Unauffällige Hochbegabte?

ganz allgemein zu Hochbegabung und IQ, theoretisch und praktisch

Unauffällige Hochbegabte?

Beitragvon FamilyUndercover » Fr 15. Mai 2020, 23:15

Liebes Forum,

dies ist mein erster Beitrag hier, aber mitgelesen habe ich schon lange. Ich habe vier Kinder .
Der Älteste J. männlich, 17 Jahre , E.weiblich 14, G. weiblich 3 Jahre und T.weiblich 1 Jahr.
Bei E.ging unauffällig durch die Grundschule. Dann auf das Gymnasium, sie war eine gute Schülerin, aber nicht überragend. Dann fing es an, dass sie eine Prüfungsangst entwickelte, bis zur Schulangst. Ein Schulwechsel half kurzfristig. Dann begann es wieder
Sie findet nur oberflächlich Anschluss, ihre sozialen Bindungen beschrieb sie als: " Ich fühle mich wie ein Alien. Ich verstehe die anderen nicht und die verstehen mich nicht".
Dann begann sie eine Therapie.
Schließlich ein IQ Test.
Das Ergebnis ist nun ca 5 Tage alt und ich bin immer noch " geschockt": 154!
Wie kann das sein?
Kann eine Anpassungsleistung so gewaltig sein?
Wieso fiel mir das nicht eher auf?
Es gibt Anzeichen, aber diese erklären nicht diesen Wert.
E. hat eine wahnsinnige Lesegeschwindigkeit, sie liest ca 120 Seiten in einer Stunde. Sie hat eine schnelle Auffassungsgabe, ihr Arbeitstempo ist wirklich schnell.
Sind solche " Wunderkinder" nicht quasi immer herausragend in bestimmten Kategorien? Oder ist das meine naive Vorstellung?

Hat jemand damit Erfahrung?

Liebe Grüße, FamilyUndercover
FamilyUndercover
 

Re: Unauffällige Hochbegabte?

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Sa 16. Mai 2020, 10:15

Hallo,

das wundert mich alles gar nicht. Meine Große (13) ist aufgefallen, weil sie einen Zwillingsbruder hat, der schon seit seiner Babyjahren als Überflieger bekannt ist. Ich habe sie mit 13 zum Test mitgenommen, in der Hoffnung 125+ zu kriegen, sie deckelte den Sprachteil von HAWIK durchgehend. PR größer 99,9. Solche Kinder passen sich an, weil sie sehr früh begreifen, dass Menschen sich vor der den Menschen, die schlauer sind als sie selber, fürchten.

Ich empfehle deiner Tochter das Buch

https://www.amazon.de/Extrem-beschenkt- ... 819&sr=8-3

das ist zwar keine Anleitung zum Handeln, aber man kann herauslesen, dass auch Aliens nicht alleine auf der Welt sind.

Meiner Tochter hat der Wechsel in die HB-Klasse sehr gut getan, und auch eine christliche Jugendgruppe, in der jeder so genommen wird wie er ist.
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Re: Unauffällige Hochbegabte?

Beitragvon sinus » Sa 16. Mai 2020, 12:25

Darf ich fragen, warum du hier schon so lange mitliest? Also irgendeinen Verdacht musst du ja gehabt haben?
Ich finde die Anpassungsleistung deines Kindes erstaunlich und irgendwie auch tragisch.
Gut, dass ihr jetzt hoffentlich einen Ansatzpunkt gefunden habt, der ihr hilft, sie selbst zu sein/sich selbst als das, was sie ist zu akzeptieren.
Ich denke, das kann ihr helfen mit dem "Alien-Gefühl" besser umzugehen.

Was sagt sie selbst denn zu dem Ergebnis? Wie hat sie reagiert?

Meine Große ist zwar nur hoch- und nicht höchstbegabt wie deine Tochter, war aber schulisch in der Grundschule auch unauffällig.
Sie konnte auch nichts, was so richtig auf den ersten Blick besonders hervorsticht. Es waren eher viele Kleinigkeiten, die mir auffielen.
Und im Baby-/Kleinkindalter fiel der schnelle Spracherwerb auf.
Eigentlich hatte ich den HB-Verdacht damals schon, dann hatte ich zunehmend den Eindruck, dass es sich "verwachsen" hat und ich mich evtl. getäuscht habe.

Getestet haben wir sie dann auch vor allem, weil es psychische Auffälligkeiten gab.
Sie fühl(e) sich auch wie ein Alien und fühlt sich nach wie vor oft unverstanden.

