sie damit gründlich auf die Nase - sie lehnte sämtliche Mädchen erst mal massiv ab, empfand deren Freundschafts-Versuche als aufdringlich, wurde von den Jungs aber nicht akzeptiert, bekam einen Jungen-Namen als Spitznamen, was sie völlig verwunderte, und brauchte fast das gesamte erste Schuljahr, um zu verstehen, dass die Mädchen nur ihre Freundschaft wollten und dann auch eine Freundin zu finden. Irgendwann in Klasse 2 wollte sie die Jungs-Kleidung dann schlagartig nicht mehr tragen, weil sie deshalb aufgezogen worden war, da reichte ein einziges Mal. Typische Mädchen-Kleidung mochte sie trotzdem nicht, die Kleidung musste ab diesem Zeitpunkt möglichst gender-neutral sein. Mittlerweile trägt sie etwas selbstbewusster die Kleidung, die ihr gefällt, meist aber nicht ausschließlich aus der Mädchenabteilung. Ich glaube gar nicht, dass sich mein Kind jemals als Junge fühlte. Sie rutschte im Kindergarten in diese Rolle hinein, weil sie dort mit den (wenigen) gleichaltrigen Mädchen aus Gründen nicht zurecht kam, die eher mit dem Charakter als mit dem Geschlecht zu tun hatten, und hatte dann abgespeichert "Mädchen = fies, Jungs = prima".
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Re: Noch so eine - Junge, Mädchen oder was dazwischen

Beitragvon Meine3 » Mo 30. Sep 2019, 10:50

doppelt
Zuletzt geändert von Meine3 am Mo 30. Sep 2019, 10:51, insgesamt 1-mal geändert.
Es kann sein, dass nicht alles wahr ist, was ein Mensch dafür hält, denn er kann irren, aber in allem, was er sagt, muss er wahrhaftig sein.
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Re: Noch so eine - Junge, Mädchen oder was dazwischen

Beitragvon Meine3 » Mo 30. Sep 2019, 10:51

alibaba hat geschrieben:
Meine3 hat geschrieben:
Ja, das finde ich doch mal "herr"lich


Ich finde es nicht "herr"lich.

Meine3 hat geschrieben: …….. auch schnell eingesehen, dass es voll okay ist, wenn ein Junge ein Kleid trägt


Die kindliche Naivität toleriert viel. Was richtig ist, da wir alle verschieden sind und es da keine Unterschiede geben sollte. Und doch gibt es sie, spätestens ab Grundschule. Das müssen nicht 10 Kinder sein, da reicht ein Kind, was dir die Hölle auf Erden bereiten kann. Es ist nämlich das eine, innerhalb der geschützten Mauern ein Kleid zu tragen und etwas anders das wo anders zu tun. Und noch mal etwas anderes ist es, in welchem Alter man das tut und was sich daraus entwickelt.

Ich als Mutter habe damit kein Problem - nur von herrlich finden, bin ich meilenweit entfernt. Die ganzen Probleme die damit verbunden sind, weil es gesellschaftlich nicht toleriert wird, die ganzen Selbstzweifel die damit verbunden sind, die Belastungen für das Kind/Jugendlichen/Erwachsenen bis hin zu den Eltern die mitleiden, weil das Kind leidet - ganz ehrlich - ich bin froh, dass meine Kinder "normal" (im Sinne der gesellschaftlichen Akzeptanz) sind bzw. mein Sohn kein Kleid tragen will.

Wir haben hier einen netten jungen Mann oder soll ich sagen Frau beim Bäcker. Ich kann mir gut vorstellen, dass das ein tagtäglicher Spießrutenlauf für ihn/sie durch die Kundschaft ist. Alleine nur das anglotzen, weil man es nicht auf den ersten Blick erkennt.


Genau diese Einstellung führt dazu, dass wir immer noch nicht emanzipiert sind und eben "nicht alle gleich" akzeptiert werden. Akzeptiert werden nur die, die in das gesellschaftliche Bild passen. Alles, was von der Norm abweicht, wird gemieden, ausgegrenzt, komisch angeguckt oder mit Samthandschuhen angefasst. Sei es nun eine Behinderung, Hochbegabung, eine Sexualität, die nicht der Norm entspricht, eine andere Hautfarbe, anderer Kleidungsstil, etc.pp...

