Bücher zum Thema Hochbegabung & Hochsensibiliät

Gute Bücher, schlechte Bücher

Bücher zum Thema Hochbegabung & Hochsensibiliät

Beitragvon sinus » Mo 18. Mai 2020, 17:19

...ich versuche es mal mit einem Thread, der da vielleicht mal ein bisschen mehr Übersicht verschafft.
(Bisher tauchen Buchempfehlungen hier ja irgendwie ziemlich verstreut auf.)
Gern soll und kann dieser Thread von anderen Usern in ähnlichem Stil ergänzt werden.
Am besten immer nach ähnlichem Muster:

1) Autor + Buchtitel
2) Thema/Schwerpunkte/Inhalt
3) persönliche Meinung/Wertung
sinus
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Re: Bücher zum Thema Hochbegabung & Hochsensibiliät

Beitragvon sinus » Mo 18. Mai 2020, 17:42

Claudia Niklas/Andreas Niklas
"Die Rätselhaften"
Wie Hochbegabte besser mit sich und anderen leben
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Das Autorenpaar, selbst hochbegabt, die Frau als solche erst als Erwachsene erkannt, beschreibt die Besonderheiten, die sich bei (erwachsenen) Hochbegabten finden lassen.
Dabei wird u.a. auf eine "Bochumer Studie" von 2013, von Hossiep und Paschen verwiesen, die mit BIP ("Bochumer Inventar zu beruflichen Persönlichkeitsbeschreibung") gemacht wurde.
Thema der Studie: Berufsbezogene Persönlichkeitseigenschaften Erwachsener.
In dem Buch werden die einzelnen Ergebnisse aus BIP, die bei Hochbegabten in einigen Punkten vom Durchschnitt abweichen, recht ausführlich betrachtet.
(Untersucht wurden u.a. soziale Kompetenzen, psychische Konstitution, berufliche Orientierung. Dabei geht bspw um Punkte wie Teamorientierung, Durchsetzungsfähigkeit, Selbstbewusstsein, emotionale Stabilität, Flexibilität, Gestaltungs- und Leistungsmotivation etc. Das sind jetzt aber nur einige wenige der im Buch und der Studie betrachteten Bereiche)
Die Autoren geben dazu auch Tipps, wie man als Hochbegabter mit seinen durch die Hochbegabung geprägten Eigenschaften bzw Eigenheiten privat und beruflich besser zurecht kommt.
_____________________________________________________________________________________________________
Ich persönlich fand das Buch gut, auch wenn ich in den allerersten Kapiteln spontan erstmal nicht besonders viel Sympathie für die Autoren entwickeln konnte.
Manches kam mir etwas "abgehoben" vor. ("Wir sind ja so besonders...")
Der konkretere Teil des Buches (insbesondere die erwähnte Studie) hat mir sehr gut gefallen, ich habe vieles und auch einige Bekannte/Verwandte dort wiedererkannt und kann die Ergebnisse gut nachvollziehen.
Ich konnte dem Buch einiges entnehmen, was zu einem besseren Verständnis meiner selbst und meiner Tochter und besagter Personen beigetragen hat.
Vor allem im berufliche Bereich, wenn es um Arbeitsverhalten, Verhalten in der Gruppe ging...
Nicht selten hatte ich Aha-Effekte im Sinne von: "Ich dachte immer, das sei vor allem eine Charaktersache, aber womöglich hat es auch mit einer überdurchschnittlichen Begabung zu tun"
Ich habe mich mit einigen Seiten meiner selbst und meiner Tochter durch das Buch ein wenig versöhnt.

Ich kann das Buch für Erwachsene ebenso empfehlen, wie für Eltern schon etwas älterer Kinder. (Teenie/Jugendalter)
Zuletzt geändert von sinus am Di 19. Mai 2020, 15:45, insgesamt 4-mal geändert.
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Re: Bücher zum Thema Hochbegabung & Hochsensibiliät