Ich würde wohl jetzt auch nach Büchern suchen, die sich mit dem Thema beschäftigen, falls sie selbst sich damit auseinandersetzen mag.
(Meine Tochter möchte mit dem Thema eher nicht so gern zu tun haben, ist aber auch erst 11)
Vielleicht passen eher Bücher für Erwachsene, also wo es um Erwachsene geht, die erst spät erkannt haben, dass sie hochbegabt sind.
Gerade bei Frauen bleibt as ja oft unentdeckt. Da gibts definitiv einige Bücher im Handel dazu.

Ich habe auch eine Freundin, die selbst garantiert sehr (sehr) weit im hochbegabten Bereich liegt und sich nicht damit beschäftigen mag.
Sie sagt, dass ist eh alles nur eine Konstrukt und ein Mensch so viel mehr ist als sein IQ. Sie testet auch ihre Kinder nicht, obwohl die auch auffällig sind.
(eher im Bereich Verhalten. Ihre Tochter ist eine extrem schüchterne Underarchieverin, mit meiner Meinung nach Anzeichen von ASS, der Sohn - Vorschulkind - sehr aggressiv daheim,
anderswo unglaublich brav und angepasst)
Allerdings gibt es in ihrer Familie auch ungewöhnlich viele psychische Störungen... Schwer zu sagen, was das Ursache und was Auswirkung ist oder ob es da gar keinen Zusammenhang gibt.
Sie hat sich in einem "normalen Leben" eingerichtet und blieb/bleibt vermutlich weit unter ihren Möglichkeiten.
Bzw hatte sie zumindest ein "Erweckungserlebnis", als sie vor ein paar Jahren einen Mann fand, der ihr "das Wasser reichen" konnte.
Sei ist extrem aufgeblüht, allerdings war dieser Mann gebunden und hat die Beziehung irgendwann zugunsten seiner Familie beendet.
In der Zeit, als sie mit ihm zusammen war, hat sie sich aber unglaublich nach außen geöffnet, wo sie vorher trotz Studium als Hausfrau zu Hause war und kaum Kontakte außerhalb der Familie pflegte, hat sie dann plötzlich eine neue Ausbildung begonnen (inzwischen gibt es Veröffentlichungen in Buchform von ihr aus dem Bereich), viele neue Hobbys entdeckt, einen neuen Freundeskeis aufgebaut, neue Sprachen gelernt, sich mit Religionen beschäftigt...
Das war wirklich krass, was da in nur einem Jahr mit ihr passiert ist.

Was ich damit sagen will - ich glaube, es tut unglaublich gut, wenn man auf Menschen trifft, die zu einem passen, wo man sich "richtig" fühlt.
Darum halte ich persönlich es für wichtig, dass ihr zusammen schaut, wo deine Tochter auf "andere Aliens" treffen kann.

Meine Tochter hat ihren Platz noch nicht gefunden, obwohl sie jetzt an einer Schule mit Begabtenförderung im MINT-Bereich ist (mit Aufnahmeprüfung, aber keinem bestimmten IQ als Bedingung)
Sie hat dort immerhin das erste Mal eine Freundin gefunden. Das tut ihr gut. Auf der anderen Seite fühlt sie sich immernoch nicht richtig wohl in der Klasse/Schule und war jetzt zu Corona Zeiten mit dem Lernen zu Hause und außerhalb der Klassengemeinschaft sehr viel glücklicher und zufriedener, als sonst...
Schulisch hat sie grad auch bissen zu kämpfen, insbesondere in Mathe kommt sie schlecht klar und hält sich für dumm.
Aktuell zweifelt sie, ob sie an der Schule richtig ist und möchte am Liebsten auf eine Schule mit Schwerpunkt Kunst und idealerweise ganz ohne Zensuren.
Sie hasse es, bewertet zu werden und lernt am besten, wenn sie sich völlig frei und nur für sich sich alleine mit einem Thema auseinandersetzt. Wie aktuell in ihrer Freizeit mit Bildbearbeitung und Filmschnitt.
Sie will und braucht da auch keinen Bewertung ihrer Ergebnisse, also sucht nicht nach Lob und Anerkennung, will das nicht herumzeigen etc.
Sie macht das wirklich nur für sich nun zieht Befriedigung ganz für sich allein, wenn sie ihre eigenen Ergebnisse anschaut. Unglaublich zu sehen, wie glücklich sie da über ihre eigenen Fortschritte und Entdeckungen ist!
Kein erfolgreiches Vorspiel mit Instrument oder Platzierung beim Känguru-Wettbewerb hatte bisher ähnliche positive Auswirkungen auf ihre Stimmung.
Wenn man so gestrickt ist, ist das System Schule mit ihren Anforderungen von außen und all den Bewertungen der Erfolge natürlich nicht gut passend. :cry:

Viel Glück! Und berichte gern weiter.
sinus
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Re: Unauffällige Hochbegabte?

