Schulöffnung

Probleme und Lösungen für den Schulalltag

Re: Schulöffnung

Beitragvon charlotte12 » Fr 31. Jul 2020, 15:16

Zum Beispiel müssen die Zahlen nicht unbedingt bis einer Million gehen, die Wahrscheinlichkeitstheorie kann später erlernt werden. Englisch ist vollkommen überflüssig und im Deutsch muss auch nicht unbedingt der Subjket und Prädikat gesucht werden. Schreibschrift braucht auch kein Mensch mehr. Es sammelt sich einiges über die vier Jahre, und wie du richtig schreibst, interessiert es die Kinder nicht, lernen sie es für die Probe und vergessen.

Wahrscheinlichkeitsrechnung und Englisch waren Dinge, die meiner Tochter in der Grundschule wirklich Spaß machten, und davon gab es nicht wirklich viele. Zeitweise war Englisch das einzige Fach, in dem es für sie Neues zu lernen gab. Schreibschrift schreibt meine Tochter seit Corona konsequent nicht mehr. Der Hass meiner Tochter auf Schreibschrift ist sicher nicht verallgemeinerbar, aber ich finde es insgesamt nicht wirklich motivierend, dass die Kinder erst ein Jahr lang Druckschrift und dann erst Schreibschrift erlernen und nicht entweder, wie zu meiner Zeit üblich, gleich Schreibschrift oder eben nur Druckschrift. Rechtschreibung hat meine Tochter nicht in der Schule gelernt, allgemein gesehen finde ich das aber definitiv wichtig für später.
Beim Abspecken kommt es v.a. darauf an, was stattdessen mit der freiwerdenden Zeit gemacht wird. Würde diese Zeit nur zur Wiederholung und "Festigung" genutzt, wäre das für meine Tochter (und ich denke mal für ziemlich alle Kinder hier) tödlich. Projekte wären natürlich eine feine Sache :)
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Re: Schulöffnung

Beitragvon Meine3 » Fr 31. Jul 2020, 18:12

Katze_keine_Ahnung hat geschrieben:@charlotte

schon lange melden sich renommierte Wissenschaftler mit dem Thema, dass aus dem Schulstoff 80% raus muss, damit die Kinder die restlichen 20 auf Dauer behalten können.


Hilfe, dann wird ja noch mehr wiederholt :gruebel:... Wäre ja schön, wenn die Zeit dann sinnvoll genutzt würde, in Form von Projekttagen, Differenzierung etcpp. Aber soweit sind wir in D glaube ich, einfach noch nicht :|. Hier mahlen die Mühlen nunmal wirklich langsam. Zumindest bei allem was mit Reformen zu tun hat.
Es kann sein, dass nicht alles wahr ist, was ein Mensch dafür hält, denn er kann irren, aber in allem, was er sagt, muss er wahrhaftig sein.
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Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Fr 31. Jul 2020, 18:20

@Meine3

Man muss nicht unbedingt wiederholen. Meine Tochter hatte in der 4. Klasse eine große Sachaufgabe: das Kochen der Katroffelsuppe. Da fließen Mengen, Gewichte, Zeiten, Geld mitrein. In der Schule in der jetztigen Form ist niemals Zeit, die Suppe wirklich zu kochen, die Mengen wirklich abzumessen, die Zutaten wirklich einzukaufen. Es bleibt alles nur auf Papier. Ich vergesse nie die Lehrerin der Großen, die es geschafft hat, im Sachunterricht der 3. Klasse mehrere Monate das Thema Wald zu unterrichten, ohne einmal in den Wald zu gehen. Der Wald grenzt dabei direkt an die Schule.
Zuletzt geändert von Katze_keine_Ahnung am Fr 31. Jul 2020, 19:01, insgesamt 1-mal geändert.
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Re:

Beitragvon Meine3 » Fr 31. Jul 2020, 18:48

Katze_keine_Ahnung hat geschrieben:@Meine3

Man muss nicht unbedingt wiederholfen. Meine Tochter hatte in der 4. Klasse eine große Sachaufgabe: das Kochen der Katroffelsuppe. Da fließen Mengen, Gewichte, Zeiten, Geld mitrein. In der Schule in der jetztigen Form ist niemals Zeit, die Suppe wirklich zu kochen, die Mengen wirklich abzumessen, die Zutaten wirklich einzukaufen. Es bleibt alles nur auf Papier. Ich vergesse nie die Lehrerin der Großen, die es geschafft hat, im Sachunterricht der 3. Klasse mehrere Monate das Thema Wald zu unterrichten, ohne einmal in den Wald zu gehen. Der Wald grenzt dabei direkt an die Schule.



