nicht vor und nicht zurück...Sprung rückgängig machen?

Probleme und Lösungen für den Schulalltag

nicht vor und nicht zurück...Sprung rückgängig machen?

Beitragvon Meine3 » Di 29. Sep 2020, 12:58

Hallo,

ich bin echt fertig. Ich hatte gestern erneut ein Gespräch mit der Klassenlehrerin vom Sohnemann.

Ich habe sie erst einmal gebeten zu berichten, wie er sich so die letzte Woche gemacht hat. Sie berichtete, dass es Freitags besser lief (sie hat ihn aber auch eine Stunde raussetzen müssen, weil sein Banknachbar, den er für seinen neuen Freund hält :cry: sich beschwert hat). Sie erzählte noch einmal ein wenig genauer, wie sich seine soziale Integration gestaltet. Er zeige schon Interesse, finde aber einfach keinen Zugang. Entweder er erzähle über Lichtgeschwindigkeit und Supernovas und die anderen sind damit schlicht überfordert, irritiert und wenden sich ab oder aber er versucht es durch körperliche Interaktion auf dem Pausenhof (leicht anschubsen und dann wegrennen, weil er gefangen werden möchte und mitmachen will). Sie sieht hier keine Aggressionen oder bösen Willen, merkt, dass er schlicht Kontakt knüpfen möchte und nicht weiß wie. Das schildert er ja auch genau so selbst. Vorschläge, WIE er Kontakt knöüfen kann, habe ich ihm schon unzählige gemacht (das andere Kind nach Interessen und Hobbies fragen, sich schlicht für das Gegenüber interessieren, sich ein wenig anpassen, nicht gleich den Ton angeben wollen, sondern erst einmal schauen, dass er irgendwie "reinkommt"). Leider hat er hier keinerlei Geschick und verschreckt oder nervt die anderen Kinder in den Augen der KL nur :roll: . Er wiederum erzählt, dass er seinen Banknachbar total mag und dieser ihm jetzt auch schon GEheimnisse erzählt habe und dass er sich mit einem der ebenfalls neuen Kinder in der Klasse angefreundet hat. Er kennt bereits alle Namen und bemüht sich nach seinen Möglichkeiten wirklich, aber er ist, wie gesagt da nicht immer wirklich geschickt. DAS fliegt ihm nicht zu.

Kognitiv läuft es weiterhin gut. Er kommt beim Stoff gut mit, allerdings war die KL sehr irritiert, dass er beim abschreiben so viele Fehler macht. Ich erklärte ihr, dass es nach meiner MEinnug was damit zu tun hat, dass er eben ein Jahr weniger Übung beim schreiben hat, um genau zu sein, eben nur das 1. Halbjahr der 1. Klasse (der Rest lief ja über Homeschooling und da wurde ja grade bei den Schreibübungen abgespeckt) und dass er sich so sehr bemühe, da mitzuhalten, dass die Orthographie drunter leidet. Würdet ihr das ähnlich einschätzen? Zu Hause macht er nämlich 1. weitaus weniger Fehler und schreibt 2. auch viel ordentlicher. Ich denke, hier fehlt ihm schlicht die Übung und er ist da eben langsam.

Er selbst klagt über die "Menge" an Schreibkram. ES ist sehr mühselig für ihn und die Motivation lässt leider grade zu wünschen übrig, wahrscheinlich weil er sich sozial eher unwohl fühlt (das artikuliert er immer wieder, trotz der gleichzeitigen Aussage, dass er sozial ein wenig besser läuft (was aber eben wohl sehr subjektiv ist).

Sie sieht ihn in einer HB-Schule. Die gibts aber nunmal nicht. Sie sagt, viele seiner Probleme bei der sozialen Integration entstehen durch seine abweichenden Interessen :cry:.

Sie ist sich mittlerweile auch unsicher, was wir machen sollen, kann mir keinen Rat geben ob ein Wechsel zurück in die 2. Klasse nun die bessere Alternative wäre oder nicht.

