Re: IQ-Test ging schief
Verfasst: Mi 1. Dez 2010, 02:17
Hallo Winnie,
du hast einen großen Teil der Problematik wirklich hervorragend beschrieben und Deine Fallbeispiele sind sehr passend.
Auch das Thema IQ 120, IQ 130 und das geht ja noch weiter, IQ 145, die werden mit einem IQ 130 in einen Hochbegabtentopf geworfen und sind von jenen doch sogar noch weiter entfernt, als die 120 von der 130. Und weil die hier übliche Intelligenzdiagnostik alles in diese idiotische Bell-Kurve quetscht, werden noch intelligentere Menschen und deren Besonderheiten völlig ignoriert.
Du beschreibst ja sehr schön die feinen Nuancen um die es geht, die unterschiedliche Wahrnehmung, die anderen Denkmuster, dass auf der einen Seite schnellere, differenzierte Denken, zusätzlich die Fähigkeit auf verschiedenen Ebenen zu denken, dass als vermeintlicher Vorteil daher kommt, aber im Grunde in einer nicht passenden Welt ein riesen Nachteil ist, denn wenn eines jede/r Hochbegabte aus der Schule berichten kann, dann sind es diese Aufgaben, die man mit Inbrunst bearbeitet hat, wo dann jedoch am Ende steht „Am Thema vorbei“, weil man zwar aus der eigenen Sicht die „Frage“ beantwortet und noch zusätzlich das ganze Thema auf 3 DINA4 Seiten von allen Seiten mit hohem Fach- und Detailwissen beleuchtet hat, aber es dafür eben nicht die 1 gibt, sondern die bekommt der Schulsystem kompatible Hochleister mit IQ 115, der verstanden hat, das er einfach nur kurz die Frage beantworten soll, damit es irgendetwas zu benoten gibt. Also zu verstehen, dass es im Schulsystem nicht um die Inhalte geht, sondern um das Erlangen von guten Noten und die bekommt man nicht, wenn man sich kritisch mit dem Lernstoff befasst, sondern man in der Lage ist sich möglichst kompatibel gegenüber dem System zu verhalten und vor allem auch in der Lage ist die verschiedenen Lehrer/innen-Typen und deren Eigenheiten und Erwartung maximal zu erfüllen.
Ich habe mit vielen Hochbegabten über die Schulzeit gesprochen und alle haben irgendwann den klassischen Fehler gemacht und meist aus einem Anfall von Gerechtigkeitsfieber versucht mit extrem hohem Fachwissen (weit über dem Niveau der Lehrer) sich gegen bestimmte Lehrer/innen, die Schulleitung, oder gar gegen die ganze Schule zustellen und so gut wie alle sind damit gescheitert, denn auch wenn es vielleicht mal einen kleinen Sieg gab, so ist sitzt man am Ende doch am kürzeren Hebel (besser an gar keinem), denn schnelles Denken, hohes Fachwissen und kritische Intelligenz sowie ein ausgeprägter Gerechtigkeitssinn sind einfach nicht erwünscht, weil es dafür keinen Platz in den Lehrplänen gibt und leider auch nicht in den Köpfen der Lehrerschaft (denn sonst würden diese nicht nach solchen Plänen unterrichten).
Aber was bedeutet das jetzt für Hochbegabte Kinder?
Meistens ist es ja so, dass überhaupt erst reagiert wird, wenn es bereits zu Problemen gekommen ist, also im Kindergarten (dem kann man sich ja oft noch irgendwie entziehen, wenn man Glück hat), aber spätestens in der Schule kann man (im Normalfall) vor der Problematik nicht mehr fliehen (es sei denn man hat genügend Ressourcen um der Schulpflicht zu entkommen). Ich finde Deine Ansatz „Ergotherapie mit Beratung zur sozialen Integration“ super, aber ich denke, das muss in den normalen Alltag einfließen und zwar weit früher, nämlich von Geburt an.