Was ist denn schlimm daran, wenn ein Junge Kleider schön findet? Was ist schlimm daran, wenn ein Mädchen lieber eine Kurzhaarfrisur will? Was ist schlimm daran Transgender zu sein?? Tun diese Menschen oder Kinder irgendjemandem weh oder stören jemanden? Warum können die Leute nicht einfach aufhören zu glotzen und zu tuscheln? Wann wird es endlich so sein, dass Andersartigkeit als eine Bereicherung, als ein Stück der Gesamtheit gesehen wird und nicht als etwas was "abgeschafft" werden muss :cry:.

Wer hat hier wirklich ein "Problem": das männliche Kind, das einfach das rosa Kleid schön findet und es anzieht, oder der Mensch, der einen anderen Menschen auslacht oder ausgrenzt, weil er etwas tut, was der Mehrheit nach "nicht normal" ist?? :roll:

Ja, ich FINDE ES HERRLICH, dass es Menschen (und Kinder) gibt, die sich trauen anders zu sein, aus der Reihe zu tanzen, gegen den Strom zu schwimmen. Die einfach sie selbst sind. Wenn es solche Menschen nicht gäbe, wären viele innovative Dinge nicht entstanden, Revolutionen wären nicht geschehen unsere Welt wäre so langweilig.

Und ja: es gibt sie zu Hauf, diese Menschen (ob groß oder klein), die aufgrund von Äußerlichkeiten beurteilen, auslachen und ausgrenzen. Es gibt die Menschen, die jemanden ablehnen, weil er "anders" ist. Das habe ich selbst zu genüge in meinem Leben erlebt, weil ich arm war und deshalb nicht so gekleidet wie die anderen, weil ich sehr sensibel war, weil ich nachdenklich war, weil ich "anders" war.. Und ich habe mich angepasst und versteckt, weil ich vor den Menschen Angst hatte, die mich ausgelacht oder geschnitten haben, weil ich "anders" war. Aber ist das der richtige Weg, ist es das, was ich meinen Kindern beibringen will? Nein. Ich möchte, dass meine Kinder sich akzeptieren, so wie sie sind, nicht so wie sie die Gesellschaft haben möchte. Ich wünsche mir, dass irgendwann es gesellschaftlich akzeptiert wird, dass wir alle unterschiedlich sind und das GUT ist.

Wir hatten auch ein Mädchen im Kindergarten (im alten), dass eher wie ein Junge war. Und ja: auch sie hat damit in der Grundschule Probleme bekommen. Aber nicht SIE (oder alle anderen da draußen, die etwas tun oder sind, was nicht der Norm entspricht) ist das Problem, sondern die Engstirnigkeit und Intoleranz vieler Menschen...

Da bekomme ich echt die Wut, wenn ich so einen Mist höre. Sorry :evil:.



Gruß Meine3
Es kann sein, dass nicht alles wahr ist, was ein Mensch dafür hält, denn er kann irren, aber in allem, was er sagt, muss er wahrhaftig sein.
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Re: Noch so eine - Junge, Mädchen oder was dazwischen

Beitragvon charlotte12 » Mo 30. Sep 2019, 11:56

Da sind wir wieder beim selben Thema wie beim Mittagsschlaf im Kindergarten. Ist es besser zu versuchen, die Gesellschaft umzukrempeln oder soll ich lieber das Kind so beeinflussen, dass es sich der Gesellschaft anpasst, damit es nicht aneckt. Obwohl ich es nicht gut finde, wie sich die Gesellschaft verhält. Ich finde das schwierig. Ich finde diese Mädchen-Jungs-Kategorisierung völlig daneben, möchte aber auch nicht, dass sich mein Kind nicht mehr in die Schule traut aus Angst, ausgelacht zu werden. Ich gehe damit so um, dass ich mein Kind darauf hinweise, dass sie sich gerade etwas aussucht, das in der Regel nur Jungs tragen/tun, und wenn sie es trotzdem möchte, dann unterstütze ich dabei. Aber sie ohne Vorwarnung reinlaufen zu lassen, finde ich unfair ihr gegenüber. Hand geben, dasselbe Problem. Sie möchte es nicht, ich finde den Brauch eigentlich nicht wirklich gut (Infektions"gefahr"; Menschen anfassen, die man nicht anfassen möchte). Aber man eckt an, wenn man nicht die Hand gibt, je älter man wird, um so mehr.
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Re: Noch so eine - Junge, Mädchen oder was dazwischen