Vorteile wären beim Wechsel zurück:

- er hat seinen besten Freund wieder näher um sich und seine anderen Freunde
- er hat "Heimweh" und möchte eigentlich gern zurück, aber schwankt auch immer wieder. Er hängt sich grade sehr an diesen Banknachbarn, der aber eigentlich eher genervt von ihm ist. Mein Sohn merkt das nur nicht :cry: und wir haben es nun auch nicht übers Herz gebracht ihm zu sagen, dass dieser ihn nicht sonderlich zu mögen scheint (wobei es natürlich auch ein Interpretionsfehler der KL sein könnte...)
-er hätte ein Jahr mehr, um sein Schreibtempo zu erhöhen und hätte da keinen "Stress" mehr und fühlt sich hier mengentechnisch nicht mehr überfordert.

Nachteile beim WEchsel zurück wären:

- er hätte dann wieder den Unterforderungs- Stress, weil er locker 95% des 2.Klassestoffes beherrscht.
-seine sozialen Auffälligkeiten nimmt er mit und verstärken sich vielleicht noch mehr (wegen der Langeweile)
- durch das Überspringen landet er schneller in einer Schule mit HB-Zug, so muss er noch ein Jahr länger in der GS "durchhalten".

Der Begabungsdiagnostiker ist sogar auch ratlos, obwohl er sonst IMMER für einen Sprung plädiert, aber dadurch, dass der Sohn selbst Unwohlsein immer wieder äußert, ist es eben schwer.

Wir haben jetzt beschlossen diese Woche einfach mal komplett überhaupt nichts in Sachen Schule anzusprechen und ihn einfach "laufen" zu lassen. Wenn er keinen Bock hat auf Hausaufgaben, lassen wir ihn hier auch. Wir haben ihm gestern gesagt, dass er selbst sich klar werden muss, was er will, dass aber in letzter Instanz WIR entscheiden.

Ich habe gegenüber der Lehrerin ganz klar geäußert, dass dieser "Schwebezustand" und nicht zu wissen, wo er grade hingehört mit Sicherheit diese sozialen Probleme verstärkt. Dass er für Sohnemann besser wäre, da schneller als bis zu den Herbstferien (das sind noch 3 Wochen) zu entscheiden ob er final springt oder eben nicht. Sie sagt, sie müsse die Klassenkonferenz abwarten, dass eben wie gesagt die Lehrerschaft sich grade auch uneinig ist...

Was tun?
Es kann sein, dass nicht alles wahr ist, was ein Mensch dafür hält, denn er kann irren, aber in allem, was er sagt, muss er wahrhaftig sein.
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Re: nicht vor und nicht zurück...Sprung rückgängig machen?

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Di 29. Sep 2020, 13:41

Hallo Meine3,

was für eine Achterbahn! Die Lehrerin macht Quatsch! Sie ist für das soziale Klima in der Klasse zuständig, nicht du, und nicht dein Sohn. Als mein Großer in die 7. Klasse reinkam, haben sich die 1. Klassenleitung und die 2. Klassenleitung nach einer kurzen Bekannschaft mit ihm hingesetzt und lange besprochen, neben wem er sitzen soll, so dass er eine Chance hätte schnell Freunde zu finden.

Bei dem Kleinen gestern gab es ein Minidrama. Auf der Schwelle der Schule hat er sich entschieden wieder nach Hause zu gehen. Ich habe seine Klassenleitung geholt. Sie hat versucht ihn festzuhalten und ins Klassenzimmer zu führen. Er ist ihr entwischt und abgehauen. Ich muss ihr hoch anrechnen, dass sie erstmal sofort eine andere Lehrerin mobilisiert hat, um ihn im Pausenhof zu suchen. Zwar ohne Ergebnis, aber immerhin habe ich nicht gesagt bekommen, dass ich das übernehmen soll. Der Kleine ließ sich überreden, noch mal eine Stunde später zur Schule zu gehen, um mit dem Rektor zu sprechen, was ihm an der Schule nicht gefällt. An den Rektor kam er an dem Tag nicht ran, aber seine Klassenlehrerin hat mit ihm gesprochen und ihn befragt was ihm gerade nicht passt. Unter anderem erzählte der Kleine, dass es ihn stört, dass andere Jungen ihn in der Pause oft ausschließen. Gleich an diesem Tag erzählte er von einem organisierten Spiel mit einem Springseil, bei dem alle mitmachen durften. Ich weiß nicht, ob er Mathe erwähnt hat, aber heute durfte er statt verhasstem Rechentrainer in seiner Knobelmappe arbeitet, und die Lehrerin hat in der Tat einen Blick drauf werfen können, und sagte ihm, dass eine Aufgabe falsch sei. Ich bin sehr positiv überrascht, dass die Lehrerin sich so um ihn kümmert. Offensichtlich hat sie bei diesem offenen Ausbruch wirklich realisiert, dass es hier nicht um eine Eislaufmutter geht, die ihr Kind nach vorne schiebt, sondern um Kummer und Sorgen eines kleinen Jungen. Worauf sie sehr empathisch und sofort reagierte. Mein Kind hat sehr viel für solche Menschen übrig, und benimmt sich um ihnen auch einen Gefallen zu tun.