Beitragvon Rabaukenmama » Sa 16. Mai 2020, 14:43

Hallo, grüß Euch!

Vielen Dank für deine Vorstellung und herzlich willkommen hier!

Ich denke es ist ein Klischee, dass alle Hochbegabten unheimlich auffällig sind und "immer herausragend in bestimmten Kategorien" sind. Bzw. sind viele das sehr wohl, nur sind unterschiedliche Kategorien in der Gesellschaft unterschiedlich bewertet. Es gibt Bereiche, wo man sofort an Hochbegabung denkt, wenn ein Kind dort besondere Fähigkeiten hat. Einer dieser Bereiche ist Mathe. Wenn ein Vierjähriger Reihen dreistelliger Zahlen logisch fortsetzten kann oder ein Zehnjähriger 1000 Nachkommastellen von Pi aufsagen kann, denkt "man" sofort an Hochbegabung. Dabei muss die gar nicht vorhanden sein, und wenn, dann beschränkt sie sich vielleicht auf den mathematisch-logischen Bereich.

Mein jüngerer Sohn (7) ist gehörlos und frühkindlicher Autist. Er hat einen GdB (Grad der Behinderung) von 100%, kann nicht sprechen und trägt noch Windeln. Beim letzten nonverbalen IQ-Test war sein Wert 85. Und genau DIESER Sohn hat vor allem im dreidimensionalen Denken eine Ausnahmebegabung, die nicht mal Menschen, die viel mit ihm zu tun haben (Betreuer, Lehrer,...) auf Anhieb auffällt. Laut Testung hatte er mit 5 Jahren das räumliche Vorstellungsvermögen eines 10jährigen, was IN DIESEM BEREICH einem IQ von 200 entspricht. Tatsächlich sind aber im IQ-Test sehr viele Bereiche dabei, mit denen er gar nichts anfangen kann, bzw. bei denen er die Mitarbeit schlichtweg verweigert. Da wird dann automatisch davon ausgegangen, dass das Kind das "nicht kann" und es kommen entsprechend schlechte Werte raus.

Um - wie deine Tochter - einen Gesamt-IQ von 154 zu erreichen muss man in vielen Bereichen sehr, sehr gut sein. "Nur" das schnelle lesen und die rasche Auffassungsgabe ergeben keinen solchen Wert. Deine Tochter muss auch ein sehr gutes mathematisch-analytisches Denken haben - vermutlich so gut, dass es deshalb nie aufgefallen ist, weil die an sie gestellten Anforderungen immer viel zu niedrig waren.

Ich bin selbst HB mit einem IQ von 143. Und, was mich heute noch wundert, meine Begabungsspitze liegt nicht etwas im sprachlichen Bereich. Das wäre nämlich meine eigene Einschätzung gewesen, weil ich (auch) schnell lesen kann, eine gute Auffassungsgabe habe, außerdem sehr leicht auswendig lerne und großes Interesse an Literatur und Lyrik habe (ich schreibe z.B. seit ich 10 Jahre alt bin Gedichte).

Schulisch war ich DER Underarchiever schlechthin. Das lag vermutlich an meiner (damals nicht erkannten) ADHS, welche sich sehr negativ auf mein Sozialverhalten ausgewirkt hat (Stichwort: mangelnde Emotionskontrolle). Daher wurde mir nach verbummelter Volksschulzeit (immerhin mit Vorzugszeugnis) auf Grund "fehlender sozialer Reife" keine Gymnasiumempfehlung gegeben und ich kam in die Hauptschule, wo ich hoffnungslos unterfordert war und außerdem gemobbt wurde. Abgesehen davon, dass ich auf Grund des Mobbings (bis hin zu Morddrohungen) psychisch sehr belastet war, hatte ich auch keinerlei Eigenmotivation, mehr als unbedingt notwendig für die Schule zu tun. In meinem Hauptschul-Abschlusszeugnis waren von 16 Noten 14 "befriedigend".

