Schulöffnung

Probleme und Lösungen für den Schulalltag

Re: Schulöffnung

Beitragvon Rabaukenmama » Mi 22. Apr 2020, 21:47

charlotte12 hat geschrieben:
Mittlerweile hat meine Mutter eine Spenderniere bekommen und ihr Immunsystem ist dadurch (und durch die vielen Medikamente) stark geschwächt. Mittlerweile hat sie auch die 70 überschritten und gehört somit zur Hochrisikogruppe.

Auch von Immunsuppression habe ich schon gelesen, dass das wider Erwarten überhaupt kein Risikofaktor sei: https://infekt.ch/2020/03/immunschwaech ... ikofaktor/ Wobei das Alter unstrittig ein Risikofaktor ist. Mal abgesehen davon, dass die meisten Nierentransplantierten Bluthochdruck haben. Starkes Übergewicht ist dagegen wohl erstaunlicherweise ein recht heftiger Risikofaktor.


Es sind nicht so die Immunseppresiva selbst, sondern es ist der Medikamentenmix insgesamt in Kombi mit der Erfahrung nach der OP.

Die Nierenwerte meiner Mutter sind auch (trotz der Spenderniere) wesentlich schlechter als bei Gleichaltrigen, gesunden Menschen. Nicht mehr so schlecht, dass sie 3x die Woche zur Dialyse muss (wie vor der Transplantation), aber doch so schlecht, dass auch jetzt (wo die Krankenhäuser auf Minimalbetrieb laufen) regelmäßig Kontrollen mit Blutabnahme nötig sind.

Meines Wissens gibt es etliche Krankheitsbilder, die kein erhöhtes Risiko darstelle. Mein gehörloser, kurzsichtiger, autistischer Sohn gehlrt trotz Senkspreizknickfüßen und Hautekzemen definitiv nicht zur Risikogruppe. Mein Mann mit seiner (unheilbaren, aber zur Zeit nicht akuten) Stoffwechselkrakheit ist auch nicht dabei.
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Re: Schulöffnung

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Do 23. Apr 2020, 13:40

Wenn man weiß, dass man zur Risikogruppe gehört, dann kann man sich selber schützen. Ich sehe es nicht als Grund alle Kinder nicht im Sommer auf den Spielplatz zu lassen. Es ginge für 3 Wochen, aber es geht nicht für drei Monate. Unser Spielplatz ist eher so frequentiert, dass es dort auf einmal selten mehr als zwei Kinder getroffen haben. Auf dem rieseigen Geländer der Grundschule, mit Fussballplatz, Klettergerüst, Tischtennistisch und Basketballkorb waren es zu besten Zeiten vielleicht 20. Alles ist seit Wochen absolut dicht. Die Kinder rasen dafür auf Rädern (auch 2-3 jährige) auf befahrenen Straßen. Bei Indoorspielplätzen und Pools sehe ich die Gefahr. Aber draußen? Kindergärten streiten um die Räume. Wir haben Sommer, warum bleiben sie mit den Kindern an den schönen Tagen nicht einfach draußen? Sollte es am Vomittag noch kalt und feucht sein, dann am Nachmittag. Wenigstens 2 Stunden, um die Eltern zu entlasten. Wenigstens für diejenigen, die arbeiten oder viele kleine Kinder, oder sehr problematische Kinder haben. Stattdessen ist alles so geregelt, dass Frau Merkel oder im besten Fall Herr Söder entscheiden, ob der Kindergarten aufmachen darf. Vieleicht bin ich ein Anarchist, aber das was gerade passiert, die ganzen Verbote und ihre Konsequenzen gefallen mir überhaupt nicht. Ich bin bereit achtsam und respektvoll mit den Gefahren umzugehen und die schwachen zu schützen. Aber ab der Stelle "Kliniken melden Kurzarbeit" erschein mir die Diskussion über die Unangemessenheit der Öffnung sehr suspekt.
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Re: Schulöffnung

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Do 23. Apr 2020, 15:25

Zur Verbreitung der Viren durch Schüler habe ich heute folgendes auf ntv-seite gelesen:

+++ 14:05 Selbst in Corona-Infektionsherd keine Durchseuchung +++
Eine Herdenimmunität liegt in Frankreich laut einer Studie des Pariser Pasteur-Instituts selbst in stark betroffenen Regionen noch in weiter Ferne. Die Forscher untersuchten 661 Lehrer, Schüler eines Gymnasiums in Crépy-en-Valois im Département Oise und deren Familien. Dabei kam heraus, dass nur 26 Prozent eine Corona-Infektion durchgemacht und Antikörper entwickelt haben. Dies reiche bei Weitem nicht aus, um eine Lockerung der Anti-Corona-Maßnahmen zuzulassen, so die Forscher. Ab einem gewissen Anteil von Immunisierten an der Gesamtbevölkerung gilt eine Pandemie auch ohne Impfstoff als beherrschbar. Diese sogenannte Herdenimmunität liegt bei etwa 60 bis 70 Prozent - vorausgesetzt, dass die Antikörper wirklich zu einer mehrere Monate andauernden Immunität führen. An der Schule in Crépy-en-Valois nördlich von Paris infizierten sich zwischen Februar und März 41 Prozent der Schüler und Schulmitarbeiter mit dem Coronavirus, aber nur 11 Prozent der Verwandten. Insgesamt haben innerhalb dieses sogenannten Cluster also nur 26 Prozent Antikörper entwickelt.

Wenn das zu dem offiziellen Konzept wird, werden die Schulen noch sehr lange nicht geöffnet.
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Re: Schulöffnung

Beitragvon charlotte12 » Do 23. Apr 2020, 20:31

Wenn man weiß, dass man zur Risikogruppe gehört, dann kann man sich selber schützen.

Eben nicht. Es gibt genügend Konstellationen, in denen jemand aus der Risikogruppe zum Haushalt gehört und die anderen Mitglieder im gleichen Haushalt nicht einfach über Monate bis Jahre mit zu Hause bleiben können. Weil sie z.B. zur Arbeit müssen. Oder Menschen aus den Risikogruppen, die selbst zur Arbeit müssen und sich deshalb nicht schützen können, wie z.B. der 57-jährige Polizist, von dem heute im Internet stand, dass er an Covid19 gestorben ist, nachdem er sich im Dienst angesteckt hat. Die Risikogruppe besteht nicht nur aus alleinlebenden Rentnern, bei denen es "nur" darum geht, dass die Enkel nicht mehr zu Besuch kommen dürfen. Ich finde, die Gesellschaft muss auch die Schwachen schützen und nicht einfach sagen "sollen die sich doch selbst schützen". Mit dem Argument, dass sich die Risikogruppe selbst schützen kann, könnte man auch Triebtäter aus Kostenersparnis frei herumlaufen lassen, weil das Problem doch auch gelöst wäre, wenn die Risikogruppe einfach nur noch in Begleitung von starken Männern auf die Straße geht. Wie weit Kinder Überträger sind und ob das Schließen von Schulen usw. überhaupt wichtig ist, das wird man herausfinden müssen. Aber dieses "die Risikogruppen können sich selbst schützen" regt mich auf, sorry :fahne: Damit das nicht für die Risikogruppe lebensgefährlich wird, müsste der gesamte systemrelevante Bereich seine Mitglieder aus der Risikogruppe und seine Mitglieder, die Angehörigen mit Risiken im selben Haushalt haben, freistellen. Und damit fällt vermutlich ein großer Teil des systemrelevanten Bereichs mit erhöhtem Ansteckungsrisiko weg, sprich der Einzelhandel, der pädagogische Bereich, der medizinische Bereich, usw. Ich habe mal irgendwo gelesen, dass 50% der Lehrer zur Risikogruppe gehören, und dass ohne dass man die Angehörigen mitberücksichtigt. Für die Kinder, deren Eltern arbeiten müssen, gibt es ja Betreuung, schon die ganze Zeit.
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Re: Schulöffnung