Beitragvon Meine3 » Mo 30. Sep 2019, 12:47

charlotte12 hat geschrieben: Ich gehe damit so um, dass ich mein Kind darauf hinweise, dass sie sich gerade etwas aussucht, das in der Regel nur Jungs tragen/tun, und wenn sie es trotzdem möchte, dann unterstütze ich dabei. Aber sie ohne Vorwarnung reinlaufen zu lassen, finde ich unfair ihr gegenüber.



ich verstehe das Dilemma natürlich und ich persönlich habe auch immer mit meinen Kindern über mögliche Reaktionen anderer gesprochen im Vorfeld. Nichts desto trotz: meine Grundeinstellung dazu bleibt! Ich finde es gut, wenn jemand sich traut, einfach zu sein wie er ist. Und unterstütze das. AUCH bei meinen Kindern. Und ich finde es herrlich. Basta :)

Mein Sohn hatte auch ne Zeit lang ne Phase, wo er Röckchen anziehen wollte ( mit 3,5). Ich habe ihm erklärt, dass er das natürlich darf und ich verstehe, warum er Röckchen mag und das auch völlig in Ordnung ist. Ich habe ihm weiterhin erklärt, dass es eventuell sein könnte, dass ihn die anderen Kinder auslachen, weil "normalerweise" Röcke ein Kleidungsstück eher für Mädchen ist. Mein Sohn argumentierte dann zum einen mit dem Schottenrock ;) und meinte dann:" und wenn die mich auslachen: na und? Dann kann ich den Rock immer noch ausziehen!" Und siehe da: keiner hat gelacht und er kam mit Röckchen an wieder nach Hause. Das war in unserem alten Kindergarten... Es gab da auch mehrere Jungs, die eine "Rosalila"Phase hatten und diese frei ausgelebt haben.

Klar, das ist nicht Schule, jetzt würde er sicherlich von dem ein oder anderen Kind ausgelacht werden. Aber heute würde er im Leben keinen Rock mehr anziehen, nicht mal heimlich :lol: und das ganz von allein ;) ... Manche "Erfahrungen" muss man auch einfach machen.

Er wollte am zweiten Schultag so ein "komisches" Stirnband anziehen. Ich habe auch hier gesagt, dass es sein könnte, dass manche das komisch finden, dass ich es aber gut finde, wenn er es anziehen will und das natürlich auch darf. Auch hier meinte er:" na und? Wenn mich jemand auslacht, dann ziehe ich es aus." Ich erwiderte, dass er außerdem das auslachen auch ignorieren könnte, wenn es ihm einfach sehr gut gefällt und sehr wichtig ist, aber dass er das dann selbst entscheiden muss, weil es schon schwer auszuhalten ist, wenn man ausgelacht wird. Er muss sich wohlfühlen und er soll sich nicht verstellen, außer er hat das Bedürfnis selbst danach, weil ihm das dazugehören wichtiger ist, als sein individueller Geschmack.
Zuletzt geändert von Meine3 am Mo 30. Sep 2019, 12:59, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Noch so eine - Junge, Mädchen oder was dazwischen

Beitragvon Rabaukenmama » Mo 30. Sep 2019, 12:54

Meine3 hat geschrieben:
Was ist denn schlimm daran, wenn ein Junge Kleider schön findet? Was ist schlimm daran, wenn ein Mädchen lieber eine Kurzhaarfrisur will? Was ist schlimm daran Transgender zu sein?? Tun diese Menschen oder Kinder irgendjemandem weh oder stören jemanden? Warum können die Leute nicht einfach aufhören zu glotzen und zu tuscheln? Wann wird es endlich so sein, dass Andersartigkeit als eine Bereicherung, als ein Stück der Gesamtheit gesehen wird und nicht als etwas was "abgeschafft" werden muss :cry:.

Wer hat hier wirklich ein "Problem": das männliche Kind, das einfach das rosa Kleid schön findet und es anzieht, oder der Mensch, der einen anderen Menschen auslacht oder ausgrenzt, weil er etwas tut, was der Mehrheit nach "nicht normal" ist?? :roll:


Hallo meine3!