Beitragvon sinus » Mo 18. Mai 2020, 18:06

Andrea Brackmann
Jenseits der Norm - hochbegabt und hoch sensibel
Die seelischen und sozialen Aspekte der Hochbegabung bei Kindern und Erwachsenen
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Hier geht es insbesondere auch um die "hochsensiblen" Seiten Hochbegabter.
Es wird sehr gut und umfänglich beschrieben, welche Besonderheiten dadurch auftreten und welche Probleme.
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Meinung Sinus:
Für mein Empfinden ein "Standardwerk" zum Thema Hochbegabung & Hochsensibilität was man eigentlich gelesen haben muss, wenn man ein entsprechendes (besonders sensibles) Kind hat oder selbst betroffen ist.
Ein Zusammenhang zwischen hoher Begabung und hoher Sensibiltät ist ja nach wie vor umstritten, darum findet sich/sein Kind evtl. nicht jeder hier wieder.
Für uns aber hat es sehr gut gepasst.
Auch hier habe ich insbesondere mein Kind immer und immer wieder wiedergefunden und das Buch hat mir sehr geholfen, einiges besser einzuordnen und zu akzeptieren.
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Meinung Meine3:
Vor allem gefallen hat mir an dem Buch der Einstieg über die verschiedenen "Typen" von hochbegabten Kindern. Hier wird schon stark in Schubladen gesteckt, aber wenn man dies nicht ZU wörtlich oder ernst nimmt, ist es sehr hilfreich, um ein Bild davon zu bekommen wie vielfältig hohe Begabung sich manifestieren kann. Ebenso steigt sie dann in das Kapitel zur Hochbegabung bei Erwachsenen ein, wo ich mich selbst ein 2 Typen sehr wieder gefunden habe. Es wechseln sich reine Sachthemen mit Erfahrungsberichten ab, so liest sich das Buch sehr abwechslungsreich und kurzweilig. Ihr Schreibstil ist sehr angenehm, nicht zu trocken und geht dennoch in die Tiefe. Sofern man Grundkenntnisse zu den psychologischen Erkrankungen, wie ADHS, Autismus und Co. hat und zum Phänomen Hochbegabung/Hochsensibilität hat, läuft man auch nicht Gefahr bei den entsprechenden Kapiteln etwas falsch zu verstehen, sondern kann hier sein Wissen vertiefen.

Wenn sich jemand allerdings noch NIE mit dem Thema Hochbegabung beschäftigt hat, wäre ein kompakteres, sachlicheres Buch zum einsteigen in die Materie geeigneter. Als 2. Buch zu dem Thema ist es aber unbedingt zu empfehlen. Für mich ist dieses Buch die Bibel für hochbegabte und hochsensible Menschen.
Zuletzt geändert von sinus am Mi 27. Mai 2020, 15:55, insgesamt 4-mal geändert.
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Re: Bücher zum Thema Hochbegabung & Hochsensibiliät

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Mo 18. Mai 2020, 18:21

Ich habe das Buch über Jugendliche hier auch schon mal empfohlen:

https://www.amazon.de/Extrem-beschenkt- ... 211&sr=8-3

Das Buch "Mein Kleiner Orangenbaum" empfehle ich gerne Eltern der Rabauken, die denken, sie können nicht mehr. Mir liefen bei manchen Seiten die Tränen. Es ist kein Sachbuch, sondern ein Roman.

Auch ein Roman ist "Die Göttin der Küsse" von Ippolita Avalli , Autobiographie eines hochbegabten Mädchens.

Aktuell lese ich Elena Ferante, "Meine geniale Freundin". Vieles kann man in Frage stellen, aber grundsätzlich stimmt m.E. das Bild.

Als Beispiel einer extremen Begabung kann ich den Film Roketman über Elton John empfehlen. Ich persönlich fand ihn sehr lebensecht. Dort geht es nicht nur um Talent und Begabung, sondern auch um die Frage der anderen Andersartigkeit.
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Re: Bücher zum Thema Hochbegabung & Hochsensibiliät

