Koschka hat geschrieben:Hallo Winnie,
wo siehst du den Unterschied für das Kind zwischen einem IQ-Test und "werden von einer Pädagogin nochmal einzeln betrachtet"? Ich persönlich bevorzuge für mich selber eine schriftliche Prüfung, da steht nach der Prüfung wenigstens alles schwarz auf weiß. Bei uns im Landkreis untersuchen 2 schulpsychologen zusammen alle vorzeitig einzuschulende Kinder (geb. ab 1.1.06) und ein Bestandteil der untersuchung ist ein IQ-Test oder ein Entwicklungstest.
LG
Koschka
Jetzt kann ich dir den Unterschied sagen, vorher wusste ich das allerdings selbst nicht so genau. Also, die Pädagogin kann ungefähr sagen, wie das Kind in bestimmten Situationen im Unterricht reagieren würde. Außerdem wird in der Pädagogischen Betrachtung auch untersucht, ob das Kind selber eine Motivation mitbringt, vorzeitig eingeschult zu werden und wie weit diese reicht. Diese Dinge findet man aber nicht durch Abfragen von Wissen heraus, sondern durch ein Gespräch. Es geht zum Beispiel auch darum, ob ein Kind in der Lage ist, bestimmte Dinge zu erklären, in eigene Worte zu fassen. Ich kann jetzt natürlich nicht im Einzelnen sagen, was der Inhalt dieses Gespräches war, aber es gab beim Auswertungsgespräch einige interessante Details. Zum Beispiel wollte Amelie bei einer Aufgabe überhaupt gar nicht erst einen Versuch starten und hat dann erzählt, dass sie das damals im alten Kindergarten schon mal ausprobieren wollte. Allerdings hätte man ihr damals nicht erlaubt, das Spiel zu benutzen, weil es aus dem Schrank für die "Schulkinder" war. Sie sagte:"Wenn man mir damals erlaubt hätte, das zu üben, dann könnte ich das jetzt."

Das ist natürlich eine Antwort, die zum Nachdenken anregt. In der Auswertung fragte mich die Lehrerin, ob ich wüsste, dass ob sie das wirklich nicht kann. Ich konnte dazu nur sagen, dass sie das in der Ergotherapie gemacht hat und ich das mit ihr auch nochmal als Hausaufgaben machen musste und da konnte sie es. Ich habe natürlich nur gesehen, dass sie wiedermal nicht mitmachen wollte und dachte nur: Na toll, schon wieder!

Aber die Pädagogin sagte dann, dass es sehr positiv ist, dass sie überhaupt in der Lage ist, dieses Gefühl zu äußern. Natürlich war es nicht logisch und es klingt im Ohr der Erwachsenen erstmal wie eine Ausrede, aber dieses Erlebnis war für Amelie wichtig genug, dass sie sich daran erinnern konnte (da war sie immerhin drei Jahre alt) und ihren Unmut gegenüber einer fremden Person geäußert hat. Im Prinzip ist das die Basis, auf der man eine Zusammenarbeit aufbauen kann.
Und es ist insofern interessant, weil sie bei jeder weiteren Aufgabe gut mitgearbeit hat. Sie hat sich also wieder gefangen und den roten Faden wieder aufgenommen. Es gibt auch Kinder, die sich beim ersten Misserfolg für den Rest der Stunde nicht weiter bemühen, weil sie in ihrer Frustration gefangen bleiben.
Sowas kannst du bei einem IQ-Test nicht feststellen. Ich kann ja nur nochmal wiederholen: Wenn das Kind niemanden hat, der ihm die Zahlen von 1 - 100 erklärt, dann wacht es auch nicht eines morgens auf und kann bis 100 zählen. Und die Frage ist ja auch, ob ich die Bilder meiner Kinder als schön empfinde oder nicht und ob ich mein Kind an einem Wettbewerb teilnehmen lasse. Amelie hat da echt Pech gehabt. Als sie drei Jahre alt war, habe ich gerade mein zweites Kind bekommen und hatte weder Lust noch Zeit, mit ihr rechnen und zählen zu üben. Ich konnte mich mit Ach und Krach noch dazu überwinden, ihr während des Stillens noch was vorzulesen. Beim Kinderarzt hat Amelie dann mal gesagt:"Ich mag den Kindergarten nicht. Der ist so laut, weil der so hohe Türen hat."

Was für ein Quatsch!, denkt der gesunde Menschenverstand. Da sagte der Kinderarzt, das sei ein Zeichen für ein außergewöhnliches mathematisches Verständnis von Räumen. Sie hat die Lautstärke, sprich: die Akkustik mit der Raumhöhe in Verbindung gebracht und konnte es nur kindlich unbeholfen mit den hohen Türen umschreiben. Und sie kann definitiv immer noch nicht bis 100 zählen. Eine mathematische Begabung hat also nicht unbedingt was damit zu tun, dass ein Kind sich früh mit Zahlen beschäftigt.
Es ist in der Vorschulzeit noch zu früh, einen IQ-Test zu machen, weil besonders der Kaufmann-ABC-Test immer noch sehr stark bildungsabhängig ist. Und der wird leider in den meisten Fällen immer noch angewendet, weil es bis jetzt auch noch keinen besseren gibt. Dennoch sagen ja die anwendenden Psychologen auch selber, dass man das Ergebnis unbedingt später nochmal verifizieren muss. Eigentlich misst er ja auch nicht die Intelligenz, sondern erstellt ein Fähigkeiten-Profil, anhand dessen man ungefähr einen zu erwartenden IQ ableiten kann. Wenn die Schulärztin mit Amelie diesen Test durchgeführt hätte, würde sie irgendwo am Rande des Schwachsinns rumkrebsen. Oder wie es so schön im Gutachten hieß:"grenzwertige Leistungen bei bedingter Kooperation".

Ich bin auch so ganz zufrieden, weil niemand Amelies kognitive Fähigkeiten angezweifelt hat.
@pippiL: Warum musstet ihr was dafür bezahlen? Bei uns wäre das in jedem Fall von der Kasse übernommen worden.