Mathe hat mich nie sonderlich interessiert und auf Grund von Schlampigkeitsfehlern hatte ich dort auch nie eine 1. Daher war ich bei ersten IQ-Test, den ich mit 15 selbst aus einem Buch gemacht habe, sehr überrascht über meine Begabungsspitze ausgerechnet im mathematisch-logischen Denken! Ich dachte erst einmal, der Test wäre "falsch", denn ich war der Meinung, wenn ich mathematisch tatsächlich so begabt wäre, hätte ich dort doch lauter 1er schreiben müssen. Rückblickend waren sämtliche Mathe-Fehler von mir schludrigem Arbeiten geschuldet, ich hatte nie irgendwelche Probleme, was zu verstehen. Und Hauptschul-Mathematik ist nun mal so einfach, dass ich dadurch nie herausgefordert wurde oder etwas gefunden hätte.

Viel, viel später, mit ca. 30 Jahren, hat mein damaliger Freund (einer der ersten PC-Freaks) sich in einem Excel-Vorgängerprogramm eine Statistik über seine gefahrenen Radkilometer gemacht. Aber in dem Programm war ein Fehler, so dass das Ergebnis ab der 3. Nachkommastelle nicht mehr stimmte. Mein Ex war verzweifelt und hat die ganze Zeit drüber rumgejammert, bis es mir schließlich zu anstrengend wurde und ich mir kurzerhand eine Formel ausgerechnet habe, mit der dich das Programm so umschreiben konnte, dass alle Nachkommastellen korrekt angezeigt wurden. Wie ich das geschafft habe ist mir heute rückblickend ein Rätsel (ich habe mich noch nie mit programmieren oder ähnlichem beschäftigt). Aber es zeigt mir, dass ich anscheinend doch mathematisch wesentlich mehr kann, als ich selbst sehe.

So ähnlich wird es vermutlich auch mit deiner Tochter sein. Wenn du schreibst, sie sei eine gute Schülerin, aber nicht überragend, dann schau doch einfach mal, WO die Fehler, die sie macht liegen. Vermutlich NICHT daran, dass sie die Aufgaben nicht versteht oder nicht weiß, wie sie diese lösen kann. Sondern eher an Schlamperei, Ängsten (eben die von Dir beschriebene Prüfungsangst) oder einfach im-Kopf-weiter-sein, was die Lehrer oft nicht verstehen. Vor allem für Menschen mit sehr schneller Lese- und Arbeitsgeschwindigkeit ist so ein Schulalltag eine extreme Belastung. Die Anforderungen sind viel zu gering, dazwischen ist sehr viel Zeit totzuschlagen, wo ein sozial angepasstes Kind auch nicht negativ auffallen will, und so muss man sich mühsam über ellenlange Schulstunden retten. Da leidet durchaus auch mal die an sich sehr gute Konzentration und es passieren eben Fehler.

Was ich witzig finde ist dein Ausdruck "Wunderkinder". Ich denke das ist ein komplett anderes Phänomen als Hochbegabung. Ich selbst würde Hochbegabung als "schnell im Kopf" beschreiben. Man weiß das Ergebnis noch bevor die Aufgabe komplett ausgesprochen wurde. Und dann muss man sich dann noch langweilige, umständliche Erklärungen anhören, für etwas, was ohnehin auf der Hand liegt. Daneben stehen dann Schulkollegen, die das Ganze trotz der Erklärungen nicht kapieren und obwohl man es selbst 10x besser erklären könnte als der Lehrer muss man sich zurückhalten um nicht als Streber oder Besserwisser dazustehen. Der Ausdruck "Ich komme mir vor wie ein Alien" und "Ich verstehe die anderen nicht und sie verstehen mich nicht" ist daher sehr treffend. Deine Tochter kann ihre Situation wirklich gut analysieren und beschreiben, was natürlich sie TEILWEISE auch ihren Talenten verdankt, wofür aber andererseits noch viel soziale Kompetenz und Selbsterkenntnis Voraussetzung ist.

Das betrifft auch das "vorführen" der eigenen Fähigkeiten. Während sich andere Kind darin überschlagen, zu zeigen, was sie alles wissen und können, sind gerade bei den Mädchen viele Hochbegabte sehr zurückhaltend. Sie haben längst verinnerlicht, dass das schnell-im-Kopf-sein damit einhergeht, in eine Schublade (z.B. "Streber") geschoben zu werden, und versuchen sich, durch nachmachen anzupassen. Im Gegensatz zu den Rampensau-Kindern hassen sie öffentlich Vorführungen, Prüfungen und ähnliche Situationen, wo man eben zeigen "muss" was man kann. Sinus hat das von ihrer Tochter sehr treffend beschrieben.