Beitragvon sinus » Mo 18. Mai 2020, 18:22

Götz Müller, Herbert Horsch, Hermann-Joseph Spicher
Hochbegabt - und trotzdem glücklich:
Was Eltern, Kindergarten und Schule tun können, damit die klügsten Kinder nicht die Dummen sind
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Hier werden vor allem auch ganz konkret Probleme und die passenden Lösungsansätze/Methoden beschrieben.
Anders als in manchen der anderen Werke geht es - mehr noch als um Eigenschaften und Besonderheiten der Kinder - um die ganz konkrete Probleme, die sich daraus ergeben.
Früheinschulung, psychische Probleme, wie kann gutes/effektives Enrichment im Schulalltag aussehen etc.
Das alles gut strukturiert nach Themen/Alter/Instititionen. (Kindergaren/Schule)
Sogar spannende Themen wie die Malentwicklung kommen (mit Beispielen!) vor.
Für mich kommt es dabei einem echten "Handbuch" recht nahe.
Es richtet sich an Eltern, Erzieher/Lehrer und zum Teil auch ganz direkt an den Hochbegabten selbst.
Das Buch ist wirklich sehr umfänglich und geht sowohl in die Tiefe, als auch in die Breite
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Auch dieses Buch ist für mich ein "Standardwerk" zum Thema. Ein "musst have" für jeden, der hochbegabte Kinder hat oder sonstwie mit ihnen zu tun hat.
Es wurde mir übrigens von der Beratungsstelle empfohlen, wo wir Kind getestet haben.
Es ist das für mich bisher wirklich umfänglichste Buch zum Thema gewesen, mit sehr vielen sehr konkreten Hilfestellungen zu sehr vielen konkreten Problemstellungen.
(Ich wünschte, jede Lehrer oder Betreuungsperson würde dieses Buch lesen... bspw weil da so konkrete und hilfreiche Hinweise zum Lernverhalten und zur Erhaltung der Lernmotivation drin sind.)
Ich habe es auch sehr gern gelesen und durch die gute Struktur sowie viele Abbildungen, Beispiele, Infokästen etc kann man es sowohl linear, als auch quer lesen, darin stöbern oder es als Nachschlagewerk zu einzelnen Themen benutzen.
Zuletzt geändert von sinus am Di 19. Mai 2020, 15:50, insgesamt 8-mal geändert.
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Re: Bücher zum Thema Hochbegabung & Hochsensibiliät

Beitragvon sinus » Mo 18. Mai 2020, 18:35

Katze_keine_Ahnung hat geschrieben:Ich habe das Buch über Jugendliche hier auch schon mal empfohlen:

https://www.amazon.de/Extrem-beschenkt- ... 211&sr=8-3.


...dazu wollte ich sowieso auch noch was schreiben :)

Janneke Breedijk, Noks Nauta, Julia Rau
Extrem beschenkt und sehr sensibel
Hochbegabte Jugendliche – wie sie ticken, was sie brauchen
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Hier geht es um reale Fallgeschichten, die jeweils beispielhaft für einige "Klippen" und Herausforderungen stehen, die ein Hochbegabter im Laufe des Erwachsenwerdens zu bestehen hat.
Dabei kommen die Jugendlichen selbst zu Wort, aber auch ihre Eltern und die behandelnden Psychologen, tw auch Lehrer. Dabei wird auch ganz konkret beschrieben, wie sich das Problem bzw die Herausforderung entwickelt hat und welche Methoden geholfen haben.
Im Grunde ist es also ein Sachbuch "andersrum": Das Phänomen in erster Linie nicht von außen betrachtet, sondern von innen, ausgehend von einer ganz konkreten Person aufgezogen. Dabei wird dann aber quasi nebenbei viel Fachwissen und Information mitgeliefert.
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Ich persönlich fand die Bandbreite der Fallgeschichten besonders gut, man erkennt deutlich, dass es "den Hochbegabten" und "die typischen Probleme" gar nicht so eindeutig gibt und dass jeder Einzelne seine ganz eigenen Herausforderungen, die aus dem Charakter, aber auch aus der hohen Begabung, hoher Sensibilität, Passungsproblemen etc. entstehen können, zu meistern hat.
Es geht dabei wirklich vor allem um Jugendliche, die in der Pubertät stecken und/bzw mit den ganz speziellen Herausforderungen zu tun haben, die das Erwachsenwerden so mit sich bringt.
Ganz konkrete Hilfestellungen für mein eigenes Kind fand ich darin jetzt vorerst nicht ganz so viele, wie in einigen anderen Büchern, aber meine Tochter ist ja mit gerade erst 11 Jahren noch nichtmal ein Teenager.
Aber auf jeden Fall ist es interessant zu lesen und informativ zugleich.
Und es ist mal eine andere Perspektive als die, die eher von außen und eher auf die Gruppe der Hochbegabten schaut, wie man sie in vielen anderen Büchern zum Thema findet.
(Da eben um jeweils eine einzelne Person geht)
Zuletzt geändert von sinus am Di 19. Mai 2020, 09:47, insgesamt 5-mal geändert.
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Re: Bücher zum Thema Hochbegabung & Hochsensibiliät

