Matheproblem meiner Tochter/Lehrergespräch: RAT?

Probleme und Lösungen für den Schulalltag

Re: Matheproblem meiner Tochter/Lehrergespräch: RAT?

Beitragvon charlotte12 » So 14. Jun 2020, 12:07

Waldorf gibts, sogar mit Abiturmöglichkeit. Da kenne ich leider niemanden, den ich privat mal befragen kann.

Waldorf ist eine komplett eigene Welt. Meine Tochter war "nur" im Waldorf-Kindergarten, ich kann daher nur indirekte Eindrücke von der Schule beisteuern. Waldorf unterrichtet keine Anthroposophie, sie lebt sie. Dh. um sich dort wohl zu fühlen, muss man entweder von Steiner und seinen Theorien überzeugt sein, sich ganz darauf einlassen und selbst in dieser Art denken. Oder man vertraut alternativ ohne nachzudenken, dass das, was die da machen, schon richtig sein wird, und liest gar nichts nach (was sinus unter Garantie nicht machen wird :D ). Die Anthroposophie hat eine ganz eigene Art von "Religion" (Steiner war Theosoph), eine Mischung aus Christentum mit fernöstlichen, esoterischen, Einschlägen, sehr okologisch/bio, Handystrahlung usw. ist sehr gefährlich, Impfen ist problematisch, bei uns im Kindergarten wurden zeitweise die Kinder angehalten, sich mit einem speziellen Öl die Hände einzureiben, das Handystrahlung neutralisiert, bei Verletzungen gab es Arnika-Globuli und solche Dinge. Da muss man der Typ dafür sein. Malen und Kunst wird großgeschrieben, aber es ist eine spezielle Art zu zeichnen, mit festen Regeln. Waldorf-Gemälde erkenne ich auf zehn Meter Entfernung. Der Himmel wird über die Ecken ausgezogen, die Figuren sind verschwommen, gerne ohne Gesichter, usw. Die Kinder müssen viel abschreiben, abmalen, dürfen erst ab einem gewissen Alter Details malen. Meine Tochter war im Kindergarten todunglücklich, weil sie wöchentlich mit Wasserfarben auf nassem Papier malen mussten, und ihre Buchstaben so verschwammen, dass sie nicht mehr zu lesen waren :) Was ich sagen möchte - es ist keine freie Kunst, es ist stark reglementiert. Das Wort "frei" hat in der Anthroposophie eine ganz andere Bedeutung als landläufig, "frei" bedeutet, dass das Kind sich so entwickeln "darf" bzw. dahin gedrängt wird, wie Steiner vorgesehen hat. Natur spielt in Waldorf-Einrichtungen eine große Rolle, es gibt lange keine Noten, das stimmt. Aber es ist eben ein extrem rigides System, das so lange super ist, so lange sich ein Kind so entwickelt, wie von Steiner vorgesehen. Das Fiese an der Sache ist, dass es immer schwieriger wird, aus dem System wieder rauszukommen, je länger man drin ist, und man oft nicht gleich merkt, wenn es nicht passt.
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Re: Matheproblem meiner Tochter/Lehrergespräch: RAT?

Beitragvon sinus » So 14. Jun 2020, 14:49

Katze_keine_Ahnung hat geschrieben:All die alternativen Schulen ohne Druck bieten sehr viel Konfliktpotential an. Manchen Eltern fällt irgendwann ein, dass die Kinder doch was abliefern müssen. Dann wird die Schule beschuldigt, es nicht geleistet zu haben. Daher sind hässliche Geschichten mit vorsicht zu genießen.


Ja schon klar. In dem Fall war es aber eine menschlich schlimme Geschichte. Wo sie ihren eigenen Grundsätzen gänzlich zuwiderhandelten und einem Kind, was wegen einer familiär schwierigen Situation (ernsthafte Erkrankung) eigentlich ganz besonders Unterstützung gebraucht hätte, einfach "kündigten".
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Re: Matheproblem meiner Tochter/Lehrergespräch: RAT?