Was meine ich damit? Letztens hatte ich ein schönes Gespräch mit meiner Frau, sie kam vom Kinderturnen und meinte sie könne dort mit wirklich niemanden über die ganz normalen Dinge sprechen, über die sich Mütter so austauschen, sie höre den anderen Müttern zu, aber (mal abgesehen von den völlig unterschiedlichen grundsätzlichen Ansichten im Umgang mit einem Kind) Nichts von dem hätte etwas mit den zutun, was sie täglich mit unserer Tochter erlebt. Ich habe ihr dann geraten mit unsere Tochter doch einfach in die Gruppe zu gehen die ein Jahr weiter ist, gesagt getan. Mein Frau kommt zurück und berichtet, das unsere Tochter (22 Monate) prima bei den 3 jährigen reinpasst, sie fällt da auch nicht auf (außer das sie alle Lieder korrekt mitsingt, mittanzt und klatscht und motorisch weiter ist) und mit den Müttern könne sie auf einmal über die normalen und banalen Dinge des Alltags sprechen.
Das ist schön für meine Frau, keine Frage, aber es ist noch wichtiger für unsere Tochter, denn sie wird von Geburt an ihrem Wesen nach behandelt und da wir auf Grund der gentischen Disposition und Familiengeschichte mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Hochbegabung ausgehen müssen, achten wir bei allem was wir tun und darauf, das wir auf ihre sehr speziellen Bedürfnisse (die sie auch bereits als Säugling hatte) auch adäquat eingehen. Das ist nicht immer leicht, weil es dafür keinen „Plan“ gibt, wir müssen also mit dem uns zur Verfügung stehenden Fachwissen, aber vor allem mit unseren eigenen Erfahrungen, die wir als Hochbegabte gemacht haben und nicht zuletzt mit unsere Intuition versuchen, die erheblichen gesellschaftlichen Mängel auszugleichen und (was ich für das Wichtigste halte) unsere Tochter sehr früh ein Bewusstsein dafür vermitteln, wie „man“ sich in dieser gegebenen Gesellschaft, als Hochbegabte klug und problemlos bewegen kann. Und da denke ich ist zum einen das einfache Vorleben wichtig, aber auch ein gezieltes „Training“ wie z.B. bei Winnies Tochter „Ergotherapie mit Beratung zur sozialen Integration“ ein wichtiger Bestandteil ist.
Wir können ja noch nicht sagen, ob das „etwas bringt“, aber wir sehen jetzt schon sehr positive Effekte unsere Tochter ist trotz ihres sehr, sehr hohen Energielevels und der noch rudimentären Fähigkeit zur emotionalen Selbstregulation , doch ein sehr ausgeglichenes, kooperatives und bedachtes Wesen. Es mag sein, dass dieses auch so wäre, ohne irgendwelches Nachdenken unsererseits über all diese Sachverhalte, aber das denke ich nicht, denn (nur um eines von dutzenden Beispielen zu nennen) unser Umgang und auch unsere Energie ist darauf ausgerichtet ein Kind zu haben, das eventuell wenig schläft und viel Energie hat. Gut wir haben nicht mit soviel Energie und so wenig Schlaf gerechnet, aber wir müssen uns auch keine Sorgen machen, wenn unsere Tochter von 06:00 Uhr bis 23:00 Uhr durch die Welt tobt und dabei zwei Erwachsene an deren Grenzen bringt, sondern wir können mit ihr, mit der Sache und auch mit uns einfach entspannter umgehen und das wirkt sich auf alle Beteiligten und auf das allgemeine Klima sehr, sehr positiv aus.
Da aus der Gesellschaft heraus kein Verständnis zu erwarten ist, diese kann das auch nicht leisten, weil sich 98/99% einfach nicht in diese Welt hineindenken können und daher Missverständnisse vorprogrammiert sind, denke ich, es ist sinnvoll das unsere Tochter (und im Grunde gilt das für alle hochbegabten Kinder), spätestens wenn sie in die Schule kommt, ein Grundverständnis dafür entwickelt hat, wer sie ist, dass sie eventuell „anderes“ ist und anderes denkt als die meisten anderen Kinder, dass sie aber trotzdem konfliktfrei und ohne Frustrationen auf Grund zu hoher Erwartungen, sich in einem System bewegen und glücksein kann, dass für sie nicht gemacht ist.