"Wunderkinder" sind hingegen Kinder, welche eben EINE Sache ganz herausragend gut können und das auch (meistens gern) zeigen. Die meisten Wunderkinder sind nicht mal hochbegabt (also vom Gesamt-IQ her), sondern haben in IHREN Bereichen Ausnahmebegabungen (z.B. mathematisch, sprachlich, musikalisch, künstlerisch,...). Hinter vielen (nicht allen!) sogenannten Wunderkindern stehen auch ehrgeizige, fördernde Eltern, die gerne in den Vordergrund stellen, was ihr Sprößling ungewöhnliches kann. Und bis zum Beginn der Pupertät lassen sich diese Kinder auch gerne freiwillig vorführen, weil sei dadurch auch die dringend benötigte elterliche Anerkennung bekommen. Mit der Pupertät zeigt sich dann, ob das Vorgeführte im Interesse der Jugendlichen selbst liegt oder ob sie es bis dahin nur gemacht haben, um den Wünschen ihrer Eltern zu entsprechen.

Dagegen sind viele sozial kompetente, hochbegabte Kinder nicht interessiert an Applaus auf Grund außergewöhnlicher Leistungen. Sie schauen hinter die Kulissen und wollen um ihrer selbst Willen geliebt und geachtet werden, nicht weil sie fehlerfrei Chopin spielen können oder den 1. Platz beim Känguruh-Wettbewerb erreicht haben. In diesen Kindern steckt oft auch eine tiefe Unsicherheit, ob sie denn wirklich selbst geliebt werden oder ob es nur ihre Fähigkeiten sind, welche ihre Mitmenschen beeindrucken.
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Re: Unauffällige Hochbegabte?

Beitragvon alibaba » Sa 16. Mai 2020, 15:20

Hallo FamilyUndercover,

mein Kind ist auch ein unauffälliges Kind, zumindest was die Schulnoten zur Höhe der Begabung angeht. Allerdings glaube ich Dir nicht, dass dein Kind nicht auffällt. Dazu fällt mir etwas ein. Der Hundeprofi .... ich sah das neulich im Fernsehen und bin hängen geblieben ..... da erzählte die Dame mit Hund dem Profi ganz stolz, dass ihr Hund schnurrt. Der Profi wollte sich das ansehen und war ganz entsetzt ..... für ihn war das ein Knurren, ein Zähne fletschen und ein eindeutiges Zeichen, dass der Hund das überhaupt nicht möchte. :schwitz:

Was mir in deinen Erzählungen auffällt oder was ich vermisse, wie kommt dein Kind zu Erfolgserlebnissen? Die, die es bestärken. Wo es Gemeinsamkeiten finden kann. Wo es, unabhängig vom Leistungsdruck, etwas Positives mit nimmt. Aus einer Schule nimmt das ja nun nicht Jeder zwangsläufig mit. Hat dein Kind Hobbys? Gemeinsamkeiten mit anderen Teenagern?

Das findet mein 15-Jähriger auch nicht zwangsläufig in der Schule, aber eben in seinen Hobbys. Und das stärkt ihn besser durch das System Schule zu kommen, denn das kann ich nicht ändern, das muss man so nehmen. Und je älter mein Großer wird umso besser passen dann auch die Paarungen. So nimmt er viel Kraft daraus, dass er geschätztes Jugendsknfonieorchestermitglied ist und regelmäßig gelobt und bestärkt wird. Das er gebraucht wird, hört er regelmäßig von den Lehrern der Musikschule. Er ist Juniorstudierender und darf, trotz grottiger schulischer Noten, in Kürze Quantenphysik und Wirtschaftsmathematik belegen ..... und das bestärkt ihn in seinem Tun und vor allem Selbstbewusstsein in der „verhassten“ Schule. Sozusagen der Gegenpol.

Im Übrigen hat mein Teen die Spitze im sprachlichen Bereich und genau dort die schlechtesten Noten. Beim IQ-Test mit 14, hat er sich dort am schlechtesten eingeordnet bevor er die Zahlen dann bekam. Wobei er das beste VERA-Ergebnis des Jahrgangs hatte, sind seine Noten im Fach D und L schlecht. Er wählte L jetzt auch ab und D nur mündlich im Abitur. Du siehst daran, Noten sind nicht immer ein Indikator für die theoretische gemessene Begabung.