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Do 23. Apr 2020, 20:44

@charlotte

Was ist dein Vorschlag? In Frankreich sind Jugendliche schon bei der aktiven Randalle. Man kann sie auf Dauer weder Einsperen noch im Nichtstun untergehen lassen. Das ergibt sehr unangenehme Konsequenzen für die Gesellschaft.Ich habe auch einen kleinen Einblick in die Insolvenzverwaltung und dieser gefällt mir überhaupt nicht. Ich weiß nicht, warum es nicht groß darüber geredet wird, wer schon alles vor und in der Insolvenz steht. Das würde für manche Politiker vielleicht einen Weckruf bedeuten. Ich bin nicht dafür, die Gefährderten sich selber zu überlassen. Aber ich unterschreibe jedes Wort von Lindners Antwort auf die Rede von Merkel. Wir kämpfen mit mittelalterlichen Maßnahmen. Wo ist der App??? Ich bin mir sicher, wir streiten um den Datenschutz oder Ähnliches, und deswegen kommt er nicht zum Einsatz. Wo sind die FFP-Masken für Bedürftige in ausreichender Zahl? Ich habe mit der Nachbarin geredet, sie ist über 70, hat 2 oder 3 und hat es vor sie so lange wie möglich zu nutzen. Wie hygienisch ist das?
Zuletzt geändert von Katze_keine_Ahnung am Do 23. Apr 2020, 21:22, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Schulöffnung

Beitragvon charlotte12 » Do 23. Apr 2020, 21:10

Im medizinischen Bereich gibt es auch nicht genügend FFP-Masken, auch dort werden dieselben Masken mehrfach verwendet. Aber ich habe heute beim Einkaufen eine Jugendliche gesehen, die ihre FFP-Maske immer wieder vom Gesicht weglupfte, und einen älteren Mann, der seine FFP-Maske so weit unter dem Kinn trug, dass eine zentimeterbreite Lücke entstand. Beim Einkaufen hat sich meines Wissens noch überhaupt nie jemand angesteckt, vom medizinischen Personal haben sich in China und Italien 4-20% angesteckt, du hast selbst von den Lehrern in Crépy-en-Valois geschrieben, von denen sich 41% angesteckt haben. Ich sage ja gar nicht, dass die Schulen ewig geschlossen bleiben sollen, aber ich würde vorsichtig mit den Abschlussklassen anfangen unter Beachtung der Abstandsregeln usw. und dann beobachten. So wie es jetzt zumindest bei uns ja auch gemacht wird. Die kleineren Geschäfte dürfen bei uns ja auch schon wieder teilweise öffnen und was ich heute bei der Eisdiele erlebt habe, war ok - 2m Abstand mit Strichen auf dem Boden, nur Straßenverkauf. Klappte super und war denke ich mal einigermaßen sicher. Kindergärten mit großen Gruppen zu öffnen finde ich problematisch, eine Bekannte von mir betreut eine Notgruppe und sagt, das mit dem Abstandhalten bei Vierjährigen kann man vergessen (wen wundert´s...). Was ich mir gut vorstellen könnte, das wären kleine Spielgruppen mit wenigen Kindern, vielleicht im Wechsel betreut von den Müttern. Wo die FFP-Masken bleiben, das frage ich mich auch schon die ganze Zeit, da sind wir jetzt wirklich komplett einer Meinung :) Und Lindners Antwort auf Merkels Rede werde ich mir demnächst mal zu Gemüte führen, danke für den Tipp :)
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Re: Schulöffnung

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Do 23. Apr 2020, 21:33

Südkorea lebt mit der Infektion ohne, dass es katastrophale Folgen hat, weder für die Wirtschaft noch für die Freiheit noch für die Liebsten. Das ist für mich ein Beweis genug, dass es grundsätzlich geht. Wir dagegen versuchen gerade aus einer Autobahn eine 30er Zone zu machen, mit der Begründung, dass das Autofahren tödlich sein kann. Kann man machen. Einem muss dabi nur bewusst sein, was die Konsequenzen sind. Ich habe das Gefühl, dass der Politik aktuell die Konsequenzen aktiv aublendet.