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » So 14. Jun 2020, 15:23

@sinus

Das charakterisiert nicht das System an sich, sondern konkrete Persönlichkeiten, die so gehandelt haben. Ich hatte selbst eine grausame Geschichte mit dem Schulpsychologen an der statlichen Schule. Es ist noch kein Grund, das ganze System anzuzweifeln. Wobei eines finde es doch sehr charakteristisch und beiden Fällen gemeinsam: die Lehrer sind in D. unantastbar. Sie dürfen fast alles machen, ohne das ihnen was geschieht.

Was Waldorf betrifft, ein Kind mit so einem Schutzschild wie deine Tochter kann dem Druck wiederstehen. Außerdem ist die Umsetzung der antroposophischen Lehre äußerst unterschiedlich, je nachdem wer am Steuer ist. Das kann man erst durch direktes Beobachten oder Gespräche mit den Eltern/Lehrern rausfinden. Ich halte nichts von Antroposophie, aber meine Großen wurden in einem antroposophischem Krankenhaus geboren, und ich war mit der Behandlung dort, im Gegensatz zu der Uniklinik die mir sonst drohte, mehr als nur zufrieden. Während in der Uniklinik Patienten wie Möbeln behandelt und wahrgenommen wurden, lagen meine Großen in einer Zwillingsholzwiege mit einem rosa Himmel. Es gab ein Familienzimmer, in das nicht nur Vater, sondern auch ältere Kinder hätten einzihen können. Und als eines der Zwillinge auf die Intensivstation musste, gab es dort alles dazu notwendige aus dem Arsenal der Schulmedizin. Die Krankenschwester aus der Intensiv haben meinem Kind sofort eine Wohlmütze verpasst, damit das Kindchen nicht friert, und als ich mein Baby das erste Mal im Zustand besuchte, denkten sie alle Kanülen mit einem Kuscheltuch ab, damit ich beim ersten Anblick nicht zusammenbreche. Alles hängt wie immer nicht vom Schild sondern von konrekten Menschen ab. Ich kann mir gut vorstellen, dass auch unter Waldorflehrer es genug Leute gibt, die Kinder mehr lieben als das Konzept.
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Re: Matheproblem meiner Tochter/Lehrergespräch: RAT?

Beitragvon alibaba » So 14. Jun 2020, 15:29

Ach @sinus .... ich fühle mit deiner Tochter.

Ich würde deinem Kind die Schmach ersparen und die Klasse wechseln. Keine MINT-Vertiefungsklasse mehr ab Klasse 6. Entweder halt innerhalb der Schule oder andere Schule.

Du möchtest ein fröhliches Kind? Ein Kind was Freude am Tun hat und gerne sich bewiesen möchte. Dann ist sie da richtig wo nicht der vermeintliche IQ sie einordnet, sondern sie sich selbst. Wenn Sie gerne in Richtung Kunst gehen würde, dann solltest Du Sie genau da unterstützen. Bedenke, dein Kind muss in die Schule gehen, nicht Du oder jemand anderes.

Natürlich kann Mathe auch in einer anderen Schule schlecht laufen, aber Kraft ziehe ich dann aus den Dingen, die mir unbenommen viel Freude am Tun bescheren. Gerade weil deine Große auch zu Selbstzweifeln neigt.

Ein „Bruch“ ist glaube ich für das Kind nicht schlimm, eher befreiend, nur Du denkst „versagt“ zu haben. Da muss man sich befreien. Scheiß jetzt auf die Noten und das „elitär besondere“ der aktuellen Schule und gesteh deiner Tochter das zu, was sie möchte. Die werden alle ihren Weg gehen - alle. Aber wichtig für Euch und eure Beziehung ist das verstehen der Wünsche deines Kindes und die sollten nie mit dem IQ in einer Beziehung stehen. Betrachte und reagiere mit deinem Gefühl und nicht mit dem Wissen um den IQ.

Wie ich schon so oft schrieb und von den Meisten hier missverständlich interpretiert wurde, von einer Schule darfst Du nichts erwarten. Dem Lehrer sind die Kinder egal. Es gibt eine Note - fertig. Kommt man nicht mit oder hat Probleme, reden die Lehrer nur immer sehr schön, aber es tut sich nichts. Es zählt alleine die Note. Ist hier nicht anders. Auch hier ist der kognitive Druck sehr hoch, Musik Kl.9 war hier schon „Abitur“, auf jeden Fall Mathe Klasse 10 Abituraufgaben. Durch G8 eh noch mal komprimiert.