Ja, schon klar. MIR musst du das nicht sagen :mrgreen:. Aber aus Erfahrung befürchte ich, dass so ein "Vorschlag" der renommierten Wissenschaftler, 80% des Stoffes weg zulassen, beim Bildungsministerium für Bildung bewirken würde, dass die restlichen 20% SEHR OFT wiederholt und "gefestigt" werden müssen/sollen und das eben nicht mit praktischen Ansätzen wie von dir vorgeschlagen. Das gesamte Schulkonzept ist dafür nicht ausgelegt. Da reicht einfach Stoff kürzen nicht aus. Da muss sich viel mehr ändern. Wir haben damals für Sohnemann übrigens auch alle freien Schulen im Umfeld angesehen. Aber die waren entweder zu weit weg und/oder hoffnungslos überlaufen oder dann wieder SO alternativ, dass es zu viel des Guten war.

Unsere KL ist mit den Kids übrigens beim Thema Wiese auf die Wiese gegangen, an Weihnachten sind sie Kerzen gießen gegangen, etc, beim Thema Schnecken, durften die Kinder Schnecken mitbringen. Hier wird sowas schon gemacht, im begrenzten Rahmen und auch NUR in Sachkunde.
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Re: Schulöffnung

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Sa 1. Aug 2020, 09:32

charlotte12 hat geschrieben:
Die weiterführenden Schulen sollen nach den Ferien auch wieder in den Normalbetrieb zurückkehren (sofern die Fallzahlen nicht massiv steigen...). Heute war Kinderferienprogramm, Zirkusworkshop. Die Kids mussten sich ständig die Hände desinfizieren und durften sich nicht ins Gesicht fassen, turnten aber masken- und abstandslos dicht an dicht. Wobei bei uns aktuell (noch?) die Fallzahlen nahe null sind. Wie ist das denn bei euch nach den Ferien geplant, immer noch Schmalspur-Unterricht mit AHA-Regeln?


Ich glaube die Zahlen steigen sobald in nördlichen Bundesländern die komplette Öffnung der Schulen auf den Urlauberstrom trifft. Es dauert keine drei Wochen mehr, bis es sichtbar wird, und das einzige was ich hoffe, dass meine Kinder mit von ihnen geburchten kleinen Ferienfreizeiten bis dorthin durch sind.
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Re: Schulöffnung

Beitragvon zweierpack » Sa 1. Aug 2020, 11:00

Bei meinen Kindern waren die letzten Schulwochen mit Homeschooling, dann 2 Wochen geteilte Klasse mit anderem Lehrer, 2 Wochen rollierendes System und dann glaube ich 2-3 Wochen in voller Klassenstärke lerntechnisch unglaublich langweilig und auf "Kernthemen" beschränkt. Es wurden nur Deutsch/Mathe/Sachkunde und etwas Englisch unterrichtet.
Das Thema in Deutsch zog sich durch alle Monate seit Februar/März, in Mathe wurde mit dem schriftlichen Dividieren begonnen und wiederholt mit unglaublichen Massen an Arbeitsblättern. Wenn das die 20% Kernthemen waren auf die man sich konzentriert, drehen meine Kinder durch. Vor allem wurde sie auch nicht "besser" beim Bearbeiten, sondern nur immer unkonzentrierter und unwilliger. Schule war zwar gut für sie - aber nur im sozialen, emotionalen Sinne (Schulende der Grundschule mit Lehrerin und Mitschülern erleben).