Ein Problem hat immer der, dem es mit der aktuellen Situation schlecht geht. Wenn es einem Kind schlecht geht, weil es z.B. wegen seiner Kleidung ausgelacht wird, hat das Kind das Problem. Wenn es einem Vater schlecht geht, weil sein Sohn am liebsten im Ballett-Tütü herumläuft, hat der Vater das Problem.

Im Falle von Menschen, die stur nach Geschlechterklischees erzogen wurden, haben diese SEHR WOHL ein Problem damit, ein Kind zu haben, welches diesen Klischees nicht entspricht. Und sei dieses Problem nur die ANGST, das Kind könnte ausgelacht werden, weil man selbst einmal dazu erzogen wurde, das "komisch" zu finden. Wie der Schelm denkt, so ist er.

Und so hart es auch klingen mag, bei meinem jüngeren Sohn (der gern Kleider trägt und mal eine Frau werden will, wenn er erwachsen ist), ist es egal. Denn auf Grund seiner Behinderung ist er sowieso aus der normalen Gesellschaft "draußen". Daher hat er eine gewisse Narrenfreiheit, das zu tun, was er will. In seiner Sonder-Klasse ist er unter 4 Schülern das jüngste und gleichzeitig kognitiv fitteste Kind. Im Internat ist es dasselbe. Weder seine Klassenkameraden, noch die Internatskollegen, noch seine Lehrer werden ihn auslachen, wenn er mit Kleid in die Schule kommt. Und die Kinder aus den anderen Klassen (auch die gebärdensprachkompetenten) haben mit den Kindern in der Klasse meines Sohnes ohnehin keine Berührungspunkte.

Meine3 hat geschrieben:Und ja: es gibt sie zu Hauf, diese Menschen (ob groß oder klein), die aufgrund von Äußerlichkeiten beurteilen, auslachen und ausgrenzen. Es gibt die Menschen, die jemanden ablehnen, weil er "anders" ist. Das habe ich selbst zu genüge in meinem Leben erlebt, weil ich arm war und deshalb nicht so gekleidet wie die anderen, weil ich sehr sensibel war, weil ich nachdenklich war, weil ich "anders" war.. Und ich habe mich angepasst und versteckt, weil ich vor den Menschen Angst hatte, die mich ausgelacht oder geschnitten haben, weil ich "anders" war. Aber ist das der richtige Weg, ist es das, was ich meinen Kindern beibringen will? Nein. Ich möchte, dass meine Kinder sich akzeptieren, so wie sie sind, nicht so wie sie die Gesellschaft haben möchte. Ich wünsche mir, dass irgendwann es gesellschaftlich akzeptiert wird, dass wir alle unterschiedlich sind und das GUT ist.


Wünschen ist ja erlaubt ;) . Aber ich als Mutter von zwei besonderen Kindern erlebe jeden Tag, dass die Realität eben ganz anders ausschaut. Es ist auch nicht so wichtig, was ich meinen Kindern BEIBRINGE, es ist wichtig, was SIE SELBST fühlen. Klar kann ich auch meinen nicht offensichtlich behinderten Sohn zum Kleider-tragen ermutigen, sofern er das will. Aber damit, dass es TROTZDEM Menschen gibt, die ihn deshalb ausgrenzen und die hinter seinem Rücken tuscheln, muss er selbst leben. Und es ist einzig SEINE Entscheidung, ob er das will und kann oder ob er sich lieber anpasst! Vielleicht muss er es auch durch Versuch und Irrtum herausfinden.

Meine3 hat geschrieben:Da bekomme ich echt die Wut, wenn ich so einen Mist höre. Sorry :evil:.

Gruß Meine3


Ich sehe hier im Forum niemanden, der Jungs in Kleidern oder Mädchen in Bubenkleidung ausgrenzt. Was ich sehe sind unterschiedliche Auffassungen dazu, in wie weit man die persönlichen Vorlieben und Neigungen den Vorgaben der Gesellschaft anpassen soll. Denn dass Klischees immer noch existieren ist (leider) eine Tatsache, die man mit noch so viel gutem Willen nicht einfach negieren kann.