Freude am lernen braucht man das ganze Leben. Eine Schule vergeht, die Hintergründe bleiben. Wenn man lernen mit Stress verbindet, verleidet es einen den weiteren Lernweg.

Ich denke nicht, dass dein Kind Asperger hat oder eine andere Einschränkung. Da kann ich nichts lesen. Nur das MINT passt eben einfach nicht zu deinem Kind, dessen Neigungen eben in eine andere Richtung gehen. Und hier solltest Du dein Kind unterstützen, sonst quält Ihr Euch durch die noch vielen Schuljahre.
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Re: Matheproblem meiner Tochter/Lehrergespräch: RAT?

Beitragvon sinus » So 14. Jun 2020, 16:27

Katze_keine_Ahnung hat geschrieben:@sinus

Das charakterisiert nicht das System an sich, sondern konkrete Persönlichkeiten, die so gehandelt haben. Ich hatte selbst eine grausame Geschichte mit dem Schulpsychologen an der statlichen Schule. Es ist noch kein Grund, das ganze System anzuzweifeln.


Schon klar, aber genau diese spezielle Schule (nicht Schulform) kommt daher für uns überhaupt nicht in Frage.
Da war auch nicht nur ein Lehrer beteiligt, sondern auch die Schulleitung/die Verwaltung.
Das Kind bzw die Familie war denen zu schwierig und sie wollten es einfach nur loswerden. Keiner hat sich für das Kind interessiert und um das Kind bemüht, was umso bitterer ist, dass sie das explizit so kommunizierten, dass jedes einzelne Kind wichtig sei und wie sie sich um deren individuellen Bedürfnisse kümmern etc pp.
War in dem Moment, wo das Kind nicht mehr passte (aus Gründen, die absolut nachvollziehbar waren und für die es nichts konnte), dann plötzlich unwichtig.
Es handelte sich übrigens um keinen "Systemsprenger", sondern einfach nur um ein Kind in einer schwierigen Lebensphase.
(Nach dem Schulwechsel war es dann übrigens völlig unauffällig, wurde sogar für seine Sozialkompetenz besonders gelobt)

Ich fürchte, in solchen Schulform sammeln sich tw Menschen, die zwar was anders machen wollen, dabei dann aber letzten Endes sogar zu mehr satt weniger Engstirnigkeit neigen.

Eine Kollegin hat ihr Kind im Waldorfkindergarten. Die Geschichten sind auch nicht gerade vertrauenserweckend.
Ich bin sehr offen für alternative Ansätze, mit dem "normalen" Schuls-System alles andere als glücklich, aber ich bin auch da auch vorsichtig und kritisch. Ohne ich eingehend damit beschäftigt zu haben, werde ich da gesichert keine "Experimente" machen.

Meine Oma war übrigens auf einer Rudolf-Steiner-Schule. In den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts.
Damals war das allerdings total fortschrittlich.
Zuletzt geändert von sinus am So 14. Jun 2020, 16:42, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Matheproblem meiner Tochter/Lehrergespräch: RAT?

Beitragvon sinus » So 14. Jun 2020, 16:39

alibaba hat geschrieben:Ach @sinus .... ich fühle mit deiner Tochter.

Ich würde deinem Kind die Schmach ersparen und die Klasse wechseln. Keine MINT-Vertiefungsklasse mehr ab Klasse 6. Entweder halt innerhalb der Schule oder andere Schule.

Du möchtest ein fröhliches Kind? Ein Kind was Freude am Tun hat und gerne sich bewiesen möchte. Dann ist sie da richtig wo nicht der vermeintliche IQ sie einordnet, sondern sie sich selbst. Wenn Sie gerne in Richtung Kunst gehen würde, dann solltest Du Sie genau da unterstützen. Bedenke, dein Kind muss in die Schule gehen, nicht Du oder jemand anderes.

Natürlich kann Mathe auch in einer anderen Schule schlecht laufen, aber Kraft ziehe ich dann aus den Dingen, die mir unbenommen viel Freude am Tun bescheren. Gerade weil deine Große auch zu Selbstzweifeln neigt.