Beitragvon sinus » Mo 18. Mai 2020, 20:06

Aiga Stapf
Hochbegabte Kinder
Persönlichkeit, Entwicklung, Förderung
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Ein sehr umfassendes Buch mit unglaublich viel Sachwissen und Ergebnissen vieler Untersuchungen/Forschungen und Studien aus den diversen Lebensbereichen.
Die Kapitel heißen bspw: Was heißt hochbegabt?; Zur Persönlichkeit hochbegabter Kinder und Jugendliche; Hochbegabte Mädchen und Jungen: ein Geschlechtervergleich; Zur Entwicklung hochbegabter Kinder; Psychologische Diagnostik und Beratung; Hochbegabte in ihrer Familie; Hbs im Kindergarten; Hbs in der Schule; Peers"
Dabei wird wirklich sehr in die Tiefe gegangen, bspw werden die verschiedenen Tests recht genau vorgestellt, auch Themen/Thesen betrachtet, die zunächst mal seltsam klingen ("Körperliche Merkmale und physische Attraktivität; Sind Frauen intelligenter?; Körperliche Merkmale, Sinnesleistungen und Motorik; Interessen;" - das ein paar Beispiele aus den Kapiteln zur Persönlichkeit und dem Geschlechtervergleich )
Dabei geht es dann aber innerhalb der Kapitel immer um Studienergebnisse und weniger um "Meinungen" und Thesen.
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Auch das ein "Standardwerk", wenn auch nicht mehr ganz "jung" (Erstausgabe 2003, allerdings regelmäßig aktualisiert)
Es gibt einen guten Überblick zum Thema, liest sich aber recht "wissenschaftlich" und trocken.
Das ist es wohl auch, aber ich halte das unbedingt auch für eine Stärke des Buches, zumal es inzwischen gefühlt sehr viel mehr populärwissenschaftliche "leicht verdauliche" Werke zum Thema Hochbegabung gibt.
Das Buch liest sich also nicht so einfach weg, wie manch andere Bücher zum Thema, ich habe es aber über Jahre hinweg immer wieder zur Hand genommen und zu bestimmten Themen nochmal nachgelesen, was "die Wissenschaft" dazu sagt.
Das war übrigens mein erstes Buch zum Thema und ich hab mein damals noch Kleinkind schon zu der Zeit darin wiedergefunden.
Auch in der Phase, wo ich eine Hochbegabung meiner Tochter anzweifelte (Grundschulzeit), war es das Buch, was mich dann wieder darin bestärkte, dass da doch was dran sein müsse, weil so vieles passte.
Zuletzt geändert von sinus am Di 19. Mai 2020, 16:17, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Bücher zum Thema Hochbegabung & Hochsensibiliät

Beitragvon sinus » Di 19. Mai 2020, 10:32

Dietrich Arnold, Franzis Preckel
Hochbegabte Kinder klug begleiten
Ein Handbuch für Eltern
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Ebenfalls im Rahmen von Kinds Testung und der Beratung wurde uns dieses Buch empfohlen
Darin wird man über "psychologisches" Grundwissen (Modelle der Selbstwahrnehmung z.B.) bis hin zu bestimmten Techniken geführt, z.B. für die Konfliktlösung, für eine realistische Zielformulierung (z.B. als Stufenmodell für solche Kinder, die sich oft viel zu hohe Ziele setzen: "Auf welcher Stufe einer Treppe zu deinem Ziel stehst du grad? Wie bis du dahin gekommen? Was ist die nächste Stufe?"), zielorientierter Problemlösung, Skalierung zur Einschätzung des Ausmaßes von Problemen und Emotionen, Stärkung von Selbstwertgefühl, Reframing bei der Wahrnehmung der Umwelt...
Es kommt bisschen wie ein Lehrbuch daher. Man findet u.a. auch zahlreiche Tabellen und Modelle, sowie Fallgeschichten und Beispiel-Dialoge.
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Obwohl ich inzwischen schon einiges über Hochbegabung gelesen habe, hat dieses Buch mir noch mal ganz neue Ansätze gebracht und wartet neben Hintergrundwissen mit vielen konkreten Tipps auf, wie man mit so einigen der "typischen" Probleme im Alltag mit klugen Kindern umgehen kann. Dabei handelt es sich aber nicht selten um "Psycho-Methoden": Methoden der Stressbewältigung, Methoden zur Motivationsförderung usw
Mir persönlich kommen aber die Methoden oft so vor, als könnte ich sie im Familienalltag nur begrenzt einsetzen und als entstammen sie eher einer professionellen Arbeit mit Kindern. (also therapeutischer Arbeit, viele haben sogar einen extra Namen, bspw die KLIKK-Methode.)
Da ich als Mutter aber keine Therapeutin bin, und ein kluges Kind solche Methoden entweder von sich aus anwenden wollen/annehmen muss, oder das Ganze sonst schnell durchschaut und boykottiert, zweifele ich für uns daran, allzuviel davon im Alltag effektiv einsetzen zu können.
Aber gerade für alle psychologisch Interessierten (zu denen ich mich zähle) ist es auf jeden Fall lesenswert.
Zuletzt geändert von sinus am Di 19. Mai 2020, 16:22, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Bücher zum Thema Hochbegabung & Hochsensibiliät