Was für einen "Mist" hast du hier gehört, den ich nicht gehört habe?
Der liebe Gott schenkt uns die Nüsse, aber er knackt sie nicht (Johann Wolfgang von Goethe)
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Re: Noch so eine - Junge, Mädchen oder was dazwischen

Beitragvon Meine3 » Mo 30. Sep 2019, 13:13

Rabaukenmama hat geschrieben:
Meine3 hat geschrieben:
Was ist denn schlimm daran, wenn ein Junge Kleider schön findet? Was ist schlimm daran, wenn ein Mädchen lieber eine Kurzhaarfrisur will? Was ist schlimm daran Transgender zu sein?? Tun diese Menschen oder Kinder irgendjemandem weh oder stören jemanden? Warum können die Leute nicht einfach aufhören zu glotzen und zu tuscheln? Wann wird es endlich so sein, dass Andersartigkeit als eine Bereicherung, als ein Stück der Gesamtheit gesehen wird und nicht als etwas was "abgeschafft" werden muss :cry:.

Wer hat hier wirklich ein "Problem": das männliche Kind, das einfach das rosa Kleid schön findet und es anzieht, oder der Mensch, der einen anderen Menschen auslacht oder ausgrenzt, weil er etwas tut, was der Mehrheit nach "nicht normal" ist?? :roll:


Hallo meine3!

Ein Problem hat immer der, dem es mit der aktuellen Situation schlecht geht. Wenn es einem Kind schlecht geht, weil es z.B. wegen seiner Kleidung ausgelacht wird, hat das Kind das Problem. Wenn es einem Vater schlecht geht, weil sein Sohn am liebsten im Ballett-Tütü herumläuft, hat der Vater das Problem.

Im Falle von Menschen, die stur nach Geschlechterklischees erzogen wurden, haben diese SEHR WOHL ein Problem damit, ein Kind zu haben, welches diesen Klischees nicht entspricht. Und sei dieses Problem nur die ANGST, das Kind könnte ausgelacht werden, weil man selbst einmal dazu erzogen wurde, das "komisch" zu finden. Wie der Schelm denkt, so ist er.

Und so hart es auch klingen mag, bei meinem jüngeren Sohn (der gern Kleider trägt und mal eine Frau werden will, wenn er erwachsen ist), ist es egal. Denn auf Grund seiner Behinderung ist er sowieso aus der normalen Gesellschaft "draußen". Daher hat er eine gewisse Narrenfreiheit, das zu tun, was er will. In seiner Sonder-Klasse ist er unter 4 Schülern das jüngste und gleichzeitig kognitiv fitteste Kind. Im Internat ist es dasselbe. Weder seine Klassenkameraden, noch die Internatskollegen, noch seine Lehrer werden ihn auslachen, wenn er mit Kleid in die Schule kommt. Und die Kinder aus den anderen Klassen (auch die gebärdensprachkompetenten) haben mit den Kindern in der Klasse meines Sohnes ohnehin keine Berührungspunkte.

Meine3 hat geschrieben:Und ja: es gibt sie zu Hauf, diese Menschen (ob groß oder klein), die aufgrund von Äußerlichkeiten beurteilen, auslachen und ausgrenzen. Es gibt die Menschen, die jemanden ablehnen, weil er "anders" ist. Das habe ich selbst zu genüge in meinem Leben erlebt, weil ich arm war und deshalb nicht so gekleidet wie die anderen, weil ich sehr sensibel war, weil ich nachdenklich war, weil ich "anders" war.. Und ich habe mich angepasst und versteckt, weil ich vor den Menschen Angst hatte, die mich ausgelacht oder geschnitten haben, weil ich "anders" war. Aber ist das der richtige Weg, ist es das, was ich meinen Kindern beibringen will? Nein. Ich möchte, dass meine Kinder sich akzeptieren, so wie sie sind, nicht so wie sie die Gesellschaft haben möchte. Ich wünsche mir, dass irgendwann es gesellschaftlich akzeptiert wird, dass wir alle unterschiedlich sind und das GUT ist.


Wünschen ist ja erlaubt ;) . Aber ich als Mutter von zwei besonderen Kindern erlebe jeden Tag, dass die Realität eben ganz anders ausschaut. Es ist auch nicht so wichtig, was ich meinen Kindern BEIBRINGE, es ist wichtig, was SIE SELBST fühlen. Klar kann ich auch meinen nicht offensichtlich behinderten Sohn zum Kleider-tragen ermutigen, sofern er das will. Aber damit, dass es TROTZDEM Menschen gibt, die ihn deshalb ausgrenzen und die hinter seinem Rücken tuscheln, muss er selbst leben. Und es ist einzig SEINE Entscheidung, ob er das will und kann oder ob er sich lieber anpasst! Vielleicht muss er es auch durch Versuch und Irrtum herausfinden.