Ich hab übrigens auch einen Schnellleser. Ein dicker Wälzer pro Tag ist kein Problem, wenn das Interesse geweckt ist. Prüfungsangst hat ihn auch jahrelang begleitet. Mittlerweile macht ihn das nicht mehr kirre. Er fährt damit gut, nichts zu machen und spontan das Problem anzugehen. Ein aktueller Probtest bescherte ihm 63%, das ist eine 3. Feixend erklärte er mir, was er dafür nicht getan hätte .... und welche Freizeit er damit gewonnen habe. Ich weiß, Mädchen sind da manchmal anders, fast bis zum extremen Gegenteil und Versagensangst.

Ich kann Euch nur mitgeben, dass dein Kind etwas finden soll, woraus sie Kraft für Zukünftliches zieht, was auch immer das bei Euch sein kann.

VG
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Re: Unauffällige Hochbegabte?

Beitragvon Rabaukenmama » Sa 16. Mai 2020, 15:48

Im Anfang liegt alles; weiß die spirituelle Philosophie. Das macht die Geburt zum zentralen Dreh- und Angelpunkt der ganzen Medizin. Interessanterweise wird in der in Deutschland ab dem Jahr 2003 gültigen neuen Abrechnungsordnung alles medizinische Geschehen auf die Geburt bezogen. Vielleicht kann dieser rein verwaltungstechnische Akt auch inhaltlich die Dinge wieder etwas korrigieren und Schwangerschaft und Geburt in den Mittelpunkt des allgemeinen Interesses rücken sowie die Bedeutung der Empfängnis in das Bewusstsein rufen. In diese Richtung zu wirken ist das Anliegen dieses Buches. Es umfasst zwei grundverschiedene Teile und eigentlich zwei Bücher in einem:
ein erstes Buch, das die Chancen und wundervollen Seiten von Schwangerschaft und Geburt darstellt und dazu verhelfen kann, die Möglichkeiten dieser besonderen Zeit zu nutzen und das Lebensgefühl von Mutter und Kind zu heben. Es will dazu beitragen, die großen Wachstumsmöglichkeiten, die in allem Anfang liegen, auszuschöpfen. Es regt dazu an, dem Wort von Hermann Hesse nachzuspüren, wonach jedem Anfang ein Zauber innewohnt.
Auf dem Gegenpol wissen wir aber auch, dass aller Anfang schwer ist. Dieser Erkenntnis widmet sich das zweite Buch, in dem es darum geht, mögliche Schwierigkeiten und Komplikationen im Zusammenhang mit Schwangerschaft und Geburt darzustellen und zu deuten. Ziel ist es, aus solchen Herausforderungen gleich zu Beginn des Lebens die Chancen herauszulesen, sie anzunehmen und an ihnen zu wachsen.
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Re: Unauffällige Hochbegabte?

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Sa 16. Mai 2020, 16:09

@Rabaukenmama

Meine Tochter hatte deutliche Angst, dass sie dank ihrer Fähigkeiten nicht geliebt wird. In einer normalen Gymnasialklasse war sie im Deusch mittelmäßig und las flache Jugendromane. Nach dem Wechsel zu gleich gesinnten kam eine 1 für den Aufsatz und die anspruchsvollere Literatur zum Lesen. Kein Göthe und Schiller, aber tiefgründigere Jugendromane.
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Re: Unauffällige Hochbegabte?

Beitragvon Rabaukenmama » Sa 16. Mai 2020, 16:27

Hallo,

wundert euch nicht wenn unter meinem Namen hier auch Auszüge aus Büchern "erscheinen". Mein jüngerer, gehörloser Sohn möchte nämlich auch gerne im selben Forum schreiben wie ich, und weil man seine Grammatik nicht versteht, schreibt er statt dessen Bücher ab :mrgreen: . Aber ich vermute, dass ihr selbst erkennt, welche Beiträge von mir sind und welche von ihm ;) .
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Re: Unauffällige Hochbegabte?

Beitragvon Rabaukenmama » Sa 16. Mai 2020, 16:33

Die Mama morgen schreiben 7:30 ist Kluge Kinder Forum. Der Alexander fertig schreiben Buch 19 Seiten.
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Re: Unauffällige Hochbegabte?

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Sa 16. Mai 2020, 16:39

Ganz liebe Grüße an Alexander von mir! ;)
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