PS. Was mich auch mächtig stört, ist die Tatsache, dass Gauland durch seine vernünftg praktische Position Punkte gewinnt, die ihm nichts kosten. Ich kann mich nicht erinnern, dass AfD und FDP sonst irgendwo einer Meinung waren.
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Re: Schulöffnung

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » So 26. Apr 2020, 22:06

Jetzt nach dem Autritt von Schäuble scheint doch die Diskussion eine neue Richtung zu bekommen. In der Zeit habe ich meiner Tochter beigebracht, mit der Nähmaschine umzugehen. Sie hat zwei Masken selbst genäht. Stricken kam wieder zum Einsatz, sie strickt auf 5 Nadeln einen Hund aus einer sehr wiederspenstiger Wolle. Ich habe wieder Muse gefunden, mit den beiden Großen einige Lateinlektionen zu machen. Gitare kam aus dem Keller nach oben. Aber trotz allem fehlen den Kindern die Freunde und der Austausch. Letzendlich war genau das der Grund warum wir unsere Reise beendet haben.
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Re: Schulöffnung

Beitragvon alibaba » Mo 27. Apr 2020, 11:07

zweierpack hat geschrieben:Ehrlich gesagt wäre mir Homeschooling bis zu den Ferien recht und dann ein sehr gut vorbereiteter und geplanter Unterricht nach den Erfahrungen der älteren Schüler und mit weiteren gesicherten Erkenntnissen über Kinder als Überträger, Entwicklung der Pandemie etc.
Wie seht Ihr das? Wie fühlen sich Eure Kinder


Ehrlich gesagt hätte ich genau das Gegenteil von deinen Wünschen. Homeschooling sofort abschaffen und endlich die Schule öffnen!
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Re: Schulöffnung

Beitragvon charlotte12 » Di 28. Apr 2020, 15:59

Ehrlich gesagt hätte ich genau das Gegenteil von deinen Wünschen. Homeschooling sofort abschaffen und endlich die Schule öffnen!

Jeder sieht seinen Ausschnitt der Welt. Eine ähnliche Spaltung erlebe ich im privaten Bereich auch - diejenigen, die Angst um Angehörige in der Risikogruppe haben, sind für möglichst vorsichtiges Vorgehen. Die typische junge Familie dagegen hat wenig bis keine Angst vor einer Infektion, da keine Risikogruppe, hat aber aktuell große Einschränkungen und ist daher für sofortige Schulöffnung. Mit der dritten Gruppe, denen wirtschaftlich sämtliche Felle davonschwimmen und die deshalb für schnelle Normalität sind, habe ich privat so gar nichts zu tun. Daher schätze ich auch Katze_keine_Ahnungs Beiträge zu dem Thema sehr - sie hat mir bei manchen Punkten die Augen geöffnet für Bevölkerungsgruppen, die ich bisher gar nicht so auf dem Schirm hatte :oops:
Einerseits wiegt für die meisten Leben mehr als Bankrott oder Stress/Langeweile, andererseits wiegen für die meisten Kinder mehr als alte Leute. Wieder andererseits wird aktiv gehandelt, um den Alten zu ihrem Recht zu verhelfen und dabei werden die Rechte der Jüngeren/Geschäftsleute beschnitten, man könnte auch einfach im Zweifel den Dingen ihren Lauf lassen. Ich bin mal auf die Reaktionen auf Boris Palmers Rede gespannt, denn der hat überspitzt formuliert genau das ausgesprochen, was ich im privaten Umfeld immer wieder höre - dass die Alten doch eh bald sterben und Junge/Gesunde wichtiger und wertvoller sind. Wobei ich seine Aussage nicht nur ethisch sondern auch medizinisch als falsch empfinde: es gibt definitiv auch immer wieder mittelalte Menschen, die voll im Berufsleben stehen und dann durch dieses Virus vielleicht nicht sterben, aber so richtig schwer erkranken, wie man es keinem wünscht. Wohl bekanntestes Beispiel ist Boris Johnsson.. Und dass die Abschottung der Alten nicht funktioniert, sieht man an den jetzt aufploppenden Hotspots in Pflegeheimen.

@zweierpack: Bei uns kann man jetzt selbst entscheiden, ob das Kind am Schulunterricht teilnehmen soll, wenn man als Eltern/Haushaltsangehöriger in die Risikogruppe fällt. Steht in der Hygieneverordnung. Vielleicht gibt es bei euch ja auch so einen Paragraphen?
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