Bitte hilfe bei Begriffserklärung

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Re: Bitte hilfe bei Begriffserklärung

Beitragvon Bliss » Fr 28. Apr 2017, 10:47

alibaba hat geschrieben:
Koschka hat geschrieben: .... nur einen absolut sicheren Ausschluskriterium für Autismus: ein gut ausgeprägtes Vermögen in großen Gruppen klar zu kommen


Oh Koschka, da wäre ich vorsichtig mit so einer Behauptung. Da würde ich aber viele Autisten kennen. ;) Mich eingeschlossen. Große Gruppen mag ich gar nicht. Nicht wegen ihrer Größe, sondern wegen ihrer Oberflächlichkeit. Dann das darin mitschwingende Konkurrenzgebaren - schrecklich. Ich ziehe da kleine Gruppen oder mich selbst oder mich plus einen Nebensitzer vor.



Der Umkehrschluss ist natürlich nicht zulässig, also nicht jeder, der in großen Gruppen nicht klar kommt ist deswegen schon Autist. Aber mir erscheint dieses Kriterium auch zuverlässiger, als so Sachen wie: hält keinen Blickkontakt, mag keinen Körperkontakt oder was halt immer von Laien angeführt wird.
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Re: Bitte hilfe bei Begriffserklärung

Beitragvon unwissende-neu » Fr 28. Apr 2017, 10:56

Ihr "Unfähigkeit" Freundschaften aufzubauen, ist wohl eher ein unwille denke ich. Sie sieht vermutlich keinen Sinn darin. Die meisten meiner Familie sind eher Einzelgänger. Aber da sie laut Lehrerin sehr beliebt ist, zeigt, dass sie die Sozialfähigkeiten dazu hätte. Sie stellt grundsätzlich ihre Wünsche komplett hinten an, statt mal ihren Willen durchzusetzen. Ich habe gestern gefragt, wie sie sich die "perfekte Schule" vorstellt. Dann kamen nur Antworten, um anderen das Leben zu erleichtern.

Beispielen: - Für die Migranten müsste es Arbeitsblätter in ihrer Sprache geben, damit der Unterricht nicht langweilig ist, weil sie nicht wissen, was sie tun sollen. Dann würden sie nicht mehr stören, da sie sich nicht so schlecht fühlen. Dazu würden sie dann zusätzlichen Deutschunterricht erhalten und erst wenn die Deutschkenntnisse angeglichen sind, bekämen sie Deutsche Arbeitsblätter.

- Es sollte ein Willkommensschild an der Schule hängen, in allen Sprachen, die in der Schule vertreten sind.

- Kinder die gern viele Süßigkeiten essen, sollten dafür mehr Sportunterricht bekommen, dann wäre das Süßigkeiten essen unproblematischer.


Ich musste sie dann unterbrechen und fragen, was sie für sich ändern würde.... Ein Autist neigt eher dazu seine Wünsche auf andere zu projezieren.

Außerdem hat sie unheimlich viel Fantasie und Kreativität, so, dass sie aufpassen muss, dass sie die Grenzen zwischen Fantasie und Wirklichkeit noch behält.
Beide meiner Kinder wurde Sarkasmus in die Wiege gelegt. Ich denke Humor und Fantasie ist schwerer zu kompensieren als soziales Miteinander. Denn dort steht kommt es sowohl auf die Definition an. Eigentlich kommt sie dort sehr gut klar, intensiviert es nur nicht. Sie zieht auch Großgruppen vor, denn dort kann sie von einem zum anderen Schlendern und Small Talk machen. Wenn man eine Freundlin besucht muss man sich viel mehr damit auseinander setzen, und hat weniger Möglichkeiten sich mit etwas interessantem zu beschäftigen. Beim Autisten wäre es vermutlich umgekehrt, da die Wahrnehmung in großen Gruppen überläuft und im 2er Kontakt würde der Autist mit dem vorhandenen Spielzeug allein spielen und sich nicht um die andere Person kümmern. Das macht sie nicht, sie macht sich eher Gedanken darum, ob sie die Erwartungen der "Freundin" erfüllt und kümmert sich ausschließlich um den anderen und stellt sich selbst komplett zurück.