Meine3 hat geschrieben:Da bekomme ich echt die Wut, wenn ich so einen Mist höre. Sorry :evil:.

Gruß Meine3


Ich sehe hier im Forum niemanden, der Jungs in Kleidern oder Mädchen in Bubenkleidung ausgrenzt. Was ich sehe sind unterschiedliche Auffassungen dazu, in wie weit man die persönlichen Vorlieben und Neigungen den Vorgaben der Gesellschaft anpassen soll. Denn dass Klischees immer noch existieren ist (leider) eine Tatsache, die man mit noch so viel gutem Willen nicht einfach negieren kann.

Was für einen "Mist" hast du hier gehört, den ich nicht gehört habe?


nein, es ist hier niemand, der offen zugibt damit ein Problem zu haben. Aber dennoch: wenn ich kritisiert werde, weil ich es gut finde, wenn sich jemand so etwas traut, dann frage ich mich, auf was die Menschen warten? Dass alle anderen endlich verstehen, dass es in Ordnung ist, wenn man anders ist, nur man selbst nicht?

Ich bin nicht auf den Kopf gefallen und weiß sehr gut, wie sehr "anders" sein (egal in welcher Hinsicht) zu Problemen führen kann. Nichts desto trotz habe ich mittlerweile eine ganz klare Einstellung dazu: Anders sein ist nichts, was man verstecken sollte, nichts wofür man sich schämen muss.

Man kann entweder warten, dass "die Gesellschaft" sich ändert und es sich wünschen, gleichzeitig sich aber ständig anpassen und unterordnen. Oder aber man steht dazu, dass man anders ist und ändert vielleicht zumindest im eigenen Dunstkreis die ein oder andere Meinung dazu.

Was für mich Mist ist?

Dass es nicht okay ist (nur weil es viele Menschen gibt, die intolerant sind), seinem Kind zu vermitteln, dass es in Ordnung (oder "herr"lich) ist, so wie es ist UND dass es in Ordnung ist, wenn andere sie selbst sind und dadurch eventuell anders als die Masse. Und alibabas Kommentar zu meinem hat mir genau das vermittelt.
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Re: Noch so eine - Junge, Mädchen oder was dazwischen

Beitragvon Bliss » Mo 30. Sep 2019, 13:30

Rabaukenmama hat geschrieben:

Was für einen "Mist" hast du hier gehört, den ich nicht gehört habe?


Ich denke sie bezieht sich auf die den Status Quo zementierende Haltung von alibaba.

Mein Sohn hat zwar nie Kleder getragen, aber er hatte lila als Lieblingsfarbe, mochte Glitzer und hat sich ab der ersten Klasse die Haare wachsen lassen. Inzwischen gehen sie ihm bis zur Tallie und er wird oft für ein Mädchen gehalten.

Wenn er es richtigstellt (macht er je nach Laune manchmal und manchmal nicht) ist es für andere Kinder in der Regel damit getan, während von Erwachsenenseite da gerne noch nachgehakt wird. Oft auch ziemlich penetrant. Oder z.B die eigenen Kinder dann zuhause noch ausgefragt werden, ob mein Sohn in der Schule deswegen geärgert wird. Das bringt Kinder doch erst auf den Gedanken, dass es eventuell problematisch sein könnte etwas nicht den Geschlechtsklischees entsprechendes zu tun.
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Re: Noch so eine - Junge, Mädchen oder was dazwischen

Beitragvon alibaba » Mo 30. Sep 2019, 13:31

Meine3 hat geschrieben: Dass es nicht okay ist (nur weil es viele Menschen gibt, die intolerant sind), seinem Kind zu vermitteln, dass es in Ordnung (oder "herr"lich) ist, so wie es ist UND dass es in Ordnung ist, wenn andere sie selbst sind und dadurch eventuell anders als die Masse. Und alibabas Kommentar zu meinem hat mir genau das vermittelt.


Da bin ich jetzt aber froh, dass es scheinbar Charlotte bzw. rabaukenmama, meinen Mist, richtig verstanden haben - nur du nicht.

Zur Detaillierung von Rabaukenmama habe ich nichts mehr hinzuzufügen. Das finde ich sehr gut gelungen.
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