Zurück zu eueren Situation. Wenn die Lehrerin glaubt, der Sitznachbar mag deinen Sohn nicht, dann soll sie ihn zu einem anderen Kind (nicht unbedingt einem Jungen) setzen. Sollte er so derart die anderen stören, braucht er einen Einzelplatz.

Die Lehrerin soll sich von der Idee verabschieden ein Grundschulkind an eine Schule für HB abzuschieben. Ich weiß nicht wie euer Kultus dazu steht, in Bayern ist das absolut unerwünscht, die Kinder schon in der GS auszusortieren. Deswegen gibt es bayernweit keine GSchulen mit HB-Förderung. Ich weiß nicht, wie du dir das zurück vorstellst. Bei uns in der Klasse sitzt schon so ein fitter Junger ohne Verdacht auf ADHS und sonstwas in der ersten Bank direkt vor der Lehrerin und stört den ganzen Tag die ganze Klasse, weil er vor Langeweile eingeht. Dein Sohn kann sich jetzt vielleicht einen kleinen Vorteil im Wohlbefinden bekommen, wenn er zurück geht, aber es wird nicht lange dauern, bis ihm die Langeweile blüht und dann wird der Störverhalten expontiell zunehmen.

Zum Schreibkram. Auch meinem Sohn ist es in den ersten zwei Wochen zu viel gewesen. Seinem Freund, der gesprungen ist, dann umso mehr. Abschreiben wird jetzt in der Schule intensiv geübt. Gestern hat er von der Tafel einen Text für HSU abgeschrieben, da sind sogar "dass" und "das" richtig. Bei meinem Großsohn war die Rechtschreibung bis zur 8. Klasse katerstrofal. Es hat sich auch gegeben.

Was ist aus der Idee der Unterstützung durch einen Sozialarbeiter geworden?

PS. Die Art der sozialen Probleme erinnert mich schon sehr an Asperger. Da wäre ein Termin bei KJP der mit AS und HB sich auskennt, vielleicht auf ein Lösungsweg.
Zuletzt geändert von Katze_keine_Ahnung am Di 29. Sep 2020, 17:29, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: nicht vor und nicht zurück...Sprung rückgängig machen?

Beitragvon sinus » Di 29. Sep 2020, 14:16

Ich bleibe dabei was ich neulich schrieb - ich würde nicht den Schritt zurück machen, sondern die aktuellen Probleme jetzt lösen.
Daran kann er sehr wachsen.
Der Schritt zurück bringt vermutlich eh auch nur andere Probleme... vielleicht dann etwas später, aber sie waren ja dort auch da und sie werden wiederkommen.

Gibt es denn gar kein Kind in der Klasse, was zu deinem Kind passt?
Auch wenn das der Lehrerin viel abverlangt - ich sehe sie - wie Katze - da in der Pflicht.
(Allein sitzen wäre auch einen Versuch wert.
Meine Große wollte immer am Liebsten allein sitzen, meine Kleine fängt auch schon so an, dass ihr das lieber wäre.)

Ich würde echt die Lehrerin noch mal befragen, wer kognitiv / von den Interessen her evtl ganz gut zu deinem Sohn passen könnte und dann versuchen, ein bisschen zu kuppeln.

Zum Schreiben kann ich nicht viel sagen.
Ich würde so "aus dem Bauch heraus" denken, dein Sohn kann das aufholen.
Die anderen werden ja wg Corona auch nicht alle gleichermaßen viel gemacht haben im letzten Schuljahr...