Ein „Bruch“ ist glaube ich für das Kind nicht schlimm, eher befreiend, nur Du denkst „versagt“ zu haben. Da muss man sich befreien. Scheiß jetzt auf die Noten und das „elitär besondere“ der aktuellen Schule und gesteh deiner Tochter das zu, was sie möchte. Die werden alle ihren Weg gehen - alle. Aber wichtig für Euch und eure Beziehung ist das verstehen der Wünsche deines Kindes und die sollten nie mit dem IQ in einer Beziehung stehen. Betrachte und reagiere mit deinem Gefühl und nicht mit dem Wissen um den IQ.

Wie ich schon so oft schrieb und von den Meisten hier missverständlich interpretiert wurde, von einer Schule darfst Du nichts erwarten. Dem Lehrer sind die Kinder egal. Es gibt eine Note - fertig. Kommt man nicht mit oder hat Probleme, reden die Lehrer nur immer sehr schön, aber es tut sich nichts. Es zählt alleine die Note. Ist hier nicht anders. Auch hier ist der kognitive Druck sehr hoch, Musik Kl.9 war hier schon „Abitur“, auf jeden Fall Mathe Klasse 10 Abituraufgaben. Durch G8 eh noch mal komprimiert.

Freude am lernen braucht man das ganze Leben. Eine Schule vergeht, die Hintergründe bleiben. Wenn man lernen mit Stress verbindet, verleidet es einen den weiteren Lernweg.

Ich denke nicht, dass dein Kind Asperger hat oder eine andere Einschränkung. Da kann ich nichts lesen. Nur das MINT passt eben einfach nicht zu deinem Kind, dessen Neigungen eben in eine andere Richtung gehen. Und hier solltest Du dein Kind unterstützen, sonst quält Ihr Euch durch die noch vielen Schuljahre.


Klasse wechseln macht keinen Unterschied, sämtliche Klassen sind dort gleich profiliert.
Diese Woche habe ich erstmal noch einen Telefontermin mit der im Bekanntenkreis viel gelobten Beratungsstelle zur Begabtenförderung, nächste Woche dann einen gemeinsamen (Kind + ich) Termin mit der Schulpsychologin. Danach sehen wir weiter.
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Re: Matheproblem meiner Tochter/Lehrergespräch: RAT?

Beitragvon Auguste » So 14. Jun 2020, 17:00

@ sinus
Nachdem ich mir jetzt alles durchgelesen habe, komme ich auch zu dem Ergebnis, dass Deine Tochter auf der Schule eher nicht glücklich werden wird - es sei denn, sie findet einen Weg, wie ihr Mathe doch noch Spaß macht. Ich bin gespannt, was die Schulpsychologin sagt.

Meine Tochter hatte ja auch lange ein Mathe-Problem. Das ging so weit, dass sie wegen Bauchschmerzen nicht mehr in die Schule wollte, wenn sie Mathe hatte. Heulerei, Streiterei bei den Hausaufgaben, "Ich bin zu doof dafür", "Ich begreife das nie" usw. Nach den Winterferien haben wir sie dann für Nachhilfe angemeldet - sie wollte das dann aber auch selbst.

Mein Kind kam letztens aus der Schule "Mama, ich hab heute Mathe in der Schule verstanden" und noch besser: "Der Mathe-Lehrer hat mich in der anderen Gruppe (Corona-bedingt geteilte Klasse) namentlich erwähnt, weil ich eine besonders kreative (und richtige!) Idee in Mathe hatte und die X, die sonst immer nur 1er schreibt, kam nicht drauf" ;)

Für mein Kind war Mathe-Nachhilfe der richtige Weg. Keine Bauchschmerzen mehr, keine Angst vorm Mathe-Unterricht. Dank der Nachhilfe-Lehrerin hält sich mein Kind auch nicht mehr für blöd und hat festgestellt, dass sie in Physik nun auch besser klar kommt :) Ihr Selbstbewusstsein hat einen ordentlichen Schub bekommen :D

Der Mathe-Lehrer in der Schule ist übrigens auch sehr nett und hilfsbereit (wie der von Deiner Tochter anscheinend auch), nur versteht meine Tochter einfach seine Erklärungen nicht. Damit ist sie übrigens nicht allein. In der Nachhilfeschule hat sie mehrere ältere Schüler getroffen (m/w/d), die auch bei dem Lehrer Mathe hatten und mit seiner Art zu erklären, überhaupt nicht klar kamen. Man wünschte ihr regelmäßig "herzliches Beileid", wenn sie sagte, wer ihr Mathe-Lehrer ist. :schwitz: Nur ist meine Tochter auf einem "0815-Gymnasium", bzw. in einer "0815-Klasse" und hat nicht noch "Extra-Mathe".