Liebe Grüße
Heiner
du hast einen großen Teil der Problematik wirklich hervorragend beschrieben und Deine Fallbeispiele sind sehr passend.
Auch das Thema IQ 120, IQ 130 und das geht ja noch weiter, IQ 145, die werden mit einem IQ 130 in einen Hochbegabtentopf geworfen und sind von jenen doch sogar noch weiter entfernt, als die 120 von der 130. Und weil die hier übliche Intelligenzdiagnostik alles in diese idiotische Bell-Kurve quetscht, werden noch intelligentere Menschen und deren Besonderheiten völlig ignoriert.
Du beschreibst ja sehr schön die feinen Nuancen um die es geht, die unterschiedliche Wahrnehmung, die anderen Denkmuster, dass auf der einen Seite schnellere, differenzierte Denken, zusätzlich die Fähigkeit auf verschiedenen Ebenen zu denken, dass als vermeintlicher Vorteil daher kommt, aber im Grunde in einer nicht passenden Welt ein riesen Nachteil ist, denn wenn eines jede/r Hochbegabte aus der Schule berichten kann, dann sind es diese Aufgaben, die man mit Inbrunst bearbeitet hat, wo dann jedoch am Ende steht „Am Thema vorbei“, weil man zwar aus der eigenen Sicht die „Frage“ beantwortet und noch zusätzlich das ganze Thema auf 3 DINA4 Seiten von allen Seiten mit hohem Fach- und Detailwissen beleuchtet hat, aber es dafür eben nicht die 1 gibt, sondern die bekommt der Schulsystem kompatible Hochleister mit IQ 115, der verstanden hat, das er einfach nur kurz die Frage beantworten soll, damit es irgendetwas zu benoten gibt. Also zu verstehen, dass es im Schulsystem nicht um die Inhalte geht, sondern um das Erlangen von guten Noten und die bekommt man nicht, wenn man sich kritisch mit dem Lernstoff befasst, sondern man in der Lage ist sich möglichst kompatibel gegenüber dem System zu verhalten und vor allem auch in der Lage ist die verschiedenen Lehrer/innen-Typen und deren Eigenheiten und Erwartung maximal zu erfüllen.
Ich habe mit vielen Hochbegabten über die Schulzeit gesprochen und alle haben irgendwann den klassischen Fehler gemacht und meist aus einem Anfall von Gerechtigkeitsfieber versucht mit extrem hohem Fachwissen (weit über dem Niveau der Lehrer) sich gegen bestimmte Lehrer/innen, die Schulleitung, oder gar gegen die ganze Schule zustellen und so gut wie alle sind damit gescheitert, denn auch wenn es vielleicht mal einen kleinen Sieg gab, so ist sitzt man am Ende doch am kürzeren Hebel (besser an gar keinem), denn schnelles Denken, hohes Fachwissen und kritische Intelligenz sowie ein ausgeprägter Gerechtigkeitssinn sind einfach nicht erwünscht, weil es dafür keinen Platz in den Lehrplänen gibt und leider auch nicht in den Köpfen der Lehrerschaft (denn sonst würden diese nicht nach solchen Plänen unterrichten).
Aber was bedeutet das jetzt für Hochbegabte Kinder?
Meistens ist es ja so, dass überhaupt erst reagiert wird, wenn es bereits zu Problemen gekommen ist, also im Kindergarten (dem kann man sich ja oft noch irgendwie entziehen, wenn man Glück hat), aber spätestens in der Schule kann man (im Normalfall) vor der Problematik nicht mehr fliehen (es sei denn man hat genügend Ressourcen um der Schulpflicht zu entkommen). Ich finde Deine Ansatz „Ergotherapie mit Beratung zur sozialen Integration“ super, aber ich denke, das muss in den normalen Alltag einfließen und zwar weit früher, nämlich von Geburt an.