Ansonsten fand ich, dass in der 3.+4. Klasse die Tendenz zum Binge-Lernen v.a. in den Nebenfächern (nach Lehrplan) zugenommen hat. Für eine Arbeit der 3.Klasse alle Instrumente des Orchesters auswendig zu lernen inkl. der Aufstellung im Raum ist reines Auswendiglernen ohne Verständnis mit Vergessensgarantie nach 3Tagen - wenn man nicht gleichzeitig ein Orchester besucht hat, weiß wie Instrumente klingen, sie sich unterscheiden etc.
Also bitte nicht Entrümpeln zu Gunsten von Kernthemen, die dann monatelang abgefeiert werden, sondern v.a. in den Nebenfächer - die ich für wichtig halte - konkretes Lernen an den Dingen/dem Leben selbst (also halt wirklich mal in den Wald gehen und Bäume bestimmen etc.).

Ansonsten starten sie im August wieder - vermutlich mit über 30 Schülern im Klassenraum und wechselnden Lehrern in der weiterführenden Schule - Abstand ist ja nur in Supermärkten wichtig. Unser Kreis arbeitet sich im Moment zahlenmäßig stetig nach vorne und ist bundeslandweit an zweiter Stelle (keine konkreten Hotspots, eher diffuse Infektionen in der Breite) - "schau mer mal" ;)
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Re: Schulöffnung

Beitragvon Auguste » Sa 1. Aug 2020, 16:24

Katze_keine_Ahnung hat geschrieben:
charlotte12 hat geschrieben:
Die weiterführenden Schulen sollen nach den Ferien auch wieder in den Normalbetrieb zurückkehren (sofern die Fallzahlen nicht massiv steigen...). Heute war Kinderferienprogramm, Zirkusworkshop. Die Kids mussten sich ständig die Hände desinfizieren und durften sich nicht ins Gesicht fassen, turnten aber masken- und abstandslos dicht an dicht. Wobei bei uns aktuell (noch?) die Fallzahlen nahe null sind. Wie ist das denn bei euch nach den Ferien geplant, immer noch Schmalspur-Unterricht mit AHA-Regeln?


Ich glaube die Zahlen steigen sobald in nördlichen Bundesländern die komplette Öffnung der Schulen auf den Urlauberstrom trifft. Es dauert keine drei Wochen mehr, bis es sichtbar wird, und das einzige was ich hoffe, dass meine Kinder mit von ihnen geburchten kleinen Ferienfreizeiten bis dorthin durch sind.


Ich gehe auch davon aus, dass die Zahlen schnell wieder steigen. Es geht ja schon los und die Schulen haben noch nicht mal auf.

Wir hatten ja sehr früh Ferien und daher nur tageweise Gruppenunterricht vor den Sommerferien. Nach derzeitigem Stand soll es in 10 Tagen in voller Klassenstärke wieder losgehen. Wir sind gespannt.

Sohns Zeltlager (übers Wochenende, sollte eigentlich im Mai stattfinden, war vor den Ferien für Mitte August in kleinerem Rahmen geplant), wurde jedenfalls diese Woche wegen der steigenden Corona-Zahlen wieder abgesagt - diesmal endgültig für dieses Jahr.

Defizite habe ich bei meinen Kindern keine festgestellt. In den diversen Tests, die noch vor den Ferien geschrieben wurden (auch über den "Corona-Stoff"), bekamen beide nur 1er und 2er. Wie es bei den Klassenkameraden war, wissen wir nicht.
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Re: Schulöffnung

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Sa 1. Aug 2020, 16:32

Bayerische Schüler haben nach Coronaschluss keine Tests geschrieben. Notenschluss war Ende Februar. Mit diesen Noten gehen die Kinder ins neue Schuljahr. Wer was nicht gelernt hat, und ich gehe davon aus, dass es mindestens 10% sind, wird die Quittung dafür frühestens in Oktober bekommen. Der Unterricht ging weiter und die Lehrer betonen explizit, dass Nachholen für Bedüftige im neuen Schuljahr von allgemeinem Schulstoff getrennt und auf den Nachmittag ausgelagert wird. Sollten die Schulen jedoch mit Einschränkungen wieder öffnen dürfen, funktioniert diese Logistik überhaupt nicht mehr. Sie haben nicht mal für den normalen Unterricht genug Kapazitäten.
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Re: Schulöffnung

Beitragvon Auguste » Sa 1. Aug 2020, 20:05

Bei uns werden nach den Ferien in allen Klassenstufen erst Mal Lernstandserhebungen gemacht, also schriftliche Tests, um herauszufinden, wer wo welche Lücken hat. Ob das für alle Fächer gilt oder nur für die Hauptfächer (Mathe, Deutsch, Englisch) wissen wir noch nicht.