Für Deine Tochter ist die Situation nun echt blöd. Einerseits hat sie endlich passende Freundinnen gefunden, dafür passt das Schulprofil eher nicht. Ob das nun auf einer alternativen Schulform besser wäre? Wenn es dumm läuft, dann passt der Unterricht, aber sie findet dort wieder keine Mädels, die zu ihr passen.

Möglicherweise wäre auch das 0815-Gymnasium gar nicht so übel. In den Klassen gibt es sicher auch mehr oder weniger begabte Kinder und der Leistungsdruck ist nicht so hoch wie auf dem MINT-Gymnasium. Im 0815-Gymnasium kommst Du halt auch mit Mathe-4 und ohne Wettbewerbe oder Wissenschaftsprojekte bis zum Abi. Da kannst du "in der Masse verschwinden" und einfach "normal" sein.

Ich wünsche Euch, dass Euch das Gespräch mit der Schulpsychologin weiter bringt.

Gruß
Auguste
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Re: Matheproblem meiner Tochter/Lehrergespräch: RAT?

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » So 14. Jun 2020, 17:24

@Auguste

Schulen, die wie diese Matheschule einen Aufnahmetest verlangen, üben auf die umliegenden Schulen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf. Während an einer Schule sich begabte Kinder sammeln, häufen sich schwächere Schüler in den anderen Schulen. Ich würde von einer 0815 Schule in diesem Fall nicht zu viel erwarten. Vor allem jetzt in (nach) der Coronakrise wird das Bildungssystem noch lange versuchen den Verlust der Unterrichtsstunden bei schwächeren krampfhaft auszugleichen. Ich schätze dass mindestens 20% der Schüler aller Schulformen ab jetzt ein dickes Problem mit dem System haben. Keiner hat sich bis jetzt darüber Gedanken gemacht, es wird einfach verschwiegen. Es wird in den nächsten Monaten und Jahren kein Potential mehr geben um die Sonderwünsche nach Oben zu berücksichtigen. Ich weiß nicht, wie sinnvoll es ist konkret zu diesem Zeitpunkt die starke Schule zu verlassen.

... und bei all Gedanken um den Wechel darf man nicht vergessen, dass Sprachfolge sehr unterschiedlich sein kann. Wir haben hier drei Jahre Latein Aufholen hinter uns, und es ist schon nicht unaufwendig.
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Re: Matheproblem meiner Tochter/Lehrergespräch: RAT?

Beitragvon Auguste » So 14. Jun 2020, 20:12

Katze_keine_Ahnung hat geschrieben:@Auguste

Schulen, die wie diese Matheschule einen Aufnahmetest verlangen, üben auf die umliegenden Schulen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf. Während an einer Schule sich begabte Kinder sammeln, häufen sich schwächere Schüler in den anderen Schulen. Ich würde von einer 0815 Schule in diesem Fall nicht zu viel erwarten. Vor allem jetzt in (nach) der Coronakrise wird das Bildungssystem noch lange versuchen den Verlust der Unterrichtsstunden bei schwächeren krampfhaft auszugleichen. Ich schätze dass mindestens 20% der Schüler aller Schulformen ab jetzt ein dickes Problem mit dem System haben. Keiner hat sich bis jetzt darüber Gedanken gemacht, es wird einfach verschwiegen. Es wird in den nächsten Monaten und Jahren kein Potential mehr geben um die Sonderwünsche nach Oben zu berücksichtigen. Ich weiß nicht, wie sinnvoll es ist konkret zu diesem Zeitpunkt die starke Schule zu verlassen.

... und bei all Gedanken um den Wechel darf man nicht vergessen, dass Sprachfolge sehr unterschiedlich sein kann. Wir haben hier drei Jahre Latein Aufholen hinter uns, und es ist schon nicht unaufwendig.