Ich würde noch nicht aufgeben. Alle bemühen sich doch, die Lehrerin, du, dein Sohn.
Das soziale Ankommen dauert nunmal seine Zeit. Meine Tochter hat die ganze Grundschulzeit hindurch nach passenden Freunden gesucht...
Obwohl sie ja zusammen mit 10 Kindern aus derselben Kiga-Gruppe in ihre Klasse gekommen ist.
Die Blätter sind bunt
nun bellt der Hund
nun lacht der Mund
Raureif liegt auf dem Gras.
Der Has`
friert um die Nas.

(Herbstgedicht der 6jährigen)
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Re: nicht vor und nicht zurück...Sprung rückgängig machen?

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Di 29. Sep 2020, 22:10

@Meine3

Ich empfinde nach deiner Beschreibung den Verhalten beider Lehrerin als den Versuch das unbequeme Kind woanders unterzubringen. Aus meiner Sicht ist es fürs Soziale eigentlich egal zu welcher Klassenstufe dein Sohn gehört. Es kann sein, dass nicht der Sprung an sich, sondern die veränderte Sicht aufs Kind die Probleme ausgelöst hat.

In den ersten zwei Klassen wird den Kindern noch viel erlaubt. Ab dem 3. Schuljahr wird die Schule ernster wahrgenommen und dementsprechend steigen Anforderungen an die Kinder. Manche Kinder können sich der gesteigerten Anforderungen und Erwartungen leicht anpassen, manche nicht. Wenn ich die 3. Klasse des Kleinen angucke, gibt es dort Jungen, die schon extrem vernünftig sind in allen Hinsichten. Sie können sich benehmen, sind sehr reflektiert und ihrer Wirkung auf andere sehr bewusst. In der 2. Klasse gab es in der Form noch nicht. Es gibt auch Kinder die zwar sehr fit sind, aber sich trotzdem nicht benehmen, und auch solche die wie kleine Jungs wirken und noch sehr spontan sind und viel Quatsch machen. Bis zur 4. Klasse geht fast bei allen die Sponatinät extrem zurück, die Handlungen werden durchdachter, der Einfühlungsvermögen tiefer.

Die Reife der Klasse kann für ein sozial problematisches Kind nicht nur von Nachteil, sondern auch von Vorteil sein. Kinder, die sich mehr in die anderen hineinversetzen können, können besser das Unwohlsein des Gegenübers wahrnehmen. Das passiert aber nicht von alleine. Diese Prozesse müssen von Erwachsenen angeleitet und unterstützt werden. Je älter die Kinder, desto mehr können Freundschaften auf der Grundlage der gemeinsamen Interessen entstehen. Lass dich bitte jetzt nicht von Panik überwältigen, dass du was falsches gemacht hat. Eigentlich hast du schon vorher gewusst, dass die Probleme da sind, nur wurden sie durch diese Veränderung auch für die anderen manifest. Sehe es auch nicht pessimistisch. Hättest du dich nicht für den Sprung entschieden, kämen sie vielleicht ein Jahr später, und somit auch die Hilfe auch erst ein Jahr später.

Ich weiß leider nicht, wo ihr hier und jetzt euch Hilfe holen kann. Die Tatsache, dass dein Sohn bei zwei Versuchen die Situation zu verändern so derart abgelehnt wird, zeigt auf ein Problem, dass nicht im Spektrum von Hochbegabung, sondern im Bereich der sozialen Wahrnehmung liegt. Die Situation wird sich nicht allein durch HB-Klasse lösen lassen. Damit er da überhaupt rein kann, müsst ihr jetzt einiges an Arbeit investieren. Denn ich habe die Erfahrung, dass die HB-Züge hier sich nicht unbedingt um die Problemfälle reißen. Es sind zwar ab und zu Kinder, die aus sehr schwierigen Situationen raus müssen, aber den Grundton geben die runden Hochleister an. Bei uns gehen für 20 Plätze jedes Jahr etwa 100 Bewerbungen ein.

So wie ich die Situtation einschätze, wird es auf die Notwendigeit einer Begleitung auslaufen, um im Rahmen der Regelschule das Kind beschulen zu können. Die Frage ist nur, wie ihr möglichst schnell eine kriegt.
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Re: nicht vor und nicht zurück...Sprung rückgängig machen?

Beitragvon Baobab » Di 29. Sep 2020, 23:50

Hi, hab hier lang nicht mehr geschrieben ...