Beitragvon sinus » Di 19. Mai 2020, 10:50

Gabriele Gorny
Elterntraining Hochbegabung:
Fit für Ihr schlaues Kind in drei Tagen
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Ein zwar dünnes, aber durchaus gehaltvolles Heft, um einen guten Überblick zu bekommen, eine Art Kompendium zum hochbegabten Kind.
Was treten für Besonderheiten auf und worauf muss ich ggf achten.
Aus persönlicher Sicht einer Mutter hochbegabter Kinder geschrieben.
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Dieses mehr Heftchen als Buch kann man gut an einem Nachmittag durchlesen, aber ich fand es trotzdem unbedingt eine lohnenswerte Anschaffung und habe es auch schon zum wiederholten Male in der Hand gehabt.
Es ist quasi das Pendant zu Aiga Stapf - eher persönlich, darum ohne Anspruch auf Wissenschaftlichkeit, leicht verdaulich, kurz gehalten.
Es fasst alles nochmal gut zusammen, so dass sich aus den viele Einzelteilen, die ich tw über Jahre erlebt und beobachtet habe, ein schlüssiges Gesamtbild ergab für mich.
Da sah ich dann so viele meiner eigenen Beobachtungen bestätigt und ich habe so vieles wiedergefunden, dass es mich persönlich auch in meiner Wahrnehmung bestärkt hat, so dass ich danach mehr auf mich und mein "Bauchgefühl" und Urteilen vertrauen konnte.
Ich habe darin auch recht viele Textstellen angemarkert, um mich an gewisse Dinge zum erinnern, die einem im Alltag mit so einem Kind oft begegnen und was ich mir dann vor Augen halten möchte.

Ich finde es auch sehr sympathisch geschrieben, es ist wie ein gutes Gespräch mit einer anderen Betroffenen (als Elternteil), die einem einfach schon einige Erkenntnisse und Erfahrungen voraus bzw schon etwas mehr Überblick hat.
Vieles im Buch wusste und kannte ich wie schon gesagt natürlich schon, aus anderen Büchern, aus dem eigenen Alltag und eigenen Erfahrungen und Gedanken/Schlussfolgerungen dazu, aber hier ist es nochmal schön und einfach zusammengefasst.
Ich fand es auch recht positiv, es macht einem keine Angst, dass man da irgendwas nicht wuppen könnte.
Darum finde ich, ist es das perfekte Buch für den ersten Einstieg ins Thema, für jeden, der sich das erste Mal mit dem Thema konfrontiert sieht.
Zuletzt geändert von sinus am Mi 27. Mai 2020, 15:57, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Bücher zum Thema Hochbegabung & Hochsensibiliät