Anhand der Ergebnisse soll dann festgestellt werden, bei welchen Schülern und in welchem Umfang Nachholbedarf besteht. Je nach Bedarf sollen Förderkurse während der Schulzeit, sowie (freiwillige) Ferienkurse in den Herbstferien angeboten werden.

Hört sich erst Mal ganz gut an. Ich bin gespannt, wie sie das mit dem schon bisher nicht ausreichenden Lehr-Personal umsetzen wollen.
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Re: Schulöffnung

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » So 2. Aug 2020, 11:18

Mir ist es ein Rätsel, wie das, was vorher schon nicht möglich war, jetzt unter noch mehr Einschränkungen gelingen soll. Schon ohne Corona passieren an bayerischen Grunschulen ganz mekrwürdige Dinge. Alle Lehrer, die keine Kinder unter 18 Jahren haben, müssen jetzt Vollzeit unterrichten. Das heißt, alle Lehrer, die vorher nur Teilzeit arbeiteten, stehen vor der Wahl, entweder Vollzeit oder Kündigung. Eine befreundete Lehererin erzählte mir, dass Kündigung bedeutete den Verlust von Krankenversicherung und der Rente. Sollte sie jetzt kündigen, bekäme sie Rente auf dem Niveau von Harz 4. Die erste Klasse an unserer Dorfschule, die schon immer Luxus der kleinen Klassen hatte, wird in diesem Jahr mindestens 25 Kindern haben, Tendenz eher nach oben. Die gemischte Klasse 1/2 mit 2/3 Jungen - 22 und eine Lehrerin! Als meine Großen in dieser Klasse waren, waren es glaube ich 17 Kindern und 2 Lehrerin. Der Kleine hatte 17 Kindern und eine Lehrerin. Die Tendenz kann man klar erkennen: das System wird kaputt gespart. Es geht aber weiter: die Stundenzahl in 1/2, die diese Lehrerin jetzt hat, bei all der Herausforderung des klassenstufenübergreifendes Unterrichts und vereinzehlt ordentlich verhaltensauffälligen Jungen, reicht nicht für die Vollzeit. Die Lehrerin müssste dann weitere Stunden nehmen - z.b Sport der 3. und der 4. Klasse - was sie physisch gar nicht kann. Ich brauche nicht, mit der Geschichte des Kleinen anzukommen, ich weiß ganz genau, dass er unter diesen Bedingungen keine Förderung kriegt. Ich weiß nicht, wer sein Lehrer sein wird - es steht in den Sternen bis zum 1. Schultag.

In den Großstädten ist die Situation noch schwieriger: es fehlen nicht nur die Lehrer, sondern die Schulen. Es sind keine Grundstücke vorhanden, um sie zu bauen. Da kommen auch noch die Migrantenkinder ohne Deutsch dazu. Mir ist bis jetzt nicht bekannt, dass für sie systematisch was gemacht worden wäre, damit sie eine Chance haben nach der Grundschule mehr als die Hauptschule erreichen zu können.

Ich weiß nicht, ob die Situation an Gymnasien genauso schlecht oder noch schlechter ist. Die ganze Schule der Großen, ungefähr 1000 Kinder, hat einen Musiklehrer. Die Tochter hatte im Jahr 3 oder 4 Mathelehrer. Der letzte wurde in der Coronazeit aus dem Ruhestand gerufen, 66 Jahre alt.Die jungeren Lehrer werden als arbeitsunfähig eingestuft, während ältere, die schon deutlich über 60 sind, in die Schulen gerufen werden? Welche Logik steckt dahinter? Glaubt jemand, dass ein 40-jähriger mit Risikofaktor mehr gefährdert ist als ein 66-jähriger?
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