Mein mittleres Kind hatte in der GS ein Drehtürkind in der Klasse, die Eltern haben sich nach langem Hin und Her dagegen entschieden, das Kind springen zu lassen, da er sozial überfordert war. In diesem Fall war es die richtige Entscheidung - aber das weiss man halt leider erst Jahre später ...
Meine Erfahrung mit drei Kindern In der Grundschule: die Unterforderung ist aufgrund der vielen Wiederholungen so oder so unvermeidlich. Am Gymnasium wird es besser (vor allem im HB-Zweig). Aber auch da tun sich die „normal“ hochbegabten leichter, wenn sie in der Altersstufe bleiben, die extremer Hochbegabten in den Klassen meiner Kinder konnten die soziale Überforderung Besser kompensieren, bei einem Kind ist es ganz schief gegangen.

Vollständig integrierte jüngere Kinder kenne ich eigentlich nur 2 - meine Tochter und ihre Freundin, beide früh eingeschult, ohne Klassensprung.

Meiner Ansicht nach wäre er dort am besten aufgehoben, wo er sich am wohlsten fühlt, am besten mit einer Lehrkraft, die in der Lage ist, ihn einzubinden und zu füttern (hab ich aber leider noch nicht kennen gelernt ...)
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Re: nicht vor und nicht zurück...Sprung rückgängig machen?

Beitragvon koala27 » Mi 30. Sep 2020, 23:25

Hallo Meine3

Ich könnte mit auch gut vorstellen, dass dieser Schwebezustand, den dein Sohn gerade hat auch sein Verhalten verstärkt--- er weiß, er hat nur eine Probezeit und das macht ihn unruhig und diese Unruhe muss irgendwo raus...
und er versucht es allen recht zumachen-- alle "Baustellen" gleichzeitig zu "bedienen" -- dabei schießt er über das Ziel hinaus und sein Bemühen wird nur negativ gesehen

Ich sehe hier auch die Schule in der Pflicht-- die Große hatte in der GS ein Fach "Soziales lernen"-- das wäre auch was für die Klasse von deinem Sohn--- das "Fach" hat damals die Sozialpädagogin gemacht-- ging über 3 Schuljahre--
denn wenn die Lehrerin die Probleme im sozialen Bereich sieht, dann leigt es nicht nur an deinem Sohn-- sondern nur durch ihn werden diese Probleme innerhalb der Klasse jetzt sichtbar gemacht---
Das Thema kann man super auch in Reli verpacken :-)

Ich würde einfach vom meinem Gefühl her den Sprung zurück nicht machen---denn es kann gut sein, dass dort die sozialen Probleme auch- aber anders- auftreten-- und wenn es "nur" das Ärgern durch die anderen Kids ist, die sich ggfls. lustig darüber machen, dass sein Sprung nicht geklappt hat / evtl. wird er damit aufgezogen ( ggfls. auch von denen, die vorher seine Freunde waren) und kommt auch nicht wieder in die Klasse rein und dann hat er noch zusätzlich die Langeweile im Unterricht.
Und was dann? Darüber muss man- find eich- auch nachdenken- wenn der Sprung abgebrochen wird, was passiert, wenn sich die Situation für ihn in der alten Kalsse ändert und er da auch Probleme zeigt?

Altersmäßig sind die Kids immer unterschiedlich entwickelt-- das liegt einfach an den Kids--- selbst in der 7 Klasse der Großen sind einige Jungs, die machen nur Mist, da gibt es jede Woche Gespräch etc. und andere die sind ernsthaft dabei und wollen arbeiten und werden gestört--
da ändert sich nicht-- auch nicht im Alter--
wenn ich da an einige Eltern denke auf den Elternabenden der Kids--- da hatte man auch das Gefühl, man sitzt zwischen 5 jährigen Kindern :gruebel: und nicht auf einem Elternabend
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Re: nicht vor und nicht zurück...Sprung rückgängig machen?