Beitragvon sinus » Di 19. Mai 2020, 11:27

Elaine Aron
Das hochsensible Kind
Wie Sie auf die besonderen Schwächen und Bedürfnisse Ihres Kindes eingehen
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Elaine Aron hat als erste das Phänomen "Hochsensibilität" als solches erkannt bzw beschrieben.
Laut ihr betrifft es ca. 20% der Menschen und ist ein eigenes Persönlichkeitsmerkmal, was sich bspw von der "Introversion" unterscheidet.
(Laut ihr gibt es bspw auch extrovertierte, abenteuerlustige Hochsensible.)
Aron beschreibt die Besonderheiten Hochsensibler, die übrigens denen vieler Hochbegabter ähneln.
Sie vertritt die These, dass Hochsensibele mehr aufnehmen und diese Informationen tiefer verarbeiten und darum auch schneller überfordert sind und sich bspw eher mal zurückziehen oder heftiger reagieren, was dann als "hochsensibel" im Sinne von "empfindlich" nach außen wahrgenommen wird.
Allerdings sind diese Menschen eher "empfindsam"/sensitiv, als empfindlich.
(Einen handfesten Nachweis, also dass sich dieses Merkmal in einer bestimmten Hirnstruktur/einer im Hirnscan erkennbaren anderen Art der Verarbeitung im Gehirn zeigt, gibt es wohl noch nicht)
Sie beschreibt das alles sehr ausführlich und schlüssig, es gibt im Buch auch Fallgeschichten und Erfahrungsberichte und es gibt Tipps und Hinweise, wie man als Eltern (oder auch Lehrer) hochsensibler Kinder damit umgehen kann.
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Diese Buch war - lange vor dem IQ-Test - für uns ein echtes "Erweckungserlebnis" - aus vielen kleine Puzzleteilen an "Marotten" und Besonderheiten meiner Tochter bildete sich nun plötzlich ein stimmiges Gesamtbild, in das all das erstaunlich gut reinpasste.
Nachdem ich das Buch gelesen habe, konnte ich meiner Tochter vieles erklären, wo sie selbst sich schon als "anders" und "nicht normal" empfunden hat und wo ich selbst sogar tw schon an eine milde Form von Autismus gedacht hatte.
(wo es tatsächlich eine Überschneidungen zu geben scheint bzw eine Theorie - Vgl. Henry Markram - ja besagt, dass Autismus eine extreme Form von Hochsensiblität sein könnte, also eine völlige Überreizung zu autistischem Verhalten führt)
Sehr hilfreich fand ich die positive Betrachtungsweise, also wie wichtig genau diese Menschen, die in Gruppen eher im Hintergrund bleiben, für eine Gruppe/Gesellschaft sind.
Für mein tierliebes Naturkind (auch eine typische Eigenschaft Hochsensibler!) fand ich das Bild der Rehe am Rande einer Lichtung sehr eindrücklich:
Die einen laufen los, um das saftiges Gras dort zu fressen. Ggf werden sie als einzige satt, vielleicht aber auch vom Raubtier gerissen.
Die Hochsensiblen zögern, wittern, sind vorsichtiger und nehmen erstmal alles um sich herum auf. Ggf. bekommen sie so weniger des guten Futters, haben aber dafür bessere Chancen, einem Angriff zu entkommen und können die anderen sogar warnen, wenn Gefahr droht.
Auch konnte ich meinem Kind ihr vorsichtiges Verhalten positiver darstellen: Sie sei mitnichten ein ängstliches Kind (wie sie selbst sich oft empfand), sondern einfach ein Kind, was vorsichtiger ist, weil sie mehr Gefahrenbewusstsein als viele andere hat, mehr nachdenkt, was passieren könnte.

Nachdem ich das Buch gelesen habe, habe ich jedenfalls sehr viele Gespräche dazu mit dem Kind (damals 7 Jahre alt) geführt, was ihr definitiv geholfen hat, sich besser zu verstehen.
Und mir hat es geholfen, einige ihrer Besonderheiten, die mir lange tw unverständlich waren, besser zu akzeptiren.
(bspw ihre extreme Mäkeligkeit ... als Folge schnell übereizter Geschmacksnerven; ihre Ablehnung bestimmter Kleidungsstücke/Eigenschaften an Kleidung; ihr Unwillen gegenüber größeren Gruppen/die Rückzüglichkeit; geringe Offenheit für neue Erfahrungen; ungewöhnlich starke Wutausbrüche meines sonst doch so vernünftigen Kindes; die für mein Empfinden oft übertriebenen Reaktion auf unschöne Erlebnisse, ihre Überempfindlichkeit bei Handlungen/Bemerkungen anderer, die sie allzu schnell auf sich selbst bezieht ...)
Vieles davon wird bei klinischer Betrachtung übrigens als "Neurotizismus" bezeichnet.
Ich finde "Hochsensibilität" aber viel passender und positiver...
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