Es gehen doch nicht alle schlauen Kinder auf die Begabten-Schulen. Bei uns gibt es Leistungs- und Begabungsklassen in ausgewählten Gymnasien. Da wechseln die Kids ab der 5. Klasse hin. Zugang nur mit Aufnahmeprüfung. Alle anderen Kinder wechseln bei uns erst zur 7. Klasse auf die weiterführenden Schulen.

Für meine Tochter war es damals undenkbar, sich für die Begabungsklasse zu bewerben. Sie wollte einfach ihre alte Klasse und Schule nicht verlassen, weil sie dort glücklich war und ihre Freunde hatte. In den normalen Klassen an diesem Gymnasium sind trotzdem begabte Kinder, weil eben nicht alle begabten Kinder diesen Spezialweg gehen. Und genauso wird es begabte Kinder auch bei Sinus an den 0815-Gynasien geben, die nicht auf diese Begabten-Schulen wollten oder vielleicht auch den Aufnahmetest nicht geschafft haben.

Nicht jedes begabte Kind braucht in der weiterführenden Schule (insbesondere am Gymnasium) auch noch Extra-Förderung. Der Stoff ab der 5. Klasse ist an sich schon anspruchsvoller und abwechslungsreicher als das was in der Grundschule gemacht wurde. Möglicherweise reicht das ja doch für Sinus Tochter, damit sie ohne großen Leistungsdruck durch die Schule kommt und sie braucht gar keine Zusätzliche Förderung in Form von "Extrawürsten". Die Schule von Sinus Tochter scheint ideal für begabte und fleißige Hochleister zu sein. Da würde ich das Mädchen aber nicht einordnen, so wie Sinus es beschreibt.

Meine Tochter ist z.B. definitiv kein Hochleister. Sie kommt im Unterricht locker mit (jetzt auch in Mathe ;)), muss zu Hause nicht viel machen, hat gute Noten und genießt ihre freie Zeit am Nachmittag, die andere mit Lernen verbringen müssen. Sie mosert zwar hin und wieder über das (für sie) niedrige Niveau des Deutsch- und Englisch-Unterrichts, aber sie leidet nicht darunter und will gar keine Extrawürste. Zur Schule geht sie überwiegend, um ihre Freundinnen zu treffen. Auf den Unterricht könnte sie auch verzichten ;)

Ob es für die Tochter von Sinus sinnvoll ist, jetzt die Schule zu wechseln oder noch zu warten, das muss Sinus herausfinden. Hängt sicher vom Leidensdruck der Tochter ab, wobei der aktuell ziemlich groß zu sein scheint. Das "Corona-Problem" haben doch alle Schulen jetzt. Nur deswegen würde ich einen Wechsel jetzt nicht ausschließen. Für die Fremdsprachen wäre ein früherer Wechsel wahrscheinlich besser. Dann muss nichts nachgeholt werden, weil die Wahl erst in der neuen Schule getroffen wird ;)
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Re: Matheproblem meiner Tochter/Lehrergespräch: RAT?

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » So 14. Jun 2020, 20:32

Statistisch gesehen sind 2% der Kinder hochbegabt. Wenn die obersten 40% das Gymnasium besuchen, heißt es das pro 100 Kinder gerade mal 5 hochbegabt sind. Das sind weniger als 2 Kinder pro Klasse. Wenn man einige davon an einer anderen Schule sammelt, sind es noch weniger. Dann noch die Trennung der Geschlechter. Man kann in der Unterstufe fast unmöglich als beste Freundin einen Jungen haben. Das zusammen ergibt nicht so eine große Wahrscheinlichkeit ein anderes hochbegabtes Mädchen in der gleichen Klasse zu treffen. Mit den Kidern aus der normalen Klasse hat sich das Kind von sinus noch nie verstanden, und die Wahrscheinlichkeit, dass es dann plötzlich klappt ist eher überschaubar. Meine Tochter kamm mit der normalen Gymnasiumklasse nicht zurecht, obwohl sie dort Freundinen hatte.

Die Sprachfolge ist bei uns orientiert sich an die humanstische Bildung. Musische und künstlichische Zweige bedeuten in vielen Fällen Latein schon als 1. FS, spätestens als 2. Aber das ist je nach Bundesland sicher verschieden.
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