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Do 1. Okt 2020, 08:59

koala27 hat geschrieben:

Altersmäßig sind die Kids immer unterschiedlich entwickelt-- das liegt einfach an den Kids--- selbst in der 7 Klasse der Großen sind einige Jungs, die machen nur Mist, da gibt es jede Woche Gespräch etc. und andere die sind ernsthaft dabei und wollen arbeiten und werden gestört--
da ändert sich nicht-- auch nicht im Alter--
wenn ich da an einige Eltern denke auf den Elternabenden der Kids--- da hatte man auch das Gefühl, man sitzt zwischen 5 jährigen Kindern :gruebel: und nicht auf einem Elternabend


Es ist alles relativ. Wenn das Verhalten im Rahmen der üblichen Probleme läge, würde sich die Lehrerin nicht gleich beschweren. Es sei denn es ist eine Referendarin, die zum ersten Mal eine Klasse hat. Aber so ist es nicht, und da stellt sich in erster Linie nicht das Problem, warum das so ist, sondern wie man die akute Situation löst, ohne das dabei die Aufsichtspflicht verletzt wird. Denn eigentlich dürfen die Lehrer keine unbeaufsichtigte Kinder alleine lassen.

Dem Kind ist rechtliche Seite herzlich egal, es braucht Auszeiten. Die Frage ist nur wie? Wohin könnte er sich zurückziehen, wenn es ihm zu viel wird? Z.b. die Schulbücherei? Wie lange darf er dort bleiben? z.B. bis die Sanduhr abgelaufen ist. Was macht er dort? Nicht unbedingt das was ihm gefällt, z.B. Abschreiben.

Ich glaube nicht, dass dieses Kind zu viel Energie hat. Ganz im Gegenteil. Die Schule saugt ihn emotional so aus, dass er keine Energie mehr hat um die inhibitorische Prozesse zu steuern. Denn Beruhigung im menschlichen Gehirn ist ein aktiver Prozess, der Energie bedarf.
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Re: nicht vor und nicht zurück...Sprung rückgängig machen?

Beitragvon Rabaukenmama » Do 1. Okt 2020, 10:10

Meine3 hat geschrieben:Vorteile wären beim Wechsel zurück:

- er hat seinen besten Freund wieder näher um sich und seine anderen Freunde
- er hat "Heimweh" und möchte eigentlich gern zurück, aber schwankt auch immer wieder. Er hängt sich grade sehr an diesen Banknachbarn, der aber eigentlich eher genervt von ihm ist. Mein Sohn merkt das nur nicht :cry: und wir haben es nun auch nicht übers Herz gebracht ihm zu sagen, dass dieser ihn nicht sonderlich zu mögen scheint (wobei es natürlich auch ein Interpretionsfehler der KL sein könnte...)
-er hätte ein Jahr mehr, um sein Schreibtempo zu erhöhen und hätte da keinen "Stress" mehr und fühlt sich hier mengentechnisch nicht mehr überfordert.

Nachteile beim WEchsel zurück wären:

- er hätte dann wieder den Unterforderungs- Stress, weil er locker 95% des 2.Klassestoffes beherrscht.
-seine sozialen Auffälligkeiten nimmt er mit und verstärken sich vielleicht noch mehr (wegen der Langeweile)
- durch das Überspringen landet er schneller in einer Schule mit HB-Zug, so muss er noch ein Jahr länger in der GS "durchhalten".

Was tun?


Wenn ich das so kese frage ich much, ob der Unterforderungs-Stress "solo" nich das kleinere Über ist gegenüber der sozialen und der das schnelle, fehlerarme schreiben betreffenden Überforderung in der aktuellen Klasse. Es jetzt erst mal "laufen lassen" ist sicher ein guter Weg, aber ich würde mir (als Mama) auch selbst eine Frist setzen, wann ich die Entscheidung wegen rückgängig-machen vom Sprung treffe. Z.B. eine Woche vor den Herbstferien.


Was den Sitznachbarn betrifft so würde ich dieses Kind so schnell wie möglich mal einladen und mir dann selbst ein Bild machen. Es kann nämlich beides sein: dass der Sitznachbar deinen Sohn mag und zeitweise gut mit ihm "kann", sich aber andererseits doch manchmal überfordert fühlt. Und das persönliche Kennenlernen würde da sicher mehr Klarheit schaffen als das schwarz-weiß denken, wo msn nicht sagen kann, was wirklich Sache ist.
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Re: nicht vor und nicht zurück...Sprung rückgängig machen?

Beitragvon Meine3 » Do 1. Okt 2020, 22:03

@all

Danke ihr Lieben. Ich habe grade nicht so viel Zeit zurück zu schreiben, habe aber alle Antworten gelesen. Danke für eure Meinungen.