Diese Eigenschaften schließen die Hauptmerkmale eines Autisten aus. Gerade, weil wir Autisten in der Familie haben, kann ich glaub ich ziemlich gut die Unterschiede erkennen. Es geht nicht immer um ein Oberflächensymptom, sondern in der Begründung, wie das Symptom entsteht.
Ich hab auch wenige Freundinnnen, da ich es anstrengend finde, Interesse an Mode, Arztgeschichten, Fernsehsendungen etc. zu haben. Und über Politik, Umwelt, Soziologie, Pädagoik unterhalten sie nun mal wenig Leute. Und wenn dann nur Oberflächlich Klischeehaft. Da hab ich dann meist auch keine Lust auf drauf, bin aber nicht überheblich sondern halte es einfach auf unauffälligen Minimalstand. Ich sehe es genauso wie alibaba
Ist hier auf dem Land wohl auch nicht so unüblich, da: weniger Einwohner -> weniger andere Aliens.
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Re: Bitte hilfe bei Begriffserklärung

Beitragvon unwissende-neu » Fr 28. Apr 2017, 11:05

Ihre kleine Schwester ist ihre beste Freundin, aber Familienmitglieder zählen bei den Psychologen ja nicht.
Meine Mutter ist meine beste Freundin. Und meine Mutter sagt mit anfang 60 ja immer noch, dass sie bei Nachbarschaftstreffen, die länger dauern als 3-4 Stunden, einen an der Waffel kriegt. Da es nur im Dorfklatsch geht.
Unser Gehirn speichert einfach nicht ab, wer der Freund vom Vetter vom Nachbar von Tante Gretje ist.
Solche Denksportaufgaben beherrschen die überwiegenden Bewohner hier aus dem ff.
Und daher können wir dort gar nicht mitreden, da wir nur mangelnde Fähigkeiten im Dorfklatsch aufweisen.
Demnach wäre aber die überwiegende Teil unserer Familie auistisch.
Wie sagen Kinder noch so schön: Es gibt aber doch wirklich etwas wichtigeres in der Welt, als sich um Barbies zu streiten.
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Re: Bitte hilfe bei Begriffserklärung

Beitragvon Rabaukenmama » Fr 28. Apr 2017, 12:37

Koschka hat geschrieben:. Es gibt meines Erachtens (ich komme auch aus so einer Familie) nur einen absolut sicheren Ausschluskriterium für Autismus: ein gut ausgeprägtes Vermögen in großen Gruppen klar zu kommen und ein vielleicht noch ein weiteres: ohne Schwerigkeiten eine langfristige (beidseitige) Freundschaft aufzubauen.


Koschka, ich weiß, was du meinst. Gerade versuche ich mich mit dem Gedanken anzufreunden, doch ZWEI Autisten als Söhne zu haben, und genieße das bißchen "Schonfrist" bist zu nächsten Entwicklungsdiagnostik meines älteren Sohnes :P .

Trotzdem muss ich Dir widersprechen: mein autistisch diagnostizierter jüngerer Sohn hat kein Problem mit oder in großen Gruppen! Im Gegenteil, er macht am liebsten in einer großen Kindergruppe fröhlich "sein" Ding. Zu den anderen ist er freundlich, aber oberflächlich. Im Gegensatz zum Bruder ist es sogar eher "beliebt", auch wenn er von sich aus keine engeren Kontakte zu anderen Kindern sucht.

Als wir im Kinderhotel Urlaub gemacht haben hat es den Großteil der Zeit geregnet. Es gab dort einen kleinen Indoor-Spielplatz mit Rutsche und Bällebad, den wir entsprechend oft besucht haben. Und immer, wenn niemand da war, meinte Kleinsohn, er würde gerne "später" wieder kommen. Da sind wir oft 3x vom Zimmer runter schauen, ob endlich wer da ist. Und wenn dann doch ein paar andere Kinder da waren hat sich auch mein kleiner Autist fröhlich ins Getümmel gestürzt.

Auch auf dem Spielplatz schließt mein jüngerer Sohn eher spontane Kontakte als sein Bruder. Wenn es "passt" findet er dort ein anderes Kind, mit dem er völlig einvernehmlich GEMEINSAM spielt bis dann einer heimgehen muss. Beim großen Bruder ist das auch möglich, aber seltener!
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Re: Bitte hilfe bei Begriffserklärung