Was meine ich damit? Letztens hatte ich ein schönes Gespräch mit meiner Frau, sie kam vom Kinderturnen und meinte sie könne dort mit wirklich niemanden über die ganz normalen Dinge sprechen, über die sich Mütter so austauschen, sie höre den anderen Müttern zu, aber (mal abgesehen von den völlig unterschiedlichen grundsätzlichen Ansichten im Umgang mit einem Kind) Nichts von dem hätte etwas mit den zutun, was sie täglich mit unserer Tochter erlebt. Ich habe ihr dann geraten mit unsere Tochter doch einfach in die Gruppe zu gehen die ein Jahr weiter ist, gesagt getan. Mein Frau kommt zurück und berichtet, das unsere Tochter (22 Monate) prima bei den 3 jährigen reinpasst, sie fällt da auch nicht auf (außer das sie alle Lieder korrekt mitsingt, mittanzt und klatscht und motorisch weiter ist) und mit den Müttern könne sie auf einmal über die normalen und banalen Dinge des Alltags sprechen.
Das ist schön für meine Frau, keine Frage, aber es ist noch wichtiger für unsere Tochter, denn sie wird von Geburt an ihrem Wesen nach behandelt und da wir auf Grund der gentischen Disposition und Familiengeschichte mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Hochbegabung ausgehen müssen, achten wir bei allem was wir tun und darauf, das wir auf ihre sehr speziellen Bedürfnisse (die sie auch bereits als Säugling hatte) auch adäquat eingehen. Das ist nicht immer leicht, weil es dafür keinen „Plan“ gibt, wir müssen also mit dem uns zur Verfügung stehenden Fachwissen, aber vor allem mit unseren eigenen Erfahrungen, die wir als Hochbegabte gemacht haben und nicht zuletzt mit unsere Intuition versuchen, die erheblichen gesellschaftlichen Mängel auszugleichen und (was ich für das Wichtigste halte) unsere Tochter sehr früh ein Bewusstsein dafür vermitteln, wie „man“ sich in dieser gegebenen Gesellschaft, als Hochbegabte klug und problemlos bewegen kann. Und da denke ich ist zum einen das einfache Vorleben wichtig, aber auch ein gezieltes „Training“ wie z.B. bei Winnies Tochter „Ergotherapie mit Beratung zur sozialen Integration“ ein wichtiger Bestandteil ist.
Wir können ja noch nicht sagen, ob das „etwas bringt“, aber wir sehen jetzt schon sehr positive Effekte unsere Tochter ist trotz ihres sehr, sehr hohen Energielevels und der noch rudimentären Fähigkeit zur emotionalen Selbstregulation , doch ein sehr ausgeglichenes, kooperatives und bedachtes Wesen. Es mag sein, dass dieses auch so wäre, ohne irgendwelches Nachdenken unsererseits über all diese Sachverhalte, aber das denke ich nicht, denn (nur um eines von dutzenden Beispielen zu nennen) unser Umgang und auch unsere Energie ist darauf ausgerichtet ein Kind zu haben, das eventuell wenig schläft und viel Energie hat. Gut wir haben nicht mit soviel Energie und so wenig Schlaf gerechnet, aber wir müssen uns auch keine Sorgen machen, wenn unsere Tochter von 06:00 Uhr bis 23:00 Uhr durch die Welt tobt und dabei zwei Erwachsene an deren Grenzen bringt, sondern wir können mit ihr, mit der Sache und auch mit uns einfach entspannter umgehen und das wirkt sich auf alle Beteiligten und auf das allgemeine Klima sehr, sehr positiv aus.
Da aus der Gesellschaft heraus kein Verständnis zu erwarten ist, diese kann das auch nicht leisten, weil sich 98/99% einfach nicht in diese Welt hineindenken können und daher Missverständnisse vorprogrammiert sind, denke ich, es ist sinnvoll das unsere Tochter (und im Grunde gilt das für alle hochbegabten Kinder), spätestens wenn sie in die Schule kommt, ein Grundverständnis dafür entwickelt hat, wer sie ist, dass sie eventuell „anderes“ ist und anderes denkt als die meisten anderen Kinder, dass sie aber trotzdem konfliktfrei und ohne Frustrationen auf Grund zu hoher Erwartungen, sich in einem System bewegen und glücksein kann, dass für sie nicht gemacht ist.
Liebe Grüße
Heiner