Zwischenstand:

Kognitiv tut es ihm wirklich sehr gut. Besonders in Mathe blüht er so dermaßen auf. Er befasst sich jetzt wieder mit Dingen, grade in Mathe, die ihm in der Vorschule und auch in der 1. Klasse sehr vermießt wurden (Bruchrechnen, Dezimalrechnen, solche Dinge) und wir vorübergehend ja echt dachten, er ist mathematisch einfach nicht so fit wie sprachlich. Aber zur Zeit macht er sich da extrem,. In Deutsch erkenne ich in den wenigen Tagen schon eine deutliche Verbesserung in der Orthographie, aber auch beim Schriftbild. Er schreibt kleiner, schöner, abschreiben klappt mittlerweile (zumindest zu Hause) komplett fehlerfrei und auch das freie Schreiben hat sich orthographisch sehr verbessert.

Sozial ist es wohl so, dass er in der letzten Woche und Anfang dieser Woche immer im "gelben" Bereich war (Ampelsystem), nie im roten. Dennoch wird hier ein Fass aufgemacht :roll:... Heute war er im roten. Es gibt jetzt in der Klasse ein neues System. Für jede Art von Fehlverhalten (reinrufen, kippeln, etcpp) gibt es einen "Chip", bei 3 Chips müssen sie ein Formular ausfüllen (eigentlich einfach eine Strafarbeit), wo sie schreiben müssen, was sie falsch gemacht haben, warum das gestört hat, was sie in Zukunft anders machen wollen und dann müssen sie mit ihrer Unterschrift "versichern", dass sie das nicht mehr machen. Das ganze wird unterschrieben von der verordneten Lehrerin, dem Schüler und einem Elternteil. Heute hatte er 3 Chips. Er hat 2 mal reingerufen (in 6 Stunden, für ihn eine ENORME Verbesserung im Vergleich zu früher, wirklich enorm) und einmal geschnalzt (um Aufmerksamkeit zu erregen als er sich gemeldet hat)....Ich finde das total übertrieben...

Er fühlt sich von den Mitschülern insgesamt offensichtlich nicht akzeptiert, hat nun auch "geschnallt", dass er dort keine Akzeptanz findet, redet immer weniger über die Mitschüler... Kognitiv kommt er immer mehr an, mit den Mitschülern klappt es anscheinend immer weniger, mittlerweile halt gegenseitig.

Ich sehe es aber ähnlich wie einige hier: vielleicht wird er auch in der alten Klasse dann den Anschluss nicht mehr finden. Ein Gang zurück ist keine Garantie dafür, dass es ihm dann sozial besser geht.


Die KL hat meiner Meiniung nach nur Verständnis vorgetäuscht, es wird immer klarer, dass sie zwar bemüht ist, bzw. sich bemüht gibt, aber eigentlich GARNICHT versteht, bzw. doch sehr defizitorientiert ist und hohe Erwartungen an ihn hat, die er nicht sofort erfüllen KANN (das betrifft sowohl die soziale Integration als auch die Schreibgeschwindigkeit, die sich wie gesagt schon sehr verbessert hat, allein diese Woche!). Ständig wird er verglichen mit den Zugezogenen. Als wäre das die selbe Ausgangssituation.

Also mal abgesehen von den grundsätzlichen Baustellen, die mein Kind hat, läuft das hier grade mehr als suboptimal.

Ich gehe auf eure einzelnen Antworten ein, wenn ich wieder mehr Zeit habe.

Danke euch :fahne:
Es kann sein, dass nicht alles wahr ist, was ein Mensch dafür hält, denn er kann irren, aber in allem, was er sagt, muss er wahrhaftig sein.
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Re: nicht vor und nicht zurück...Sprung rückgängig machen?

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Fr 2. Okt 2020, 09:11

Das ist doch Nobelpreis in der Pädagogik. Wenn ein Kind auf dem Stuhl kippelt, schreibt er einfach das er das nicht mehr macht, und das Problem ist gelöst... Eine rhetorische Frage ist, warum man den angehenden Lehrer hohe Mathematik statt Pädagogik unterrichtet? Irgendwann wird die Leherin sich mit dem Gedanken anfreunden, dass dieser Junge auch ein Teil der Klasse ist. Spätestens wenn sie eine brennendere Baustelle in der Klasse bekommt, die sie anderweitig beschäftigt.
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