Beitragvon Rabaukenmama » Fr 28. Apr 2017, 12:47

unwissende-neu hat geschrieben:Ihre kleine Schwester ist ihre beste Freundin, aber Familienmitglieder zählen bei den Psychologen ja nicht.
Meine Mutter ist meine beste Freundin. Und meine Mutter sagt mit anfang 60 ja immer noch, dass sie bei Nachbarschaftstreffen, die länger dauern als 3-4 Stunden, einen an der Waffel kriegt. Da es nur im Dorfklatsch geht.
Unser Gehirn speichert einfach nicht ab, wer der Freund vom Vetter vom Nachbar von Tante Gretje ist.
Solche Denksportaufgaben beherrschen die überwiegenden Bewohner hier aus dem ff.
Und daher können wir dort gar nicht mitreden, da wir nur mangelnde Fähigkeiten im Dorfklatsch aufweisen.
Demnach wäre aber die überwiegende Teil unserer Familie auistisch.
Wie sagen Kinder noch so schön: Es gibt aber doch wirklich etwas wichtigeres in der Welt, als sich um Barbies zu streiten.


Unwissende, ich mußte beim lesen gerade sehr schmunzeln, weil es mir da ähnlich geht wie Dir und Deiner Mutter. Ich weiß auch in meiner Firma nie, wer gerade mit wem "geht", wer zerstritten ist und wer burnout-gefährdet! Und ich habe echt null Interesse, mir Geschichten vom letzten Rausch einer Nachbarin anzuhören und zu mit 10 anderen Leuten zu diskutieren, wo sie einen Entzug machen sollte, während ich dieselbe Person täglich mehrmals scheinheilig grüße :twisted: . Meinem Mann geht es ganz genau so. Vielleicht hat er ja autistische Züge, aber ich selbst bin definitiv keine Autistin! Und so, wie du deine Tochter beschreibst, ist sie es - in meinen Augen - auch nicht!

Auch ich habe nur wenige echte Freundinnen, aber diese Freundschaften sind sehr innig und es geht in unserern Gesprächen viel um persönliche, emotionale Themen. Für Tipps, wo man am günstigsten shoppen kann oder abwertende Gespräche über nicht anwesende Personen habe ich weder Zeit noch Nerven!
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Re: Bitte hilfe bei Begriffserklärung

Beitragvon Kim_S » Fr 28. Apr 2017, 20:08

Mir geht das genau so, irgendwie hat man auch kein Interesse ständig nur schlechtes über andere zu hören wo sie einem Persönlich bisher immer Positiv in Erscheinung getreten sind.
Ich habe schon als Kind immer wieder mit Außenstehenden sehr viel Kontakt gehabt, weil ich mir meine eigene Meinung bilden wollte, auch wenn ich nie ein Außenseiter gewesen bin. Oft wurde ich kritisiert, aber in den meisten Fällen konnte ich andere vom Gegenteil überzeugen.

Ein wenig Klatsch und Tratsch ist ja noch ok, aber nur bis zu einer gewissen Grenze, jeder von uns hat so seine schwächen :)
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Re: Bitte hilfe bei Begriffserklärung

Beitragvon alibaba » Di 2. Mai 2017, 10:00

Koschka hat geschrieben:
@alibaba

Stand bei euch nie Diagnose "autistische Züge" unter Verdacht, als ihr nach den Gründen für erstaunliche Diskrepanzen und atypisches Verhalten gesucht habt? :-)


Ne. ;)

Ich sag trotzdem immer: Ein wenig autistisch sind viele. ;) Sicherlich hat das nichts mit Autismus zu tun, sondern eher mit Vorlieben oder Abneigungen und das wir eben alle verschieden sind. Ich denke ja, man versucht viel zu viel in Schubladen zu stecken, weil man es eben gerne hat, wenn man etwas begründen kann. Eine Schuldübergabe sozusagen. Er kann sich eben nicht benehmen, er hat ADHS. Er kann sich nicht konzentrieren, er hat ADS. Er kann das und das nicht, weil........ Ich denke, ein großer Teil der Erklärungen ist unserer Leistungsgesellschaft geschuldet. Ich hab immer das Gefühl das man sich erklären muss, verteidigen warum etwas eben so ist und nicht so.

Je älter meine Kinder werden umso mehr verändern sie sich ja. Mein Großer kann jetzt viel besser mit Wut und verlieren umgehen. Thema ist da hier gar keines mehr. Dafür jetzt bei der Tochter, deren Kritikfähigkeit aktuell massiv beeinträchtigt ist. Ich glaube, man lässt sich viel zu viel verunsichern. Was wir schon alles gemacht haben - sinnlos und nutzlose Dinge. Viele Sachen sind normal, auch wenn es vielleicht der Otto und Hermann aus dem Kiga nicht so machen. Na und! Gott sei Dank prägt mich jetzt mein eigenes Alter und die einsetzende Gelassenheit die Dinge zu akzeptieren. Wir sind so zeitig geneigt die Dinge in ein Schema zu pressen, auch weil wir überall nachlesen können, wie es vermeintlich sein sollte. Neulich las ich eine Schlagzeile: Googeln sie nicht nach Krankheiten. Sie werden unter Garantie in schnellster Zeit auf die stoßen, wo sie denken sie seien todsterbenskrank.

VG
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Re: Bitte hilfe bei Begriffserklärung

Beitragvon Kim_S » Di 2. Mai 2017, 13:34

Muss ich dir wirklich Recht geben! Google verrät einem sehr viel... zu viel :D
Man muss auch selbst kritisch sein um nicht gleich alles in eine Schublade zu stecken, wir müssen vielleicht auch lernen nicht gleich alle Fehler woanders zu suchen, sondern bei uns selbst damit anfangen. Aber wie du schon sagst, wird oft gern Panik gemacht.
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Re: Bitte hilfe bei Begriffserklärung

Beitragvon alibaba » Do 11. Mai 2017, 15:01

Man muss nicht immer alles verstehen. Vielleicht sollte man einfach auch akzeptieren, es so nehmen. Vieles ist ja noch im Fluss, es verändert sich, mit zunehmender Synapsenverbindung. Das Gehirn, das Wesen ist ja noch nicht fertig in seiner Entwicklung. Ich möchte nur warnen, vor einer zu zeitigen Erklärung und der damit verbundenen Schublade, vor allem, je jünger das Kind ist.

Autistische Züge....da kenne ich viele Menschen, aber mit Autismus hat das nichts zu tun.
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Re: Bitte hilfe bei Begriffserklärung

Beitragvon Rabaukenmama » Do 11. Mai 2017, 17:24

@alibaba: Naja, ganz so ist das nicht. Es gibt ja den Begriff der ASS (Autismus Spektrums Störung) und da kann durchaus sein, dass auch Kinder reinfallen, die nicht auffällig sind.

Bei Sinnesbehinderungen gibt es ja auch verschiedene Abstufungen: leicht/mittelgradig/hochgradig fehlsichtig bzw. schwerhörig und als extremste Form eben gehörlos oder blind. Bei Autismus ist es dasselbe. Nur, weil ein Kind nicht blind ist, sondern vielleicht nur mittelgradig kurzsichtig, sollte man ihm keine Brille vorenthalten bzw. die Fehlsichtigkeit aus Angst vor Stigmatisierung verheimlichen. Auch dann nicht, wenn es Mechanismen gefunden haben sollte, damit Außenstehenden die Fehlsichtigkeit gar nicht auffällt.

Der Unterschied zwischen Wahrnehmungsstörung und Sinnesbehinderung ist hauptsächlich, dass man zweitere klarer diagnostizieren kann und dass niemand an so einer Diagnose zweifelt.

Zur unterschiedliche ausgeprägten Fähigkeit, eine Störung zu kompensieren, kommt noch das mehr oder weniger tolerante Umfeld. So kann ein autistisches Kind in einem Umfeld sein, wo es als "normal" angesehen wird und ein- und dasselbe Kind kann in anderer Umgebung total auffällig sein.

Es gibt bei den verschiedenen Wahrnehmungsstörungen ja auch Kinder, welche ín KIGA, Schule oder Hort perfekt kompensieren und dann zu Haus sprichwörtlich "die Sau rauslassen".

Und es gibt auch umgekehrt "dabeim-brav"-Kinder. Wenn ich mir immer wieder anhöre wie sich mein Sohn im Hort aufführt, kommt mir machmal vor, sie reden von einem anderen Kind. Nicht, weil er zu Hause unauffällig ist, aber das Ausmaß der Schwierigkeiten ist ein ganz anderes. Liegt vermutlich an den Anforderungen, welche die Hortpädagogen stellen. Es gab zwar auch im Kindergarten hie und da mal Schwierigkeiten und es gibt sie auch hie und da mal in der Schule, aber längst nicht so krass, dass ich 2-3x wöchentlich darauf angesprochen werde, wie "unmöglich" dieses Kind ist! (Nicht mehr lange - ab August nehme ich ihn fix aus dem Hort raus und ändere meine Arbeitszeit ;) ).
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